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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Kinderlose in Deutschland

 
       
   

Eine Bibliografie der Debatte um die gewollte und ungewollte Kinderlosigkeit (Teil 5)

 
       
     
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 5: 2005)

2005

HOLL, Thomas (2005): Der wichtigste Grund für Kinderlosigkeit: Es fehlt "der" Partner.
Betreuungsmöglichkeiten von untergeordneter Bedeutung. Allensbach- und Forsa-Umfrage,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.01.

"44 Prozent der befragten Kinderlosen verzichten demnach auf Nachwuchs, weil ihnen der geeignete Lebenspartner fehlt. Genauso viele wollen keine Familie gründen, weil sie auch ohne Kinder mit ihrem Leben zufrieden sind. Fast 40 Prozent der Kinderlosen und 45 Prozent der befragten Eltern verzichteten auf (weitere) Kinder, »weil man heute nicht mehr wissen kann, ob man seinen Arbeitsplatz behält und sich (weitere) Kinder leisten kann«. Nur neun Prozent der Kinderlosen und 21 Prozent der Eltern wollen keine (weiteren) Kinder, weil es an Krippen- und Kindergartenplätzen fehlt",

berichtet Thomas HOLL über die Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschriften Eltern und Eltern for family. Da das Zusammenzählen der Werte mehr als 100 % ergibt, waren Mehrfachnennungen möglich. Damit ergibt sich das Problem der Priorisierung der Gründe. Die Höhe der Prozentzahlen könnte dadurch zu Fehlschlüssen über die Wichtigkeit der einzelnen Gründe führen. Offensichtlich ist jedoch nur, dass die Ergebnisse der Forsa-Umfrage dazu missbraucht werden, den geplanten Ausbau der Kinderbetreuung infrage zu stellen.

SCHWÄGERL, Christian (2005): Das Umfeld zählt:
Wenn Kinderlose von Kindern träumen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.01.

BRÜNING, Nicola (2005): Party statt Papa.
Hauptgrund für Deutschlands Kinderlosigkeit ist nicht der fehlende Krippen- und Hortplatz,
in: Focus Nr.3 v. 17.01.

WINKELMANN, Ulrike (2005): Nachwuchssorgen seit 125 Jahren.
Aber jetzt wirds ganz schlimm, sagen die Statistiker. Doch sie vergessen ältere Mütter,
in: TAZ v. 21.01.

DATH, Dietmar (2005): Wer Zukunft zeugt.
Soll Mutterschaft wieder Schicksal werden?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.02.

Heute muss Dietmar DATH an die demografische Front. Im Gegensatz zur bisherigen Debatte verteidigt DATH die Wahlfreiheit in Sachen Reproduktion. DATH weist daraufhin, dass bei den Grünen bereits Mitte der 80er Jahre die "neue Mütterlichkeit" zur Verdammung der kinderlosen Karrierefrau führte:

"Vor den jüngsten demographischen Warnschüssen einer überalterten Gesellschaft war diese Differenz zwischen Natur und Kultur noch das Proprium »neuer sozialer Bewegungen«, etwa der Leute, die den berühmten »grünen Mütterkongreß« ausrichteten, der 1986 unter dem Motto »Leben mit Kindern - Mütter werden laut« stattfand und unter anderem dazu führte, daß Feministinnen, die trotzdem keine Kinder kriegen wollten, sich von linken Genossinnen und Genossen als »Aquariumskarrieristinnen« anschwärzen lassen mußten."

Hatte also die Nach-68er-Generation ihr Eltern-Coming out bereits in den 80ern, so wird die postfeministische Mütterlichkeit durch eine Debattenatmosphäre befeuert,

"in der plötzlich wieder von Reproduktionsverpflichtungen gesprochen werden kann, die erfüllt werden müssen, um die brüchig gewordenen tieferen Stockwerke des Gesellschaftsbaus zu stabilisieren."

DATH beklagt die damit verbundene Naturalisierung des Sozialen (siehe hierzu ausführlicher Christoph BUTTERWEGGE) und nennt die Interessen, die von einer solchen Naturalisierung profitieren:

"Wenn in den reichen Ländern der Nordhalbkugel die Kleinen ausbleiben, fallen die Mieten und steigen die Löhne. Daß das den Besitzern von Wohnungen und Fabriken nicht gefällt, ist ebensowenig ein vernünftiger Grund, Frauen zur Bereitstellung einer nachindustriellen Reservearmee fürs postfordistische Zeitalter zu verpflichten, wie der Wunsch vieler Männer, die lästige weibliche Konkurrenz von den Arbeitsmärkten zu verscheuchen, weil die Lage dort prekärer geworden ist.
Auch die verbreitete Angst vor der unkontrollierten Vermehrung Zugewanderter gebietet logisch nicht zwingend, einheimische potentielle Mütter an die demographische Front zu schicken. Denn wenn der besagte technische Fortschritt, oft in der Chiffre »Lebensstandard« versteckt, angefangen von der Ausbildung zu einem Leben, das ihn zu nutzen versteht, auch Migrantinnen offensteht, dann werden sie in entsprechender statistischer Verteilung ebenfalls Karrierefrauen oder Mütter mit Beruf sein - was sie allenfalls noch daran hindert, sind wagenburgartig abgeschottete Sozialzusammenhänge, die von der gesellschaftlichen Prämierung der Selbstethnisierung zehren, nicht ein mythischer Gebärtrieb."

DATH sieht in der Bejahung des Fortschritts - und dazu gehört auch die Freiheit der Reproduktion - die einzige Alternative zu einer "Neuorganisation nach biologischen Kriterien":

"Alles andere als die Anerkennung der Tatsache, daß zur Reproduktion die freie Wahl gehört wie zur modernen bürgerlichen Gesellschaft die »Hochachtung vor der individuellen Subjektivität« (Hegel), riecht nicht nach Neuzeit, sondern nach mit ökonomischen und kulturellen Erwägungen nur notdürftig verbrämten vormodernen Vorstellungen vom Gemeinwesen, die sich an Bluts- statt an Bürgerrecht orientieren."

FR-Thema Politik: Die Kinderfrage.
Die Fraktion der Reproduktionsverweigerer wächst. Jede dritte Frau bleibt kinderlos. Die Politik mag kinderfeindliche Bedingungen wie die schlechte Betreuungssituation ändern. Doch vielen fehlt schlicht der geeignete Partner. FRplus Politik betreibt Ursachenforschung zwischen materiellen Überlegungen, Imagefragen und individueller Glückssuche - und lässt Eltern und Kinderlose ihre Entscheidung reflektieren
in: Frankfurter Rundschau v. 02.02.

ULRICH, Bernd (2005): Warum habt ihr Angst vor mir?
Akademiker bekommen immer weniger Kinder. Sie sind keine Egoisten. Ihnen fehlt auch nicht das Geld. Sie haben bloß keinen Mut,
in:
Die ZEIT Nr.8 v. 17.02.

Bernd ULRICH plädiert für Wahlfreiheit, aber leider nicht für die Wahlfreiheit zwischen einem Leben ohne Kind und einem Leben mit Kind, sondern seine Wahlfreiheit beschränkt sich auf die Art des Mutterseins.
Frauen dürfen jetzt erwerbstätig sein, wenn sie Kinder haben oder sie dürfen Vollzeitmütter sein. Kinderlose gelten ihm stattdessen als mutlos. Die Medien machen ihm zu wenig Mut zum Kind und sind damit mitverantwortlich für die Kinderlosigkeit in Deutschland. Keine Frage, in einem Land, in dem so viel Feindseligkeit gegen Kinderlose herrscht, sind nicht einmal gute Gründe gegen Kinder erlaubt. In einem Land, in dem Demografen wissentlich das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit übertreiben, ist das nicht verwunderlich.

BERTH, Felix (2005): Statistik auf Erstklässler-Niveau.
Wegen schlechter Datenerhebung lässt sich die tatsächliche Kinderlosigkeit in Deutschland nicht genau beziffern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.02.

LEBERT, Stephan (2005): Widerworte - Nervende Eltern.
Vorige Woche kritisierte Bernd Ulrich die kinderlosen Akademiker - hier antwortet einer von ihnen,
in: Die ZEIT Nr.9 v. 24.02.

Stephan LEBERT sieht mit der Mitte der 80er Jahre einsetzenden Debatte um die neue Mütterlichkeit den Beginn einer Wende zum Schlechteren. Damals bekam die "Generation der nach innen gekehrten Egozentriker" Kinder. LEBERT sieht damit einen zunehmenden Verlust der selbstverständlichen Elternschaft einhergehen. Mit dem Auftritt der so genannten Neuen Väter hat das Spektakel des Klagekonzerts der Eltern einen neuen Höhepunkt erreicht:

"viel (wird) geredet von den neuen Vätern, wie einfühlsam sie seien, wie anders als ihre Väter. Es gibt eine Zahl, mit der sich diese Eigenthese überprüfen lässt, und zwar die Zahl der berufstätigen Männer, die einen Vaterschaftsurlaub antreten. Die Zahl liegt unter drei Prozent und bleibt seit Jahren konstant. (Aber etwa 80 Prozent dieser drei Prozent schreiben ein Buch über diese Zeit.)"

LEBERT sieht im Klagekonzert der Eltern einen Grund dafür, dass Kinderlose auf keinen Fall Eltern werden möchten:

"Kinder haben keine Lobby, heißt es. Eigentlich wären die Eltern die geeigneten Leute dafür. Doch sie versagen völlig. Dabei wäre jeder Lobbyist froh, könnte er, um die Sprache der Wirtschaft zu benutzen, für so ein wunderbares Produkt werben. Was könnten Eltern für lustige, anrührende, begeisternde Geschichten erzählen. Sie müssten dafür aber für einen Moment sich selbst vergessen. Kollege Bernd Ulrich hat vergangene Woche in der ZEIT geschrieben, die Kinderlosen würden vor allem wegen diffuser Lebensangst keine Kinder bekommen. Da ist sicher was dran. Aber noch größer ist eine andere Furcht: die vor den Eltern. Sie möchten nicht werden wie sie."

LENZEN-SCHULTE, Martina (2005): Wunschkind.de.
Frauen unter Druck: Fluch und Segen der Reproduktionsmedizin,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.02.

LENZEN-SCHULTE gehört zu jenen, die mit zu hohen Zahlen bei der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen argumentieren (mehr hier).

BAHR, Daniel (2005): Unfruchtbare Elite:
Daniel Bahr vom FDP-Bundesvorstand machte mit der Bemerkung Furore, die Falschen kriegten die Kinder. Was meint er damit?
in: Welt am Sonntag v. 27.02.

Der FDP-Politiker Daniel BAHR instrumentalisiert das Down-Breeding-Argument, um Klientel-Politik für Besserverdienende durchzusetzen (mehr hier).

WIDMANN, Stefanie (2005): "Fortpflanzung ist keine Menschenpflicht".
Soziologe Schneider sieht Diskussion zwischen Kinderlosen und Eltern als schädlich an,
in: Allgemeine Zeitung Mainz v. 07.03.

Das hat heutzutage Seltenheitswert! Ein Soziologe (Norbert F. SCHNEIDER von der Universität Mainz), der Kinderlose verteidigt und dazu noch den Spiegel-Biologismus kritisiert:

"Aus Sicht Schneiders, der sich schwerpunktmäßig mit Familie und Lebensformen beschäftigt, keinen. »Arterhaltung ist bei Menschen kein Argument, das wurde ihnen höchstens in Kriegszeiten manchmal gesagt«, stellt der Soziologe klar. Sich selbst zu reproduzieren, sich zu verwirklichen, die Erfahrung zu machen, wie das so mit Kindern ist - das seien eher die Motive, Kinder zu bekommen. Andererseits seien ein Drittel bis die Hälfte der Schwangerschaften ungewollt, das Wunschkind wiederum würde bei Frauen über 30 vielfach ausbleiben.
Als »zwingend schädlich und falsch« bezeichnet Schneider die Diskussion über den Wert von Singles, Dinks (Double Income, no Kids) und Familien für die Gesellschaft. »Kinderlose lassen es sich gut gehen zu Lasten verantwortungsvoll handelnder Eltern« - solche Aussagen seien ebenso falsch wie der Vorwurf, sie verweigerten der Gesellschaft einen Dienst, auf den diese Anspruch haben. »Fortpflanzung ist keine Menschenpflicht«, stellt Schneider klar. »Auch Kinderlose leisten ihren Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft - sie arbeiten beruflich voll, zahlen die höchsten Steuern und Abgaben und finanzieren so manche nicht erwerbstätige Mutter mit, die kostenfrei an der Sozialversicherung der Gesellschaft partizipiert.«"

SOLDT, Rüdiger (2005): Kinderlose Akademikerinnen?
Die Demographie braucht genauere Zahlen zur Geburtenstatistik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.03.

FENGLER, Susanne (2005): Ich bin die RICHTIGE Beute!
Von der Gnade der späten Geburt oder Warum ich bisher 0,0 Kinder zur Sicherung des Standorts Deutschlands beigetragen habe,
in: TAZ v. 08.03.

Das Outing der Männer als Nicht-Zeuger sieht dagegen etwas anders aus. Ein Vorreiter war hier Hans-Ulrich TREICHEL.

DINKLAGE, Meike (2005): Der Zeugungsstreik. Warum die Kinderfrage Männersache ist, Frankfurt a/M: Fischer

Der Zeugungsstreik

"Die viel zitierte Selbstverwirklichung der Frauen kann den Geburtenrückgang nicht erklären. Ist die kinderfeindliche Gesellschaft schuld? Oder sind es doch die Männer? Meike Dinklage gibt der Diskussion um die Überalterung der Gesellschaft eine neue Richtung und fragt Männer, warum sie keine Kinder wollen.

Die Diskussion um den Geburtenrückgang lässt die Männer außen vor. Dabei wird die Babyfrage in den Beziehungen entschieden, und die Männer haben einen entscheidenden Anteil daran. Tatsächlich bleiben viel mehr Männer kinderlos als Frauen: 33,6 % der Männer zwischen 35 und 40 haben keine Kinder, während es bei den Frauen dieser Altersgruppe nur 17,4 % sind.
In ihrem Buch porträtiert die Brigitte-Redakteurin Meike Dinklage diese Männer im Zeugungsstreik: Männer, die ohne Kinder leben, weil sie keine Kinder wollen. Weil sie ihr Leben nicht ändern wollen. Weil sie den sozialen Abstieg fürchten. Weil sie ja noch später Väter werden können. Weil ihnen ein positives Familienbild fehlt. Aber auch: Weil sie kein Kind zeugen können, obwohl sie es möchten. Und sie trifft die Frauen, die nicht Mütter werden, weil ihre Männer nicht Väter werden wollen
."
(Klappentext)

MAYER, Susanne (2005): Familienkrach:
Kinderlose Akademiker: eine Analyse,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.

"Managerinnen sind zu 60 Prozent kinderlos, Professorinnen zu 80 Prozent.
Wohin das führt? Kann man sich leicht klarmachen. Wenn die Zeitungen in diesen Tagen die strahlenden Abiturienten abbilden – durchzählen, eins, zwei, eins, zwei: Jeder Zweite der jungen Leute wird wohl kinderlos bleiben. Nicht, weil es ihnen an Mut fehle. Versagt haben ihre Eltern, Politiker, die Eliten. Zum Beispiel jene, die unsere Jungakademiker zum Semester empfangen werden, Professoren aller Couleur, meist jedoch eines Geschlechts, die so gerne sozialkritische Diskurse pflegen, aber den einen verpasst haben. Den um Nachwuchs
",

behauptet Susanne MAYER. Journalisten setzen am liebsten auf die Analyse, empirische Probleme werden deshalb politisch korrekt ausgeblendet. Über die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen wird zurzeit viel geredet, aber eine Debatte über das Problem der Erfassung von Akademikerkinderlosigkeit fehlt bislang. Wenn MAYER nahe legt, dass jede zweite Abiturientin kinderlos bleiben wird, dann ist das sozialpolitische Demagogie. Christian SCHMITT hat anhand von Lebensverlaufsdaten (normalerweise werden von Bevölkerungswissenschaftler gerne wenig aussagekräftige Haushaltszahlen benutzt) belegt, dass weniger als 30 % der Akademikerinnen kinderlosen bleiben werden.
Aber nicht jede Abiturientin wird auch Akademikerin, d.h. die Kinderlosigkeit von Abiturientinnen wird noch geringer sein.
Die ZEIT veröffentlich heute auch jede Menge Leserbriefe zu Bernd ULRICH, Stephan LEBERT und die Akademikerkinderlosigkeit.

DPA (2005): Frauen treffen entscheidende Partnerwahl.
Studie über "Fastdating" in Deutschland,
in: Tagesspiegel v. 30.03.

Aus einer Untersuchung an 20 Frauen und 26 Männern beim Fastdating in München haben Forscher die evolutionsbiologische These abgeleitet, dass Frauen bei der Partnerwahl primär einen Vater suchen, während es Männern in erster Linie um einen Sexpartner geht. Eine solche Ableitung kann jedoch nicht die Partnerwahl von Menschen ohne Kinderwunsch erklären:

"Ein 34-jähriger Arzt aus Köln sagte seinen Eltern schon mit zehn, dass er keine Kinder wolle. Er glaubt nicht an eine Bestimmung zur Fortpflanzung. Er sagt: »Bei den meisten Menschen läuft ein biologisches Programm ab, es bringt sie dazu, sich fortpflanzen zu wollen. Ich habe dieses Programm nicht. Oder es ist nicht aktiviert.« Er war nie mit einer Frau zusammen, die auf jeden Fall ein Kind wollte. Er glaubt, dass er bei Frauen merkt, wenn sie Kinder wollen, und sich deshalb gar nicht erst zu ihnen hingezogen fühlt",

berichtet Meike DINKLAGE im Brigitte-Dossier vom 15.03.2005
Die Familienpolitikforscherin Irene GERLACH schätzt das Ausmaß der gewollten Kinderlosigkeit in ihrem Buch Familienpolitik auf 10 % in Deutschland. Die Grenze zwischen gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit kann dabei durchaus unterschiedlich gezogen werden, wie ein Vergleich mit Christine CARLs Studie zeigt.

KORTMANN, Christian (2005): Wir müssen leider draußen bleiben.
Die Generation Praktikum und die Diskriminierung durch "Rankism",
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.

Bei der unsäglichen Debatte um die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen und vor allem bei der Einengung auf das Elterngeld, werden genau jene kinderlosen Akademiker(Innen) ausgeblendet, die bei KORTMANN im Mittelpunkt stehen (mehr hier).

WINKELMANN, Ulrike (2005): Schröder will mehr Kinder.
Kanzler "begrüßt" den Plan der Familienministerin für ein "Elterngeld", mit dem Gutverdiener zum Kinderkriegen ermutigt werden sollen. Arbeitgeber auch dafür,
in: TAZ v. 14.04.

Ulrike WINKELMANN verweist darauf, dass das Familienministerium zur Rechtfertigung des Elterngeldes mit veralteten Daten zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen argumentiert (mehr hier).

LEANDER, Karin (2005): Der Fruchtbarkeitsfalle entkommen.
Kinder? Später vielleicht, oder lieber doch nie... Wer ist schuld? Junge Frauen? Eine Studie belegt das weitverbreitete Ideal der Kinderlosigkeit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.05.

Karin LEANDER referiert noch einmal den familienpolitischen Diskurs der letzten Monate und Jahre mit BIB-Studie, dem Gutachten von Hans BERTRAM der DIW-Studie von Christian SCHMITT, dem Spiegel-Titel ("Der letzte Deutsche", 2004), Literatur von Herwig BIRG ("Die demographische Zeitenwende", 2001), Gabriele GÖBEL ("Kinder oder Karriere - Lebensentwürfe junger Akademikerinnen und ihr persönlichen Netzwerke" 1997), Bärbel KERBER ("Die Babyfalle", 2003), Susanne REINHRADT ("FrauenLeben ohne Kinder", 2003), Jeanne SAFER ("Kinderlos glücklich") und nicht zuletzt die Kontroverse um Land-Mütter (Laer) und Stadt-Mütter (Prenzlauer Berg).

HOLZER, Kerstin/RÖLL, Thomas/SACHSE, Katrin (2005): Bye-bye Baby!
Beziehungsstress, Egotrips und Jobangst nehmen den Deutschen die Lust aufs Kind - vor allem den Männern,
in: Focus Nr.19 v. 09.05.

SCHÄFFER, Albert (2005): Nur eine Schuldfrage?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.05.

Albert SCHÄFFER empört sich über die Versuche Kinderlose zu Menschen zweiter Klasse herabzuwürdigen:

"Sie drohen die Aussätzigen der deutschen Gesellschaft zu werden: die Kinderlosen. (...). Die Kinderlosen werden als ein Krebsgeschwür in den sozialen Sicherungssystemen gegeißelt, das nur durch drastische Leistungskürzungen und Abgabenerhöhungen herausgeschnitten werden kann. Der jüngste Vorstoß des Instituts der deutschen Wirtschaft, die gesetzlichen Renten für Kinderlose mehr als zu halbieren, ist nur eine Etappe in diesem Feldzug.
Die Herausforderungen, vor denen Deutschland bei der Sanierung des Sozialstaats steht, werden durch solche Feuerwerke der Affekte nicht zu bewältigen sein. Es ist zwar notwendig, darüber zu streiten, ob der gesellschaftliche Ausgleich zwischen Familien und Menschen ohne Kinder noch stimmig ist - in einer Zeit, in der die Lebenserwartung ständig wächst und die Altersstruktur sich dramatisch wandelt; schon jetzt leben in Deutschland mehr Menschen, die 65 Jahre und älter sind, als Kinder unter fünfzehn Jahren. Diese Debatte kann sich aber weder in einer kalten Ökonomie der Zahlen, die Transfers zugunsten der Familien wie Erziehungs- und Kindergeld mit Leistungen aus dem Generationenvertrag für Kinderlose zu verrechnen sucht, noch in einer demagogisch verkürzten familienpolitischen Korrektheit erschöpfen.
Es ist eine Verkürzung, bei der Kinderlosen letztlich die staatsbürgerliche Legitimation abgesprochen wird. (...).
Es ist erschreckend, daß nicht der Berufszyniker Harald Schmidt, sondern der
Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen der Generation der Dreißig- bis Fünfzigjährigen angesichts der demographischen Herausforderungen empfohlen hat, in den Spiegel zu schauen und »mea culpa« auszurufen, weil sie völlig freiwillig auf Kinder verzichtet habe. Mit solchen Vereinfachungen werden, auch wenn es nicht beabsichtigt sein mag, Stimmungen geschürt. In den Kategorien von Schuld, Versagen und Verweigerung wird eine ernsthafte Debatte darüber, wie die Vergreisung der deutschen Gesellschaft aufgehalten werden kann, nur im medialen Krawall der Talkshows verdampfen.

(...).
Wert- und Unwerturteile, garniert mit imaginären Frontstellungen zwischen »Gebärfreudigen« und »Gebärfaulen«, taugen nicht als Aufstiegshilfen aus dem demographischen Tal.
Die Inszenierung eines Verteilungskampfs zwischen Familien und Kinderlosen mag Politikern und Wissenschaftlern Medienpräsenz garantieren; zu einer gemeinsamen Anstrengung wird sie nicht führen. (...). Das buchhalterische Aufrechnen von Vor- und Nachteilen ist ein gesellschaftliches Nullsummenspiel; wie die Bundesregierung die Forderung des Bundesverfassungsgerichts, in der Pflegeversicherung Familien zu entlasten, schlicht in eine neue Belastung für Kinderlose umgedeutet hat, wirft darauf ein entlarvendes Licht. Ein bevölkerungspolitischer Aufbruch, in dem sich Familien und Kinderlose gleichermaßen wiederfinden, läßt sich darauf nicht gründen."

SINN, Hans-Werner (2005): Führt die Kinderrente ein!
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.06.

Hans-Werner SINN stellt ein modifiziertes Konzept der Rente nach Kinderzahl vor (mehr hier).

QUOIRIN, Marianne (2005): Kinderlose in die Rolle der Sündenböcke gedrängt.
Die neue Dauerdebatte um die Babyflaute fördert alte Vorurteile zutage,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 14.06.

Marianne QUOIRIN widmet sich ausführlich dem gestrigen singlefeindlichen FAZ-Artikel von FLÖTTMANN. Erwähnung findet auch ein RAFFELHÜSCHEN-Beitrag in der FAZ.

HASS, Frauke (2005): Die Kinderlosen,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.06.

Frauke HASS, Jahrgang 1965, schließt sich Elke BUHR an, und sieht deshalb die lebenslang kinderlosen Karrierefrauen auf dem Vormarsch.
Dabei beruft sie sich auf die fragwürdige Allensbach-Studie, die im April vorgestellt wurde. Nicht Aufschub von Geburten, sondern Gebärstreik heißt - familienwahlkampfgerecht - die Parole. Für HASS geht der Druck auf Kinderlose nicht weit genug:

"In der politischen Diskussion nimmt die Ächtung der Kinderlosen zwar zu: etwa in der Debatte über den mittlerweile erhöhten Beitrag der Kinderlosen zur Pflegeversicherung. Im Alltag der heute 40-Jährigen spielt das dagegen keine Rolle. Mieses Image der Kinderlosen? Keine Spur."

Fakt ist jedoch, dass die Kinderlosigkeit, der in den 60er Jahren geborenen Frauen, viel geringer ist, als die amtlichen Daten weismachen möchten. Der Soziologe Hans BERTRAM hat zudem darauf hingewiesen, dass nicht die lebenslange Kinderlosigkeit, sondern hauptsächlich der Rückgang von Familien mit 2 und mehr Kindern für den Geburtenrückgang verantwortlich ist. Die Bestrafung von Kinderlosen (deren Lebenssituation nicht so homogen ist, wie die verengte öffentliche Debatte das nahe legt) wäre also der falsche Weg, nichts spricht jedoch dagegen, die Bedingungen für die Erziehung von Kindern zu verbessern.

STERN-Titelgeschichte: Land ohne Kinder.
Die familienfeindliche Gesellschaft: Wie Deutschland seine Zukunft verspielt

ROSENKRANZ, Stefanie & Anne SCHÖNHARTING (2005): Land ohne Kinder.
Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate in der Europäischen Union. Die Republik vergreist - Resultat völlig verfehlter Familienpolitik. Wir investieren viel Geld in Familien, aber mit weit weniger Erfolg als die Franzosen. Und die letzten mutigen Mütter bezahlen einen schmerzhaft hohen Preis,
in: Stern Nr.27 v. 30.06.

GLÄSER, Heike (2005): Du wärst eine tolle Mutter.
Teilzeit-Tante oder Single mit Katze: Was passiert, wenn Frauen ohne Kind leben,
in: Zitty Nr.15 v. 07.07.

GLÄSER reproduziert die bevölkerungspolitisch korrekten, aber nichtsdestotrotz falschen Zahlen über die Kinderlosigkeit des Frauenjahrgang 1965:

"Immerhin ist fast jede dritte Frau des Jahrgangs 1965 kinderlos geblieben, davon über 40 Prozent Akademikerinnen".

Christian SCHMITT hat jedoch nachgewiesen, dass vom Jahrgang 1965 nur 20 Prozent kinderlos sind und dass bei den Akademikerinnen die Kinderlosigkeit unter 25 Prozent liegt Wenn jedoch selbst ein Blatt, das der bevölkerungspolitischen Debatte kritisch gegenübersteht, die Zahlen der bevölkerungspolitischen Hardliner um Herwig BIRG ( Ziel dieser Gruppe ist die Rehabilitierung der "Deutschen Mutter") übernimmt, dann zeigt dies das ganze Ausmaß der Misere: Die Single-Lüge ist zum unhinterfragbaren Selbstläufer geworden. Die Folgen sind ein falsches Selbstbild der Kinderlosen. Dann bedarf es solcher Geschichten von biologischen Uhren und Zeugungsstreik, um die Gebär- und Zeugungsunwilligen wieder zur Räson zu bringen. Man darf sich dann auch nicht wundern, wenn die Suche nach positiven Vorbildern erfolglos bleibt:

"Was aber wirklich fehlt, sind Vorbilder. Und damit sind nicht karrieregeile, egoistische, einsame Frauen gemeint, und schon gar nicht Prominente (...). Sondern Lebensentwürfe von Frauen ohne Kind, die eben nicht mit Verantwortungslosigkeit, Verweigerung oder Verbitterung verbunden werden.
Selbst der Journalistin Viola Roggenkamp gelingt es in ihrem Buch Frau ohne Kind nicht, ein positives Bild der kinderlosen Frau zu zeigen."

Was bleibt ist dann das resignative Bild von der "Teilzeit-Tante" oder der Singlefrau mit Katze.

ADAM, Konrad (2005): Arme Kinder,
in: Welt v. 11.07.

Konrad ADAM plädiert für ein Familienwahlrecht und begründet es damit, dass angeblich die Kinderlosen an der Macht seien. Solche Demagogie ist nur möglich, indem Eltern zu Kinderlosen umdefiniert werden, d.h. durch einen verkürzten Familienbegriff, der haushaltsübergreifende Bindungen von Eltern und Kindern negiert. Single-generation.de hat dies als Single-Lüge bezeichnet. Gerade haben Manfred SCHAREIN & Rainer UNGER, beide Mitarbeiter beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, in den hauseigenen BIB-Mitteilungen vom 30.06.2005 eingeräumt, dass die Zahl der kinderlosen Akademikerinnen niedriger ist, als dies die Demografen bislang ausgewiesen haben.
Schuld ist die STEINZEIT-Methodologie mit der in Deutschland Kinderlosigkeit geschätzt wird.

Es musste erst in der FAZ auf Seite 1 stehen, damit Demografen sich überhaupt mit diesem Thema befasst haben. Single-generation.de hat seit 2001 immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kinderlosigkeit überschätzt und die Geburtenrate in der amtlichen Statistik zu niedrig ausgewiesen wird. Wenn ADAM nun wieder behauptet, dass "jede kommende Generation um ein Drittel kleiner sein wird als die vorausgehende", dann ist das in erster Linie spekulativ, denn die Prämissen der Demografen sind offensichtlich bislang falsch gewesen.

Ulrike WINKELMANN schrieb z.B. in der taz vom 21.01.2005 unter Berufung auf den neuesten Bevölkerungsbericht, dass von den 1965 geborenen Frauen nur 20 % kinderlos bleiben. Wie single-generation.de immer wieder betont hat, haben die deutschen Demografen die Erhöhung des Gebäralters nicht ausreichend berücksichtigt. Dies hat inzwischen auch die Sozialwissenschaftlerin Michaela KREYENFELD bemängelt.
Die neuesten Daten von Manfred SCHAREIN & Rainer UNGER bestätigen, dass von den Demografen zu vorschnell lebenslange Kinderlosigkeit diagnostiziert wurde, wo nur Spätgebären vorlag.
Gerade für die Universitätsabsolventinnen gilt, dass Geburten im Alter jenseits von 35 Jahren üblich sind.

Im Jahr 2003 lag nach den Daten von SCHAREIN & UNGER z.B. die Kinderlosigkeit der 35-39Jährigen bei ca. 40 %, bei den 36-40Jährigen bei ca.38 %, bei den 37-41Jährigen bei ca. 33 % und bei den 41-45Jährigen sogar nur bei ca. 28 %. Dies zeigt wie entscheidend die Wahl der Altersgruppe ist. Es darf angenommen werden, dass die heute 35-39Jährigen Akademikerinnen also noch Kinder bekommen werden und ihre endgültige Kinderlosigkeit nicht bei 40 %, sondern eher bei 30 % oder sogar noch darunter liegen wird. In der Gesamtbevölkerung ist demnach die lebenslange Kinderlosigkeit noch niedriger.

Es ist dem Soziologen Christian SCHMITT zu verdanken, dass diese Spitze des Eisberges - als ein kleines Mosaiksteinchen der Single-Lüge - nun auch in die Öffentlichkeit gelangt ist.
 

WELTWOCHE-Titelgeschichte: Was, Sie haben kein Kind?
Über die Arroganz der Jungeltern, die sich für bessere Menschen halten
 

MÜLLER, Franziska K. (2005): Kinderwahnsinn.
Moderne Väter und Mütter (vor allem Mütter) erinnern an Sektenmitglieder. Sie halten sich für die besseren Menschen, belästigen ihr Umfeld mit einem militanten Enthusiasmus und geben Kinderlosen das Gefühl, sie seien Schwerverbrecher,
in: Weltwoche Nr.30 v. 21.07.

Der neuste Sommerloch-Medienhype sind die selbstgefälligen Eltern.
Bereits im November 2001 hat sich single-generation.de diesem Phänomen gewidmet. Damals - im Windschatten vom PflegeFEHLurteil des Bundesverfassungsgerichts - nahm die Aufblähung des Eltern-Ichs seinen unguten Anfang. Erst mit den Prenzlauer-Berg-Eltern erfuhr das Phänomen der selbstgefälligen Eltern die Aufmerksamkeit der Medien.
In der Zeitschrift EMMA löste ein Artikel von Annette C. ANTON (März/April 2004) eine Kontroverse aus, die nun im Mainstream angekommen ist. Matthias KALLE pöbelte im Berliner Stadtmagazin ZITTY vor kurzem gegen die Elterndarsteller und nun hat die Schweizer Weltwoche das Thema zur Titelgeschichte ausgebaut.

"Es ist ja schön, dass sich junge Mütter und Väter durch ihren Nachwuchs aufgewertet fühlen. Sie mutieren – sozusagen über Nacht – zu weisen, selbstlosen Wesen. Sie betrachten sich in stolzer Erfüllung ihrer Pflichten fortan als Nabel der Welt. Aber müssen sie den Kinderlosen andauernd zu verstehen geben, dass ein von Stundenplänen, Monogamie und Legomonstern geprägtes Leben moralisch wertvoller sei als ein unbeschwertes Junggesellinnen-Dasein?
Der Verdacht drängt sich auf, dass viele Jungeltern, entgegen der zur Schau getragenen Zufriedenheit, schlicht frustriert sind",

folgert Franziska K. MÜLLER scharfsinnig. Single-generation.de hat diese schlichte Frustrationsthese 2001im Beitrag Feindbild Single präziser dargestellt und das Feindbild der Kinderlosen als Identitätsstabilisator für frustrierte Eltern auf negative Bilanzierungen, die medial verstärkt werden, zurückgeführt. MÜLLER sieht nun ausgerechnet in den Spätgebärenden die Kerngruppe derjenigen, die die Elternrolle über alles idealisieren und einen kinderlosen Lebensstil mit Furor ablehnen. So wie ehemalige Raucher zu den militantesten Nichtrauchern werden oder Neubürgerliche mit 68er-Vergangenheit zu den schärfsten Kritikern der Spaßgesellschaft mutieren, so müssen Spätgebärende Kinderlose missionieren, als ob ihr Seelenheil nicht vom Elterndasein, sondern vom Unglück der Kinderlosen abhängt.

Im letzten Drittel versucht MÜLLER dann der Überschätzung der Elternschaft entgegen zu treten. MÜLLER führt zum einen aus, dass es eine kinderfreie Gesellschaft in der Schweiz nicht geben wird:

"Der Ruf der Kinderlosen ist im Eimer, obwohl sich alarmistische Szenarien, wonach sich die Schweiz aufgrund zu vieler Karrieristinnen in eine kinderfreie Gesellschaft verwandle, als falsch erwiesen haben: Die Zahlen der Volkszählung zeigen, dass es in der Altersklasse der Zwanzig- bis Vierzigjährigen nur unwesentlich mehr Kinderlose gibt als Eltern (Eltern: 939617; Kinderlose: 1179099). Zudem sind bei den Dreissig- bis Vierzigjährigen die Geburtenraten seit Jahren leicht steigend (1993: 40997; 2003: 44126)",

kritisiert MÜLLER. Es ist offensichtlich, dass die Journalistin im Dschungel der Bevölkerungsstatistik umherirrt, denn sie übernimmt die singlefeindlichen Darstellungen von Familienfundamentalisten.
Dies ist die Hauptmisere derjenigen, die über Kinderlosigkeit aufklären möchten, aber dazu UNREFLEKTIERT auf das Material jener zurückgreifen, die sich die Bekämpfung von Singles - und nicht die Förderung der Elternschaft - zum Hauptziel gesetzt haben.
Das Verhältnis von Kinderlosen zu Eltern basiert offenbar auf Haushaltszahlen. Single-generation.de hat nachgewiesen, dass diese singlefeindliche Darstellung ein zentraler Punkt der Single-Lüge ist.
Eine singlefreundliche Darstellung stellt dagegen den Anteil von Eltern an der gleichaltrigen Bevölkerung in den Mittelpunkt. Dadurch wird deutlich: Kinderlose sind eine kleine Minderheit im mittleren Lebensalter und keine Mehrheit, wie fälschlicherweise bei MÜLLER nachzulesen ist
Die Journalistin ist völlig unbedarft in die Falle der Single-Rhetorik getappt. Dies ist leider keine Ausnahme, sondern die Regel. Auch Kritiker einer bevölkerungspolitischen Blickverengung wie Matthias KALLE, lassen Artikel durchgehen, die auf falschem Zahlenmaterial zur Kinderlosigkeit basieren.

Zum anderen versucht MÜLLER nachzuweisen, dass Kinderlose keineswegs auf Kosten der Eltern leben. Ein Unterfangen, das aufgrund der Intransparenz politischer Subventionspraxen bisher gescheitert ist. Für Deutschland gilt, dass es keine faire Berechnungen gibt. Hier dominieren eindeutig die Familienlobbys. Astrid ROSENSCHON hat zu diesem Thema bisher die singlefreundlichste Betrachtung geliefert.

Zum Abschluss geht MÜLLER noch auf die Bewegung der Kinderfreien in den USA ein:

"Was in der Schweiz hinter vorgehaltener Hand vorgebracht wird – Kritik an selbstgefälligen Erzeugern –, geschieht in den USA weniger diskret: Kinderlose mobilisieren zum Gegenangriff. In ihrem Bestseller «Der Kindersegen» (The Baby Boon) rechnete die Schriftstellerin Elinor Burkett pedantisch genau aus, was die vom Arbeitgeber finanzierten Hortplätze die Kinderlosen kosten und welche selbstverständlichen Opfer von ihnen im tagtäglichen Berufsleben erwartet werden. Und Jerry Steinberg, Gründer des Internetportals no.kidding.com, ergänzt: «Langweilige Kinderzeichnungen, die den Arbeitsplatz tapezieren, sind noch das kleinste Übel.» Überstunden, weil die Eltern zu Hause ihre kranken Kinder pflegen, seien eine Selbstverständlichkeit, Anpassung des Urlaubs an die Schulferien auch. «Und natürlich übernimmt man die Aufgaben der Kollegin, wenn sie schwanger ist oder Papa sein Töchterchen während der Arbeitszeit zum Zahnarzt chauffieren muss.»
(...).
Inzwischen gibt es in jeder grösseren amerikanischen Stadt Ortsgruppen der sogenannten Childless-Bewegung sowie unzählige Internetforen wie overpopulation.com oder childfree.com für die dreizehn Millionen Kinderlosen in den USA.
"

HONDRICH, Karl Otto (2005): Die Bevölkerung schrumpft? Wunderbar!
Deutschland jammert über den Geburtenrückgang und die Alterung der Bevölkerung. Bestürzt registriert die nationale Erschreckensgemeinschaft alle Szenarien der kollektiven Vergreisung. Dazu gibt es keinen Grund: Die demografische Transformation ist das Ergebnis einer sozialen Erfolgsgeschichte und ermöglicht die Lösung zahlreicher Probleme. Denn der Geburtenrückgang verschafft der Gesellschaft mehr Luft und Leistungsraum,
in:
Cicero, Nr.8, August

TECHNOLOGY REVIEW-Titelgeschichte:
Mama mit 60?
Die neuen Wege aus der Kinderlosigkeit

HERDEN, Birgit (2005): Kinder aus dem Kühlschrank.
Die Befreiung der Fortpflanzung von biologischen Zwängen könnte die traditionelle Lebensplanung und ganze Gesellschaftsstrukturen auf den Kopf stellen,
in: Technology Review, August

MÜHL, Melanie (2005): Weiblich, jung, kinderlos,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.08.

FINGER, Evelyn (2005): Reine Privatsache.
Es gibt keine Pflicht zum Kind. Wer Frauen etwas anderes einredet, verrät eine totalitäre Gesinnung,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 11.08.

"Kinderlosigkeit, so lautet der unterschwellige Vorwurf, verrät mangelnden Gemeinsinn. Da wird Elternschaft zu einem Akt des Altruismus umgedeutet. Da wird vergessen, dass noch längst nicht erwiesen ist, ob die demnächst zu gebärenden Kinder später unsere Rente erwirtschaften oder nur das Heer der Arbeitslosen vergrößern. Vor allem aber wird das Recht auf freie Wahl eines Lebensmodells geleugnet und ein idealistisches Verantwortungsbewusstsein eingeklagt – ausgerechnet in einem historischen Augenblick, da der Sozialstaat sich am liebsten aus der Verantwortung stehlen würde",

klagt Evelyn FINGER, um dann zu fragen, wie die Kinderlosen auf diese Vorwürfe reagieren:

"Was aber tun die kinderlosen Frauen? Sie rechtfertigen sich, anstatt den Vorwurf des Hedonismus höhnisch lachend zurückzuweisen. Sie lassen sich einschüchtern von den Schreckensvisionen eines einsamen Dahinsiechens, das ihnen ab dem 40. Lebensjahr blühe, anstatt den zynischen Verhältnissen mit Zynismus zu begegnen."

Mit der Erzählung Geschlechtertausch (1975) von Günter De Bruyn und dem Roman Der Report der Magd (1985) von Margaret ATWOOD meint FINGER das nötige Rüstzeug für die Kontroverse Eltern gegen Kinderlose zu haben:

"1985 beschrieb Margaret Atwood in ihrem apokalyptischen Zukunftsroman Der Report der Magd eine fiktive Republik Gilead, deren oberstes Staatsziel die Sicherung der Fortpflanzung ist. Nachdem die »europiden Rassen« jahrelang einen drastischen Geburtenrückgang zu verzeichnen hatten, werden auf der Grundlage einer perversen Verantwortungsethik die Frauen entmündigt und zu Gebärmaschinen degradiert. In Gilead ist das äußerste Mittel zur Erhaltung der Nation zugleich das äußerte Mittel der Unterdrückung. – Nun besteht vielleicht wenig Gefahr, dass Deutschland sich bald in ein Gilead verwandelt. Aber Margaret Atwood erinnert uns daran, dass Kinder Geiseln sein können, die die Mütter daran hindern, sich gegen die bestehenden Machtverhältnisse aufzulehnen. Bei Atwood ist die kinderlose Frau das Andere zum Totalitarismus, der Schrecken der Männer, eine Partisanin, die keine Rücksichten nehmen muss außer auf sich selbst."

Neben dieses heroische Modell der kinderlosen Frau stellt FINGER das Feindbild der kinderlosen Karrierefrau, wie es bereits Mitte der 80er Jahre in der Kontroverse um das Müttermanifest der Grünen zutage trat.
Wie damals Claudi PINL, versucht nun FINGER die Kontroverse zwischen Eltern und Kinderlosen zu beenden und die Energien auf den gemeinsamen Gegner zu lenken:

"Doch solange die Mütter diesen Vorwurf nur den Kolleginnen und nicht auch den Kollegen machen, bleibt der gemeinsame Feind unerkannt: ein politisches System, wo Elternschaft eher bestraft wird als belohnt und wo dem Einzelnen aus dem Gesellschaftsvertrag bald nur noch Pflichten erwachsen könnten, aber keine Rechte mehr."

Am Ende bleibt nur der Appell:

"wichtiger ist es für die Demokratie, Kinderlosigkeit nicht als einen Lifestyle, sondern als Freiheitsrecht zu verteidigen."

Man könnte aber auch sagen, Evelyn FINGER ist ein Opfer der herrschenden Single-Rhetorik, denn Kinderlosigkeit ist nicht einfach ein oberflächliches Lifestyle-Phänomen oder Ausdruck eines heroischen Kampfes, sondern das Ergebnis ganz verschiedener Faktoren.
Lebenslange Kinderlosigkeit ist zudem wesentlich weniger verbreitet als es die Rede vom demografischen Wandel nahe legt. Wer meint, dass Kinderlose eine ernstzunehmende gesellschaftliche Macht seien, der ist den Familienfundamentalisten auf den Leim gegangen. Statt dem gesellschaftlichen Zynismus mit persönlichem Zynismus zu begegnen, sollten sich Singles politisch organisieren und der Single-Lüge in Wissenschaft, Politik und Medien eine neue Sichtweise entgegen setzen.
Statt wie Evelyn FINGER, isoliert mit dem Rücken zur Wand zu kämpfen, hilft hier nur eine gemeinsame politische Offensive.

HANK, Rainer (2005): Clara Streit.
Die Beraterin,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.08.

Rainer HANK porträtiert Clara STREIT, eine von zwei weiblichen Führungskräften, die in einem der 30 größten deutschen DAX-Unternehmen arbeiten. In der sozialpopulistischen Debatte wird STREIT als lebenslang Kinderlose gezählt, weil sie mit 36 Jahren noch kinderlos ist. Sie selbst sieht sich jedoch eher als Noch-Kinderlose:

"Den Einwand, ein solches Leben sei eben nur als kinderlose Single-Frau möglich, hat sie erwartet. »Es ist ja noch nicht zu spät: Ich bin ja erst 36 und nicht völlig free floating«, sagt sie. Tatsächlich hat sie vor wenigen Wochen geheiratet. Doch dann wird sie - für ihr frohes Naturell - bemerkenswert ernst: »Vernünftige Kinderbetreuung in Deutschland ist ein echter issue, jedenfalls dann, wenn Sie einen unplanbaren schedule haben.«
Das Anglodeutsch dieser Sprache ist typisch; gemeint hat sie, daß auch eine Kinderfrau in ihrem Beruf nicht wirklich weiterhilft, wenn sie morgens noch nicht sagen könne, wann sie heimkomme. So haben die Frauen eben immer die schlechteren Karten. Nein, für eine Quote - Affirmative Action, wie es die Amerikaner in solchen Fällen gerne machen - ist Clara Streit deshalb noch lange nicht. Aber eine Faustregel hat sie schon: »Die Top-Karriere einer Frau zu fördern ist wichtiger als die Karriere eines Mannes.«"

BLOME, Nikolaus/WOLBER, Cornelia/MÖLLER, Johann-Michael (2005): "Ich habe noch viel im Köcher".
Paul Kirchhof hält an seinem radikalen Steuermodell fest - und will noch viel mehr. Ein Gespräch über Familie, die Freiheit der Bürger, den Rückzug des Staates und die Zukunft der "Steuergestaltungskünstler",
in: Welt v. 24.08.

GEYER, Christian (2005): Kinderglück auf!
Ist Paul Kirchhof ein Frontmann gegen die Moderne?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.08.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.)(2005): Kinderwunsch und Familiengründung bei Frauen und Männern mit Hochschulabschluss. Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung

Kinderwunsch und Familiengründung bei Frauen und Männern mit Hochschulabschluss

"Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat seit 1997 die Forschung im Themenfeld Familienplanung verstärkt. Die Befragung zur Familienplanung im Lebenslauf von Männern und Frauen waren Schwerpunkte in den letzten Jahren. Die Analysen zeigen, dass Frauen und Männer in Ost- und Westdeutschland insgesamt weniger Kinder bekommen als sie sich wünschen. Insbesondere Frauen mit einer hohen Bildung bekommen entweder sehr spät ein Kind oder können gar nicht Familie und Beruf vereinbaren.
Die Feinanalyse der Ursachen durch wissenschaftliche Untersuchungen ist notwendiger denn je, zumal daraus entsprechende politische Handlungskonzepte entwickelt werden müssen. Den strukturellen Gründen von Kinderlosigkeit soll – so der politische Wille – aktiv entgegengesteuert werden.
Mit dieser Studie stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Repräsentativerhebung unter Männern und Frauen mittleren Alters mit Hochschulabschluss vor. Ziel der Erhebung war es, empirische Daten zu ermitteln, die aufgrund der Repräsentativität der Stichprobe zuverlässige Aussagen über Einstellungen zu Kindern und Vereinbarkeit von Kindern und Beruf sowie zu Kinderwunsch und Familiengründungsverhalten liefern. Die mittlere Altersphase eignet sich besondern dafür, da sie sich in der Endphase der Familienplanung befindet, in der die Planungen bereits weitgehend realisiert wurden. Für Frauen und Männer wurde ein unterschiedlicher Altersansatz für die Stichprobe gewählt, um beide Geschlechter in eben dieser Endphase zu erreichen.
Dies bedeutet, Frauen wurden im Alter von 35 – 44 Jahren befragt, Männer im Alter von 40 – 49 Jahre. Die Erhebung erfolgte in telefonischer Form im Zeitraum vom 15.07. bis 28.07.2004."
(Klappentext)

Der Anteil der Kinderlosen bei Frauen und Männern mit Hochschulabschluss

"Der Großteil der akademisch Gebildeten mittleren Alters hat den Schritt zur Familie getan: 79 % der Frauen und 70 % der Männer haben leibliche Kinder. Als Kinderlose treten vor allem die Jüngeren unter den Männern, die 40-44-jährigen, hervor - was noch nicht der endgültige Stand sein muss. Denn im Schnitt waren Männer 31,0 Jahre, Frauen 29,3 Jahre alt, als sie zum ersten Mal Eltern wurden. Und vieles spricht dafür, dass sich das Alter für die Geburt des ersten Kindes noch weiter nach oben verschiebt."
(2005, S.7)

MATZIG, Gerhard (2005): Eltern gegen Kinderlose.
Der große Graben (6).Der Krieg der Köpfe: Norm und Normalität
Familienmenschen und Singles, Kinderlose und Kinderhabende: Auch abseits der Fragen zu Kleinkindbetreuung und Rentensicherung gehört der Streit um das Thema Kinder zu den jämmerlichsten Fehlleistungen der Gesellschaft,

in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.

DESTATIS (2005): Deutliche Ost-West-Unterschiede im Ausmaß der Kinderlosigkeit",
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 06.09.

KEGEL, Sandra (2005): Der verunsicherte Mann,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.09.

BONSTEIN, Julia/JUNG, Alexander/THEILE, Merlind (2005): Generation Kinderlos.
Serie Wege aus der Krise: Fast nirgendwo in Westeuropa ist die Geburtenrate niedriger als in Deutschland, vor allem Akademiker bleiben oft ohne Nachwuchs. Es fehlt nicht unbedingt an Geld, aber an Hilfen, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Der Staat könnte viel mehr Unterstützung bieten,
in: Spiegel Nr.37 v. 12.09.

DÜCKERS, Tanja (2005): Die Kinderliebe in Zeiten von "24/7".
Moderne Arbeitsverhältnisse fördern keine Tugend,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.09.

SOLDT, Rüdiger (2005): Deutsch-deutsche Kinderlosigkeit.
Der Westen holt auf: Die Ehe kommt ohne Nachwuchs aus,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.10.

STROHMAIER, Brenda (2005): Schluss mit lustig: Berlins Singlekultur bekommt Gegenwind.
Staatssekretärin beobachtet wachsende Kritik an Kinderlosen,
in: Berliner Zeitung v. 10.10.

SCHWENTKER, Björn (2005): Von wegen 40 Prozent.
Obwohl es der Mikrozensus so weismachen will: Akademikerinnen sind mitnichten schuld am deutschen Babyschwund,
in: Die ZEIT  Nr.42 v. 13.10.

Diesen Artikel suchen Sie heute vergeblich in der Papier-ZEIT, denn er ist nur in der Online-Ausgabe vom 9. Oktober erschienen!

MÖNCH, Regina (2005): Überschätzte Kinderlosigkeit?
Aus dem Gewächshaus,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.

GASCHKE, Susanne (2005): Die Emanzipationsfalle. Erfolgreich, einsam, kinderlos, München: C. Bertelsmann

Die Emanzipationsfalle

"Wir Töchter der Frauenbewegung sind aufgewachsen mit allen Freiheiten, für die die Feministinnen gekämpft haben. Mädchen und junge Frauen machen heute bessere Schulabschlüsse und studieren erfolgreicher als Männer. Um Spitzenpositionen in der Wirtschaft werden sie nur noch eine Weile ringen müssen. Ihre politische Teilhabe steht nicht zur Debatte: Niemand in unserem Land fragt sich mehr, ob eine Frau wirklich Bundeskanzlerin werden könne. Die Zeit des Jammerns ist vorbei. Doch wie alles, so hat auch die neue Freiheit ihren Preis. Denn seit den siebziger Jahren entscheiden wir uns für Studium, Beruf und Karriere - und gegen Kinder. Damit nehmen wir uns selbst ein wesentliches Moment dessen, was »Weiblichkeit« ausmacht - und entziehen der Gesellschaft die Zukunftsperspektive. Wir müssen uns endlich trauen, es auszusprechen: Die demografische Krise ist auch ein Kollateralschaden der Frauenbewegung. Warum dieser gerade in Deutschland so radikal ausfällt; warum es den Männern so schwer wird, sich auf die »neuen Frauen« einzustellen; warum wir andere Rollenbilder brauchen und wie aus den individuellen Entscheidungen vieler Frauen gegen Kinder kollektive Macht entstehen könnte - all dies beschreibt Susanne Gaschke in ihrem zugleich nachdenklichen wie provozierenden Buch."
(Klappentext)

Zukünftig werden 50 % der Akademikerinnen kinderlos bleiben

"Bis zu ihrem fünfunddreißigsten Lebensjahr bleiben laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamts inzwischen zweiundsechzig Prozent der Hochschulabsolventinnen kinderlos. Auch wenn es bei ihnen einen deutlichen Trend zur »späten Mutterschaft« mit Mitte, Ende dreißig gibt: Wie viele von ihnen werden bis Anfang vierzig wirklich noch Kinder bekommen? Zehn Prozent? Zwanzig? Demografen gehen für die Zukunft davon aus, dass etwa die Hälfte aller Akademikerinnen für immer kinderlos bleiben werden."
(2005, S.72)

Die Ursachen der Kinderlosigkeit im Akademikermilieu

"Die Kinderabstinenz der Akademikerinnen mag bis zu einem gewissen Grad die Konsequenz höherer Ansprüche, eines ausgeprägten Hedonismus und einer geringeren Bereitschaft sein, sich mit dem erstbesten möglichen Kindsvater zufrieden zu geben. Außerdem sind akademische Karrieren oft notgedrungen flexibler als andere: Man muss der Arbeit öfter hinterherziehen, das erschwert die Bindung an einen Partner und vergrößert die Distanz zum eigenen Elternhaus. Gerade die informellen Netzwerke der eigenen Familie aber sind es, welche die Entscheidung für ein erstes Kind um bis zu zwanzig Prozent wahrscheinlicher machen. Das stellten Karsten Hank und Michaela Kreyenfeld in einer großen Untersuchung für das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock fest.
Es bleibt aber ein erheblicher Rest von Kinderlosigkeit, der nicht über Berufstätigkeit und Hedonismus zu erklären ist. Und hier kommt die Ehe- und Partnerschaftsfrage wieder ins Spiel. Der manifeste Unterschied zwischen den Hochschulabsolventinnen und ihren schlechter qualifizierten Geschlechtsgenossinnen ist die geringe Heiratsneigung.
(...).
In einer Befragung von vierzigtausend Männern und Frauen im Alter zwischen achtzehn und neunundvierzig Jahren ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 2005 den »falschen Partner« als Hauptgrund für Kinderlose, kinderlos zu bleiben. Die Untersuchung umfasste natürlich nicht nur Akademiker, aber ist es nicht plausibel, dass die Probleme in diesem Milieu kumulieren?"
(2005, S.76f.)

KAMANN, Matthias (2005): Verschwendete Gebärprämien.
Durch Milliardentransfers für Familien will der Staat die Geburtenrate heben. Damit schafft er nichts als Frustration,
in: Welt v. 21.10.

DINKLAGE, Meike (2005): Der Zeugungsstreik.
Viele Frauen würden ja ganz gerne - nur die Männer kneifen. Doch während das Image der kinderlosen Frau im Keller ist, können die kinderlosen Männer nicht klagen. Im Gegenteil,
in: Emma, November/Dezember

KRÄTSCHMER-HAHN, Rabea & Karl Otto HONDRICH (2005): Glücksfall Geburtenrückgang.
...denn ihm haben wir es zu verdanken, dass wir älter werden dürfen, ohne uns gegenseitig totzutrampeln. Und außerdem: Kinderreiche und kinderlose Gesellschaften ergänzen sich vortrefflich,
in: Emma, November/Dezember

LAU, Jörg & Stephan LEBERT (2005): Kinder statt Urlaub.
Ein Gespräch mit Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio über die Wiederentdeckung der Familie, seine Herkunft aus dem Arbeitermilieu und über die Fehler der Konservativen,
in: Die ZEIT Nr.45 v. 03.11.

ZEIT ONLINE (2005): Wer hat Schuld am Kinderschwund?
40 Prozent aller Akademikerinnen haben keine Kinder, heißt es. Aber stimmt das wirklich? Eine Kontroverse zwischen dem Autor Björn Schwentker und dem Präsidenten des Bundesamts für Statistik, Johann Halen ,
in: Zeit Online v. 06.11.

EBELING, Carola (2005): Spätpubertierende Vierziger.
Meike Dinklages "Der Zeugungsstreik" zeigt, dass oft zögerliche Männer Kinderlosigkeit verursachen. Und nicht deren "egoistische" Partnerinnen. Lesung im Literaturzentrum,
in: TAZ Hamburg v. 10.11.

WINKELMANN, Ulrike (2005): "Verteilungsgerechtigkeit ist nicht alles".
Die SPD-Familienpolitikerin Nicolette Kressl will mit Elterngeld die Geschlechter-Rollenverteilung aufweichen. Bei arbeitslosen Eltern kann sie Kürzungen nicht ausschließen. Im Detail gibt es erste Konflikte mit Familienministerin von der Leyen (CDU),
in: TAZ v. 24.11.

Ulrike WINKELMANN nötigt Nicolette KRESSL Geständnisse ab:

"Erklärter Zweck ist, Akademikerinnen zur Fortpflanzung zu bewegen: Der Staat möchte mehr deutsche Mittelschichtkinder, nicht wahr?
Solche Polemik macht mich zornig. Wir wollen nicht nur bestimmten Schichten das Kinderkriegen ermöglichen, sondern allen Vätern und Müttern die Wahlfreiheit zuerkennen. Ich weiß, dass die Zahl »vierzig Prozent kinderlose Akademikerinnen« nicht stimmt. Aber ich wäre auch fürs Elterngeld, wenn es genauso viele kinderlose Akademikerinnen wie Nicht-Akademikerinnen gäbe.
"

WEBER-HERFORT, Christine (2005): Emanzipiert und kinderlos?
Der Bevölkerungsschwund geht auch auf das Konto der Frauenbewegung, behauptet Susanne Gaschke,
in: Psychologie Heute, Nr.12, Dezember

KLEIN, Judith (2005): Die Kinderlosen und der demografische Frieden.
Philosophie und Literatur weisen den Weg,
in: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr.12, Dezember

Ein ethisches Grundprinzip, das auf dieser Website von Anfang an vertreten wurde, lautet, dass nur eine singlefreundliche Gesellschaft auch eine familienfreundliche Gesellschaft sein kann. Es musste jedoch erst auf Seite 1 der FAZ stehen, dass Kinderlose zu den Aussätzigen der deutschen Gesellschaft zu werden drohen (Albert SCHÄFFER in der FAZ, 21.05.2005), bis es auch anderen dämmerte, dass es so nicht weiter gehen kann. Judith KLEIN verteidigt nun die Kinderlosen gegen ihre Verächter.

Der FAZ-Artikel von Hans-Werner SINN, in dem er für die Einführung einer Kinderrente plädiert (08.02.2005), gilt der 68erin (zur Begriffsverwendung mehr hier) als Beleg für die Singlefeindlichkeit der Debatte um den demografischen Wandel. KLEIN folgt der Sichtweise von single-generation.de, wenn sie schreibt, dass

"nur die Menschen eine Chance (haben), sich selbst anzuerkennen (...), die zumindest eine der Spielarten der Anerkennung durch Andere erfahren haben.
Emotionale und soziale Missachtung, die das Gegenteil von Anerkennung ist, kann die psychische Integration eines Menschen zerstören. Die Kinderlosen trifft die Verachtung um so heftiger wenn ihnen die emotionale Zuwendung eines Partners oder (z.B. aufgrund von Arbeitslosigkeit die Wertschätzung von Arbeitskollegen fehlt. Auch die im Recht verkörperte universalistische Achtung, die jedem Menschen zukommt, scheint ihnen gegenüber nicht mehr selbstverständlich zu sein."

Anhand literatur- und ideengeschichtlicher Beispiele zeigt KLEIN die "lange Tradition der Anerkennung des Beitrags der Kinderlosen" auf.
KLEIN weist darauf hin, dass "Kinderlosigkeit, Mutter- und Vaterschaft keine eindeutigen Tatbestände sind". Auf die Problematik des Begriffs "Kinderloser" wurde hier des Öfteren hingewiesen. KLEIN kritisiert das nationalkonservative Paradigma, also jene politische Richtung "welche die soziale Sicherung wieder in »blutsverwandtschaftliche« Bahnen lenken möchte. Dazu gehört vor allem die von Hans-Werner SINN vertretene Rente nach Kinderzahl, aber auch alle anderen familienpolitischen Lösungen innerhalb der Sozialversicherungssysteme, die nur Teile der Bevölkerung heranziehen, statt Familienpolitik als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu betrachten. KLEIN kritisiert die Tendenz solcher Politik, die das "»Naturschicksal« des Menschen wieder aufwerten möchte". Die Biologisierung des Sozialen ist ein Kennzeichen der nationalkonservativen Vertreter von Herwig BIRG bis Hans-Werner SINN. KLEIN begründet dagegen eine moderne Gesellschaftspolitik, die neben der persönlichen Solidarität auf den "vergesellschaftlichten Sozialverband" setzt. Sie begründet es damit, dass

"die Nöte der individuellen Lebensgeschichte von der herrschenden Ökonomie und Ökologie mitverursacht sind."

KLEIN sieht deshalb den sozialen Fortschritt durch die "vormodernen Experimente" der Nationalkonservativen in Gefahr. Der 68er-Generation (1938 - 1948 Geborenen) - also sozusagen ihren Generationsgenossen - widmet KLEIN einen eigenen Abschnitt. Dort zeigt sich jedoch, dass KLEIN einiges ausblendet, auf das hier hingewiesen werden soll.
Die "ausgefallene Generation" (Herwig BIRG) wird mit der besonderen historischen Situation begründet, in der sich die 68er befanden:

"Die sogenannte 68er Generation, zu der die Jahrgänge 1938-1948 gerechnet werden, hat sich und der Gesellschaft den »bevölkerungspolitisch korrekten Beitrag« versagt, wie heute oft beklagt wird. Mehr noch: dies »Versagen« hatte unabsehbare langfristige Folgen, wie der neueste Buchtitel zum Thema Demografie - Die ausgefallene Generation - und der (ent)sprechende Ankündigungstext des Verlages zeigen: »Die Eltern, die heute Kinder zur Welt bringen müssten, sind niemals geboren worden.« Die demografische Zurückhaltung der 68er Generation hat nicht nur mit verbesserten oder neuen Methoden der Empfängnisverhütung zu tun, sondern auch mit dem Schock, den diese Generation erlebte, als sie von den Verbrechen erfuhr, die deutsche Menschen begangen hatten. Und nicht nur das. Sie kann auch als Antwort auf eine andere Zurückhaltung verstanden werden: Die 68er hatten als erste (...) gegen die politische und historische, vor allem aber gegen die familiäre Unempfindlichkeit gegenüber der Vergangenheit protestiert. (...). Verzweiflung und Trauer waren, so ist zu vermuten, der Familiengründung nicht günstig. Die »zwanzig Jahre der Bewusstseinsverspätung« schlugen in zwanzig Jahre demografischen »Verlusts« um."

Der Debatte um die "ausgefallene Generation" wird dies jedoch zweifach nicht gerecht. Zum einen anerkennt KLEIN implizit die gesellschaftliche Relevanz eines bevölkerungspolitisch korrekten Beitrags an, als ob diese unumstritten wäre. Es wird nur gerechtfertigt, dass die 68er aufgrund der besonderen historischen Umstände diesen Beitrag gar nicht leisten konnten. Auf single-generation.de wird dagegen die mit der Bestandserhaltungszahl 2,1 verbundene Ideologie in Frage gestellt, die einerseits mit der politischen Konstruktion der Geburtenkrise und andererseits mit dem Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang und gesellschaftlichem Wohlstand verbunden ist. Zum anderen überbewertet KLEIN die Kritik an den 68ern. Hier besteht eine große Kluft zwischen der oberflächlichen Aufgeregtheit der Debatten und den nüchternen Fakten der demografischen Entwicklung sowie der durchgesetzten politischen Reformen. Richtig ist, dass die 68er zwar Teil des "demografischen Problems" sind, wie im Beitrag Wer den Generationenvertrag gebrochen hat aufgezeigt wird. Der Beitrag zeigt allerdings auch, dass in der öffentlichen Debatte um die ausgefallene Generation nicht die 68er, sondern die in den 1950er und vor allem in den 60er Jahren Geborenen im Mittelpunkt stehen.

In dem Buch Schrumpfende Gesellschaften von Franz-Xaver Kaufmann, einem in den Mitte-Milieus angesehenen Debattenteilnehmer, wird die ausgefallene Generation als Geburtenlücke sogar quantitativ beziffert. Man sollte diese Zahlen zwar mit Vorsicht behandeln, aber sie zeigen auf, um was in der gegenwärtigen Debatte überhaupt gestritten wird.
KAUFMANN beziffert die Geburtenlücke zwischen 1972 und 2000 auf insgesamt 9,6 Millionen Geborene.
1938 Geborene waren im Jahr 1972 bereits 34 Jahre alt. Spätgebärene (35 Jahre und älter) waren damals jedoch eine zu vernachlässigende Minderheit. Selbst die 1948 Geborenen waren 1972 bereits 24 Jahre alt und trugen deshalb - bei einem deutlich niedrigen durchschnittlichen Gebäralter gegenüber heute - nur noch zu einem sehr geringen Teil zur Geburtenlücke bei. Der Beitrag der 1938 - 1948 Geborenen (68er im Sinne von Judith KLEIN) zur Geburtenlücke wird dadurch relativiert. Es muss jedoch immer wieder betont werden, dass Begriffe wie "Geburtenlücke" oder "ausgefallene Generation" bereits an sich fragwürdig sind, denn sie gewinnen nur vor einem ganz bestimmten ideologischen Hintergrund überhaupt ihre Bedeutung.

Dem gesellschaftlichen Wandel, der einen viel stärkeren Einfluss auf die so genannte "Geburtenlücke" hatte, wird man mit Verweisen auf die Nazi-Vergangenheit schon gar nicht gerecht. Es bleibt unberücksichtigt, dass die Bildungsexpansion die Sozialstruktur, den Arbeitsmarkt und die Berufsstruktur völlig verändert hat. KLEIN schreibt:

"Kinderlosigkeit entspringt (...) nur in seltenen Fällen einer hedonistischen, Verantwortung scheuenden Weltanschauung. Neben Krankheit, Unfruchtbarkeit (und Vorbehalten gegenüber der Reproduktionsmedizin) oder Fehlen eines Partners sind häufig ethische Erwägungen und ein skrupulöses Verantwortungsgefühl im Spiel."

Das ist eben nur die halbe Wahrheit, denn die strukturellen Veränderungen werden völlig ausgeblendet. In der Debatte zur Kinderlosigkeit steht ja nicht die allgemeine Kinderlosigkeit im Mittelpunkt, sondern die AkademikerInnen-Kinderlosigkeit. Es geht also um jenes Milieu, das seine Expansion der Bildungsexpansion der 1970er Jahre verdankt. Was dies bedeutet, das wird jetzt erst in Ansätzen deutlich. Hier besteht jedenfalls ein eklatantes Deutungsdefizit.

Zum Abschluss vergleicht KLEIN die deutsche und die französische Situation. Sie bringt die höhere französische Geburtenrate mit der in Frankreich verbreiteten Toleranz gegenüber den Kinderlosen in Verbindung. Ihr Fazit lautet deshalb:

"Die Diskriminierung der Kinderlosen ist (...), entgegen landläufigen Vorstellungen, dem demografischen Wachstum keineswegs förderlich, sie erhöht lediglich den moralischen Druck und entzweit Menschen, die aufeinander angewiesen sind. Familien mit Kindern brauchen die Kinderlosen als Ersatzmütter und -väter und als Menschen, die Horizonte öffnen."

WORATSCHKA, Rainer (2005): "Wir überschreiten alle Schmerzgrenzen".
Der Sozialrichter Jürgen Borchert benennt Gründe für die Armut von Familien – und fordert eine stärkere Belastung von Kinderlosen,
in: Tagesspiegel v. 05.12.

MÜLLER-JUNG, Joachim (2005): Retortenkinderlosigkeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.12.

GASCHKE, Susanne (2005): Lasst die Männer nicht in Ruh.
Eine neue Studie zeigt die frappierende Kinderlosigkeit akademischer Männer. Überschätzen sie ihre Rolle als "Familienernährer"?
in: Die ZEIT Nr.51 v. 15.12.

LOHSE, Eckart (2005): Wege aus dem Zeugungsstreik.
Überraschung: Es sind die Männer, mehr noch als die Frauen, die keine Kinder wollen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.12.

DW (2005): Kinderlose Akademiker und eine überraschende Studie,
in: Welt v. 21.12.

"Eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kommt (...) zu etwas anderen Ergebnissen. Danach haben 79 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluß im Alter zwischen 35 und 44 Jahren eigene Kinder",

muss die Welt melden. Diese Meldung ist umso peinlicher, da ja 43 % der Akademikerinnen lebenslang kinderlos sein müssen. Deshalb versucht man diese Zahlen mit großem Aufwand zu dementieren. Da werden dann 43 % Kinderlose gar zu "jeder zweiten Frau" und damit auf 50 % aufgebläht. Wie konnte so ein Fehler passieren?
Zwischen 21 und 50 % kinderlosen Akademikerinnen liegt also der Interpretationsspielraum. Man darf davon ausgehen, dass das Ausmaß der lebenslangen Akademikerinnen-Kinderlosigkeit weit geringer ist, als dies die amtlichen Zahlen ausweisen. Die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist ja
keineswegs die einzige Studie, die nachweist, dass das Problem dramatisiert wird.

FISCHER, Christina (2005): Einsame Wölfe ohne Imageverlust.
Männer, die keine Kinder zeugen wollen, sind in Ordnung. Frauen, die sich verweigern, hingegen kaltherzig,
in: junge Welt v. 23.12.

FISCHER haut uns ihre selektive Statistik zum angeblichen Zeugungsstreik der Akademiker-Männer um die Ohren.
Leider legt die Autorin nicht offen, was sich tatsächlich hinter den Zahlen verbirgt, sondern sie benutzt jene Zahlen, die ihr gerade in den Kram passen, weil sie angeblich belegen, was sie erst beweisen möchte.
Differenzierter wird die Problematik in der gerade vorgestellten
Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beschrieben.
Die Studie lag bereits im September vor, passte aber nicht zum Wahlkampf, weil ihre Ergebnisse nicht politisch korrekt genug sind. Selbst jetzt vor Weihnachten, ist die Studie offenbar so brisant, dass die Medien lieber erst gar nicht darüber berichten. Leider ist die Studie bei den Kinderlosen nicht differenziert genug. Nur eines scheint klar:
Kinderlose mit Hochschulabschluss haben in der Regel niedrigere Einkommen als jene mit Kindern:

"Befragte mit niedrigem Haushaltseinkommen - unter 2.000 Euro - weisen eine deutlich erhöhte Rate an Kinderlosen auf (Frauen 37 %, Männer sogar 50 %)" (S.16). Sie gehören damit zu jenen 14 %, die unter 2.000 Euro verdienen. 60 % der Hochschulabsolventen verdienen dagegen 2000 bis unter 5000 Euro. 18 % sogar darüber. 8 % haben keine Angaben gemacht."

Da die demografischen Angaben am Ende der Studie jedoch nicht nach Kinderlosen/Nicht-Kinderlosen Männern/Frauen gegliedert sind, ist ein genaues Bild über die Lebenssituation der einzelnen Gruppen nicht möglich. Bereits vor längerem wurde von single-generation.de der Mythos vom männlichen Single als Pionier des flexiblen Kapitalismus widerlegt. Außerdem werden die Leser der jW falsch informiert. Der Artikel von HONDRICH & KRÄTSCHMER-HAHN in der Emma ist nicht identisch mit jenem Artikel von Karl Otto HONDRICH, der zuvor im Cicero erschienen ist. Dass der Emma-Artikel von Sandra KEGEL zuvor in der FAZ erschienen ist, wird dagegen verschwiegen.

SIEMS, Dorothea (2005): Kindermangel, staatlich gefördert.
Chronisch beklagt die Politik den Geburtenrückgang. Dabei ist der Sozialstaat selbst Verursacher der Kinderlosigkeit,
in: Welt v. 29.12.

BERTH, Felix (2005): Wer zweifelt, zeugt nicht.
Warum Geburtenraten sinken und Elternratgeber boomen - Anmerkungen zur deutschen Kinderlosigkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.12.

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 24. November 2012
Update: 30. Dezember 2016