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Katrin Baumgarten: Hagestolz und alte Jungfer

 
       
     
       
   

Katrin Baumgarten in ihrer eigenen Schreibe

 
   
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Katrin Baumgarten im Gespräch

 
   
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Hagestolz und alte Jungfer (1997)
Entwicklung, Instrumentalisierung und Fortleben von Klischees und Stereotypen über Unverheiratetgebliebene
Münster/New York:
Waxmann

 
   
     
 

Klappentext

"Klischees und Stereotypen sind ein in hohem Maße kulturelles Phänomen, das die Normen und Werte einer Gesellschaft, deren Einforderung und Wandel spiegelt. Am Beispiel der ‘Figuren’ des Hagestolzes und der Alten Jungfer zeichnet die Autorin die Entwicklung und Rezeption solcher Stereotypen von der vorbürgerlichen Gesellschaft bis in die Gegenwart nach. Dienten diese ursprünglich der Verspottung und Diskriminierung vor allem weiblicher Unverheiratetgebliebener, um deren Normverstoß zu ahnden, konnten sie seit dem 19. Jahrhundert auch gegen neue Formen der Normabweichung instrumentalisiert werden. So leistete das Schreckbild der Alten Jungfer in der Auseinandersetzung mit der Frauenemanzipationsbewegung jahrzehntelang gute Dienste. Die Arbeit wirft damit auch ein Schlaglicht auf die Problematik der Geschlechterdifferenz. Die Frage, wie sich die moderne ‘Singlekultur’ zu den überkommenen Klischees stellt, beschließt den auf breiter Quellenbasis erarbeiteten und reich illustrierten Band."

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Sprachliche Bezeichnungen für Unverheiratetgebliebene

1. Junggeselle und Hagestolz
2. Jungfrau und (alte) Jungfer

II. Die vorbürgerliche Gesellschaft und die Unverheiratgebliebenen: Frühe Formen der Diskriminierung

1. Diskriminierung im Diesseits: Rügebräuche in der Fastnacht

a) Pflug- und Blochziehen
b) Ins Moos fahren

2. Diskriminierung im Jenseits: Verbannungsorte und Strafarbeiten für verstorbene Alte Jungfern und Junggesellen in der Sage
3. Diskriminierung in der Volkserzählung

a) Die Alte Jungfer im Schwank
b) Die Alte Jungfer im Witz

4. Junggesellenherrlichkeit und Altjungfernklage im Volkslied
5. Alte Jungfern und Junggesellen im Bilderbogen

III. Die bürgerliche Gesellschaft und die Unverheiratetgebliebenen: Vom Klischee zum Stereotyp

1. Alte Jungfern versus Sonderlinge und Hagestolze bei Karl Julius Weber (1767 - 1832)
2. Das Bild des Sonderlings bei Carl Spitzweg (1808 - 1885)
3. Alte Jungfern und Junggesellen in den Bildergeschichten, Gedichten und Prosawerken von Wilhelm Busch (1832 - 1908)
4. Die Anatomie und Physiognomie der Alten Jungfer bei Heinrich Ploss und Max Bartels
5. Sanfter Engel - böse Hexe: Die Alte Jungfer in den Romanen der Eugenie Marlitt (1825 - 1887) und Hedwig Courths-Maler (1867 - 1950)

IV. Die Instrumentalisierung des Altjungfern-Stereotyps: Der Kampf der bürgerlich-patriarchalischen Gesellschaft gegen Frauenbildung und Frauenemanzipation

1. Einführung: Bürgerliches Frauenbild und Frauenbewegung
2. Der Kampf gegen die "gebildeten Weiber": Die Alte Jungfer als Blaustrumpf
3. Die Diffamierung der berufstätigen Frauen: Typische Frauenberufe und Altjungfern-Stereotyp

a) Die Gouvernante
b) Die Lehrerin
c) Die Chefsekretärin

4. Die emanzipierte Alte Jungfer in Boleslaw Prus' Roman "Die Emanzipierten"
5. Vom Bubikopf zum Gretchenzopf: Ledig gebliebene Frauen in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus

V. Das Fortleben der Stereotypen: Traditionelle Denkmuster zwischen Spiel und Realität

1. Die Rekonstitution der bürgerlichen Familie und das Bild der Unverheirateten in der Adenauerära
2. Der "eingefleischte Junggeselle" in Theater und Film: Das Paradebeispiel des Henry Higgins
3. Helden, Käuze und Emanzen: Das Bild der Unverheirateten im Comic

a) Familie Duck und Gans
b) Asterix und Obelix

4. Unverheiratete zwischen Frauenpower und Singlekult: Die moderne Gesellschaft und das Fortleben der Stereotypen

Schlußbetrachtung

Zitate:

Die Neue Frau der Weimarer Republik: Berufstätigkeit und Klischeebild

"Im Verlauf des Ersten Weltkriegs mußte infolge der Absenz der Männer eine nicht unerhebliche Anzahl von Frauen zwangsläufig eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Sie ersetzten die fehlenden männlichen Arbeitskräfte (...). Frauenarbeit wurde zu einem immer wichtiger werdenden Faktor in der deutschen Kriegswirtschaft. Diese verstärkte Einbeziehung der Frauen führte zu einer veränderten Bewußtseinshaltung der Öffentlichkeit in bezug auf weibliche Berufstätigkeit. (...).
Obwohl viele Frauen in der Periode der wirtschaftlichen Demobilmachung (1918 - 1923), also mit der Heimkehr der Männer aus dem Krieg, bald wieder aus ihrer Stellvertreterrolle entlassen und in den häuslichen Bereich zurückverwiesen wurden, setzte sich nach dem Ersten Weltkrieg generell die Vorstellung durch, auch als Frau der Proletarisierung der Familie durch Tüchtigkeit entgegenzuwirken und aus der Berufstätigkeit ein Identitätsgefühl beziehen zu können. Dies war insbesondere für die stetig anwachsende Gruppe der alleinstehenden Frauen von großer Bedeutung. Ein genereller Wandel hin zur prinzipiellen Akzeptanz weiblicher Berufstätigkeit läßt sich in der Weimarer Republik jedoch nicht verzeichnen, im Gegenteil: das Frauenbild dieser Jahre war - ganz anders als es das Klischee der gleichberechtigten, emanzipierten Frau der roaring Twenties vermuten läßt - mindestens ebenso konservativ wie in der Vorkriegszeit. Zwar wurde die Angestellte, die im Büro oder als Verkäuferin arbeitete, zum Inbegriff der modernen, berufstätigen Frau, doch blieb sie weiterhin schlechter bezahlt als ihr männlicher Kollege und durfte ihre Berufstätigkeit nach dem öffentlichen Verständnis lediglich als Übergangsphase bis zur vom gesellschaftlichen Umfeld erwarteten und von der Betroffenen deshalb selbst angestrebten Verehelichung begreifen." (S.210)

"Die mondäne, selbständige und selbstbewußte, ihr eigenes Geld verdienende, sportlich aktive, zigarettenrauchende, charlestontanzende, bubikopftragende und motorisierte »Neue Frau«, die in zahlreichen zeitgenössischen Gemälden, auf Plakaten und in der Reklame porträtiert wurde und das klischeehafte Bild dieser vermeintlich so neuerungs- und vergnügungssüchtigen Dekade in unseren Köpften prägt, ist vor allem das Geschöpf der neuen pulsierenden Metropole Berlin und, wie so manche Erscheinung im Gefolge der »Neuen Sachlichkeit«, eine weitgehende Übernahme amerikanischer Trends. Doch die allbekannten Bilder täuschen über die Lebenswirklichkeit der »Goldenen 20er Jahre« hinweg. Zwar beeinflußten diese Impulse die Vorstellungswelt der jungen Generation, doch die Änderung des äußeren Frauenbilds bewirkte keineswegs eine Revolutionierung der Frauenrolle; dazu steckten Geldentwertung, Massenarbeitslosigkeit, zu geringe Kaufkraft der Massen, Finanzschwäche des Bürgertums und Verarmung großer Teile des Kleinbürgertums der Nacheiferung des neuen Frauentypus besonders in bezug auf deren Konsum- und Freizeitverhalten (...) zu enge Grenzen. (...).
Für die Altjungfernthematik sind diese neuen Entwicklungen allerdings insofern höchst bedeutsam, als hier erstmals dem durch das Altjungfern-Stereotyp negativ besetzten Status der alleinstehenden, u.U. auch berufstätigen Frau das neue, positiver besetzte Bild der selbstbewußten »Junggesellin«, die ihren Mann steht, an die Seite gestellt wird, das ein gewisses Identifikationsangebot bereitshält." (S.211)

Mangelnde Akzeptanz des Single-Daseins in der Gegenwartsgesellschaft

"Die kritische Beleuchtung der modernen Singlekultur belegt die Dauerhaftigkeit der Stereotypen. Deren Etablierung hat noch längst keine Anerkennung der Ehe- und Partnerlosigkeit als gleichwertiger Dauerlebensform bewirkt. Dies bezeugen nicht nur sozialwissenschaftliche Untersuchungen. In einer Gesellschaft, die die Ehe nach wie vor verfassungsrechtlich und gesellschaftspolitisch privilegiert und uneheliche Gemeinschaften diskriminiert, sind auch Unverheiratete in mancher Hinsicht benachteiligt. Die Hauptprobleme liegen aber nach wie vor in jenem Konglomerat aus Vorurteilen, Klischees und psychisch-emotionalen Grundeinstellungen, die Unverheiratete, sobald sich ihre Lebensform als Dauerzustand und nicht als mittlerweile akzeptierte Übergangslösung abzeichnet, unter Rechtfertigungsdruck setzt. Und noch immer sind Frauen stärker in die Defensive gedrängt als Männer. Solange das Sozialprestige des Mannes in stärkerem Maße von dessen beruflichen Image bestimmt ist als das der Frau, wird sich daran auch wenig ändern. Es darf daher in Frage gestellt werden, ob der spielerische Umgang mit dieser Problematik, wie er sich etwa in der modernen Frauen- und Unerhaltungsliteratur findet, als Anzeichen für einen nachhaltigen Wandel zum Besseren angesehen werden kann. Solange auch hier zum Happy-End die Hochzeitsglocken läuten müssen, scheinen die Klischees ihre wenn auch relativierte Gültigkeit unter Beweis stellen zu können." (S.307f.)

 
     
 
       
   

Alte Jungfern in der Debatte

WATKINS, Susan Cotts (1984): Spinsters,
in. Journal of American Ethnic History, Special Issue Spinsterhood, Nr.4, Winter, S. 310-325

CORNELL, Laurel L. (1984): Why Are There No Spinsters in Japan?
in. Journal of American Ethnic History, Special Issue Spinsterhood, Nr.4, Winter, S. 326-339

WEIR, David R. (1984): Rather Never than Late: Celibacy and Age at Marriage in English Cohort Fertility,
in. Journal of American Ethnic History, Special Issue Spinsterhood, Nr.4, Winter, S. 340-354

HUFTON, Olwen (1984): Women without Men: Widows and Spinsters in Britain and France in the Eighteenth Century,
in. Journal of American Ethnic History, Special Issue Spinsterhood, Nr.4, Winter, S. 355-376

ANDERSON, Michael (1984): The Social Position of Spinsters in Mid-Victorian Britain,
in. Journal of American Ethnic History, Special Issue Spinsterhood, Nr.4, Winter, S. 377-393

FREEMAN, Ruth & Patricia KLAUS (1984): Blessed or Not? The New Spinster in England and the United States in the Late Nineteenth and Early Twentieth Centuries,
in. Journal of American Ethnic History, Special Issue Spinsterhood, Nr.4, Winter, S. 394-414

 
   

Das Brauchtum um das Unverheiratetsein in den Medien

MÜLLER, Marion (2001): Unterm Hammer.
Wenn in der Eifel am 30. April die unverheirateten Frauen von der männlichen Dorfjugend ersteigert werden, haben weibliche Wesen keinen Zutritt. Eigentlich. Doch unserer Autorin gelang es, zu der rituellen Auktion als Beobachterin zugelassen zu werden,
in: TAZ v.28.04.

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 23. Januar 2002
Update: 28. August 2015