[ Verzeichnis der Single-Forscher/innen ] [ Autoren der 68er-Generation ] [ News ] [ Suche ] [ Homepage ]

 
       
   

Lothar Böhnisch: Die Generationenfalle, Sozialpolitik und Soziale Arbeit

 
       
   
  • Kurzbiographie

 
       
     
       
   

Lothar Böhnisch in seiner eigenen Schreibe

 
   
  • fehlt noch
 
       
   

Sozialpolitik und Soziale Arbeit (2012).
Eine Einführung
(zusammen mit Wolfgang Schröer, Gastbeiträge von Helmut Arnold, Werner Schefold, Heiner Keupp und Walter Lorenz)

Weinheim:
Beltz Juventa

 
   
     
 

Klappentext

"In dieser Einführung werden die basalen Konstitutionsprinzipien der Sozialpolitik in ihrem historischen Gewordensein rekonstruiert und auf die gegenwärtige Entwicklung sozialer Probleme bezogen. Im Mittelpunkt steht dabei die Transformation des sozialpolitischen Kernkonzepts der Lebenslage in das sozialpädagogisch zugängliche Konstrukt der Bewältigungslage. Damit können die für die Soziale Arbeit wichtigen Politikbereiche - Familien-, Bildungs-, Beschäftigungs-, Armuts-, Gesundheits- und Migrationspolitik - für den sozialpädagogischen Verwendungszusammenhang erschlossen werden. Die Soziale Arbeit wird manchmal als das lebendige Inventar der Sozialpolitik bezeichnet. Während sich letztere traditionell auf die standardisierten sozialen Risiken im Lebenslauf bezieht, sind sozialpädagogische Interventionen auf die je biografischen Ausformungen solcher Probleme und ihre Bewältigungschancen ausgerichtet. Die Sozialpolitik hat ihren institutionellen Niederschlag im Sozialstaat gefunden. Mit der Schwächung der sozialstaatlichen Gestaltungskraft im Prozess der Globalisierung kann sich die Soziale Arbeit nicht mehr auf bisher selbstverständliche sozialstaatliche Absicherungen verlassen, ist in ihrem sozialpolitischen Denken neu aufgefordert. In diesem Sinne werden in dieser Einführung die basalen Konstitutionsprinzipien der Sozialpolitik rekonstruiert und auf die gegenwärtige Entwicklung sozialer Probleme bezogen. Im Mittelpunkt steht dabei die Transformation des sozialpolitischen Kernkonzepts der Lebenslage in das sozialpädagogisch zugängliche Konstrukt der Bewältigungslage. Damit können die für die Soziale Arbeit wichtigen Politikbereiche - Familien-, Bildungs-, Beschäftigungs-, Armuts-, Gesundheits- und Migrationspolitik für den sozialpädagogischen Verwendungszusammenhang erschlossen werden. Dabei wird darauf geachtet, dass ihre jeweilige Bedeutung für die Lebensalter - also z.B. die jugend- oder altenpolitische Perspektive - sichtbar wird."

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Sozialpolitik im Wandel

Kapitel 1: Historische Grundlinien der Sozialpolitik

Kapitel 2: Sozialstaatliche Sozialpolitik

Kapitel 3: Brückenkonzepte zur Sozialen Arbeit: Lebenslage, Bewältigungslage und sozialpolitischer Raum

Kapitel 4: Urbanisierung und Regionalisierung - zur Entwicklung sozialpolitischer Räume

Kapitel 5: Arbeit und Armut

Kapitel 6: Sozialpolitiken aus dem Blickwinkel der Sozialen Arbeit

Kapitel 7: Übergreifende Diskurse

Zitate:
Sozialpolitik als Gestaltung und Soziale Arbeit

"Wenn man Sozialpolitik als System der Ausbalancierung von sozialen Rechten und ökonomischen Vereinnahmungen (heute »welfare und workfare« bzw. »Fördern und Fordern«) begreift, wird deutlich, wie wichtig es ist, hinter sozialpolitischen Interventionen stehende und entsprechend verdeckte Familien- und Geschlechterbilder, herrschende Definitionen von Arbeit und Beschäftigung, aber auch gesellschaftliche Konstruktionen von Jugend und Alter aufzudecken und kritisch zu gewichten." (2012, S.11)

"Die historische Idee des Sozialstaats meint (...) nicht nur ein institutionelles Leistungssystem, sondern vor allem auch ein gesellschaftliches Bezugs- und Aushandlungssystem sozialer Konflikte. Dies wird aber in den Vorstellungen vom aktivierenden Sozialstaat - meist implizit - übergangen, in denen der Sozialstaat als bloßer Bereitsteller von Infrastruktur und die Bürgergesellschaft als Füllung dieser Infrastruktur gesehen wird. Damit wird ihm sein in der Konfliktdimension begründetes historisches Gestaltungsmandat abgesprochen." (2012, S.81)

"Sozialstaatlichkeit reduziert sich zunehmend auf eher repressive Dimensionen der Ordnungs- und Kontrollpolitik: »Die post-sozialstaatliche Regulation sozialer Probleme ist eine, in der es nicht um eine Umverteilung von Ressourcen und Sicherung von Rechten geht, sondern um eine 'Politics of behaviour'; eine Ethos-Politik der Veränderung und Produktion von Haltungen, Lebensentwürfen und Lebensführungspraktiken«" (2012, S.82)

Sozialpolitik als Konflikt und Soziale Arbeit

"Die Soziale Arbeit ist (...) existenziell auf die Institutionalisierung wie gesellschaftliche Belebung des sozialen Konflikts angewiesen, wenn sie nicht auf eine lediglich sozialtechnologische Funktion reduziert werden will." (2012, S.85)

Gemeinsames Ziel von Sozialpolitik und Sozialer Arbeit, aber unterschiedliche Zugänge

"Soziale Arbeit und Sozialpolitik haben ein gemeinsames Ziel: die Verbesserung sozial riskanter Lebensverhältnisse und ungleicher Lebenschancen. Die Sozialpolitik ist an sozialen Strukturen, die Soziale Arbeit an Personen orientiert. Ihren Bezug zu den Lebensverhältnissen verschafft sich die Sozialpolitik über die quantitative und qualitative Sozialberichterstattung (...). In ihnen wird in je unterschiedlichen Zugängen danach gefragt, wie die sozialstrukturellen Bedingungen die Lebensverhältnisse und Lebenschancen beeinflussen, welche Ermöglichungen und Verwehrungen also in diesen Verhältnissen gegeben sind, welche Verwirklichungsmöglichkeiten die Menschen vor dem Horizont sozialer Gerechtigkeit haben und wie dies sozialpolitisch beeinflusst werden kann. Diese Fragen werden traditionell über das Konzept der »Lebenslage« aufgeschlossen. Da die Soziale Arbeit dieselben Grundfragen - nun aber von der Person, ihren KlientInnen her stellt -, ist für sie das Lebenslagenkonzept sowohl für die eigene Arbeit als auch als Brücke zur Sozialpolitik relevant. Diese Brücke muss aber darüber hinaus noch eigens sozialpädagogisch konstruiert werden, da die Sozialarbeit/Sozialpädagogik Lebensverhältnisse nur lebensweltlich-biografisch und kaum ökonomisch und rechtlich beeinflussen kann. Dafür entwickeln wir das Konzept der »Bewältigungslage«"

Das Capability-Konzept des Ressourcenansatzes und seine Bedeutung für die Soziale Arbeit

"Zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Art und Weise, wie die Klienten der Sozialarbeit sozialstaatlich betreut und gefördert werden, gehört auch die Akzeptanz seitens anderer sozialer Gruppen und hier vor allem die Akzeptanz seitens der die gesellschaftliche Normalität verkörpernden Mittelschicht. Gerade von dieser Seite aber hat sich in den letzten Jahren ein diffuser Druck auf die Soziale Arbeit und ihre Klienten entwickelt. (...). Die Sozialarbeit gerät so wieder unter Druck, das Verursachungs- zum Verschuldungsprinzip zu machen und damit zu personalisieren." (2012, S.109)

"Der Capability-Ansatz ist sozialhistorisch und sozialstrukturell blind (...). Wenn der Einzelne als Agent seiner Bedürfnisse und Wünsche herausgehoben wird, was unterscheidet diese Figur dann von denen des »Arbeitskraftunternehmers« und »Optimierers seines Humankapitals«, wie sie in den liberalistischen Arbeits- und Bildungsdiskussionen seit einigen Jahren vor- und ausgestellt werden? (2012, S.111)

"Deshalb kann der Capability-Approach nur dort sozialpolitisch inspiriert sein, wo seine - unbestritten konzeptionell belebende - Subjektperspektive an den sozialstrukturellen Zusammenhang der Lebenslage rückgebunden wird. Dadurch erhalten wir ein »von unten her« entwickeltes sozialpolitisches Modell des Zusammenspiels von subjektorientierter Befähigungspolitik und lebenslagenorientierter Ermöglichungspolitik." (2012, S.114)

Die Demografisierung sozialer Probleme durch die Soziale Arbeit

"Weitergehend ist die familienpolitische Frage nach der gerechten Verteilung der Zukunftslasten im Verhältnis der Haushalte mit Kindern und denen ohne Kinder. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob die Entscheidung für Kinder, deren Pflege und Erziehung als Privatangelegenheit betrachtet werden kann, oder ob hier Leistungen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft erbracht werden, ob also die familialen Leistungen als unverzichtbarer Beitrag zur kollektiven Wohlfahrtsproduktion zu sehen und unter dem Gesichtspunkt der Leistungsgerechtigkeit auch entsprechend zu honorieren sind. »Warum soll eine Jahrgangsgruppe, die ihre Geburten reduziert hat, nicht die Konsequenzen tragen?« fragt Kaufmann (1997, S.174) und verweist auf Rentenmodelle, in denen Leistungsansprüche durch den geleisteten generativen Beitrag begründet und - besser als bisher durch Anrechnung von Erziehungsjahren - honoriert werden. Am anderen Pol des Gerechtigkeitskontinuums drohen denjenigen Jahrgängen bzw. Kohorten Strafpunkte und Rentenabzug, die »aus demographischer Sicht ungerechtfertigte Vorteile hinsichtlich ihrer Versorgungspflichten im Drei-Generationenverbund genossen« haben (ebd., S.72). Denn inzwischen hat sich die gesellschaftliche Entwicklung polarisiert. Dass eine Spaltung droht zwischen einem - trotz Krisen und Belastungen - noch nach weitgehend tradierten Lebensentwürfen gestalteten Familiensektor und einem wachsenden Gesellschaftssektor, der durch Kinderlosigkeit und plurale Lebensformen gekennzeichnet ist, wurde schon in den 1990er Jahren kritisch gesehen: »Das ungebremste Wachstum des Nicht-Familiensektors führt aus der Sicht nicht nur konservativer Sozialpolitiker zu einer wachsenden Umverteilung der gesellschaftlichen Lasten der Familien zugunsten der Alleinlebenden und doppelverdienender Paare ohne Kinder« (...)." (2012, S.178)

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

  • fehlen noch
 
       
   

Die Generationenfalle (1989).
Von der Relativierung der Lebensalter
(zusammen mit Klaus Blanc)

Frankfurt: Sammlung Luchterhand

 
   
     
 

Klappentext

"Die soziale Balance der Generationenverhältnisse ist heute gestört. Die Generationsbilder der Nachkriegszeit sind als Lebensmuster verwischt und in den Hintergrund getreten. Verschiedene Lebensalter werden von der Öffentlichkeit nur noch als unterschiedliche Konsumgenerationen mit spezifischen, von der Werbung »gemachten« Bedürfnissen wahrgenommen; Yuppies, Dinks, Perspektivensucher, Nachkarrieristen, jugendliche Sechsziger, aktive Siebziger...
Lothar Böhnisch und Klaus Blanc untersuchen die politische und soziale Bedeutung dieser Entwicklung und zeigen einen Weg zu einer neuen Definition des Generationenverhältnisses."

Zitate:

Die Verlagerung der Herausbildung einer Generationenidentität von der Jugendphase in die Familienphase

"Die Jugendphase als Ablösungsphase scheint (...) heute längst nicht mehr die Lebensphase zu sein, in der sich eine Generationenidentität, ein gesellschaftliches Zeitverständnis aus der Abgrenzung gegenüber der Elterngeneration herausbilden kann. Eher machen wir die Beobachtung, daß in späteren Lebensphasen, wenn die Jugendlichen selbst Eltern geworden sind und sich mit der Zukunft ihre Kinder auseinandersetzen müssen, sich bei ihnen eine Generationenidentät aus der Sorge um die Zukunft der eigenen Kinder heraus entwickelt." (S.71)

Die Vorwegnahme der grünen Kinderpolitik

"(In) den letzten Jahren (...)(haben sich) neue Generationsfiguren - vor allem in den sozialen Bewegungen - herausgebildet, die sich von dem klassischen Modell der Generationenhierarchie unterscheiden. Aus dem Leitmotiv der Ökobewegung »Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt, wir müssen heute anders leben, damit unsere Kinder morgen überleben können«, bildete sich ein neues Verständnis des Generationenverhältnisses aus. Nicht die Kinder sind es, die sich unserem Tun und seinen Folgen anzupassen haben, sondern wir müssen unser heutiges Verhalten so verändern, daß eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder gewährleistet ist, auch wenn wir damit unsere Gewohnheiten grundlegend revidieren müssen. Vor diesem Hintergrund verliert das Bild der jungen Generation sein kulturell-avantgardistisches Flair: Der Fortschrittsglaube der Moderne, mit dem dieses Jugendbild verknüpft war, ist obsolet geworden. Wir erleben ökosoziale Bewegungen, in denen Männer und Frauen der älteren Generation ihre Zeitsensibilität öffentlich ausspielen und dadurch zu Meinungsführern werden können." (S.95f.)

Inhaltsverzeichnis

Generationenbeschwörung
Die Relativierung der Lebensalter
Generationenverständnis als Zeitverständnis
Stillstand der Generationendynamik
Der Riß oder die Generation des schlechten Gewissens
Familie und Jugend: Der verschwundene Konflikt
Rückblenden: Der "Kampf gegen die Väter"
Die neuen "Konsumgenerationen"
Die Nivellierung des Zeitverständnisses
Die übergangene Zeit: Generationenbilder auf dem Lande
Wiedergewinnung der gesellschaftlichen Orientierung
Weiblich Realität und patriarchalische Generationsmuster
Zeiterleben gegen die Mehrheitsgesellschaft
Die neuen Studentenproteste: Generationenfrage oder Sozialkonflikt?
Das Ende der Generationenhierarchie
Das Gespenst der "demographischen Revolution"

 
     
 
       
   
  • Rezensionen

  • fehlen noch
 
   
  • Lothar Böhnisch in der Debatte

  • fehlt noch
 
     
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002 - 2013
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 12. März 2002
Update: 07. September 2013