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Axel Börsch-Supan: Ökonomische Auswirkungen des demografischen Wandels

 
       
     
       
     
       
   

Axel Börsch-Supan in seiner eigenen Schreibe

 
       
   

BÖRSCH-SUPAN, Axel (1996): Demographie, Arbeitsangebot und die Systeme der sozialen Sicherung. In: Horst Siebert (Hg.) Sozialpolitik auf dem Prüfstand. Leitlinien für Reformen, Tübingen: Mohr, S.13-58

BÖRSCH-SUPAN, Axel (1997): Eine umfassende Verpflichtung zur Solidarität. Das Festhalten am Umlageverfahren gefährdet den Generationenvertrag - Kapitaldeckung ist möglich und vorteilhaft. In: Annette Lepenies (Hrsg.) Alt und Jung: Das Abenteuer der Generationen, Basel/Frankfurt a/M: Stroemfeld Verlag, S.34-40

BERTHOLD, Norbert/BÖRSCH-SUPAN, Axel/FRANZ, Wolfgang/SINN, Hans-Werner (2002): Hartz-Pläne sind nicht bezahlbar.
SZ-Tagesthema: Sozialversicherung, 
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.11.

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2004): Aus der Not eine Tugend.
Die Zukunft der alternden Gesellschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.08.

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2007): Der Ruf nach Einheit.
Der SPD-Politiker Karl Lauterbach diagnostiziert vorschnell den "Zweiklassenstaat",
in: Berliner Zeitung v. 26.06.

"Viele der von Lauterbach angeprangerten Zustände sind in der Tat himmelschreiend. Lauterbach hat völlig recht, das deutsche Bildungssystem als im Kern marode zu bezeichnen, das es schafft, »oben und unten gleichzeitig zu versagen«. (...). Er hat auch recht, über unser Gesundheitssystem zu klagen, weil es das drittteuerste der Welt ist, aber nur mäßige Leistungen erwirtschaftet. Er hat recht, das absurde Abrechnungssystem, die Überheblichkeit der kassenärztlichen Vereinigungen, die schädliche Trennung von ambulanten und stationären Behandlungen und die Verinselung von Spezialisten anzuprangern und anschließend die verlogene Gesundheitsreform 2006 zu beweinen.
             Wenn dieses Buch ein wenig dazu beiträgt, Deutschland aufzurütteln (...) - dann hat das Buch einen großen Dienst geleistet. (...).
             Es ist gut, dass Lauterbach engagiert und mit vielen richtigen Fakten die Dringlichkeit tiefgreifender Reformen anmahnt. Was aber ganz und gar nicht überzeugt, sind seine Sprünge in den Klassenkampf"

meint BÖRSCH-SUPAN zum Buch Der Zweiklassenstaat von Karl LAUTERBACH.

BÖRSCH-SUPAN, Axel  (2011): Unsere gewonnenen Jahre.
Es lässt sich nicht ändern, dass die Bevölkerung in Deutschland in den kommenden Jahren in einem nie gekannten Maß altern wird. Der demographische Wandel ist aber nicht unser Schicksal. Durch eine längere Erwerbstätigkeit ließe sich diese Entwicklung ohne eine wesentliche Beeinträchtigung des Lebensstandard ausgleichen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.02.

Die FAZ und ihr Herausgeber Frank SCHIRRMACHER ("Das Methusalem-Komplott", "Minimum") sah Deutschland aufgrund des demographischen Wandels am Abgrund. Blödsinn! BÖRSCH-SUPAN erläutert, dass die Auswirkungen einer Gesellschaft der Langlebigen zwar eine Herausforderung darstellt - wie im übrigen jede Änderung der Zusammensetzung einer Bevölkerung - aber kein Grund zur Sorge ist, sondern vielmehr eine Chance darstellt.
            
BÖRSCH-SUPAN, von der FAZ Anfang 2009 sogar als Nachfolger von Bert RÜRUP im Sachverständigenrat zur Begutachtung der ökonomischen Entwicklung gehandelt, kommt aus der Sicht der Wirtschaft zur Auffassung, dass der so genannte DEMOGRAPHISCHE Altersquotient, der bei Panikmachern von Herwig BIRG bis SCHIRRMACHER sehr beliebt ist, anders als der FUNKTIONALE Altersquotient, nicht als Indikator geeignet ist, um den demographischen Wandel angemessen zu beurteilen. BÖRSCH-SUPAN fordert u. a. ein Umdenken in Sachen Gesundheitswesen, das bislang allein unter Kostengesichtspunkten ("Kostenexplosion") gesehen wird, und nicht, was angemessener wäre, als Investition in die Zukunft:

"Wenn es gelänge, bis zum Jahr 2030 durch Prävention, bessere Arbeitsbedingungen und verstärkte Anstrengungen des Gesundheitssystems den physischen Gesundheitszustand derjenigen Bürger im Alter zwischen 50 und 67 Jahren, die sich »schlecht« fühlen, auf »mittelmäßig« zu verbessern, könnten etwa 3,4 Millionen mehr Menschen erwerbstätig sein. Die Güter und Dienstleistungen, die sie produzieren, würden das Bruttoinlandsprodukt um etwa 7,5 Prozent steigern. Diese hypothetische Rechnung zeigt, warum gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit eine Investition mit hohen Zukunftserträgen und keineswegs nur ein Kostenfaktor sind.

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2011): Ökonomische Auswirkungen des demografischen Wandels,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.10-11 v. 07.03.

AUS POLITIK UND ZEITGESCHICHTE-Thema: Alternde Gesellschaft

BÖRSCH-SUPAN, Axel/GASCHE, Martin/LAMLA, Bettina (2013): Anmerkungen zur Diskussion über Altersarmut,
in: Aus Politik und Zeitgeschichte Nr.4-5 v. 21.01.

BÖRSCH-SUPAN, Axel & Martin GASCHE (2013): Sägen an den Säulen.
Die Gegenwart: Die Zusatzrenten, mit denen die Parteien derzeit werben, lösen keine Probleme, sondern schaffen nur neue. Altersarmut würde durch sie nicht bekämpft, und Ungerechtigkeit würde nur von einem sozialen Sicherungssystem in ein anderes verschoben. Dabei ist die Statik unseres Rentensystems noch immer sehr gut,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.01.

BÖRSCH-SUPAN, Axel (2016): Wie Manna vom Himmel fiel.
Die Ordnung der Wirtschaft: Höhere Renten für alle? Union und Sozialdemokraten locken mit neuen Versprechen und tun so, als spiele Geld keine Rolle. Doch die Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, sind vorbei. Die Demographie schafft auf Erden Fakten, und die Rechnung zahlt nicht der liebe Gott,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.05.

Axel BÖRSCH-SUPAN erzählt uns Märchen über den demografischen Wandel. Ein Schlagwort, das uns immer nur dann um die Ohren gehauen wird, wenn es zur Rechtfertigung von Kürzungen im Sozialhaushalt geht. Nun erzählt uns BÖRSCH-SUPAN eine Sicht von der Jahrtausendwende, die längst widerlegt ist, weil der demografische Wandel sich nicht an die Prognosen gehalten hat:

"Um die Jahrhundertwende 1999/2000 war es um die Rentenversicherung Deutschlands schlecht bestellt. Das Finanzierungsdefizit wuchs aufgrund der schlechten Beschäftigungslage und Besserung war wegen des demographischen Wandels nicht in Sicht, im Gegenteil. Da Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten weit weniger Geburten hatte, als zur Bestandserhaltung nötig gewesen wären, fehlten zur Rentenfinanzierung (...) Menschen. Die Vorhersage über die Anzahl der jungen Menschen, die in den nächsten 20 Jahren die Rente finanzieren muss, ist auch keine mit großer Unsicherheit behaftete Prognose, denn diese Menschen sind schon geboren."

Nach den Prognosen, die uns BÖRSCH-SUPAN hier ans Herz legt, hätte Deutschland inzwischen längst schrumpfen müssen. Im Jahr 2000 lag erst die 9. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vor. In der Variante 1 wäre die Bevölkerung von ca. 82 Millionen Menschen im Jahr 2000 auf 80,1 im Jahr 2015 gesunken. Bei der Variante 2 wäre die Bevölkerung nur auf 81,3 Millionen Menschen gesunken (vgl. 2000, S.25, Tabelle 5). Stattdessen lebten im Jahr 2000 in Deutschland 82,3 Millionen Menschen. Aufgrund des Zensus 2011 wurde die Bevölkerungszahl um ca.1,5 Millionen Menschen, weshalb zu den nun ausgewiesenen Personen diese hinzugezählt werden müssen. Im September 2015 lebten zensusbereinigt 81,8 Millionen Menschen in Deutschland - ohne Zensus also 83,3 Millionen. Die 9. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung unterschätzte also die derzeitige Bevölkerung um 3,2 Millionen (Variante 1) bzw. 2 Millionen Menschen (Variante 2) - und dies nach 15 Jahren.

Woher kommt die gravierende Fehleinschätzung im Jahr 2000? Zu allererst ist die Zuwanderung zu nennen. Denn nicht die in Deutschland geborenen Menschen sind entscheidend, sondern die irgendwo auf der Welt geborenen Menschen. Wer sich nur auf die Geburten beruft, der vernachlässigt die Zuwanderung. Dies weiß auch BÖRSCH-SUPAN. Auch die Entwicklung in den nächsten 20 Jahren ist also keineswegs vorherbestimmt, wie der Autor suggeriert. Bis 2035 - also 20 Jahre im Voraus - will uns BÖRSCH-SUPAN unsere Entwicklung vorhersehen. Dabei scheitern Ökonomen schon dabei das Bruttoinlandsprodukt eines einzigen Jahres zu prognostizieren.

Die Rentenreformen der Jahre 2001 (Riester-Rente) und 2007 (Rente mit 67) sollen die Beschäftigungslage verbessert haben? Wir erinnern uns vielleicht nicht mehr, aber von 2002 bis 2010 ist die Bevölkerung um fast 800.000 Menschen geschrumpft, bevor sie seit 6 Jahren wieder gewachsen ist. Diese Schwankung spielt bei BÖRSCH-SUPAN überhaupt keine Rolle, wo doch angeblich die Demographie unser Schicksal ist!

BÖRSCH-SUPAN zerlegt die Rentenreformen der Jahre 2001 bis 2007 in vier Elemente: den Nachhaltigkeitsfaktor, die Erhöhung des Renteneintrittsalter auf 67 Jahre, die Riester-Rente und die Grundsicherung im Alter. Das soll angeblich nur der Generationengerechtigkeit dienen. Tatsächlich dient es in erster Linie der Profitsteigerung der Unternehmen, da die Arbeitgeberanteile an den Sozialabgaben - zuallererst bei der privaten Altersvorsorge - auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Wir haben es also nicht mit Generationengerechtigkeit zu tun, sondern mit Entsolidarisierung auf Arbeitgeberseite. Die jüngere Generation muss nicht in stärkerem Maße die Älteren finanzieren, sondern sie soll die Unternehmen entlasten und gleichzeitig höhere Beiträge für ihre eigene Rente zahlen.

Im übrigen fehlt ein fünftes Element: das Alterseinkünftegesetz, d.h. die Jüngeren müssen - im Gegensatz zu früheren Generationen - ihre Renten versteuern, was einer Rentenkürzung gleichkommt. Warum verschweigt uns BÖRSCH-SUPAN diese Umstellung von der vorgelagerten Beitragsbesteuerung auf die nachgelagerte Rentenbesteuerung, bei der es auch zur Doppelbesteuerung kommen kann?

"Am gefährlichsten ist die euphemistisch als »Stabilisierung des Renteniveaus« angedachte Abschaffung des Nachhaltigkeitsfaktors",

erklärt uns dann BÖRSCH-SUPAN, um nachzuschieben:

"Der Beitragsatz im Jahr 2040 läge rund 4 Prozentpunkte höher, und die jüngere Generation müsste die gesamte demographische Last tragen."

Dies setzt zu allererst voraus, dass die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung an die Prognosen hält. Das hat sie weder in der Vergangenheit, noch wird das in der Zukunft so sein. Die "gesamte demographische Last" müsste die mittlere Generation immer tragen. Umstritten ist jedoch durchaus die Höhe. Der Beitragssatz könnte gleich bleiben, wenn der Bundeszuschuss entsprechend geändert bzw. die Entsolidarisierung der Unternehmen rückgängig bzw. die Anzahl der Beitragszahler erhöht würde. Optionen, die BÖRSCH-SUPAN außer Acht lässt, um allein die Rente mit 70 bzw. die Flexi-Rente als Alternative vorzustellen.

Ganz unseriös wird es, wenn BÖRSCH-SUPAN auf vergangene Entwicklungen verweist, die auch für die Zukunft gelten sollen, obwohl sich historische und zukünftige Situationen nie gleichen, weil sich die Rahmenbedingungen verändern. Der demographische Wandel ist kein linearer Prozess, sondern dessen Komponenten Geburten, Sterbefälle und Wanderungen können sich unabhängig von einander verändern und sogar ihre Richtung ändern. Dies wird in keinen Prognosen ausreichend berücksichtigt.

Die private Altersvorsorge - insbesondere die Riester-Rente wird von BÖRSCH-SUPAN schöngeredet. Sie sei nicht gescheitert, sondern lediglich deren Mängel ("Intransparenz", "Anlagevorschriften") müssten beseitigt werden. Die Schuld dafür wird der Regierung ("Fehlregulation") und der Finanzwirtschaft ("Marktmacht der Anbieter") angelastet. Außerdem werden Wissensdefizite in der Bevölkerung ausgemacht. Bei der Betriebsrente wird eine "Zersplitterung" konstatiert.

Zuletzt wendet sich BÖRSCH-SUPAN der zukünftig steigenden Altersarmut zu, indem nochmals die umstrittenen WDR-Berechnungen widerlegt werden. Dabei greift der Autor auf eigene Berechnungen zurück, was nicht deutlich wird, wenn man nicht weiß, dass BÖRSCH-SUPAN federführend für das Gutachten zur Altersarmut des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium zuständig war:

"Der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium prognostiziert in seinem pessimistischen Szenario sogar fast eine Verdopplung der Grundsicherungsempfänger von derzeit 3 Prozent auf 5,4 Prozent."

Fazit: BÖRSCH-SUPAN spielt die Arbeitnehmer gegeneinander aus ("Generationengerechtigkeit") und blendet die Entsolidarisierung der Unternehmen aus, die durch die Schwächung der gesetzlichen Rente zugunsten der privaten Altersvorsorge erfolgt ist.

BÖRSCH-SUPAN, Axel & Friedrich BREYER (2016): Vorsicht, Falle!
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (5): Von Riester bis Babyboom. Eine nüchterne Betrachtung der Tagsachen ist angebracht. Die fünf meistverbreiteten Irrtümer in der Rentendebatte,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 23.07.

Es ist mehr als peinlich, wenn nun BÖRSCH-SUPAN & BREYER die Rendite der gesetzlichen Rente schlechtrechnen müssen, weil die kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht jene Rendite bringt, die uns von ihren Verfechtern Anfang des Jahrtausends bei Einführung der Riester-Rente versprochen wurde.

Die Deutsche Rentenversicherung prahlt nun damit, dass die gesetzliche Rente eine Rendite von 3 % bringt, während die Riester-Rente für viele eine Verlustrechnung ist. Nun wollen uns BÖRSCH-SUPAN & BREYER weismachen, dass die Rechnung der DRV falsch sei, indem sie z.B. den Bundeszuschuss als Einnahmequelle herausaddieren wollen. Der Bundeszuschuss hat jedoch mit der Altersrente gar nichts zu tun, sondern ist nötig, weil die Deutsche Rentenversicherung mit gesamtgesellschaftlichen Aufgaben belastet wurde, die überhaupt nichts mit Altersrente zu tun haben. BÖRSCH-SUPAN & BREYER erzählen uns dazu folgendes Lügenmärchen:

"Auf der Ausgabenseite muss man für einen Renditevergleich (...) jene Kosten der Leistungen herausrechnen, die eine Riester-Rente nicht enthält, nämlich die Ausgaben für die Krankenversicherung der Rentner (etwa 18 Milliarden Euro), für Rehabilitationsleistungen (sechs Milliarden Euro) und für die Erwerbsminderungsrente (13 Milliarden Euro), so dass von den Gesamtausgaben von 272 Milliarden Euro noch 235 Milliarden Euro verbleiben, die die Altersrenten finanzieren."

Bei dieser Aufzählung fehlen gänzlich die Kosten für die Deutsche Einheit und die Anerkennung von Kindererziehungszeiten, die BÖRSCH-SUPAN & BREYER einfach unter den Tisch fallen lassen. Denn seit wann zahlen Versicherungen Müttern eine Rente für die sie keinen einzigen Cent einbezahlt haben? Und erst Recht gibt es keinen Bonus für Ostrentner. Man darf also bezweifeln, dass - wenn man alle versicherungsfremden Leistungen tatsächlich herausaddiert - reine Rentenleistungen durch Bundeszuschüsse finanziert werden müssen. Das Umgekehrte ist richtig: Beitragszahler werden die Kosten versicherungsfremder Leistungen aufgebürdet. Bestes Beispiel: Die Mütterrente aus dem Jahr 2014.

Den zweiten Irrtum hat uns BÖRSCH-SUPAN in der FAZ und sonstigen neoliberalen Mainstreamzeitungen bereits zur Genüge im Zusammenhang mit den WDR-Berechnungen vom April erläutert.

Der dritte Irrtum, den uns BÖRSCH-SUPAN & BREYER präsentieren ist ein Popanz:

"Dadurch, dass die Babyboomer der 1960er Jahre demnächst in den Ruhestand gehen, bricht für die Rentenversicherung eine schwierige Phase an. Von 2040 an wird sich die Situation der Rentenversicherung wieder entspannen."

Angeblich verschleiert der erste Satz die wahren Zusammenhänge, denn die Autoren sind Verfechter der bevölkerungspolitischen These von der Unterjüngung, d.h. die Babyboomer haben nicht für genügend Nachwuchs gesorgt. Man könnte es auch anders sehen, z.B. so, dass die 68er-Generation zu wenig Arbeitsplätze und Kinderbetreuungsplätze für die Babyboomer geschaffen haben, um deren Familiengründungen zu ermöglichen. Außerdem wurde und wird weiterhin jenen, die gerne Nachwuchs hätten, aber nicht ins traditionelle Familienbild passen, die Gelegenheit zum Kinderkriegen ganz verweigert. Statt Anfang der 1990er Jahre bereits den Ausbau der Kinderbetreuung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie voranzutreiben, wurden Frauen in die Massenarbeitslosigkeit getrieben.

Hinzu käme dann noch gemäß BÖRSCH-SUPAN & BREYER die steigenden Lebenserwartung:

"Seit 1970 hat sich wegen der steigenden Lebenserwartung die Rentenbezugszeit von 9,6 auf mehr als 17 Jahre fast verdoppelt, ohne dass sich das Renteneintrittsalter dementsprechende angepasst hat.
Daher verschlimmert sich die Situation der Rentenversicherung zwischen 2030 und 2040 recht dramatisch."

Die Verlängerung der Rentenbezugsdauer mag richtig sein, die Begründung dafür jedoch nicht, denn diese hat wenig mit der steigenden Lebenserwartung zu tun, sondern mit der Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit und der damit verbundenen Zunahme eigenständiger Renten von Frauen, die im Vergleich zu Männern früher in Rente gehen. Hinzu kommt die Frühverrentungspraxis seit den 1990er Jahren, die ebenfalls nichts mit der steigenden Lebenserwartung zu tun hatte, sondern mit der Massenarbeitslosigkeit und der Entsorgung der Alten durch die Unternehmen. Wir vermissen also die Herausrechnung dieser Faktoren bei den Autoren, die uns lediglich die Babyboomer als Sündenböcke für ihre verfehlte Politik präsentieren wollen.

Nach 2040 soll sich die Situation der Rentenversicherung angeblich nicht entspannen. Hier werden die Autoren zu Hellsehern, denn solche langfristigen Vorausberechnungen sind mit großen Unsicherheiten verbunden. Da alle Berechnungen von einer konstanten Geburtenrate von 1,4 Geburten pro Frau ausgehen, die bereits jetzt nicht mehr stimmt, lässt sich über die Zeit nach 2030 lediglich spekulieren.

Mit Irrtum vier gehen BÖRSCH-SUPAN & BREYER dann auf die Geburtenrate ein, beziehen sich dabei jedoch nur auf 25- bis 35-Jährigen (1981 - 1991 Geborene), denen das Kinderkriegen mit Hinweis auf die staatlich subventionierte Kinderbetreuung schmackhaft gemacht wird. Dies steht argumentativ im Widerspruch zum Irrtum drei und belegt implizit, dass die Babyboomer schlechtere Voraussetzungen in Sachen Kinderkriegen hatten, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht rechtzeitig erledigt hatte.

"Und in der Tat ist die Geburtenrate in den vergangenen Jahren auf fast 1,5 Kinder im Leben einer Frau gestiegen. Wenn dieser Trend anhält, wird sich die Situation der Rentenversicherung noch deutlich verbessern."

Auch diese Argumentation steht im Widerspruch zum Irrtum drei und belegt, dass es sich bei den Aussagen von BÖRSCH-SUPAN & BREYER über die Situation nach 2030 nur um Spekulationen handelt.

Der Irrtum fünf befasst sich mit der Zuwanderungseuphorie des Jahres 2015, wonach uns erklärt wurde, dass Flüchtlinge das Finanzierungsproblem der deutschen Rentenversicherung lösen würde. Das war vor allem hilflosen Politikern geschuldet, die damit ihre Ohnmacht angesichts der Flüchtlingsströme vertuschen wollten. Fakt ist aber, dass Deutschlands Bevölkerung wächst, statt wie prognostiziert, zu schrumpfen. Wer also wie BÖRSCH-SUPAN & BREYER versuchen die Zuwanderung nur unter dem Gesichtspunkt einer angeblichen Rettung der Rentenversicherung zu thematisieren, der verschleiert alle anderen Aspekte dieser Zuwanderung für unsere Wirtschaft.

Fazit: Was uns da als Irrtümer aufgezeigt wird, soll davon ablenken, dass die Zukunft der Rentenversicherung keine Frage des demografischen Wandels ist, sondern der politischen Entscheidungen. Nach den Prophezeiungen unserer Apokalyptiker hätte unser Rentensystem schon längst kollabieren müssen, stattdessen subventionieren wir auch noch die Versicherungsindustrie, die mit der kapitalgedeckten Altersvorsorge Profite zu Lasten der Kunden macht. Und es sieht ganz danach aus, dass die Politik deren Profite noch vergrößern will, indem die Arbeitnehmer mit (sanftem?) Zwang in die Kapitaldeckung getrieben werden.

BÖRSCH-SUPAN, Axel/BUCHER-KOENEN, Tabea/RAUSCH, Johannes (2016): Szenarien für eine nachhaltige Finanzierung der Gesetzlichen Rentenversicherung,
in:
ifo Schnelldienst Nr.18 v. 29.09.

Abdruck des gleichnamigen MEA-Diskussionspapier vom 19. August 2016. BÖRSCH-SUPAN/BUCHER-KOENEN/RAUSCH verfolgen mit dem Artikel drei Ziele:
1) Eine Vorausschätzung der Entwicklung bis 2060
2) Auswirkungen einer Stabilisierung des Rentenniveaus bei 45, 46 und 50 Prozent aufzeigen
3) Plädoyer für eine kostensenkende Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und eine Neudefinition der Standardrente

Die Vorausschätzung bis 2060 basiert auf einer ganzen Reihe von Annahmen zur
1) Bevölkerungsentwicklung: Orientierung an der Variante 2 der 13ten koordinierten Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Bundesamtes. Die angenommene Konstanz der Geburtenziffer von 1,4 Kinder pro Frau war bereits zum Zeitpunkt der Erstellung der Bevölkerungsvorausberechnung überholt.
2) Arbeitsmarktentwicklung: Orientierung an den kurzfristigen Annahmen der mittleren Variante des Rentenversicherungsberichts 2015, wobei mangels fehlender Information lediglich die Erwerbsquote in Abhängigkeit zur Anhebung des gesetzlichen Regelrentenalters fortgeschrieben wird. Außerdem wird eine teilweise Angleichung der Erwerbsquoten bei Frauen und Ostdeutschen angenommen
3) Einkommensentwicklung: Orientierung an der mittleren Annahme des Rentenversicherungsberichts 2015, wobei keine weitere Angleichung der Einkommen zwischen Ost und West angenommen wird

Die Autoren erklären uns, dass bei heute gültig bleibenden Regeln die Beitragsatzziele bis 2032 eingehalten werden können und zwischen 2037 und 2053 nur minimal darüber bei 22,7 Prozent verharren würden. Danach sollen sie weiter steigen, was reine Spekulation ist, weil bereits heute die Konstanz der Geburtenziffer überholt ist. Das Mindestrentenniveau von 43 Prozent würde danach im Jahr 2036 unterschritten und würde dann oberhalb von 42 Prozent verharren.

Der - im Vergleich mit anderen Berechnungen - niedrige Beitragssatz beruht gemäß den Autoren auf ihren Annahmen zur Entwicklung der Hinterbliebenenrenten:

"So unterstellen wir einen Rückgang der Hinterbliebenenrenten und ihrer Rentenhöhe, da wegen der Anrechnungsregeln zunehmend andere Einkommensarten diese vermindern. So schreiben wir die Ausgaben für die Hinterbliebenenrente mit lediglich 1 % (durchschnittlicher Anstieg der Rentenausgaben wegen Todes der vergangenen zwei Jahrzehnte) fort." (2016, S.35)

Offenbar bestimmen also die Annahmen entscheidend über die Ergebnisse von Berechnungen. Je länger der Zeitraum um so größer werden deshalb die Abweichungen bei den einzelnen Parametern.

BÖRSCH-SUPAN u.a. gehen bei der Stabilisierung des Rentenniveaus einzig von Auswirkungen auf die Entwicklung des Beitragssatzes aus. Diese Sicht vernachlässigt alternative Möglichkeiten zur Stabilisierung des Beitragssatzes auch bei höherem Rentenniveau: Erhöhung des Bundeszuschusses, Entlastung der Beitragszahler von versicherungsfremden Leistungen, die Einbeziehung von Selbständigen in die Rentenversicherung, Beendung der sozialabgabenfreien Entgeltumwandlung auf Kosten der Rentenversicherung, Beendung der Subventionierung der Kapitaldeckung. Dies sind nur wenige Beispiele für Möglichkeiten, die bei den Autoren gar nicht erst in Betracht gezogen werden, weil sie eine Rentenniveaustabilisierung schlechtreden wollen.

Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung bedeutet eine Rentenkürzung, weshalb Kostenersparnisse hier allein zu Lasten der Rentenempfänger gehen. Während BÖRSCH-SUPAN diese Regelung in den Mainstreamzeitungen schönfärberisch darstellt, wird hier schonungslos sichtbar, was das wirklich bedeutet:

"Konkret bedeutet dies, dass zwei Drittel der zusätzlichen Lebensjahre in Arbeit verbracht werden sollen, während ein Drittel einer längeren Rentenbezugszeit zugute kommt." (2016, S.34)

Dadurch ergibt sich bei einem moderaten Anstieg der Lebenserwartung (Variante 2) folgende Entwicklung:

"Das Regelrentenalter nimmt (...) nach 2030 jährlich um etwas mehr als einen Monat zu und läge 2060 bei etwa 69 Jahren und sieben Monaten. Damit ist es unter diesen Annahmen zur Entwicklung der Lebenserwartung leicht über dem von der Deutschen Bundesbank (2016) vorgeschlagenen fixen Renteneintrittsalter von 69 Jahren im Jahr 2060".

Ziel dieser Methode ist nicht etwa die Beitragssatzstabilität, sondern sogar die Senkung des Beitragssatzes, denn die Ausgaben für die Rentenversicherung sollen zwischen 2030 und 2054 um 8,8 Mrd. Euro pro Jahr gesenkt werden. Dieser Vorschlag ist in dieser Form auch im Gutachten Nachhaltigkeit in der sozialen Sicherung über 2030 hinaus zu finden (vgl. Kapitel 5.1.2 Automatische Anpassung der Regelaltersgrenze, 2016, S.15). Angaben zur Kostenersparnis werden jedoch dort nicht gemacht.

Mit der Neudefinition der Standardrente, die von den Autoren nur als Alternative nicht jedoch in Kombination mit der Kopplung berechnet wird, könnte zudem elegant die Rentenkürzung als Rentenniveausteigerung vermarktet werden. Inwiefern zukünftig 47 Beitragsjahre und nicht nur 45 Beitragsjahre wie bisher überhaupt erreichbar sind - diese Frage wird ausgeklammert.

Neu:
BÖRSCH-SUPAN, Axel (2016): Der Angstmacherei in der Rente Haltelinien setzen.
Standpunkt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.

Die FAZ wollte Axel BÖRSCH-SUPAN als Nachfolger von Bert RÜRUP als Regierungsberater inthronisieren. Das hat nicht geklappt, aber dafür hat er nun in der FAZ/FAS das Interpretationsmonopol in Sachen Rentenpolitik. Seine Einseitigkeiten sind hinlänglich bekannt und der Artikel bringt nichts Neues zum Thema.

BÖRSCH-SUPAN polemisiert gegen die Stabilisierung des Rentenniveaus. Mit seiner Marketingmasche könnte er gut für die Finanzdienstleister die nächste Werbekampagne inszenieren.

Den Artikel liest man am besten im Zusammenhang mit der Dpa-Meldung, neben die er - gewiss nicht zufällig platziert wurde. Frank BSIRSKE sieht in einer Beitragssteigerung auf 26 Prozent kein Problem, denn diesen Prozentsatz müssten Arbeitnehmer sowieso aufbringen, um ihren Lebensstandard zu halten:

"Wenn sich der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung längerfristig an dem Wert orientiert, der sich heute ohnehin schon für die Arbeitnehmer in der Kombination von gesetzlicher Rente und Riester-Rente bemisst, und die Arbeitgeber sich wieder paritätisch an der Finanzierung beteiligen, ist ein höheres Rentenniveau finanzierbar",

wird aus einem Interview in der Rheinischen Post zitiert.

 
       
   

Axel Börsch-Supan: Porträts und Gespräche

 
       
   

MEHLITZ, Johannes (2002): "Die Bevölkerung wird unterschätzt".
Demografie. Neue Grundlagen. Selbst eine höhere Geburtenrate kann die Folgen des demografischen Wandels nicht beheben. Gespräch mit Axel Börsch-Supan,
in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 05.12.

GERSDORFF, Alexander von (2003): "Die Geburtenkrise ist nur durch Reformen zu lösen".
Rürup-Kommissionsmitglied Axel Börsch-Supan über Konsequenzen für die alternde Gesellschaft,
in: Welt v. 16.01.

BÖRSCH-SUPAN hält die typische neoliberale Lösung parat. Diese ist jedoch zu kurz gegriffen, wie Leander SCHOLZ und Iris HANIKA zeigen. Ein typisches Beispiel für die absurde neoliberale Phraseologie:

"Die statische Betrachtung, es gebe eine feste Arbeitsmenge ist falsch (...). Bis 2030 fehlen acht Millionen Arbeitnehmer, das ist nicht zu ersetzen".

GERMIS, Carsten (2003): "Die Baby-Boomer sind die Gekniffenen".
Der Ökonom Axel Börsch-Supan über den Streit mit den Alten und die Chancen für Reformen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.08.

SPANNBAUER, Andreas (2004): "In fünf Jahren brauchen wir die Älteren".
Dass Arbeitnehmer über 55 Jahre keinen Job finden, wird sich bald schlagartig ändern, meint der Rentenexperte Axel Börsch-Supan. Zuwanderung qualifizierter Kräfte könnte helfen. Aber: "So viele wollen gar nicht nach Deutschland"
in: TAZ v. 11.03.

BERNAU, Patrick (2009): Der Rentenrechner.
Im Porträt: Axel Börsch-Supan - Er hat die Alten als Thema seines Lebens entdeckt. Damit gewann er Ruhm und Aufträge. Jetzt wird er als der neue Rürup gehandelt,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.01.

Im Vorfeld der Neubesetzung des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung stellt die FAS den Mannheimer Ökonom Axel BÖRSCH-SUPAN vor, der die Reformierung der Altersversorgung im Sinne der Versicherungsbranche weiter vorantreiben soll. Mit dem "Nachhaltigkeitsfaktor" hat BÖRSCH-SUPAN bereits das Herzstück der letzten Rentenreform geliefert. Altersarmut ist dadurch vorprogrammiert worden. Die Lobbyarbeit der Frankfurter Allgemeine setzte bereits kurz nach Bekanntgabe von RÜRUPs Ausscheiden ein.

SCHWENTKER, Björn (2009): Formeln für den Wandel.
Axel Börsch-Supan rechnet vor, warum die alternde Gesellschaft ökonomisch nicht zusammenbrechen muss,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 12.03.

Björn SCHWENTKER stellt den Ökonomen Axel BÖRSCH-SUPAN vor, der von der FAZ als Nachfolger von Bert RÜRUP gehandelt wurde:

"Seine Idee: intelligente Sozialsysteme auf Basis wissenschaftlicher Formeln, die sich automatisch der Bevölkerungsstruktur anpassen – und nicht den je nach Koalitionsarithmetik wechselnden politischen Meinungen. Für die Rente ist Börsch-Supans Konzept schon teilweise umgesetzt: durch den »Nachhaltigkeitsfaktor« in der geltenden Rentenformel, den er mit entwickelt hat. Doch das reicht ihm noch nicht, er hätte am liebsten auch eine solche Formel für das Pensionsalter. Die Mathematik sagt ihm: Wenn der Anteil der Arbeitsjahre an der Lebenszeit gleich bliebe, würde das Rentensystem nicht zusammenbrechen. Wie schwer das durchsetzbar ist, hat die Debatte um die Rente mit 67 gezeigt. In der Diskussion, sagt Börsch-Supan, werde den Menschen immer suggeriert, dass die Anhebung des Rentenalters ihnen zwei Jahre Lebenszeit wegnehme. Dabei würden sie im Jahr 2029 – so lange dauert es, bis die Rente mit 67 wirksam ist – mindestens drei Jahre länger leben als heute. Unterm Strich bliebe also ein Gewinn von einem Jahr Ruhestand."

LINNEWEBER, Silke (2010): "Das ist doch wunderbar".
Bevölkerungsrückgang: Auf dem Zukunftsgipfel in Meseberg sucht die Regierung nach Auswegen aus dem Dilemma. Warum der Ökonom Axel Börsch-Supan dem Leben in der Altenrepublik gelassen entgegenblickt,
in: Rheinischer Merkur Nr.24 v. 17.06.

STUTTGARTER ZEITUNG-Tagesthema: Deutschland vergreist.
Demografen warnen: Die Altersstruktur der Bevölkerung verschiebt sich dramatisch. Betroffen sind vor allem ländliche Gebiete und der Osten

KISTER, Stefan (2011): "Alterung findet vor allem im Kopf statt".
Interview: Der Sozialwissenschaftler Axel Börsch-Supan hält von demografischen Horrorszenarien wenig. Bedrohlicher als die Vergreisung sei die Verschuldung,
in: Stuttgarter Zeitung v. 21.11.

BOLLMANN, Ralph (2016): "Langfristig helfen die Flüchtlinge uns".
Die Migranten können für unser Rentensystem eine Chance sein, sagt der Ökonom Axel Börsch-Supan: Wenn wir etwas dafür tun,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.01.

Axel BÖRSCH-SUPAN, von der FAS als Schöpfer des Nachhaltigkeitsfaktor vorgestellt, den die rot-grüne Koalition 2004 eingeführt hat, stellt folgende WENN-DANN-Aussagen zum Beitrag der Flüchtlinge zur Rentenversicherung auf: 

"Wenn wir im vergangenen Jahr eine Million Flüchtlinge hatten und in diesem Jahr noch mal eine halbe Million kommt, wenn sie die Altersstruktur bisheriger Flüchtlinge haben und langfristig zwei Drittel eine Arbeit finden: Dann gleicht das die gesamten Kosten für die Mütterrente und für die Rente mit 63 wieder aus."

BÖRSCH-SUPAN gibt außerdem zu, dass die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre falsch eingeschätzt wurde:

"Bei den Rentenreformen der Jahre 2001 bis 2007 sind wir nicht von einer höheren Einwanderung ausgegangen. Als wir an unserem Institut den Nachhaltigkeitsfaktor für die Rentenberechnung entwickelt haben, dachten wir: Er wird das Rentenniveau ganz allmählich senken, in Abhängigkeit von der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung. Passiert ist das Gegenteil. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen stark gestiegen, nicht zuletzt durch die starke Einwanderung. Auch deshalb erhöhen sich die Renten in diesem Jahr um fünf Prozent."

Auf dieser Website wurde bereits Anfang des Jahrtausends darauf hingewiesen, dass die damalige Bevölkerungsvorausberechnung bewusst lediglich ein einziges, zudem unrealistisches - Szenario berechnete, um die Agenda 2010 durchzusetzen. Auch die aktuelle 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung stellt kein realistisches Szenario dar, sondern ist in erster Linie Ausdruck der gegenwärtigen politischen Interessenlage.

LANGENBERG, Britta (2016): "Es sieht gut aus".
Der Demografieforscher Axel Börsch-Supan hält die Rentendebatte für verlogen - und erklärt, warum es 90 Prozent der Rentner in Zukunft besser gehen wird als heute,
in:
Capital, Juni

Axel BÖRSCH-SUPAN ist ein "Die Lage ist besser als die Stimmung"-Anhänger, der uns wieder einen anderen Altenquotient vorrechnet:

"Der Altersquotient (...) verdoppelt sich bis 2030 ungefähr."

Die künftigen Rentner werden besser leben als die Rentner heute, prophezeit uns BÖRSCH-SUPAN, möglicherweise aber nur, weil wir zu den Privilegierten gehören. Pech, wer nicht gemeint ist!

"Das Rentenniveau ist nicht die Kaufkraft, sondern eine relative Größe. Die Kaufkraft der Renten wird etwas weniger schnell steigen als die Kaufkraft der Löhn",

erläutert BÖRSCH-SUPAN. Diese schöne Steigerungsphilosophie gilt leider nur für die gesetzliche Rente. Wer privat vorsorgt, dessen Rente kennt keine dynamische Anpassung, was hier verschwiegen wird.

Die Anrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung im Alter ist für BÖRSCH-SUPAN ein Konstruktionsfehler, der beseitigt werden muss. Die Nicht-Sparerquote verringert sich durch seinen Haushaltsansatz, der jedoch nicht erklärt wird:

"Nur um insgesamt ein Viertel - die Nichtsparer mit geringen Einkommen - muss man sich Gedanken machen. Für sie muss man die Regeln bei der Grundsicherung ändern."

Die Rente mit 70 ist unnötig - noch. Dagegen müssen die Zu- und Abschläge bei der geplanten Flexirente auf ca. 6 Prozent pro Jahr erhöht werden - dann wären Frührentner auch kein Problem - denn das muss man sich erst leisten können!

 
       
   

Axel Börsch-Supan in der Debatte

 
       
   

TUMA, Thomas (2004): Generation XY ungelöst.
Der Jahrgang 1964 ist der bevölkerungsreichste, den Deutschland je erlebt hat. Aber wo sind all die nun 40-Jährigen in Politik, Wirtschaft oder Kultur? Pflegen die Babyboomer die alte Abneigung gegen die 68er - oder leiden sie an Zukunftsängsten? Eine Spurensuche,
in: Spiegel Nr.14 v. 29.03.

Thomas TUMA, Jahrgang 1964, kann sich mit der Sicht von BÖRSCH-SUPAN auf die Mittelschicht seines Jahrgang nicht so recht anfreunden:

"Man kann uns auch rein ökonomisch betrachten. Dann muss man Wissenschaftler wie den Mannheimer Axel Börsch-Supan besuchen, der uns für »insgesamt privilegiert« hält: aufgewachsen in einer Ära schnellen Wachstums, keinerlei Kriege erlebt, Muttis Liebling, betüterte Jugend, ein enormer Zuwachs an Reichtum, den wir irgendwann auch mal erben werden.
            Wir sind gut ausgebildet. Wir sind einigermaßen vermögend. Wir haben Kreditkarten und sind als werberelevante Zielgruppe umworben. Und später, wenn wir noch zehn Jahre älter sind, werden uns die Arbeitgeber hofieren statt in die Frührente zu treiben. Ab 2011 nämlich kippt der Arbeitsmarkt, weil dann der Nachwuchs fehlt und die Unternehmen froh sind, wenn wir 64er noch ein paar Jahre dranhängen, sagt Herr Börsch-Supan. »Den Druck schafft die schiere Demografie.«
            Nicht einmal das Argument, dass wir den Jungen ja dann die Arbeit wegnähmen, lässt er gelten: »Wer arbeitet, konsumiert und schafft sich so sein eigenes Bruttosozialprodukt.«
            Und wenn wir mal an Norbert Blüm geglaubt haben, der immer gepfälzert hat: »Die Rende is sischä« - tja. Die Rente sei ja auch sicher gewesen, nur ihre Höhe nicht. Da lacht der Herr Professor. »Das schöne Konzept der Generationengerechtigkeit ist eben eine Schimäre.« Das hat er auch in der Rürup-Kommission gesagt.
            Neulich bekam ich einen Brief, auf dem stand: »Sichern Sie mit uns Ihre Zukunft: Wir haben Ihre Rente.« Er kam aber nicht von Ulla Schmidt oder Hans Eichel, sondern von einer Lotteriegesellschaft aus Hamburg, was unserer Realität schon wieder ziemlich nahe kommt.
            Einerseits appelliert das Schreiben an unsere diffuse Angst, noch als 70-Jährige im Supermarkt Einkaufstüten verteilen zu müssen, wie das bei manchen Senioren in den USA schon heute der Fall ist. Andererseits ahnen wir spätestens da, dass das bundesdeutsche Rentensystem nur noch Glücksspielcharakter hat.
            Wir sind aber mit Blüm aufgewachsen. Und mit einem Kanzler, der 16 Jahre lang Helmut Kohl hieß. Und mit der DDR. Und nun ist das alles nicht mehr da: Stattdessen zahlen wir Solidarbeiträge für weinerliche Ostler, Riester-Renten, die wir nicht kapieren, und die Zeche eines Kanzlers, der dauernd irgendwelche Agenden bastelt für den Sankt-Irgendwann-Tag.
            Larmoyanz sei wirklich unangebracht, sagt Herr Börsch-Supan nach einer Stunde, in der er über demografische Aggregate und Kaufkraft-Änderungen doziert und eigentlich immer gesagt hat: Habt euch mal nicht so. Euch geht's wirklich blendend.
            Natürlich hat er Recht. Aber wir sind eben auch die Wende. Wir haben das Staatsversagen als Fakt entdeckt. Wir wissen, dass es für kommende Jahrgänge erst recht und nur noch bergab gehen wird. Nur: Die wachsen mit diesem Wissen schon auf. Wir dagegen verarbeiten immer noch, heute der dicke Bauch und morgen der Wasserkopf der bundesdeutschen Alterspyramide zu sein.
"

ASTHEIMER, Sven/KROHN, Philipp/MÜLLER, Matthias (2008): Guter Rat ist teuer.
Wenn Bert Rürup, der Weise, geht, muss die Lücke gefüllt werden. Gesucht wird eine eierlegende Wollmilchsau. Das wird nicht einfach,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

Die FAZ bringt Axel BÖRSCH-SUPAN als Nachfolger von Bert RÜRUP im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ins Gespräch.

KAUBE, Jürgen & Reinhard MÜLLER (2010): Krise! Welche Krise?
Provozierendes über Zustand und Zukunft des Sozialstaats in Deutschland,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.11.

HERTLE, Matthias (2016): Langlebigkeit ist nicht umsonst.
In Berlin streiten die Parteien über die Zukunft der Rente. Ein Münchner Ökonom hat eine bestechende Ideen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 30.10.

Bei der FAS hat Axel BÖRSCH-SUPAN das Interpretationsmonopol in Sachen Rente. Matthias HERTLE trägt uns die schönfärberische FAS-Version des ifo-schnelldienst-Beitrags von Ende September vor:

"Bei einem dynamischen an die durchschnittliche Lebenserwartung angepassten Renteneintrittsalter wird das Sicherungsniveau laut Börsch-Supan dauerhaft oberhalb von 43 Prozent liegen. Der Beitragssatz würde die 22 Prozent-Marke nicht überschreiten",

erklärt uns HERTLE die angebliche Wunderwaffe, mittels derer das Rentensystem gerettet werden soll.

Den Haken an der Sache verschweigt uns HERTLE. Keineswegs würde allein die Kopplung an die Lebenserwartung ausreiche, damit der Beitragssatz von 22 Prozent nicht überschritten wird (vgl. 2016, S.38). Auch das Sicherungsniveau würde nur bei den optimistischen Annahmen von BÖRSCH-SUPAN u.a. nicht unter 43 Prozent sinken.

Weil also die Kopplung an die Lebenserwartung die versprochene Leistung nicht erfüllen kann, helfen die Autoren mit einem statistischen Trick nach: Sie definieren sozusagen die Standardrente neu. Was die Bundesbank im August vorschlug, nämlich die Heraufsetzung der Standardrente von 45 auf 47 Beitragsjahre, das wenden die Autoren nur subtiler an. Das Ergebnis bleibt das Selbe: Sowohl bei der Bundesbank als auch bei BÖRSCH-SUPAN u.a. würde bei einem Renteneintrittsalter von 69 Jahren die Standardrente nicht mehr mit 45, sondern mit 47 Beitragsjahren berechnet werden. Durch diesen statistischen Trick wird einerseits die Rente für diejenigen gekürzt, die nicht mithalten können, und andererseits das Rentenniveau auf 43 Prozent gehalten. Der entscheidende Unterschied: 43 Prozent nicht nach 45 Beitragsjahren, sondern erst nach 47 Beitragsjahren!

Fazit: Die Wunderwaffe privilegiert die Spitzenverdiener, die sowieso länger leben doppelt, während Geringverdiener, deren Lebenserwartung wesentlich geringer ist, doppelt bestraft werden. Die Kopplung an die Lebenserwartung mit Anpassung der Standardrente verschärft die soziale Ungleichheit im Alter zusätzlich und ist damit eine dreiste Umverteilung von unten nach oben.

Als Alternative zu dieser dreisten Umverteilung von unten nach oben wäre stattdessen sinnvoller die Beitragsbemessungsgrenze abzuschaffen und gleichzeitig die Rentenhöhe zu deckeln - wie das in der Schweiz bereits praktiziert wird. Diese Maßnahme wäre angesichts der Tatsache, dass die Lebenserwartung mit dem Einkommen steigt, die gerechtere Lösung. Denn warum sollten die Geringverdiener die längere Rentenbezugsdauer von Spitzenverdienern mitfinanzieren?

 
       
       
   

50plus in Deutschland und Europa (2009).
Ergebnisse des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe
(herausgegeben zusammen mit Karsten Hank, Hendrik Jürges und Mathis Schröder)
Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Der vorliegende Band stellt Ergebnisse der ersten Befragungswelle des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE) vor, in deren Rahmen mehr als 30.000 Personen im Alter 50plus aus 11 Ländern befragt wurden. In acht Kapiteln werden verschiedene ökonomische, soziale und gesundheitliche Aspekte des Alterns in Deutschland und Europa beleuchtet. Darin spiegelt sich die disziplinäre und thematische Vielfalt sowie das Forschungspotential des SHARE wider, das durch die Möglichkeit von Längsschnittauswertungen zukünftig noch potenziert wird."

     
 
       
   

Rezensionen

fehlen noch
 
       
       
   

Demographie, Arbeitsangebot und die Systeme der sozialen Sicherung (1996).
In: Horst Siebert (Hg.) Sozialpolitik auf dem Prüfstand. Leitlinien für Reformen, Tübingen: Mohr, S.13-58

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung
2. Kritischer Vergleich verschiedener Arbeitsangebotsprognosen

a. Historie der Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

IAB-Prognose 1978
IAB-Prognose 1982
IAB-Prognose 1985

b. Andere historische Prognosen

IW-Prognose 1977
DIW-Prognose 1990

c. Zusammenfassende Bewertung der historischen Prognosen

d. Aktuelle Prognosen

IAB-Prognose 1991
IW-Prognose 1990
DIW-Prognose 1990

e. Konsens?

3. Die Belastung der sozialen Sicherungssysteme durch die Altersstrukturverschiebung

a. Die Belastung der gesetzlichen Rentenversicherung
b. Die Belastung der gesetzlichen Krankenversicherung
c. Die Belastung der gesetzlichen Pflegeversicherung

4. Sensitivität der Prognosen bezüglich exogener Änderungen im Arbeitsangebot

a. Sensitivität bezüglich der Annahmen über die Frauenerwerbstätigkeit
b. Sensitivität bezüglich der Annahmen über die Alterserwerbstätigkeit
c. Sensitivität bezüglich der Annahmen über die Wanderung

5. Auswirkungen eines steuer- und beitragselastischen Arbeitsangebots

6. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen

Zitate:

Ziel des Beitrags und der Handlungsspielraum der Arbeitsmarktpolitik

"Während den sich abzeichnenden Finanzierungsproblemen der Sozialversicherungen schon viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde, ist über die Reaktion des Arbeitsangebots auf die demographischen Veränderungen noch relativ wenig bekannt. Dieser Beitrag soll daher die bereits bestehenden Arbeitsangebotsprognosen kritisch aufarbeiten (...).
Hintergrund der Arbeit ist die Einsicht, daß der Politik glücklicherweise mehrere Instrumente zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe sich die negativen Auswirkungen des Altersprozesses mildern lassen. Ein ebenso bekannter wie aussichtsreicher Mechanismus ist das Heraufsetzen es durchschnittlichen Verrentungsalters entweder direkt durch eine Änderung des Berechtigtenkreises oder indirekt durch eine Änderung der ruhealtersabhängigen Ersatzquoten. Mittelbarer lassen sich jedoch auch die Frauenerwerbbeteiligung und die Einwanderung von Arbeitnehmern in das Portfolio der Arbeitsmarktpolitik einordnen." (S.14)

Die Definition des Erwerbspersonenpotential und die damit verbundenen Probleme

"Die in den amtlichen Statistiken ausgewiesenen Zahlen der Erwerbspersonen können nicht durchgängig benutzt werden, da in ihnen die stille Reserve nicht enthalten ist. »Zur Beantwortung der Frage, wieweit sich eine konkrete Arbeitsmarktlage von einer Hochbeschäftigungssituation entfernt hat und wie groß die gesamte stille Reserve ist, muß auf das bei Hochbeschäftigung zu beobachtende Arbeitskräfteangebot Bezug genommen werden. Dieses bei günstiger Arbeitsmarktlage gemessene Arbeitskräftepotential bezeichnet man als Erwerbspersonenpotential« (Thon 1984: 442). Die Berechnungsart der Potentialerwerbsquoten durch das IAB hat sich im Zeitablauf geändert". (S.16)

"Wir haben (...) als Vergleichsmaßstab die vom Statistischen Bundesamt berechnete Reihe der Erwerbspersonen im Jahresdurchschnitt verwendet (...).
Tatsächlich ist das Arbeitsangebot als solches aber ein rein hypothetisches Konzept, das kein direkt meßbares Äquivalent hat, da die beobachtete Erwerbstätigkeit das Ergebnis von Angebot und Nachfrage ist. Aber selbst bei der meßbaren Anzahl der Erwerbstätigen und der Arbeitslosen ergeben sich Abgrenzungsprobleme, etwa bei der geringfügigen Beschäftigung und bei den statistisch schwer erfaßbaren Selbständigen. Die Differenz zum Erwerbspersonenpotential ist nur teilweise mit der Zahl der registrierten Arbeitslosen erfaßbar (es fehlen die nicht registrierten Arbeitslosen der stillen Reserve) oder nur über eine schwer zu kontrollierende, d.h. Inhomogenitäten verursachende Befragung auf Mikroebene." (S.24)

Ursachen der Fehlschätzungen historischer Prognosen

"Zwei Elemente lassen sich als wesentliche Gründe für die (...) immer wieder konstatierte Unterschätzung des Arbeitsangebots finden, nämlich zum einen eine kontinuierliche Unterschätzung der Einwanderung, zum zweiten eine Unterschätzung der Frauenerwerbsquote." (S.25)

"Der Fall der Mauer und die damit einsetzende Wanderung von Ost nach West verursachte einen rapiden Anstieg des Angebots im Westen, der natürlich nicht vorhersehbar war. Verstärkt wurde dieser Angebotsanstieg noch durch die konjunkturbedingt hohe Auslastung der stillen Reserve, die von keinem Institut in diesem Ausmaß vorausgesagt wurde.
(...).
Umgekehrt wurde allerdings auch die rapide Abnahme in den Erwerbsquoten älterer Menschen (im Alter von 55 bis 65 Jahren) nicht projiziert, zumal Schätzungen über die Inanspruchnahme der neu geschaffenen Möglichkeit des Vorruhestands damals noch nicht möglich erschienen. (...). Die Unterschätzung der Wanderungen und der Erwerbsneigung der Frauen hatte zahlenmäßig jedoch ein größeres Gewicht als die Überschätzung der Alterserwerbstätigkeit." (S.26)

Die aktuellen Prognosen zum Erwerbspersonenpotential von IAB, DIW und IW

"Die Grundannahmen der drei aktuellen Prognosen streuen stark. (...). Ein Konsens über die absolute Anzahl der Erwerbspersonen besteht zwar zwischen dem IAB und dem DIW - eine Stabilisierung bis zum Jahr 2010 -, nicht jedoch mit dem IW, das bereits vor 2010 einen Rückgang in der Zahl der Erwerbspersonen vorhersagt. Der Minimalkonsens besteht allerdings darin, daß alle drei Institute einen relativen Rückgang des Erwerbspotentials als Anteil an der Gesamtbevölkerung, insbesondere bezüglich der Rentner voraussagen. Da letztere die zentrale Größe für die Belastung der sozialen Sicherungssysteme ist, (...) ist dieser Minimalkonsens durchaus gewichtig." (S.32)

Konsens über die steigende Altenlast

"In jedem Fall wird (...) die Anzahl der Rentner steigen, und zwar sowohl von 1995 bis 2010 als auch, und zwar dramatisch beschleunigt, von 2010 bis 2030.

Annahmen des Simulationsmodells von Börsch-Supan

"Fertilität: Die Fertilität wird leicht steigen, sobald die ökonomischen Auswirkungen der Altersstrukturverschiebung mehr ins allgemeine Bewußtsein dringen. Die Bewußtseinsbildung mag sich durch Änderungen in der Rentenpolitik beschleunigen. (...). Ausgehend von den Annahmen in OECD (1988), wird hier eine langsamere Steigerung von der Nettofertilitätsrate von 1,39 in 1990 auf 1,60 im Jahr 2050 angenommen.
Mortalität: (...). Konkret wird die mittlere Lebenserwartung bei Geburt 78,1 Jahre in 2000, 78,9 Jahre in 2010, 81,0 Jahre in 2030 und 83,2 Jahre in 2050 sein.
Immigration: In Reaktion auf die Änderung der Asylgesetzgebung wird (...) angenommen (...) etwa 115 000 Immigranten im Jahr 2000 und etwa 100 000 Immigranten pro Jahr nach 2010." (S.33)

"Weibliche Erwerbsbeteiligung: Ausgehend von den Annahmen des Instituts der Deutschen Wirtschaft wird ein Anstieg der weiblichen Erwerbsbeteiligung von 34,7 vH im Jahr 1990 auf 35,2 vH im Jahr 2000 angenommen. Danach setzt sich dieser Trend in einem Anstieg auf 36,3 vH bis zum Jahr 2010 fort. Nach 2010 bleibt die weibliche Erwerbstätigkeit konstant.
Rentenalter: In einem zweiten recht groben Versuch, Verhaltensänderungen aufgrund der ökonomischen Auswirkungen der Altersstrukturverschiebung (...) zu modellieren, wird von einem graduellen Anstieg des Rentenalters um ein Jahr bis zum Jahr 2010 und um ein weiteres Jahr bis 2030 ausgegangen." (S.34)

Anstieg des Rentnerquotienten im Vergleich zur Altenlast (Verhältnis der über 60jährigen zu dem der 20-59jährigen)

Quelle: Börsch-Supan 1996, S.35

 "Der Rentnerquotient steigt nach unserer Projektion langsamer als der rein demographische Alterslastquotient. Dies liegt an der angenommen Verschiebung des Rentenalters um insgesamt zwei Jahre. Der Niveauunterschied erklärt sich aus der nicht vollständigen Erwerbsbeteiligung auch im Alter von 20 bis 59 Jahren." (S.35f.)

Einwanderung kann den Schrumpfungsprozess kompensieren

"Der Schrumpfungsprozeß des deutschen Erwerbspersonenpotentials wird etwa bei einer Einwanderungsrate von 300 000 Personen kompensiert (...)." (S.45)

Die Entwicklung des Beitragssatzes in der Rentenversicherung

"Ausgehend von einem Beitragssatz von 19,2 vH im Jahr 1995 erhöht sich (...) der Beitragssatz stetig bis auf 27,0 vH im Jahr 2033. Die Steigerungsrate beträgt in der nahen Zukunft etwa 0,2 vH pro Jahr. Der Dämpfungseffekt der Netto- gegenüber der Bruttolohnanpassung ist nicht zu unterschätzen - ohne diese Änderung im Rentenreformgesetz 1992 wäre der Beitragssatz auf knapp über 30 vH gestiegen." (S.36)

Ab 2010 wird das Erwerbspersonenpotential trotz Steigerung der Frauenerwerbsquote schrumpfen

"Es herrscht ein recht breiter Konsens, daß das Erwerbspersonenpotential bis zum Jahr 2010 keine dramatischen Veränderungen sehen wird, allerdings relativ zur Zahl der Rentner sinken wird. (...). Ebenso eindeutig ist aber auch, daß nach 2010 eine Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit den demographisch bedingten Rückgang des Erwerbspersonenpotentials nicht mehr bremsen kann.
Die Sozialversicherungssysteme haben daher noch eine Atempause von etwa 15 Jahren. In dieser Zeit steigt bei konstanter Zahl der Erwerbstätigen zwar die Zahl der Leistungsempfänger schon an, aber erst danach kommt der Doppeleffekt einer gleichzeitigen Zunahme der Leistungsempfänger und Abnahme der Beitragszahler wirklich in Gang:
Während vernünftige Variationen in der Frauenerwerbsquote diese Ergebnisse nur geringfügig ändern, und eine Trendwende nur durch eine dramatische Änderung in der Alterserwerbstätigkeit induziert werden kann, sind diese Prognosen stark sensitiv bezüglich der Einwanderungsrate. Pro 100 000 Einwanderer der Altersstruktur von 1989/90 sinkt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung um etwa 1,2 Prozentpunkte." (S.51)

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland - Teil 2: Mythen und Fakten über die "Altenlast"

 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 20. März 2011
Update: 02. Juni 2017