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Kommentierte Bibliografie

 
   

Kinderlose in Deutschland

 
   

Eine Bibliografie der Debatte um die gewollte und ungewollte Kinderlosigkeit (Teil 1)

 
     
   
     
 

Einführung

Die mediale Berichterstattung zur Geburtenentwicklung richtet sich nicht nach der Faktenlage, sondern nach politischen Interessen. Um diese deutlich zu machen werden in dieser Bibliografie ausgewählte Medienberichte und Literatur zum Thema chronologisch dokumentiert. Die Kommentare entsprechen jeweils dem Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, falls nichts anderes vermerkt ist.

Die Debatte um Kinderlose in Deutschland ist in erster Linie geprägt durch die sozialpolitische Debatte um den Geburtenrückgang (z.B. im Zusammenhang mit dem drohenden Kollaps des Rentensystems), der wiederum zum Grundübel der sozioökonomischen Entwicklung Deutschlands stilisiert wird. Dies gilt insbesondere für die herrschende nationalkonservative Sichtweise, die sich im Begriff der "natürlichen Bevölkerungsbewegung", d.h. von Geburten und Sterbefällen, in Abgrenzung zu "unnatürlichen" Wanderungsbewegungen darstellt.

Das Phänomen der Kinderlosigkeit wird in Deutschland emotional aufgeladen. Es gibt in dieser Debatte nur "gute", d.h. ungewollt Kinderlose, und "böse", gewollt Kinderlose. Wer zu diesen beiden Kategorien gehört, das ist durchaus umstritten und kaum begründet abgrenzbar. Mitte der Nuller Jahre, auf dem Höhepunkt der bevölkerungspolitischen Debatte, galten lediglich unfruchtbare Paare, die ein Jahr lang erfolglos versuchten ein Kind zu bekommen, als ungewollt kinderlos. Erst in jüngster Zeit wird dieser bevölkerungspolitische Konsens wieder infrage gestellt.

Im Kern geht es auch nicht um die steigende Kinderlosigkeit in Deutschland, sondern darum, dass die Falschen die Kinder kriegen: während die steigende Kinderlosigkeit der (westdeutschen) Akademikerinnen allseits beklagt wird, gelten kinderreiche Familien als asozial ("Milieu der Sozialhilfemütter"). Nachdem die Kinderlosigkeit der (westdeutschen) Akademikerinnen neuerdings als sinkend eingestuft wird, gerät die Ein-Kind-Familie bzw. der Mangel an kinderreichen Familien ins Visier der Bevölkerungsforschung. Klarheit über die Entwicklung der Kinderlosigkeit der vergangenen vier Jahre wird jedoch erst der Mikrozensus 2016 schaffen.

Als Reaktion auf die Anrufungen der Mutterschaft wurde aus feministischer bzw. postfeministischer Sicht kaum die Faktenlage zur Kinderlosigkeit in Frage gestellt, sondern statt der Frauen die Männer als Schuldige am Geburtenrückgang präsentiert. Dem Vorwurf des Gebärstreiks wurde also mit dem Vorwurf des Zeugungsstreiks geantwortet. In Kreisen des Gleichheitsfeminismus wurde das Gebärstreik-Argument wiederum als Druckmittel zur Durchsetzung politischer Forderungen verwendet. 

Die Höhe der Kinderlosigkeit wurde aufgrund der eheorientierten amtlichen Statistik und der Vernachlässigung von Tempoeffekten lange Zeit zu hoch eingeschätzt. Erst nachdem das Elterngeld politisch durchgesetzt war und der Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung auf der politischen Agenda in den Vordergrund rückte, wurde der medial geschaffene "Mythos der kinderlosen Akademikerin" wieder demontiert.

Die Kurzsichtigkeit der deutschen Debatten zeigt sich insbesondere an der hysterischen Sicht auf den Zusammenhang zwischen Kinderwunsch und Geburtenrate. Als Mitte der Nuller Jahre ein Rückgang der Kinderwünsche festgestellt wurde, machten kurzschlüssige Thesen zur Kultur der Kinderlosigkeit, die Niedrig-Fertilitäts-Falle und sonstige Denkmodelle, in denen Abwärtsspiralen eine zentrale Rolle spielten, die Runde. Nach diesen kurzschlüssigen Sichtweisen hätte es weder den Wiederanstieg der Kinderwünsche noch den Wiederanstieg der Geburtenrate geben dürfen. Auf dieser Website wurde dagegen davon ausgegangen, dass es einen Zusammenhang zwischen, wissenschaftlichen Konstrukten, politischen Wahlkämpfen, medialer Debatte und generativem Verhalten gibt.

Die Erforschung der Kinderlosigkeit in Deutschland steckt immer noch in ihren Anfängen (was selbst das Institut für Bevölkerungsforschung zugibt) und sie wird immer noch politisch behindert. Die Rekonstruktion der politischen Konstruktion der Geburtenkrise harrt weiterhin der Erforschung durch Historiker, Politikwissenschaftler und andere Sozialwissenschaften. Am Beispiel der Kinderlosen lässt sich die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme wie sie z.B. durch Forderungen nach einer Rente nach Kinderzahl oder einem Elternwahlrecht zum Ausdruck kommen, exemplarisch nachvollziehen. Hier stehen nicht die Verbesserungen der Rahmenbedingungen des Kinderkriegens und der Erziehung bzw. Bildung im Vordergrund, sondern die Bestrafung von Kinderlosen. Es wird wohl noch einige Jahrzehnte dauern bis die Debatten der Jahre nach 1990 bis 2015 angemessen beurteilt werden können. Diese Website will mit dieser und anderen Bibliografien einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten.

Im Vergleich zu diesen bevölkerungspolitisch motivierten Debatten um die Kinderlosen, kommt die Sicht der Kinderlosen und ihre Probleme in den Medien nur selten vor. Im Vordergrund stehen hier unfruchtbare Frauen, seltener zeugungsunfähige Männer. Die gesellschaftlichen Barrieren des Kinderkriegens beginnen jedoch nicht erst mit der Familiengründung, sondern bereits bei der Paarbildung und der Diskriminierung Kinderloser jenseits einer heterosexuellen Paarbeziehung. Die Kinderwünsche Kinderloser kommen meist erst dann in den Blick, wenn sie mit den Interessen der Reproduktionsmedizin vereinbar sind. Leben Kinderlose und Eltern tatsächlich in zwei separaten Welten? Diese Frage verkürzt Elternschaft häufig auf die kurze Zeit nach der Geburt. Onkel und Tanten spielen in der auf die Kleinfamilie verkürzten Sicht genauso wenig eine Rolle wie andere Formen der Beziehungen von Kinderlosen und Eltern. Kinderlose sind mehr als Konsumenten, auf die sie gerne reduziert werden. Im Gegensatz zu Eltern, die meist lediglich das Wohl des eigenen Kindes im Blick haben, können sie sich für eine bessere Gesellschaft für alle einsetzen.    

Kommentierte Bibliografie (Teil 1: 2000-2001)

2000

HONDRICH, Karl Otto (2000): Von Generation zu Generation wird die Liebe weniger.
Die Gesellschaft hat Angst vor Unfruchtbarkeit und Kinderarmut, aber traut sich nicht, darüber zu reden. Stattdessen lenkt sie ihre Ängste auf die Homosexuellen-Ehe,
in: Tagesspiegel v. 02.09.

BETTERMANN, Stella (2000): Die große Single-Lüge.
In der Statistik tauchen sie oft, in der Realität eher selten auf. Soziologe Laszlo Vaskovics klärt das Single-Missverständnis auf,
in: Focus Nr.44 v. 30.10.

Interview mit dem Familiensoziologen Laszlo VASKOVICS über das Single-Dasein und die Ergebnisse der Bamberger Studie.
VASKOVICS kritisiert die Unzulänglichkeiten der amtlichen Statistik bei der Erfassung von Partnerlosen und Kinderlosen und fordert eine Lebenslaufperspektive zur Beschreibung des Single-Daseins.

VASKOVICS kritisiert zwar den Familienbegriff der amtlichen Statistik, bleibt aber selbst dem Haushaltsbegriff verhaftet, der nicht alle Familienformen erfassen kann. So wendet er zwar ein, dass auch Kinder, die nicht mehr bei den Eltern leben zur Familie gehören, aber der Begriff "Familienhaushalt" schließt diese Gruppe aus dem Familienbegriff aus. Das Deutsche Jugendinstitut hat bereits Mitte der 1990er Jahre im Rahmen des Familiensurvey entsprechende Daten erhoben, die jedoch von VASKOVICS nicht erwähnt werden. Im Focus-Artikel wird zudem die Zahl der Singles zu hoch angegeben. In einer Zwischenüberschrift heißt es:

"Unter den 55- bis 75-Jährigen gibt es nur 5-10% echte Singles".

Im Interview selbst heißt es dagegen:

"Allein lebend, in den letzten fünf Jahren keine feste Partnerschaft, kein Kind vorhanden. Wir mussten allerdings 20 000 Adressen Alleinlebender im Alter von 55 bis 75 abchecken, um auf tausend Personen zu kommen, bei denen unsere Definition gegeben war - so drastisch sind die Relationen."

VASKOVICS spricht von 55-75jährigen Alleinlebenden. Nicht alle 55-75jährigen leben jedoch im Einpersonenhaushalt. Aber auch dies ist wohl noch nicht richtig. In der Selbstdarstellung wird von 1000 Singles im Alter zwischen 45 und 75 Jahren gesprochen. Auch in anderen Meldungen wird diese Altersspanne genannt. So z.B. in der Zeitschrift Psychologie Heute vom Oktober. Dort wird der Bevölkerungsanteil dieser "Singles" mit 2,9 % angegeben. Der Begriff "echte Singles" ist zudem nicht definiert. Was soll darunter verstanden werden? Wenn man ein Kriterium wie "Freiwilligkeit" von Partnerlosigkeit und Kinderlosigkeit einführen möchte, dann muss man die Motive der Bevölkerungsgruppe erforschen, d.h. der Anteil der "echten Singles" würde dann noch geringer ausfallen.

SCHINDELE, Eva (2000): Wenn der Wunsch nach Kindern zurückgestellt wird.
Weibliche Lebensentwürfe und moderne Reproduktionstechnologien,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.12.

HIRSCH, Wolfgang (2000): Lebensglück auch ohne Nachwuchs,
in: Informationsdienst Wissenschaft v. 14.12.

  • Psychologen aus Jena und Freiburg haben die Folgen von Kinderlosigkeit für 43 - 65jährige Frauen in Paarbeziehungen untersucht. Sie unterscheiden zwischen vier Gruppen:
"ungewollt Kinderlose, die sich nicht in medizinische Behandlung begaben, solche, die eine - erfolglose - künstliche Befruchtung bzw. Fremdsamenspende auf sich nahmen, gewollt Kinderlose und (...) Familienväter und -mütter. Die Psychologen kommen zu dem Ergebnis, dass bei der Bewältigung von Kinderlosigkeit jene am besten zurecht kommen, die sich »entweder bewusst gegen Nachwuchs entschieden haben oder eine Kinderlosigkeit aufgrund von Fertilitätsstörungen als Schicksal akzeptieren«",

schreibt Wolfgang HIRSCH. Sein Fazit:

"Kinderlose Paare sind genauso glücklich und sozial eingebunden, sie sind nicht kränker oder gesünder, haben nicht mehr psychosomatische Störungen, depressive Verstimmungen oder andere Erkrankungen als andere".

Ein solches Fazit wird den Ergebnissen nicht gerecht, ist aber neben der Schlagzeile das einzige, was von solchen Meldungen übrig bleibt und dann wiederum zu Vorurteilen führt: hedonistische Kinderlose als Inbegriff der Spaßgesellschaft. Über die Repräsentativität der Studie wird jedoch nichts ausgesagt. Dies wäre aber die Grundvoraussetzung für eine solche allgemeine Aussage. Wurden nur bestimmte Milieus berücksichtigt? Verweigerten jene die Teilnahme, die überhaupt nicht mit ihrer Kinderlosigkeit zurechtkommen? Was ist mit Stadt-Land-Unterschieden? Fragen, die sich stellen, aber nicht beantwortet werden. Das Fazit widerspricht zudem den unterschiedlichen Bewältigungsformen, die im Artikel differenziert werden. Und nicht zuletzt fehlen Angaben über die Größenordnung der einzelnen Gruppen.

2001

DRIBBUSCH, Barbara (2001): Eine doppelte Hierarchie.
Streit um Babyprämien: Kinder sind nicht nur ein Armutsrisiko,
in: TAZ v. 09.01.

Barbara DRIBBUSCH weist auf das familienzentrierte Wertesystem unserer Gesellschaft hin:

"Heute (...) hat sich eine doppelt gewirkte Hierarchie herausgebildet - eine heimliche Rangordnung von Status und Glück. Ganz oben in dieser Hierarchie steht der beruflich erfolgreiche Mann, der sich nicht nur eine, sondern möglicherweise irgendwann sogar noch eine zweite Frau und Familie leisten kann. Ganz unten in dieser Doppelhierarchie aus Geld und Bindung hingegen stehen allein stehende, kinderlose und beruflich erfolglose Frauen. Eher oben rangieren Familien, in denen die Frau und Mutter auch noch einen Beruf ausübt. Weiter unten stehen kinderreiche, sozial schwache Familien und Alleinerziehende auf Sozialhilfe."

Die verteilungspolitisch motivierte Debatte leugnet dieses Wertsystem und verstärkt damit die Diskriminierung der Benachteiligten. DRIBBUSCH fordert deshalb:

"Weder die vielköpfige Familie mit geringem oder gar keinem eigenen Arbeitseinkommen darf stigmatisiert werden noch kinderlose Frauen, die sich nicht für ein Kind entscheiden konnten, wollten oder die nicht den richtigen Mann dazu gefunden haben".

RUTZ, Michael (2001): Gegen Verhütung und Abtreibung.
Auf dem Wege zu einer kinderfreundlichen Gesellschaft die Enzyklika "Humanae Vitae" wiederentdecken, empfiehlt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner,
in: Rheinischer Merkur Nr.2 v. 12.01.

Die katholische Kirche ist eine traditionelle Institution für kinderlose Singles. In ihrem Buch Single Blessedness (1976) hat Margaret Adams die religiösen Wurzeln des "gesegneten Single-Daseins" beschrieben:

"In earlier times the religious vocation (which is one of the oldest institutions catering to unmarried members of society) was a very useful mechanism for absorbing a substantial segment of female society into a life pattern other than marriage and motherhood."

Die Beginen knüpfen heutzutage an solche religiöse Formen des Single-Daseins an. Die gegenwärtige kirchliche Debatte verschweigt solche Entwicklungslinien, wenn undifferenziert über die "familienfeindliche Gesellschaft" geredet wird und das Single-Dasein als Ausdruck der "Spaßgesellschaft" auf Hedonismus reduziert wird...

DRIBBUSCH, Barbara (2001): Viel Job, wenig Liebe.
Die Leistungsgesellschaft führt zum heimlichen Gebärstreik. Jede dritte 35-Jährige ist kinderlos - die meisten bleiben es,
in: TAZ v. 02.02.

WIRTZ, Astrid (2001): Kinderlos ist kein Ideal.
Trotzdem geht die Geburtenrate zurück,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 04.04.

BIRNBAUM, Robert (2001): Kein Neid, nur Mathematik.
Das Pflege-Urteil taugt nicht für einen Kulturkampf "Kinderlose gegen Eltern",
in: Tagesspiegel v. 05.04.

BIRNBAUM geht der Frage nach, ob jetzt jemand den Aufstand der Kinderlosen organisiert. Den derzeitigen Parteien in den Parlamenten traut er dies nicht zu, aber es könnte ja zur Gründung einer "Klientelpartei" kommen. Da es nicht einmal eine Interessenorganisation der "Kinderlosen" gibt, ist dies ziemlich weit hergeholt. BIRNBAUM meint, dass das Gericht wertfrei geurteilt hat. Gerade dies muss jedoch angezweifelt werden. Das Urteil gründet sich nach Aussage des Autors auf eine ominöse Störung des generativen Gleichgewichtszustandes. Dazu bedarf es jedoch eines Bezugspunktes. Die Wahl des Bezugspunktes ist eine Wertentscheidung. Die Anwälte der Familie haben den Geburtenrückgang seit einem Jahrzehnt dramatisiert, indem ein kontinuierlicher Geburtenrückgang suggeriert wird. Besonders deutlich wird dies bei Astrid WIRTZ im Kölner Stadtanzeiger v. 04.04. Nimmt man aber das Jahr 1978 als Bezugspunkt, dann kann man sogar einen Anstieg der Geburten für die alten Bundesländer feststellen: Von 1978 mit 576.468 Geburten stieg die Zahl auf 664.018 im Jahr 1999 an. Von nüchterner Mathematik kann also gar keine Rede sein...

AUSTILAT, Andreas (2001): Eltern contra Kinderlose.
Wer bezahlt wieviel? Der Streit um den Nachwuchs: Zwei Positionen,
in: Tagesspiegel v. 26.04.

Andreas AUSTILAT bringt es auf den Punkt. "Eltern" und "Kinderlose" sollten sich gegen den "Versuch wehren, den Generationenkonflikt in einen Konflikt zwischen Familien und Kinderlosen umzuleiten". Wohin die Pflege veralteter Feindbilder führt, das kann man hier nachlesen: Die Singles haben viele falsche Freunde in der öffentlichen Debatte und keine Argumente, die anerkannt sind - Eine Dokumentation der Stellungnahmen in der familienpolitischen Debatte

STERN-Titelgeschichte: Sind Kinderlose jetzt Sozialschmarotzer?
Die Politiker entdecken ihr Herz für die Familie

GERWIEN, Tilman & Michael STRECK (2001): Der Familien-Krach.
Ein neuer Streit spaltet die Gesellschaft: Sollen Eltern mehr Geld vom Staat bekommen? Sind Kinderlose dagegen Sozial-Schmarotzer, weil sie zu wenig für die Gesellschaft leisten? Zwei stern-Redakteure, zwei Positionen,
in: Stern Nr.19 v. 03.05.

Zwei Yuppies aus der Medien-Branche inszenieren sich als Single-Gesellschaft. Der Anwalt der Eltern STRECK zitiert den angeblichen Anwalt der Kinderlosen Peter KÖPF (TAZ v. 19.04.2001). Was ist aber von solch einem Anwalt zu halten, der Vater einer Tochter ist? Soll hier ein Scheinkonflikt forciert werden? Es sieht ganz so aus. Dies verdeutlichen auch die Grafiken, die den wahren Konflikt verdecken sollen. "Zwei Drittel ohne Kind" prangt dick über der Haushaltsstatistik. Welchen Wert hat eine solche Statistik, wenn eine Trümmerfrau, die 8 Kinder in die Welt gesetzt hat, als Kinderlose zählt?

Der Sozialrichter Jürgen BORCHERT - angeblich ein Freund der Familie - rühmt sich so gerne für das Trümmerfrauen-Urteil. Er möchte gerade diesen Trümmerfrauen das damals erstrittene Geld wieder trickreich aus der Tasche ziehen (siehe hierzu das Tagesspiegel-Interview vom 04.04.2001). Die Trümmerfrauen leben überwiegend in den Haushalten ohne Kinder (1998 lebten laut Mikrozensus in 21 % der Einpersonenhaushalte über75Jährige.

Die Scheinkontroverse "Familien contra Singles" ist im Grunde ein Generationenkonflikt. Die Generation der Trümmerfrauen und die Generation der Noch-Kinderlosen sollen als Nettozahler die mittlere Generation finanzieren, die gerade Kinder großzieht. Es gibt aber kaum jemand, der das so deutlich zu sagen wagt.

Ein Umverteilungskonflikt zwischen Eltern? Die eigenen Kinder greifen den Eltern in die Tasche? Völlig unmöglich! Einfacher ist es dagegen die Kinderlosen als Sündenböcke für die Misere verantwortlich zu machen.
Ein Kinderlosenbegriff, bei dem undifferenziert Noch-Kinderlose, Eltern ohne Kinder im Haushalt und lebenslang Kinderlose in einen Topf geworfen werden, um wenigstens den Anschein erwecken zu können, dass Eltern eine aussterbende Spezies darstellen, der möchte nichts anderes als ein gesellschaftliches Klima erzeugen, in dem erst gar keine Debatte um eine sinnvolle Familienpolitik aufkommen soll.
Ein weiterer Punkt ist die Darstellung des "Geburtenrückgangs".
Ab 1990 wird nur die gesamtdeutsche Geburtenrate dargestellt. Der dramatische Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern aufgrund der Wiedervereinigung führt dazu, dass die Geburtenrate nach unten zeigt. Warum wird dies verschleiert?

Unsichtbar bleibt auch das Problem, dass die steigende Lebenserwartung dazu führt, dass die seit 1978 steigenden Geburtenzahlen als Geburtenrückgang erscheinen.
Der Generationenvertrag ist in erster Linie durch die steigenden Lebenserwartung obsolet geworden und nicht von den Kinderlosen gekündigt worden. Dieses Problem würde auch existieren, wenn es keinen einzigen Kinderlosen geben würde.
Die Deutschen werden nicht aussterben, aber möglicherweise müssen wir in Zukunft in einer Hassgesellschaft leben, weil Amok laufende Anwälte von "Eltern" und "Kinderlosen" ein Klima erzeugen, in dem ein friedliches Zusammenleben zwischen den Generationen unmöglich wird.

MAYER, Susanne (2001): Die Doppeltbedienten.
Mehr Hilfe für Familien! Und wer soll's bezahlen? Natürlich die Kinderlosen. Eine tägliche Provokation für jene, die vergeblich versuchen, Eltern zu werden. Statt endlich Windeln wechseln zu dürfen, geraten sie unter pauschalen Verdacht, Hedonisten zu sein,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 03.05.

RUTENBERG, Jürgen (2001): Volkskrankheit Kinderlosigkeit,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 03.05.

"Dem Mikrozensus 2000 zufolge bleiben inzwischen 43 Prozent aller Ehepaare in Deutschland kinderlos; im Jahr 1957 waren es noch 29 Prozent. Jedes sechste bis zehnte Paar, schätzen Experten, verzichtet nicht freiwillig, sondern hat Schwierigkeiten, Kinder zu bekommen. Diese ungewollt Kinderlosen spielen keine Rolle bei den Überlegungen, wie der negative Geburtentrend aufzuhalten sei",

erzählt uns Jürgen RUTENBERG, der nicht zwischen Ehepaaren, die ohne Kinder im Haushalt leben und lebenslang Kinderlosen unterscheidet.

RHEINPFALZ (2001): Bitte vermehrt euch, aber subito!
in: Rheinpfalz v. 07.05.

Der Autor stellt die These auf, dass die Peer groups entscheidend für die großen Entscheidungen des Lebens sind:

"Der Lebensstil ist, grob gesagt, ansteckend.
Gäbe es hier zu Lande mehr Kinder - ich wette, es würde auch mehr Leuten einfallen, selber welche zu kriegen."

Dieser sozialpsychologische Ansatz scheint auf den ersten Blick stimmig zu sein, aber er macht es sich viel zu einfach. Der Autor darf sich als Vater eines minderjährigen Kindes als Angehöriger einer Minderheit fühlen, aber das wäre er auch in den 60ern gewesen! Damals hätte er sich aber nicht als Angehöriger einer Minderheit gefühlt, das ist der entscheidende Unterschied.

Wie ist es möglich, dass sich Eltern heute als aussterbende Spezies fühlen? Seit 1870 hat sich die Lebenserwartung verdoppelt. Die Folge ist, dass wir Langlebigen in viel geringerem Masse unser Leben mit minderjährigen Kindern teilen können als die Kurzlebigen. Wer mit 15 Kinder bekommt und mit 40 stirbt, der verbringt zwangsweise fast sein ganzes Erwachsenenleben mit seinen minderjährigen Kindern. Bei Menschen, die 75 Jahre alt werden, spielen minderjährige eigene Kinder eine geringere Rolle.

1998 wurden in Westdeutschland 100 000 Kinder mehr geboren als 1978. Seit dieser Zeit werden jedes Jahr mehr Kinder geboren als im Jahr 1978. Warum wird diese Tatsache nicht wahrgenommen? Warum glauben Eltern, dass sie von Kinderlosen umzingelt sind? In den 60er Jahren standen überall Schilder "Spielen auf dem Rasen verboten!" War das die kinderfreundliche Gesellschaft, die Eltern zurückhaben möchten?
Grassiert in Deutschland nicht eine gewisse Paranoia? Der Autor möchte in andere Länder mit "freilaufenden Kindern". Hat er vielleicht eine verklärte Sicht auf die Vergangenheit? Sind es vielleicht die Eltern, die ihre Kinder misstrauisch von dem "bösen Onkel" oder der "adretten Tante" fernhalten? Nicht weil "Kinderlose" kinderfeindlich sind, sondern weil die Medien ein Bild dieser Gesellschaft vermitteln, das den Umgang zwischen Menschen mit minderjährigen Kindern und Menschen ohne minderjährige Kinder eher erschwert statt ihn zu erleichtern. Die sozialpolitische Verteilungsdebatte trägt jedenfalls nichts zu einem besseren Verhältnis bei.

BRUNS, Tissy & Stephan HASELBERGER (2001): Ab in die Mitte,
in: Welt v. 16.05.

"DIE WELT: In der Grünen-Spitze sind Sie der Einzige, der Kinder hat.
Kuhn: Es gibt eine ganze Reihe profilierter Grüner mit Kindern. Ich will aber, dass in der Partei auch diejenigen für Kinder einstehen, die selbst keine haben. Wir müssen die Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose überwinden, wenn Deutschland kinderfreundlicher werden soll."

Herr KUHN geht von einem Kinderlosen-Begriff aus, der an der Realität dieser Gesellschaft vorbeigeht. Wer nur Haushalte mit Kindern als Familien ansieht, der schafft erst die Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose, die in dieser Weise gar nicht vorhanden ist.
Familie wird heutzutage mehrheitlich als multilokale Mehrgenerationen-Familie gelebt. Wer dies ignoriert, der möchte "böse" Eltern, deren Kinder aus dem Haus ausgezogen sind oder vorzeitig gestorben sind (Haushalte ohne Kinder) gegen "gute" Eltern, die mit ihren Kindern zusammenleben (Haushalte mit Kindern) ausspielen. KUHN möchte keine Pluralität der Familienformen, sondern Familien im Sinne der "50er-Jahre-Familienidylle".

KUHN möchte den Begriff der "Nachhaltigkeit" in die Familienpolitik einführen. Dies ist aber nur ein weiterer Schritt zur Verdinglichung von Kindern. Haben die traditionellen Parteien die Kinder schon zum gesellschaftlichen Leistungsträger stilisiert, was den ökonomisch denkenden "Homo Oeconomicus" voraussetzt und das Kind analog zum "Arbeitnehmer" auffasst, so wollen die Grünen Kinder nun als eine neue Art von "nachwachsenden Rohstoffen" ansehen. Dies setzt den "Homo oecologicus" voraus, der Kinder als Produkt auffasst, das dem Ressourcenmanagement zu unterwerfen ist. Weit und breit ist keine Partei sichtbar, die sich für Kinder "um der Kinder willen" einsetzt. Sie sind Mittel zum Zweck: Entweder zur Wohlstandssicherung der Rentner oder als potentielle Arbeitsmarktteilnehmer.

NOLTE, Dorothee (2001): Kinder, Küche, Karriereknick.
Die "Ego-Gesellschaft" will keine Kinder, sondern Freiheit und Konsum. Das hört man allerorten. Aber es stimmt nicht. Viele Frauen wollen Kinder - und haben Angst davor. Mit guten Gründen. Denn Mutter zu sein heißt oft, auf gute Jobs zu verzichten,
in: Tagesspiegel v. 19.05.

"Das Dümmste wäre es, jetzt einen Verteilungskampf zwischen Kinderlosen und Eltern zu inszenieren. Im Gegenteil: Die Kluft zwischen beiden in der Alltagswelt müsste kleiner werden. Warum nicht die Kinderlosen, wenn sie es denn wollen, am Leben mit Kindern teilhaben lassen, so wie es in traditionellen Gesellschaften ganz natürlich der Fall ist? Warum gibt es keine Kultur der (nicht-leiblichen) Onkels und Tanten? Warum begegnen Eltern Kinderlosen oft mit dem unausgesprochenen Misstrauen, sie machten eh alles falsch? Warum fühlen sich Kinderlose Kindern gegenüber oft unsicher, weil scheinbar naturhaft defizitär? Kinder gehören nicht ihren Eltern allein, und Eltern und Kinderlose sind sich ähnlicher, als man denkt. Berufstätige Mütter mit späten Kindern wissen das vielleicht am besten. Schließlich sind wir selbst lange genug kinderlos gewesen", meint Dorothee NOLTE.

STEINMEIER, Frank-Walter (2001): Immer älter, immer weniger - Das Bevölkerungsproblem,
in: Welt v. 23.05.

"In einer auf Flexibilität und Selbstverwirklichung angelegten Zeit stellt die Entscheidung für ein Kind eine langfristige Festlegung dar, die für Frauen mit erheblichen beruflichen Risiken verbunden ist. Besonders gut ausgebildete Frauen wollen sich diesem Risiko oft nicht aussetzen, weshalb der Prozentsatz der Frauen, die innerhalb eines Jahrganges kinderlos bleiben, in nur acht Jahren von 15 Prozent (Geburtsjahrgang 1950) auf 23 Prozent (Geburtsjahrgang 1958) empor geschnellt ist",

schreibt Frank-Walter STEINMEIER. Dies ist nicht erstaunlich, aber es hat weniger mit der viel beschworenen Selbstverwirklichung zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Mitte der 1970er Jahre die Vollbeschäftigungsgesellschaft ihr Ende fand. Jugend- und Akademikerarbeitslosigkeit wurden zu den Schlagworten jener Zeit und das "Ende der Arbeit" wurde debattiert. Die Ausnahme war der Baby-Boom der Wirtschaftswunderzeit und nicht der "Geburtenrückgang", den STEINMEIER nicht als Rückgang der Kinderzahl pro Frau, sondern als Rückgang der Frauen, die überhaupt Kinder gebären, beschreibt. STEINMEIER suggeriert damit aber auch, dass sich dieser Rückgang im gleichen Masse fortsetzen wird. Dies ist jedoch fraglich.

PESCHEL-GUTZEIT (2001): Kinder sind ein Signal.
Das Thema Familie zählt zurzeit zu den beliebtesten bei Politikern aller Parteien. Doch nur wenige zeigen sich in der Öffentlichkeit mit ihren Kindern oder Ehefrauen. Dies hat womöglich eine fatale Vorbildwirkung, meint Hamburgs Justizsenatorin,
in: Welt am Sonntag v. 27.05.

"Leben wir Politiker und Politikerinnen in der Öffentlichkeit nicht so, als wären wir kinderlos? Und wenn das so ist, was ist der Grund? Nun, was mich selbst angeht, so haben meine drei Kinder mich, als ich in die Politik berufen wurde, eindringlich gebeten, sie nicht in der Öffentlichkeit 'vorzuführen'. Sie wollen ihr eigenes Leben führen",

gesteht Frau PESCHEL-GUTZEIT, um danach zur Aufgabe der Medien zu kommen:

"Politiker, die ihre Kinder sichtbar machen und auf sie Rücksicht nehmen, zu unterstützen und nicht publizistisch abwerten. Sonst könnte nämlich bei jüngeren Menschen der Eindruck entstehen, dass nur Kinderlosigkeit eine Karriere verheißt."

Da fragt mach sich eher: Ist es nicht so, dass das Kinderhaben vom Statistischen Bundesamt weggerechnet wird? Eltern sind überwiegend statistisch unsichtbar und die Medien haben dies durch ihre Berichterstattung noch verstärkt. Von einer "bedrohlichen Kinderlosigkeit" kann nicht gesprochen werden, wenn heute in Deutschland wesentlich mehr Kinder geboren werden als 1978.

Wenn es ein Problem gibt, dann vor allem deshalb, weil nach einem außergewöhnlichen Baby-Boom wieder typische Kohorten folgen und es in den neuen Bundesländern einen wiedervereinigungsbedingten Geburtenausfall gab. Die hohe lebenslange Kinderlosigkeit trifft vor allem die bildungsabhängigen Mittelschichtfrauen. In der zukünftigen Wissensgesellschaft ist die Bildungsabhängigkeit jedoch noch größer, d.h. wer das Problem im Vorbildcharakter (siehe hierzu auch das Welt-Interview mit dem Parteivorsitzenden der Grünen Fritz KUHN) und nicht in den Strukturen unserer Gesellschaft selbst sieht, der wird an der zukünftigen Geburtenentwicklung nichts ändern. Aber vielleicht gibt es ja demnächst neue Kinderstars. So wie man heutzutage Gesellschafter mieten kann, werden sich Kinder demnächst ihr Taschengeld als Vorzeigekinder von Politikern verdienen können, wenn deren eigene Kinder keinen Bock auf diesen Job haben oder gerade durch Schulaufgaben behindert sind.

SIEMS, Dorothea (2001): Die Überalterung ist unaufhaltsam,
in: Welt v. 01.06.

Paare, "die sich erst einmal für ein Kind entschieden haben, bekommen in den meisten Fällen zwei und mehr Kinder. Und zwar unabhängig davon, welcher sozialen Schicht sie angehören",

schreibt Dorothea SIEMS, um dann darauf hinzuweisen, dass

"der Anteil der Akademikerinnen, die kinderlos bleiben werden, mittlerweile doppelt so hoch wie der der Hauptschulabsolventinnen"

ist. Dies ist die so genannte "Polarisierungsthese", die von den Theoretikern des Familiensektors vertreten wird, die aber in dieser Form nicht haltbar ist. Die Anzahl der Kinder pro Frau ist schichtabhängig. Mittelschichtfrauen haben weniger Kinder als Unterschicht- und Oberschichtfrauen.

EHRENSTEIN, Claudia (2001): Frauen werden immer später zu Müttern.
40 Jahre Antibabypille - Auch die Gene bestimmen Zeitpunkt des Kinderwunsches,
in: Welt v. 01.06.

"Der Anteil der Frauen, die kinderlos bleiben, nimmt ständig zu, schreibt Professor Johannes Dietl von der Universität Würzburg im »Deutschen Ärzteblatt«. Nur jede zehnte der Frauen, die zwischen 1930 und 1950 geboren wurden, hatte keine Kinder, und das oft unfreiwillig. Heute, so Dietl, werde dagegen auch freiwillig auf ein Kind verzichtet. Von den Frauen, die nach 1965 geboren wurden, dürfte jede dritte kinderlos bleiben", schreibt Claudia Ehrenstein.

MARTENSTEIN, Harald (2001): Ein Herz für Kinder.
Über das neue Lieblingsthema der Grünen,
in: Tagesspiegel v. 06.06.

Harald MARTENSTEIN nimmt das Interview der SZ vom 05.06.2001 mit Renate KÜNAST und den Imagewandel der Grünen zum Anlass, um den Wandel von der "individualisierten Single-Gesellschaft" zur Gesellschaft der Neuen-Mitte-Familie nachzuzeichnen:

"Es ist wirklich erst ein paar Jahre her - damals hießen die Modewörter »Yuppie«, »Selbstverwirklichung« und »Erlebnisgesellschaft«. Das waren die Achtziger, das Ego-Jahrzehnt, in dem auch die Grünen groß wurden. Später kam die Leitfigur des jungen, selbstverständlich ungebundenen und kinderlosen Internet-Unternehmers dazu, der sein Leben ganz der Firma opfert. Mit vierzig ist er Millionär oder tot. Inzwischen hat der Wind sich gedreht. Die Gesellschaft hat nicht nur die Kinder als Thema wieder entdeckt (man braucht sie schließlich, aus demographischen Gründen). Es tauchen wieder Begriffe wie 'Familie', 'Verantwortung' oder 'Gemeinschaft' auf, bei Personen, von denen man es nicht erwartet hätte. Egoismus ist nicht mehr modern."

SOHN, Manfred (2001): Das Reproduktionsproblem.
Wo Kapitalismus sich ausbreitet, sinkt die Geburtenrate. Und seit 1989 breitet sich der Kapitalismus weltweit ungehemmt aus (Teil 1),
in: junge Welt v. 08.06.

Manfred SOHN sieht die wahrscheinlichste Lösung des Reproduktionsproblem im Entstehen einer Klonindustrie:

"Mit Hochdruck arbeiten gegenwärtig bekanntlich Labore in allen drei kapitalistischen Zentren am Klonen von Säugetieren und betrachten das ganz unverhohlen als Testfeld für die künstliche Reproduktion von Menschen. In den USA ist eine heftige Diskussion um die damit zusammenhängenden ethischen Fragen entbrannt. Türöffner für die Legitimität dieser Versuche sind die 3,5 Millionen ungewollt kinderlosen Paare in den USA, denen auf diesem Wege geholfen werden könnte, Kinder zu bekommen. Der Schritt, das Klonen von Menschen als Lösung nicht nur der Kinderlosigkeit von Millionen Einzelpaaren, sondern einer kinderlosen Gesellschaft anzubieten, dürfte bald folgen."

TAUBITZ, Jochen (2001): "Der politische und rechtliche Schutz von Ehe und Familie meint auch das Recht auf Behandlung von Kinderlosigkeit".
Pro PID: Das wissenschaftliche Ziel der Stammzellenforschung, Leben und Gesundheit zu fördern, könnte verfassungsrechtlich sogar geboten sein,
in: Mannheimer Morgen v. 08.06.

FRANZEN, Günter (2001): Unser Alltag im Reich der medizintechnischen Freiheit.
Zwischen Vernichtung und Vergötterung der Kinder: Wie eine auf Selbstverwirklichung zielende Gesellschaft mit ihrem Nachwuchs umgeht,
in: Welt v. 11.06.

Die Kampagne gegen Kinderlose gewinnt mit dem Artikel von Günter FRANZEN eine neue Dimension (mehr hier).

GROLLE, Johann & Beate LAKOTTA (2001): Heerscharen auf Eis.
Deutsche Reproduktionsmediziner fordern, Eizellspenden und das Einfrieren von Embyonen zu erlauben. So könnte es bald Zigtausende herrenlose Embryonen geben. Auch dafür haben die Ärzte schon ein Patentrezept: die Adoption,
in: Spiegel Nr.26 v. 25.06.

FUCHS, Ursel (2001): Fortpflanzung wird Chefsache.
Max-Planck-Präsident Mark hat gesprochen - und die "Enteignung der Mütter" schreitet voran,
in: Welt v. 26.06.

KULKE, Uli (2001): Wer liebt , wählt aus.
Auch Paarbildung ist Selektion - tun wir nicht so, als wäre sie erst mit der Gentechnik in die Welt gekommen,
in: Welt v. 29.06.

Uli KULKE argumentiert biologistisch:

"Das Design des Wunschnachkommens ist, zumindest unbewusst, aber auch willentlich, das Movens der Partnerwahl - der Partnerauslese im evolutionären Prozess der Menschheit."

Die Gentechnik möchte KULKE einsetzen, um den ansonsten "Übriggebliebenen" größere Chancen am "Reproduktions- und Attraktionszirkus" zu ermöglichen. Bei KULKE existiert keine Kultur oder soziale Welt als eigenständige Instanz zwischen "genetischem Wert" und Paarbildung. Der einzige Sinn des Lebens ist für KULKE die eigene Fortpflanzung.
Andreas HEJJ hat sich dagegen Gedanken gemacht, warum der kinderlose Single keine evolutionäre Fehlentwicklung ist. Auch bei HEJJ geht es nur um die Fortpflanzung, aber es geht dabei nicht nur um die eigene, sondern um den Reproduktionserfolg der Verwandtschaft.

BRUNS, Tissy (2001): Die SPD erinnert sich an die Familie - und an Frau Schmidt.
Neuorientierung gilt "fast als Revolution",
in: Welt v. 30.06.

BRIGITTE-Dossier: Glücklich ohne Kind?
Ein Kind, ja oder nein? Noch nie war es für Paare so einfach, sich zu entscheiden. Denn medizinisch ist - fast - alles möglich. Doch je planbarer ein Kind ist, desto komplizierter wird die Frage, was zu einem erfüllten Leben wirklich dazugehört

MERTENS, Diane (2001): Hört auf zu nerven!
Ihre Beziehung ist liebevoll. Sie gehen in ihren Berufen auf. Ganz gelassen haben sie sich für ein Leben ohne Kind entschieden. Was bei Familie und Freunden nichts als Unverständnis hervorruft,
in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.

"Wird dachten, dass Leben ohne Kinder im Jahr 2001 einfach nur eine von zwei Möglichkeiten wäre. Dachten, Kinderlosigkeit wäre so etwas wie ein gesellschaftlicher Großtrend, schließlich sagen heute schon elf Prozent der Frauen über 35, dass ohne Kind zu leben für sie der ideale Zustand ist. Wir dachten, keinen Nachwuchs zu haben sei sozial akzeptiert in einer Gesellschaft, die die Single-Kultur pflegt und den individuellen Lebensentwurf propagiert. Wir irrten. Kinderlosigkeit gilt noch immer als Makel."

Kindersache eine Privatsache? Dagegen wettern die Sozialpolitiker bereits seit Ende der 1980er Jahre. Kaum zu glauben, dass ein Kinderloser das nicht mitbekommen hat. Auf der anderer Seite kommen hier zwei Aspekte zusammen: zum einen, dass die Frau in jenes Alter gekommen ist, in dem die soziale Umwelt größeren Druck ausübt und zum anderen die Medienkampagne gegen Singles

GERSTBERGER, Beatrix (2001): Wer sagt eigentlich, dass Kinder glücklich machen?
Schlaflose Nächte, Stress mit dem Partner. Wir waren bereit, das alles in Kauf zu nehmen für Momente glucksender Seligkeit. Doch manchmal wollen wir es zurückhaben, unser altes Leben,
in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.

Das Skript dieser Story entstammt der Studie des Münchners Familiensoziologen Wassilios FTHENAKIS, der im Auftrag der Bausparkasse LBS die Kinderwünsche untersucht hat

  • HAEGELE, Anja (2001): Sie wollten immer ein Kind - als Krönung ihrer Liebe. Doch bis jetzt blieb ihnen dieser Wunsch versagt. Noch fällt es Britta und Ingo schwer, ihre Träume vom Glück zu dritt aufzugeben,
    in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.

  • HARRIET, Wolf (2001): Warum Frauen auf ein Leben mit Kindern verzichten.
    Es ist keineswegs so, dass sie Kinder nicht mögen. Aber sie haben sich einfach anders entschieden, und sie stehen absolut zu ihrem Entschluss,
    in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.

Fünf Kinderlose kommen zu Wort. Vier Frauen arbeiten in modernen Berufen, ob es sich nun um eine selbständige Verlagskauffrau, Architektin, Sängerin oder Journalistin handelt. Sie gehören zur postfeministischen Generation Golf. Die 5. Frau repräsentiert dagegen die 1970er-Jahre-Feministin und ist Frauenbeauftragte.

Diese Frauen repräsentieren also genau jene Milieus, die im Mittelpunkt des Medieninteresses stehen, wenn es um freiwillige Kinderlose geht. In ihren Begründungen stehen deshalb auch Selbstverwirklichung und Unvereinbarkeitsthemen im Vordergrund.

Daneben ist jedoch auch das traditionelle Mutterbild dieser Frauen für die Kinderlosigkeit mitverantwortlich. Was Barbara VINKEN als "deutsche Mutter" bezeichnet, das hindert einige dieser Frauen daran, dass sie Kinder bekommen haben:

"hätte ich eins, wollte ich die ersten drei bis vier Jahre ganz intensiv mit ihm sein. In einem geborgenen und behüteten Umfeld, denn Kinder haben Anspruch auf Zuwendung (...). Ich weiß nicht, ob ich dieser Rolle gerecht werden könnte".

WOLF, Harriet (2001): Brief an ein nie geborenes Kind.
Eine Frau nimmt Abschied von ihrem Lebenstraum - einem Kind,
in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.

Das nicht geborene Kind heißt bezeichnenderweise Felix, d.h. der Glückliche! Die Geschichte handelt von einer Frau, die nicht den passenden Partner für ein Kind gefunden hat.

EMMA -Titelgeschichte: Gebärstreik.
Warum Frauen immer weniger Kinder kriegen

SCHWARZER, Alice (2001): Gebärstreik.
Sterben die Deutschen aus?
in: Emma, Juli/August

Alice SCHWARZER möchte gerne der Boss der Frauengewerkschaft sein, die per Gebärstreik die Arbeitsbedingungen der Frauen verbessern möchte. Der gegenwärtige Geburtenstand ist aber nicht das Ergebnis eines Gebärstreiks, den die Frauenbewegung organisiert hätte. Die Frauenbewegung schreibt sich Erfolge zu, an denen sie so gut wie gar keinen Anteil hat.

Der gegenwärtige Geburtenrückgang ist nichts anderes als die Folge des Geburtenrückgangs von 1964 bis 1978. Selbst ein Baby-Boom wie in den 1950er Jahren würde diesen Trend nicht umkehren können. Der Trend kehrt sich erst dann um, wenn die Kohorten ab 1978 Mütter werden. Familienpolitik kann durch Kosmetik (z.B. erhöhtes Kindergeld) diese Auswirkungen zu vertuschen suchen, indem potenzielle Mütter dazu ermuntert werden, die Geburt eines gewünschten Kindes um ein paar Jahre vorzuziehen. Am Trend selbst, ändert sich nichts. Der Babyboom der Wirtschaftswunderjahre zeigt vielmehr, dass die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt einen viel größeren Einfluss auf die Anzahl der kinderlosen Frauen hat, als alle anderen Faktoren.

SCHWARZER weist zwar auf die gute Infrastruktur bei der Kinderbetreuung in Ostdeutschland hin, ohne jedoch zu erwähnen, dass Ostdeutschland das beste Beispiel dafür ist, dass zwischen Kinderlosigkeit und guter Infrastruktur kein direkter Zusammenhang bestehen muss. In Ostdeutschland ist die Geburtenrate seit 1989 wesentlich niedriger als in Westdeutschland - trotz der besseren Betreuungsstruktur. Auch hier ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt der entscheidendere Faktor.

"Gerade die Hausfrauen bekommen die wenigsten Kinder. Die Euroskala der Relation zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Geburtenrate enthüllt eine Sensation: Je berufstätiger die Frauen sind, um so mehr Kinder bekommen sie - und je weniger berufstätig sie sind, um so weniger Kinder",

meint SCHWARZER. Über die Kinderzahl pro Hausfrau sagt dieser Internationale Vergleich überhaupt gar nichts aus! Es werden hier sozusagen zwei verschiedene Sachverhalte unzulässigerweise vermengt. Aus dem internationalen Vergleich ist weder zu ersehen, ob die Frauen teilzeitbeschäftigt oder vollbeschäftigt sind, ob sie im Agrarsektor, in der Industrie oder im Dienstleistungssektor beschäftigt sind. Sind diese europäischen Länder deshalb überhaupt vergleichbar? Wie sah die demographische Struktur dieser Länder in den letzten 50 Jahren aus? SCHWARZER unterstellt wie so viele andere, dass diese Faktoren keinerlei Rolle spielen. Der gesellschaftliche Wandel ist in diesen Ländern jedoch durchaus unterschiedlich verlaufen.

Ein wichtiger Punkt in der Argumentation ist der behauptete Arbeitskräftemangel. Dies ist auch der entscheidende Punkt und nicht die Vereinbarkeitsproblematik von Beruf und Familie. Die Lösung der Vereinbarkeitsproblematik ist abhängig von der jeweiligen strukturellen und konjunkturellen Arbeitsmarktsituation und nicht umgekehrt.

Der Niedergang der Frauenbewegung in den 1970er Jahren fiel nicht zufällig mit einer veränderten Arbeitsmarktlage zusammen, sondern war vom Ende der Vollbeschäftigung und dem Beginn der Massenarbeitslosigkeit mit bedingt. Wer wie SCHWARZER Bevölkerungspolitik als Frauenpolitik betreiben möchte, der ist von den ökonomischen Verhältnissen direkt abhängig. Die Rede vom "Gebärstreik" versucht diese Abhängigkeit zu negieren. SCHWARZERs "Gebärstreik" ist jedoch nichts als ein Papiertiger...

MIKA, Bascha (2001): Der Spross als Wille und Wahn.
Wer keinen Nachwuchs hat, muss sich peinlichen Fragen stellen oder peinigenden Behandlungen unterziehen
in: TAZ v. 17.08.

Die taz - seit einiger Zeit strikt auf Kinderpolitikkurs - bringt einen scheinbar kinderpolitikkritischen Artikel:

"Der Deutschen Lieblingswahn ist zurzeit das Kind, genauer: der gnadenlose Wille zu eigen Fleisch und Blut. Damit stehen sie nicht alleine da; die eigenen Gene auf Teufel komm raus zu reproduzieren grassiert als fixe Idee in vielen westlichen Ländern. Das Kind als Heilmacher des Lebens: von den Medien gepuscht, von den Politikern benutzt, von konservativen Familienideologen gefeiert, von der Reproduktionsmedizin kommerzialisiert, selbst im Kino eingeflüstert - wie in Franka Potentes Hollywood-Film 'Blow'. Der Kinderdiskurs ist in Deutschland so populär wie seit den Fünfzigerjahren nicht mehr. Als hätten die versammelten menschlichen Sehnsüchte nur ein Ziel - ein Kind in die Welt zu setzen."

Kritisiert wird der MAX-Titel Abenteuer Kind und der Spiegel-Titel über den neuen Mutterstolz:

"Spätestens seit der Frauenbewegung glaubten wir sicher zu sein vor dem dummen Geschwätz, das kinderlose Frauen als defizitär und bedauernswert denunziert. Im Freundeskreis beobachten wir jetzt die bekennende Mutter, die die bekennende Nichtmutter nachsichtig belächelt oder fast wie einen Krüppel umsorgt",

gibt MIKA zur Lage in der Scene bekannt. MIKA ist jedoch keineswegs ein Anwalt der Kinderlosen, sondern kritisiert nur das "Menschenrecht auf ein Kind" in jener Form wie es von den Verfechtern des Klonens vertreten wird:

"Unter Druck geraten alle, die keinen Nachwuchs vorweisen können. Vor allem die, die unfreiwillig verzichten. Gerade sie laufen Gefahr, sich emotional auf etwas zu fixieren, was für sie so schwer zu haben ist. Dieser Wahn hat einen Namen: Severino Antinori."

MIKA möchte den Blick weiten. Nicht das EIGENE Kind, sondern das Leben MIT Kindern soll gefördert werden:

"Der neue gesellschaftliche Graben zwischen Eltern und Nichteltern erweist sich spätestens dann als lächerlich, wenn man über Zweierbeziehung und Kleinfamilie hinaus auf den Verwandten- und Bekanntenkreis guckt, in dem ganz sicher die verschiedensten Lebensstile gepflegt werden. Dann ginge es vielleicht auch einmal nicht nur um leibliche Kinder, sondern auch um solche, die in Pflege-, Adoptiv- und Betreuungsverhältnissen leben."

Die USA sind da schon weiter. Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek berichtet in seiner Ausgabe vom 13.08.2001 bereits über den nächsten Schritt. Kinderlosigkeit ist in den USA gar kein Thema mehr. Es geht nur noch darum, dass Frauen so bald wie möglich Mütter werden. Aus diesem Grunde wird in den USA zur Zeit eine groß angelegte Kampagne gegen späte Mütter gestartet.

SPOERR, Kathrin (2001): Vom Los der Kinderlosen.
Das restriktive deutsche Embryonenschutzgesetz erschwert die Erfolge durch künstliche Befruchtung
in: Welt v. 22.08.

BIDDER, Julia (2001): Wenn der Kinderwagen leer bleibt.
Frauen leiden unter ungewollter Kinderlosigkeit besonders - Betroffene tauschen sich in neuer Selbsthilfegruppe aus,
in: Saarbrücker Zeitung v. 25.08.

RENTSCH, Andreas (2001): Späte Schwangerschaft als Risiko.
Frauenarzt Martin Link: Jedes siebente sächsische Paar bleibt wider Willen kinderlos,
in: Sächsische Zeitung v. 25.10.

HAAKE, Gregor (2001): Vierzehn Paare ringen um ein Kind.
Die Statistiker zählen offiziell immer weniger Adoptionen - es könnten aber viel mehr sein,
in: Tagesspiegel v. 25.10.

CORSTEN, Volker (2001): Tragödienstoff im Wartestand.
Reality-TV mit Herz: Eine Dokumentation begleitet kinderlose Paare bei ihren Versuchen, dem Glück nachzuhelfen
,
in: Welt am Sonntag v. 18.11.

"Ungewollte Kinderlosigkeit" ist im Zeitalter von Reproduktionsmedizin und Bevölkerungspolitik das Topthema. RTL2 zeigt die Serie Wunschkinder, in der das Thema zeitgeistmäßig aufgegriffen wird. Glücklichsein ohne Kind, das darf in der heutigen Zeit nicht sein!

DEGEN, Rolf (2001): Karriere ist nicht die Barriere.
Kinderlose Frauen gelten als "Karrieretypen" - aber gerade sie träumen von der Frühpensionierung,
in: Tagesspiegel v. 20.11.

Rolf DEGEN versucht das sozialpolitisch motivierte Stereotyp von der kinderlosen Karrierefrau zu entkräften. Er zitiert hierzu die beiden Sozialwissenschaftlerinnen Fiona MCALLISTER und Lynda CLARKE vom Family Policy Studies Center in London, die 176 freiwillig kinderlose Frauen zwischen 33 und 49 Jahren befragt haben. Über die Repräsentativität der Studie sagt DEGEN leider nichts aus. Ausserdem muss bedacht werden, dass die Ergebnisse nur für Grossbritannien aussagekräftig sind und nicht umstandslos auf deutsche Verhältnisse übertragen werden dürfen. Offenbar bezieht sich DEGEN auf die bereits im Juli 1998 publizierte Studie Choosing childlessness: a study of childlessness in Britain.

Keineswegs außergewöhnlich ist das Ergebnis, dass sich die befragten Kinderlosen nicht selbst durchgängig als karriere-orientiert betrachten. Die angebliche Neuheit dieser Tatsache ist das Ergebnis einer selektiven Wahrnehmung der deutschen Studien zu diesem Thema.
Es stellt sich deshalb die Frage, warum gerade jetzt das Stereotyp der Karrierefrau einer Revision unterzogen werden soll.
Die Gründe hierfür müssen in erster Linie im Kontext der veränderten sozialpolitischen Debatte gesehen werden. Mit dem
beabsichtigten Paradigmenwechsel von Welfare zu Workfare
und damit von der "sozialen Hängematte" zum "Trampolin" einerseits (siehe auch heutige FAZ) und der bevölkerungspolitisch motivierten Debatte um die Verlängerung der Lebensarbeitszeit andererseits, gerät die "Frühpensionierung" (der Begriff verweist weniger auf die britischen als auf die deutschen Verhältnisse) zum zentralen Kritikpunkt.
DEGEN geht es also weniger um eine Entstigmatisierung von kinderlosen Berufstätigen, sondern um eine Anpassung des Stereotyps an die gegenwärtige sozialpolitische Faulenzer-Debatte.
Wenig überraschend ist auch der Befund von Sonja Bischoff, BWL-Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg:

"Sie hat 1998 zum dritten Mal - nach 1986 und 1991 - jeweils 1000 Männer und Frauen in Führungspositionen in Deutschland befragt. Der Anteil der kinderlosen Frauen ging zurück. Frauen auf der ersten Führungsebene haben heute zu 60 Prozent Kinder und in der zweiten und dritten Ebene noch zu 45 Prozent."

HENARD, Jacqueline (2001): Vater unser.
Warum überaltert unsere Gesellschaft? Wegen allgemeiner Zukunftsunsicherheit und weil Frauen Karriere machen wollen, so sagt man. Aber wie denken eigentlich Männer über Kinder?
in: Die ZEIT Nr.01 v. 27.12.

GERMIS, Carsten (2001): Eure Kinder kosten uns Milliarden.
FAS-Kontroverse:
Die Kinderlosen zahlen schon heute einen Großteil des Aufwands für Erziehung und Ausbildung,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.

KLOEPFER, Inge (2001): Wir Eltern zahlen doppelt.
FAS-Kontroverse: Die Familien finanzieren die Ausbildung der Kinder und zahlen die Renten der Singles,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.12.

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 24. November 2012
Update: 29. Januar 2016