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Bella DePaulo: Singled out

 
 
     
 
     
 
   

Bella DePaulo in ihrer eigenen Schreibe

 
       
   

DePAULO, Bella (2006): Newsweek Is Still Wrong,
in: The Huffington Post v. 11.06.

Die Psychologin Bella DePAULO kritisiert die neue Titelgeschichte des Nachrichtenmagazins Newsweek zum "Marriage Crunch":

"Newsweek wants to know why they were so wrong. I have a different question: Why did it matter? Even if the original statistics had been true, why should that have been a cause for trauma or hysteria? At my age (52), the chances that I will ever be a butcher, a baker, or a candlestick maker are surely less than 2.6%, but that awareness does not send me scurrying fretfully into the offices of a therapist. The myth about low marital odds can have the power to incite panic only if it is co-dependent on a second myth that is even more pernicious -- that life as a single person is shameful and sad."

HERTEL, Janine/SCHÜTZ, Astrid/DePAULO, Bella M./MORRIS, Wendy L./STUCKE, Tanja S. (2007): She's Single, so what?
How are singles perceived compared with people who are married?
In: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, S.139-158

Die Autorinnen befassen sich mit der Wahrnehmung von Singles im Vergleich mit Verheirateten:

"In den vergangenen Jahrzehnten haben sich klassische Beziehungsmuster geändert. Neben der traditionellen Ehe finden sich heute nichteheliche Lebensgemeinschaften, Paare, die getrennte Haushalte führen (LATs) und gleichgeschlechtliche Paare. Daneben wurden Singles zu einer viel diskutierten Gruppe. In Anbetracht der Vielzahl an Lebensformen könnte man annehmen, dass negativ geprägte Stereotype gegenüber Singles zurückgegangen sind. Unsere Studie zeigt allerdings, dass noch immer verheiratete Personen positiver beurteilt werden als Singles. Beispielsweise werden Singles als einsamer, weniger einfühlsam und weniger fürsorglich eingeschätzt. Es zeigt sich aber auch eine tendenzielle Aufweichung des negativen Stereotyps: (jungen) Singles werden einige positive Eigenschaften zugeschrieben. Hierbei moderieren Merkmale der bewertenden Person die Einschätzung. Vor allem jüngere Frauen und ältere Singles haben ein relativ positives Bild von Singles und beurteilen sie im Vergleich zu verheirateten Personen als geselliger und weltgewandter." (2007, S.139)

 
 
   

Bella DePaulo: Gespräche und Porträts

 
       
   

WILSON, Robin (2004): Single Professors, Isolated in the Coupled World of Academe,
in: The Chronicle of Higher Education v. 22.04.

MILLER, Lisa (2005): Society's singles feel left out, discriminated against,
in: Times Leader v. 30.10.

STRAUS, Jillian (2006): Lone Stars: Being Single.
The hard demographic fact that you will likely spend most of your life on your own is reshaping singlehood into a satisfying destination rather than an anxiety-ridden way station. Welcome to the richly diversified world of today's singles,
in: Psychology Today Magazine, Mai/Juni

 
       
   

Bella DePaulo in den Medien

 
       
   

ECONOMIST (2012): The attraction of solitude.
Living alone is on the rise all over the world. Is this bad news?
in: Economist v. 23.08.

"The term »single« lumps all unmarrieds into one basket, making it hard to distinguish between true loners and those who cohabit out of wedlock or live with friends or family. Even those who live alone are not necessarily solitary",

werfen Kritiker wie Eric KLINENBERG oder Bella DePAULO jenen vor, die Unverheiratete und Alleinlebende mit Einsamen, sozial Isolierten oder Partnerlosen gleichsetzen.

Neu:
BRECH, Sarah Maria & Fanny JIMÉNEZ (2017): Du, du, nur du allein.
Gesellschaft: Singles sind einsam, traurig und krank. Davon sind ihre besten Freunde noch immer überzeugt. Nur: Es stimmt nicht. Neue Studien zeigen, dass Frauen immer glücklicher werden, je länger sie allein leben,
in:
Welt am Sonntag kompakt v. 15.01.

Wenn Fakten nicht mehr heilig sind, bewirbt die Springer Presse den Medienkongress 2017. Leider sind der WamS kompakt die Fakten längst nicht mehr heilig. Vor allem, wenn es um so genannte Singles geht, werden uns besonders gerne Lügenmärchen erzählt.

"DePaulo gilt als eine der weltweit bedeutendsten Experten mit mehr als 100 Veröffentlichungen zu diesem Thema. In den USA ist die Zahl der Singles in den vergangenen Jahrzehnten rasant angestiegen, hat sie herausgefunden. Waren es 1970 noch 28 Prozent, gaben 2014 schon 45 Prozent an, keinen Partner zu haben",

behaupten BRECH & JIMÉNEZ. Die Zahlen sind zum einen dreist abgeschrieben aus der amerikanischen Zeitschrift New York Magazine. Dort heißt es:

"In 1970, there were 38 million single people in the U.S., and they made up just 28 percent of the population. In 2014, there were 107 million and they comprised 45 percent of the population."
(The New Science of Single People von Jesse Singal)

Aus "single people" machten die Autorinnen "partnerlos". Der Begriff Single wird im Amerikanischen jedoch genauso wie im Deutschen in vielen Varianten benutzt. Die Zahlen hat nicht etwa Bella DePAULO herausgefunden, wie uns die Journalistinnen weismachen wollen, sondern sie stammen vom US-amerikanischen Statistikamt. Auf deren Website heißt es nämlich:

"107 million
Number of unmarried people in America 18 and older in 2014. This group made up 45 percent of all U.S. residents 18 and older. Source: America’s Families and Living Arrangements: 2014, Table A1"

Der Begriff "unmarried" steht nicht für partnerlos, sondern für unverheiratet. Dies zeigt, dass Journalisten auch in den selbst ernannten Qualitätszeitungen Fakten nicht heilig sind. Oder warum wird aus dem Familienstand unverheiratet die Partnerlosigkeit, obwohl beides ganz unterschiedliche Lebensformen darstellen?

"In Deutschland ist der Trend ähnlich. Dem Soziologen Jan Eckhard zufolge ist die Zahl der Singles in den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent gestiegen. 1993 gaben 23 Prozent an, partnerlos zu sein, 2014 waren es 35 Prozent",

heißt es bei BRECH & JIMÉNEZ. Auch das ist dreist abgeschrieben, diesmal  bei der Spiegel-Titelgeschichte im Oktober. Dort heißt es:

"Nach Auswertungen des Heidelberger Soziologen Jan Eckhard ist die Zahl der Singles in den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent gestiegen. Waren 1993 noch 23 Prozent der Deutschen ohne festen Partner, gaben 2014 35 Prozent der Befragten an, in keiner festen Beziehung zu leben. Eckhards Quelle ist das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), die größte sozialwissenschaftliche Langzeitstudie in Deutschland."

Weder ist die Altersgruppe unmissverständlich angegeben, weil kurz zuvor im Spiegel-Bericht noch von 25-35-Jährigen gesprochen wird, noch geht eindeutig hervor, ob es um partnerlose Deutsche oder um Partnerlose in Deutschland geht - beides wäre möglich und nicht dasselbe (mehr auch hier). Der SOEP kann zumindest Partnerlose von Paaren unterscheiden im Gegensatz zu vielen anderen Forschungsdesigns.

Nimmt man wissenschaftliche Aufsätze von Jan ECKHARD zur Hand, dann wird dort von Bindungsquoten gesprochen, weil es hier nicht um dauerhafte Partnerlosigkeit, sondern um die Dauerhaftigkeit von Partnerschaften geht. Außerdem werden vom SOEP nur Partnerschaften erfasst, die länger als ein Jahr dauern, d.h. es ist eine Frage der Definition inwiefern vom Anstieg der Partnerlosigkeit gesprochen werden kann. Veränderungen gibt es in erster Linie bei der Beziehungsstabilität.

"SOEP und Familiensurvey, die kurzfristige Beziehungen unter-erfassen, zeigen übereinstimmend einen Anstieg der Partnerlosigkeit in Deutschland seit Beginn der 1990er Jahre. So dokumentiert das SOEP für die deutsche Bevölkerung zwischen 18 und 60 Jahren ein Absinken der allgemeinen Bindungsquote von 82 Prozent im Jahr 1993 auf 75 Prozent im Jahr 2009 (Eckhard 2015: 50)"
(2016, S.82),

schreiben Jan ECKHARD und Thomas KLEIN in ihrem Aufsatz Partnerlosigkeit in Deutschland und im internationalen Vergleich aus dem Jahr 2016. Die Autoren betrachten jedoch nur den Zeitraum 1993 - 2009 und kommen hier für die 18- bis 60-Jährigen der deutschen Bevölkerung auf eine Zunahme der Partnerlosigkeit (definiert als Bindungslosigkeitsquote) von 18 auf 25 Prozent. Die Frage nach der Zunahme der Partnerlosigkeit ist in erster Linie eine Normative, wie die Autoren nach einem Vergleich verschiedener Datensätze zeigen:

"Im Ergebnis erfordert die Frage nach der Entwicklung der Partnerlosigkeit eine differenzierte Antwort: Versteht man unter Partnerbindung das Vorhandensein einer gewissen Stabilität der Paarbeziehung, dann ist eindeutig ein Rückgang der Partnerbindung und somit ein Anstieg der Partnerlosigkeit zu konstatieren. Geht man hingegen von einer Definition aus, die unter Partnerbindung auch sehr kurze Beziehungserfahrungen und instabile Verhältnisse subsumiert, so ist von einer weitgehenden Konstanz der Bindungs- bzw. Partnerlosigkeitsquoten zu sprechen."
(2016, S.382)

BRECH & JIMÉNEZ suggerieren uns aber sogar einen Trend, der darauf basiert, dass die USA uns Deutschen immer einen Schritt voraus sind, aber sie vergleichen Äpfel (Unverheiratetsein) mit Birnen (Partnerlosigkeit). Denn wenn man die Zahl der Unverheirateten nimmt, was die Journalistinnen ja für die USA getan haben, dann ist Deutschland den USA weit voraus, denn bei uns sind nicht nur 45 % der Bevölkerung unverheiratet, sondern 2014 waren es nach dem Statistischen Jahrbuch 2016 fast 56 % (vgl. Tabelle 2.1.12, S.33). Die kulturellen Unterschiede werden von den Journalistinnen also beim Single-Dasein ausgeblendet, weshalb sich die Befunde von DePAULO keineswegs einfach auf Deutschland übertragen lassen. Bei uns ist das Unverheiratetsein wesentlich unproblematischer als in den USA, dagegen fokussiert sich die Stigmatisierung in Deutschland auf die Dimensionen Partnerlosigkeit und Kinderlosigkeit.

Der Artikel ist auch ansonsten wenig aussagekräftig, da von Singles gesprochen wird, ohne dass klar wird, wer jeweils gemeint ist: Unverheiratete, Alleinlebende, Paare ohne gemeinsamen Haushalt oder Partnerlose. Dies sind verschiedene Lebensformen, deren Leben sich durchaus ganz unterschiedlich gestalten kann.

"Weil ein genauerer Blick auf Singles überfällig war, stieg Bella DePaulo tief ein in die 19.582 Studien zu Partnerschaften und 501 Studien zu Singles, die sie für den Zeitraum zwischen 2000 und 2015 fand. 814 davon blieben übrig, die sie sinnvoll auswerten konnte: (...).
Je genauer die Wissenschaftlerin aber hinsah, desto mehr grundsätzliche methodische Fehler entdeckte sie. Da wurden zum Beispiel regelmäßig 20-Jährige Singles und 40-jährige Geschiedene zusammen in eine Gruppe gesteckt und mit den verheirateten Paaren verglichen. So rechnete man die gescheiterten Paare aus der Paarstatistik heraus und schob sie den Singles zu",

schreiben die Journalistinnen, als ob das uns Lesern einen Erkenntnisgewinn bringen würde. Offenbar wissen die Journalistinnen nicht, über was sie schreiben. Ihr einziges Fallbeispiel ist eine alleinwohnende 57-jährige Frau, die als Heilpraktikerin in einer Großstadt mit ca. 300.000 Einwohnern lebt und deren letzte Partnerschaft vor 11 Jahren endete. Ist diese Frau überhaupt repräsentativ für Partnerlosigkeit in Deutschland oder soll sie nur ein - gar nicht so neues Stereotyp bestätigen? Soziologen sehen das Problem der Partnerlosigkeit in erster Linie bei jungen Männern. Auch Witwen und weniger Witwer haben (noch) großen Anteil an der Partnerlosigkeit in Deutschland. Die kinder- und partnerlose Karrierefrau ist zwar in den Medien sehr präsent, weil dort diese Spezies auch weit verbreitet ist - gesamtgesellschaftlich spielt sie dagegen eher keine große Rolle.

"Es gab so gut wie keine Studien, die Singles im Zentrum ihres Interesses stellten. Meist waren sie nur zu einem Zweck interessant: Als Kontrollgruppe, als Folie, gegen die man die Paarbeziehungen stellen konnte",

schreiben BRECH & JIMÉNEZ. Das vernachlässigt die Tatsache, dass Singlestudien meist politisch motiviert sind - insbesondere in Deutschland bevölkerungs- und sozialpolitisch. Ihr Negativimage rührt in erster Linie daher, dass sie als Sündenbock herhalten müssen. Ihnen wird die Schuld an der Wohnungsnot, dem Aussterben der Deutschen, den Umweltproblemen usw. zugeschrieben. Da der Singlebegriff so dehnbar ist, wurde schon von Single-Gesellschaft gesprochen, andererseits sind Singles immer die anderen.

 
 
 

Singled out.
How Singles are Stereotyped, Stigmatized, and Ignored, and Still Live Happily Ever After
(erscheint voraussichtlich im November 2006)

St. Martin's Press

 
     
 

Das Buch in den Medien

"Das neue Selbstbewusstsein der Single-Fraktion betrifft vor allem Frauen und beruht auf Fakten: Immer mehr Single-Frauen in den USA kaufen sich Häuser oder Wohnungen. Die Immobilienwerbung hat sich eingestellt auf Käuferinnen mit dem Lebensmotto: Gärtnern ja, Ehemann nein. Im November erscheint die von der Psychologin Bella DePaulo verfasste, schon jetzt heftig diskutierte Streitschrift zum Trend. Ihr Titel, frei übersetzt: Wie Singles stereotypisiert, stigmatisiert und ignoriert werden und weshalb sie dennoch glücklich sind."
(Spiegel Nr.21 v. 22.06.2006)

 
     
 
 

Das Buch in der Debatte

SPIEGEL (2006): Singles im Vormarsch,
in: Spiegel Nr.21 v. 22.05.
       
   

Bella DePaulo im WWW

www.belladepaulo.com
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 13. Februar 2004
Stand: 16. Januar 2017