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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Kinderlose in Deutschland

 
       
   

Eine Bibliografie der Debatte um die gewollte und ungewollte Kinderlosigkeit (Teil 6)

 
       
     
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 2: 2002)

Eine Einführung in die Thematik dieser kommentierten Bibliografie findet sich hier.

2006

HENRY-HUTHMACHER, Christine & Elisabeth HOFFMANN (2006): Familienreport 2005, herausgegeben von der Konrad-Adenauer-Stiftung

Familienreport 2005

Kinderlosigkeit in Deutschland

"Gegenwärtig sieht es so aus, dass sich von den 1965 geborenen Frauen ein Drittel für ein Leben ohne Kinder entscheidet (Mikrozensus 2004, Birg 2005). Dauerhafte Kinderlosigkeit ist im Osten Deutschlands weniger stark ausgeprägt, aber trotzdem im Zunehmen begriffen. Voraussichtlich werden 11 Prozent der Frauen des Jahrgangs 1960 ohne Kinder bleiben.
Der insbesondere im Westen hohe Anteil kinderloser Frauen mit Hochschulabschluss deutet darauf hin, dass es für höher qualifizierte Frauen im Rahmen der gegebenen Bedingungen schwierig ist, berufliche Anforderungen mit einer Mutterschaft zu vereinbaren. Nach Berechnungen des BiB sind zwei soziale Milieus auszumachen. In dem sogenannten »Karrieremilieu»« bleiben 38 Prozent der 35- bis 39-jährigen Akademikerinnen ohne Kinder im Haushalt. Zum anderen findet sich Kinderlosigkeit bei Paaren mit relativ niedrigem Einkommen (nicht sehr niedrigem). Hier entscheidet man sich gegen Kinder, da der gewohnte Lebensstandard aufgrund der hohen Kinderkosten nicht beibehalten werden kann. Gab es in den neuen Bundesländern vor der Wende keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Kinderlosigkeit, so hat sich in den vergangenen Jahren auch hier die Kinderlosenquote der Akademikerinnen überdurchschnittlich erhöht und liegt nun bei ca. 17 Prozent (Engstler 2003)."
(2006, S.23)

WEHNER, Markus (2006): Ohne Kinder und meist allein.
Familienreport 2005: Wie die Deutschen leben,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.01.

Die Presseberichte zum Familienreport 2005 sind - bis auf wenige Ausnahmen - ein Skandal. Mittels Single-Rhetorik wird die Familie zur Minderheit stilisiert. Bei single-generation.de wird dies als als Single-Lüge bezeichnet.

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hat Felix BERTH vor kurzem auf diese weit verbreitete Praxis der Dramatisierung hingewiesen.

Bei WEHNER wird die Single-Lüge nur indirekt offenbar. Dann nämlich, wenn darauf hingewiesen wird, dass vor allem Frauen ab 55 zum Wachstum der Single-Haushalte beitragen. Vergleicht man dagegen Alleinlebende im Familienlebensalter mit Familienhaushalten, dann wird offensichtlich, dass Menschen im Familienhaushalt die Mehrheit darstellen.

Nichts desto trotz wird behauptet, dass ein Drittel eines Jahrgangs zeitlebens kinderlos bleibt, obwohl diese Aussage durch die Studie Familienreport 2005 überhaupt nicht abgedeckt ist. Der Mikrozensus 2004 gibt über lebenslang Kinderlose keinerlei Auskunft.

WORATSCHKA, Rainer (2006): Der Staat muss stärker ran.
Wer die Sozialsysteme retten will, muss auch bereit sein, Steuern zu erhöhen: vor allem für die, die sich bisher heraushalten,
in: Tagesspiegel v. 08.01.

"Wer sein Geld nicht für Kindererziehung ausgebe, dem könne zugemutet werden, es für seine Rente auf dem Kapitalmarkt anzulegen, argumentiert Ifo-Präsident Hans- Werner Sinn. Dass dies sonderlich populär oder auch nur politisch durchsetzbar wäre, ist zu bezweifeln. Dem gesellschaftlichen Zusammenhalt förderlich wäre es in keinem Fall",

kritisiert WORATSCHKA. Verschwiegen wird dagegen, dass das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit viel geringer ist als unsere Familienfundamentalisten behaupten. Die Umdefinition von Eltern zu Kinderlosen wie sie in der Haushaltsstatistik betrieben wird, täuscht darüber hinweg, dass letztendlich hauptsächlich Eltern für Eltern bezahlen werden. Denn kinderlos sind immer die anderen...

DLF (2006): "Ein stiller, aber wirkungsvoller Gebärstreik".
Studie belegt zunehmende Kinderlosigkeit von Akademikerinnen,
in: DeutschlandRadio v. 26.01.

Uta MAIER-GRÄWE, Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft an der Universität Gießen, führt eine Studie zum Thema Studieren mit Kind durch. Auch hier werden gezielt überhöhte Zahlen verbreitet. Außerdem wird eine Zunahme der Akademikerinnenkinderlosigkeit behauptet, die sich nicht belegen lässt.

Im Gegenteil hat die Studie Starke Familie der Kommission Familie und Demographischer Wandel unter Leitung von Kurt BIEDENKOPF ergeben, dass die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen im Vergleich zu den 1970er Jahren abgenommen hat.

KLOEPFER, Inge (2006): Auf immer kinderlos, die deutsche Extratour.
Irgend etwas ist schief gelaufen: Die Nachbarn in Europa haben wieder Kinder. Die Deutschen nicht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.

SCHIRRMACHER, Frank (2006): Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft München: Karl Blessing Verlag

Minimum

Der Zusammenhang zwischen Geburtenrate,  Kinderwünschen und lebenslanger Kinderlosigkeit

"Die neue Generation potenzieller Eltern ist längst umprogrammiert. Das hat nicht mehr nur mit den ökonomischen Rechnungen ihrer älteren Brüder und Schwestern zu tun. Sie sind bereits anders sozialisiert. Zum ersten Mal liegt nicht nur die tatsächliche Geburtenrate, sondern auch die Anzahl der gewünschten Kinder in Europa bei weniger als zwei. Damit ist das Niveau unterschritten, das zur Bestandserhaltung der Bevölkerung notwendig ist.
Wo keine Kinder mehr leben, wachsen auch immer weniger Kinder nach. »Je höher der Anteil der Kinderlosen«, so resümieren die Forscher der Universität Wien, Maria Rita Testa und Leonardo Grilli, »desto mehr jüngere Personen wollen zeitlebens kinderlos bleiben.« Mehr noch, wie viele Kinder man sich wünscht, hängt davon ab, wie viele Kinder die ältere Generation auf die Welt gebracht hat. Das gilt auch umgekehrt: »Je höher die tatsächliche Geburtenrate, desto mehr Kinder wünschen sich die jüngeren (künftigen) Mütter und Väter.«"
(2006, S.72)

FESTENBURG, Nikolaus von & Matthias MATUSSEK (2006): "Wir wurden umprogrammiert".
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, 46, über die Ursachen und Folgen des Geburtenrückgangs, die Mitschuld der Politik und die Chancen von immer weniger Deutschen, ihre Identität zu bewahren,
in: Spiegel Nr. 10 v. 06.03.

BERLINER ZEITUNG-Serie: Volk mit Falten

SZENT-IVANYI, Timot (2006): Die fetten Jahre sind vorbei.
Rente und Pflege,
in: Berliner Zeitung v. 06.03.

Die Berliner Zeitung hat eine 4wöchige Serie über das Volk mit Falten angedroht. Die nächste Runde im Krieg gegen die Singles ist damit eingeläutet:

"»Halbe Rente für Kinderlose« - mit dieser Forderung bringt es der Chef des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, auf den Punkt. Auch das Bundesverfassungsgericht argumentiert, Kinderlose würden bevorzugt. Denn die Beitragszahlung sei lediglich ein Teil der nötigen Leistung. Nur Eltern sorgten mit ihrer zusätzlichen »generativen« Leistung für den Erhalt der Sozialsysteme",

schreibt SZENT-IVANYI. Single-generation.de hat bereits im Jahr 2003 nachgewiesen, dass der generative Beitrag der 68er kaum größer ausfällt als derjenige der Generation Golf.

Die Berechnungen, wonach 1/3 lebenslang kinderlos bleiben würden, lassen sich nicht belegen. 3 Jahre später lässt sich der Vorwurf von Susanne GASCHKE noch weniger begründen. Inzwischen ist der Anteil der späten Mütter rasant gestiegen.

In den Szene-Vierteln der Großstädte von Berlin, Hamburg und München sind mittlerweile die städtischen Familien der Generation Golf unübersehbar geworden. Die Generation Golf könnte die 68er-Generation bei der Geburtenrate sogar noch überholen.

Das neue Buch Die ausgefallene Generation von Herwig BIRG basiert auf völlig veralteten Daten. Wer stoppt diesen Betrug an der jungen Generation?

KOFLER, Birgit (2006): Kinderlos, na und? Kein Baby an Bord, Wien: Orac Verlag

Kinderlos, na und?

"Schluss mit den Vorurteilen Selbst kinderlos, weiß Autorin Birgit Kofler, wie sehr Frauen ohne Kinder mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Wahlfreiheit, gegen Kult und Kitsch und für eine Auseinandersetzung mit der Realität vielfältiger Frauen-Lebensmodelle. Angela Merkel und drei von fünf Ministerinnen der neuen deutschen Regierung sind kinderlos. Mächtige Medienfrauen wie Sabine Christiansen und Sandra Maischberger gehören dieser Spezies ebenso an wie österreichische Spitzenpolitikerinnen oder Topmanagerinnen, etwa Außenministerin Ursula Plassnik oder Siemens-Chefin Brigitte Ederer. Und trotzdem, wie es die prominente Paartherapeutin Gerti Senger auf den Punkt bringt: »Eine kinderlose Frau gilt in vielen Köpfen noch immer als so etwas wie eine unfertige Frau, die ihre Erfüllung noch nicht gefunden hat.« Für viele Medien und Politiker gelten kinderlose Frauen als verantwortlich für das drohende Pensionsdesaster. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Diese meist kontinuierlich berufstätigen Frauen konsumieren nicht nur im Laufe ihres aktiven Lebens deutlich weniger Sozial- und Transferleistungen aus den öffentlichen Kassen, sondern tragen mit ihren Steuern und Sozialabgaben ganz wesentlich zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben bei."
(Klappentext)

ADAM, Konrad (2006): Drei Wege aus der Kinderlosigkeit,
in: Welt v. 14.03.

SCHULLER, Moritz (2006): Zu alt, zu jung.
Weniger Geburten,
in: Tagesspiegel v. 15.03.

Moritz SCHULLER verwechselt den Rückgang der Geburten mit dem Rückgang der Geburtenrate. Ersteres hat die Welt bereits gemeldet, letzteres ist jedoch unbewiesene Spekulation.

Die Debatte habe die Kinderlosen noch nicht erreicht, klagt SCHULLER. Niemand kommt auf die Idee zu fragen, warum sollen die überhaupt erreicht werden? Welche Kinderlosen eigentlich? Die Rede von den Kinderlosen übersieht ja, dass sich dahinter ein breites Spektrum verbirgt, das in der Debatte vollkommen unterbelichtet ist.

Unsere Eliten haben sich über 20 Jahre regelrecht bekriegt. Es ging darum, dass NUR die richtigen Mütter durch die Gesellschaft unterstützt werden. Jetzt kommt Katerstimmung auf und Panik bricht in den extremistischen Milieus aus.

Statt die eigene 20jährige Fehlleistung einzugestehen, möchte man nun die Kinderlosen disziplinieren und asozialen Familienverbänden (MARTENSTEIN) die Familienförderung streichen. Zum Schluss wird das politische Versagen dann noch zum Übergang zu einer neuen Ordnung deklariert.

AFP/DPA (2006): Keine Kinder - halbe Rente?
Angesichts der sinkenden Geburtenraten fordern Politiker und Wirtschaftswissenschaftler höhere Renten für Eltern und Einschnitte bei der Altersversorgung für Kinderlose,
in: sueddeutsche.de v. 16.03.

RÜHLE, Alex (2006): Abwärts.
"Wir müssen die ökonomischen Vorteile der Kinderlosigkeit abbauen": Der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann über den deutschen Bevölkerungsschwund,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.

SCHWENN, Kerstin (2006): Altersversorgung.
Neuer Streit über Rentenabschläge für Kinderlose,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.03.

MAUSSHARDT, Philipp (2006): Mehr Rente für Kinderlose!
Wer keine Altersversorgung hat, muss sein Leben lang zu Kindern und Freunden sehr, sehr freundlich sein,
in: TAZ v. 17.03.

NAUTH, Claudia (2006): Kalte Logik,
in: Wiesbadener Kurier v. 17.03.

QUENETT, Sibylle (2006): Unnötiger Streit,
in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 17.03.

SCHWENTKER, Björn (2006): Der Kinderschock.
Einmal mehr ist Deutschland auf das Tiefste bestürzt: Wir sind katastrophal kinderarm und scheinen auszusterben. Für eine notwendige Demografie-Debatte sind solche Fehlinterpretationen aber nichts als Gift,
in: ZEIT Online v. 17.03.

Björn SCHWENTKER arbeitet an der Single-Front. Man muss sich diese Schizophrenie einmal vorstellen!

In der Papier-Familien-ZEIT wird von Susanne GASCHKE mit falschen Zahlen gegen die Kinderlosen polemisiert und den Singles gegenüber dementiert man - indirekt - die Lügen der Papier-ZEIT (Natürlich wird immer nur über die Lügen der anderen aufgeklärt). Glaubt man im Ernst, dass dies die Glaubwürdigkeit erhöht? Wer noch bei Trost ist, der wird sich von unseren altehrwürdigen Medien verabschieden!

LINGENS, Peter Michael (2006): Die "deutsche Mutter" stirbt aus.
Die Bevölkerung der EU-Länder schrumpft und schrumpft. Jede vierte Deutsche und jede sechste Österreicherin bleiben kinderlos,
in: Profil Nr.12 v. 20.03.

WAGNER, Gert G. (2006): Kinder machen reicht nicht.
Der Vorschlag einer Rentenkürzung für Kinderlose ist so abstrus wie populär. Doch die Hysterie um niedrige Geburtenraten vernebelt den Blick dafür, was wirklich zu tun ist, um die Rente zu retten,
in: Financial Times Deutschland v. 20.03.

GASEROW, Vera (2006): "Fatale Signale" an kinderlose Frauen.
Expertinnen beklagen Schuldzuweisungen in der Debatte über geringe Geburtenrate und Rentenhalbierung,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.03.

GASEROW, Vera (2006): Anschwellender Bocksgesang,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.03.

WEERT, Oliver de (2006): Gewißheit aus Prognosen.
Dogmatische Demographie,
in: Welt v. 20.03.

"Deutschland hat eine neue Ersatzreligion: die Demographie. Ihr Dogma ist die Familienpolitik, ihre größte Sünde die Kinderlosigkeit. Statt ins Fegefeuer führt sie in die Apokalypse verödender Landschaften und kollabierender Sozialsysteme.
(...).
Solange die Glaubenskrieger der deutschen Entvölkerung spekulative Prognosen als Gewißheiten verkaufen, taugt die Demographie eher zur Demagogie und Selbstkasteiung. Es wird Zeit, sich auf das Machbare zu konzentrieren", meint Oliver de WEERT.

GESTERKAMP, Thomas (2006): Das Hugh-Grant-Komplott.
Wer ist schuld an der niedrigen Geburtenrate? Die Männer, sagen immer mehr Studien. Denn vielen potenziellen Vätern ist die Gründung einer Familie schlicht zu anstrengend,
in: TAZ v. 21.03.

DW (2006): Rentner profitieren von Kinderlosigkeit.
Ifo-Studie beziffert Vorteil der Ruheständler - Mehr Nachwuchs auf dem Land,
in: Welt v. 21.03.

Das Münchner Ifo-Institut ist bekannt für seine singlefeindlichen Reformvorschläge. Hans-Werner SINN ist die treibende Kraft - nicht nur in der Debatte um die Rente nach Kinderzahl (Auch bei der Berechnung von Kinderkosten lässt man gerne einiges - zuungunsten der Kinderlosen - unter den Tisch fallen). Nun wurde im Ifo Schnelldienst Nr.5/2006 eine Studie von Robert FENGE & Jakob von WEIZSÄCKER veröffentlicht, wonach die Kinderlosen und insbesondere die Karrierefrauen der Generation Ally und der Single-Generation die jetzigen Rentner "subventionieren". Ein Plus von 7 % der Rentenmasse geht auf ihr Konto. Dies bedeutet, dass die Kinderlosen bereits heute quasi höhere Beiträge als Eltern einbezahlen. Nicht dies steht jedoch zur Debatte,
sondern die jetzigen Rentner (und sicher auch alle zukünftigen Rentner) sollen diesen Anteil zugunsten eines niedrigeren Beitrages für Eltern abtreten.
Das wäre sozusagen die Einführung einer Rente nach Kinderzahl durch die Hintertür!

STEPHAN, Cora (2006): Es sind die deutschen Männer, die keine Kinder wollen.
Frühlings Erwachen vorm Computer. Kinderlosigkeit und Kostenlosigkeit. Die Rente ist sicher mit einem guten Riesling,
in: Welt v. 23.03.

SINN, Hans-Werner (2006): Vom Fluch der guten Tat.
Damit mehr Kinder geboren werden, muss das Rentensystem umgebaut werden,
in: Die ZEIT Nr.13 v. 23.03.

ILLNER, Maybritt (2006): Keine Kinder mehr?
Deutschland droht weiterer Geburtenrückgang,
in: Sendung Zweites Deutsches Fernsehen v. 23.03.

Das ZDF hält Gericht über Kinderlose. Renate KÜNAST, Alice SCHWARZER, Herwig BIRG, Norbert GEIS und Katharina SAALFRANK diskutieren über die Rente nach Kinderzahl. Auch das ZDF setzt bewusst auf Dramatisierung.

Man spricht von Rückgang der GeburtenZAHLEN, aber schnell könnte man dies mit GeburtenRATE verwechseln. Die ZEIT leistet sich mittlerweile mit Björn SCHWENTKER den Luxus, die eigenen Familien-Papier-ZEIT-Lügen gegenüber den Singles zu dementieren. Wie lange lässt sich dieses Spielchen eigentlich noch durchhalten? Welche singlefeindlichen Gesetze sollen noch durchgepeitscht werden, bevor der große Demografie-Schwindel aufgedeckt wird?

STERN-Titelgeschichte: Wovon sollen wir später leben?
Weniger Kinder, weniger Rente. Was jeder tun kann

RÖHL, Wolfgang (2006): No kidding!
Warum wir kinderlosen Steuermalocher keinen Grund haben, uns bei der Erzeugergemeinschaft zu entschuldigen und den Schwanz einzuziehen,
in: Stern Nr.13 v. 23.03.

Der kinderlose Stern-Autor Wolfgang RÖHL rechnet mit den "Neo-Nazis" und 1-Kind-Vätern SCHIRRMACHER und MATUSSEK ("Triumphatoren des Zeugungswillens") ab. Wo sollen die Arbeitsplätze für die ersehnten Menschenscharen herkommen, will er wissen. Mit Verweis auf die Zeitschrift Emma rechnet er vor, dass er als Kinderloser zu den steuerlich Benachteiligten gehört.

KEESE, Christoph (2006): Das große Jein zu Kindern,
in: Welt am Sonntag v. 26.03.

Der neue Extremist Christoph KEESE droht an, dass er die Hetzkampagne gegen Kinderlose in den nächsten Wochen fortführen wird.

PETERSDORFF, Winand von (2006): Mehr Babys für die Rente!
Wie die Debatte über Kinderlosigkeit ins Rutschen kam,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.03.

SCHWAIGER, Rosemarie (2006): Aussterben, aber richtig.
Die niedrige Geburtenrate sorgt wieder einmal für hitzige Debatten. Der Kampf um die Kinder ist vor allem ein Kampf gegen die Kinderlosen. Doch die Gefahren der Babyflaute werden massiv überschätzt,
in: Profil Nr.13 v. 27.03.

SIEVERS, Markus (2006): Kinderlose sollen Lasten spüren.
Ifo-Chef Sinn schlägt Rentenkürzung für alle Nicht-Eltern vor. Kritiker lehnen dies als "falschen Hebel" ab,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.03.

STEINBERGER, Petra (2006): Du sollst den Vater ehren!
Die Rückkehr des Patriarchats als Resultat der Kinderlosigkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.03.

GÖBEL, Heike (2006): "Was im Rentensystem kürzbar war, ist gekürzt worden".
Rentenfachmann Franz Ruland verteidigt die Anhebung der Altersgrenze und warnt vor dem Weg in die steuerfinanzierte Grundrente,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.04.

Franz RULAND widerspricht Hans-Werner SINN: "Herr Ruland,ist die gesetzliche Rentenversicherung schuld, daß die Deutschen zu wenige Kinder bekommen?
          
Nein, der Zusammenhang ist falsch. Es gab die Rentenversicherung längst, als wir noch einen »Kinderboom« hatten. Die Kinderlosigkeit hat viele Ursachen, die Rentenversicherung ist keine.
(...).

          
Dennoch scheint die Zahl derer zu wachsen, die Kinderlosen gerne einen höheren Beitrag zur Rente abverlangen möchten oder wahlweise die Rente nach Kinderzahl staffeln wollen. Erwarten Sie, daß diese Vorstöße Erfolg haben?
          
Hier werden immer noch Schlachten geschlagen, die längst entschieden sind. Der finanzielle Ausgleich zwischen Familien und Kinderlosen muß sich im Steuersystem vollziehen. Es ist viel gerechter, da die Steuer alle und die Leistungsfähigkeit progressiv erfaßt. Ein Kinderlastenausgleich über die nach oben durch die Beitragsbemessungsgrenze gedecktelten Sozialbeiträge würde zur Entlastung der wirtschaftliche Stärkeren führen."
          
Von manchen werden die Bundeszuschuss zur Rente kritisiert. Dazu merkt RULAND an, dass die Zuschüsse für Kindererziehungszeiten genauso wenig ein Zuschuss seien wie die Beiträge für Arbeitslose.

HILDEBRAND, Tina & Volker SCHRANK (2006): Kein Mann, kein Kind, kein Hund.
Mit welchen Vorurteilen sich Ute Vogt als SPD-Spitzenkandidatin im baden-württembergischen Wahlkampf herumschlagen musste – und warum sie es trotzdem nicht schafft, die Politik aufzugeben,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.

Ute VOGT wird sich weiter demütigen lassen müssen, bis sie ihre politische Karriere aufgibt oder doch noch das wird, was die Bestimmung der deutschen Frau nun wieder ist: verheiratete Mutter! Nach BILD nimmt sich nun die ZEIT (natürlich viel sensibler) der Unverheirateten und Kinderlosen an. Es gibt aber keinen besseren Beweis dafür, dass kinderlose Frauen in Deutschland keinerlei Chancen mehr haben. Sie werden büssen müssen. Der neue Nationalkonservatismus kennt in diesem Punkt keine Gnade mehr. Wenn sich Singles nicht endlich politisch organisieren, ist dies vorgezeichnet...

SPIEWAK, Martin (2006): Dr. habil. Kinderlos.
Erstmals belegt eine Studie, wie kinderfeindlich es an deutschen Universitäten zugeht,
in: Die ZEIT Nr.15 v. 06.04.

TSP (2006): Gemeinsam wächst der Gewinn.
Strafen helfen dem Gemeinsinn auf die Sprünge und retten eine Gesellschaft vor dem Zusammenbruch,
in: Tagesspiegel v. 07.04.

Die Headline verspricht, dass hier Familienfundamentalisten auf ihre Kosten kommen. Weit gefehlt:

"Fordert das Erfurter Experiment also einen Überwachungsstaat mit hohen Strafen selbst für kleine Vergehen? Bettina Rockenbach verneint diese Folgerung: Die Experimente imitieren das Verhalten von kleinen Gruppen, »eher folgt die Forderung nach mehr Zivilcourage«, sagt die Wissenschaftlerin. Obendrein beschreibt das Forschungsspiel nur eine Situation, in der die Beteiligten sehr genau wissen, dass Trittbrettfahren letztendlich den Gewinn aller schmälert. »Das ähnelt einem kleinen Kind, das zwar mit Messer und Gabel essen kann, aber partout die Finger nimmt«, erklärt Bettina Rockenbach. In solchen Situationen können Eltern ihre Kinder durchaus mit Strafen beeinflussen. Soll ein Kind dagegen etwas Neues wie zum Beispiel Sprechen lernen, bringen Strafen nichts. »Dann erreicht man mit Belohnungen viel mehr«, sagt die Erfurter Wissenschaftlerin."

Strafen oder fördern, das ist die Frage, über die sich die Debattierer in der Kinderfrage streiten. Die Fraktion der Nationalkonservativen votiert für drakonische Strafen (Rente nach Kinderzahl, Elternwahlrecht usw.), denn Kinderlose sind Trittbrettfahrer, so ihre Meinung. Dagegen könnte eingewandt werden, dass Elternwerden eher einer Lernsituation vergleichbar ist. Geht man davon aus, dass es nicht reicht, Kinder einfach in die Welt zu setzen, sondern dass diese Kinder auch diese Gesellschaft voran bringen sollen, dann ist die Mithilfe der Eltern unabdingbar. Eine Politik, die aber Frauen zum Kinderkriegen zwingt, wird vielleicht die Geburtenzahlen steigern, dass dies unsere Probleme lösen wird, das ist fraglich. Wer Kinderlose strafen möchte, der sollte sich dieser Konsequenzen bewusst sein. Wäre es nicht sinnvoller, weniger Kinder besser zu fördern, statt auf Biegen und Brechen eine Diktatur der Bestandserhaltung einzuführen?

HOFFMANN, Christiane (2006): Wir Seelchen.
Eingeholt vom wahren Leben. Warum Kinder sein müssen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.04.

Christiane HOFFMANN, Angehörige der Generation Golf, wird heute fürs SCHIRRMACHER-Feuilleton in den Ring geschickt, um die schwächelnde Gebärnation zur Raison zu bringen. Wenn Frauen in den Ring steigen, dann ist Leidenschaft und Emotion angesagt, statt männliche Sachlichkeit, wie HOFFMANN ausführt:

"Warum wird die Debatte über Kinder so versachlicht, so seltsam gefühllos geführt, warum erschöpft sie sich im Materiellen und Organisatorischen? (...). Vielleicht liefert aber auch die Tatsache, daß wir nicht über die Gründe sprechen, warum wir trotz aller Widrigkeiten noch Kinder bekommen, einen Hinweis darauf, warum wir es immer weniger tun. Vieles spricht dafür, daß die Debatte über die sachlichen, materiellen Gründe für unsere sinkende Geburtenrate nur den darunterliegenden, tieferen Grund verdeckt: die Seelenlage derer, die heute so alt sind, daß sie Eltern sein könnten."

Es gibt hier ein Problem. HOFFMANN behauptet, dass wir immer weniger Kinder kriegen. Tatsächlich sinken die GeburtenZAHLEN. Unsere Demografen lassen uns aber schlichtweg im Stich, wenn es darum geht die GeburtenRATE der jüngeren Generationen zu beleuchten. Warum gibt es keine Veröffentlichungen zu diesem Problem? Was will man uns verheimlichen?

Herwig BIRG hat ein Buch herausgebracht: Die ausgefallene Generation. Nachweislich sind die Zahlen, die BIRG zum Jahrgang 1965 liefert, mindestens 5 Jahre alt. Warum werden uns also neuere Zahlen vorenthalten? BIRG hat eine Geburtenrate von 1,5 für den Jahrgang 1965 berechnet. Diese Zahl ist überholt. Warum wird also keine Debatte über den "Babyboom" der jüngeren Generationen geführt?

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat vor kurzem das Buch Die demographische Lage der Nation veröffentlicht. Dieses Buch will uns weismachen, etwas über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands aussagen zu können. Wie ist das möglich, wenn darin die Geburtenraten der jüngeren Jahrgänge schlichtweg ignoriert werden? Man verwendet gerne die zusammengesetzte Geburtenziffer oder rohe Geburtenziffern. Schön und gut, aber das ist keine ausreichende Analyse! Die Herangehensweise des Berlin-Instituts ist geprägt von einer Diktatur der Bestandserhaltung. Wenn man also wissen will, wie es aussieht, wenn jede Frau dazu verpflichtet wird den selben Anteil zur Bestandserhaltung zu leisten, dann ist dieses Buch nützlich. Die Sprache ist technokratisch: Arme, Alte, Arbeitslose - alles unnötiger Ballast. Die junge Familie ist die einzige relevante Größe. Eltern, die alt sind, belasten dagegen den Index der Zukunftsfähigkeit. So einfach kann man sich das machen!

Tatsache ist jedoch, dass es auch in Zukunft Kinderlose, Kinderarme und Kinderreiche geben wird. Man kann natürlich die Seele dafür verantwortlich machen wollen. Das zeugt jedoch von Ignoranz. Die Gründe eines Lebensstils sind nicht monokausal erklärbar, sie liegen keineswegs ausschließlich im Willen von Einzelnen begründet. Was hindert uns also daran, jene zu fördern, die Kinder bekommen möchten? Warum möchte man Kinderlose, die aus ganz unterschiedlichen Gründen, keine Kinder bekommen können/wollen, missionieren? Man darf bezweifeln, dass diese ungewollten Kinder einer Wissensgesellschaft dienlich wären. In jedem anderen Gesellschaftsbereich wird die Zunahme der Ungleichheit als optimale Lösung propagiert. Nur im privaten Bereich möchte man nun Ergebnisgleichheit für (fast) alle einführen?

HAMMERL, Elfriede (2006): Mimi, kinderlos.
Warum sucht sie sich keinen bekehrten Greis, der die Vaterfreuden entdecken will?
in: Profil Nr.16 v. 15.04.

ROHRHOFER, Barbara (2006): Kinder? Später, vielleicht...
Im Mittelpunkt der Diskussion um die sinkenden Geburtenzahlen stehen die kinderlosen Frauen. In Wahrheit aber gibt es viel mehr Männer, die keine Kinder haben und auch keine in die Welt setzen wollen. Es ist bereits von "Zeugungsstreik" die Rede,
in: Oberösterreichische Nachrichten v. 19.04.

FALLER, Heike (2006): Haben wir die Emanzipation verspielt?
Wir jungen Frauen hielten die Gleichberechtigung für selbstverständlich. Dann kokettierten wir mit altmodischen Rollen. Und nun leben wir plötzlich wieder in einer Männerwelt,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 20.04.

Heike FALLER, eine Angehörige der Generation Ally, schreibt "Husband-Material" Teil II. 2 1/2 Jahre später klingt das nun noch fatalistischer:

"Heute verkleiden sie sich nur noch so als seien sie jemandes Ehefrau, als gäbe es im Hintergrund einen Mann, der nicht will, dass sie arbeiten muss. Im Zweifelsfall haben sie weder die Karriere noch die Familie. Harald Schmidt hat das in einem ZEIT-Interview sehr brutal auf den Punkt gebracht: »Ach, nehmen Sie doch nur mal die meisten der kinderlosen Frauen in meiner Branche, dieses sexuelle Medienproletariat. Die haben mit Glück einen One-Night-Stand mit einem Beleuchter, sozusagen Last Minute in Sachen Kinderwunsch. Da rücken jetzt die 25-Jährigen nach, und es wird ganz bitter. Das ist die Wahrheit - und die wird gerade von Frauen, die früh Kinder bekommen haben, unverblümt ausgesprochen.«
Aua. Da erwachen sogar Postfeministinnen aus ihrem 15-jährigen Wachkoma. Die Frage ist nur, was fieser ist, die Verhältnisse oder der Ton, in dem sie beschrieben werden."

GERLACH, Irene (2006): Familienpolitik. Kampf der Kinderlosigkeit? In: Roland Sturm & Heinrich Pehle (Hg.) Wege aus der Krise? Die Agenda der zweiten Großen Koalition, Sonderheft der Zeitschrift Gesellschaft - Wirtschaft - Politik, S.77-94

Familienpolitik

Forderung nach einer qualitativen Bevölkerungspolitik

"Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die zunehmende Kinderlosigkeit vor allem gut gebildete Frauen (und Männer) betrifft, bedarf es (...) eines weiteren Ausbaus eines zielgruppenorientierten Familienlastenausgleichs. Das heißt (...) Maßnahmen für die Zielgruppe der (potenziellen) Eltern mit sehr guter Bildung und guten Chancen im Erwerbssystem zu konzipieren".
(2006, S.86)

Das Bundesverfassungsgericht drängt auf eine Politik gegen Kinderlose

"Als normative Vorgabe ist die Gewährleistung von Gerechtigkeit im Sinne von Leistungsgerechtigkeit ein wesentlicher Handlungsauftrag, konkret die Anerkennung von Familienleistungen. Dies bedeutet nicht zuletzt auch einen Leistungsausgleich zwischen Eltern und Kinderlosen, zwischen Männern und Frauen. (...). Es gab (...) aus Karlsruhe auch deutliche Handlungsaufforderungen an den Gesetzgeber, denen bisher nicht vollständig nachgekommen worden ist. Das gilt vor allem für die mehrfach formulierte Forderung der Berücksichtigung von Familienleistungen in der Rentenversicherung, für diejenige nach der differenzierten Behandlung von Eltern und Kinderlosen in allen Zweigen der Sozialversicherung".
(2006, S.88)

DECKERT, Marc (2006): Zahlensalat.
Die Deutschen sterben in 300 Jahren aus! Wir haben die niedrigste Geburtenrate der Welt! So klingt die aufgeregte Mediendebatte über KINDERLOSE DEUTSCHE, in der mit vielen schiefen Argumenten und falschen Zahlen hantiert wird. Oft berichten Medien bewusst irreführend, sagt Professor Dr. Gerd Bosbach, Experte für Statistikmissbrauch,
in: Neon, Mai

BOLDEBRUCK, Catrin/FUCHS, Cornelia/KLUIN, Katharina/OLFEN, Inga (2006): Uns reicht's!
Mal sind sie "die Rabenmütter", mal "Emanzen" oder eben "die Muttis". Egal, für welches LEBENSMODELL sie sich entscheiden, immer sollen sie sich rechtfertigen. Hier erzählen Frauen, wie sie leben, warum sie so leben - und was sich dringend ändern muss,
in: Stern Nr.19 v. 04.05.

Im Jahr 2001 prangerte der Stern Kinderlose als Sozialschmarotzer an. Jetzt stehen angeblich alle Lebensmodelle am Pranger. Betrachtet man die 14 Porträts, dann fehlen zwei Modelle gänzlich: die Familie mit Adoptivkindern und der kinderfreie Lebensstil. Kinderlos darf man demnach als Frau im Stern-Deutschland sein, wenn man entweder den richtigen Partner nicht gefunden hat bzw. einen Kinderwunsch äußert, oder wenigstens mit einem Partner zusammen lebt, der Kinder hat.

KARNICK, Julia (2006): Rucola statt Kinderwurst.
Brigitte-Dossier: Singles fühlen sich bei Freunden mit Familien oft überflüssig. Zu Unrecht. Julia Karnick über den unersetzbaren Vorteil von Single-Freundinnen,
in: Brigitte Nr.11 v. 10.05.

Julia KARNICK beschreibt die Vorteile der erweiterten Familie, bei der Singlefrauen nicht ausgegrenzt werden, sondern eine ideale Ergänzung sind:

"B. ist das letzte Exemplar einer Gattung Freundin, die um mich herum auszusterben droht: meine allerletzte kinderlose Single-Freundin. Die letzte, die ich anrufen kann, wenn ich dringend ausgehen möchte, die letzte, die nicht ständig auf die Uhr guckt, weil sie am nächsten Tag früh aufstehen muss, die letzte, die mich daran erinnert, dass meine Art zu leben nicht die einzig mögliche ist.
          
 (...).
Mit der vorletzten Single-Freundin, die wir hatten, lebten wir, mein Mann, die Kinder und ich, in einer WG zusammen. Die Vermieterin hielt sie für unsere Haushälterin, unser alter Nachbar fragte meinen Mann, wie es denn so sei mit zwei Frauen, Paare fragten uns, ob es nicht unangenehm sei, mit einem Nicht-Familienmitglied die familiäre Privatsphäre teilen zu müssen, ihre Freunde wollten wissen, ob ihr die Kinder nicht wahnsinnig auf die Nerven gehen.
Tatsächlich haben wir uns manchmal gestritten wegen solcher und anderer Probleme, aber unterm Strich war es eine großartige Zeit: Sie hatte ihr Zwei-Zimmer-Single-Leben satt gehabt, wir die vierköpfige Kernfamilienisolation - wir waren einander die ideale Ergänzung dessen, was uns an unseren jeweiligen Leben fehlte.
"

ECKHARD, Jan & Thomas KLEIN (2006): Männer, Kinderwunsch und generatives Verhalten (2006). Eine Auswertung des Familiensurvey zu Geschlechterunterschieden in der Motivation zur Elternschaft, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

Männer, Kinderwunsch und generatives Verhalten

"Unterscheiden sich Männer und Frauen im Hinblick auf den Kinderwunsch? Werden mögliche Beweg- und Hinderungsgründe der Entscheidung zur Geburt eines Kindes von Männern und Frauen unterschiedlich wahrgenommen und sind diese geschlechtsspezifischen Wahrnehmungen von unterschiedlichen Vorraussetzungen abhängig? Und sind für die Realisierung von Kinderwünschen bei Männern und Frauen unterschiedliche oder ähnliche Beweg- oder Hinderungsgründen ausschlaggebend? Der Band präsentiert Untersuchungen und Ergebnisse zu diesen Fragen auf der Grundlage des Familiensurvey."
(Klappentext)

LIMINSKI, Jürgen (2006): Vaatz: Kinderlosigkeit ist "Mangel an sich".
Unionsfraktionsvize beklagt Defizite in Debatte um Kindermangel,
in: DeutschlandRadio v. 15.05.

Statt wie VAATZ Singles auszugrenzen, sollten Beispiele für das gelungene Zusammenspiel von Singles und Familien in den Vordergrund gerückt werden. Vorbildhaft dafür ist der Artikel von Julia KARNICK in der aktuellen Brigitte.

SCHMITT, Christian & Gert G. Wagner (2006): Kinderlosigkeit von Akademikerinnen überbewertet,
in: Wochenbericht des DIW, Nr.21 v. 24.05., S.313-317

NL (2006): Studie: Akademikerinnen haben häufiger Kinder als angenommen.
Nach dem Deutschen Institut für Wirtschaftforschung haben mehr als 75 Prozent der deutschen Akademikerinnen eigene Kinder,
in: Welt v. 26.05.

SCHMITT, Christian & Gert G. Wagner (2006): Der Untergang des Abendlands fällt aus.
Die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen wird überbewertet,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.05.

KITTLAUS, Bernd (2006): Die Single-Lüge. Eine Kritik der Argumentationsmuster im Zeitalter der Demografiepolitik, Norderstedt: Books on Demand

Die Single-Lüge

"In einer funktional-ausdifferenzierten Gesellschaft sollten Kinderlose genauso selbstverständlich sein wie Kinderreiche. Warum sollten sich unterschiedliche Lebensweisen, mit ihren jeweils spezifischen Potentialen nicht sinnvoll ergänzen können? Solange jedoch in Singles nur eine Bedrohung und nicht auch eine Chance gesehen wird, leben wir in einer blockierten Gesellschaft, in der wichtige Energien gebunden sind, die bei den anstehenden Herausforderungen fehlen werden."
(
2006, S.255)

SOLDT, Rüdiger (2006): 25 Prozent der Akademikerinnen bleiben kinderlos.
DIW-Studie: Später Abschluß der Universitätsausbildung entscheidender Grund,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 27.05.

WINKELMANN, Ulrike (2006): Nur 23 Prozent der Studierten kinderlos.
Wer mit "40 Prozent kinderlosen Akademikerinnen" Panik oder Politik machen will, liegt falsch. Eine neue statistische Auswertung am DIW in Berlin zeigt: Kaum mehr als zwanzig Prozent der studierten Frauen bleiben kinderlos,
in: TAZ v. 29.05.

WINKELMANN, Ulrike (2006): Politik mit falschen Zahlen.
Akademikerinnen bekommen kaum weniger Kinder als andere Frauen,
in: TAZ v. 29.05.

LITERATUREN-Schwerpunkt: Land ohne Leute?
Ein deutsches Dilemma

LINTZEL, Aram (2006): Kinderlose aller Länder...
...vereinigt euch! - Auf www.nokidding.net treffen sich Nachwuchs-Unwillige,
in: Literaturen, Nr.6 , Juni

KAPPUS, Monika (2006): Für viele sind Kinder eher eine Last als eine Bereicherung.
Immer mehr Deutsche können sich ein erfülltes Leben auch ohne Kinder vorstellen. Ein Ansehensverlust wird eher bei zu vielen als gar keinen Kindern befürchtet,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.06.

WEERT, Oliver de (2006): Kinderlosigkeit im Kopf,
in: Welt v. 26.06.

PETER, Joachim (2006): "Das klingt brutal, aber der Staat hat keine Wahl".
IW-Direktor Michael Hüther fordert familienfreundliche Firmen und will gute Eltern mit höherer Rente belohnen,
in: Welt v. 29.06.

KILB, Andreas (2006): Kinderwünsche,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.06.

Im SCHIRRMACHER-Feuilleton drängt der Filmkritiker Andreas KILB darauf, dass endlich die Biologisierung des Sozialen auf die politische Agenda gesetzt wird:

"Dürfen wir hoffen, daß die finanzielle Last, die seit den siebziger Jahren immer stärker von den Kinderlosen zu den Kinderhabenden hinübergerutscht ist, wieder den Rückweg antritt? Daß Kindererziehung zu Rentenansprüchen führt? Daß Eltern weniger, kinderlose Ehepaare mehr Steuern zahlen müssen? Oder treffen wir uns in drei Wochen (...) wieder, für die nächste Studie, die nächste Tabelle, die nächste Runde um den heißen Brei?"

SPIDER (2006): Morgen werde ich mich dafür hassen,
in: Berliner Zeitung v. 03.07.

SPIDER schreibt uns aus der Zukunft: "Es hatte mit dem Kölner Wirtschaftswissenschaftler Johann Eekhoff begonnen, der 2006 gefordert hatte, die Rentenansprüche für Kinderlose zu kürzen. Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis schlug das vor. Am Anfang waren alle entrüstet, aber es war wie mit den Studiengebühren, so wie mit dem maschinenlesbaren Personalausweis und den Kombilöhnen. Ein paar Jahre später war es bereits eine Tatsache, und die Kürzungen sind mittlerweile auch vollzogen. Die Gerichte beschäftigen sich im Akkord mit Vaterschaftsklagen, weil immer wieder Männer versuchen, ihre Vaterschaft für irgend welche Kinder anerkennen zu lassen, oft sogar für wildfremde.
Manche schreckten selbst vor Kindesraub nicht zurück.
"

HAGER, Mariella (2006): Kinderwunschlos glücklich? Gewollt kinderlose Akademikerinnen. Eine qualitative empirische Studie zu Lebenssituation und Zukunftsplanung österreichischer Akademikerinnen, Wien: LIT Verlag

Kinderwunschlos glücklich?

"In vorliegender Arbeit möchte ich aufzeigen, wie die Entscheidung gegen eigene Kinder bei Akademikerinnen zustande kommt, wann sie getroffen wird und was die Gründe für diesen Entschluss sind. Weiters folgt eine intensive Auseinandersetzung mit der Lebenssituation gewollt kinderloser Akademikerinnen, der Zufriedenheit damit und mit den Plänen, die die Frauen für die Zukunft und das Leben im Alter haben. Schließlich soll darauf eingegangen werden, was zu einer Einstellungsänderung, das heißt zu einem Kinderwunsch führen könnte. Um der Überalterung in der Gesellschaft entgegen zu wirken sind geburtenfördernde Maßnahmen dringend notwendig. Mögliche Ansätze und unabdingbare Voraussetzungen dafür werden ausführlich aufgezeigt und diskutiert.
Obwohl Kinder zu bekommen nur eine Möglichkeit ist, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, besteht eine mangelhafte Akzeptanz für die von den gewollt kinderlosen AkademikerInnen gelebte Lebensform. Der soziale Druck zur Mutterschaft ist in unserer Gesellschaft nach wie vor enorm. Willentlich kinderlose Frauen werden nicht selten mit negativen Reaktionen und Diskriminierungen konfrontiert.
So wird abschließend dargelegt, warum das Lebensmodell gewollter Kinderlosigkeit ein von der Gesellschaft akzeptiertes werden muss."
(2006, S.16)

RATH, Christian (2006): Drei Väter wollen Kinderlose bluten sehen.
Väter wollen keine Rentenbeiträge zahlen, weil sie Kinder erziehen. Heute Entscheidung beim Bundessozialgericht,
in: TAZ v. 05.07.

OSBERGHAUS, Monika (2006): Wir haben kein Recht auf ein Leben mit Kindern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.07.

Die Schwedin Anna WAHLGREN über den Arbeitsmarkt, Mutterschaft und Männer: "Viele gut ausgebildete Frauen begründen ihre Kinderlosigkeit damit, daß ihnen der richtige Mann fehlt.
Intelligente Frauen jagen den Männern nach wie vor Angst ein. Das ist das nächste, was wir wirklich brauchen: kluge, warmherzige, fürsorgliche Männer. Sie sind aber im Kommen. Ich selbst habe zwar keinen gefunden - ich bin siebenfach geschieden! -, aber die Männer sind dabei, sich zu verändern. Notgedrungen. Die Ära der Männer ist vorbei. Sie können uns nicht mehr aufhalten, sie können uns nicht mehr zu Hause isolieren. Wir sind da."

MARESCH, Rudolf (2006): Die Familie ist tot, es lebe die Familie!
Norbert Bolz und Frank Schirrmacher beleben die Idee von der Familie als "Keimzelle" der Gesellschaft wieder,
in: Telepolis v. 15.07.

Aus Sicht des Arbeitsmarktes sieht Rudolf MARESCH zwar das demografische Problem als gar nicht akut an, nichtsdestotrotz fordert er drastische Bestrafungen für Kinderlose, d.h. eine Biologisierung des Sozialen scheint ihm mehr als gerechtfertigt:

"Nein, der demografische Knick muss kein Fluch sein. Vorausgesetzt, die Politik macht ihre Hausaufgaben, sie kündigt den Generationenvertrag auf und stellt das Umlageverfahren auf ein individuelles Vorsorgeverfahren um. Dass dazu auch gruppenbezogene Maßnahmen gehören, versteht sich fast von selbst. Kinderreiche Familien und Gesundheitsbewusste müssen finanziell belohnt und entlastet, Singles und kinderlose Paare höher besteuert, und Extremsportler und Risikoträger (Raucher, Alkoholiker...) stärker an den Gesundheitskosten beteiligt werden. Es kann nicht sein, dass Kinderlose dieselben Versorgungsansprüche erwerben wie Eltern mit Kindern. Oder dass Personen, die absichtlich Schindluder an ihrer Gesundheit treiben, mit anderen, die Vorsorge betreiben, gleichgestellt werden."

In dem Buch Die Single-Lüge wird aufgezeigt, dass die von MARESCH vorgeschlagenen Reformen kontraproduktiv sind. Sie werden die gesellschaftlichen Probleme nicht lösen, aber die Spaltung der Gesellschaft noch weiter vorantreiben (mehr hier).

STUMBERGER, Rudolf (2006): In Deutschland können immer weniger Journalisten von ihrem Beruf leben.
Nach einer Studie sinkt bei den Journalisten die Zahl der freiberuflich Tätigen und ist bei ihnen Kinderlosigkeit weit verbreitet,
in: Telepolis v. 04.08.

WEERT, Oliver de (2006): Flexible Reservearmee.
Kinderlose sind Stützen der Gesellschaft,
in: Welt v. 18.08.

FREITAG, Jan (2006): Wer ist Deutschland?
FR-Plus Zahlen bitte: Weil der Staat zu wenig über seine Bürger weiß, steht 2010 eine Volkszählung an. Kosten von 470 Millionen Euro,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.08.

LEGGEWIE, Claus (2006): Eltern - Kinderlose. In: Stephan Lessenich & Frank Nullmeier (Hg.) Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft, Frankfurt a/M: Campus

Eltern - Kinderlose

"Kinderlosigkeit ist in Deutschland ein spezielles Merkmal von Hochqualifizierten beiderlei Geschlechts, für die im besonderen Maße gilt, was der Zwölfte Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung konstatiert hat (BMFSFJ 2005): dass »Familie« keine attraktive Lebensform mehr darstellt. Jüngsten Umfragen zufolge kommt rund die Hälfte der Kinderlosen seltener als einmal im Monat mit Kindern in Kontakt. Dass Kinder jenseits der üblichen Sorgen und Imponderabilien vor allem Freude und Glück bringen, wird von ihnen somit kaum erfahren. Auch viele Eltern empfinden Familie zunehmend als etwas, das sie spontan nicht »können« und ohne externe Unterstützung nicht mehr zu leisten imstande sind. Ausländische Forscher nehmen in Deutschland bereits eine »Kultur der Kinderlosigkeit« (Kloepfer 2006) wahr."
(2006, S.165)

RÖGENER, Wiebke (2006): Die Mythen von der Kinderlosigkeit.
Viele Aussagen über den fehlenden Nachwuchs in Deutschland sind falsch,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.10.

Wiebke RÖGENER zeigt, wie man einerseits Mythen dementiert und andererseits neue Mythen von der Kinderlosigkeit schafft! Zu Beginn des Artikels auf der Wissensseite dramatisiert RÖGENER den Geburtenrückgang auf unseriöse Weise, wenn sie schreibt:

"Auf tausend Deutsche kamen nur noch 8,5 Geburten, etwa halb so viele wie vor 40 Jahren und weniger als in jedem anderen EU-Land."

RÖGENER präsentiert hier nicht die Geburtenrate, sondern die rohe Geburtenziffer. Seriöse Journalisten und Wissenschaftler weisen darauf hin, dass in diese Ziffer die Altersstruktur des jeweiligen Landes eingeht. Kein seriöser Forscher zieht deshalb diese Zahl zum internationalen Vergleich des Geburtenrückgangs heran. Das hält aber nicht einmal das Nachrichtenmagazin Spiegel davon ab, solche absurden Vergleiche anzustellen. Im letzten Drittel schreibt dann RÖGENER:

"Zwar sinkt die Geburtenzahl bezogen auf die Gesamtbevölkerung, doch hat das vor allem mathematische Gründe. Die steigende Lebenserwartung verringert den Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter".

Der Laie wird zwischen diesem Satz und der Dramatisierung zu Beginn keinen Zusammenhang herstellen, obwohl dieser auf der Hand liegt, denn in die rohe Geburtenziffer fließt u.a. die steigende Lebenserwartung als Bestandteil der Altersstruktur hinein. Nach der Dramatisierung folgt die Beschwichtigung, wobei suggeriert wird, das Geschriebene sei brandaktuell:

"So widerlegt eine soeben vom Max-Planck Institut (MPI) für Demographische Forschung in Rostock vorgestellte Untersuchung das Gerücht, die ehemals gebärfreudigen Frauen in Ostdeutschland bekämen seit der Wende viel weniger Nachwuchs als die Frauen im Westteil der Republik."

Ein Blick auf die Publikationsliste der Soziologin Michaela KREYENFELD vom MPI zeigt, dass die Soziologin zu diesem Thema bereits seit der Jahrtausendwende forscht und dieser Tatbestand bereits seit etlichen Jahren bekannt ist. Bereits im Jahr 2004 war das in der Zeitschrift Berliner Debatte Initial nachzulesen.

Ganz obskur wird es, wenn es um die Mythen von der Kinderlosigkeit ost- und westdeutscher Frauen des Jahrgangs 1965 geht:

"Bei genauerer Analyse ist Kinderlosigkeit im Osten sogar viel seltener als im Westen: Von den Frauen des Jahrgangs 1965 blieben dort 14 Prozent ohne Nachwuchs, im Westen fast doppelt so viele."

RÖGENER bezieht sich dabei auf den Artikel Zwei deutsche Ansichten über Kinder und Karriere. Lebensentwürfe junger Erwachsener in Ost und West von Holger von der LIPPE & Laura BERNARDI (Der Artikel entstammt dem Informationsblatt  Nr. 3/2006 der Demografischen Forschung Aus Erster Hand) Darin ist eine Tabelle abgebildet, in der der Anteil dauerhaft kinderloser Frauen (Jahrgang 1965) mit 27 % (Westen) und 14 % (Osten) angegeben ist. Wann diese Zahlen ermittelt wurden, das wird nicht angegeben, stattdessen werden 3 Quellen aufgelistet, ohne dass ersichtlich ist, welche der 3 Quellen über welche Zahl Auskunft gibt. Transparenz wird also auch hier klein geschrieben!

In einer Präsentation zu einem Workshop über Kinderlosigkeit in Deutschland von Michaela KREYENFELD  findet sich ein Schaubild zum Anteil der 38jährigen westdeutschen Frauen. Der Anteil Kinderloser des Jahrgangs 1965 wird dort mit 27 % beziffert. Als Quelle werden die Mikrozensen 1996 - 2003 angegeben, sowie eine Publikation von KREYENFELD aus dem Jahr 2002.

Aus der verlogenen Debatte um die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen wissen wir jedoch, dass Aussagen zur endgültigen Kinderlosigkeit durch die enorme Zunahme der Spätgebärenden nicht vor dem 44. Lebensjahr gemacht werden können. Der Anteil von 27 % lebenslanger Kinderloser des westdeutschen Jahrgangs 1965 ist immer noch zu hoch geschätzt.

Single-generation.de hat im April 2006 einen Beitrag zum Thema veröffentlicht. Ein Schaubild zeigt die Geburtenentwicklung des Jahrgangs 1965 bis zum Jahr 2003.

Bereits im März 2001 hat der Bevölkerungswissenschaftler Jürgen DORBRITZ den Anteil der Kinderlosen des westdeutschen Jahrgangs 1965 von ca. 33 % auf 27,5 % korrigiert. Dies war zu jener Zeit, da das Bundesverfassungsgericht sein Fehlurteil zur Pflegeversicherung aufgrund eines Gutachtens von Herwig BIRG mit zu hoch angesetzten Zahlen zur Kinderlosigkeit, begründet hatte. Da in den genannten Untersuchungen nur Kinder erfasst werden, die im Haushalt leben, wird der Anteil lebenslang Kinderloser weiterhin unterschätzt. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass der Anteil lebenslang Kinderloser eher bei 20 % liegt. Darauf deuten auch die neueren Untersuchungen des Soziologen Christian SCHMITT hin, die bei RÖGENER unerwähnt bleiben.

Zum Schluss geht RÖGENER noch darauf ein, dass die Geburtenrate mit 1,4 Kinder pro Frau zu niedrig ausgewiesen wird. Dies ist ebenfalls bereits im Jahr 2001 bekannt gewesen, wie nun auch im Buch Die Single-Lüge nachzulesen ist. Mit Verweis auf Thomas SOBOTKA vom Wiener Institut für Demographie schreibt RÖGENER:

"Da Frauen immer später Kinder bekommen, sinkt die jährlich erhobene Geburtenziffer zunächst. Wird die Statistik aber um diesen Tempo-Effekt korrigiert, ergäben sich für kein europäisches Land weniger als 1,5 Kinder pro Frau, so Sobotka. Richtig ist allerdings, dass dieser Wert über 2 liegen müsste damit die Gesamtbevölkerung wächst."

Für Deutschland gehen KREYENFELD & KONIETZKA davon aus, dass die Zahl bei 1,6 Kinder pro Frau liegt. Dass dieser Wert aber bei über 2 liegen muss, damit die Gesamtbevölkerung in Deutschland wächst, ist natürlich eine Lüge.

Die Bevölkerungsentwicklung hängt nicht allein von der Geburtenrate ab, sondern auch von den Wanderungsbewegungen. Die USA z.B. hat nur Zuwächse aufgrund der hohen Zuwanderung. Vor allem die Hispanics tragen wesentlich zum Bevölkerungswachstum bei.

RÖGENER weist darauf hin, dass in diesem Herbst eine Befragung von 15.000 Frauen genaue Daten zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen liefern soll. Man muss jedoch fragen, warum das nicht früher geschehen ist. Single-generation.de hat dokumentiert, dass das Datenproblem bereits zur Jahrtausendwende bekannt war. Im Buch Die Single-Lüge lässt sich dies jetzt auch im Kapitel Eine Chronologie der Einwände nachlesen. Politik, Medien und Wissenschaft haben verhindert, dass dies öffentlich diskutiert wurde.

Die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung hat die Geburtenrate von 1,4 Kinder pro Frau bis ins Jahr 2050 fortgeschrieben. Single-generation.de hat bereits damals im Jahr 2003 darauf hingewiesen, dass dies ein vollkommen unrealistisches Szenario ist und nur durch die anstehenden sozialpolitischen Reformen erklärbar war.

Im November wird die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung veröffentlicht. Diesmal wird es bei der Geburtenrate zwei weitere Varianten geben. Nicht nur 1,4, sondern auch 1,2 und 1,6. Warum nicht 1,8 muss gefragt werden!

DESTATIS (2006): Im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene,
in: Pressemitteilung Statistisches Bundesamt v. 07.11.

Das Statistische Bundesamt hat 3 Jahre nach der letzten Bevölkerungsvorausberechnung eine erneute Vorausberechnung vorgelegt. Wie bereits beim letzten Mal wird die Geburtenrate in der mittleren Variante auf 1,4 Kinder pro Frau bis ins Jahr 2050 festgeschrieben. Aber wie realistisch ist dieses Szenario?

Junge Demografen wie Michaela KREYENFELD vom Rostocker Max-Planck-Institut für demographische Forschung oder TomᚠSOBOTKA vom Vienna Institute of Demography haben den Tempoeffekt durch die Erhöhung des Erstgebäralters herausgerechnet. Dieser verfälscht die Geburtenrate. Demnach liegt bereits heute die Geburtenrate bei 1,6 und nicht bei 1,4.

Die Einschätzungen zur lebenslangen Kinderlosigkeit in Deutschland unterscheiden sich gravierend. Dies zeigt ein kurzer Blick auf den westdeutschen Frauenjahrgang 1965, der seit etlichen Jahren familienfundamentalistischen Hardlinern als Paradebeispiel für das kinderlose Deutschland gilt.

Der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG schätzt in seinem Buch Die demographische Zeitenwende (2001) den Anteil der Kinderlosen dieses Jahrgangs auf 32,1 % (S.73). Dieser Sichtweise, dass heute bereits 1/3 der Frauen lebenslang kinderlos bleiben, folgten auch die Verfassungsrichter in ihrem Pflegeurteil aus dem Jahr 2001. Im Jahr 2003 forderte Susanne GASCHKE deshalb sogar Keine Kinder, keine Rente!

Der WSI-FrauenDatenReport 2005 der Hans-Böckler-Stiftung schätzt den Anteil der Kinderlosen im Anschluss an Berechnungen von Heribert ENGSTLER auf 31,2 % (S.29).

Jürgen DORBRITZ vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung kommt dagegen bereits im Jahr 2001 in den BIB-Mitteilungen zum Ergebnis, dass der Jahrgang 1965 aufgrund einer rapiden Zunahme von Spätgebärenden höchstens zu ca. 27 % lebenslang kinderlos bleiben wird.

Das Sonderheft Bevölkerung - Fakten - Trends - Ursachen - Erwartungen. Die wichtigsten Fragen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus dem Jahr 2004 kommt gar nur noch auf 26,5 %.

In einem Arbeitspapier aus dem Jahr 2005 schätzt der Demograf TomᚠSOBOTKA, dass vom Jahrgang 1965 gar nur 23,3 % lebenslang kinderlos bleiben könnten.

Wie kann es sein, dass die Einschätzungen zur Kinderlosigkeit des westdeutschen Frauenjahrgangs 1965 zwischen 23,3 und 32,1 % differieren?

Ob es in Deutschland fast 10 % Kinderlose mehr oder weniger gibt, ist nicht nur entscheidend, wenn es darum geht, den Kinderlosen die Schuld am angeblichen Aussterben der Deutschen zuzuschieben, sondern es geht auch darum, dass der Bevölkerungsrückgang wie er jetzt gerade wieder vom Statistischen Bundesamt berechnet wurde, unrealistisch ist.

Im Newsletter Demografische Forschung aus erster Hand Nr.1/2005 schreibt SOBOTKA:

"Die Differenz zwischen der gewöhnlichen Geburtenziffer und der Geburtenziffer exklusive Tempoeffekt mag zwar gering erscheinen; jedoch bedeutet dies eine beachtenswerte Veränderung des voraussichtlichen Bevölkerungsrückgangs, falls sich der Trend über längere Zeit hält: Eine Fruchtbarkeitsrate von nur 1,46 Kindern hat einen jährlichen Bevölkerungsschwund von 1,1 % zur Folge, während dieser bei 1,71 Kindern pro Frau nur 0,6 Prozent betrüge."

Das Statistische Bundesamt geht dagegen davon aus, dass bestenfalls im Jahr 2025 eine Geburtenrate von 1,6 erreicht wird.

Die Berechnungen von Michaela KREYENFELD oder TomᚠSOBOTKA legen dagegen nahe, dass ein Wert von 1,6 bei der zusammengesetzten Geburtenziffer bereits in den nächsten Jahren erreicht werden kann. Es muss dem Statistischen Bundesamt also vorgeworfen werden, dass es diese wahrscheinliche Variante nicht berücksichtigt.

Im Buch Die Single-Lüge wird der Betrug an den Kinderlosen, wie er von Nationalkonservativen wie Herwig BIRG und seinen Mitstreitern ungehindert betrieben wird, detailliert nachgewiesen. Keiner kann mehr behaupten, dass dies nicht bereits seit vielen Jahren bekannt ist.

DORBRITZ, Jürgen (2005): Kinderlosigkeit in Deutschland und Europa - Daten, Trends und Einstellungen,
in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, H.4, S.359-408

ECKHARD, Jan (2006): Kinderlosigkeit durch Partnerschaftslosigkeit.
Der Wandel der Partnerschaftsbiographien und Zusammenhänge mit der Geburtenentwicklung,
In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Heft 1, S.105-126

Kinderlosigkeit durch Partnerschaftslosigkeit

"Zumindest die erhöhte dauerhafte Partnerschaftslosigkeit - die ja anders als die trennungsbedingte Partnerschaftslosigkeit und die Wechselhaftigkeit der Partnerschaftsbezüge nicht durch die ansteigende Kinderlosigkeit verursacht sein kann - trägt offensichtlich einen Teil zur Erklärung des Geburtenrückganges bei. Zudem hat sich gezeigt, dass vor allem die für die jüngeren Jahrgänge zunehmend kürzer ausfallende Dauer der Paarbeziehungen ein bedeutsamer Faktor der Geburtenentwicklung sein könnte."
(2006, S.119)

FARMER, Silke (2006): "Frauen zurück an den Herd!"
Psychiater: Feminismus schuld an Kinderlosigkeit,
in: Wiener Zeitung v. 12.12.

Silke FARMER berichtet über die zweitägige Tagung "Frauenidentität und Familienkultur" in Wien, die vom Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik sowie dem Institut für Ehe und Familie und der Gesellschaft für Familienorientierung veranstaltet wurde. Einzig der Vortrag des Psychiater Holger Bertram FLÖTTMANN wird ausführlich referiert. Der umstrittene Psychiater sieht in bindungsunwilligen Singles und egoistischen Feministinnen die Ursache des Geburtenrückgangs.

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. Januar 2016
Update: 30. Dezember 2017