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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland? 

 
       
   

Eine Bibliografie der Debatte

 
       
       
   

Die Chronologie der Debatte

 
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 3: 2012 - 2013)

GERLACH, Martin (2012): Bin Single suche Wohnung,
in: Ostthüringer Zeitung v. 11.02.

GERLACH berichtet über einen Mangel an kleinen Wohnungen für alleinlebende Studenten und Rentner:

"Im Altenburger Land gibt es dem statistischen Landesamt zufolge 198 Einraumwohnungen und 3252 Zweiraumwohnungen. Das ist ein verschwindend geringer Teil angesichts von insgesamt knapp 60 000 Wohnungen in denen 22 000 Menschen allein leben. In Gera sind es 23 000. Das ist beinahe die Hälfte aller Haushalte. In der Dix-Stadt stehen die kleinen Wohnungen nicht lange leer. Die Zielgruppe für diese Wohnungen ist einfach sehr groß, sagt Wilfried Hahn, Prokurist und Leiter des Kundenservice bei der Gewo Gera. Ein- und Zweizimmerwohnungen seien nicht nur für junge Leute interessant, die gerade von zu Hause ausziehen, sondern auch für alleinstehende Senioren."

Kleine Wohnungen galten seit den 1980er Jahren, insbesondere aber in den 1990er Jahren, als Alleinlebende mit Yuppies gleichgesetzt wurden, für "Singles" als unattraktiv. Bis in die 1980er Jahre galt in der Wohnungswirtschaft dagegen Bedarf an Kleinwohnungen für Alleinlebende. Angesichts drohender Altersarmut und Hartz-Gesetzgebung bahnt sich hier möglicherweise ein erneuter Wandel an.

Eine Fortschreibung der Vergangenheit liegt demografischen Analysen zugrunde, die von einer weiteren Erhöhung der Einpersonenhaushalte ausgehen:

"Während die Gesamtzahl der privaten Haushalte in Thüringen von 1991 bis 2009 um rund sieben Prozent stieg, verringerte sich die Bevölkerungszahl im gleichen Zeitraum um 13 Prozent. Statistisch lebten somit im Jahr 2009 1,98 Menschen in einem Haushalt. Kurz nach der politischen Wende waren es 2,45. Etwas mehr als jeder Dritte lebt in Thüringen allein. In Prognosen wird davon ausgegangen, dass es 2020 fast 40 Prozent sein werden."

Es gibt aber auch begründete Zweifel an dieser linearen Entwicklung (z.B. Andrea LENGERER): Zum einen verringert sich der Frauenüberschuss bei den Älteren, weil sich die Lebenserwartung der Männer erhöht und der kriegsbedingte Männermangel entfällt, und zum anderen verändert sich die Partnerwahl. Die Zeit des Alleinlebens im Alter könnte sich verringern.

LEE, Felix (2012): Hausgemachte Wohnungsnot.
Über verfehlte Wohnungspolitik in Deutschland,
in:
TAZ v. 02.03.

Mit schöner Regelmäßigkeit muss die steigende Zahl von Single-Haushalten, dafür herhalten, dass in Deutschland Wohnungsnot herrscht:

"Aber auch aus der demografischen Entwicklung hat die Politik die falschen Schlüsse gezogen. Eine schrumpfende und alternde Bevölkerung bedeutet keinen niedrigeren, sondern höheren Bedarf an Wohneinheiten. Denn die Zahl der Single-Haushalte steigt. Auf der Strecke bleiben all jene, die sich ein Eigenheim auch künftig nicht leisten können. Und das sind ganz schön viele."

Entgegen der Behauptung von LEE gehen jedoch alle Berechnungen davon aus, dass aufgrund der steigenden Single-Haushaltszahlen (trotz Bevölkerungsrückgang) mehr Wohnungen benötigt werden:

"Im Jahr 2030 wird es nach der beschriebenen Vorausberechnung in Deutschland nicht weniger, sondern sogar etwas mehr Privathaushalte geben. Der Trend zu kleineren Haushalten wird sich weiter fortsetzen, was wiederum unmittelbaren Einfluss auf die Anzahl und Größe der benötigten Wohnungen hat."
(Demografischer Wandel in Deutschland, Heft 1, 2011)

Ob die Anzahl der Single-Haushalte wegen der Zunahme älterer Menschen tatsächlich steigt, ist mittlerweile jedoch aufgrund der veränderten Partnerwahl und Lebenserwartung umstritten.

Aufgrund der Tatsache, dass der "Single-Haushalt" eine normative Restkategorie ist, in die alle Lebensformen fallen, die nicht den bürgerlichen Wertvorstellungen des Normalpaares und der Normalfamilie entsprechen, ist der Indikator völlig unbrauchbar zur Vorhersage des zukünftigen Wohnbedarfs. Dazu müsste man zuerst einmal wissen, wer in den so genannten "Single-Haushalten" wohnt. Darüber herrscht offenbar vollkommenes Unwissen selbst bei Journalisten, die Aufklärung betreiben sollten, aber eher zur Verdunkelung beitragen.

Das größere Problem beim zukünftigen Wohnbedarf in aufstrebenden Städten ist die Verknappung des Wohnraums durch profitgetriebene Investoren und illegale Umnutzungen (z.B. in Berlin und anderen Partystädten durch erhöhten Bedarf an "Ferienwohnungen")

LEHMANN, Armin (2012): "Wir brauchen Wohnraum".
Sozialsenator Mario Czaja: Singles sind gut aufgehoben,
in:
Tagesspiegel v. 03.03.

SCHUMACHER, Juliane & Moritz WICHMANN (2012): Auf diese Zahlen können Sie bauen.
Analysen: Regelmäßig erscheinen neue Studien über den Berliner Wohnungsmarkt. Die wenigsten sind neutral gehalten. Welche Untersuchungen nützen Investoren - und welche den Mietern? Ein Überblick,
in:
TAZ Berlin v. 03.03.

NW (2012): Mehr als Statistik.
Demographie-Fachleute wollen künftig mehr miteinander kommunizieren,
in:
Neue Westfälische v. 11.04.

"Logisch auch, dass mehr Singles in der Gesellschaft mehr kleinere Wohnungen nachfragen. »Die Anzahl der Haushalte nimmt bei abnehmender Bevölkerung zu«, sagt Diplom-Volkswirt Reinhard Loos von der Uni Bielefeld. Und als Mitarbeiter im Forschungsprojekt kennt er auch die Hintergründe. »Single-Frauen ziehen nicht zum Arbeitsort, wenn sie befristete Arbeitsverhältnisse haben, das ist zu teuer. Verwitwete Ehepartner bleiben allein in der angestammten Wohnung.«"

lautet der etwas zu einfach dargestellte Sachverhalt. Aufgrund der Heterogenität der Alleinlebenden, sind Prognosen selten zutreffend. Wurde in der Vergangenheit der Zuwachs an Einpersonenhaushalten meist unterschätzt, so könnte er in Zukunft überschätzt werden.

HAMMERMANN, Katharina (2012): Immer mehr Single-Haushalte. Druck auf Wohnungsmarkt steigt.
Statistiker beobachten einen folgenschweren Trend: Die Zahl alleinlebender Menschen steigt. Trotz sinkender Geburtenraten wird der Wohnraumbedarf daher steigen. Und wer kümmert sich um die alleinstehenden Alten?
in:
Trierer Volksfreund v. 23.06.

"Dem Rathaus zufolge zählte die 105 000-Einwohner-Stadt 2011 satte 49 265 Ein-Personen-Haushalte. Bei insgesamt 72 369 Haushalten entspricht das einem Anteil von 68 Prozent. Damit lässt Trier selbst Berlin, das als Hauptstadt der einsamen Herzen gilt, weit hinter sich: Dort liegt der Anteil »nur« bei 54 Prozent",

behauptet Katharina HAMMERMANN. Die Zahlen widersprechen jedoch einer Erhebung der GfK, bei der Trier im Jahr 2007 noch auf einen Anteil von 45,9 % Einpersonenhaushalte kam. 2011 lag Regensburg mit 57 % an der Spitze. Weder die Stadt Trier, noch das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz weisen die Anzahl der Einpersonenhaushalte in ihren im Web verfügbaren Statistiken aus. Auch eine Erhebung aus dem Jahr 2011, über die Anita LOZINA berichtete, kommt lediglich auf 36 % Einpersonenhaushalte in Trier, wobei jedoch nicht die Haushalts- sondern die Einwohnerzahlen den Bezugspunkt abgeben.

Dass auch die Politik einen Einfluss auf die Entwicklung Haushaltszahlen hat, lässt sich daran ablesen, dass nach der Einführung einer Zweitwohnungssteuer die Zweitwohnsitze zwischen 2005 und 2007 um ca. 10.000 zurückgegangen sind, während die Hauptwohnsitze um ca. 4.300 gestiegen sind (danach von 2007 auf 2009 lediglich um ca. 500). Da dies in einer Universitätsstadt wie Trier insbesondere Studenten betrifft, die einen großen Anteil am Zuwachs der Einpersonenhaushalte haben, führt das zu Verzerrungen, denn beim Anteil der Einpersonenhaushalte werden lediglich die Haupt- und nicht die Nebenwohnsitze gezählt.

Auch bei den älteren Menschen führen z.B. technischer Fortschritt oder verbesserte Infrastruktureinrichtungen wie mobile Pflegedienste dazu, dass der Anteil der Alleinlebenden steigt, während der Anteil der Heimbewohner relativ gesehen sinkt. Auch hierdurch - wird unabhängig von Verhaltens- bzw. Einstellungsänderungen (was die Rede von Lebensstilen betont) - die Entwicklung der Haushaltszahlen beeinflusst.

Selbst Sozialstrukturforscher wie Stefan HRADIL, die es eigentlich besser wissen müssten, blenden solche strukturellen Veränderungen - zugunsten von Verhaltens- oder Einstellungsänderungen - aus.

SPINDLER, Ole (2012): "Wir brauchen völlig neue Lebens- und Wohnformen".
Immer mehr Menschen in Deutschland sind Single und leben alleine. Der Soziologe Stephan Baas erklärt im tagesschau.de-Interview, woher dieser Trend zum Alleinsein kommt und zu welchen Problemen er führt. Er fordert völlig neue Lebens- und Wohnformen gerade für die ältere Generation,
in:
Tagesschau.de v. 11.07.

DAPD (2012): Singles leben deutlich teurer als Paare.
Dennoch: Einpersonenhaushalte in Deutschland nehmen zu,
in:
Welt v. 16.07.

Merkwürdiges aus den Medien zu den Alleinlebenden in Deutschland:

"Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts leben zwei Bundesbürger auf durchschnittlich 90 Quadratmetern. (...). Singles wohnen dagegen gerade mal auf bis zu 40 Quadratmetern, müssen sämtliche Ausgaben aber ganz allein bestreiten",

heißt es im Finanzteil der Welt (aber nicht nur da, sondern z.B. auch auf WAZ Online), der wiederum nur eine Meldung der Nachrichtenagentur dapd wiedergibt. In der Broschüre Alleinlebende in Deutschland des Statistischen Bundesamtes steht dagegen:

"Den Einpersonenhaushalten in Deutschland stand im Jahr 2010 durchschnittlich eine Wohnfläche von rund 70 Quadratmetern zur Verfügung. (...). Bezogen auf die Zahl der Personen je Wohneinheit haben die Alleinlebenden allerdings überdurchschnittlich viel Wohnraum. Zum Vergleich: Bei einer durchschnittlichen Wohnungsfläche von 92 Quadratmetern standen jedem Einwohner in Deutschland im Schnitt rund 45 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung."

Es leben also nicht "zwei Bundesbürger auf durchschnittlich 90 Quadratmetern", sondern die durchschnittliche Wohnfläche pro Wohnung beträgt 92 Quadratmeter. Singles müssen deshalb nicht "mit bis zu 40 Quadratmetern" auskommen, sondern Einpersonenhaushalte kommen auf durchschnittlich ca. 70 Quadratmeter. Der ursprüngliche Sinn der Aussage - "Singles" haben mehr Platz als "Zusammenlebende" - wird im Zeitungsartikel sozusagen auf den Kopf gestellt! Danach hätten Zusammenlebende 45 qm pro Person Platz und Alleinlebende nur 40 qm, wobei das "bis zu" in diesem Zusammenhang gar keinen Sinn macht.

Wer es genau wissen will, der findet die Daten in der Zusatzerhebung zum Mikrozensus 2010 Bestand und Struktur der Wohneinheiten.

Tabelle: Wohnfläche von Einpersonenhaushalten (in Tausend) in Deutschland

Insgesamt

%

Eigentümer

%

Hauptmieter

%

Insgesamt

14564

100

4 234

29,07

10.330

70,93

unter 40 qm

1 667

100

69

4,14

1.598

95,86

40 - 120 qm

11 599

100

3 084

26,59

8.515

73,41

120 und mehr qm

1 298

100

1 081

83,28

217

16,72

Frauen

Insgesamt

7.832

100

2.506

32,00

5.326

68,00

unter 40 qm

633

100

28

4,42

605

95,58

40 - 120 qm

6.486

100

1.874

28,89

4.612

71,11

120 und mehr qm

713

100

604

84,71

109

15,29

Männer

Insgesamt

6732

100

1.728

25,67

5.004

74,33

unter 40 qm

1.034

100

41

3,97

993

96,03

40 - 120 qm

5.113

100

1.210

23,67

3.903

76,33

120 und mehr qm

585

100

477

81,54

108

18,46

Quelle: Statistisches Bundesamt, FS 5 Heft 1 Wohnen und Bauen, Mikrozensuszusatzerhebung Bestand
und Struktur der Wohneinheiten, Wohnsituation der Haushalte, Tabelle 21, S.256, Tabelle 23, S.280ff.;
eigene Berechnungen

Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass die überwältigende Mehrzahl (ca. 11,6 Millionen) der 14,564 Millionen "Alleinlebenden", die mit der Zusatzerhebung erfasst wurden, in Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 40 und 120 qm leben. Es leben fast so viele "Alleinlebende" in Wohnungen mit 120 und mehr Quadratmetern (ca. 1,3 Millionen) als in Wohnungen unter 40 Quadratmetern (ca. 1,7 Millionen). Außerdem leben weit mehr Männer in Wohnungen unter 40 Quadratmetern (ca. 1 Million) als Frauen (633.000).

Auch ansonsten ist der Artikel wenig erhellend, denn weder sind  Alleinreisende identisch mit Alleinlebenden (Einpersonenhaushalte), noch sind Alleinesser nur unter den Alleinlebenden zu finden. Möglicherweise kaufen viel mehr Paare oder Familien Single-Packungen, weil in unserer "Kühlschrankkultur" (Jean-Claude KAUFMANN) jeder zu unterschiedlichen Zeiten isst und das eine Haushaltsmitglied lieber eine vegetarische Pizza bevorzugt und das andere nicht.

Und was ist mit den Paaren mit zwei getrennten Wohnungen? Deren Lebensstil ist u. U. wesentlich teurer als jener der "klassischen Singles".

Als Fazit bleibt: Allein die Haushaltsgröße ist nicht unbedingt der entscheidende Faktor bei den Lebenshaltungskosten, weil sich hinter den Alleinlebenden wie sie durch die amtliche Statistik erfasst werden, nicht unbedingt tatsächlich Alleinlebende verbergen. Die Zusatzerhebung zur Wohnsituation bezieht sich z.B. lediglich auf Einpersonenhaushalte und nicht auf Alleinlebende im Sinne des Lebensformenkonzeptes, das zwar bereits mit dem Mikrozensus 1996 eingeführt wurde, aber erst ab seit dem Mikrozensus 2005 den Standard darstellt. Aber immer noch gibt es Ausnahmen von dieser Regel (Ausführlich hierzu z.B. Andrea LENGERER 2011, S.19ff.).

RÖSSEL, Jörg & Michael HÖLSCHER (2012): Lebensstile und Wohnstandortwahl,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 2, Juni, S.303-327

"In der Lebensstilforschung und verschiedenen Disziplinen der Raumforschung wird die These vertreten, dass Lebensstile relevant für Entscheidungen in unterschiedlichen Verhaltensbereichen, insbesondere aber im Feld der Auswahl von Wohnungen und Wohnstandorten sind. Die empirische Befundlage zu dieser Behauptung ist allerdings ausgesprochen uneinheitlich. Um die Bedingungen für die Relevanz von lebensstilbasierten Präferenzen für die Wohnungs- und Wohnstandortwahl zu präzisieren, knüpft dieser Aufsatz an ein einfaches entscheidungstheoretisches Modell an, das sowohl in der Stadtsoziologie wie auch in der Lebensstilforschung Verwendung gefunden hat. Darauf aufbauend wird eine empirische Studie auf der Basis einer Quartiersbefragung in Leipzig präsentiert, die den Einfluss von Lebensstilen auf die Wohnungs- und Wohnstandortwahl unter Bedingungen und in einem Kontext prüft, die eine besonders große Relevanz von Lebensstilen erwarten lassen. Insgesamt zeigen aber die Ergebnisse, dass lebensstilbasierte Präferenzen selbst unter diesen Bedingungen nur eine beschränkte Erklärungskraft aufweisen, während die Ressourcenausstattung von Personen und ihre Lebensform für Wohnentscheidungen von deutlicher größerer Relevanz sind", berichten RÖSSEL & HOELSCHER.

BEMBENEK, Janina (2012): Erstwohnsitz ist weniger wert.
Hochschule: Zugezogene Studenten bekommen ab dem neuen Semester weniger Begrüßungsgeld. Das Land Berlin folgt damit einem Bundestrend,
in:
TAZ Berlin v. 14.07.

HUNZIKER, Christian (2012): Kleine Wohnungen braucht die Hauptstadt.
Immobilien: In Berlin wohnen immer mehr Menschen allein. Apartments sind deshalb sehr begehrt,
in:
Tagesspiegel v. 14.07.

Alleinlebende werden gerne für den angespannten Wohnungsmarkt bzw. die Gentrifizierung in Städten verantwortlich gemacht. Yuppies, Hipster oder die kinderlose alleinlebende Karrierefrau sind die dazu gehörigen Feindbilder.

Die aktuelle Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes zu Alleinlebenden in Deutschland befasst sich auf nicht einmal 2 Seiten mit dem Thema. Es wird jedoch auf die Zusatzerhebung zum Mikrozensus 2010 Bestand und Struktur der Wohneinheiten verwiesen. Die Tabellen sollen "Auskunft über Eigenschaften des Haushalts" geben. Tatsächlich geben sie keinerlei relevante Auskunft bezüglich der entscheidenden Fragen, nämlich wer jene Alleinlebenden sind, die für die negativen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt verantwortlich sein sollen.

Die Tabellen werden bei den Alleinlebenden jedoch weder nach Alter oder Familienstand untergliedert. Dies wäre die Mindestvoraussetzung, um zu klären, ob in den großen Wohnungen, die Alleinlebende den Familien wegnehmen, nicht in erster Linie Yuppies, Hipster oder kinderlose alleinlebende Karrierefrauen wohnen, sondern z.B. alleinlebende Eltern, deren Ehemänner/Ehefrauen/Partner gestorben sind bzw. alleinlebende Geschiedene, die gerade verlassen wurden und vorübergehend in der nun zu großen Paar-/Familienwohnung, leben.

Solange diese Daten nicht zur Verfügung stehen, wird weiterhin nur spekuliert werden können. HUNZIKER kommt in seinem - im Vergleich zu anderen Medienberichten - informativen Artikel über den Wohnungsmarkt in Berlin zum Ergebnis:

"nach den Zahlen des Statistischen Amtes ist das Verhältnis zwischen Wohnungs- und Haushaltsgrößen in Berlin einigermaßen ausgeglichen: 51 Prozent aller Berliner Wohnungen weisen zwischen einem und drei Räume auf und sind somit singlegerecht. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Statistiker die Küche als Wohnraum mitzählen; eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Definition der Statistiker entspricht also im allgemeinen Sprachgebrauch einer Zwei-Zimmer-Wohnung."

FREIBERGER, Harald/GIESEN, Christoph/SLAVIK, Angelika (2012): Wahnsinn Immobilie.
Die Deutschen haben Angst um ihr Geld. Sie ziehen es von Bankkonten ab und kaufen den Wohnungsmarkt leer. Luxusbauten schießen aus dem Boden, in den Metropolen können sich die Makler vor Anfragen kaum retten. Es geht den meisten um Sicherheit. Doch einige werden dabei verlieren,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.07.

WENK, Cathérine (2012): Singles sind auf dem Vormarsch.
Immer mehr Mönchengladbacher leben allein. Doch wie gestaltet sich das Solo-Dasein in der Stadt, und welche Angebote gibt es?
in:
Westdeutsche Zeitung v. 30.07.

"»30 bis 40 Prozent unserer Wohnungen sind Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, werden also von einer Person bewohnt. Etwa 20 Prozent davon sind reine Single-Wohnungen«, sagt Carsten Jansen von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Kreisbau. Die Nachfrage nach Wohnungen für einen einzelnen Mönchengladbacher habe zugenommen. »Da ist ein deutlicher Trend erkennbar“ sagt Jansen.«",

zitiert WENK einen Pressesprecher des Unternehmens Kreisbau AG. Auf der Webseite der Kreisbau AG lässt sich nachlesen, dass diese Wohnbaugesellschaft lediglich 2.100 Wohnungen betreut. In Mönchengladbach gibt es über 128.000 Haushalte. Suggeriert wird in Medienberichten, dass Haushalte identisch wären mit Wohnungen, was nicht der Fall ist, sondern lediglich als Obergrenze anzusehen ist. Denn eine Wohnung kann mehrere Haushalte beherbergen.

Was unterscheidet eigentlich noch Journalismus von Public Relation? Die magere Story über Singles ist eigentlich nichts anderes als eine Werbeanzeige für Volkshochschulkurse mit der Zielgruppe "Single". Dazu gibt es ein paar Daten zu Einpersonenhaushalten in Mönchengladbach, die keinen besonderen Rechercheaufwand erfordern:

"2011 lebten 55 482 Gladbacher in einem 1-Personen-Haushalt, das entspricht 43 Prozent aller Haushalte der Stadt (insgesamt 128 830). 26 728 Männer und 28 754 Frauen wohnten allein. Hinzu kommen noch einmal 1008 alleinerziehende Väter und 6 419 alleinerziehende Mütter."

Im Gegensatz zur aktuellen Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes über Alleinlebende in Deutschland, handelt es sich hier nur um Zahlen über Einpersonenhaushalte, also nicht nur um Hauptwohnsitze, sondern auch um Nebenwohnsitze von meist zusammenlebenden Berufspendlern bzw. Auszubildenden oder Schülern/Studierenden. Ohne die Gesamtzahl der Bevölkerung in Haushalten, lässt sich nicht einmal der Anteil der "Alleinlebenden" errechnen. Auf der Webseite der Stadt Mönchengladbach wird die Einwohnerzahl für das Jahr 2011 mit 261.027 angegeben. Damit liegt der Anteil von Einpersonenhaushalten in Mönchengladbach mit ca. 21 % ziemlich genau im Bundesdurchschnitt. Angaben zur Altersverteilung der Alleinlebenden fehlen ganz, wodurch die restlichen Angaben einen Großteil der Aussagekraft verlieren.

NEON-Titelgeschichte: Besser wohnen!
Günstiger mieten, wilder feiern, gemütlicher schlafen: 40 Tipps für das Leben zu Hause

NEON (2012): Wohn, wenn nicht jetzt!
Ob provisorisch als Zwischenmieter, günstig in der WG, alleine oder mit dem Partner: Jede Lebensphase hat ihre Wohnform. Und jede hat was für sich. 40 Tipps zum Einrichten, Nichtvereinsamen und Sichwohlfühlen,
in: Neon,
August

SANDBICHLER, Rebecca (2012): Bloss kein Laminat.
Uwe Linke weiß, was die Einrichtung über die Bewohner aussagt,
in: Neon,
August

KÜPPER, Mechtild (2012): Vertreibung aus dem Mieterparadies.
Gentrifizierung: In Berlin haben Rentner eine Villa besetzt. Sie protestieren damit gegen die Mietpreise in der Hauptstadt. Steigen die Kosten im einstiegen Mieterparadies weiter, können sich Geringverdiener bald keine Wohnung mehr leisten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.08.

MÜHLAUER, Alexander (2012): Stadt, Land, Frust.
Debatte um Wohnungsbau,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.08.

MÜHLAUER sorgt sich um bezahlbaren Wohnraum in den deutschen Metropolen:

"In den Innenstädten entstehen Lofts und Townhouses für eine urbane Klientel, die viel Geld fürs Wohnen ausgeben kann. Die »Renaissance der Stadt«, wie Immobilienmakler so schön sagen, dient vor allem den Wohlhabenden. Sozial Schwache bleiben ausgeschlossen - sie werden an den Stadtrand oder aufs Land gedrängt."

MÜHLAUER beklagt das Fehlen eines staatlich geförderten Wohnungsbaus und sieht auch im Bau von Hochhäusern kein Tabu. Ziel ist eine stimmige soziale Mischung. Der Stadtsoziologe Andrej HOLM hat dagegen gezeigt, dass die Gentrifizierung der Innenstädte in den letzten Jahren gerade im Namen einer gesunden sozialen Mischung vorangetrieben worden ist.

DETTERER, Gabriele (2012): Häuser für Singles.
Mehr Ästhetik und Komfort: Für unverheiratete Berufstätige brachten erst die Ledigenheime der klassischen Moderne eine Verbesserung der Wohnsituation. Im Rückblick erweist sich diese Wohnform als Zwischenschritt auf dem Weg zum Single-Apartment der Gegenwart,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.08.

Gabriele DETTERER spannt den Bogen von der Wohnsituation der Singles in den 1920er Jahre zur heutigen Situation, in der die Verwirklichung von Wohnwünschen der Alleinlebenden auf einen angespannten Wohnungsmarkt trifft:

"Eine grosse Rolle für die subjektiv wahrgenommene Lebenssituation spielt die Erfüllung des Bedürfnisses nach qualitativem Wohnraum. Doch Wohnvorstellungen zu verwirklichen, stösst auf eine Barriere: das knappe Angebot auf dem Wohnungsmarkt der Metropolen und steigende Miet- und Immobilienpreise, die sich nur eine Minderheit Alleinlebender leisten können. Promotet wird von der privaten Bauwirtschaft das Modell des Einpersonen-Hauses. Mikrohäuser können jedoch nur in geringer Zahl realisiert werden (...). Die Aufgliederung von Wohnanlagen in unterschiedliche Wohnungsgrössen und das Wohnen von Singles Tür an Tür mit Familien bleibt so neben vereinzelten Wohngemeinschaften die verbreitete Lösung. Die Antwort auf teuren Baugrund in Gestalt zellenartiger Einpersonen-Apartments wäre ein unerwünschter Rückgriff auf historische Formen der Absonderung Alleinlebender (...). Und doch scheint dieser Rückschritt vor allem in den boomenden »global cities« unumgänglich."

SZOPA, Lukasz (2012): Ich - Gentrifizierer.
Gentrifizierung: Die Schuld der Wohnungsbaupolitik und Immobilienhaie hin oder her – auch ich bin ein Gentrifizierer,
in: Freitag v. 23.08.

"Zwar wurde auch ich, seit ich 2001 nach Berlin gekommen war, innerhalb der Stadt mehr als einmal »verdrängt«: Indem eine bisherige Wohnung zu teuer / zu schlecht / zu klein wurde, und ich nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Alternative fand. So – wenn ich mir die Einwohnerstruktur unseres ganzen Hauses hier ansehe – ging es der Mehrheit der »Neuzugänge«. Nach dem Muster: irgendwann als junger Single nach Berlin, danach Beziehung (ergo: man sucht sich was Größeres, muss umziehen), danach Kinder (man muss erneut umziehen). Viele meiner Nachbarn hätten auch gerne (weiterhin) im nahen Kreuzberg gewohnt – doch als die Familie größer wurde, fand man dort keine bezahlbare und geeignete Wohnung. Auch wenn sich die Einkommensverhältnisse dieser Menschen nicht verschlechtert hatten. Und so wurde man in bisher »unentdeckte«, weniger bekannte und »hippe« Bezirke und Kieze »verdrängt« – wie in unser Alt-Treptow. Gleichzeitig hat man zum Teil die hiesigen »Ureinwohner« nolens volens »verdrängt«. Man war immer bereit, eine höhere Miete zu zahlen als sie.

Klar, man kann die Schuld der verfehlten Wohnungsbaupolitik der Stadt und/oder den Immobilienhaien wie den Finanzinvestoren in die Schuhe schieben,"

meint Lukasz SZOPA politisch korrekt. SZOPA nennt Lebenszykluseffekte als Ursache für Gentrifizierung:

"irgendwann als junger Single nach Berlin, danach Beziehung (ergo: man sucht sich was Größeres, muss umziehen), danach Kinder (man muss erneut umziehen)."

Lebenszykluseffekte sind jedoch weitreichender: Man trennt sich und der eine Partner bleibt in der zu großen Wohnung, weil sie billig ist im Vergleich zu anderen Wohnungen in der gleichen Lage. Die Kinder ziehen aus oder der Partner stirbt, und man bleibt in der zu großen Wohnung. Ökonomen wie Tobias JUST nennen das Remanenzeffekt und er trägt in besonderem Maße zur Wohnraumnachfrage bei:

"In späteren Jahren innerhalb des Lebenszyklus eines Haushalts kommt es (...) kaum noch zu einer Reduktion des Flächenkonsums, selbst wenn die Kinder den Haushalt verlassen und das Haushaltseinkommen durch den Renteneintritt sinkt (Remanenzeffekt). (...). Diese Gründe haben dazu geführt, dass z.B. Haushalte des Jahrgangs 1928 bei der letzten vorliegenden Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1998 mit 70 Jahren auf nahezu derselben Wohnfläche lebten wie zwanzig Jahre zuvor mit 50 Jahren." (2003, S.9)

Diese Effekte der Verknappung von Wohnraum werden politisch korrekt ausgeblendet. In der stadtpolitischen Gentrifizierungsdebatte kommen sie nur in einer ganz bestimmten Weise in den Blick, denn solange Menschen in zu großen Wohnungen bleiben, ist die Welt politisch in Ordnung. Sobald diese Menschen aber ausziehen, können sie als Opfer der Gentrifizierung ("Verdrängte") in den Blick kommen.

POLLMER, Cornelius (2012): Meins, deins, seins.
Diesmal ist es keine Kifferutopie: Statt Besitz anzuhäufen, nutzen moderne junge Menschen ihre Habe gemeinsam. Es war ja auch noch nie so einfach. Ein Loblied auf das Teilen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.08.

"In den Neunzigern gab es (...) diesen Werbespot von der Sparkasse: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Eine Hymne auf das Eigentum (...). Wenn man sich als junger, halbwegs urbaner Mensch heute diesen Spot anschaut, dann hat man ein paar Fragen. Was will ich mit einem Haus in X, wenn mein Partner in Y wohnt und mein Arbeitgeber mich bald nach Z schickt?" fragt sich POLLMER.

WENDEROTH, Andreas (2012): In der Kampfzone.
Lieber heiraten als zusammenziehen. Warum es Paaren mitunter so schwer fällt, die Wohnung zu teilen. Ein Erfahrungsbericht,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 08.09.

GRAWE, Simone (2012): Wohnkonzept für Singles und Senioren.
Bebauungsplan für Wohnpark: Bad Laer geht neue Wege,
in: Neue Osnabrücker Zeitung Online v. 17.09.

BOLDT, Martin (2012): Ein Supermarkt für Singles.
Angesicht der steigenden Zahl an Single-Haushalten macht es Sinn, auch Einkäufe an den Bedürfnissen von Einzelpersonen auszurichten. Dabei muss es nicht immer Mikrowellen-Essen oder Fast Food sein
in: Kölner Stadt-Anzeiger Online v. 11.10.

STÖLB, Marcus (2012): Nur an den Wochenenden daheim.
Multilokal wohnen: Berufliche Mobilität hat ihren Preis. So sind viele Menschen auf eine Zweitwohnung angewiesen. Das macht sich auch auf dem Immobilienmarkt bemerkbar,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.10.

FREY, Eric (2012): Neue Lebensformen zwischen Distanz und Nähe.
Die Single-Gesellschaft braucht neue Wohnmodelle und findet sie immer öfter in WGs. Dort geht es nicht mehr um Ideologie, sondern um ökonomischen und sozialen Nutzen,
in: Der Standard v. 24.10.

STÖLB, Marcus (2012): Immer mehr sind allein zu Haus.
In Deutschland leben rund 16 Millionen Menschen alleine. Worunter die einen leiden, wissen andere durchaus zu schätzen. Denn eine eigene Wohnung bedeutet auch Freiraum,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.11.

KULLMANN, Katja (2012): Wohnen heißt bleiben.
Von der Würde der Städte am Beispiel Hamburg,
in: DeutschlandRadio v. 09.12

2013

VOLGMANN, Thomas (2013): Mecklenburg-Vorpommern allein zu Haus.
Singles im Trend,
in:
Schweriner Volkszeitung Online v. 11.01.

Thomas VOLGMANN präsentiert uns ein Wirrwarr an Daten, das der normale Leser unmöglich durchschauen kann:

"Bereits 41 Prozent aller Wohnungen werden nur noch von einer Person bewohnt. Singles stellen damit die häufigste Haushaltsgröße im Land. (...). Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern. Der Anteil der Singlehaushalte ist in den Stadtstaaten (...) am höchsten. Unter den Flächenländern gibt es die höchste Quote in Sachsen mit 23 Prozent. Dann folgt bereits Mecklenburg-Vorpommern mit 21 Prozent."

Was denn nun? 41 oder 21 Prozent Einpersonenhaushalte in Mecklenburg-Vorpommern?

VOLGMANN bringt den Anteil der Einpersonenhaushalte an den Haushalten (41 %) mit Alleinwohnenden (unbekannt, da nicht erhoben und in einer Wohnung mehrere Einpersonenhaushalte existieren können, z.B. bei Wohngemeinschaften) und Alleinlebenden (21 %) durcheinander. Singles, d.h. Partnerlose, leben zwar oftmals allein, sind aber nicht nicht identisch mit Alleinlebenden, weil auch Paare ohne gemeinsamen Haushalt (z.B. Menschen mit Fernbeziehungen) als Alleinlebende gezählt werden.

Das Statistische Bundesamt hat zwar 2005 das Lebensformenkonzept - und damit kosmetische Veränderungen am Haushaltskonzept - eingeführt, Paare ohne gemeinsamen Haushalt werden jedoch weiterhin als Singles stigmatisiert und die Lebenswirklichkeit in unserer neuen Klassengesellschaft ignoriert. Beispielhaft für diese Sichtweise steht der französische Soziologe Jean-Claude KAUFMANN, der in diesem Zusammenhang von Quasi-Paaren spricht.

Im Begriffskonzept des Einpersonenhaushalts werden Haushaltsform, Wohnform und Beziehungsform zusammengedacht, während in modernen Gesellschaften alle drei Dimensionen unabhängig von einander gedacht werden müssen. Bei dem Konzept des Einpersonenhaushalts handelt es sich somit lediglich um eine veraltete Ideologie, die immer weniger der Lebenswirklichkeit in einer globalisierten Welt entspricht.

NEON-Titelgeschichte: Neue Wohnung, neues Glück!
Wann der richtige Zeitpunkt ist, um zusammenzuziehen - und wie die Liebe aufregend bleibt

REINHARDT, Nora (2013): Willst du mit mir wohnen?
Die gemeinsame Wohnung ist ein großer Schritt in jeder Beziehung. Zehn Autoren erzählen, wie sie das Zusammenziehen mit dem Partner verändert hat,
in: Neon,
März

ECKARDT, Ann-Kathrin (2013): "60 Mails über Nacht".
Maklerin Anke Dietz verrät, wie man trotzdem eine Wohnung ergattert,
in: Neon,
März

JUNGLE WORLD-Thema: Miete macht mobil.
Wie Wohnen zum Horror wird

TWICKEL, Christoph (2013): Wohnst du noch?
Warum es immer schwieriger wird, zu wohnen, und was dagegen getan werden müsste,
in: Jungle World Nr.10 v. 07.03.

KABISCH, Jörn (2013): Die Mitess-Zentrale.
Teilen: Zehn Eier in Augsburg, Toastbrot in Hannover: Neue Initiativen im Netz wollen Essen verteilen - bevor es im Kühlschrank vergammelt,
in: TAZ v. 09.03.

"Blickt man in die Supermärkte, dann wollen wir von unserem Essen immer weniger abgeben. Die Verpackungsgrößen schrumpfen, und längst werden nicht nur in Single-Haushalten Einmann-Pakete gegessen, sondern auch in Familien oder WGs.
Sich seine eigenen Ernährungsgewohnheiten zu leisten, das ist möglich, und die Freiheit nehmen sich viele. Das Bild von der gesellschaftlichen Tafel hält sich nur noch medial. Der amerikanische Essayist und Kulturwissenschaftler Geoff Nicholson hat jüngst herausgefunden, dass amerikanische TV-Serien umso stärker das Bild der Familie am Küchentisch transportieren, je weniger das noch der Realität entspricht", berichtet Jörn KABISCH.

MÜHL, Melanie (2013): Heimatlos in den eigenen vier Wänden.
Mobilität und Wohnen: Du sollst nicht bleiben! So lautet das erste Gebot unserer auf Mobilität fixierten Gesellschaft. Jetzt erreicht es unsere Wohnzimmer. Der Trend geht vom Zuhause zum flexiblen Zwischenlager,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.03.

BAUMEISTER, Klaus (2013): In 53 Prozent der münsterischen Haushalte lebt jeweils ein Mensch.
Die Zahl der Haushalte in Münster nimmt deutlich zu, zugleich gibt es aber auch grundlegende Veränderungen in der Struktur: immer mehr Single-Wohnungen, immer weniger Haushalte mit vier oder mehr Personen,
in:
Westfälische Nachrichten Online v. 01.05.

Wie lügt man mit Statistik? Das demonstriert BAUMEISTER:

"Von 2008 bis 2012 stieg die Zahl der Haushalte im Stadtgebiet von 147 323 auf 160 654. Mit anderen Worten: Innerhalb von nur vier Jahren wurden 13 331 zusätzliche Klingelschilder zwischen Gelmer und Amelsbüren, Handorf und Albachten angebracht."

Verschwiegen wird dagegen, dass der Großteil der Erhöhung durch eine Änderung der Erhebungsmodalitäten verursacht wurde. In der PDF-Datei Haushalte in Münster, Stand Dezember 2012, wird mitgeteilt, dass die Ergebnisse bis 2010 auf einer Fortschreibung der Volkszählung 1987 beruhen, während ab 2011 das Melderegister ausgewertet wird. Die rasante Steigerung der Haushaltszahlen von 150 878 auf 160 291 fiel auf die Jahre 2010/2011 - ist also größtenteils der Umstellung der Statistik  geschuldet und nicht dem Anbringen zusätzlicher Klingelschilder.

Der Anstieg der Einpersonenhaushalte ist zwar vorhanden, aber er hat größtenteils andere Ursachen als von BAUMEISTER beschrieben: die falsche Fortschreibung der Bevölkerungsentwicklung in Münster.

Der Anstieg der Einpersonenhaushalte hat sich im Gegenteil sogar abgeschwächt:  Während es 2008/2009 einen Anstieg um 1.153 Einpersonenhaushalte gab, lag der Anstieg 2011/2012 nur bei 193 Einpersonenhaushalten. Mehr zur Problematik in Sachen Einpersonenhaushalte hier.

KEIL, Frank (2013): "Nach Gentrification hat man sich gesehnt!"
Ein Dokumentarist nicht bloß des Hamburger Schanzenviertels: der Fotograf Thomas Henning über Wohnungssuche in den 70er-Jahren, die Halbwertzeit von Promi-Bildern - und wie ihn einst ein Bär zum Fotografieren brachte,
in:
TAZ Nord v. 06.07.

SCHERFF, Dyrk (2013): Warum wird Wohnen so teuer?
Vielerorts steigen die Mieten gewaltig. Denn alle zieht es in die Städte. Jetzt winkt die Politik mit Preisbremsen. Ob das was hilft?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online
v. 05.08.

Dyrk SCHERFF berichtet, dass Mietpreissteigerungen kein flächendeckendes Problem sind, sondern vorwiegend von attraktiven Städten und dort seien auch nur bestimmte Viertel betroffen besonders betroffen.

Der demografische Wandel macht sich dabei nicht bemerkbar. Im Gegensatz zu den älteren Menschen, die es (noch) nicht verstärkt in die Großstädte zieht, ziehen weniger junge Familien ins Umland als früher.

"Ein Grund für den Anstieg (Anm.: der Mietpreise) ist die wachsende Zahl der Singles. Das bedeutet mehr Bedarf für kleine Wohnungen",

schreibt SCHERFF ohne das näher zu erläutern. Ein weiterer Grund seien steigende Ansprüche, z.B. altersgerechte Wohnungen für Rentner. Während diese Gründe nur die Nachfrageseite betreffen, bestimmt aber auch das fehlende Angebot die Mietpreise. So wurden jahrelang zu wenig günstige Wohnungen gebaut. Hinzu kommt die Angst vor der Inflation und die damit verbundene Flucht ins so genannte "Betongold". Entspannung auf dem städtischen Wohnungsmarkt soll zukünftig der Rückgang der Erstsemesterzahlen (ab 2016), der Rückgang der Haushaltszahlen (ab 2025) und der Rückgang der Zuwanderung bringen. Dann greife auch die Ankurbelung des Wohnungsbaus und die Schaffung von Bauland in Innenstädten durch Nachverdichtung. Politische Lösungen wären auch die Erhöhung des Wohngeldes, Senkung der Grundsteuer und Änderungen der Vorgaben bei der energetischen Sanierung.

MEYER, Rainer (2013): Das Ministerium für Singles, Sex und gute Stimmung.
Nur Prüde hoffen auf den Klapperstorch und alte Familienideale: Wer in Deutschland Kinder will, braucht ein effektives Singlemanagement mit Förderprogrammen, die beim Menschen und seinem Unterleib ansetzen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online
v. 05.08.

"inzwischen ist das Singledasein auf dem Weg, die Norm zu werden, wohingegen die klassische Familie, aus der wir im bayerischen Westviertel alle zu stammen die Ehre haben, auf dem Rückzug ist; momentan herrscht Gleichstand, aber die Familie verliert",

behauptet Rainer MEYER, der sich hochtrabend Don Alphonso nennt. Der Mann kann unmöglich in Deutschland leben. Denn hierzulande leben nicht einmal 20 % der Bevölkerung allein und Single, also partnerlos, sind schätzungsweise 10 % der Bevölkerung (genau weiß das höchstens der Geheimdienst). Dagegen lebt der Rest in einer Partnerschaft bzw. Familie - wenn auch nicht unbedingt in einer klassischen.

Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung lebt immer noch in einer Familie, was die Medienleute als Interpreten unserer  amtlichen Haushaltsstatistik allzu gerne verschleiern.

Aber scheinbarer Nonkonformismus ("wir aufrechte Minderheit der Familienmenschen"), der nichts als biedermeierlicher Mainstream ist, war schon immer ein Privileg unserer medialen Elite.

Die Familie auf dem Rückzug? Das verkündet inzwischen nicht einmal mehr unser Institut für Familienbewahrung, besser bekannt als Institut für Bevölkerungsforschung.

Es dürfte aber wohl noch gut 10 Jahre dauern, bis das auch ins bayerische Hinterland nach München vordringt...

"Wenn in meiner Altersstufe Singles in teuren Grossstädten dauerhaft zusammenfinden, werden sie vermutlich nicht jeder für sich 120 Quadratmeter in der Stadt und 60 in den bevorzugten Seelagen behalten, sondern eher eine ordentliche Villa kaufen, und damit sind dann wieder 240 Quadratmeter in den übervölkerten Städten frei",

meint unser Fazler, der lieber die Grafik des Monats unseres Instituts für Familienbewahrung studieren sollte:

"»Die steigende Lebenserwartung und die verbesserte gesundheitliche Verfassung tragen dazu bei, dass Senioren immer länger in der Wohnung bleiben, in der einst die ganze Familie gelebt hat«, erklärt Dr. Christian Fiedler vom BiB. Hochbetagte Frauen haben deshalb mit fast 70 m² die größte Wohnfläche zur Verfügung."

Dass ältere, alleinlebende Witwen durchschnittlich die größte Wohnfläche zur Verfügung haben, das konnte man bislang fast nur auf dieser Website und auf single-generation.de lesen (mehr hier). Welche Lügen dagegen Hinterwäldler aus München verbreiten, dazu ein Beispiel hier.

HENRICHS, Ina (2013): "Das Wohnungsangebot reicht nicht".
Single-Haushalte: So viele Menschen wie noch nie wohnen alleine. Gerade in Köln ist die Zahl der Single-Haushalte in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Warum man sich mit Lösungen sputen muss, erklärt Stadtentwickler Franz-Josef Höing im Interview,
in:
Kölner Stadt-Anzeiger v. 23.08.

"Herr Höing, die Hälfte der Kölner Haushalte sind Einpersonenhaushalte. Wie ausschlaggebend ist die Zahl für die Wohnungsknappheit?"

will die Journalistin wissen, aber der Stadtentwickler antwortet ausweichend:

"Franz-Josef Höing: Wir beobachten verschiedene Phänomene: Erstens erhöht sich die beanspruchte Quadratmeterzahl pro Einwohner, zweitens wollen die Menschen heute nicht nur in der Stadt bleiben, sondern es kommen noch welche hinzu. Wir rechnen mit 50.000 zusätzlichen Einwohnern bis 2030. Zudem steigt die Zahl der Einpersonen-Haushalte. Die Nachfrage ist enorm, das Angebot reicht nicht und die Preise steigen. Wir müssen uns mit Lösungen sputen. Ich bin allerdings überrascht, dass alle darüber überrascht sind. Es deutete sich schon vor Jahren an, dass die großen deutschen Städte zunehmend Probleme bekommen."

Die Wohnungsknappheit ist u. a. durch doppelte Abi-Jahrgänge, die ins Studium drängen, verursacht. Das ist kein Problem, das vom Himmel gefallen ist, sondern die Folge einer Bildungspolitik.

KÖLNER STADT-ANZEIGER-MAGAZIN-Titelgeschichte: Zieht zusammen!
So viele Menschen wie noch nie wohnen alleine. Ein Plädoyer für ein Leben in der Gemeinschaft. Weil's gut tut: uns, der Umwelt und dem Geldbeutel

HENRICHS, Ina & Caroline KRON (2013): Weniger allein.
In Deutschland wohnt jeder Fünfte für sich. Wir sagen, warum es sich lohnt, gemeinsam zu leben. Befragen Experten und lassen Menschen erzählen, die sich schon getraut haben,
in:
Magazin am Wochenende des Kölner Stadt-Anzeiger v. 24.08.

Man könnte erwarten, dass die Journalistinnen mit Zahlen aufwarten. Es werden aber lediglich Zahlen zu Alleinlebenden in Deutschland präsentiert, die noch dazu aus dem Jahr 2011 stammen. 

Zum zweiten fehlt ein Hinweis darauf, dass viele der Alleinlebenden weder partnerlos sind, noch allein wohnen (WGs werden z.B. überwiegend als Alleinlebende geführt, weil sie allein wirtschaften). Die Zahl der Alleinlebenden sagt also noch nichts über die Zahl der Alleinwohnenden aus, um die es ja geht, wenn das Thema auf die Wohnungsnot in Köln reduziert wird (Punkt 1-3: Dem Stadtfrieden zuliebe; Gegen die Wohnungsknappheit; Für den Mietspiegel).

Als Experten werden uns lediglich der Stadtsoziologe Walter SIEBEL und Jürgen BECHER, Geschäftsführer des Kölner Mietervereins, präsentiert.

Das Problem der steigenden Anzahl von Einpersonenhaushalten wird als Individualisierung (Emanzipation, Selbstverwirklichung) gedeutet, obwohl oftmals nur Mobilitätszwang dahinter steckt. Mit Hartz IV wurde dieser Zwang sogar in ein Gesetz gegossen. Doch darüber wird lieber geschwiegen. Einfacher ist es die Alleinlebenden als Sündenböcken zu präsentieren, statt eine verfehlte Politik anzuprangern.

"Es gebe viele Menschen, die nach dem Tod des Partners in einem viel zu großen Wohnung weiterleben. Nicht weil sie dort unbedingt bleiben wollten, sondern weil ein Umzug in eine kleinere Wohnung teurer wäre",

heißt es. Ist das etwa ein individuell zu lösendes Problem, wie der Appell "Zieht zusammen!" suggeriert, oder haben wir es mit dem Versagen der Wohnungspolitik zu tun? Für Witwen wird das Wohnen im Mehrgenerationenhaus angepriesen. Gäbe es überhaupt die nötige Anzahl für die Kölner Witwen oder gibt es nur ein paar Vorzeigeobjekte, die vertuschen sollen, dass dieses Problem so gar nicht zu lösen ist? Zudem möchten viele alte Menschen ihr gewohntes soziales Umfeld nicht aufgeben. So klagt z.B. die Witwe im Mehrgenerationenhaus:

"Ich bin hierher gezogen, um nicht anonym leben zu müssen. Ich kann aber an einer Hand abzählen, wann wir wirklich miteinander reden. Alte und Junge kommen irgendwie nicht zusammen."

Wer aufgrund des Mobilitätszwangs z. B. bei Studenten, Hartz-IV-Empfängern oder Berufsanfängern einen eigenen Haushalt führen muss, dem nützt es nichts, dass man ihm vorrechnet, dass er hohe Lebenshaltungskosten hat (Punkt 4, 6, 7: Für weniger Energiekosten; Für die Umwelt; Fürs Portemonnaie). Wie wäre es stattdessen die Vereinbarkeit von Beruf/Studium und Partnerschaft auf die politische Agenda zu setzen?

Ganz perfide: Punkt 5 Gegen die Armut! Sind Alleinlebende von Armut betroffen, weil sie alleine leben wollen oder weil das Alleinleben z.B. die Konsequenz kritischer Lebensereignisse ist,  wie z.B. Scheidung, vom Partner verlassen werden, dem Tod des Partners oder des Verlusts des Arbeitsplatzes usw.?

Und wie steht es mit der Gesundheit? Es werden dänische Studienergebnisse präsentiert, obwohl es von Land zu Land Unterschiede gibt. Außerdem können Alleinlebende auch eine befriedigende Partnerschaft führen - ohne gemeinsamen Haushalt. Die älteren Alleinlebenden werden als Risikogruppe präsentiert, obwohl gerade das Alleinleben der Älteren zurückgegangen ist.    

Der 10. Punkt trifft sowieso nur für die paar dauerhaften Alleinlebenden im mittleren Erwachsenenalter zu. Und wer Deutschland für eine Single-Gesellschaft hält, der lebt sozusagen noch hinter dem Mond. Der Anstieg der Einpersonenhaushalte ist in erster Linie der Zunahme von Phasen des Alleinlebens zuzuschreiben. Diese sind die Konsequenz des zunehmenden Mobilitätszwangs und des Prinzips der seriellen Monogamie unserer paarorientierten Gesellschaft.

Alles in allem also eine miserabel recherchierte Titelgeschichte, die eher daraus resultiert, dass man die üblichen Stereotypen, die in den Medien zirkulieren, unreflektiert wiedergekäut hat.

Alleinlebende werden als Sündenböcke präsentiert, obwohl die Wohnungsnot in erster Linie gesellschaftliche Ursachen hat: den Mobilitätszwang, die schlechte Vereinbarkeit von Studium/Beruf und Partnerschaft, doppelte Abiturjahrgänge und eine Wohnungspolitik, die die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mitberücksichtigt.

UNSLEBER, Steffi (2013): Das kleine Rädchen rennt und rennt.
Rechnung: Wenn man als Single so viel Strom verbraucht wie eine Kleinfamilie, braucht man dringend professionelle Hilfe,
in: TAZ
v. 31.08.

"Der Kölner Energieversorger »RheinEnergie« geht davon aus, dass ein Einpersonenhaushalt im Jahresdurchschnitt 1730 kWh (ca. 400 Euro) verbraucht",

schreiben HENRICHS & KRON in ihrem Plädoyer fürs Zusammenziehen unter dem Punkt Für weniger Energiekosten.

"Ein halbes Jahr habe ich in meiner Wohnung gewohnt, dann kam ein Brief meines Stromanbieters: Ich möge bitte 300 Euro nachzahlen. Und man möchte mir mitteilen, dass mein künftiger Abschlag auf 100 Euro pro Monat erhöht würde. Ich wohne alleine.
Andere Menschen in ähnlichen Umständen zahlen für ihren Strom 30 Euro im Monat",

schreibt die Journalistin UNSLEBER über die Stromkosten für ihre 60 qm Single-Wohnung.

"Heute leben Singles laut Angaben des Statistischen Bundesamts im Durchschnitt auf 40 Quadratmetern,"

schreiben HENRICHS & KRON. Demnach würde UNSLEBER in einer überdurchschnittlich große Wohnung leben. Die Zahl von 40 qm pro Singles geistert seit einer DApd-Meldung aus dem Sommer 2012 fälschlicherweise durch die Gazetten dieser Republik. Tatsächlich liegt der Durchschnitt für Alleinlebende bei 70 qm, wobei Frauen im Vergleich mit Männern und Ältere im Vergleich mit Jüngeren größere Wohnungen haben.

Statt Alleinlebende unter Generalverdacht der Energieverschwendung zu stellen wie HENRICHS & KRON, wären Fallgeschichten wie jene von UNSLEBER sinnvoller, die zeigen, dass offenbar manche Singles (wie auch Personen in Mehrpersonenhaushalten) ziemlich unbedarft in Sachen Energieverbrauch sind.

Leider gibt es keine Singleforschung in Deutschland, die diesen Namen verdient, denn sonst wäre es schon längst möglich - jenseits von dummen Verallgemeinerungen wie bei HENRICHS & KRON - Genaueres zu den Lebensverhältnissen der Alleinlebenden zu sagen. Statt anzuerkennen, dass viele Alleinlebende durch Mobilitätszwang oder Partnerlosigkeit gar keine Alternative zum Alleinleben haben (wobei WGs statistisch als Alleinleben erfasst wird), wird in Deutschland lediglich moralisiert.

Ruft man den StromCheck der Verbraucherzentrale im Internet auf, so kann man lediglich die Zahl der Haushaltsmitglieder variieren. Für einen Einpersonenhaushalt sind 1700 kWh als durchschnittlich angegeben. Der optimale Energieverbrauch wird mit 1020 kWh angegeben. Bleibt man unter diesem Energieverbrauch, so erhält man als Ergebnis des StromChecks:

"Sie haben einen geringen Stromverbrauch. Das bedeutet, dass Sie weniger Strom verbrauchen als vergleichbare Haushalte. Einsparpotenziale sind nicht erkennbar."

Ein StromCheck, der aber lediglich die Haushaltsgröße abfragt, ist Unfug. Die Einpersonenhaushalte unterscheiden sich gravierend danach, welche Haushaltsgeräte sich in der Wohnung befinden. Wer z.B. kein TV-Gerät, PC, Waschmaschine usw. besitzt (bzw. nicht regelmäßig gebraucht) und den angeblich optimalen Stromverbrauch erreicht, der kann sehr wohl viel Energie einsparen. Mein eigener Stromverbrauch als Alleinlebender lag  z.B. zwischen 300 und 1100 kWh pro Jahr. Ein sinnvoller StromCheck müsste also zumindest die im Haushalt üblichen Haushaltsgeräte und ihre durchschnittlichen Verbrauchszahlen variieren.

BAUMGÄRTEL, Tilman (2013): Van Bo Le-Mentzel will die Miete abschaffen.
Mobiles Wohnen: Das 10-Quadratmeter-Haus des Schöpfers der Hartz-IV-Möbel kann bei den Citizen Art Days besichtigt werden,
in: TAZ Berlin v. 27.09.

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 29. September 2013
Update: 08. März 2017