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Arthur E. Imhof: Von der schlechten alten Zwangsgemeinschaft zum guten neuen Single

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1939 geboren
    • 1988 Buch "Reife des Lebens"
    • Professor für Sozialgeschichte an der Freien Universität Berlin
 
       
     
       
   

Arthur E. Imhof in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

IMHOF, Arthur E. (1986): Individualismus und Lebenserwartung in Japan.
Japans Interesse an uns,
in: Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft, 14, S.361-391

Sawako Ariyoshi - Das Altersbeben in Japan und das Dilemma der berufstätigen Frau

Neu:
IMHOF, Arthur E. (1994): Von der schlechten alten Zwangsgemeinschaft zum guten neuen Single?
In: Gerd
Grözinger (Hg.) Das Single. Gesellschaftliche Folgen eines Trends, Opladen: Leske und Budrich, S.17-24

 
       
   

Arthur E. Imhof im Gespräch

 
       
   

PLATEN, Heide (1992): Das Älterwerden verschlafen.
Arthur E. Imhof, Prof. für Sozialgeschichte und historische Demographie an der FU Berlin, zur veränderten Altersstruktur und zur Verantwortung von Singles gegenüber der Gesellschaft,
in: TAZ v. 25.05.

 
       
       
   

Reife des Lebens (1988).
Gedanken eines Historikers zum längeren Dasein
München:
C. H. Beck

 
   
     
 

Klappentext

"Niemals in der Geschichte und nirgendwo sonst in der Welt konnten und können so viele Menschen mit einer so langen Lebenszeit rechnen wie wir heute in Europa. Sind wir uns dessen bewußt? Oder leben wir immer noch mit der Mentalität von gestern? Und wie könnte ein reifes Leben aussehen, das das Bewußtsein der langen Lebenszeit in sich aufnimmt?"

Zitate:

Wider die Verherrlichung der traditionalen Gemeinschaften

"Ich beklage die allenthalben sichtbar werdende Auflösung der überkommenen traditionellen Gemeinschaftsformen nicht. Ich nehme sie als Historiker zur Kenntnis und versuche, die Entwicklung aus meiner Sicht zu erklären. Man kann die alten Gemeinschaften nicht zurückfordern, ohne nicht gleichzeitig auch die alten Umstände, die zu jener Form des Zusammenlebens geführt hatten, wieder einzurichten. Doch wer möchte schon die Lebensunsicherheit unserer Vorfahren zurückhaben und wieder »Pest, Hunger und Krieg« um sich sehen, nur um dadurch die Voraussetzungen für »Gemeinschaft« auferstehen zu lassen? Es wird hier auch klar, daß wir keine Veranlassung haben, nostalgisch auf jene Gemeinschaften zurückzublicken. Sie waren erzwungene Gemeinschaften. Insofern könnten wir die Zeit unserer Vorfahren als »Zeit der schlechten alten Gemeinschaften« bezeichnen." (1988, S.146)

Die guten, freiwilligen Gemeinschaften und die Annehmlichkeiten der Dienstleistungsgesellschaft

"Die heutige Zeit langfristiger Gemeinschaften - soweit es diese gibt - ist (...) die »Zeit der guten, freiwilligen Gemeinschaften«.
Auch ich gehöre zu den Personen, die als Einzelgänger durchs Leben gehen. Wirtschaftlich kann ich mir dies ohne weiteres leisten. Ich (über-) lebe sogar ganz gut. Dies fängt bei der täglichen Haushaltsführung an. Sie ist heute auch von einem Mann mit voller Berufsausübung problemlos nebenbei zu leisten und wirkt mehr als Abwechslung denn als Arbeit. Beim Einkaufen stehen je nach Wunsch Tiefkühlkost oder frische Delikatessen aus der ganzen Welt zur Auswahl. Zuhause gibt es den Kühlschrank und die Tiefkühltruhe, den programmierbaren Mikrowellenherd und die ebenso programmierbare Waschmaschine mit Flauschtrockner, den Staubsauger, die Spülmaschine. Außerdem stellt mir die marktorientierte arbeitsteilige Gesellschaft jede Art von Dienstleistung zur Verfügung, die ich laufend oder auch nur ab und zu benötige oder die ich - in welcher Ausnahmesituation auch immer - jemals benötigen könnte. Für die Fahrt rasch irgendwohin zu jeder Tages- oder Nachtstunde gibt es die Funktaxizentrale, für die Party den Partyservice, für die defekte Waschmaschine den Reparaturdienst, für die Wohnungs- oder Treppenhausreinigung Putzkolonnen, für die Bettwäsche und as Bügeln Wäschereien, für den Umzug Umzugsfirmen, für die Blinddarmoperation chirurgische (Privat-)Kliniken mit bester Betreuung. Wozu also bräuchte ich hierzu eine Familie oder irgendwelche andere Form von langfristiger Gemeinschaft?
(...).
Ich bin überall nur sehr kurzfristig, nur auf Zeit »engagiert«, nämlich nur gerade dann, wenn und solange ich die jeweilige Dienstleistung tatsächlich benötige. Und auch dann brauche ich mich nicht mit meiner ganzen Person zu engagieren. Nicht meine »Persönlichkeit« ist hier gefragt. Ich bin einzig als Vertragspartner von Interesse, der das in Frage stehende Dienstleistungsangebot kaufen und bezahlen kann. - Sollte sich trotzdem irgendwann einmal eine unvorhergesehene Lücke ergeben, springt der Sozialstaat ein. (...). Solange ich mich an die Spielregeln halte, werde ich nicht auf der Straße sterben und auch nicht verhungern oder erfrieren." (1988, S.146f.)

Die Wahlfreiheit und der Preis des Alleinlebens in der Dienstleistungsgesellschaft

"Die geschichtlich gesehen erstmalige und somit einzigartige Möglichkeit, ohne jede Zwangszugehörigkeit zu einer »schlechten alten Gemeinschaft« durchs Leben zu gehen, wirkt heutzutage auf viele Menschen attraktiv. Sie gibt ihnen die Chance, sich »selbst zu verwirklichen«, das heißt jene Dinge konzentriert zu betreiben, die sie interessieren. Einen Punkt möchte ich hier jedoch mit allem Nachdruck unterstreichen. Auch wenn diese nunmehr leicht zu realisierende Form des Alleinlebens für mich ebenfalls attraktiver ist als jede andere denkbare Art und ich sie deshalb bewußt gewählt habe, heißt das nicht, daß ich deswegen allein auf der Welt wäre. Einzelgänger sind zwar nicht per Vertrag in einen Gemeinschaft eingebunden. Sie haben keine gerichtlich einklagbaren Verpflichtungen für andere übernommen. Dennoch tragen auch sie Verantwortung für ihre Mitmenschen. So wie andere für sie Dienstleistungen erbringen, ohne deren Inanspruchnahme sie als einzelne gar nicht existieren könnten, so haben auch sie für andere da zu sein." (1988, S.147)      

Die Singles und ihre gemeinschaftsbezogene Aufgabe

"Singles sind keine Sunny Boys und Sunny Girls. Sie sind auch nicht die maßlos egoistischen Hedonisten, als die man sie gelegentlich hinstellt. Was sich bei ihnen geändert hat, ist einzig, daß sie nicht länger gezwungen sind, sich zwecks Überlebens einer Gemeinschaft einzufügen und unterzuordnen. Aufgrund der möglich gewordenen Freisetzung von engen gegenseitigen Gemeinschaftsverpflichtungen in Familie, Ehe, Partnerschaft, auf dem Hof, im Geschäft usw. können und sollen sie Pflichten anderer Art wahrnehmen. Wer wüßte zum Beispiel nicht, daß es auch hierzulande nach wie vor Menschen gibt, die auf die Hilfe Anderer angewiesen sind, Alleinerziehende etwa oder Behinderte, hilfs- und pflegebedürftige ältere und alte Menschen und andere mehr? Vor allem gibt es jede Menge Aufgaben außerhalb unserer privilegierten Ersten Welt.
(...)
Von der schlechten alten Zwangsgemeinschaft zum guten neuen Single. Diese Feststellung trifft immer dann zu, wenn Singles (...) zur Übernahme jener Sorte neuer Aufgaben bereit sind, die Nicht-Singles so nicht leisten können."
(aus: Arthur E. Imhof "Von der schlechten alten Zwangsgemeinschaft zum guten neuen Single?", 1994, S.20f.)

 
     
 
       
   

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Arthur E. Imhof im WWW

"Pest, Hunger, Krieg - gute alte Zeit?"
 
       
   

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Update: 08. März 2017