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Thema

 
   

Bernd Schüler:

 
   

Man muss kein Kind haben, um etwas für ein Kind zu tun
biffy Berlin - Big Friends for Youngsters e.V. vermittelt Kindern aus belasteten (Ein-Eltern)Familien erwachsene Begleiter an ihre Seite

 
       
     
       
   
     
 

Patenschaften als besondere Form solidarischer Nachbarschaftshilfe

Patenschaften? Viele denken gleich an ein Kind in Afrika und an die Möglichkeit, ihm mit einer monatlichen Überweisung zu helfen.

Weniger bekannt ist: Patenschaften sind auch geeignet, Kinder und Familien hier vor Ort zu unterstützen – als eine besondere Form solidarischer Nachbarschaftshilfe, als eine neue Art des Familienlastenausgleichs, bei dem Freiwillige ohne eigene Kinder sich für den Nachwuchs anderer Familien engagieren.

Wenn also biffy Berlin - Big Friends for Youngsters e.V. Patinnen und Paten vermittelt, dann treffen freiwillig engagierte Erwachsene ihr Patenkind regelmäßig für einige Stunden. Bei gemeinsamen Aktivitäten, ob Fußballspielen, Kuchenbacken Fahrrad reparieren oder Schulfrust bereden, lernt man sich kennen. Wenn alles gut geht, wird jeder zu einer festen Größe im Leben des anderen – eine Wahlverwandtschaft ist entstanden.

Für Ronny zumindest ist der Freitagnachmittag zum „Daniel-Tag“ geworden. Seit über drei Jahren zieht er mit dem 36-Jährigen los zu Ausflügen in der Stadt. Oder sie bleiben einfach zu Hause. „Ich habe ein offenes Ohr“, sagt Daniel, besonders für Themen, die er – noch - nicht mit anderen besprechen möchte. Immer genießt der 11-Jährige die ungeteilte Aufmerksamkeit. Und raufen kann er auch mit Daniel, und das nicht zu knapp.

Lektionen für das Leben sind auch dabei: Ronny lernt, Absprachen einzuhalten. Sein Pate wiederum übt sich darin, mit der Unruhe des Kindes umzugehen – und selbst umso klarer zu sein. Die Mutter gewinnt Zeit, um selbst einmal durchzuatmen. „Und ich bin froh“, sagt die Alleinerziehende, „dass Ronny auch zu Dingen Zugang bekommt, die die Alleinerziehende ihm nicht zeigen kann.“ Wie viele andere Mütter berichtet sie davon, dass ihr Sohn nach dem Paten-Nachmittag ausgeglichener nach Hause kommt – oftmals eine wichtige Erleichterung für den Familienalltag.

Die Nachfrage nach männlichen Paten ist groß

Zur Zeit begleitet der Berliner Verein rund 80 Patenschaften, laufend kommen neue hinzu. Alleinerziehende mit unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Hintergründen suchen meist einen Menschen, der dem eigenen Kind einen Ausgleich und neue Horizonte inmitten vielfältiger Belastungen bietet. Vor allem für Söhne wünschen sich Mütter eine männliche Bezugsperson - die sonst fehlt. „Viele haben keine Verwandte am Ort, die als verlässliche Begleiter für das Kind bereitstehen“, sagt Andrea Brandt, eine der beiden biffy-Koordinatorinnen mit Sitz in einem Kreuzberger Nachbarschaftshaus.

Es werden immer mehr, aber es sind noch nicht genügend männliche Paten, um die Nachfrage an großen Freunden zu decken. Die Freiwilligen, die sich melden, sind meist zwischen 35 und 55 Jahre alt und (noch) kinderlos – aber bereit, ein Stück Verantwortung für ein Kind zu übernehmen.

Koordinatorinnen bereiten auf die neue Rolle vor und vermitteln bei Problemen

Damit die Erwachsenen in ihre neue Rolle gut hineinwachsen können, werden sie in ausführlichen Vorgesprächen und in zwei Trainings vorbereitet. Wer Patin/ Pate werden will, muss außerdem u. a. ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und sich für mindestens ein Jahr regelmäßig Zeit nehmen können. Auch die Mütter sind gehalten, mit der Patin/ dem Paten einen guten Kontakt aufzubauen - ein wichtiger Beitrag zum Gelingen der Patenschaft, aber auch eine präventive Maßnahme zum Schutze der Kinder.

biffy-Patinnen und -Paten sind

• ebenso Spielgefährten wie Wegbegleiter eines Kindes,
• eher Zuhörer und Mutmacher als Erziehungspersonen,
• weder bloße Babysitter noch Nachhilfelehrer.

Die Koordinatorinnen begleiten die Beteiligten. "Natürlich gibt es manchmal in Patenschaften Probleme, Missverständnisse und Durststrecken", sagt Koordinatorin Renate Hoheisel. Beziehungsarbeit ist gefragt, wenn Mütter nicht loslassen können, Paten sich vorschnell zu Erziehern aufspielen oder einfach gegensätzliche Werte aufeinanderstoßen. Gefordert sind dann Toleranz, Respekt, Empathie – lauter Themen, die gemeinsam bearbeitet werden können und ein soziales Lernen auch bei den Erwachsenen anstoßen.

Die Kinder wünschen sich meistens einfach nur, dass ihre Patin/ ihr Pate für sie da sind (endlich mal ungeteilte Aufmerksamkeit). Sie freuen sich über gemeinsame Aktivitäten, die ihnen die eigenen Mütter allein zwangsläufig nicht so leicht bieten können (mal zum Fußball-Spiel gehen). Sie schätzen Anregungen zum Umgang mit alltäglichen Problemen (das Abreagieren von Schulfrust oder die geeignete Ansprache der angebeteten Nachbarin).

"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind stark zu machen"

Wie wichtig solche Impulse von außenstehenden Begleitern sein können, wird von einschlägigen Wissenschaftlern in letzter Zeit wiederholt hervorgehoben. "Für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen sind nicht allein Familien und Staat verantwortlich", sagte Thomas Rauschenbach, Leiter des Deutschen Jugend-Institutes, anlässlich der Veröffentlichung des letzten Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung, "wir brauchen mehr gesellschaftliche Akteure, die sich an diesem Prozess beteiligen." Und in der 2007 erschienenen Kinderstudie von Worldvision bemüht der Bielefelder Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann ein afrikanisches Sprichwort, das biffy Berlin e.V. seit langem als Motto seiner Arbeit voranstellt: "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind stark zu machen."

Patenschaften in den Medien  

Auch die Medien werden mehr und mehr aufmerksam auf die noch sehr ungewohnte Verantwortungsrolle des Paten. Weil diese Rolle noch sehr vage ist, wird sie gerne in Familien-Kategorien gekleidet: "Pate statt Papi" heißt es beispielsweise in einem Spiegel special – wobei eine Patenschaft nie einen Vater ersetzen, allenfalls das Leben des Kindes um eine männliche Bezugsperson erweitern kann. So oder so geht es um nicht weniger als um "das Glück eines anderen", titelte am 12. April 2007 zumindest DIE ZEIT  .

Und noch eine Einsicht, gesehen von Single-generation.de: "Singles und Familien müssen kein Widerspruch sein, sie können sich gut ergänzen."

Kontakt:

Koordination Andrea Brandt und Renate Hoheisel, Email koordination@biffy-berlin.de, Telefon 030/ 69049723.

Vorstand biffy Berlin e.V., Gneisenaustr. 49, 10961 Berlin, Email bernd.schueler@biffy-berlin.de, Telefon 030/ 42090752, www.biffy-berlin.de

biffy-Geschichte in Kürze:

Seit 2004 vermittelt und begleitet biffy Berlin e.V. mit Sitz in Berlin-Kreuzberg Patenschaften zwischen Kindern im Grundschulalter und freiwilligen Erwachsenen, die sich als ihr freundschaftlicher Begleiter engagieren wollen. Damit wird ein Programm weitergeführt, das von 2000 bis 2004 die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung aufgebaut hat. Nachdem der Großsponsor ausstieg, gründeten in Berlin engagierte Patinnen und Eltern einen Verein, um das Angebot aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2007 wird biffy Berlin e.V. gefördert von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin und der State Street Bank.

 
     
 
       
       
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. November 2007
Update: 12. Dezember 2014