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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Ehen in Deutschland

 
       
   

Die Scheidung und Beziehungsfähigkeit als Dauerthema der neokonservativen Debatte in Deutschland: Partnerschaft in Zeiten von Neoliberalismus, Kindeswohl und Demografisierung gesellschaftlicher Probleme

 
       
   

Die Chronologie der Debatte

 
       
   
     
 

Vorbemerkung

Ist die Ehe ein Auslaufmodell? Oder geht es nur um einen Monopolverlust der Ehe? Die Debatte wurde in den 1990er Jahren durch die Individualisierungsthese von Ulrich BECK geprägt. Das Buch Das ganz normale Chaos wurde im Jahr 1990 zum Bestseller und der Begriff Single-Gesellschaft war in aller Munde. Während feministische Wissenschaftlerinnen den Single in den 1980er Jahren zum Pionier der Moderne stilisiert hatten, sah die Bevölkerungswissenschaft und die Familienforschung den Single als als Gegenbild zur traditionellen Ehe und Familie. Die kinderlose, alleinlebende Karrierefrau wurde zur Symbolfigur der reflexiven Moderne erhoben.

Als 1995 das Buch Die "Single-Gesellschaft" erschien, war der Wandel des Wertewandels bereits im Gange, der mit den Romanen Ausweitung der Kampfzone und Elementarteilchen des Schriftstellers Michel HOUELLEBECQ seinen literarischen Ausdruck fand. In den Nuller Jahren sprach man nicht mehr vom Leitbild, sondern vom Leidbild Single. Nicht mehr die Optionsvielfalt der jungen Ledigen, sondern  die männlichen Scheidungssingles im mittleren Lebensalter und die unfreiwilligen Problemsingles wurden zum Prototypen einer fehlgeleiteten Moderne.

Ehelosigkeit erscheint im neokonservativen Diskurs in erster Linie als Partnerlosigkeit. Singles werden deshalb negative Auswirkungen ihres Lebensstils zugeschrieben: Einsamkeit, geringere Lebenserwartung und andere gesundheitliche Probleme. Partnerschaftliche Lebensformen von Singles jenseits der Ehe gelten entweder als Hauptursache des Geburtenrückgangs oder werden ausgeblendet bzw. Ignoriert. Mit dem Paradigmenwechsel der Single-Debatte vom Alleinwohnen zur Partnerlosigkeit und Kinderlosigkeit im Laufe der 1990er Jahre geht eine zunehmende Stigmatisierung von Lebensformen jenseits der Ehe einher. Der aufstrebende Nationalkonservatismus, dessen sichtbarstes Zeichen der Erfolg der AfD ist, könnte im nächsten Jahrzehnt zur dominanten politischen Richtung werden. Die neokonservativen Wende wurde von der Soziologin Kornelia KOPPETSCH als Wiederkehr der Konformität auf den Punkt gebracht.

In dieser Bibliografie wird die öffentliche Debatte um die Ehe in ihrer psychologischen (Beziehungsfähigkeit), sozioökonomischen (Bildungshomogenität), bevölkerungspolitischen (Kinderlosigkeit, Geburtenrückgang) und rechtlichen Dimension (Reform des Eherechts) sichtbar. Die Jahre 1990 - 2002 können als Vorgeschichte der neokonservativen Wende gesehen werden. Immer wieder finden sich in dieser Bibliografie Querverweise auf vertiefende Teilaspekte (z.B. die Debatte um das Ehegattensplitting), die in anderen Bibliografien zu finden sind.

Kommentierte Bibliografie (1990 - 2002)

1990

BECK, Ulrich & Elisabeth BECK-GERNSHEIM (1990): Das ganz normale Chaos der Liebe, Frankfurt a/M: Suhrkamp Verlag

Das ganz normale Chaos der Liebe

"Männer und Frauen werden mehr und mehr die Gesetzgeber ihrer eigenen Lebensform, die Richter ihrer Verfehlungen, die Priester, die ihre Schuld wegküssen, die Therapeuten, die die Fesseln der Vergangenheit lockern und lösen. Aber auch die Rächer, die Vergeltung üben für erlittene Verletzungen. Liebe wird eine Leerformel, die die Liebenden selbst zu füllen haben, über die sich auftuenden Gräben der Biographien hinweg - auch wenn dabei der Schlagertext, die Werbung, das pornographische Skript, die Mätressenliteratur, die Psychoanalyse Regie führen."
(Klappentext)

"Wenn »Gleichheit« im Sinne der Durchsetzung der Arbeitsmarktgesellschaft für alle gedeutet und betrieben wird, dann wird - implizit - mit der Gleichstellung letztlich die vollmobile Single-Gesellschaft geschaffen.
      
  Die Grundfigur der durchgesetzten Moderne ist - zu Ende gedacht - der oder die Alleinstehende (Lerke Gravenhorst).
(...). Daß dies nicht nur ein Gedankenexperiment ist, zeigen die sprunghaft ansteigenden Zahlen für Einpersonenhaushalte und alleinerziehende Mütter und Väter im internationalen Vergleich".
(1990, S. 190)

KRÜGER, Dorothea (1990): Alleinleben in einer paarorientierten Gesellschaft. Eine Qualitative Studie über die Lebenssituation und das Selbstverständnis 30- bis 45-jähriger lediger, alleinlebender Frauen und Männer, Pfaffenweiler: Centaurus.

Alleinleben in einer paarorientierten Gesellschaft

"Singleforschung ist zu allererst qualitative Forschung, die mit Interviews arbeitet, in denen Frauen entweder überrepräsentiert sind oder Männer erst gar nicht befragt werden. So kommt z.B. Dorothea KRÜGER in ihrer Studie Alleinleben in einer paarorientierten Gesellschaft (1990) aufgrund einer Literaturanalyse zu dem Ergebnis, dass sich die wissenschaftliche Literatur bis Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre fast ausschließlich mit der Situation alleinlebender Frauen befasst hat."
(single-generation.de, 2000)

1992

SCHNEIDER, Peter (1992): Paarungen. Berlin: Rowohlt

Paarungen

"Die Stadt, die Peter Schneider in seinem Roman porträtiert, gibt es so nicht mehr: ein zerstrittenes Paar, durch eine Mauer hermetisch in Ost und West getrennt, ein Menetekel, ein gespaltener Moloch, aus dem die Geschichte sich für eine Weile verabschiedet zu haben scheint. Im Schatten der berüchtigten Trennmauer aber reproduziert sich zwanghaft das Motiv von Paarung und Trennung. »Am seltsamsten war, daß die Bewohner ihren Mauertick nicht zu bemerken schienen. Als führten sie mit ihrem rastlosen Teilen und Trennen ein Muster aus, das in ihre Seele eingeprägt war.«
      
Auch in der Liebe wütet ein Trennungsvirus, und niemand scheint dagegen gefeit. Drei Freunde, Stammgäste einer der unzähligen Stammkneipen im Zentrum der westlichen Halbstadt, tauschen ihre Erfahrungen aus. Eduard, Biochemiker, lebt in getrennten Wohnungen und scheinbar stabiler Beziehung mit Klara, bis ihn eines Tages Zweifel an seiner Liebesfähigkeit befallen. Theo, Schriftsteller und offizieller »Mauerspringer« von »drüben«, nutzt seinen Doppelpaß zu bequemen Fluchten und Ausfluchten, bevor die Stasi seiner hinhaltenden Beziehung zu Pauline ein Ende setzt. André, international gefragter Komponist, stürzt sich, Rettung aus dem eigenen Beziehungschaos suchend, in eine Ehe, die die Hochzeit nicht übersteht.
      
Sind sie Opfer oder Täter? Versuchspersonen bei einem Experiment, dessen Ausgang noch niemand absehen kann? Festzustehen scheint nicht mehr, als daß die alten Rituale und Institutionen der Liebe überlebt sind, neue aber noch nicht gefunden. Eine paradoxe Situation: Jede Art und Abart der Liebe ist wissenschaftlich erforscht und wird öffentlich debattiert, Konjunkturritter bieten täglich neue Therapieformeln an, und doch herrscht über das Zusammenleben der Geschlechter größere Ratlosigkeit als je zuvor. Peter Schneider, dessen »Lenz« ein Kultbuch der neuen Linken war, der mit »Mauerspringer« die Mauer im Kopf dingfest gemacht hat, nimmt mit »Paarungen« ein Thema auf, dem die neuere deutsche Literatur sonst allenfalls mit Subjektivismus begegnet. Mit Scharfsinn, mit Witz und Betroffenheit geht er der Frage nach, wie jene Generation, die 1968 radikal mit den Vätern abrechnete, mit der Liebe umgeht."
(Klappentext)

1993

KLEIN, Thomas (1993): "Marriage squeeze" und Heiratsverhalten. Eine empirische Untersuchung zum Einfluß struktureller Faktoren auf den individuellen Lebensverlauf, in: Diekmann, A. & Weick S. (Hg.) Der Familienzyklus als sozialer Prozeß. Bevölkerungssoziologische Untersuchungen mit den Methoden der Ereignisanalyse. Berlin: Duncker & Humblodt, S.234-258

1994

KLEIN, Thomas (1994): Marriage Squeeze und Ehestabilität.
Eine empirische Untersuchung mit den Daten des sozioökonomischen Panels
in: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 3, S.177-196

1995

HRADIL, Stefan (1995): Die "Single-Gesellschaft". Schriftenreihe des Bundeskanzleramtes Band 17, München: C.H. Beck Verlag

Die "Single-Gesellschaft"

"Immer mehr Menschen wohnen alleine. Die Zahl der »Singles« wächst in nie gekanntem Ausmaß. Die einen sehen in ihnen autonome Persönlichkeiten, emanzipierte Frauen und berufliche Leistungshelden. Die anderen bedauern sie als einsam und sexuell frustriert, halten Alleinlebende für abschreckende Beispiele von Egoismus, Kontaktunfähigkeit und Sozialschmarotzertum.

Welche Auswirkungen wird das zunehmende Alleinleben haben: Wer wird die alt gewordenen Singles pflegen, wer baut die vielen Wohnungen für sie, wer entsorgt den Müllberg? Die Gefahren von Vorurteilen mehren sich. Übertriebenen Ängsten und heilversprechenden Hoffnungen kann nur mit exakten Kenntnissen und Prognosen begegnet werden.

Im vorliegenden Buch wird dargestellt,
- wie viele Singles es früher gab, heute gibt und in Zukunft geben wird, wie sie leben, welche Typen auseinanderzuhalten sind,
- warum immer mehr Menschen als Singles leben,
- inwieweit Singles »nützlich« oder »schädlich« sind, was sie künftig zur Lösung unserer Probleme beitragen,
- welche Gestaltungswege es gibt: hin zur »moralischen« Gesellschaft, zur »Partizipationsgesellschaft«, zur »solidarischen« Gesellschaft oder zur »Mitarbeitsgesellschaft«.

Das Fazit: Die »Single-Gesellschaft« wird es nicht geben. Wohl aber werden wir mehr als bisher die Folgen vermehrten Alleinlebens beachten müssen."
(Klappentext)

1997

BURKART, Günter (1997): Lebensphasen - Liebesphasen. Vom Paar zur Ehe zum Single und zurück? Opladen: Leske + Budrich

Lebensphasen - Liebesphasen

"Nach wie vor überwiegt eine statistische Betrachtung bei der Analyse alternativer Lebensformen. In einer lebenslauftheoretischen Perspektive wird hier gezeigt, daß Lebensformen eigentlich Lebensphasen sind, die weit weniger frei gewählt werden können als in der Rede von den »pluralisierten Lebensformen« anklingt."
(Klappentext)

"Die Kohabitation wurde (...) in den siebziger Jahren als neue Lebensform etabliert, zunächst nicht als Alternative zur Ehe im allgemeinen, sondern als Alternative zur frühen Ehe, zum Alleinleben und zum längeren Verweilen im Elternhaus. Ihre Träger waren die jungen Erwachsenen der Bildungsexpansionsphase.
Hier taucht die Frage auf, ob vielleicht diese Generation der Bildungsexpansion besonders anfällig ist für das Scheitern von Ehe und Familie, nicht nur, weil sie die erste ist, die das Experiment versucht, anders zu leben (erst mal nicht den gesicherten Weg zu Familie und Karriere einzuschlagen, aber dann, später, vielleicht nicht mehr dazu in der Lage zu sein), sondern auch weil es sich dabei häufig um soziale Aufsteiger handelt. Bei ihnen sind Probleme mit der habituellen Übereinstimmung in der Partnerschaft wahrscheinlicher, sind sie doch hin- und hergerissen zwischen dem Herkunftsmilieu (meist Arbeiter- oder kleinbürgerliches »Harmoniemilieu«) und dem durch den Gang ins Bildungsmilieu erworbenen Selbstverwirklichungsdiskurs." (1997, S.90f.)

HONDRICH, Karl Otto (1997): Die Dialektik von Kollektivierung und Individualisierung - am Beispiel der Paarbeziehung, in: Stefan Hradil (Hrsg.) Differenz und Integration. Die Zukunft moderner Gesellschaften. Verhandlungen des 28.Kongresses der DGS in Dresden 1996, Frankfurt, S. 298-308

SANDER, Dirk (1997): Warum (noch) ledig? Warum nicht Ehe? Lebensformen lediger Erwachsener, Bielefeld: Kleine Verlag

Warum (noch) ledig? Warum nicht Ehe?

"Die Pluralisierung von Beziehungsformen macht eine Soziologie der Zweierbeziehung erforderlich, die sowohl Ehen wie auch nichteheliche Formen einbezieht. In dieser Einführung werden die bislang verstreuten Beiträge gebündelt, systematisiert und in einer soziologischen Perspektive verdichtet. Zweierbeziehungen werden als soziale Wechselwirkungen aufgefaßt und nicht als bloßer Ausfluß der Psyche der Einzelindividuen. Der Autor behandelt ausführlich den Phasenverlauf der Zweierbeziehungen, die Konstruktion einer Paar-Wirklichkeit und die Emotionen in Zweierbeziehungen. " aber werden wir mehr als bisher die Folgen vermehrten Alleinlebens beachten müssen."
(Klappentext)

BLOSSFELD, Hans-Peter & Andreas TIMM (1997): Der Einfluß des Bildungssystems auf den Heiratsmarkt.
Eine Längsschnittanalyse der Wahl des ersten Ehepartners im Lebenslauf.
In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 49, H.3, S.440-476

BAUMGARTEN, Katrin (1997): Hagestolz und alte Jungfer. Entwicklung, Instrumentalisierung und Fortleben von Klischees und Stereotypen über Unverheiratetgebliebene, Münster/New York: Waxmann.

Hagestolz und alte Jungfer

"Klischees und Stereotypen sind ein in hohem Maße kulturelles Phänomen, das die Normen und Werte einer Gesellschaft, deren Einforderung und Wandel spiegelt. Am Beispiel der ‘Figuren’ des Hagestolzes und der Alten Jungfer zeichnet die Autorin die Entwicklung und Rezeption solcher Stereotypen von der vorbürgerlichen Gesellschaft bis in die Gegenwart nach. Dienten diese ursprünglich der Verspottung und Diskriminierung vor allem weiblicher Unverheiratetgebliebener, um deren Normverstoß zu ahnden, konnten sie seit dem 19. Jahrhundert auch gegen neue Formen der Normabweichung instrumentalisiert werden. So leistete das Schreckbild der Alten Jungfer in der Auseinandersetzung mit der Frauenemanzipationsbewegung jahrzehntelang gute Dienste. Die Arbeit wirft damit auch ein Schlaglicht auf die Problematik der Geschlechterdifferenz. Die Frage, wie sich die moderne ‘Singlekultur’ zu den überkommenen Klischees stellt, beschließt den auf breiter Quellenbasis erarbeiteten und reich illustrierten Band."
(Klappentext)

"Die kritische Beleuchtung der modernen Singlekultur belegt die Dauerhaftigkeit der Stereotypen. Deren Etablierung hat noch längst keine Anerkennung der Ehe- und Partnerlosigkeit als gleichwertiger Dauerlebensform bewirkt. Dies bezeugen nicht nur sozialwissenschaftliche Untersuchungen. In einer Gesellschaft, die die Ehe nach wie vor verfassungsrechtlich und gesellschaftspolitisch privilegiert und uneheliche Gemeinschaften diskriminiert, sind auch Unverheiratete in mancher Hinsicht benachteiligt. Die Hauptprobleme liegen aber nach wie vor in jenem Konglomerat aus Vorurteilen, Klischees und psychisch-emotionalen Grundeinstellungen, die Unverheiratete, sobald sich ihre Lebensform als Dauerzustand und nicht als mittlerweile akzeptierte Übergangslösung abzeichnet, unter Rechtfertigungsdruck setzt. Und noch immer sind Frauen stärker in die Defensive gedrängt als Männer. Solange das Sozialprestige des Mannes in stärkerem Maße von dessen beruflichen Image bestimmt ist als das der Frau, wird sich daran auch wenig ändern. Es darf daher in Frage gestellt werden, ob der spielerische Umgang mit dieser Problematik, wie er sich etwa in der modernen Frauen- und Unerhaltungsliteratur findet, als Anzeichen für einen nachhaltigen Wandel zum Besseren angesehen werden kann. Solange auch hier zum Happy-End die Hochzeitsglocken läuten müssen, scheinen die Klischees ihre wenn auch relativierte Gültigkeit unter Beweis stellen zu können." (1997, S.307f.)

1998

LENZ, Karl (1998): Soziologie der Zweierbeziehung. Eine Einführung. Opladen: Westdeutscher Verlag

Soziologie der Zweierbeziehung

"Die Pluralisierung von Beziehungsformen macht eine Soziologie der Zweierbeziehung erforderlich, die sowohl Ehen wie auch nichteheliche Formen einbezieht. In dieser Einführung werden die bislang verstreuten Beiträge gebündelt, systematisiert und in einer soziologischen Perspektive verdichtet. Zweierbeziehungen werden als soziale Wechselwirkungen aufgefaßt und nicht als bloßer Ausfluß der Psyche der Einzelindividuen. Der Autor behandelt ausführlich den Phasenverlauf der Zweierbeziehungen, die Konstruktion einer Paar-Wirklichkeit und die Emotionen in Zweierbeziehungen. " aber werden wir mehr als bisher die Folgen vermehrten Alleinlebens beachten müssen."
(Klappentext)

NAVE-HERZ, Rosemarie & Dirk SANDER (1998): Heirat ausgeschlossen? Ledige Erwachsene in sozialhistorischer und subjektiver Perspektive, Frankfurt/New York: Campus

Heirat ausgeschlossen?

"Die Zahl der auf Dauer ledig Bleibenden nimmt in Deutschland seit den fünfziger Jahren stetig zu. Die Autoren bieten Erklärungen für diesen Trend, der deshalb überrascht, weil die ökonomischen und rechtlichen Bedingungen für die Eheschließung noch nie so günstig waren. Dazu analysieren sie die Wirkungen des Wandels der Rechtsnormen und der gesellschaftlichen Bewertung des Ledigenstatus, der zunehmenden Individualisierung und der verbesserten Wohnbedingungen und lassen anhand empirischer Erhebungen die »Betroffenen« zu Wort kommen."
(Klappentext)

1999

HOUELLEBECQ, Michael (1999): Ausweitung der Kampfzone, Wagenbach Verlag

Ausweitung der Kampfzone

"Ein junger Informatiker, der für eine Pariser Software-Firma arbeitet, ist der Held dieses in einem einzigen straff gespannten Bogen erzählten Romans. Seine betriebsame, aber kommunikationslose Umgebung versteht er meisterhaft zu sezieren. Eines Tages unternimmt er eine Dienstreise in die Provinz, gemeinsam mit einem ebenso erotomanischen wie verklemmten Kollegen, einer Inkarnation all jener Eigenschaften, die er an seinen Mitmenschen verachtet. Am Weihnachtsabend in einer Diskothek, drückt er ihm ein Messer in die Hand."
(Klappentext)

»Der Sex, sagte ich mir, stellt in unserer Gesellschaft eindeutig ein zweites Differenzierungssystem dar, das vom Geld völlig unabhängig ist (...) Manche gewinnen auf beiden Ebenen; andere verlieren auf beiden«. Der Ich-Erzähler und seine Arbeitskollegen sind dagegen in wirtschaftlicher Hinsicht Sieger, aber in sexueller Hinsicht Verlierer. Dies trifft auch auf Bernard zu, mit dem er sein Pariser Büro teilt. »Ein Typ wie er müßte eigentlich Kinder haben. (...) Aber nein, er ist nicht einmal verheiratet. Bloß eine trockene Frucht.»« Es trifft auf Jean-Yves Fréhaut zu, der zur gleichen Zeit in die Firma eingetreten ist und den Typus eines Akteurs der »telematischen Revolution« verkörpert. »Er selbst hatte, da bin ich sicher, nie eine Liaison gehabt; seine Freiheit aber erreichte den höchsten Grad«. Und es trifft auf seinen Kollegen Tisserand zu, mit dem er gemeinsam eine Dienstreise durch die Provinz unternimmt und der ihm gesteht »ich bin achtundzwanzig und immer noch Jungfrau!« (1999)

KLEIN, Thomas (1999): Pluralisierung versus Umstrukturierung am Beispiel Partnerschaftlicher Lebensformen,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 3, S.469-490

2000

WIRTH, Heike (2000): Bildung, Klassenlage und Partnerwahl. Eine empirische Analyse zum Wandel der bildungs- und klassenspezifischen Heiratsbeziehungen, Opladen: Leske & Budrich

Bildung, Klassenlage und Partnerwahl

"Die vorliegende Studie ist ein Beitrag zu der Diskussion um die zunehmende Individualisierung, die in der deutschen sozialwissenschaftlichen Literatur einen breiten Raum einnimmt. Der Individualisierungsthese zufolge geht der Einfluß von sozio-ökonomischen Merkmalen auf individuelle Handlungsorientierungen und damit auf die Strukturierung von sozialen Beziehungen zurück, die Gesellschaft wird offener. In diesem Buch wird diese These am Beispiel von Ehepartnerschaften, als einem wichtigen Typus dauerhafter sozialer Beziehungen, überprüft. Im ersten Teil der Arbeit werden handlungstheoretische Modelle der Partnerwahl dargestellt. Es wird diskutiert, wie sich die Gelegenheitsstrukturen für 'meeting und mating' als Folge der Bildungsexpansion und des berufsstrukturellen Wandels für Männer und Frauen ändern und wie hierdurch neue Restriktionen und Chancen für die Handlungsoptionen von Individuen geschaffen werden. Im zweiten Teil wird der Wandel der bildungs- und klassenspezifischen Heiratsmuster im Kohortenverlauf analysiert. Datengrundlage für die empirischen Analysen sind die Daten der Volkszählung 1970 und des Mikrozensus 1993. Letzterer ermöglicht auch, die bisher noch wenig erforschte Situation in der ehemaligen DDR in die Analyse einzubeziehen."
(Klappentext)

LAMBECK, Silke (2000): Werden wir alle Singles?
Die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt, die der Scheidungen auch. Sind wir alle beziehungsunfähig geworden?
in: Marie Claire, April

PEINE, Sibylle (2000): Hochzeit adé, Scheidung juchhe
Schräge Familien und Alleinerziehende als Trend im Fernsehen und Problem in der Werbung.
in: Welt v. 30.05.

KN (2000): Traumurlaub endet nicht selten mit Ehekrise oder Scheidung.
Ab und zu Solo in den Urlaub kann Partnerschaft neu beleben,
in: Kieler Nachrichten v. 11.08.

TIME-Titelgeschichte: Who Needs a Husband?
More
women are saying no to marriage and embracing the single life. Are they happy?

EDWARDS, Tamala M. (2000): Flying solo.
More women are deciding that marriage is not inevitable, that they can lead a fulfilling life as a single. It's an empowering choice, but for many not an easy one,
in: Time Nr.28 v. 28.08.

KIRN, Walter (2000): Should You Stay Together For The Kids?
A controversial book argues that the damage from divorce is serious and lasting, but many argue that the remedy of parents staying hitched is worse than the ailment,
in: Time v. 25.09.

Titelgeschichte zur amerikanische Debatte über das Scheidungsrecht und seine Folgen.

BETTERMANN, Stella (2000): Miss Judys Zündstoff.
Werden Scheidungskinder beziehungsunfähig? US-Medien diskutieren eine Studie der Trennungs-Pessimistin Judith Wallerstein,
in: Focus Nr.40 v. 30.09.

Focus-Artikel zur Time-Titelstory v. 25.09.

DOINET, Rupp u.a. (2000): Szenen einer Ehe,
in: Stern Nr.51 v. 14.12.

Der Stern passt sich der Boulevardpresse an und spekuliert über die Ehe von B.B.. Dazu passt der Satz aus dem Freitag Nr.51 v. 15.12.:

"Die Boulevardpresse hat endgültig die traditionellen Meinungsmacher der politischen Magazine abgelöst, Bunte statt Spiegel".

Die Leser dürfen natürlich mitdiskutieren. Über was wohl?

"Ist die Ehe fürs Leben ein Auslaufmodell?"

B.B. & B.B. als "Alpha-Paar", da wissen die "Beta-Paare" endlich wo es lang zu gehen hat.

BOENISCH, Julia (2000): Die Verlierer sind immer die Kinder.
Der Streit um die Kinder wird in vielen Prominenten-Ehen zum öffentlichen Rosenkrieg,
in: Welt am Sonntag v. 17.12.

Für "Beta-Paare", die sich an "Alpha-Paaren" (siehe Stern v. 14.12.2000) orientieren möchten. Die anderen können den Artikel ignorieren.

2001

KLEIN, Thomas (Hrsg)(2001): Partnerwahl und Heiratsmuster. sozialstrukturelle Voraussetzungen der Liebe, Opladen: Leske + Budrich

Partnerwahl und Heiratsmuster

"Die Wahl des Lebenspartners: Eine vermeintlich ganz private Angelegenheit, die allenfalls psychologisch zugänglich erscheint? Analysen zeigen, dass die Partnerwahl nur auf den ersten Blick höchst privat und individuell ist. Tatsächlich folgt sie nämlich sozialen Regelmäßigkeiten:
Weit überzufällig finden Partner zusammen, die beide gebildet sind, beide ungebildet, ein ähnliches Alter haben, ähnlich attraktiv sind, beide rauchen, am selben Ort wohnen, dieselbe ethnische Herkunft haben usw.
Warum ist das so? Viele Beiträge des vorliegenden Buches kommen zu dem Ergebnis, dass der Heiratsmarkt eine ganz wesentliche Rolle spielt: Der Ausgleich von günstigen und ungünstigen Partnereigenschaften auf dem Heiratsmarkt und nicht zuletzt die Größe und die Sozialstruktur des Heiratsmarktes."

(Klappentext)

SANTIAGO, Marlise (2001): Väter bleiben Väter.
Eine Scheidung hat für Mütter und Väter nicht die gleichen Auswirkungen
in: Brückenbauer Nr.1 v. 03.01.

Buchtip: Lu Decurtins (2001): Was Trennung und Scheidung für Väter bedeutet. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Scheidungsverarbeitung von Männern sowie ein praktischer Teil mit Unterstützungsangeboten für den Mann. Verlag Rüegger.

BRAUCK, Markus (2001): Scheidungsquote.
Die lange gefeierte heile Ehewelt der Beckers wird so öffentlich zu Grabe getragen, wie sie auch inszeniert worden ist - nach Privatsphäre fragt jetzt niemand,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.01.

FOCUS-Titelgeschichte: ...zum Glück mit Ehevertrag.
Sicherheit: So wird's gemacht. Romantik: Den Partner überzeugen. Prominente: Der Fall Becker

SACHSE, Katrin (2001): Ehe alles schief geht.
Beziehungen: Selbst Traumehen können scheitern. Ein Ehevertrag mit klaren Spielregeln hilft, das schmerzliche Finale einer Liebe zu verkürzen,
in:
Focus Nr.4 v. 22.01.

Coverstory über DAS Thema, das seit B & B trendy ist. Damit die Scheidung nicht zum Fiasko wird, gleich bei der Hochzeit daran denken und einen Ehevertrag aufsetzen. Romantik pur ist out, das können sich nur Habenichtse oder Heiratsschwindler leisten...

HOLST, Evelyn (2001): Getrennt von Tisch und Bett - und Glück.
Mit einer Scheidung verliert eine Frau nicht nur den Ehemann, sondern auch das vertraute Umfeld und den Freundeskreis. So wie Barbara Becker,
in: Sonntagszeitung v. 11.02.

FIEDLER, Tanja (2001): Die letzte Einheit.
Die Scheidungszahlen steigen von Jahr zu Jahr. Ist die Treue eine aussterbende Tugend? Ein älteres und ein junges Paar sprechen über Erfahrungen und Erwartungen,
in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 25.02.

LATUSSECK, Rolf H. (2001): Treue der Frauen liegt in Hormonen.
Wie lange eine Ehe hält, ist im Blut nachweisbar. Hohe Cortisolwerte verraten die Neigung zur Scheidung,
in: Welt am Sonntag v. 01.04.

Aprilscherz, ja oder nein?

ORG, Luci van (2001): Tanztrieb.
Erst abchecken, dann anmachen und zum Schluss abschleppen: Mittwochnacht tummeln sich im "Far Out" die Singles ab 30,
in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage der Berliner Morgenpost v. 27.05.

Ein typischer Single-Bericht für die Familien der Neuen Mitte. Denken Sie gerade an Scheidung? Dann machen Sie es wie VAN ORG. Gehen Sie in die Disco und schauen sich die Swinging Singles an, danach sind Sie wieder mit ihrem Ehepartner zufrieden und denken bis zur nächsten Woche nicht mehr an Scheidung.

Es gibt nur ein Problem: Die Dosis an Single-Elend muss von Mal zu Mal höher dosiert werden, um den Ehepartner weiter ertragen zu können oder es kommt noch schlimmer: Sie finden die große Liebe!

Dies ist einer der Gründe, warum die Kontroverse "Familien contra Singles" so emotional geführt wird.

ZITZMANN, Marc (2001): Spinner, Spanner, Spontis.
Die dritte Ausgabe von ArchiLab in Orléans,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 30.05.

Wer bei der Trauung gleich die Scheidung mitdenkt, dem steht nun eine neue "risikominimierende Strategie" (Elisabeth BECK-GERNSHEIM) zur Verfügung. Nach ZITZMANN wird im Muster-Familienland Frankreich jede zweite Ehe geschieden. Von daher ist eine Entwicklung wie das «Maison du divorce» nur konsequent:

"die eine Hälfte (lässt) sich abkoppeln und in sichere Distanz zur anderen bringen (...); die Verbindung mit einem neuen Hauspartner samt dazugehörigem Partnerhaus ist vorgesehen, ja erwünscht."

HORRMANN, Heinz (2001): Der verflixte dritte Urlaubstag.
Psychologen haben herausgefunden, warum sich Paare in den Ferien auseinander leben,
in: Welt v. 11.07.

Jede dritte Scheidung wird nach einem gemeinsamen Urlaub eingereicht. Das ist die simple Statistik. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, das ist die andere Sache. Sollte man also gar nicht erst in Urlaub fahren? Nein, sagen die Psychologen im Einklang mit der Tourismusbranche und verordnen den Paaren im Urlaub gut dosiertes Single-Dasein in Form von getrennten Programmen.

Single kann sich da nur wundern, denn angeblich ist ja gerade die Nähe der entscheidende Vorteil, den zusammenwohnende Paare gegenüber den Singles haben sollen. Wer nur Nähe kennt, der könnte aber mit der Aufforderung zum "Single-Dasein" erst recht überfordert sein.

Wenn Scheidungen nach dem Urlaub und nicht davor eingereicht werden, muss dann die Ursache im Urlaubsverlauf gesucht werden oder ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Ehe vorher schon kaputt war?

AFR (2001): Verschmähte Väter und verunglimpfte Mütter.
Eltern führen oft einen erbitterten Kampf um die Kinder,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 07.12.

In dem Bericht wird die Situation von Vätern nach der Trennung bzw. Scheidung dargestellt. Im Mittelpunkt steht das Fallbeispiel von Josef ÜBELHÖR, der Mitglied in der Väterinitiative München ist.

Der Mainzer Soziologe Norbert F. SCHNEIDER kann das Bild vom säumigen Vater - wie es neuerdings auch von Postfeministinnen wie Susanne GASCHKE in der sozialstaatlichen Missbrauchsdebatte verbreitet wird - anhand seiner Studie über Alleinerziehende nicht bestätigen.

Wassilios E. FTHENAKIS bescheinigt den Vätern ein männliches Verdrängungsmuster. Der Vater wird sich seiner Vaterrolle erst durch den Verlust derselben bewusst.

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. November 2017
Update: 14. November 2017