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Paul Nolte: Riskante Moderne

 
       
   

Paul Nolte bei single-generation.de

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Paul Nolte in seiner eigenen Schreibe

 
   

NOLTE, Paul (2006): Deutschland, in Angst erstarrt.
Aus der Bundesrepublik ist eine "Risikovermeidungsgesellschaft" geworden, schreibt Paul Nolte. Der Unwille zur Veränderung ist eine der wesentlichen Ursachen für die Probleme des Landes,
in: Welt am Sonntag v. 26.02.

Wenn ein beamteter Professor über Risikoscheu schwadroniert, dann ist das so, als ob jemand, der im Glashaus sitzt, mit Steinen wirft!

Neu:
NOLTE, Paul (2008): Abschied von der Gerechtigkeit,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.12.

Paul NOLTE analysiert die gegenwärtige politische Rhetorik, in der die Gerechtigkeit die höchste Priorität habe, während die Freiheit zu kurz komme. Dabei wäre eine Analyse des Sozialstaats im flexiblen Kapitalismus sinnvoller gewesen. NOLTE beklagt, dass soziale Vererbung als ungerecht empfunden wird:

"Unausgesprochen orientiert sich unser Idealbild von Gerechtigkeit an einer Gesellschaft, in der im Generationsübergang alle »Karten neu gemischt« werden."

Symptomatisch für solch eine neokonservative Lesart ist die FAZ-Kritik von Jürgen KAUBE an dem Buch Das Bildungsprivileg von Bruno PREISENDÖRFER:

"Letztlich kämpft sich das Buch (...) an der Idee ab, Schichtung überhaupt abzuschaffen und zwar durch gleiche Bildung. Darin steckt ein Problem, das der Autor nicht durchdacht hat. Die Familien wären nur noch dazu da, die Kinder auf die Welt zu bringen. Aus Gründen der Gleichheit müsste man ihren Einfluss eigentlich abschaffen. Aber weshalb sollte jemand dann noch eine Familie gründen?"

Die Kombination solcher "Gerechtigkeitsromantik" mit sozialer Depression setzt für NOLTE eine Abwärtsspirale in Gang, so sein Lob der bildungsbürgerlichen Elite.

 
       
   

Riskante Moderne (2006).
Die Deutschen und der neue Kapitalismus
München:
C. H. Beck

 
   
     
 

Klappentext

"Der Traum von der Postmoderne ist endgültig ausgeträumt: Das Leben im 21. Jahrhundert wird nicht immer bequemer, lässiger, freier, sondern anstrengender. Das liegt weniger an Terrorgefahr und neuen Kriegen als an jenen Spannungslinien, die wir im Innenraum unserer Gesellschaft verspüren – und selber produzieren: von der demographischen Krise zur Massenarbeitslosigkeit, von der Bildungsmisere bis zur Scheu vor Innovationen. Staunend stellen wir fest, daß anderswo – von China über Osteuropa bis Nordamerika – jene Moderne weiter vorwärtsdrängt, die wir in Deutschland immer wieder einzuhegen und stillzulegen versucht haben. Aber klar ist heute auch: Die Dynamik dieser Moderne führt nicht in das konfliktfreie Paradies. Wohlstand und Risiko gehören mehr denn je zusammen – das ist das Kennzeichen der »riskanten Moderne«.

Paul Nolte, der sich mit Generation Reform als einer der wichtigsten Vordenker des gesellschaftlichen Wandels in Deutschland etabliert hat, analysiert die Wege und Irrwege einer Gesellschaft, die auf praktisch allen Feldern ihr Handeln einer veränderten Realität anpassen muß – im Verhältnis der sozialen Klassen, der Generationen und der Geschlechter zueinander ebenso wie in den globalisierten Strukturen von Kapitalismus, Erwerbsarbeit und Mobilität. Sein Konzept der Investiven Gesellschaft stellt auch eine neue Ordnung der Werte jenseits des Konsums zur Diskussion. Es bietet Stoff für die dringend notwendige intellektuelle Debatte über die langfristigen Ziele unserer Gesellschaft."

Stimmen zum Buch

"Der Systemkritiker spart kein Phänomen aus.
Aber das Relief ist flach. Nolte schürft seine Erkenntnisse gewissermaßen im Tagebau. Tiefenbohrungen finden nicht statt. Es fehlen die Stützbalken der Empirie. Ein paar Zahlen vertrüge das Buch. Und wer darauf gehofft hatte, Nolte würde Thesen, die seine »Generation Reform« zur spannenden Lektüre machten, weiterführen und mit Material unterfüttern, sieht sich getäuscht."
(Günter Müchler im DeutschlandRadio vom 24.02.2006)

"Suada (...), die bald auch noch dem Letzten klarmacht, dass hier nicht der Prinz zu Dornröschen, sondern der Wolf zu den sieben Geißlein redet."
(Stefan Breuer in der Süddeutschen Zeitung vom 21.03.2006)

 
     
 
       
   

Rezensionen

ARNING, Matthias (2006): Ohne Risiko.
Paul Nolte, Vordenker der Neokonservativen, enttäuscht mit seinen Reflexionen über die "riskante Moderne",
in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.

MÜCHLER, Günter (2006): Bekannte Thesen.
Paul Nolte: "Riskante Moderne - Die Deutschen und der neue Kapitalismus",
in: DeutschlandRadio v. 24.02.

MINKMAR, Nils (2006): Lesen macht dumm.
Paul Nolte riskiert keinen Gedanken, schreibt aber trotzdem ein Buch: "Riskante Moderne",
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.02.

Nils MINKMARs Rezension ist ein 100 %iger Verriss:

"Paul Noltes neues Buch heißt (ein Mix aus Habermas und Beck) »Riskante Moderne«; das vorige hieß (ein Mix aus Illies und Miegel) »Generation Reform«. Nolte benutzt gerne den Begriff des Risikos und meint damit (...) immer das Risiko des anderen. Ein intellektuelles Risiko vermeidet er unter allen Umständen."

Beispielhaft für die intellektuelle Risikoscheu von NOLTE sind dessen Ausführungen zur "Single-Gesellschaft":

"Manchmal schreibt Nolte einfach irgend etwas hin. An anderer Stelle geht es um die Familienvorstellungen der Parteien. Da hießt es dann, Sozialdemokraten und Grünen seien »eher als Fürsprecher der bindungslosen Singlegesellschaft bekannt gewesen« - und würden nun aber Familie »wieder« wertschätzen. Er braucht dieses erste Moment nur, um irgendwie ein historisches Verlaufsmuster konstruieren zu können. Bloß: Es ist falsch. Zu keinem einzigen Zeitpunkt sind SPD und Grüne als Fürsprecher einer bindungslosen Singlegesellschaft aufgetreten. Keine deutsche Partei ist das, denn es widerspricht dem Gedanken einer jeden Partei. (...). Es stimmt weder soziologisch noch milieutheoretisch: Viele Sozialdemokraten kommen aus kinderreichen Familien, und Grüne wachsen bekanntlich in Wohngemeinschaften."

ROSENDORFER, Andreas (2006): Gib Gas Bürger, vergiß dein Nutellabrot.
Paul Nolte findet es gar nicht gut, wenn weiter auf der Rückbank gelümmelt wird,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 15.03.

Andreas ROSENDORFER bespricht eher lustlos das Buch "Die riskante Moderne" von Paul NOLTE:

"Ein Historiker, der für die sonst eher bei Soziologen und Philosophen beliebten Moderne wirbt - das wirkt halt ein wenig wie ein Naturfreund, der für den Bau neuer Autobahnen die Werbetrommel rührt".

DETTLING, Warnfried (2006): Vorsicht, Risiko!
Der Historiker Paul Nolte liest unserer Gesellschaft gehörig die Leviten – aber wo bleibt die Analyse?
in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.12 v. 16.03.

Warnfried DETTLING bedient mit seiner Besprechung des Buches "Riskante Moderne" von Paul NOLTE die alte und die neue Mitte gleichermaßen. Diesen Spagat schafft er durch eine Dreiteilung. Am Anfang und Ende lobt er den süffigen und tröstenden Sound des Buches, den er in der Mitte dann jedoch als Mangel an Analyse zerpflückt. Nach Meinung von DETTLING sind nicht die Mentalitäten, sondern die Strukturen unser Problem. Er wirft NOLTE seine Doppelmoral vor: einerseits lebe er "das Zukunftsmodell der bürgerlichen Familie", andererseits verkünde er jedoch das Scheitern der Emanzipation und die neue Geschlechterdifferenz. Wo eigentlich Analyse sein sollte, da findet sich bei NOLTE nur Normatives:

"Strukturelle Reformen lehnt er nicht ab: Er wertet sie ab".

War noch vor kurzem die Entdeckung der Unterschicht das Markenzeichen des Paul NOLTE, so stört mittlerweile die Art der Thematisierung. DETTLING hört einen neuen Ton in dieser Debatte:

"die Ästhetisierung und Moralisierung sozialer Fragen, die es so bisher in Deutschland nicht gegeben hat. (...). Von den deserving poor, von den Armen, »die es nicht besser verdient haben«, spricht man in anderen kulturellen und sozialen Räumen."

Wenn DETTLING nun die neue Bürgerlichkeit als Selbstkonstruktion bezeichnet, die eine neue Unterschicht zur Selbststilisierung benötigt, dann zeigt dies auch den Bruch zwischen Agenda 2010-Rot-Grün und der Großen Koalition.

HERRMANN, Ulrike (2006): Klötzchen aus dem Schreibbaukasten.
In den letzten Jahren stieg der Historiker und Essayist Paul Nolte zum Star unter den politischen Publizisten auf. Gebannt warteten vor allem seine konservativen Fans auf das Buch "Riskante Moderne". Doch: Enttäuscht stellen sie fest, dass er nichts Neues zu sagen hat. Und überziehen ihn mit Häme,
in: TAZ v. 16.03.

Ulrike HERRMANN befasst sich ausgiebig mit der Rezeptionsgeschichte der beiden Werke von Paul NOLTE, denn so sehr "Generation Reform" in den Himmel gelobt wurde, so sehr wird nun das neue Buch "Riskante Moderne" verdammt. Für HERRMANN lässt sich das erklären:

"Wie konnte Nolte zu einem der angeblich »wichtigsten Vordenker« (Klappentext) avancieren? Er war der erste Konservative, der gesehen hat, dass Deutschland wieder eine Klassengesellschaft ist. Das sagen sonst nur Linke jenseits der SPD. Anders als die Linken hat er diese Einsicht jedoch mit einem patriarchalen Gestus gekoppelt: Die Unterschichten sollen zur Vollwertkost und zum Lesen erzogen werden, der Gameboy in den Abfall wandern. Das ist eine neue Form des Klassenkampfs - er wird nun von den Oberschichten definiert. Diese Strategie ist inzwischen von den Eliten übernommen worden. Nolte wird nicht mehr benötigt, wie er jetzt zu spüren bekommt."

HACKE, Jens (2006): Einfach mal losrucken.
Der Historiker Paul Nolte will mit "Riskante Moderne" unser Psychocoach werden,
in: Berliner Zeitung v. 18.03.

Bürger HACKE erteilt dem Neubürger Paul NOLTE und seiner "Riskanten Moderne" eine Absage:

"Die Einsicht in die seit Jahren bekannten Probleme des Wohlfahrtsstaates reicht uns offenbar nicht, wir brauchen wie Klinsmanns verwöhnte Kicker einen Psychocoach - und Nolte möchte diesen Job übernehmen. Erst malt er unseren Zustand in den düstersten Farben, dann schlägt er sich ganz auf die Seite der Optimisten: »Kapitalismus ist Risiko. Um den Kapitalismus zu zähmen, muss man sich in ihn hineinbegeben«, und auf geht's in die »investive Gesellschaft«!
          
Bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber der Rhetorik des Anpackens - hier ruckt entschieden zu viel, der Welterklärungsdrang strengt an. Dauernd "müssen", »könnten«, »sollten« wir etwas tun, um unseren mangelhaften ökonomischen Alltagsverstand zu schärfen und die Zukunft wiederzugewinnen."

SAKKAS, Konstantin J. (2006): Ist den Deutschen noch zu helfen?
Paul Nolte empfiehlt Arbeit und Werte als Mittel, den deutschen Karren aus dem Dreck zu ziehen,
in: Tagesspiegel v. 20.03.

"Offensichtlich geht es bei der heutigen Krise um etwas Tieferes als um die Alternative zwischen Individualismus und Bürgersinn, und also auch um etwas Tieferes als die Synthese der beiden. (...). Nicht konkrete Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Partnerverlust, sondern das absolute Risiko eines sinnlosen Lebens ist eigentlicher Bezugspunkt von Pessimismus und Verfallsdenken. Was immer die Moderne geistesgeschichtlich bedeutet haben mag, dies eine ganz sicher: die Suche nach dem (verlorenen) Sinn. Auf dieser Suche lässt uns Paul Nolte dann aber allein", meint SAKKAS zum Buch.

BREUER, Stefan (2006): Einer der Härtesten.
Paul Nolte fährt im Transrapid durchs Dornröschenland,
in: Süddeutsche Zeitung v. 21.03.

"Am besten getroffen ist dieses Buch, wenn man es als Streitschrift bezeichnet. Es ist (...) eine Polemik gegen ein vor 20 Jahren erschienenes Buch, in dem Paul Nolte sowohl ein Symptom als auch eine Ursache dieser Stimmung zu erkennen meint: die »Risikogesellschaft« des Soziologen Ulrich Beck. Dessen Negativbilanz habe dazu geführt, dass in Deutschland die Moderne erstickt und die Risikogesellschaft in eine Risikovermeidungsgesellschaft verwandelt worden sei",

meint Stefan BREUER. Wenn auf single-generation.de vom "Terror der Individualisierungsthese" gesprochen wird und Ulrich BECK als Wegbereiter des neuen Familienfundamentalismus bezeichnet wird, dann ist damit das genaue Gegenteil dessen gemeint, was Paul NOLTE darunter versteht. Die Familien-Rhetorik des Paul NOLTE setzt die Single-Rhetorik des Ulrich BECK unabdingbar voraus. Beide Autoren nehmen ihren Ausgang bei der Single-Lüge, um die Interessen ihrer Neuen Mitte-Klientel durchzusetzen.

BECK, Ulrich (2006): Gott geht, das Wagnis kommt.
Doch Paul Nolte wirbt für eine nicht allzu riskante Moderne,
in: Welt v. 25.03.

Der Soziologe Ulrich BECK rächt sich mit einer "Nicht-Besprechung" an dem Historiker Paul NOLTE. Das Buch "Riskante Moderne" wird ganz nebenbei abgefertigt:

"Aus Deutschland sei eine »Risikovermeidungsgesellschaft« geworden, kritisiert Nolte. Darin schwingt wohl auch die Enttäuschung mit, daß die »Generation Reform« (so ein früherer Buchtitel Noltes) sich als Reformvermeidungsgeneration entpuppt hat. Warum das so sein könnte, darüber lohnt es sich allerdings tiefer nachzudenken, als es Nolte tut.
          
(...).
Während meine Generation die Universität ohne jeglichen Zweifel verlassen konnte, daß sie einen gutbezahlten Arbeitsplatz finden würde (den Index für die später auszuzahlende Rente hätten wir nur nachschlagen müssen), stehen heute selbst die Besten, die Erfahrensten, Risikobereitesten zunächst meist vor den verschlossenen Türen des Arbeitsmarktes. Wie man zwei Karrieren, einen Haushalt und Elternschaft verbindet, ist zu einem riskanten Kunststück geworden, das keiner Generation zuvor selbstverständlich abverlangt wurde. Es braucht wenig Soziologie, um zu verstehen, daß selbst der unbändige Kinderwunsch sich, wenn noch nicht einmal (wie in Frankreich oder Schweden) Kindertagesstätten angeboten werden, in ein Risiko verwandelt, das Mann und Frau nicht mehr eingehen wollen.
"

Der Rest ist typischer BECK-Sound, der NOLTE offensichtlich Pate steht.

 
   

Paul Nolte in der Debatte

BAHNERS, Patrick (2006): Die Marke Nolte.
Wehlers Erbe: Ein politischer Professor für unsere Zeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.02.

BAHNERS skizziert die öffentliche Karriere von Paul NOLTE, die mit einem Leserbrief in der ZEIT vom 01.08.1986 beginnt und nun mit dem Wechsel nach Berlin einen neuen Höhepunkt erreicht:

"Nun bekleidet er einen Lehrstuhl in der Hauptstadt und nimmt damit jene Stellung ein, von der aus die politischen Professoren der deutschen historischen Tradition ihre große Wirksamkeit entfaltet haben. Die Frage ist, was das für das Fach und den Staat bedeutet."

BAHNERS Fazit ist uneindeutig:

"Wenn Nolte unserem Land »Ökonomie und Werte!« verschreibt, dann kann daran kein denkender Mensch Gefallen finden mit Ausnahme Horst Köhlers."

NULLMEIER, Frank (2012): Liberale Staatskritik in der Krise,
in:
dms - der moderne staat, Heft 1

 
   

Paul Nolte im WWW

www.geschkult.fu-berlin.de/e/fmi/mitglieder/nolte.html
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 28. Mai 2002
Update: 21. April 2015