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Albert O. Hirschman: Die Rhetorik der Reaktion

 
 
   
  • Kurzbiographie

    • 1915 in Berlin geboren
    • 1970 Buch "Exit, Voice and Loyality"
      (deutsch: "Abwanderung und Widerspruch")
    • 1977 Buch "The Passions and the Interests"
      (deutsch: "Leidenschaften und Interesse")
    • 1982 Buch "Shifting Involvements"
      (deutsch: "Engagement und Enttäuschung")
    • 1991 Buch "The Rhetoric of Reaction"
      (deutsch: "Denken gegen die Zukunft")
    • emeritierter Professor am Lehrstuhl für Sozialwissenschaften am Institute for Adavanced Study (Princeton)
    • 2012 gestorben
 
 
     
 
 

Nachrufe auf Albert O. Hirschman

 
       
 

CAMMANN, Alexander (2012): Der Glaube an den Zweifel.
Zum Tod des großen Soziologen und Volkswirts Albert O. Hirschman,
in: Die ZEIT Nr.52

 
     
 

Albert O. Hirschman in seiner eigenen Schreibe

 
       
 

HIRSCHMAN, Albert O. & Ulrich STRUVE (1992): Abwanderung, Widerspruch und das Schicksal der Deutschen Demokratischen Republik.
Ein Essay zur konzeptuellen Geschichte,
in: Leviathan H.3, S.330-358

 
     
   

Albert O. Hirschman: Porträt und Werkschau

 
       
 

NITSCH, Manfred & Philipp Lepenies (2000): Albert O. Hirschman (1915-).
Ungleichgewichtiges Wachstum - und die Neigung zur Selbstsubversion,
in: Entwicklung und Zusammenarbeit Nr.1, Januar, S.19-21

LEPENIES, Wolf (2004): Ein mutiger Mann mit vielen Eigenschaften.
Nach Varian Fry, dem Retter zahlloser Emigranten, sollte Berlin auch seinen engsten Mitarbeiter Albert Hirschman ehren,
in: Welt v. 22.06.

Neu:
KAUBE, Jürgen (2005): So muß es kommen - oder ganz anders.
Aus der Schule der taktischen Improvisionen: Zum neunzigsten Geburtstag von Albert O. Hirschman, dem Moralisten unter den politischen Ökonomen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.

Infos zu: Jürgen Kaube - Autor der Single-Generation
 
       
 

Denken gegen die Zukunft (1992).
Die Rhetorik der Reaktion
München: Hanser
(1995 als Fischer-Taschenbuch erschienen)

   
     
 

Klappentext

"Anschaulich und präzise deckt der international angesehene Wirtschaftstheoretiker Albert O. Hirschman die drei Grundfiguren reaktionären Argumentierens gestern und heute auf. Die erste besagt, daß jeder Versuch, bestimmte Gegebenheiten zu verbessern, nur die Lage verschlimmere. Die zweite These beharrt darauf, daß jede Veränderung vergeblich sei und am Lauf der Geschichte nichts ändern könne. Das dritte Argument schließlich unterstellt, daß eine Veränderung zwar wünschenswert, aber leider unbezahlbar sei. Hirschman überzeugt davon, daß nur ein beständiger Kommunikationsprozeß diese Form des Argumentierens überwinden kann."

Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel: Zweihundert Jahre reaktionäre Rhetorik

Drei Reaktionen und drei reaktionäre Thesen
Der Begriff "Reaktion"

2. Kapitel: Die Sinnverkehrungsthese

Die Französische Revolution und die Verkündung des Sinnverkehrungseffekts
Das allgemeine Wahlrecht und die vorgebliche Verkehrung seines Sinns
Das Armenrecht und der Wohlfahrtsstaat
Überlegungen zur Sinnverkehrungsthese

3. Kapitel: Die Vergeblichkeitsthese

Kritische Fragen nach dem Ausmaß der durch die Französische Revolution bewirkten Veränderungen: Tocqueville
Kritische Fragen zum Umfang der Veränderungen, die das allgemeine Wahlrecht bewirkt hat: Mosca und Pareto
Kritische Fragen zum Umfang, in dem der Wohlfahrtsstaat seine Leistungen bei den Armen "an den Mann" bringt
Überlegungen zur Vergeblichkeitsthese

4. Kapitel: Die Gefährdungsthese

Die Demokratie als Bedrohung der Freiheit
Der Wohlfahrtsstaat als Bedrohung für Freiheit und Demokratie
Überlegungen zur Gefährdungsthese

5. Kapitel: Die drei Thesen im Vergleich und im Zusammenhang

Ein synoptisches Schaubild
Die Wirkung der Thesen im Vergleich
Wechselwirkungen der einfachen Art
Eine komplizierte Wechselwirkung

6. Kapitel: Von der reaktionären zur progressiven Rhetorik

Die synergetische Illusion und die Gefährdungsthese
"Mit der Geschichte im Bunde..."
Gegenstücke zur Sinnverkehrungsthese

7. Kapitel: Jenseits der Unversöhnlichkeit

Eine Kehrtwende im Denken?
Wie der Meinungsstreit in der Demokratie nicht ausgetragen werden sollte

Zitate aus dem Fischer Taschenbuch:

Lampedusa und die Vergeblichkeitsthese

"Giuseppe di Lampedusas bekanntes Paradoxon aus seinem Roman Der Leopard (1959): »Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, dann muß alles sich ändern.« Konservative und Revolutionäre - besonders letztere - haben diesen Aphorismus über die Gesellschaft Siziliens als Motto und Leitmotiv von Untersuchungen verwendet, in denen der Fehlschlag oder die Nutzlosigkeit von Reformen, besonders in Lateinamerika, nachgewiesen wird." (S.52)

"Lampedusa, Großmeister der Strategie des sozialen Immobilismus, prophezeit gegen Ende seines Romans, auf die Unbeweglichkeit werde zwangsläufig der Abstieg folgen: »Später einmal wird es anders sein, aber schlimmer. Wir waren die Leoparden, die Löwen. Auf uns werden die kleinen Schakale, die Hyänen folgen.«" (S.67)

Stimmen zum Buch

Die neuen Reaktionäre und der Sozialstaat

"Wie Hirschman (1992) gezeigt hat, breitete sich eine vielfältige »Rhetorik der Reaktion« aus und beklagte die paradoxe »Entsozialisierung des Sozialstaats« - man sprach von Kosten, die er verursacht, von den Lasten, die er zu tragen hat, und von den Ungerechtigkeiten, die er produziert -, eine Rhetorik, die fast auf allen Seiten des politischen Spektrums zu hören war. (...). Obwohl diese politisch-moralische Kritik am Sozialstaat auf jeweils ganz unterschiedlichen Voraussetzungen beruhte, ist eine gewisse »Familienähnlichkeit« zwischen den kritischen Positionen unverkennbar. Die Argumente von Libertären aus dem linken wie rechten Lager, Fortschrittsbefürwortern und Menschenrechtsaktivisten, Verfechtern von Bürgerrechten und Anwälten einer Stärkung von Basisinitiativen stimmten insbesondere darin überein, dass sie die Subjekte, die regiert werden sollten, in neuer Weise definierten. Menschen, die es zu regieren galt - Männer wie Frauen, Reiche und Arme -, wurden nunmehr als Individuen begriffen, die selbst einen aktiven Part bei diesem ihrem Regiertwerden zu übernehmen hatten. Ihre Mitverantwortung wurde nicht länger als ein Verhältnis gesehen, das Bürger und Gesellschaft einander verpflichtet und das durch Vermittlung des Staates umgesetzt und geregelt wird, sondern als ein Verhältnis, durch das Einzelne denen gegenüber gebunden und verantwortlich ist, die ihm am nächsten stehen und deren Schicksal er teilt."
(aus: Nikolas Rose "Tod des Sozialen", 2000, S.77f.)

Pressestimmen

"Fallstudie politischer Rhetorik (...). Sie war aber auch der Versuch, einem sozialdemokratischen Reformimpuls durch Analyse seiner Verächter die Manövrierfähigkeit zu sichern."
(Jürgen Kaube in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 07.04.2005)

 
     
 
 
       
 

Abwanderung und Widerspruch (1974).
Reaktion auf Leistungsabfall bei Unternehmungen, Organisation und Staaten
Tübingen: Mohr
(2004 unveränderter Nachdruck)

 
 
     
 

Stimmen zum Buch

"Sein berühmtestes Werk Exit, Voice and Loyalty (1970) analysiert die komplexen Reaktionen auf Leistungsversagen bei Unternehmen und Staaten: Abwanderung und Widerspruch. 1990 konnte er dann am Wissenschaftskolleg in seiner Geburtsstadt die zwanzig Jahre alten Thesen angesichts der Revolution in der DDR überprüfen – und gestand problemlos seine Irrtümer ein: Abwanderung der Unzufriedenen kann Protest durchaus befeuern, nicht etwa nur schwächen."
(Alexander Cammann in der ZEIT Nr.52/2012)

 
     
 
     
   

Albert O. Hirschman in der Debatte

RITTER, Claudia (1997): Lebensstile und Politik. Zivilisierung - Politisierung - Vergleichgültigung, Opladen: Leske + Budrich

Kritik an der Zyklentheorie von "Engagement und Enttäuschung".

ROSE, Nikolas (2000): Tod des Sozialen? Eine Neubestimmung der Grenzen des Regierens. In: Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann und Thomas Lemke (Hg.) Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen, Frankfurt a/M: Suhrkamp, S.72-109

KREUDER, Thomas (2003): Kein Kalkül,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.12.

 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
 
   

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Update: 08. März 2017