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Christiane Schmerl: Lebensplanung ohne Kinder

 
       
     
       
   

Christiane Schmerl in ihrer eigenen Schreibe

 
   
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Christiane Schmerl im Gespräch

 
   
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Lebensplanung ohne Kinder (1992).
Perspektiven eines bewußten Verzichts
(zusammen mit Lindy Ziebell und Hannelore Queisser)

Frankfurt a/M: Fischer (z. Z. vergriffen)

 
   
     
 

Klappentext

"Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist in den letzten Jahren angesichts des Bevölkerungsrückgangs in den Industrieländern zu einem kontrovers diskutierten Thema geworden. Frauen und Männer, die sich keine Kinder wünschen, geraten hier schnell in eine Außenseiterposition.
In diesem Buch werden jene biographischen Hintergründe erforscht, die für die eigene Entscheidung, die aktuelle Lebenssituation und die Lebensplanung Kinderloser ausschlaggebend waren. Des weiteren wird überprüft, ob die einschlägigen Klischees über Kinderlose - Kinderfeindlichkeit, lieblose Kindheit, Karriere- und Wohlstandsdenken - der Wirklichkeit entsprechen. Dazu sind über 60 Frauen und Männer befragt worden.
Die durchgeführten Interviews verdeutlichen, daß der bewußte Verzicht auf eigene Kinder nicht auf ein prägendes Ereignis zurückzuführen ist, vielmehr ist diese Entscheidung ein Entwicklungsprozeß, in dem mehrer Einflüsse zusammenkommen: Reflexion der eigenen Kindheit, lebenslanges Lernen, berufliche Flexibilität, Aufgeschlossenheit für Kinder von Freunden, Sensibilität gegenüber Familienklischees.
Bewußt kinderlose Erwachsene sind in ihren Wünschen und Überlegungen somit nicht sehr viel anders als Menschen mit Kindern, vielleicht aber nachdenklicher und selbst-bewußter."


Inhaltsverzeichnis

I Einführung

1 Die Deutschen sterben aus...und die Welt platzt aus den Nähten

Die Kassandrarufe der deutschen Politiker und Bevölkerungswissenschaftler
Die Bevölkerung explodiert - anderswo

2 Der Kinderwunsch als Naturkonstante?

Falsche Vorannahmen
»Kulturelle« Geburtenkontrolle als »natürlicher« Wunsch
Bedingungen »natürlicher« Geburtenkontrolle

3 Fragen und Hintergründe der Interviews

II Die Interviewstudie

1 Kinderlos ist nicht gleich kinderlos
2 Durchführung der Interviews
3 Die beruflichen, sozialen und familiären Merkmale der kinderlosen Frauen und Männer

III Darstellung der Ergebnisse

1 Reaktionen der Umwelt auf kinderlose Frauen und Männer: »Bevölkerungspolitische Blindgänger«
2 Kontakt zu Kindern und deren Familien
3 Eigene Kindheitserfahrungen

Rückblick: Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder
Die Kindheitsverläufe kinderloser Frauen und Männer
Vorstellungen von eigener Familie und Beruf in der Jugend

4 Bildungs- und Berufsverlauf

Die Frauen: »Über den Tellerrand der eigenen Wohnung hinweg«
Bildung und Beruf als Grundlage für eine selbständige Lebensplanung
Geld und Karriere statt Kind?
Die Männer: Frei von beruflichen Zwängen und familiären Versorgungsaufgaben

5 Das Arrangement der Geschlechter: Ideologie und Alltagspraxis von Partnerschaft

Alleinleben als unverzichtbares Bedürfnis
Wohngemeinschaften - unabhängig, aber mit anderen zusammen
Wilde Ehe - weder wild noch eine Übergangslösung
Verheiratet, aber nicht aus Überzeugung

6 Moral - Liebe - Lust: Vom Umgang mit der Fruchtbarkeit bei gewollter Kinderlosigkeit

Verhütung - Turnstunde mit Kondom
Abtreibung - die schwierigste Entscheidung
Sterilisation - die letzte Konsequenz
Eine richtige Frau - ein ganzer Mann?

7 Zukunftsperspektiven: »Einfach freier leben«

Späte Mutterschaft - späte Vaterschaft: Keine Zeit ist besser für das erste Kind
Einsamkeit im Alter

8 Zukunftsängste: »Keine Zukunft, elende Umwelt...dann ist der Egoismus dazugekommen«

9 Entscheidungsfindung

Egoistische Nichtmütter?
Der »neue« Mann: Super-Vater oder kinderlos?

IV Zusammenfassung

1 Kinderlosigkeit als Ergebnis eines Entwicklungs- und Entscheidungsprozesses
2 Lieblingsklischees über Kinderlose

Vorurteil No. 1: Kinderfeindlichkeit
Vorurteil No. 2: »Kaputte« Herkunftsfamilien
Vorurteil No. 3: Nur Karriere und Geld im Kopf
Vorurteil No. 4: Wohlstandsverwahrlosung

3 Frauen und Männer ohne Kinder: Gemeinsamkeiten - Unterschiede

4 Trouvailles - bezeichnende Fundsachen

5 Fazit

Zitate:

Begriff "Kinderlosigkeit"

"Dem Alltagsverständnis zufolge sind Personen kinderlos, die keine Kinder haben. Bei näherer Betrachtung stellt sich dann heraus, daß zwischen den Kinderlosen differenziert werden kann.
Die einen dürfen keine eigenen Kinder haben, weil sie zwar geschlechtsreif, aber noch zu jung sind, die anderen können keine Kinder bekommen, weil sie unfruchtbar oder nicht zeugungsfähig sind, und wieder andere sind alt genug, fruchtbar oder zeugungsfähig, wollen aber keine Kinder.
In den Nachschlagwerken - auch den feministischen - fehlt der Begriff Kinderlosigkeit völlig. Weder in Brockhaus und Duden noch in soziologischen und psychologischen Handbüchern ist Kinderlosigkeit definiert. Frauen und Männer, die bewußt keine Kinder haben wollen, tauchen auch explizit in keiner Statistik auf.
In den medizinischen Wörter- und Handbüchern finden wir zur Kinderlosigkeit über den Umweg der Sterilität. Sterilität wird als Zustand der Unfruchtbarkeit mit physischer und/oder psychischer Ursache angesehen, die auf medizinischem Wege zu beheben sei (vgl. Pschyrembel 1986: 1595f.). Mediziner, wie auch Statistiker, erfassen die Kinderlosigkeit nur bei Ehepaaren. Medizinisch gesehen kann eine Ehe dann als kinderlos angesehen werden, wenn ohne Anwendung von Verhütungsmitteln nach zwei Jahren keine Schwangerschaft vorliegt (vgl. Tauber 1972:3).
Für den Statistiker ist eine Ehe kinderlos, wenn aus dieser bestehenden Ehe keine Kinder hervorgehen, die Gründe für diese Kinderlosigkeit werden nicht erhoben. Für die Vielfalt familialer Lebensformen ist statistisch noch keine Kategorie gefunden. Alleinlebende und unverheiratete Paare ohne Kinderwunsch werden nicht erfaßt, was zugegebenermaßen auch Schwierigkeiten bereiten würde.
Somit wird verständlich, daß die angegebene Zahl derer, die kinderlos sind, erheblichen Schwankungen unterworfen ist. Je nachdem, welcher Personenkreis zu den Kinderlosen hinzugezählt wird, schwanken die Zahlen für die Bundesrepublik zwischen 5 und 20 %. Wobei es sich bei den 20 % Kinderlosen um Hochrechnungen bis zum Jahr 2000 handelt (vgl. Nave-Herz 1988a:17).
Bei vielen der angegebenen Berechnungen vermischen sich dann auch noch die Gründe für die Kinderlosigkeit. Als Grund kann eine medizinisch bedingte Kinderlosigkeit vorliegen, ein noch nicht erfüllter Kinderwunsch oder eine bewußt gewählte Kinderlosigkeit.
Eine bewußt gewählte Kinderlosigkeit ist exakt kaum zu erheben, da jeweils detaillierte Angaben über den Grund der Kinderlosigkeit vorliegen müßten, um die bewußt gewählte Kinderlosigkeit von der zeitlich begrenzten Kinderlosigkeit unterscheiden zu können."
(1992, S.45f.)

Kinderlosigkeit und Bildungsaufstieg

"Tatsächlich verfügen auch unsere befragten Männer und Frauen - nicht zufällig, wie wir meinen - über höhere Bildungsabschlüsse als der Durchschnitt der Bevölkerung. Dies gilt aber, wie wir feststellen mußten, nur unter dem Gesichtspunkt des individuellen Bildungsaufstiegs unserer Befragten. Von ihrer bildungsmäßigen und sozialen Herkunft her stammen sie dagegen nicht überwiegend aus Akademikerfamilien, sondern aus Arbeiterfamilien. Keine/r der Interviewten stammte aus der Oberschicht. Keine/r der Befragten, die aus »kleinen« Verhältnissen stammen und einen bildungsmäßigen Aufstieg selbst geschafft haben, hat dadurch auch eine ökonomische Karriere gemacht - wenn auch den engen häuslichen Verhältnissen entronnen wurde. (...). Tatsächlich hat bei 58 % der Befragten ein Schichtwechsel durch selbstinszenierten Bildungsaufstieg stattgefunden, für den viel Lebenszeit investiert (d.h. geopfert) wurde. Bei den Frauen ist dieser Trend noch ausgeprägter als bei den Männern, weil sie (typischerweise) die schlechteren Startchancen hatten als die Männer. Anders ausgedrückt: Sie hatten anteilmäßig mehr zu gewinnen als die Männer."
(1992, S.223f.)

     
 
       
     
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. Dezember 2002
Update: 11. August 2014