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Norbert F. Schneider: Mobilität und Lebensform

 
       
     
       
     
       
   

Norbert F. Schneider in seiner eigenen Schreibe

 
   

SCHNEIDER, Norbert F. (1996): Bewußt kinderlose Paare,
in: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 1/2, S.128-137

ROST, Harald & Norbert F. SCHNEIDER (1996): Gewollt kinderlose Ehen. In: BUBA, Hans Peter & Norbert F. SCHNEIDER (Hg.) Familie. Zwischen gesellschaftlicher Prägung und individuellem Design, Opladen: Westdeutscher Verlag, S.245-260  

SCHNEIDER, Norbert F./ROSENKRANZ, Doris/LIMMER, Ruth (1998): Nichtkonventionelle Lebensformen. Entstehung, Entwicklung, Konsequenzen. Opladen: Leske + Budrich

SCHNEIDER, Norbert F./ROSENKRANZ, Doris/LIMMER, Ruth (2000): Nichtkonventionelle Lebensformen. In: MUELLER, Ulrich/NAUCK, Bernhard/DIEKMANN, Andreas (Hg.) Handbuch der Demographie, Band 2, Berlin u. a.: Springer, S.980-1024

SCHNEIDER, Norbert F. (2001): Pluralisierung der Lebensformen - Fakt oder Fiktion?
in: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, S.85-90

"Wenn man die Beiträge insgesamt betrachtet, lassen sich drei unterschiedliche Positionen ausmachen. Einige Autoren gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass »seit Mitte der 60er Jahre ... in der Bundesrepublik Deutschland und in der ehemaligen DDR eine zunehmende Pluralisierung und Individualisierung der Lebensformen ... « zu beobachten ist (Peuckert, 1999, S.19). Diese Position, die sich vor allem im Zusammenhang mit der These der gesellschaftlichen Individualisierung (Beck, 1986; Beck-Gernsheim 1994) etabliert hat, hat sich im öffentlichen Diskurs weitgehend durchgesetzt. (...).
Unter Hinweis auf die ungenügende Gegenstandsbestimmung und Begriffsreflexion sowie auf die fehlende empirische Basis sind in letzter Zeit einige Familiensoziologen und -soziologinnen der Pluralisierungsthese vehement entgegengetreten (...), z.B. Wagner und Franzmann (2000) (...). Auch Klein (1999)(...). Nave-Herz (1997) spricht im Zusammenhang mit der Pluralisierungsthese sogar von einem »Konstrukt der Wissenschaft ..., das sich nicht zur Beschreibung der sozialen Realität« eignet (S.48f).
Eine dritte Position wird u.a. von Schneider (1994), Diewald und Wehner (1995), Lüscher (1997) und Lauterbach (1999) vertreten. Sie sprechen von einer »Pluralisierung in Grenzen« und betonen damit, dass der gesellschaftliche Strukturwandel zwar zu einer erkennbaren Zunahme von Handlungsoptionen, aber nicht zu einem »anything goes« der privaten Lebensführung geführt hat",

erläutert Norbert F. SCHNEIDER. Er kritisiert, dass zwar "Vergleichszeitpunkte, Begrifflichkeit und Indikatoren" benannt werden, aber er vermisst eine kritische Reflektion:

"So ist die Wahl der Indikatoren häufig durch Plausibilitätsüberlegungen und Restriktionen des Datensatzes bestimmt."

Beispielhaft nennt er KLEIN (1999) sowie WAGNER & FRANZMANN, also "Leugner der Pluralisierungsthese". SCHNEIDER kritisiert, daß äußere Strukturmerkmale wie Familienstand, Generationenzahl und Haushaltszusammensetzung nicht ausreichend sind, um zwischen Lebensformen zu differenzieren, sondern auch die Binnenstruktur der Lebensformen betrachtet werden müssen. Dazu zählt er die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, den Altersabstand der Partner, den Generationenabstand, Bildungsunterschiede und ethnische Zugehörigkeiten der Partner. Zudem darf die subjektive Bewertung der Lebensformen nicht vernachlässigt werden:

"Lebensformen sind stark durch die Motive ihrer Aufrechterhaltung und durch die Umstände ihrer Entstehung gekennzeichnet. Ob Ein-Personen-Haushalte infolge von Verwitwung oder im Zusammenhang mit dem bewusst gewählten Lebensstil des Singles entstehen, qualifiziert sie möglicherweise als unterschiedliche Lebensformen."

Sein Fazit:

"Pluralisierung der Lebensformen - Fakt oder Fiktion? Die Antwort auf die Frage ist abhängig von den Vergleichszeitpunkten und den gewählten Indikatoren. Eine abschließende Antwort ist beim derzeitigen Forschungsstand nicht zu geben. Gegenwärtig am plausibelsten scheint m. E. zu sein, die Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als »Pluralisierung in Grenzen« zu interpretieren. (...). Entgegen der individualisierungstheoretischen Interpretation kann nicht als gesichert gelten, dass hauptsächlich die Zunahme individueller Handlungsoptionen für eine größere Vielfalt an Lebensformen und für eine gleichmäßigere Verteilung der Bevölkerung über die verschiedenen Lebensformen ausschlaggebend ist. Pluralität kann ebenso gut infolge neuer gesellschaftlicher Zwänge und Restriktionen und komplexer gewordener Strukturen entstehen".  

SCHNEIDER, Norbert F. & Kerstin RUCKDESCHEL (2003): Partnerschaften mit zwei Haushalten. Eine moderne Lebensform zwischen Partnerschaftsideal und beruflichen Erfordernissen. In: Walter Bien & Jan H. Marbach (Hrsg.): Partnerschaft und Familiengründung. Ergebnisse der dritten Welle des Familien-Survey. Opladen: Leske + Budrich, S. 245-259

SCHNEIDER, Norbert F. (2004): Berufliche Mobilität in Zeiten der Globalisierung und die Folgen für die Familie,
in: psychosozial, Heft 1, S.21-34

SCHNEIDER, Norbert F. & Heiko RÜGER (2008): Beziehungserfahrungen und Partnerschaftsverläufe vor der Heirat.
Eine empirische Analyse von Angehörigen der Eheschließungskohorte 1999 - 2005
in:
Zeitschrift für Familienforschung, Nr.2

SCHNEIDER, Norbert F. (2009): Distanzbeziehungen. In: LENZ, Karl & Frank NESTMANN (Hg.) Handbuch persönlicher Beziehungen, Weinheim: Juventa, S.677-693

SCHNEIDER, Norbert F./RUPPENTHAL, Silvia/LÜCK, Detlev (2009): Beruf, Mobilität und Familie. In: Burkart, Günter (Hg.) Zukunft der Familie, Sonderheft der Zeitschrift für Familienforschung, Opladen, S 93-110

 
   

Norbert F. Schneider im Gespräch

 
   

FREYMEYER, Karin & Manfred OTZELBERGER (2000): Die Fernbeziehung ist nicht so schlecht wie ihr Ruf.
Interview mit dem Soziologie-Professor Norbert F. Schneider,
in:
FREYMEYER, Karin & Manfred OTZELBERGER: In der Ferne so nah. Lust und Last der Wochenendbeziehungen, Berlin: Ch. Links, S.32-36

KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2002): "Die negativen Folgen der Mobilität dürfen nicht länger übersehen werden".
Ein Gespräch mit Norbert F. Schneider, Professor für Soziologie an der Universität Mainz und Projektleiter der Studie Berufsmobilität und Lebensform,
in: Psychologie Heute, April

Neu:
MIELKE, Jahel (2010): "Allein wohnen heißt nicht, allein zu sein".
Gespräch mit dem Soziologen Norbert F. Schneider,
in:
Tagesspiegel v. 25.04.

 
       
   

Norbert F. Schneider in den Medien

 
   

WIDMANN, Stefanie (2005): "Fortpflanzung ist keine Menschenpflicht".
Soziologe Schneider sieht Diskussion zwischen Kinderlosen und Eltern als schädlich an,
in: Allgemeine Zeitung Mainz  v. 07.03.

Das hat heutzutage Seltenheitswert! Der Soziologe Norbert F. SCHNEIDER von der Universität Mainz), verteidigt die Kinderlosen und kritisiert dazu noch den Spiegel-Biologismus:

"Aus Sicht Schneiders, der sich schwerpunktmäßig mit Familie und Lebensformen beschäftigt, keinen. »Arterhaltung ist bei Menschen kein Argument, das wurde ihnen höchstens in Kriegszeiten manchmal gesagt«, stellt der Soziologe klar. Sich selbst zu reproduzieren, sich zu verwirklichen, die Erfahrung zu machen, wie das so mit Kindern ist - das seien eher die Motive, Kinder zu bekommen. Andererseits seien ein Drittel bis die Hälfte der Schwangerschaften ungewollt, das Wunschkind wiederum würde bei Frauen über 30 vielfach ausbleiben.
Als »zwingend schädlich und falsch« bezeichnet Schneider die Diskussion über den Wert von Singles, Dinks (Double Income, no Kids) und Familien für die Gesellschaft. »Kinderlose lassen es sich gut gehen zu Lasten verantwortungsvoll handelnder Eltern« -  solche Aussagen seien ebenso falsch wie der Vorwurf, sie verweigerten der Gesellschaft einen Dienst, auf den diese Anspruch haben. »Fortpflanzung ist keine Menschenpflicht«, stellt Schneider klar. »Auch Kinderlose leisten ihren Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft - sie arbeiten beruflich voll, zahlen die höchsten Steuern und Abgaben und finanzieren so manche nicht erwerbstätige Mutter mit, die kostenfrei an der Sozialversicherung der Gesellschaft partizipiert.«"

 
       
   

Beruf, Mobilität und Familie (2009).
Zeitschrift für Familienforschung, Sonderheft 6
Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Berufsbedingte räumliche Mobilität

1.1 Mobilität in der globalisierten Welt - zwischen Freiheit und Zwang
1.2 Eine Typologie mobilen Lebens
1.3 Zur Verbreitung beruflicher Mobilität in Deutschland
1.4 Zum Zusammenhang von Mobilität, Familie und sozialen Beziehungen

2 Zur Zukunft berufsbedingter Mobilität

2.1 Der Wandel am Arbeitsmarkt
2.2 Veränderungen in der Erwerbsbeteiligung von Frauen
2.3 Wandel der Partnerschaftsmärkte
2.4 Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnologie

3. Mobilität und die Folgen für die Gestaltung von Familie

3.1 Zirkuläre Mobilitätsformen

3.1.1 Partnerschaft, Beziehungsqualität und Arbeitsteilung
3.1.2 Elternschaft und Familienplanung
3.1.3 Zwischenfazit: Zur Bedeutung von zirkulärer Mobilität für Männer und Frauen

3.2 Residenzielle Mobilität

3.2.1 Umzug und Familienbeziehungen
3.2.2 Umzug und ortsgebundenes sozialer Kapital
3.2.3 Zwischenfazit: Umzug, Familie und Gesellschaft

4. Zur Zukunft von Familie und Gesellschaft in Zeiten erhöhter Mobilität

Zitate:

Die Verbreitung beruflicher Mobilität in Deutschland

"Über die Verbreitung beruflicher Mobilität liegen nur wenige Daten vor. Die europaweit beste Datengrundlage bietet die Studie »Job Mobilities and Family Lives in Europe«. In Deutschland, Spanien, Frankreich, der Schweiz, Belgien und Polen wurden im Frühsommer 2007 7220 zufällig ausgewählte Personen im Alter zwischen 25 und 54 Jahren befragt, davon 1663 in Deutschland.
Die gegenwärtige Mobilitätsdynamik in Deutschland kann mit wenigen Zahlen charakterisiert werden (...): Jeder sechste 25- bis 54-Jährige (16,4 %) ist gegenwärtig (zum Zeitpunkt der Befragung im Frühsommer 2007) aus beruflichen Gründen mobil. Unter den Vollzeit Erwerbstätigen sind es 21,7 %. Zirkuläre Mobilitätsformen sind fast viermal so häufig wie Umzugsmobilität. Bei Einbeziehung früherer Mobilitätserfahrungen wird erkennbar, dass nahezu jeder Zweite (48,5 %) in der untersuchten Altersgruppe über berufliche Mobilitätserfahrungen verfügt. Damit verweisen die dargestellten Befunde auf durchaus beträchtliche berufliche Mobilitätserfahrungen, wobei noch jene 5,1 % hinzugezählt werden können, die selber nie mobil waren, aber mittelbare berufliche Mobilitätserfahrungen über einen beruflich mobilen Partner haben."
(2009, S.114)

Faktoren, die die zukünftige berufsbedingte räumliche Mobilität beeinflussen

"Das gegenwärtige Mobilitätsgeschehen und seine weitere Entwicklung sind maßgeblich durch vier Faktoren, dem Wandel am Arbeitsmarkt, den Veränderrungen in der Erwerbsbeteiligungen von Frauen, dem Wandel der Partnerschaftsmärkte und dem Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnologie, beeinflusst."
(2009, S.116f.)

Die Steigerung der Müttererwerbsquote, ihre Voraussetzungen und die Folgen einer steigenden zirkulären Mobilität

"Im Jahr 2000 (üben in) (...) Deutschland (...) nur 30,5 % der Mütter mit Kindern unter drei Jahren aktiv eine Erwerbstätigkeit aus. Hinzu kommt, dass Erwerbsbeteiligung von Frauen auch mit älteren Kindern überwiegend Teilzeitbeschäftigung bedeutet. Im Jahr 2000 gingen lediglich 24,4 % der Frauen mit einem Kind im Alter von sechs bis 14 Jahren einer Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit über 35 Stunden nach (Engstler/Menning 2003).
Die Erwerbsbeteiligung von Frauen könnte demnach noch erhebliche Steigerungen erfahren. Das ist insbesondere dann wahrscheinlich, wenn die Karriereorientierung hoch qualifizierter Frauen weiter steigt, wenn Frauen arbeiten müssen, da ein Einkommen im Haushalt zur Sicherung des Lebensstandards nicht mehr reicht und wenn sich das Selbstverständnis junger Frauen weiter verändert und diese auf ökonomische Selbständigkeit und Berufstätigkeit nicht mehr verzichten wollen. Gefördert wird diese Entwicklung dadurch, dass der Arbeitsmarkt (...) immer weniger auf die Arbeitskraft qualifizierter Frauen verzichten kann (...).
Diese Entwicklungen legen die Annahme nahe, dass von einer Zunahme zirkulärer Mobilitätsformen ausgegangen werden kann.".
(2009, S.118)

Der Wandel der Partnerschaftsmärkte und die Zunahme zirkulärer Mobilität

"Mobilität (kann) für die Gestaltung von Partnerschaft und Familie auch durch die Entlokalisierung von Partnerschaftsmärkten an Bedeutung gewinnen. So eröffnen berufsbedingte räumliche Mobilität neue Gelegenheiten, Partner fern des eigenen Lebensmittelpunktes zu finden. Daneben ermöglichen es die neuen Medien, überregional nach einem Partner oder einer Partnerin zu suchen. (...).
Noch 2001 konstatierte Lengerer auf Basis von 1996 erhobenen Daten über Partnerschaftsbiografien zu Recht eine starke lokale Begrenztheit von Partnerschaftsmärkten (S. 143). (...). Allerdings wird schon auf der Basis der Daten von 1996 deutlich, dass es Bildungsunterschiede gibt. Höher Qualifizierte haben häufiger Partner aus anderen Herkunftsregionen. (...). Steigt die Mobilität, beispielsweise durch ausbildungsbedingte Auslandsaufenthalten, Vari-Mobilität und Auslandsentsendungen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit entlokalisierter Partnerschaftsmärkte."
(2009, S.119)

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist die Voraussetzung zur Senkung der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen

"Eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Mobilität ist keine ausschließlich privat zu lösende Aufgabe, sondern ein gesellschaftspolitisches Thema, das nur durch konzertierte Anstrengungen bewältigt werden kann. Gelingt dieser Perspektivenwechsel nicht, wird sich der Anteil kinderloser Männer und Frauen auf hohem Niveau längerfristig stabilisieren oder die beruflichen Kompetenzen gut ausgebildeter Frauen bleiben systematisch unterausgeschöpft. Nur wenn sich die westdeutsche Gesellschaft von der Vorstellung verabschiedet, dass sich »fremd betreute« Kinder schlechter entwickeln als jene, die von ihrer Mutter betreut werden und in der Folge qualitativ hochwertige Entlastungen für Kinderbetreuung geschaffen werden, kann der Benachteiligung von Frauen in Zeiten erhöhter beruflicher Mobilität und der weiterhin sehr niedrigen Geburtenrate, gerade auch von hoch qualifizierten Frauen, langfristig entgegengewirkt werden."
(2009, S.126f.)

Es besteht in Deutschland ein Zielkonflikt zwischen aktiver Bevölkerungspolitik und der Wahlfreiheit der Lebensführung, der nur durch die EU-Politik aufgelöst werden könnte

"Widersprüchlichkeiten erschweren erfolgreiches politisches Steuerungshandeln. So steht etwa die Ablehnung von Ganztagsschulen durch Mütter und Väter, die sich am Nachmittag selbst gerne um ihre Kinder kümmern möchten, dem Wunsch nach Ausbau der Betreuungseinrichtungen berufstätiger Mütter und Väter entgegen. Aufgrund der Tiefe des Konflikts ist es schwer vorstellbar, dass diese Widersprüchlichkeiten in naher Zukunft aufgelöst werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es auch in fernerer Zukunft hierdurch noch Mobilitätsverlierer und - verliererinnen geben wird.
Ein grundsätzlicher Wandel (...) der Rahmenbedingungen könnte eventuelle durch die Politik der Europäischen Union ausgelöst werden. (...). Sie könnte zukünftig auch maßgebenden Einfluss auf die Sozial-, Geschlechter- und Familienpolitik erringen. Damit würden gesellschaftliche Kräfte wirksam werden, die die Patt-Situation innerhalb der deutschen Gesellschaft aushebeln können."
(2009, S.133)

Die vollmobile Single-Gesellschaft als abwegiges Szenario

"Das Szenario der vollmobilen Singlegesellschaft, in der Individuen ohne Heimat und soziale Beziehungen dahindriften, erscheint auch in Zeiten erhöhter Mobilität unwahrscheinlich."
(2009, S.134)

 
     
 
       
   

Ein Beitrag von single-generation.de zum Thema

Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt

 
       
   

Berufliche Mobilität in Zeiten der Globalisierung und die Folgen für die Familie (2004)
Heft 1
Zeitschrift psychosozial

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

Wie Globalisierung die Menschen bewegt
Fragestellungen und Studiendesign
Wie entstehen mobile Lebensformen?
Vorzüge und Belastungen mobiler Lebensformen für die mobile Person und für ihren Partner

Wahrgenommene Gesamtbelastung
Spezifische Vorzüge und Belastungsinhalte der mobilen Lebensformen

Schlussbetrachtungen: Mobilität im 21. Jahrhundert

Zitate:

Globalisierung und die Mobilisierung der Menschen in dreifacher Weise

"Die zunehmende wirtschaftliche und politische Verflechtung von Staaten, Regionen und Kontinenten, das was heute gemeinhin unter dem Etikett Globalisierung zusammengefasst wird, führt, so die zentrale Prämisse dieses Beitrags, zur Mobilisierung einer größeren werdenden Zahl von Menschen. Mit dem Begriff der Mobilisierung sind drei verwandte, dennoch sehr verschiedenartige Prozesse angesprochen: Mobilisierung meint zunächst die steigende räumliche Mobilität von Menschen. (...). Eine Mobilisierung der Menschen ist daneben auch im Sinne einer wachsenden sozialen Mobilität, also Auf- und Abstiege im sozialen Positionsgefüge einer Gesellschaft, zu beobachten (...). Eine Mobilisierung der Menschen findet schließlich auch im Hinblick auf ihre persönlichen Eigenschaften, Dispositionen und Fähigkeiten statt."
(2004, S.21)

Die Folgen erhöhter Mobilität

"Während sich Mobilität und Mobilsein in der Ökonomie zu sehr positiv besetzten Werten entwickelt haben, über die kaum kritisch reflektiert wird, verweisen verschiedene sozialwissenschaftliche Studien auch auf die negativen Konsequenzen einer erhöhten Mobilität (z.B. Sennett 2000; Gergen 1996; Schneider, Limmer und Ruckdeschel 2002). Es stellt sich die Frage, welche Folgen eine erhöhte Mobilität für die mobilen Menschen, ihre Familien und für ihre sozialen Beziehungen hat. Besonders im Hinblick auf die sozialen Beziehungen werden die Folgen kontrovers diskutiert. Kritiker wie Richard Sennett (2000) betonen, dass die damit verbundenen Diskontinuitäten und Belastungen unweigerlich zu Isolation, Entwurzelung und wachsender Ziellosigkeit führen und damit auch gemeinschaftszerstörend wirken. Andere Autoren (z.B. Albrow 1998 und Beck 1986) beschreiben dagegen ein Positiv-Szenario. (...).
Eine der bedeutsamen Folgen ist die nachhaltige Veränderung des Zusammenspiels von Identität und Raum. (...). Im Prozess der gesellschaftlichen Neuformierung von Raum werden an Räumlichkeit gebundene, einst hoch integrierte soziale Institutionen wie Haushalt, Nachbarschaft, Dorfgemeinschaft und Nationalstaat allmählich aufgebrochen. (...). Es entstehen neue Gestaltungsmodi der Regelung von Nähe und Distanz, von An- und Abwesenheit. Das betrifft die beruflichen Kontakte ebenso wie Partnerschaft, Familie und Elternschaft."
(2004, S.22)

Die Gründe für die Lockerung von beruflicher und residentieller Mobilität

"Die enge Verknüpfung von beruflicher und residenzieller Mobilität hat sich aus drei Gründen gelockert. Ein Umzug an den neuen Arbeitsort unterbleibt, wenn Arbeitsverhältnisse (...) keine langfristige Perspektive versprechen. Residenzielle Mobilität wird in Folge der gestiegenen Erwerbsbeteiligung der Frauen erschwert. (...). Der dritte Grund ist darin zu suchen, dass berufliche Mobilitätserfordernisse immer häufiger auch an Beschäftigte in höheren Lebensaltern adressiert sind und die Bereitschaft zu residenzieller Mobilität mit steigendem Alter abnimmt. Daher entscheiden sich viele Menschen gegen einen Umzug und für eine zirkuläre Mobilitätsform wie Fernpendeln oder Wochenendpendeln."
(2004, S.23)

Von der Untersuchung ausgeschlossene Personengruppen

"Die Analyse beruht auf den Daten der Studie »Berufsmobilität und Lebensform« (...). Personen ohne Partner, d.h. Singles und Alleinerziehende waren von der Befragung ausgeschlossen. (...).
Mobile Lebensformen sind Manifestationen des mobilen Lebens, mehr oder weniger stabile Formen der Vereinbarung von Beruf, Mobilität, Partnerschaft und Familie. In umfangreichen Voruntersuchungen wurde erkennbar, dass empirisch von sieben typischen Formen mobilen Lebens auszugehen ist, wovon fünf im Rahmen der Studie näher betrachtet wurden. Bei den beiden nicht untersuchten Formen handelt es sich um Auslandsmobilität, d.h. um Beschäftigte, die von ihrem Unternehmen für mindestens ein Jahr ins Ausland entsendet worden sind und um so genannte »Jobnomaden«, d.h. um berufstätige Personen, die an ständig wechselnden Orten tätig sind und keinen regelmäßigen Aufenthaltsort haben (vgl. Englisch 2001).
(2004. S.24)

Die Verbreitung mobiler Lebensformen

"Über die Verbreitung mobiler Lebensformen liegen für Deutschland keine verlässlichen Daten vor. Nach unseren eigenen Berechnungen (...) ist davon auszugehen, dass etwa jeder sechste (16 Prozent) Erwerbstätige im Alter zwischen 20 und 59 Jahren in einer der von uns uns untersuchten Lebensformen mobil ist. Dabei stellen Fernbeziehungen mit neun Prozent die größte Gruppe dar. Allerdings sind vier Prozent aus rein persönlichen Gründen entstanden, wodurch dieser Teil nicht zu den beruflich mobilen Lebensformen zu rechnen ist. Fernpendler bilden mit vier Prozent die zweitgrößte Gruppe, danach folgen Varimobile mit drei Prozent sowie Shuttles und Umzugsmobile mit jeweils zwei Prozent. Die weitaus häufigste Lebensform bilden gleichwohl ortsfeste Personen. Von den 20- bis 59-jährigen Befragten des Sozioökonomischen Panels leben nach eigenen Angaben 45 Prozent seit ihrer Geburt im gleichen Ort bzw. in der gleichen Region."
(2004, S.24f.)

Mobilität als Zwang

"Mobilität heißt immer drängender mobil sein zu müssen und verkörpert damit auch Autonomieverlust und Unfreiheit. Das Sollen und weniger das Wollen mobilisiert die Menschen. Das, so scheint es, wird auch auf den Führungsetagen der Wirtschaft so empfunden. In einer kürzlich veröffentlichten Studie, in der 67 Führungskräfte der Deutschen Bank befragt worden sind, konstatierten 63 Prozent, dass sie nicht aus freiem Antrieb und entgegen ihren eigentlichen Absichten mobil geworden sind. Nur 36 Prozent gaben an, sich überwiegend freiwillig und selbstbestimmt für die Mobilität entschieden zu haben (Paulu 2001, 80).
(2004, S.25)

"Insbesondere wenn Mobilitätserfordernisse unerwartet und plötzlich auftreten und eine rasche Entscheidung zu treffen ist, wie z.B. bei etwa jedem vierten Fernpendler (27 Prozent) der Fall, kann dies die Entscheidungsspielräume massiv reduzieren. Lautet die Alternative beispielsweise Mobilität oder Arbeitslosigkeit, müssen sich die Betroffenen für eine von zwei unerwünschten Möglichkeiten entscheiden."
(2004, S.26)

Mobilität als kritisches Lebensereignis bzw. Stress

"Wie Mobilität im Alltag erlebt wird, welche Vorzüge und welche Belastungen damit verbunden werden, ist Ergebnis subjektiver Deutungsprozesse durch die einzelnen Familienmitglieder. Aus der Familienstresstheorie ist bekannt, dass die Vorhersehbarkeit des Ereignisses, seine Gestaltbarkeit und Kontrolle sowie die Intensität der Folgen maßgeblich mitbestimmen, ob und in welchem Umfang ein Ereignis als belastend empfunden wird (...). Eine entscheidende Moderatorvariable sind die verfügbaren Bewältigungsressourcen, d.h. die Kompetenzen und Möglichkeiten, konstruktiv und erfolgreich mit den Belastungen umzugehen. Während Umzug gegebenfalls als punktuelles kritisches Lebensereignis auftreten kann (...) und in den meisten Fällen relativ schnell gut bewältigt wird, sind alle anderen beruflichen Mobilitätsformen den »daily hassles« zuzuordnen, den kleinen, aber relativ beständigen Problemen und Belastungen des Alltags.
(2004, S.29)

Der Single als Pionier der Moderne? Oder Personalpolitik als aktive Bevölkerungspolitik

"Als Grundfigur der Moderne wird sich der am Arbeitsmarkt frei verfügbare Single nicht durchsetzen. Die weitaus meisten Menschen wollen in partnerschaftlichen Lebensformen leben und nicht allein. (...).
Die Zukunft der Arbeit liegt nicht darin, den Menschen immer mehr zuzumuten und sie mit ihren familiären Belangen allein zu lassen, sie wird vielmehr darin liegen den Einzelnen nicht nur als Funktionsträger im Betrieb, sondern als Person mit Verantwortung für eine Familie und die eigene seelische Gesundheit zu respektieren. Eine in dieser Richtung betriebene Personalpolitik der Unternehmen wäre ein wichtiger Beitrag zu einer aktiven Bevölkerungspolitik, die in Zeiten schrumpfender Bevölkerung und leerer Sozialkassen von vielen Seiten so dringend eingefordert wird."
(2004, S.33)   

 
     
 
       
   

Ein Beitrag von single-generation.de zum Thema

Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt

 
       
   

Mobil, flexibel, gebunden (2002)
Familie und Beruf in der mobilen Gesellschaft
(zusammen mit Ruth Limmer & Kerstin Ruckdeschel)

Frankfurt:
Campus

 
   
     
 

Klappentext

"Immer mehr Menschen sind heutzutage mit dem Erfordernis beruflicher Mobilität konfrontiert. Leitfigur der Moderne ist der mobile Mensch - flexibel, ungebunden, leistungsstark. Wie lässt sich dieses Bild mit dem Wunsch nach Partnerschaft und Familie vereinbaren? Der Band zeigt, welche Lebensformen die Betroffenen entwickeln und wie Politik und Unternehmen die Folgen der neuen Mobilität beeinflussen können."

     
 
       
   

Ein Beitrag von single-generation.de zum Thema

Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt
 
   

Die Studie in den Medien

Berufsmobilität und Lebensform
 
       
   

Nichtkonventionelle Lebensformen (1997).
Entstehung, Entwicklung, Konsequenzen
(zusammen mit Ruth Limmer &
Doris Rosenkranz)

Opladen:
Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Immer mehr Menschen leben phasenweise oder dauerhaft in nichtkonventionellen Lebensformen jenseits der Kernfamilie. Diese Lebensformen werden in der Öffentlichkeit häufig als Prototypen einer heraufziehenden neuen Moderne dargestellt. Tatsächlich basieren solche Aussagen nicht selten auf falschen Vorstellungen und unzureichenden Informationen. Ziel des Bandes ist es, den Kenntnisstand über nichtkonventielle Lebensformen zu erweitern, Hintergründe ihrer Entstehung zu beleuchten und die aktuellen Entwicklungen in einen übergeordneten theoretischen Rahmen zu integrieren und damit besser verständlich zu machen.
Eine zweite Zielsetzung des Bandes ist es, anhand der gesellschaftlichen Bereiche Wohnen, Konsum und Alterspflege die Konsequenzen des Wandels der privaten Lebensführung aufzuzeigen und zukünftige Gestaltungsmöglichkeiten zu diskutieren.
"

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Nichtkonventionelle Lebensformen - Produkt von Konvention und Definition

1.1 Grundzüge einer Soziologie der Lebensformen und der Lebensführung
1.2 Private Lebensführung im Kontext gesellschaftlicher Entwicklung
1.3 Nichtkonventionelle Lebensformen im Lebensverlauf

2. Figuren nichtkonventioneller Lebensformen

2.1 Alleinwohnende
2.2 Partnerschaften mit getrennten Haushalten
2.3 Nichteheliche Lebensgemeinschaften
2.4 Gleichgeschlechtliche Partnerschaften
2.5 Kinderlose Ehepaare
2.6 Alleinerziehende
2.7 Fragmentierte Elternschaft: Stief-, Adoptiv, Pflege- und Inseminationsfamilien
2.8 Gewählte Familien: Sekten, Wohngemeinschaften und Mehrpersonenpartnerschaften

3. Folgen des Wandels von Lebensformen und Lebensführung für ausgewählte gesellschaftliche Bereiche

3.1 Folgen für die familiale Pflege
3.2 Folgen für den Wohnungsmarkt
3.3 Folgen für den privaten Konsum

4. Wohin geht der Wandel: Singularisierung, Polarisierung, Familialisierung oder Phasierung?

 
     
 
       
   

Rezensionen

WEISS, Hilde (1998): Institution ohne Ablaufdatum: Die Familie,
in: Wiener Zeitung v. 18.12.

 
   

Familie und private Lebensführung in West- und Ostdeutschland (1994).
Eine vergleichende Analyse des Familienlebens 1970 - 1992
Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag

 
       
     
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. April 2002
Update: 25. Mai 2015