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Kaspar Maase: Die wilhelminische Spaßgesellschaft

 
       
     
       
     
       
   

Kaspar Maase in seiner eigenen Schreibe

 
   

MAASE, Kaspar (2001): Missverständnis Pop.
Die Massenkultur wird inzwischen auch von den Premiumfeuilletons ernst genommen. Jeder kann sich ohne Reue den Wonnen der Gewöhnlichkeit hingeben. Doch die neue Liebe zu Fernsehshows, Love Parade und Fußballlegenden beruht auf einem großartigen Irrtum
in: TAZ v. 21.07.

MAASE, Kaspar (2001): Des Kanzlers Scorpions und des Kaisers weiße Rößl.
Über populäre Kultur als repräsentative Kultur,
in: Merkur. Zeitschrift für europäisches Denken, H.12, Dezember

MAASE, Kaspar (2002): Jenseits der Hochkultur.
Viele akademische Disziplinen widmen sich inzwischen dem Phänomen, dass die klassische Bildungskultur für die meisten Menschen kaum mehr zählt. Es sind verzweifelte Versuche, dem Bedeutungsverlust der klassischen Bildung und ihrer Träger etwas entgegenzusetzen,
in: TAZ v. 12.10.

Neu:
MAASE, Kaspar (2005): Farbige Bescheidenheit.
Anmerkungen zum postheroischen Generationsverständis. In: Michael Wildt & Ulrike Jureit (Hg.) Generationen. Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs, Hamburg: Hamburger Edition, S.220-242

 
       
   

Kaspar Maase im Gespräch

 
   
fehlt noch
 
       
   

Farbige Bescheidenheit.
Anmerkungen zum postheroischen Generationsverständnis.
I
n:  Generationen (2005).
Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs
(herausgegeben von
Michael Wildt & Ulrike Jureit)

Hamburg: Hamburger Edition

 

 
   
     
 

Gegenstand und Zielsetzung des Textes

"Mein Gegenstand sind gegenwärtige Generationszuschreibungen: die Bedingungen ihrer Entstehung und Zirkulation und der Gebrauch, den die Adressaten von derartigen Angeboten machen. So soll das Feld zwischen heroischem Generationskonzept und postheroischem Spiel der Generationsmodelle ausgeleuchtet werden." (S.222)

"Für unsere Fragestellung sind Etiketten wichtig, die jüngere Jahrgangsgruppen bezeichnen, von denen die jeweiligen Autoren annehmen, daß sie dem Heute oder der nahen Zukunft ihren Stempel aufdrücken." (S.223)

Ansätze der Generationsbildung

"Vor allem drei Ansätze sind erkennbar: ein historisch-politischer, der spezielle Wende und Vereinigung als generationskonstitutiv betrachtet; ein technologischer, der neuen Medien eine Schlüsselrolle zuschreibt, und ein sozialisationsorientierter, der von Persönlichkeitseigenschaften ausgeht. Die erfolgreichsten Modelle auf dem Generationsmarkt des beginnenden 21. Jahrhunderts allerdings deuten im Titel überhaupt kein Argument an: »Generation Golf« und »Generation Ally«." (S.223)

Die Geburt der Generation Golf: Von der Marketingidee zur empirischen Bestätigung

"Was als Werbeidee begann und vom autobiographischen Essay mit freundlicher Ironie umkreist wurde, das ist nun endlich als hartes soziales Faktum beglaubigt: die entpolitisierte, an traditionellen Werten wie »Leistungsorientierung, Selbstbescheidung, Disziplin« orientierte »Generation Golf« (S.227)

Akteure der Generationsbildung

"Konsumgüterproduzenten und ihre Verkaufsspezialisten, das Feuilleton, die Wissenschaft, die Massenmedien und natürlich - fast könnte man sie übersehen - die Angehörigen der Kohorte, deren Eigenschaften hier verhandelt wurden." (S.228)

Generation Ally als erste Generationsbeschreibung für Frauen

"Die geschlechterpolitische Pluralisierung der Generationsdebatte scheint absehbar und ebenso, daß damit der Abstand zum heroischen Aufbruchsmodell weiter wachsen dürfte.
(...).
Kullmann beschreibt (...) nahe am Alltag und an den Markenprodukten Lebensgeschichte und Lebensgefühle einer von ihr definierten »Frauengeneration«, eben der zwischen 1965 und 1975 geborenen Mädchen. Genauer: Der Mittelschichtmädchen dieser Jahrgänge, die eine Hochschulbildung durchlaufen haben. Und die Beschreibungen (...) haben viel ethnographischen Charme; sie bilden eine wichtige Quelle für zukünftige Historiker der bundesdeutschen Alltagskultur." (S.228f.)

Leerstelle: Generation Ost

"Die »Zonenkinder« der Schriftstellerin Jana Hensel sind mit ihrem Rückblick auf kollektiv geteilte Erfahrungen zweifellos »generationsbildend« angelegt. Allerdings bieten sie keine distanziert-souveräne Beschreibung der Jahrgänge 1974 - 1979, die zur Wende 11 bis 15 Jahre alt waren. Während bei Kullmann und Illies der Generationenbegriff Abstand zur beschriebenen Lebensform schafft, ironische Einfärbung und Kritik erlaubt, dominiert bei Hensel ein identifikatorisches »Wir«". (S.229)

Feuilleton und Mittelschicht

"Golf und Ally wurden nicht nur Bestseller; die Texte waren und sind auch Bezugspunkte einer Generationsdiskussion in deutschen Feuilletons.
(...).
Am lebhaftesten, so der Eindruck, verläuft die Debatte in Internet-Feuilletons. Intellektuell aufwendige Portale wie etwa www.perlentaucher.de, www.single-generation.de und www.single-dasein.de bieten ihren Besuchern einen komplexen, historisch und sozialwissenschaftlich gerahmten Einblick in die Generationsdebatte. Schließt man von den Wissensbeständen, die hier vorausgesetzt werden, auf die »impliziten User« der Beiträge, dann darf man annehmen, daß vor allem Angehörige der gutausgebildeten jüngeren Mittelschicht,  für die die Nutzung des World Wide Web zu den alltäglichen Kulturtechniken zählt, die Selbstverständigung über die eigene Befindlichkeit verfolgen." (S.230)

Universitäre Generationenforschung und Gesellschaft

"Wer heute zum Thema publiziert, muß damit rechnen, morgen als Experte zitiert zu werden, der sozusagen die Generation zertifiziert, Golf, Ally oder anderen Modellen ein akademisches Prüfsiegel verleiht. (S.235)

Die Veränderungen der Generationsbildung folgt gesellschaftlichen Wandlungsprozessen

"Die geringe Resonanz für Vorschläge wie »89er« oder »Wendegeneration« legt den Schluß nahe: Im Westen Deutschlands wird Wandel nicht vorrangig anläßlich politisch-gesellschaftlicher Einschnitte erfahren. (...).
Daß Markenartikel und Populärkunst zu Generationszeichen werden, ist weit mehr als eine mit der sogenannten Popliteratur aufgekommene und wieder vergehende Masche. Das Faktum spiegelt Veränderungen in der Normalbiographie, ihren Übergangsriten und deren symbolischer Markierung wider.
(...).
Schon vor dem ersten Weltkrieg traten neben (...) Kunstgeschöpfe, (...) zeitgeistsensible literarische Bestsellerfiguren: Hermann Poperts Helmut Harringa, der ein Krieger sein wollte im Heere des Lichts; Walter Flex' Wanderer zwischen beiden Welten, Ernst Wurche; und auch Else Urys Nesthäckchen. Von hier führt eine durchaus bürgerliche, in der Mittelschichtkultur verankerte Linie zur populären Kunst der Gegenwart." (S.237)

Die gesellschaftliche Funktion von Generationsbeschreibungen

"Generationsbeschreibungen (...) dienen insbesondere in den Mittelschichten zur anschaulichen Ordnung der Sozialwelt, zur sinnhaften Selbstpositionierung im historischen Wandel und als Quelle ästhetischer Erfahrung" (S.240)

Voraussetzungen für eine neue heroische Generation

"Der gewichtigste Grund (...) ist vermutlich, daß seit den 1960ern kein Umbruch mehr die Westdeutschen vergleichbar gespalten und im Kern ihres Selbstverständnisses getroffen hat. (...) (Es) ist nicht ausgeschlossen, daß im Gefolge tiefgehender und polarisierender Erschütterungen wieder Generationseinheiten die soziale Bühne betreten, die sich in die Tradition des Aufbruchs der Jungen gegen das Establishment einreihen." (S.242)  

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Geburt einer Generation

Ein männliches Konzept?

Feuilleton und Mittelschicht

Nostalgie und Geschichtlichkeitsbewußtsein

Wissenstransfers

Generationszeichen: Massenkunst und Markenkonsum

Schlußüberlegung: Gibt es Generationen?

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Eine Einführung in die aktuelle Generationendebatte

Die Generation Golf als Träger eines Wertewandels?

 
   

Behandelte Generationsbildungen

ILLIES, Florian - Generation Golf

HENSEL, Jana - Zonenkinder

KULLMANN, Katja - Generation Ally
 
       
   

Schund und Schönheit (2001).
Populäre Kultur um 1900
(herausgegeben zusammen mit Wolfgang Kaschuba)
Köln:
Böhlau

 
   
     
 

Klappentext

"Um 1890 formten sich Züge der modernen Massenkultur aus, die bis in die Gegenwart wirken. Die neue Populärkultur war Abschluss und Neuformierung wesentlicher Trends aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Unwiderruflich wurden Schönheit und Kunst zum Lebenselement der Massen; zugleich stigmatisierte man die populären Künste als »Schund«. Der Verknüpfung beider Erfahrungen verdankt sich die Ambivalenz, mit der wir bis heute dem Populären gegenübertreten."

     
 
       
   

Rezensionen

EGGE (2001): Schöner Schund.
Wie man sich zu Kaisers Zeiten populär amüsierte,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.09.

 
       
   

Grenzenloses Vergnügen (1997)
Der Aufstieg der Massenkultur 1850 - 1970
Frankurt a/M:
Fischer

 
   
     
 

Klappentext

"Wenige Entwicklungen haben den Alltag der Europäer derart verändert wie der Aufstieg der Massenkultur seit 1850. Doch die populäre Unterhaltung hat keineswegs friedlich die Freizeit erobert. Ihr Erfolg erschütterte kulturelle Hierarchien und überwand soziale Barrieren. Gegen heftigen Widerstand haben sich die verachteten Vergnügungen der Unterschicht zur Basiskultur der massendemokratischen Gesellschaften gemausert "

     
 
       
   

Weitere Veröffentlichungen

Auswahlbibliographie (Universität Tübingen)
 
   

Die wilhelminische Spaßgesellschaft in der Debatte

KRAUSE, Tilman (2002): Renaissance des Bürgerlichen.
Eine Familiengeschichte,
in: Merkur Nr. 8, August

Tilman KRAUSE erzählt nicht eine, sondern SEINE Familiengeschichte. In seinem autobiografisch geprägten Text wird deutlich, warum er zum einen das altehrwürdige Bildungsbürgertum verteidigt und anderseits das neue Bürgertum und die Emporkömmlinge der 68er-Generation ablehnt.  KRAUSEs Großvater mütterlicherseits war ein Emporkömmling der wilhelminischen Spassgesellschaft, der durch seine Hochzeit den Aufstieg festigen wollte, jedoch sozial abstieg:

"Nach nicht einmal sechs Monaten wurde Hochzeit gefeiert. Dummerweise verlor der Prinzenerzieher, dessen Position nur für ledige Personen in Frage kam, seine Stelle und mußte sich etwas Neues suchen. Es fand sich im ganzen großen Deutschen Reich, das gerade eine Lehrerarbeitslosigkeit durchmachte, anscheinend nur eine Stelle als Oberlehrer in Kiel."

Dem Statusverlust entsprach jedoch kein Bewusstseinwandel, denn als eines der

"Mitglieder jener kulturtragenden Elite (...), die das gehobene Beamtentum zwischen Kaiserreich und Nazizeit in Deutschland darstellte",

konnte der individuelle Abstieg kompensiert werden. Dieses Elitenbewusstsein ließ ihn die Nazis verachten und die 1950er-Jahre unter ADENAUER begrüßen. KRAUSE identifiziert sich offensichtlich mit seinem Großvater, während seine Eltern den Bruch mit dieser Welt vollzogen:

"Ich wohnte damals mit meinen Eltern in Kiel. Sie waren geradezu prototypische Vertreter der 'skeptischen Generation', schon auf dem Sprung, die Verkrustungen der bundesrepublikanischen Restauration aufzubrechen. Beide waren Studienräte, auch meine Mutter war berufstätig, in den Augen der älteren Generation ein Skandal, wenn man heranwachsende Kinder hatte. Sie vollzogen, wo sie nur konnten, die Abkehr von der Welt ihrer eigenen Eltern."

Das neue Bürgertum, das KRAUSE im gegenwärtigen Berlin entstehen sieht, beurteilt er mit dem strengen Blick seines Großvaters und seiner Großmutter:

"kulturprotestantisch geprägt wie sie waren, hätten sie sofort nach dem Sein hinter dem Schein gefragt. Welche eigene Leistung liegt der ausgestellten Repräsentationskultur eigentlich zugrunde? (...). Vor allem aber dürfte ihnen fehlen, was ihrem gesamten sozialen und emotionalen Leben zugrunde lag: Verwurzlung in der deutschen Bürgerkultur."

Verwurzelung ist KRAUSEs Gegenbegriff zur entwurzelten Gegenwart, in der Mobilität, Flexibilität und Promiskuität (hier führt er seinen Gewährsmann Michel HOUELLEBECQ an) die Angst vor Beliebigkeit und Ichverlust schüren und gleichzeitig die Sehnsucht nach einer stabilen Bürgerwelt steigern. Die Familie, das ist für das Bürgertum wie es KRAUSE vorschwebt, das A und O:

"wer die Lebensgrundnorm und -grundform, also die Familie, nicht hinbekam, war ein Mensch zweiter Klasse. Mal mit mehr, mal mit weniger Mitleid bemäntelte sich Verachtung für Ehelose. 'Alte Jungfer' war eine gängige, völlig unhinterfragte Bezeichnung".

Es mag als Ironie des bürgerlichen Schicksals erscheinen, dass KRAUSEs Großvater zwar seine Familie hinbekam, gleichzeitig aber seinen Ledigenberuf verlor und damit sozial abstieg! Das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie war also bereits im Bildungsbürgertum der wilhelminischen Spassgesellschaft angelegt und ist somit kein historisches Novum wie das Sozialpopulisten heutzutage verkünden.

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. Dezember 2001
Update: 01. Mai 2012