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Carlo Jaeger: Der Wohnflächenverbrauch von Alleinwohnenden

 
       
     
       
     
       
   

Carlo Jaeger in seiner eigenen Schreibe

 
       
   
fehlt noch
 
       
   

Das Dilemma der modernen Stadt (1992).
Theoretische Überlegungen zur Stadtentwicklung - dargestellt am Beispiel Zürich
(zusammen mit Gregor Dürrenberger, Huib Ernste, Franco Furger, Dieter Steiner und Bernhard Truffer

Berlin u.a.: Springer

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I Die Entstehung der modernen Stadt

1 Die Entmischung der Stadt

1.1 Die sichtbare Hand
1.2 Die unsichtbare Hand

2 Privatleben, Öffentlichkeit und Beruf

2.1 Die kulturelle Evolution der Stadt
2.2 Modern Times

Teil II Das Dilemma der modernen Stadt

3 Eine verselbständigte Welt der Arbeit

3.1 Die regionale Wirtschaft
3.2 Der Finanzplatz Zürich

4 Auf dem Weg zum autistischen Wohnen

4.1 Yuppies, Dinkies und Miss Marples
4.2 Die intime Gesellschaft

Teil III Die Zukunft der modernen Stadt

5 Polarisierung oder neue Urbanität?

5.1 Fordismus und Flexible Spezialisierung
5.2 Von der Suburbanisierung zur Entstädterung
5.3 Neue Handlungsspielräume

Das Problem des hohen Wohnflächenverbrauchs der "Single-Haushalte"

1) Es gibt wesentlich mehr ältere allein lebende Witwen als gut verdienende Ledige oder Geschiedene, die einen Einpersonenhaushalt führen 

"Das vielbesprochene Phänomen der Yuppies, von denen plausiblerweise angenommen wird, daß sie beträchtliche Wohnflächen pro Kopf beanspruchen, dürfte in Zürich eine Gruppe von vielleicht 15 000 alleinstehenden, gut verdienenden, jungen Frauen und Männern betreffen; das ist weniger als die Hälfte der Rentnerinnen." (S.76)

2) Die Steigerung des Wohnflächenverbrauchs ist in erster Linie eine Folge der alternden Gesellschaft und erst in zweiter Linie das Produkt einer Wohlstandsteigerung

"Höfliger schätzt für die Stadt Zürich 1979 einen Mittelwert von 46 qm pro Kopf, und es läßt sich abschätzen, daß diese Zahl um 1950 nur etwa halb so groß war. Heute dürfte der Geschoßflächenverbrauch pro Kopf für Wohnen 50 qm überschritten haben. Dieser Anstieg ist allerdings weniger eine Folge gesteigerten Wohlstandes, als vielmehr das Resultat der Überalterung der Stadt Zürich." (S.77f.)

3) Der hohe Wohnflächenverbrauch der Single-Haushalte ist in erster Linie die Konsequenz des Normallebenslaufs und der höheren Lebenserwartung von Frauen

"Der Flächenverbrauch pro Kopf für Wohnungszwecke wird nämlich maßgeblich durch die Haushaltsphase beeinflußt. In der »Jugend«-phase ist heute für 5 bis 10 Jahre der Ein- bzw. Zweipersonenhaushalt üblich, typischerweise in Ein- bis Dreizimmerwohnungen. In der Familienphase zieht man dann meist in eine größere Wohnung um. Nach dem Wegzug der Kinder, also nach ca. 25 Jahren, bleiben die Eltern als Zweipersonenhaushalt in der Familienwohnung zurück. Diese Nachfamilienphase dauert nochmals etwa 25 Jahre. Später, wenn einer der Lebenspartner - in der Regel der Mann - gestorben ist, lebt vielfach die Rentnerin bis zu ihrem Tod oder einem Umzug ins Altersheim noch weitere Jahre in der Wohnung. Die verlängerte Nachfamilienphase hat zur Folge, daß ehemalige Familienwohnungen relativ spät zur Neubelegung werden.
Gabathuler schätzt, daß der geschilderte Haushaltszykluseffekt im Falle von alleinlebenden Betagten 70 bis 90 Quadratmeter pro Person beträgt, während der Wohlstandseffekt - also die Tatsache, daß man sich heute in der Regel größere Wohnungen leisten kann - in der Stadt Zürich durchschnittlich nur etwa 8 bis 30 Quadratmeter pro Kopf an Mehrfläche ausmachen dürfte." (S.78)

 
     
 
       
   

Ein Beitrag von single-generation.de zum Thema

Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland? - Eine Bibliografie der Debatte

 
       
   

Das Wohnflächenproblem in der Debatte

WI (2001): Singles haben mehr Platz als Haushalte mit Kindern,
in: Berliner Zeitung v. 30.06.

CZIMMER-GAUSS, Barbara (2001): Ein Drittel der Stuttgarter Singles ist über 60.
Umzug in kleinere Wohnungen wird selten gewünscht: Senioren möchten "in ihrem Quartier bleiben'',
in: Stuttgarter Nachrichten v. 06.08.

EBERENZ, Mathias (2001): Mehr Platz für Singles.
Wohnungen aus den 50er- und 60er-Jahren sind out bei den Hamburgern. Selbst Singles wollen heute auf 100 Quadratmetern leben,
in: Hamburger Abendblatt v. 24.10.

LAW (2002): Die Immobilienwünsche der Singles.
Immer mehr Alleinlebende in den Großstädten. Und sie haben einen großen Raumbedarf,
in: Welt v. 01.10.

DAPD (2012): Singles leben deutlich teurer als Paare.
Dennoch: Einpersonenhaushalte in Deutschland nehmen zu,
in:
Welt v. 16.07.

"Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts leben zwei Bundesbürger auf durchschnittlich 90 Quadratmetern. (...). Singles wohnen dagegen gerade mal auf bis zu 40 Quadratmetern, müssen sämtliche Ausgaben aber ganz allein bestreiten",

heißt es im Finanzteil der Welt (aber nicht nur da, sondern z.B. auch auf WAZ Online), der wiederum nur eine Meldung der Nachrichtenagentur dapd wiedergibt. In der Broschüre Alleinlebende in Deutschland des Statistischen Bundesamtes steht dagegen:

"Den Einpersonenhaushalten in Deutschland stand im Jahr 2010 durchschnittlich eine Wohnfläche von rund 70 Quadratmetern zur Verfügung. (...). Bezogen auf die Zahl der Personen je Wohneinheit haben die Alleinlebenden allerdings überdurchschnittlich viel Wohnraum. Zum Vergleich: Bei einer durchschnittlichen Wohnungsfläche von 92 Quadratmetern standen jedem Einwohner in Deutschland im Schnitt rund 45 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung."

Es leben also nicht "zwei Bundesbürger auf durchschnittlich 90 Quadratmetern", sondern die durchschnittliche Wohnfläche pro Wohnung beträgt 92 Quadratmeter. Singles müssen deshalb nicht "mit bis zu 40 Quadratmetern" auskommen, sondern Einpersonenhaushalte kommen auf durchschnittlich ca. 70 Quadratmeter. Der ursprüngliche Sinn der Aussage - "Singles" haben mehr Platz als "Zusammenlebende" - wird im Zeitungsartikel sozusagen auf den Kopf gestellt! Danach hätten Zusammenlebende 45 qm pro Person Platz und Alleinlebende nur 40 qm, wobei das "bis zu" in diesem Zusammenhang gar keinen Sinn macht.

Wer es genau wissen will, der findet die Daten in der Zusatzerhebung zum Mikrozensus 2010 Bestand und Struktur der Wohneinheiten.

Tabelle: Wohnfläche von Einpersonenhaushalten (in Tausend) in Deutschland

Insgesamt

%

Eigentümer

%

Hauptmieter

%

Insgesamt

14564

100

4 234

29,07

10.330

70,93

unter 40 qm

1 667

100

69

4,14

1.598

95,86

40 - 120 qm

11 599

100

3 084

26,59

8.515

73,41

120 und mehr qm

1 298

100

1 081

83,28

217

16,72

Frauen

Insgesamt

7.832

100

2.506

32,00

5.326

68,00

unter 40 qm

633

100

28

4,42

605

95,58

40 - 120 qm

6.486

100

1.874

28,89

4.612

71,11

120 und mehr qm

713

100

604

84,71

109

15,29

Männer

Insgesamt

6732

100

1.728

25,67

5.004

74,33

unter 40 qm

1.034

100

41

3,97

993

96,03

40 - 120 qm

5.113

100

1.210

23,67

3.903

76,33

120 und mehr qm

585

100

477

81,54

108

18,46

Quelle: Statistisches Bundesamt, FS 5 Heft 1 Wohnen und Bauen, Mikrozensuszusatzerhebung Bestand und Struktur der Wohneinheiten, Wohnsituation der Haushalte, Tabelle 21, S.256, Tabelle 23, S.280ff.; eigene Berechnungen

Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass die überwältigende Mehrzahl (ca. 11,6 Millionen) der 14,564 Millionen "Alleinlebenden", die mit der Zusatzerhebung erfasst wurden, in Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 40 und 120 qm leben. Es leben fast so viele "Alleinlebende" in Wohnungen mit 120 und mehr Quadratmetern (ca. 1,3 Millionen) als in Wohnungen unter 40 Quadratmetern (ca. 1,7 Millionen). Außerdem leben weit mehr Männer in Wohnungen unter 40 Quadratmetern (ca. 1 Million) als Frauen (633.000).

Auch ansonsten ist der Artikel wenig erhellend, denn weder sind  Alleinreisende identisch mit Alleinlebenden (Einpersonenhaushalte), noch sind Alleinesser nur unter den Alleinlebenden zu finden. Möglicherweise kaufen viel mehr Paare oder Familien Single-Packungen, weil in unserer "Kühlschrankkultur" (Jean-Claude KAUFMANN) jeder zu unterschiedlichen Zeiten isst und das eine Haushaltsmitglied lieber eine vegetarische Pizza bevorzugt und das andere nicht.

Und was ist mit den Paaren mit zwei getrennten Wohnungen? Deren Lebensstil ist u. U. wesentlich teurer als jener der "klassischen Singles".

Als Fazit bleibt: Allein die Haushaltsgröße ist nicht unbedingt der entscheidende Faktor bei den Lebenshaltungskosten, weil sich hinter den Alleinlebenden wie sie durch die amtliche Statistik erfasst werden, nicht unbedingt tatsächlich Alleinlebende verbergen. Die Zusatzerhebung zur Wohnsituation bezieht sich z.B. lediglich auf Einpersonenhaushalte und nicht auf Alleinlebende im Sinne des Lebensformenkonzeptes, das zwar bereits mit dem Mikrozensus 1996 eingeführt wurde, aber erst ab seit dem Mikrozensus 2005 den Standard darstellt. Aber immer noch gibt es Ausnahmen von dieser Regel (Ausführlich hierzu z.B. Andrea LENGERER 2011, S.19ff.).

SZOPA, Lukasz (2012): Ich - Gentrifizierer.
Gentrifizierung: Die Schuld der Wohnungsbaupolitik und Immobilienhaie hin oder her – auch ich bin ein Gentrifizierer,
in: Freitag v. 23.08.

Neu:
MEYER, Rainer (2013): Das Ministerium für Singles, Sex und gute Stimmung.
Nur Prüde hoffen auf den Klapperstorch und alte Familienideale: Wer in Deutschland Kinder will, braucht ein effektives Singlemanagement mit Förderprogrammen, die beim Menschen und seinem Unterleib ansetzen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online
v. 05.08.

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. November 2002
Update: 08. März 2017