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Axel Börsch-Supan: Ökonomische Auswirkungen des demografischen Wandels

 
       
     
       
     
       
   

Axel Börsch-Supan in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

BÖRSCH-SUPAN, Axel (1996): Demographie, Arbeitsangebot und die Systeme der sozialen Sicherung. In: Horst Siebert (Hg.) Sozialpolitik auf dem Prüfstand. Leitlinien für Reformen, Tübingen: Mohr, S.13-58

BÖRSCH-SUPAN, Axel (1997): Eine umfassende Verpflichtung zur Solidarität. Das Festhalten am Umlageverfahren gefährdet den Generationenvertrag - Kapitaldeckung ist möglich und vorteilhaft. In: Annette Lepenies (Hrsg.) Alt und Jung: Das Abenteuer der Generationen, Basel/Frankfurt a/M: Stroemfeld Verlag, S.34-40

BERTHOLD, Norbert/BÖRSCH-SUPAN, Axel/FRANZ, Wolfgang/SINN, Hans-Werner (2002): Hartz-Pläne sind nicht bezahlbar.
SZ-Tagesthema: Sozialversicherung, 
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.11.

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2004): Aus der Not eine Tugend.
Die Zukunft der alternden Gesellschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.08.

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2007): Der Ruf nach Einheit.
Der SPD-Politiker Karl Lauterbach diagnostiziert vorschnell den "Zweiklassenstaat",
in: Berliner Zeitung v. 26.06.

"Viele der von Lauterbach angeprangerten Zustände sind in der Tat himmelschreiend. Lauterbach hat völlig recht, das deutsche Bildungssystem als im Kern marode zu bezeichnen, das es schafft, »oben und unten gleichzeitig zu versagen«. (...). Er hat auch recht, über unser Gesundheitssystem zu klagen, weil es das drittteuerste der Welt ist, aber nur mäßige Leistungen erwirtschaftet. Er hat recht, das absurde Abrechnungssystem, die Überheblichkeit der kassenärztlichen Vereinigungen, die schädliche Trennung von ambulanten und stationären Behandlungen und die Verinselung von Spezialisten anzuprangern und anschließend die verlogene Gesundheitsreform 2006 zu beweinen.
             Wenn dieses Buch ein wenig dazu beiträgt, Deutschland aufzurütteln (...) - dann hat das Buch einen großen Dienst geleistet. (...).
             Es ist gut, dass Lauterbach engagiert und mit vielen richtigen Fakten die Dringlichkeit tiefgreifender Reformen anmahnt. Was aber ganz und gar nicht überzeugt, sind seine Sprünge in den Klassenkampf"

meint BÖRSCH-SUPAN zum Buch Der Zweiklassenstaat von Karl LAUTERBACH.

BÖRSCH-SUPAN, Axel  (2011): Unsere gewonnenen Jahre.
Es lässt sich nicht ändern, dass die Bevölkerung in Deutschland in den kommenden Jahren in einem nie gekannten Maß altern wird. Der demographische Wandel ist aber nicht unser Schicksal. Durch eine längere Erwerbstätigkeit ließe sich diese Entwicklung ohne eine wesentliche Beeinträchtigung des Lebensstandard ausgleichen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.02.

Die FAZ und ihr Herausgeber Frank SCHIRRMACHER ("Das Methusalem-Komplott", "Minimum") sah Deutschland aufgrund des demographischen Wandels am Abgrund. Blödsinn! BÖRSCH-SUPAN erläutert, dass die Auswirkungen einer Gesellschaft der Langlebigen zwar eine Herausforderung darstellt - wie im übrigen jede Änderung der Zusammensetzung einer Bevölkerung - aber kein Grund zur Sorge ist, sondern vielmehr eine Chance darstellt.
            
BÖRSCH-SUPAN, von der FAZ Anfang 2009 sogar als Nachfolger von Bert RÜRUP im Sachverständigenrat zur Begutachtung der ökonomischen Entwicklung gehandelt, kommt aus der Sicht der Wirtschaft zur Auffassung, dass der so genannte DEMOGRAPHISCHE Altersquotient, der bei Panikmachern von Herwig BIRG bis SCHIRRMACHER sehr beliebt ist, anders als der FUNKTIONALE Altersquotient, nicht als Indikator geeignet ist, um den demographischen Wandel angemessen zu beurteilen. BÖRSCH-SUPAN fordert u. a. ein Umdenken in Sachen Gesundheitswesen, das bislang allein unter Kostengesichtspunkten ("Kostenexplosion") gesehen wird, und nicht, was angemessener wäre, als Investition in die Zukunft:

"Wenn es gelänge, bis zum Jahr 2030 durch Prävention, bessere Arbeitsbedingungen und verstärkte Anstrengungen des Gesundheitssystems den physischen Gesundheitszustand derjenigen Bürger im Alter zwischen 50 und 67 Jahren, die sich »schlecht« fühlen, auf »mittelmäßig« zu verbessern, könnten etwa 3,4 Millionen mehr Menschen erwerbstätig sein. Die Güter und Dienstleistungen, die sie produzieren, würden das Bruttoinlandsprodukt um etwa 7,5 Prozent steigern. Diese hypothetische Rechnung zeigt, warum gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit eine Investition mit hohen Zukunftserträgen und keineswegs nur ein Kostenfaktor sind.

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2011): Ökonomische Auswirkungen des demografischen Wandels,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.10-11 v. 07.03.

AUS POLITIK UND ZEITGESCHICHTE-Thema: Alternde Gesellschaft

BÖRSCH-SUPAN, Axel/GASCHE, Martin/LAMLA, Bettina (2013): Anmerkungen zur Diskussion über Altersarmut,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.4-5 v. 21.01.

BÖRSCH-SUPAN, Axel & Martin GASCHE (2013): Sägen an den Säulen.
Die Gegenwart: Die Zusatzrenten, mit denen die Parteien derzeit werben, lösen keine Probleme, sondern schaffen nur neue. Altersarmut würde durch sie nicht bekämpft, und Ungerechtigkeit würde nur von einem sozialen Sicherungssystem in ein anderes verschoben. Dabei ist die Statik unseres Rentensystems noch immer sehr gut,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.01.

 
       
   

Axel Börsch-Supan: Porträts und Gespräche

 
       
   

MEHLITZ, Johannes (2002): "Die Bevölkerung wird unterschätzt".
Demografie. Neue Grundlagen. Selbst eine höhere Geburtenrate kann die Folgen des demografischen Wandels nicht beheben. Gespräch mit Axel Börsch-Supan,
in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

GERSDORFF, Alexander von (2003): "Die Geburtenkrise ist nur durch Reformen zu lösen".
Rürup-Kommissionsmitglied Axel Börsch-Supan über Konsequenzen für die alternde Gesellschaft,
in: Welt v. 16.01.

BÖRSCH-SUPAN hält die typische neoliberale Lösung parat. Diese ist jedoch zu kurz gegriffen, wie Leander SCHOLZ und Iris HANIKA zeigen. Ein typisches Beispiel für die absurde neoliberale Phraseologie:

"Die statische Betrachtung, es gebe eine feste Arbeitsmenge ist falsch (...). Bis 2030 fehlen acht Millionen Arbeitnehmer, das ist nicht zu ersetzen".

GERMIS, Carsten (2003): "Die Baby-Boomer sind die Gekniffenen".
Der Ökonom Axel Börsch-Supan über den Streit mit den Alten und die Chancen für Reformen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.08.

SPANNBAUER, Andreas (2004): "In fünf Jahren brauchen wir die Älteren".
Dass Arbeitnehmer über 55 Jahre keinen Job finden, wird sich bald schlagartig ändern, meint der Rentenexperte Axel Börsch-Supan. Zuwanderung qualifizierter Kräfte könnte helfen. Aber: "So viele wollen gar nicht nach Deutschland"
in: TAZ v. 11.03.

BERNAU, Patrick (2009): Der Rentenrechner.
Im Porträt: Axel Börsch-Supan - Er hat die Alten als Thema seines Lebens entdeckt. Damit gewann er Ruhm und Aufträge. Jetzt wird er als der neue Rürup gehandelt,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.01.

Im Vorfeld der Neubesetzung des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung stellt die FAS den Mannheimer Ökonom Axel BÖRSCH-SUPAN vor, der die Reformierung der Altersversorgung im Sinne der Versicherungsbranche weiter vorantreiben soll. Mit dem "Nachhaltigkeitsfaktor" hat BÖRSCH-SUPAN bereits das Herzstück der letzten Rentenreform geliefert. Altersarmut ist dadurch vorprogrammiert worden. Die Lobbyarbeit der Frankfurter Allgemeine setzte bereits kurz nach Bekanntgabe von RÜRUPs Ausscheiden ein.

SCHWENTKER, Björn (2009): Formeln für den Wandel.
Axel Börsch-Supan rechnet vor, warum die alternde Gesellschaft ökonomisch nicht zusammenbrechen muss,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 12.03.

Björn SCHWENTKER stellt den Ökonomen Axel BÖRSCH-SUPAN vor, der von der FAZ als Nachfolger von Bert RÜRUP gehandelt wurde:

"Seine Idee: intelligente Sozialsysteme auf Basis wissenschaftlicher Formeln, die sich automatisch der Bevölkerungsstruktur anpassen – und nicht den je nach Koalitionsarithmetik wechselnden politischen Meinungen. Für die Rente ist Börsch-Supans Konzept schon teilweise umgesetzt: durch den »Nachhaltigkeitsfaktor« in der geltenden Rentenformel, den er mit entwickelt hat. Doch das reicht ihm noch nicht, er hätte am liebsten auch eine solche Formel für das Pensionsalter. Die Mathematik sagt ihm: Wenn der Anteil der Arbeitsjahre an der Lebenszeit gleich bliebe, würde das Rentensystem nicht zusammenbrechen. Wie schwer das durchsetzbar ist, hat die Debatte um die Rente mit 67 gezeigt. In der Diskussion, sagt Börsch-Supan, werde den Menschen immer suggeriert, dass die Anhebung des Rentenalters ihnen zwei Jahre Lebenszeit wegnehme. Dabei würden sie im Jahr 2029 – so lange dauert es, bis die Rente mit 67 wirksam ist – mindestens drei Jahre länger leben als heute. Unterm Strich bliebe also ein Gewinn von einem Jahr Ruhestand."

LINNEWEBER, Silke (2010): "Das ist doch wunderbar".
Bevölkerungsrückgang: Auf dem Zukunftsgipfel in Meseberg sucht die Regierung nach Auswegen aus dem Dilemma. Warum der Ökonom Axel Börsch-Supan dem Leben in der Altenrepublik gelassen entgegenblickt,
in: Rheinischer Merkur Nr.24 v. 17.06.

STUTTGARTER ZEITUNG-Tagesthema: Deutschland vergreist.
Demografen warnen: Die Altersstruktur der Bevölkerung verschiebt sich dramatisch. Betroffen sind vor allem ländliche Gebiete und der Osten

KISTER, Stefan (2011): "Alterung findet vor allem im Kopf statt".
Interview: Der Sozialwissenschaftler Axel Börsch-Supan hält von demografischen Horrorszenarien wenig. Bedrohlicher als die Vergreisung sei die Verschuldung,
in: Stuttgarter Zeitung v. 21.11.

Neu:
BOLLMANN, Ralph (2016): "Langfristig helfen die Flüchtlinge uns".
Die Migranten können für unser Rentensystem eine Chance sein, sagt der Ökonom Axel Börsch-Supan: Wenn wir etwas dafür tun,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.01.

Axel BÖRSCH-SUPAN, von der FAS als Schöpfer des Nachhaltigkeitsfaktor vorgestellt, den die rot-grüne Koalition 2004 eingeführt hat, stellt folgende WENN-DANN-Aussagen zum Beitrag der Flüchtlinge zur Rentenversicherung auf: 

"Wenn wir im vergangenen Jahr eine Million Flüchtlinge hatten und in diesem Jahr noch mal eine halbe Million kommt, wenn sie die Altersstruktur bisheriger Flüchtlinge haben und langfristig zwei Drittel eine Arbeit finden: Dann gleicht das die gesamten Kosten für die Mütterrente und für die Rente mit 63 wieder aus."

BÖRSCH-SUPAN gibt außerdem zu, dass die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre falsch eingeschätzt wurde:

"Bei den Rentenreformen der Jahre 2001 bis 2007 sind wir nicht von einer höheren Einwanderung ausgegangen. Als wir an unserem Institut den Nachhaltigkeitsfaktor für die Rentenberechnung entwickelt haben, dachten wir: Er wird das Rentenniveau ganz allmählich senken, in Abhängigkeit von der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung. Passiert ist das Gegenteil. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen stark gestiegen, nicht zuletzt durch die starke Einwanderung. Auch deshalb erhöhen sich die Renten in diesem Jahr um fünf Prozent."

Auf dieser Website wurde bereits Anfang des Jahrtausends darauf hingewiesen, dass die damalige Bevölkerungsvorausberechnung bewusst lediglich ein einziges, zudem unrealistisches - Szenario berechnete, um die Agenda 2010 durchzusetzen. Auch die aktuelle 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung stellt kein realistisches Szenario dar, sondern ist in erster Linie Ausdruck der gegenwärtigen politischen Interessenlage.

 
       
   

50plus in Deutschland und Europa (2009).
Ergebnisse des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe
(herausgegeben zusammen mit Karsten Hank, Hendrik Jürges und Mathis Schröder)
Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Der vorliegende Band stellt Ergebnisse der ersten Befragungswelle des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) vor, in deren Rahmen mehr als 30.000 Personen im Alter 50plus aus 11 Ländern befragt wurden. In acht Kapiteln werden verschiedene ökonomische, soziale und gesundheitliche Aspekte des Alterns in Deutschland und Europa beleuchtet. Darin spiegelt sich die disziplinäre und thematische Vielfalt sowie das Forschungspotential des SHARE wider, das durch die Möglichkeit von Längsschnittauswertungen zukünftig noch potenziert wird."

     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch
 
   

Demographie, Arbeitsangebot und die Systeme der sozialen Sicherung (1996).
In: Horst Siebert (Hg.) Sozialpolitik auf dem Prüfstand. Leitlinien für Reformen, Tübingen: Mohr, S.13-58

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung
2. Kritischer Vergleich verschiedener Arbeitsangebotsprognosen

a. Historie der Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

IAB-Prognose 1978
IAB-Prognose 1982
IAB-Prognose 1985

b. Andere historische Prognosen

IW-Prognose 1977
DIW-Prognose 1990

c. Zusammenfassende Bewertung der historischen Prognosen

d. Aktuelle Prognosen

IAB-Prognose 1991
IW-Prognose 1990
DIW-Prognose 1990

e. Konsens?

3. Die Belastung der sozialen Sicherungssysteme durch die Altersstrukturverschiebung

a. Die Belastung der gesetzlichen Rentenversicherung
b. Die Belastung der gesetzlichen Krankenversicherung
c. Die Belastung der gesetzlichen Pflegeversicherung

4. Sensitivität der Prognosen bezüglich exogener Änderungen im Arbeitsangebot

a. Sensitivität bezüglich der Annahmen über die Frauenerwerbstätigkeit
b. Sensitivität bezüglich der Annahmen über die Alterserwerbstätigkeit
c. Sensitivität bezüglich der Annahmen über die Wanderung

5. Auswirkungen eines steuer- und beitragselastischen Arbeitsangebots

6. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen

Zitate:

Ziel des Beitrags und der Handlungsspielraum der Arbeitsmarktpolitik

"Während den sich abzeichnenden Finanzierungsproblemen der Sozialversicherungen schon viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde, ist über die Reaktion des Arbeitsangebots auf die demographischen Veränderungen noch relativ wenig bekannt. Dieser Beitrag soll daher die bereits bestehenden Arbeitsangebotsprognosen kritisch aufarbeiten (...).
Hintergrund der Arbeit ist die Einsicht, daß der Politik glücklicherweise mehrere Instrumente zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe sich die negativen Auswirkungen des Altersprozesses mildern lassen. Ein ebenso bekannter wie aussichtsreicher Mechanismus ist das Heraufsetzen es durchschnittlichen Verrentungsalters entweder direkt durch eine Änderung des Berechtigtenkreises oder indirekt durch eine Änderung der ruhealtersabhängigen Ersatzquoten. Mittelbarer lassen sich jedoch auch die Frauenerwerbbeteiligung und die Einwanderung von Arbeitnehmern in das Portfolio der Arbeitsmarktpolitik einordnen." (S.14)

Die Definition des Erwerbspersonenpotential und die damit verbundenen Probleme

"Die in den amtlichen Statistiken ausgewiesenen Zahlen der Erwerbspersonen können nicht durchgängig benutzt werden, da in ihnen die stille Reserve nicht enthalten ist. »Zur Beantwortung der Frage, wieweit sich eine konkrete Arbeitsmarktlage von einer Hochbeschäftigungssituation entfernt hat und wie groß die gesamte stille Reserve ist, muß auf das bei Hochbeschäftigung zu beobachtende Arbeitskräfteangebot Bezug genommen werden. Dieses bei günstiger Arbeitsmarktlage gemessene Arbeitskräftepotential bezeichnet man als Erwerbspersonenpotential« (Thon 1984: 442). Die Berechnungsart der Potentialerwerbsquoten durch das IAB hat sich im Zeitablauf geändert". (S.16)

"Wir haben (...) als Vergleichsmaßstab die vom Statistischen Bundesamt berechnete Reihe der Erwerbspersonen im Jahresdurchschnitt verwendet (...).
Tatsächlich ist das Arbeitsangebot als solches aber ein rein hypothetisches Konzept, das kein direkt meßbares Äquivalent hat, da die beobachtete Erwerbstätigkeit das Ergebnis von Angebot und Nachfrage ist. Aber selbst bei der meßbaren Anzahl der Erwerbstätigen und der Arbeitslosen ergeben sich Abgrenzungsprobleme, etwa bei der geringfügigen Beschäftigung und bei den statistisch schwer erfaßbaren Selbständigen. Die Differenz zum Erwerbspersonenpotential ist nur teilweise mit der Zahl der registrierten Arbeitslosen erfaßbar (es fehlen die nicht registrierten Arbeitslosen der stillen Reserve) oder nur über eine schwer zu kontrollierende, d.h. Inhomogenitäten verursachende Befragung auf Mikroebene." (S.24)

Ursachen der Fehlschätzungen historischer Prognosen

"Zwei Elemente lassen sich als wesentliche Gründe für die (...) immer wieder konstatierte Unterschätzung des Arbeitsangebots finden, nämlich zum einen eine kontinuierliche Unterschätzung der Einwanderung, zum zweiten eine Unterschätzung der Frauenerwerbsquote." (S.25)

"Der Fall der Mauer und die damit einsetzende Wanderung von Ost nach West verursachte einen rapiden Anstieg des Angebots im Westen, der natürlich nicht vorhersehbar war. Verstärkt wurde dieser Angebotsanstieg noch durch die konjunkturbedingt hohe Auslastung der stillen Reserve, die von keinem Institut in diesem Ausmaß vorausgesagt wurde.
(...).
Umgekehrt wurde allerdings auch die rapide Abnahme in den Erwerbsquoten älterer Menschen (im Alter von 55 bis 65 Jahren) nicht projiziert, zumal Schätzungen über die Inanspruchnahme der neu geschaffenen Möglichkeit des Vorruhestands damals noch nicht möglich erschienen. (...). Die Unterschätzung der Wanderungen und der Erwerbsneigung der Frauen hatte zahlenmäßig jedoch ein größeres Gewicht als die Überschätzung der Alterserwerbstätigkeit." (S.26)

Die aktuellen Prognosen zum Erwerbspersonenpotential von IAB, DIW und IW

"Die Grundannahmen der drei aktuellen Prognosen streuen stark. (...). Ein Konsens über die absolute Anzahl der Erwerbspersonen besteht zwar zwischen dem IAB und dem DIW - eine Stabilisierung bis zum Jahr 2010 -, nicht jedoch mit dem IW, das bereits vor 2010 einen Rückgang in der Zahl der Erwerbspersonen vorhersagt. Der Minimalkonsens besteht allerdings darin, daß alle drei Institute einen relativen Rückgang des Erwerbspotentials als Anteil an der Gesamtbevölkerung, insbesondere bezüglich der Rentner voraussagen. Da letztere die zentrale Größe für die Belastung der sozialen Sicherungssysteme ist, (...) ist dieser Minimalkonsens durchaus gewichtig." (S.32)

Konsens über die steigende Altenlast

"In jedem Fall wird (...) die Anzahl der Rentner steigen, und zwar sowohl von 1995 bis 2010 als auch, und zwar dramatisch beschleunigt, von 2010 bis 2030.

Annahmen des Simulationsmodells von Börsch-Supan

"Fertilität: Die Fertilität wird leicht steigen, sobald die ökonomischen Auswirkungen der Altersstrukturverschiebung mehr ins allgemeine Bewußtsein dringen. Die Bewußtseinsbildung mag sich durch Änderungen in der Rentenpolitik beschleunigen. (...). Ausgehend von den Annahmen in OECD (1988), wird hier eine langsamere Steigerung von der Nettofertilitätsrate von 1,39 in 1990 auf 1,60 im Jahr 2050 angenommen.
Mortalität: (...). Konkret wird die mittlere Lebenserwartung bei Geburt 78,1 Jahre in 2000, 78,9 Jahre in 2010, 81,0 Jahre in 2030 und 83,2 Jahre in 2050 sein.
Immigration: In Reaktion auf die Änderung der Asylgesetzgebung wird (...) angenommen (...) etwa 115 000 Immigranten im Jahr 2000 und etwa 100 000 Immigranten pro Jahr nach 2010." (S.33)

"Weibliche Erwerbsbeteiligung: Ausgehend von den Annahmen des Instituts der Deutschen Wirtschaft wird ein Anstieg der weiblichen Erwerbsbeteiligung von 34,7 vH im Jahr 1990 auf 35,2 vH im Jahr 2000 angenommen. Danach setzt sich dieser Trend in einem Anstieg auf 36,3 vH bis zum Jahr 2010 fort. Nach 2010 bleibt die weibliche Erwerbstätigkeit konstant.
Rentenalter: In einem zweiten recht groben Versuch, Verhaltensänderungen aufgrund der ökonomischen Auswirkungen der Altersstrukturverschiebung (...) zu modellieren, wird von einem graduellen Anstieg des Rentenalters um ein Jahr bis zum Jahr 2010 und um ein weiteres Jahr bis 2030 ausgegangen." (S.34)

Anstieg des Rentnerquotienten im Vergleich zur Altenlast (Verhältnis der über 60jährigen zu dem der 20-59jährigen)

Quelle: Börsch-Supan 1996, S.35

 "Der Rentnerquotient steigt nach unserer Projektion langsamer als der rein demographische Alterslastquotient. Dies liegt an der angenommen Verschiebung des Rentenalters um insgesamt zwei Jahre. Der Niveauunterschied erklärt sich aus der nicht vollständigen Erwerbsbeteiligung auch im Alter von 20 bis 59 Jahren." (S.35f.)

Einwanderung kann den Schrumpfungsprozess kompensieren

"Der Schrumpfungsprozeß des deutschen Erwerbspersonenpotentials wird etwa bei einer Einwanderungsrate von 300 000 Personen kompensiert (...)." (S.45)

Die Entwicklung des Beitragssatzes in der Rentenversicherung

"Ausgehend von einem Beitragssatz von 19,2 vH im Jahr 1995 erhöht sich (...) der Beitragssatz stetig bis auf 27,0 vH im Jahr 2033. Die Steigerungsrate beträgt in der nahen Zukunft etwa 0,2 vH pro Jahr. Der Dämpfungseffekt der Netto- gegenüber der Bruttolohnanpassung ist nicht zu unterschätzen - ohne diese Änderung im Rentenreformgesetz 1992 wäre der Beitragssatz auf knapp über 30 vH gestiegen." (S.36)

Ab 2010 wird das Erwerbspersonenpotential trotz Steigerung der Frauenerwerbsquote schrumpfen

"Es herrscht ein recht breiter Konsens, daß das Erwerbspersonenpotential bis zum Jahr 2010 keine dramatischen Veränderungen sehen wird, allerdings relativ zur Zahl der Rentner sinken wird. (...). Ebenso eindeutig ist aber auch, daß nach 2010 eine Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit den demographisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotentials nicht mehr bremsen kann.
Die Sozialversicherungssysteme haben daher noch eine Atempause von etwa 15 Jahren. In dieser Zeit steigt bei konstanter Zahl der Erwerbstätigen zwar die Zahl der Leistungsempfänger schon an, aber erst danach kommt der Doppeleffekt einer gleichzeitigen Zunahme der Leistungsempfänger und Abnahme der Beitragszahler wirklich in Gang:
Während vernünftige Variationen in der Frauenerwerbsquote diese Ergebnisse nur geringfügig ändern, und eine Trendwende nur durch eine dramatische Änderung in der Alterserwerbstätigkeit induziert werden kann, sind diese Prognosen stark sensitiv bezüglich der Einwanderungsrate. Pro 100 000 Einwanderer der Altersstruktur von 1989/90 sinkt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung um etwa 1,2 Prozentpunkte." (S.51)

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland - Teil 2: Mythen und Fakten über die "Altenlast"

 
       
   

Axel Börsch-Supan in den Medien

TUMA, Thomas (2004): Generation XY ungelöst.
Der Jahrgang 1964 ist der bevölkerungsreichste, den Deutschland je erlebt hat. Aber wo sind all die nun 40-Jährigen in Politik, Wirtschaft oder Kultur? Pflegen die Babyboomer die alte Abneigung gegen die 68er - oder leiden sie an Zukunftsängsten? Eine Spurensuche,
in: Spiegel Nr.14 v. 29.03.

Thomas TUMA, Jahrgang 1964, kann sich mit der Sicht von BÖRSCH-SUPAN auf die Mittelschicht seines Jahrgang nicht so recht anfreunden:

"Man kann uns auch rein ökonomisch betrachten. Dann muss man Wissenschaftler wie den Mannheimer Axel Börsch-Supan besuchen, der uns für »insgesamt privilegiert« hält: aufgewachsen in einer Ära schnellen Wachstums, keinerlei Kriege erlebt, Muttis Liebling, betüterte Jugend, ein enormer Zuwachs an Reichtum, den wir irgendwann auch mal erben werden.
            Wir sind gut ausgebildet. Wir sind einigermaßen vermögend. Wir haben Kreditkarten und sind als werberelevante Zielgruppe umworben. Und später, wenn wir noch zehn Jahre älter sind, werden uns die Arbeitgeber hofieren statt in die Frührente zu treiben. Ab 2011 nämlich kippt der Arbeitsmarkt, weil dann der Nachwuchs fehlt und die Unternehmen froh sind, wenn wir 64er noch ein paar Jahre dranhängen, sagt Herr Börsch-Supan. »Den Druck schafft die schiere Demografie.«
            Nicht einmal das Argument, dass wir den Jungen ja dann die Arbeit wegnähmen, lässt er gelten: »Wer arbeitet, konsumiert und schafft sich so sein eigenes Bruttosozialprodukt.«
            Und wenn wir mal an Norbert Blüm geglaubt haben, der immer gepfälzert hat: »Die Rende is sischä« - tja. Die Rente sei ja auch sicher gewesen, nur ihre Höhe nicht. Da lacht der Herr Professor. »Das schöne Konzept der Generationengerechtigkeit ist eben eine Schimäre.« Das hat er auch in der Rürup-Kommission gesagt.
            Neulich bekam ich einen Brief, auf dem stand: »Sichern Sie mit uns Ihre Zukunft: Wir haben Ihre Rente.« Er kam aber nicht von Ulla Schmidt oder Hans Eichel, sondern von einer Lotteriegesellschaft aus Hamburg, was unserer Realität schon wieder ziemlich nahe kommt.
            Einerseits appelliert das Schreiben an unsere diffuse Angst, noch als 70-Jährige im Supermarkt Einkaufstüten verteilen zu müssen, wie das bei manchen Senioren in den USA schon heute der Fall ist. Andererseits ahnen wir spätestens da, dass das bundesdeutsche Rentensystem nur noch Glücksspielcharakter hat.
            Wir sind aber mit Blüm aufgewachsen. Und mit einem Kanzler, der 16 Jahre lang Helmut Kohl hieß. Und mit der DDR. Und nun ist das alles nicht mehr da: Stattdessen zahlen wir Solidarbeiträge für weinerliche Ostler, Riester-Renten, die wir nicht kapieren, und die Zeche eines Kanzlers, der dauernd irgendwelche Agenden bastelt für den Sankt-Irgendwann-Tag.
            Larmoyanz sei wirklich unangebracht, sagt Herr Börsch-Supan nach einer Stunde, in der er über demografische Aggregate und Kaufkraft-Änderungen doziert und eigentlich immer gesagt hat: Habt euch mal nicht so. Euch geht's wirklich blendend.
            Natürlich hat er Recht. Aber wir sind eben auch die Wende. Wir haben das Staatsversagen als Fakt entdeckt. Wir wissen, dass es für kommende Jahrgänge erst recht und nur noch bergab gehen wird. Nur: Die wachsen mit diesem Wissen schon auf. Wir dagegen verarbeiten immer noch, heute der dicke Bauch und morgen der Wasserkopf der bundesdeutschen Alterspyramide zu sein.
"

ASTHEIMER, Sven/KROHN, Philipp/MÜLLER, Matthias (2008): Guter Rat ist teuer.
Wenn Bert Rürup, der Weise, geht, muss die Lücke gefüllt werden. Gesucht wird eine eierlegende Wollmilchsau. Das wird nicht einfach,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

Die FAZ bringt Axel BÖRSCH-SUPAN als Nachfolger von Bert RÜRUP im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ins Gespräch.

KAUBE, Jürgen & Reinhard MÜLLER (2010): Krise! Welche Krise?
Provozierendes über Zustand und Zukunft des Sozialstaats in Deutschland,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 20. März 2011
Update: 08. Dezember 2016