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Ulrike Herrmann: Hurra, wir dürfen zahlen

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
     
   

Ulrike Herrmann in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

HERRMANN, Ulrike (2001): Die subtile Rache der Frauen.
Es ist paradox: Der Feminismus ist tot, jede einzelne Frau passt sich an - aber gerade dadurch kommt die Emanzipation. Hinterrücks ereignet sich eine Revolution,
in: TAZ v. 08.03.

Ulrike HERRMANN argumentiert auf der Gebärstreiklinie von Alice SCHWARZER. Aber davon kann gar keine Rede sein, denn die Bevölkerung ist seit den 70ern stärker gewachsen als damals prognostiziert (siehe Kommentar zu Rainer MÜNZ in der Welt v. 09.03.). Der Geburtenrückgang ist ein langfristiges Phänomen, das wesentlich älter ist als die neue Frauenbewegung. Seit Beginn der Industrialisierung gehören sinkende Geburtenzahlen zur gesellschaftlichen Normalität und so lange existiert bereits die konservative Individualisierungsdebatte...

HERMANN, Ulrike (2001): Hast du es gut, dass du allein bist.
Familienväter habens wirklich nicht leicht - vor allem wenn sie glauben, Singles trösten zu müssen
in: TAZ v. 30.11.

Was passiert, wenn ein Familienvater eine Singlefrau auf einer Party trifft, das schildert Ulrike HERMANN aus der Perspektive der Singlefrau:

"Man gibt nicht zu, dass man Single ist - und schon gar nicht unaufgefordert. Es sei denn, man will sich einen Partner angeln".

Dies ist sozusagen die Partyvariante zum Thema des Monats: Feindbild Single als Identitätsstabilisator für unzufriedene Eltern.

HERRMANN, Ulrike (2001): Scheiß auf die Typen.
Schon 400 Jahre vor "Sex and the City" wusste Moderata Fonte, dass Männer einfach niederträchtig sind - und das mit zwei Ausrufezeichen
in:
TAZ v. 18.12.

HERRMANN, Ulrike (2002): Konkurrenz um den Platzhirsch.
Sex and the City: Der weibliche Single und das Erbe der Emanzipation,
in: Zeitzeichen. Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft,  Nr.3, März
, S.33-35

HERRMANN, Ulrike (2002): Barbie wohnt im Kanzlerarmt.
Im Wahlkampf spielt auch die Kanzlergattin eine Rolle. Die Auslegung dieser Rolle will wohl überlegt sein. Aber egal ob Karin Stoiber oder Doris Schröder-Köpf, am Ende läuft die Sache immer auf das gleiche öde Hausfrauenmodell hinaus
in: TAZ v. 30.07.

HERRMANN, Ulrike (2002): Der doppelte Lohnabstand.
Das Kanzleramt denkt. Ergebnis: Arbeitslosigkeit soll Strafe sein,
in: TAZ v. 21.12.

Ein bissiger Kommentar von Ulrike HERRMANN zum Strategiepapier aus dem Kanzleramt:

Arbeitslosigkeit muss eine Strafe sein, und nur Leistung darf sich lohnen.
            Nun ist das Interessante an dieser beliebten Modellrechnung, dass sie nur unter einer einzigen Prämisse funktioniert: Familie Mustermann muss recht viele Kinder gezeugt haben. Bei kinderlosen Alleinverdienern greift immer noch das »Lohnabstandsgebot«, das die Sozialhilfe von den niedrigsten Tarifgruppen trennt. Was sich also »lohnt«, ist gar nicht die Arbeitslosigkeit - honoriert werden die Kinder."

HERRMANN, Ulrike (2003): Klassenkampf von oben.
"Generationengerechtigkeit" heißt das neue Schlagwort. Doch es führt in die Irre: Es gibt keinen Kampf zwischen den Generationen - sondern zwischen Reich und Arm,
in: TAZ v. 04.01.

HERRMANN zeichnet zuerst die politische Karriere des Begriffs "Generationengerechtigkeit" nach:

"Norbert Blüm hat den Begriff für seine Rentenreform benutzt, 1998 hat ihn die FDP für sich entdeckt. Die Liberalen können zufrieden sein mit ihrem Marketingerfolg: Inzwischen sind alle Parteien bemüht, als die Vorkämpfer der Generationengerechtigkeit zu erscheinen. Und jüngst wurde die neu entdeckte Generationengerechtigkeit noch weiter aufgewertet: Sie ist nun sogar Anliegen eines Expertengremiums - der Rürup-Kommission, die ihre Ergebnisse im Herbst 2003 vortragen wird."

Wo einige Feuilleton-Revolutionäre den Krieg der Generationen schüren möchten, da existiert jedoch Generationensolidarität. HERRMANN zitiert den Soziologen Marc SZYDLIK, der die familiären Generationenbeziehungen anhand des umfangreichen Berliner Alterssurvey empirisch untersucht hat. HERRMANN sieht deshalb nicht den Krieg zwischen den Generationen, sondern den Krieg der Reichen gegen die Armen als charakteristisch für die Gegenwart und die Zukunft an:

"Die Wohlhabenden wollen sich ein Proletariat leisten, trotz Bevölkerungsschwund. Die Solidargemeinschaft ist nicht im Jahre 2030 gefährdet, weil Alt gegen Jung kämpft, sie löst sich jetzt schon auf. Und nach allem, was man bisher aus der Rürup-Kommission hört, wird sie nicht dazu beitragen, die sozialen Unterschiede in Deutschland zu verkleinern. Im Gegenteil: Private Vorsorge begünstigt jene, die genug haben, um vorzusorgen. Aber Klassenkampf ist ja ein so unappetitliches Wort, und außerdem ist es ein Klassenkampf von oben, das ist auch nicht vorgesehen. Also reden wir uns lieber einen Krieg der Generationen ein."

HERRMANN, Ulrike (2003): Der Streit ist schon entschieden.
Grüner Sonderparteitag - Dennoch kommen die Sozialkürzungen,
in: TAZ v. 25.03.

Ulrike HERRMANN mag in vielem Recht haben, aber Soziologie ist nicht ihre Stärke:

"es ist unwahrscheinlich, dass sich (...) eine Mehrheit findet, die den neoliberalen Kurs der grünen Bundesspitze abstraft. Schon aus Taktik (...). Aber auch Soziologisches spricht dagegen: Die meisten grünen Wähler sind inzwischen über 40 Jahre alt und verdienen ganz gut. Wenn die Arbeitslosenhilfe gekürzt und der Staatshaushalt auf Kosten der Armen geordnet wird, gehören sie eher zu den Gewinnern".

Die Grünen-Wähler mögen gut gebildet sein, aber ob sie damit per se zu den Gewinnern gehören, das scheint eher fraglich. Wer die über 40jährigen in einen Topf wirft, der übersieht, dass die Scheidelinie bei den 55jährigen liegt. Die 68er gehören zu den Sozialstaatsgewinnern, während die nachkommenden Post-68er über 40 zu den großen Verlierern gehören werden.

Nicht umsonst haben vor kurzem Jürgen TRITTIN und Renate KÜNAST  - beide über 45 und unter 50 - davor gewarnt, dass den Grünen-Wählern offenbar nicht bewusst ist, dass sie zu den Verlierern der neoliberalen Reformen gehören könnten. Jürgen TRITTIN schreibt z.B.:

"zweitens ist vielfach noch nicht hinreichend begriffen worden, was die Umsetzung des Hartz-Konzepts in die Praxis für viele grüne Milieus bedeutet. Der Wegfall kommunaler Beschäftigungsgesellschaften, die Einschränkungen bei der Fort- und Weiterbildung, der Rückgang von ABM - all dies wird eine Branche von sozialen Dienstleistern, von kleinen Selbstständigen bis zu Angestellten großer Bildungsinstitute durcheinander wirbeln und tausende den Arbeitsplatz kosten".

HERRMANN, Ulrike (2003): Wer arbeitet, bleibt arm.
Rot-Grün geht ein gewagtes Experiment ein: Bei den Arbeitslosen wird gekürzt und dafür Vollbeschäftigung versprochen. Der Nachteil: Die meisten bekämen nur Niedriglohn
in: TAZ v. 10.04.

Ulrike HERRMANN kritisiert den Zynismus der Sozialstaatsreform: "Während ein offizieller Arbeitsloser eine Mahnung an die Gesellschaft ist, ein statistischer Vorwurf, hat sich ein »working poor« nicht zu beklagen. Er hat doch einen Job. Dass er dabei kaum etwas verdient, dafür kann dann niemand etwas. Mehr als einen Niedriglohn ist seine Arbeit eben nicht wert.
Vollbeschäftigung, so wird suggeriert, sei ein Versprechen an die Arbeitslosen. Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Es ist auch die Hoffnung der Begüterten, dass nicht bemerkt wird, wie ungerecht Wohlstand und Chancen verteilt sind".

HERRMANN, Ulrike (2003): Mit Zuspitzung wider den Teppichhandel.
taz-Tagesthema: Die SPD-Basis bekommt ihren Sonderparteitag - soll dort aber nicht diskutieren, sondern das Reformpaket des Kanzlers nur absegnen,
in: TAZ v. 14.04.

Der Sonderparteitag der SPD ist bereits jetzt eine Farce. Einzig ein Mitgliederbegehren ermöglicht allen Parteimitgliedern Einflussnahme auf die Reform:

Parallel läuft immer noch das »Mitgliederbegehren«, das neun linke SPDler am letzten Freitag gestartet haben. Die Initiatoren haben jetzt drei Monate Zeit, um etwa 67.000 Unterschriften zu sammeln. Denn sie müssen 10 Prozent der Genossen hinter sich versammeln, damit der Vorstand alle Parteimitglieder befragen muss, ob sie zum Beispiel gegen die Kürzung des Arbeitslosengeldes sind. (...). Scholz nannte es gestern »nicht den feinen Stil« (...). Hinter vorgehaltener Hand geben aber viele Genossen zu, dass sie den Linken so viel konspirative Energie gar nicht zugetraut hätten. Schon ein starkes Stück, am Dienstag in der Fraktion zu schweigen, während Wirtschaftsminister Wolfgang Clement seine Kürzungsprogramme vorstellt - um dann drei Tage später einfach zwei Nachrichtenagenturen zu informieren. Und nicht etwa Fraktionschef Franz Müntefering. Auch der Internet-Auftritt (www.mitgliederbegehren.de) überrascht: Dank der Computerkenntnisse der Münchner Jusos ist er mustergültig organisiert. Da hatte man sich zum Beispiel langfristig eine Domain gesichert, und die Homepage bietet einfach alles, was der Basisaktivist so braucht - nicht zuletzt die fertige Unterschriftenliste oder den Kampagnentext für die Lokalzeitung".

HERRMANN, Ulrike (2003): Zurück zur Ära Kohl,
in: TAZ v. 25.04.

HERRMANN kommentiert die Vorschläge der Rürup-Kommission zur Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre und die Wiedereinführung des schwarzen Demografiefaktors, der nun zeitgemäß rotgrün "Nachhaltigkeitsfaktor" heißt:

"Ob CDU, Grüne, FDP oder der Mainstream der SPD: Man ist sich einig, dass die Lösung lautet: »Weniger Staat, mehr private Vorsorge und Eigenverantwortung«. Genau dies ist auch die Botschaft der neuen alten Rentenformel.
Doch kann nur fürs Alter sparen, wer gut genug verdient. Nur: Das gilt nicht für die unteren 30 Prozent der Bevölkerung. Sie haben kein Vermögen, sondern vor allem Schulden. Man wird sich um sie kümmern müssen. Diese schlichte Erkenntnis kann man jetzt noch durch eine komplizierte Rentenformel ausblenden. Aber die Frage wird sich irgendwann dringend stellen, was eigentlich aus den Armen werden soll."

HERRMANN, Ulrike (2003): Visionen für drei Monate.
Auch bisher wurde bei den sozial Schwachen gekürzt, und die Linken schwiegen. Die Schieflage wurde geschickten kaschiert. Jetzt ist Schröder ehrlich - daher der Widerstand,
in: TAZ v. 08.05.

Ulrike HERRMANN kritisiert, dass weiterhin die Fiktion aufrechterhalten wird, Vollbeschäftigung sei möglich. Sie macht klar, dass Rationalisierung selbst vor dem Niedriglohnsektor nicht Halt macht:

"Die neueste Idee zum Thema lautet bekanntlich, dass ein Niedriglohnsektor ganz viele Jobs schaffen würde. Auch diesmal wird die Realität schlicht ausgeblendet.
Und diese Realität heißt etwa Metro. Vor zehn Tagen, Rheinberg am Niederrhein, Geburtsort von Claudia Schiffer: Das Topmodel unterbrach den Erziehungsurlaub kurz, um einen »Supermarkt der Zukunft« zu eröffnen. Es ist ein Supermarkt ohne Kassiererinnen. Nun verdienen Kassiererinnen schon jetzt sehr wenig; es geschieht also das angeblich Undenkbare: Rationalisierung im Niedriglohnsektor. Der Mensch hat keine Chance gegen die Maschine."

HERRMANN, Ulrike (2003): Probleme machen immer die anderen.
Ja, es gibt Arme in Deutschland. Aber das ist kein Grund, sich aufzuregen. Man sieht sie ja nie,
in: TAZ v. 15.05.

Der Kampf gegen die zunehmende Armut in Deutschland gilt heute als eine Art mildes Irresein, d.h. unerwachsen & postmaterialistisch:

"Eine andere Freundin hat mehr Verständnis: »Als ich im Studium noch nicht wusste, was aus mir werden sollte, da hatte ich auch solche linken Positionen wie du.« Wir sind übrigens gleich alt, beide berufstätig, trotzdem bin ich eine Jugendliche für sie. Erwachsene wissen eben, dass nur Ungerechtigkeit gerecht ist."

HERRMANN, Ulrike (2003): Die Wirtschaftskrise lösen? Kein Problem.
Oswald Metzger will endlich wieder mal bei "Christiansen" eingeladen werden. Sein polemisches und schlichtes Buch wird ihm da sicher helfen,
in: TAZ v. 20.05.

Oswald METZGER - das Hätschelkind der Feuilleton-Revoluzzer - möchte die Grünen als Öko-FDP profilieren. Mit Einspruch! hat er dazu das mediengerechte Buch geschrieben, das HERRMANN als das beschreibt, was es ist: "bissiges Schwarzweißdenken", das die Ökonomie der Aufmerksamkeit bedient. Das einzig Ketzerische daran ist der Gebrauch des Wortes Ketzerisch. Ansonsten wird das neoliberale Mantra - heutzutage in allen "Neue Mitte"-Medien bereits dauerpräsent - als frohe Botschaft verkündet.

HERRMANN, Ulrike (2003): Teilhabe ist ungerecht.
taz-Serie Agenda 2010 (4): Schröders SPD ist die Partei der Arbeitenden und der Familien - Schwache bleiben außen vor. Hilfe ist kein Recht mehr, sondern Gnade,
in: TAZ v. 27.05.

Ulrike HERRMANN hat die Geburtstagsrede für die 140-jährige SPD von SCHRÖDER analysiert und kommt dabei zu ähnlichen Schlüssen wie single-generation.de anlässlich eines ZEIT-Artikels von Peter GLOTZ. HERRMANN sieht in der Verwendung des Begriffs "Teilhabe" eine Neudefinition sozialer Gerechtigkeit:

"Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit stehen für positive Ziele, für eine Utopie. Sie formulieren einen sehr weit reichenden Anspruch des Einzelnen. Schröder hingegen definiert Gerechtigkeit in der Negation, als eine Art Untergrenze: »Oberstes Ziel einer Politik der Gerechtigkeit also ist es, zu verhindern, dass Menschen aus Arbeit und Gesellschaft ausgeschlossen werden. Aber auch nicht zuzulassen, dass sie dauerhaft von staatlicher Unterstützung abhängig werden.« (Hervorhebungen durch die Red.) In dieser Logik ist schon ein Minimum das Maximum an Gerechtigkeit. Teilhabe ist leicht erreichbar, wenn als einziges Kriterium gilt, dass man nicht vollkommen draußen bleibt. Da reicht es dann dicke, wenn der Lohn knapp über der Sozialhilfe liegt.
Teilhabe ist Gerechtigkeit light für die Schwachen. Aber der Begriff hat den charmanten Vorteil, deutlich besser zu klingen."

HERRMANN, Ulrike (2003): Nur keine Panik!
Die Alten kommen. Das stimmt. Trotzdem werden die Jungen im Luxus leben. Die "demografische Katastrophe" ist eine Einbildung. Aber sie ist nützlich - für die Reichen,
in: TAZ v. 26.08.

HERRMANN, Ulrike (2003): Die Erschöpfung der Eliten.
Die Leistungsträger sind gestresst. Sie arbeiten zu viel. Die Ratgeberliteratur boomt - die Ratlosigkeit auch. Zeit, sich an einen alten Spruch zu erinnern: Das Private ist politisch,
in: TAZ v. 20.09.

HERRMANN, Ulrike (2003): Generation Sparschwein.
taz-Brennpunkt: Das Bild vom "Teneriffa-Rentner" stimmt nicht, aber arm sind deutsche Senioren auch nicht gerade,
in: TAZ v. 21.10.

Der Generationenkrieg findet nur in der Öffentlichkeit statt, privat herrscht Generationenfrieden:

"Insgesamt erbringen die Rentner jährliche Leistungen von etwa 40 Milliarden Euro, schätzt der Berliner Soziologe Martin Kohli - das entspricht einem knappen Fünftel der jährlichen Ausgaben der Rentenkassen.
(...).
Vom Sparwillen der Rentner profitieren jedoch nicht alle Nachfahren gleichermaßen. (...). Die ungleiche Verteilung von Vermögen ist jedoch eine soziale Frage zwischen Arm und Reich. Einen »Generationenkrieg« gibt es nicht - sondern starke Familienbande, wie Rentner tagtäglich beweisen, indem sie ihre Kinder und Enkel beschenken
",

meint Ulrike HERRMANN.

HERRMANN, Ulrike (2003): Kinderbetreuung statt Geldstrafe.
Das CSU-Rentenkonzept ist patriarchalisch und realitätsfremd,
in: TAZ v. 18.11.

Rente nach Kinderzahl - Der nicht erklärte Krieg gegen Singles

HERRMANN, Ulrike (2004): Der Pensionär de luxe.
Die Erregung über Florian Gersters Abfindung ist berechtigt. Wer sich über aufgestiegene Kleinbürger wie den Exchef der Bundesanstalt für Arbeit echauffiert, der urteilt über die eigene soziale Gruppe,
in: TAZ v. 29.01.

Es ist eigentlich genügend über den Fall Florian Gerster geschrieben worden, die Perspektive von Ulrike HERRMANN wirft jedoch ein neues Licht auf das Geschehen:

"Ja, warum sind sie nicht alle Manager geworden, wenn es in der Wirtschaft doch so viel lukrativer zugeht?
Die bittere Antwort: Sie hätten keine Chance gehabt. Nicht weil sie dumm sind oder nicht leistungsstark - sie kommen fast alle aus der falschen Schicht. Die meisten von ihnen sind ehemalige Kleinbürger oder bestenfalls untere Mittelschicht.
(...).
Die Kleinbürger drängen in die Politik, weil sie instinktiv wissen, dass sie nur dort aufsteigen können. Nur in Volksparteien ist es ein Vorteil, aus dem Volk zu stammen: Sind doch die meisten Wähler auch Kleinbürger.
In der Wissenschaft oder im Management hingegen bleibt man unter sich; da zählt neben der Leistung vor allem der bürgerliche Habitus, wie der Soziologe Michael Hartmann ermittelt hat. Die obersten 3,5 Prozent der Bevölkerung stellen: 89 von 100 Chefs der größten deutschen Unternehmen, die Hälfte aller Professoren und mindestens 60 Prozent der Richter.
Wer oben ankommt, ob in der Politik oder in der Wirtschaft, kann immer etwas. Doch wo die Fähigen in Deutschland landen - ob im Bundestag, in der Vorstandsetage oder im Nirgendwo -, das entscheidet meist die Herkunft. Knallhart.
Wenn sich die Wähler nun erregen, dass Bundesminister zu viel verdienen - dann urteilen sie über sich selbst, über ihre eigene soziale Gruppe. Das macht das Urteil nicht zum Vorurteil, im Gegenteil. Gleiche wissen meist sehr gut, ab wann Ungleichheit unverträglich wird.
"

HERRMANN, Ulrike (2004): Mit der Bratpfanne denken.
Der Historiker Paul Nolte leistet als Essayist Ungewöhnliches: Er verbindet die präzise Analyse der deutschen Klassengesellschaft mit seinen konservativen, ja elitären Wertvorstellungen,
in: TAZ v. 25.03.

HERRMANN, Ulrike (2004): Wo Deutschland jung ist.
In religiös geprägten Gegenden kommen viele Kinder zur Welt. Bald öd und leer: Gelsenkirchen und Löbau-Zittau
in: TAZ v. 23.04.

Ulrike HERRMANN, früher für die kinderlosenfreundliche Berichterstattung bei der taz zuständig, muss nun zur Strafe über die Studie vom Berlin-Institut berichten. Mehr muss man über die bevölkerungspolitische Wende der taz nicht mehr sagen. Mit dem Zusammenhang von Katholizismus, Sozialstaat und Geburtenpolitik beschäftigt sich das Mai-Thema von single-generation.de:

"Kindersegen durch Glaubensstrenge? Das Beispiel Cloppenburg in Niedersachsen scheint dies nahe zu legen. Nirgendwo sonst kommen in Deutschland so viele Kinder zur Welt wie in dieser katholischen Enklave: 1,92 pro Frau. Allerdings, das verwirrt, sind die Protestantinnen in Cloppenburg genauso gebärfreudig - obwohl es kaum Kinderbetreuung gibt."

Der in Deutschland dominante Katholizismus ohne Katholiken erklärt, warum dies so ist.

HERRMANN, Ulrike (2004): Handreichung für ein paar Euro,
in: TAZ v. 02.08.

Ulrike HERRMANN stellt das umfangreiche Formular zur Antragstellung des Arbeitslosengelds II vor. U.a. geht es um Hilfestellungen bei der Frage, was eine "Bedarfsgemeinschaft" ist:

"Wer das Antragsformular ausfüllt, stößt gleich auf eine Frage, die entscheidend ist: die nach der »Bedarfsgemeinschaft«. Gibt es einen Gatten - oder einen Lebenspartner? Wer dort »Ja« ankreuzt, erhält meist weniger Arbeitslosengeld II. Denn ab Januar wird das Einkommen des Partners komplett berücksichtigt, ein Paar darf künftig nur noch über 622 Euro monatlich verfügen.
Ehen sind Ehen, aber ist der Mann, der in der gleichen Wohnung lebt, wirklich ein Lebenspartner? Oder doch nur ein geschätzter WG-Genosse? Das ist durch amtliche Hausbesuche nicht unbedingt festzustellen. Es könnte allerdings aufschlussreich sein, wenn nur ein Doppelbett in der Wohnung steht.
"

Die Jungle World hat letzte Woche bereits diskutieren lassen, welchen Einfluss HARTZ IV auf die Wahl der Lebensform hat. Auch Mark SIEMONS von der FAZ hat dies beschäftigt.

HERRMANN, Ulrike (2004): Wende zum Weniger bei den Grünen.
Statt ABM-Stellen werden von den Grünen jetzt Billigjobs bei den Wohlfahrtsverbänden für ein bis zwei Euro Stundenlohn akzeptiert. Beschäftigung soll sechs bis neun Monate lang dauern, etwa für arbeitslose Migrantinnen in der Pflege,
in: TAZ v. 14.08.

HERRMANN, Ulrike (2005): Statt Umsturz lieber Lifestyle und Service.
Die Grünen sind reifer geworden. Genauso wie ihre Wähler. Wohl deshalb verzichten sie lieber auf Kapitalismuskritik,
in: TAZ v. 03.05.

HERRMANN erklärt uns, warum die Grünen heutzutage gar keine Kapitalismuskritik mehr notwendig haben:

"Aus radikalen Studenten wurden gutverdienende Akademiker, die ihren 50. Geburtstag oft schon hinter sich haben. »Wer sein Eigenheim abbezahlt, hat andere Prioritäten als den Systemumsturz«, fasst der Kölner Politsoziologe und Grünen-Experte Markus Klein (35) zusammen. »Die Wähler wurden situierter - und die Partei eben auch.«
      
  Also hat man die Klassengesellschaft programmatisch längst durch die »Wissensgesellschaft« ersetzt, sind doch viele Grüne inzwischen Eltern von hoffnungsvollen Gymnasiasten. Und statt Kapitalismuskritik setzt man eher auf Lifestyle und Service."

HERRMANN, Ulrike (2006): Die Katastrophe als Chance.
In Arbeit (5): Deutschland vergreist - das ist gut so. Weil der Nachwuchs fehlt, könnte es ab 2030 wieder zu Vollbeschäftigung kommen. Davon profitieren die Unterschichten,
in: TAZ v. 16.02.

"Während in Deutschland viel über die »Vergreisung« der Gesellschaft lamentiert wird, bleibt der eigentliche Skandal unerwähnt: die große Jugendarbeitslosigkeit. Etwa 15 Prozent aller jungen Arbeitnehmer unter 25 Jahren finden derzeit keine Stelle, rechnet man nach dem internationalen ILO-Standard. Für sie ist es daher eine echte Chance, wenn sie in Zukunft mit weniger Konkurrenten um die knappe Arbeit rechnen müssen. Das sollten all jene euphorischen Familienpolitiker bedenken, die derzeit Kinder als einen Wert an sich propagieren, den es in Deutschland zu mehren gelte.
Doch dass sich der Diskurs um die angebliche »demografische Katastrophe« dreht, ist kein Zufall. Es sind vor allem die Elite und die Mittelschicht, die über die drohende »Vergreisung« klagen. Sie fürchten um ihre Privilegien",
meint Ulrike HERRMANN.

HERRMANN, Ulrike (2006): Klötzchen aus dem Schreibbaukasten.
In den letzten Jahren stieg der Historiker und Essayist Paul Nolte zum Star unter den politischen Publizisten auf. Gebannt warteten vor allem seine konservativen Fans auf das Buch "Riskante Moderne". Doch: Enttäuscht stellen sie fest, dass er nichts Neues zu sagen hat. Und überziehen ihn mit Häme,
in: TAZ v. 16.03.

HERRMANN, Ulrike (2006): Was tun ohne Vitamin B?
Rückkehr der Klassengesellschaft (3): Ausgestoßen ist, wer nur Ausgestoßene trifft. Beziehungen sind bares Geld wert. Genau deswegen wird darüber eisern geschwiegen,
in: TAZ v. 17.11.

Alexander von Schönburg - Die Kunst des stilvollen Verarmens

HERRMANN, Ulrike (2007): "Wer hat, dem wird gegeben".
Erbschaften stabilisieren die großen Vermögensunterschiede, hat der Soziologe Jürgen Schupp in einer Studie ermittelt. Nur 4 Prozent der Erben erhalten über 250.000 Euro,
in: TAZ v. 01.02.

HERRMANN, Ulrike (2007): Reichtum will geerbt werden.
Was die "Forbes"-Liste der Milliardäre über deutsche Vermögen verrät,
in: TAZ v. 10.03.

DRIBBUSCH, Barbara & Ulrike HERRMANN (2008): Die Rente in spe.
Die CDU-Parteispitze greift nicht nur ein trendiges Sozialthema auf, wenn sie sich heute in Sachen Rente verständigen will. Die Frage, ob heutige Einzahler im Alter noch abgesichert sind, bewegt längst Angehörige aller Generationen,
in: TAZ v. 05.05.

HERRMANN, Ulrike (2009): Wie geht's den Alten?
Männer kriegen mehr Rente als Frauen, Ostdeutsche mehr als Westdeutsche. Am besten geht's den Beamten. Noch ist Altersarmut selten,
in:
TAZ v. 07.05.

HERRMANN, Ulrike (2009): Steuerparadies Deutschland.
Spitzensteuersatz: Einkommensmillionäre führen weit weniger an den Fiskus ab, als sie eigentlich sollten. Damit haben sie sich aus dem Solidarsystem verabschiedet. Die Mittelschicht muss die Ärmeren allein finanzieren,
in: TAZ v. 23.11.

HERRMANN, Ulrike (2010): Konsens gegen die Armen.
Über die Hartz-IV-Reform,
in: TAZ v. 21.10.

HERRMANN, Ulrike (2010): Ihro Hoheit geruhen zu warnen.
ACHTUNG! ACHTUNG! ACHTUNG! Seine Alarmiertheit Thilo Sarrazin, Bundesbanker, befürchtet im Majestätsplural, dass wir alle aussterben und durch Kopftuchträgerinnen ersetzt werden,
in: TAZ v.
24.08.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird regelmäßig das Aussterben der Deutschen vorgerechnet. Ein ewigwährender Untergang hat der Historiker Thomas ETZEMÜLLER diesen Bevölkerungsdiskurs genannt.

In Deutschland ist diese Debatte eng verknüpft mit der Sozialstaatsdebatte - insbesondere mit der Rentendebatte, wie die Politikwissenschaftlerin Christina MAY in ihrem hervorragenden Buch Generation als Argument erläutert. MAY hat die Mediendebatten in Deutschland, den Niederlanden und in Großbritannien. Demnach wird das Aussterben inzwischen auch in solchen Ländern wie den Niederlanden thematisiert, deren Rentensystem nicht auf dem "Generationenvertrag" beruhen. Tatsächlich wurde selbst in Frankreich, das inzwischen eine bestandserhaltende Geburtenrate aufweist, das Aussterben der Franzosen proklamiert.

Wir haben es inzwischen mit einem Phänomen der Europäischen Union zu tun. So schrieb bereits Walter LAQUEUR im Jahr 2006 über die letzten Tage von Europa. Thilo SARRAZIN ist also kein Einzelfall, sondern ein verspäteter Mitläufer im Kampf um die knappe Ressource Aufmerksamkeit auf dem Felde der Bevölkerungspolitik.

Im Mai hat SARRAZIN gar behauptet, dass die Deutschen bereits in 80 Jahren ausgestorben seien. SARRAZIN muss in Deutschland immerhin die Thesen von Herwig BIRG und Gunnar HEINSOHN toppen, was notwendigerweise zu abstrusen Ergebnissen führen muss.
            Nicht nur Ulrike HERRMANN, sondern auch in der Berliner Zeitung setzt sich heute Sabine RENNEFANZ mit den Thesen von SARRAZIN auseinander:

"Sarrazin schreibt: »Die Geburtenrate ist höher als die der einheimischen Bevölkerung.«
          
 Fakt ist: Migranten bekommen ihren Nachwuchs zwar früher, sie haben aber nicht mehr Kinder als deutsche Frauen. Das hat die Soziologin Nadja Milewski von Universität Rostock in einer umfassenden Studie herausgefunden. »Frauen der zweiten Migrantengeneration haben sich dem Geburtenverhalten von deutschen Frauen nahezu angepasst«, sagt sie. Sie bekommen ihr erstes Kind im Schnitt zwei Jahre früher als Deutsche, mit 27 Jahren. Migrantinnen der ersten Generation hätten meist keine Arbeitserlaubnis gehabt. Das habe eine höhere Kinderzahl begünstigt."

HERRMANN, Ulrike (2010): Ein Land guckt weg.
Reiche in Deutschland (1): Wer arm ist, wird komplett durchleuchtet, wer Geld hat, bleibt unerfasst. Der Datenmangel ist kein Zufall, er ist politisch gewollt,
in: TAZ v. 27.08.

HERRMANN, Ulrike  (2011): Arm, ärmer, Langzeitarbeitsloser.
Kastensystem: Auch in den untersten sozialen Schichten gibt es eine subtile Hierarchie. Die Hartz-IV-Verhandlungen haben mal wieder gezeigt, wie sehr die Politiker dies ausspielen,
in:
TAZ v. 10.02.

"Ganz unten ist nicht ganz unten. Selbst für die sozialen Verlierer gilt noch eine subtile Hierarchie. Leiharbeiter sind besser als Hartz-IV-Empfänger, Niedriglöhner besser als Aufstocker - und arme Kinder laufen außer Konkurrenz",

meint Ulrike HERRMANN zur parteipolitischen Armuts-Rangfolge in Deutschland.

Neu:
HERRMANN, Ulrike (2014): Das System Schirrmacher.
Macht: Der verstorbene "FAZ"-Herausgeber galt als wichtiger Intellektueller und Trendsetter, auch bei Linken. Dabei war er nur ein raffinierter Konservativer,
in:
TAZ v. 02.07.

 
       
   

Ulrike Herrmann im Gespräch

 
   
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Hurra, wir dürfen zahlen (2010)
Der Selbstbetrug der Mittelschicht
Frankfurt a/M: Westend Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Die deutsche Mittelschicht schrumpft. Gleichzeitig werden Reiche immer reicher. Der Protest bleibt aus. Stattdessen betreiben Handwerker, Beamte und Angestellte sogar noch ihren eigenen Abstieg, indem sie klaglos zulassen, dass die sogenannten Eliten immer weniger Steuern zahlen. Wie kann das sein? Die Antwort: Die Mittelschicht sieht sich selbst als Teil der Elite – ein teurer Irrtum, der nur den wirklich Reichen nützt.

Die Mittelschicht in Deutschland betrachtet sich gerne und immer häufiger als Opfer. Ständig hat sie den Verdacht, sie würde vom Staat ausgebeutet. Doch: Stellt die Mittelschicht nicht die Mehrheit in dieser Gesellschaft? Warum stimmt sie zum Beispiel für Steuergesetze, die die Oberschicht einseitig privilegieren? Warum benimmt sich die Mittelschicht so irrational? Ulrike Herrmann untersucht den bundesdeutschen Alltag, analysiert die wundersame Vermehrung der Milliardäre, die Renaissance des Adels, die Rückkehr der Dienstboten, die Verachtung der Unterschicht und den fatalen Glauben der Mittelschicht, sie sei privilegiert. Aber die Zeit drängt. Findet die Mittelschicht nicht zu einem realistischen Selbstbild, sondern hängt weiter ihrem Elitedünkel an, wird sie auch weiterhin allein für wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen bezahlen."

 
     
 
       
   

Rezensionen

PFISTER, Sandra (2010): Wir alle sind Mittelschicht,
in:
DeutschlandRadio v. 22.03.

DERNBACH, Andrea (2010): Die teure Angst vor der Unterschicht.
Ulrike Herrmann analysiert den Realitätsverlust der Mitte – und was er kostet,
in:
TAZ v. 12.04.

GURBAXANI, Indira (2010): Wie die Mittelschicht zugrunde geht,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.04.

WALTHER, Rudolf (2010): Wer nicht zu uns gehört, ist selber schuld.
Die taz-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann analysiert den "Selbstbetrug der Mittelschicht",
in: Berliner Zeitung v. 14.05.

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 29. März 2010
Update: 20. März 2016