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Dagmar Herzog: Die Politisierung der Lust

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1961 geboren
    • 2005 Buch "Die Politisierung der Lust"
      2011 Buch "Sexuality in Europe"
    • Professorin für Geschichte am Graduate Center der City University of New York
 
       
     
       
   

Dagmar Herzog in ihrer eigenen Schreibe

 
   

HERZOG, Dagmar (2006): Schnell rein, schnell raus.
Sexualpolitik im Wahlkampf der USA: Seit "Foleygate" ist der prüde Nimbus der Republikaner zerstört, Sex ist Wahlkampfthema. Doch auch wenn das Bush-Lager bei den Wahlen am 7. 11. verliert, heißt das nicht, dass die Kulturrevolution der religiösen Rechten in den USA beendet ist,
in: TAZ v. 01.11.

HERZOG, Dagmar (2008): Sex vor der Ehe bleibt tabu.
Wechseljahr 2008 (5): Wie fühlt sich Amerika? Die Verfasstheit einer Changing Nation,
in: TAZ v. 10.03.

HERZOG, Dagmar (2008): Was rechts ist und was rechtens.
Wechseljahr 2008 (35 und Ende): Gestern wurde in den USA gewählt - und in drei Bundesstaaten über die gleichgeschlechtliche Ehe abgestimmt,
in:
TAZ v. 05.11.

Neu:
HERZOG, Dagmar (2010): Post coitum triste est...? Sexual Politics and Cultures in postunification Germany. In: Jeffrey Anderson & Eric Langenbacher (Hrsg.): From the Bonn to the Berlin Republic. Germany at the Twentieth Anniversary of Unification, Berghahn Books

 
       
   

Dagmar Herzog im Gespräch

 
   
  • HAMMELEHLE (2005): "Hillary Clinton ist verunsichert".
    Die amerikanische Professorin Dagmar Herzog hat sich in einem Buch mit der "Politisierung der Lust" beschäftigt. Ein Gespräch über "reinen Nazi-Sex", Angela Merkel und die Frauen der US-Präsidenten,
    in: Welt am Sonntag v. 27.11.

  • FEDDERSEN, Jan (2006): "Alles ist verzeihbar".
    Die bequemen Heilsversprechungen der religiösen Rechten in den USA finden immer mehr Anhänger. Auf den sexuellen Wahn der Evangelikalen reagieren die Linken trotz Wahlkampf wie gelähmt,
    in: TAZ v. 18.10.

Dagmar HERZOG berichtet im Interview über den erfolgreichen Kampf christlicher Strömungen  gegen Homosexualität, Teenagersex und Abtreibung in den USA.

SCHMIDT, Gunter (2007): "Die Quellen waren mit Sexualität gesättigt".
Ist die Erzählung von der sexuellen Verklemmtheit Nazi-Deutschlands nur ein großes Missverständnis der 68er? Ein Gespräch mit der Historikerin Dagmar Herzog,
in: TAZ v. 20.01.

  • FEDDERSEN, Jan (2008): "Unstillbare Sehnsüchte".
    Nach Jahren religiös-konservativer Orientierung in den USA, vor allem in puncto Sex: eine Bilanz der Angstmache, der evangelikalen Gräuelpropaganda - und der liberalen Feigheit, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu artikulieren. Ein Gespräch mit der Sexualhistorikerin Dagmar Herzog,
    in: TAZ v. 20.09.
 
       
   

Die Politisierung der Lust (2005).
Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts
(Original: Sex after Fascism, 2005)

München: Siedler

 
   
     
 

Klappentext

"Eine ebenso provokante wie überzeugende und gut lesbare Untersuchung des gesellschaftlichen Umgangs mit Sexualität in Deutschland. Im Zentrum stehen der Nationalsozialismus sowie der Aufbruch von 1968. Diese bahnbrechende Studie steckt voller Überraschungen: Dagmar Herzog zeigt, dass die Betrachtung der Wechselwirkungen zwischen Politik und Sexualität zentrale Fragen der deutschen Geschichte neu zu beleuchten vermag.

Wie hängen Empfängnisverhütung, Pornografie, Sexualmoral, Homo- und Heterosexualität mit Antisemitismus und Nationalsozialismus zusammen, mit der Verarbeitung der Niederlage von 1945, der Beziehung von Kirche und Staat in der Nachkriegszeit, der Studentenrevolte in der BRD oder der wechselvollen Beziehung zwischen Regime und Bevölkerung in vier Jahrzehnten DDR? Kurz: Welche neuen Erkenntnisse für wichtige Fragen der deutschen Geschichte lassen sich durch einen genauen Blick auf den Umgang mit Sexualität gewinnen?
Die Antwort gibt Dagmar Herzog in diesem Buch. In einer umfassenden Sexualgeschichte Deutschlands von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart zeichnet sie nach, wie Lust und Moral im zwanzigsten Jahrhundert zu machtvollen Instrumenten der politischen Auseinandersetzung wurden. Pointiert und mit überraschenden Ergebnissen zeigt Herzog, wie und warum sich ausgerechnet der Bereich der Sexualität zu einem Hauptschauplatz der Debatte über die deutsche Vergangenheit, über Schuld und Massenmord, über Moral und Ethik entwickelte.
Lebhaft und anschaulich macht »Die Politisierung der Lust« einem breiten Publikum deutlich, warum eine politische Geschichte Deutschlands ohne die Einbeziehung von Sexualität unvollständig ist."

     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Die neuen Sexfronten - Oder: Wie normal ist das heterosexuelle, verheiratete Paar mit Kind?

Michel Houellebecq als Leitfigur oder die Debatte um die sexuelle Revolution

 
   

Rezensionen

THADDEN, Elisabeth von (2005): Die ruinierte Intimität.
Dagmar Herzogs »Politisierung der Lust« rekonstruiert, wie im deutschen 20. Jahrhundert bis in die Betten hinein regiert wurde,
in: Die ZEIT  Nr.42 v. 13.10.

Elisabeth von THADDEN missbraucht die Rezension eines sexualgeschichtlichen Buches, um in sophiedannenberghafter Tradition die Viktorianisierung der Berliner Republik nahe zu legen:

"Was die 68er über den Nationalsozialismus dachten, passt mit dessen Interpretation in den fünfziger Jahren auffällig nicht zusammen. In den fünfziger Jahren galt der Nationalsozialismus als sexuell unerträglich permissiv, also schien Sittenstrenge das Gebot der Stunde zu sein, um die Republik moralisch neu zu fundieren. Den 68ern hingegen galt der Nationalsozialismus als sexuell repressiv, als ein Regime unterdrückter Lust, also erschien vielen die sexuelle Befreiung als der gebotene Weg, die Republik von ihrer Vorgeschichte zu emanzipieren.
Im stärksten Teil ihrer Studie rekonstruiert Herzog, in Anknüpfung an Herbert Marcuse, die ambivalente Doppelstrategie der Nationalsozialisten: zum einen die Sexualität in totalitäre Regeln gesteuerter Fortpflanzung zu bringen. Zum anderen aber innerhalb dieser Regeln eine sexuelle Freizügigkeit auszurufen, die eine Entsprechung im modernisierten Konsum hatte.
"

THADDEN verweist u. a. auf den Soziologen Alexander SCHULLER, der joachimbessinghaft die Modernisierung der Familie verdammt (da schrieb BESSING noch Popliteratur), um zum Resümee zu kommen:

"Kann es sein, dass diese Sexualitätsgeschichte zur heutigen Kinderlosigkeit der Republik beiträgt? Man darf es in aller Vorsicht vermuten."

Wie erklärt sich dann bitte, Frau Thadden, dass bereits in den 20er/30er Jahre der gleiche Diskurs wie heute geführt wurde? Die hohe deutsche Kinderlosigkeit ist kein neues Phänomen und schon gar nicht durch die NS-Zeit zu erklären. Der Schweizer Bevölkerungssoziologe HÖPFLINGER hat auf diesen Sachverhalt hingewiesen. Die Single-Lüge erklärt dagegen eher die heutige Problematik. Das politische Patt zwischen Alter und Neuer Mitte erklärt die fatale Dynamik, bei der junge Singles und damit unsere potentiellen Eltern auf die Verliererstraße geraten.

RUTSCHKY, Katharina (2005): Billige Polemik.
Die US-Amerikanerin Dagmar Herzog versucht sich an einer Sittengeschichte der Deutschen im 20. Jahrhundert,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.10.

"Herzogs Buch zur Sexualgeschichte zwischen den Bezugspunkten 1933 und 1968 illustriert das Problem. Auch wenn sie einige interessante Hypothesen aufbietet, so fehlt es doch an einer plausiblen Beweisführung. Ihre Quellen sind zu disparat, deren Gewichtung zu willkürlich und oft genug auch schlicht falsch. Als Gesamteindruck resultiert daher - trotz des wissenschaftlichen Apparats, der fast ein Drittel des Buches ausmacht - eine Polemik gegen »68« aus der Generation der dafür offenbar prädestinierten Vierzigjährigen. Das mindert die Freude an Herzogs Pioniertat jedenfalls bei einer Rezensentin (Jahrgang 1941), die zugleich auch Zeitzeugin ist", meint Katharina RUTSCHKY.

MOHR, Markus (2005): In die Oper.
Sex ist in jedem politischen System ein Problem: Dagmar Herzog hat eine Geschichte der Sexualität in Deutschland seit 1933 geschrieben,
in: junge Welt v. 06.12.

REICHARDT, Sven (2005): Die lose Volksgemeinschaft.
Libertäre Nazis? Muffige Fünfziger? Unverklemmte Achtundsechziger? Dagmar Herzogs deutsche Sexualgeschichte,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.12.

 
   

Das Buch in der Debatte

HAGER, Angelika & Sebastian HOFER (2008): Sex unterm Hakenkreuz.
Das Lustverständnis der Nationalsozialisten in der Wissenschaft,
in: Profil Nr.22 v. 26.05.

 
   

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Update: 06. April 2015