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Heinz Rothgang: Theorie und Empirie der Pflegeversicherung

 
       
     
       
     
       
   

Heinz Rothgang in seiner eigenen Schreibe

 
   

ROTHGANG, Heinz (2005): Demographischer Wandel und Pflege(ver)sicherung. In: Judith Kerschbaumer & Wolfgang Schroeder (Hrsg.) Sozialstaat und demographischer Wandel. Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Sozialversicherung, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S. 119-146

UNGER, Rainer & Heinz ROTHGANG (2010): Häusliche Hilfe- und Pflegebedürftigkeit in Ost- und Westdeutschland. Die Bedeutung des Einkommens bei der Erklärung von Strukturunterschieden. In: Peter Krause & Ilona Ostner (Hg.) Leben in Ost- und Westdeutschland. Eine sozialwissenschaftliche Bilanz der deutschen Einheit 1990 - 2010, Campus Verlag, S.617-631

 
       
   

Heinz Rothgang im Gespräch

 
   

fehlt noch

 
       
   

Häusliche Hilfe- und Pflegebedürftigkeit in Ost- und Westdeutschland (2010).
Die Bedeutung des Einkommens bei der Erklärung von Strukturunterschieden
In:
Peter Krause & Ilona Ostner (Hg.) Leben in Ost- und Westdeutschland. Eine sozialwissenschaftliche Bilanz der deutschen Einheit 1990 - 2010, SS.617-631

 
   
     
 

Zitate:

Das Pflegerisiko ist im Gegensatz zur Lebenserwartung in Ostdeutschland größer als in Westdeutschland

"Gesundheit beziehungsweise Krankheit und Pflegebedürftigkeit (haben sich) in der jüngsten Vergangenheit in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich entwickelt (...). So kam es zwar zu einer Angleichung der Lebenserwartung, nicht aber zu einer Angleichung des Risikos von Pflegebedürftigkeit: Ausgehend von einer Differenz zwischen Ost- und Westdeutschland von drei bis vier Jahre vor der Wiedervereinigung, hat sich die Lebenserwartung bei den Frauen inzwischen weitgehend angeglichen. Bei den Männern besteht zwar weiterhin eine Differenz von circa 1,5 Lebensjahren (Scholz u.a. 2010). Diese ist aber deutlich geringer als der Differenzbetrag von 3,4 aus dem Jahr 1990 (Kibele/Scholz 2009). Demgegenüber kam es im Bereich der Pflegebedürftigkeit zu einer weit geringeren Angleichung der Lebensbedingungen zwischen Ost- und Westdeutschland. Vielmehr können anhand der Daten der Pflegestatistik nach Paragraph 109 SGB XI erhebliche Unterschiede in den Pflegequoten sowohl auf Kreis- als auch auf Länderebene nachgewiesen werden (Rothgang u.a. 2009); Statistisches Bundesamt 2010). Demnach ist zum Beispiel die Prävalenz von Pflegebedürftigkeit der über 75-jährigen Bevölkerung im Jahr 2007 in vielen Kreisen Ostdeutschlands, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern und weiten Teilen Brandenburgs, etwa zweimal so hoch, wie in den meisten Kreisen Süddeutschlands (Rothgang u.a. 2009: 175ff.)
(2010, S.617)

Definition Pflegebedürftigkeit in Abgrenzung zu Hilfebedürftigkeit

"Definitorisch kann Hilfe- und Pflegebedürftigkeit voneinander getrennt werden. Pflegebedürftigkeit bezieht sich dabei auf die sozialrechtliche Definition des SGB XI, während Hilfebedürftigkeit auf Einschränkungen bei den alltäglichen Verrichtungen abzielt, deren Umfang auch unterhalb der Schwelle liegen kann, die Pflegebedarf im Sinne des SGB XI auslöst. Hilfebedürftigkeit wird im SOEP mit der Frage erhoben: »Gibt es in Ihrem Haushalt jemanden, der aus Alters- oder Krankheitsgründen oder wegen einer Behinderung dauernd hilfe- oder pflegebedürftig ist?« Hinsichtlich der - enger gefassten - Pflegebedürftigkeit wird direkt gefragt: »Erhält die pflegebedürftige Person Leistungen aus der Pflegeversicherung?«"
(2010, S.622)

Ausmaß der Pflege- und Hilfsbedürftigkeit in Deutschland

"Gemäß der aktuellen Infratest-Repräsentativuntersuchung ist derzeit in Deutschland von rund zwei Millionen Pflegebedürftigen, aber zusätzlich drei Millionen Hilfsbedürftigen auszugehen (vgl. Schneekloth 2005)."
(2010, S.622 Fn1)

Defizit der SOEP-Erhebung

"Pflegebedürftigkeit (wurde) ausschließlich im häuslichen Bereich erfasst (...). Insofern sind auch Selektionsprozesse denkbar, nach denen zum Beispiel höhere Einkommen einen (kostenintensiven) Heimeintritt eher begünstigen als niedrigere Einkommen. (...). Darüber hinaus wäre auch denkbar, dass diese Selektionen in Ost- und Westdeutschland, etwa auf Grund unterschiedlicher (familiärer) Netzwerke, unterschiedlich ausfallen."
(2010, S.629)

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Sind wir auf dem Weg zur "Single-Gesellschaft" Oder: Singles als nützliche Idioten in einer paar- und familienorientierten Gesellschaft

Wenn Eltern Pflege brauchen. Wie der demografische Wandel den Alltag verändert und was das den Individuen abverlangt - Neue Ratgeber- und Sachbuchliteratur zum Thema

 
       
   

Theorie und Empirie der Pflegeversicherung (2009).
Münster:
Lit-Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"In den letzten beiden Dekaden wurde Pflegebedürftigkeit zunehmend als neues soziales Risiko "entdeckt". Die sozialstaatliche Absicherung dieses Risikos wirft vielfältige konzeptionelle und empirische Fragen auf. Aufbauend auf einer allgemeinen Diskussion vorhandener Optionen wird die Ausgestaltung der deutschen Pflegeversicherung zwischen Markt, Korporatismus und Staat analysiert. Modellrechnungen zur Finanzentwicklung verdeutlichen, dass die Pflegeversicherung derzeit nur entweder Beitragssatzstabilität oder Kaufkraftstabilität ihrer Leistungen sichern kann - nicht aber beides gleichzeitig."

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG

I. PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT ALS HERAUSFORDERUNG STAATLICHEN HANDELNS

1. Pflegebedürftigkeit als neues soziales Risiko

1.1 Die steigende Bedeutung des Pflegerisikos in OECD-Staaten

1.1.1 Zum Begriff der Pflegebedürftigkeit
1.1.2 Altersabhängigkeit des Pflegerisikos
1.1.3 Demographische Entwicklung
1.1.4 Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen

1.2 Die Einführung neuer sozialstaatlicher Sicherungsarrangements bei Pflegebedürftigkeit

1.2.1 Chronologie der Einführung von Pflegesicherungssystemen
1.2.2 Pflegesicherungssysteme im Wohlfahrtstypenvergleich

2. Grundsätzliche Optionen zur Ausgestaltung der Pflegesicherung und ihre normative Bewertung

2.1 Private Vorsorge, Versicherungspflicht oder Pflichtversicherung

2.1.1 Staatseingriff vs. Marktlösung

2.1.1.1 (Fehlende) Konsumentensouveränität und verzerrter Präferenzen
2.1.1.2 (Psychische) externe Effekte
2.1.1.3 Umverteilung
2.1.1.4 Allokatives Marktversagen auf Versicherungsmärkten
2.1.1.5 Zwischenfazit

2.1.2 Versicherung vs. steuerfinanzierte Mindestsicherung

2.1.2.1 Trittbrettfahrerverhalten bei Existenz einer Mindestsicherung
2.1.2.2 Optimale Pflegearrangements und obligatorische Versicherung
2.1.2.3 Arbeitsmarkteffekte von Steuer- und Beitragsfinanzierung
2.1.2.4 Distributive Erwägungen
2.1.2.5 Zwischenfazit

2.1.3 Versicherungspflicht vs. Pflichtversicherung

2.1.3.1 Risikoallokation
2.1.3.2 Arbeitsanreize
2.1.3.3 Risikoselektion durch Versicherungsunternehmen
2.1.3.4 Distributive Überlegungen
2.1.3.5 Zwischenfazit

2.2 Umlage- vs. kapitalfundierte Finanzierungsverfahren

2.2.1 Argumente für eine Kapitalfundierung und ihre Bewertung

2.2.1.1 Wachstumseffekte
2.2.1.2 Individuelle Rendite
2.2.1.3 Anfälligkeit für den demographischen Wandel
2.2.1.4 Risiken und Risikodiversifizierung
2.2.1.5 Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeitslücke

2.2.2 Realisierungschancen und -probleme einer kapitalfundierten Pflegeversicherung

2.2.2.1 Einführung einer kapitalfundierten Pflegeversicherung
2.2.2.2 Umstellung von einer umlagefinanzierten auf eine kapitalfundierte Pflegeversicherung

2.2.3 Zwischenfazit

2.3 Schlussfolgerungen für die deutsche Pflegeversicherung

3. Die Pflegesicherung in Deutschland im Überblick

3.1 Ausgangslage und Problemperzeption
3.2 Ziele des Pflege-Versicherungsgesetzes
3.3 Inhalt des Pflege-Versicherungsgesetzes
3.4 Zwischenbilanz in Zahlen
3.5 Zielerreichung des Pflege-Versicherungsgesetzes

3.5.1 Allokative Ziele
3.5.2 Distributive Ziele
3.5.3 Stabilisierungsziele

3.6 Bilanz der Pflegeversicherung nach einer Dekade PflegeVG

II. DIE AUSGESTALTUNG DER DEUTSCHEN PFLEGEVERSICHERUNG ZWISCHEN MARKT, KORPORATISMUS UND STAAT

4. Wettbewerb in der Pflegeversicherung

4.1 Wettbewerbstheoretische Grundlagen
4.2 Das Wettbewerbskonzept der Pflegeversicherung
4.2.1 Einfacher Wettbewerb und Wettbewerb bei 'thirdpartypayers'
4.2.2 Die Wettbewerbskonzeption der Gesetzlichen Krankenversicherung als Referenzmodell
4.2.3 Wettbewerb in der Pflegeversicherung

4.2.3.1 Das Verhältnis von Versicherung und Versicherten (Relation 2)
4.2.3.2 Das Verhältnis von Versicherungsträgern und Leistungsanbietern
4.2.3.3 Das Verhältnis von Versicherten und Leistungsanbietern
4.2.3.4 Zwischenfazit

4.3 Optionen zur Weiterentwicklung der Wettbewerbsordnung in der Pflegeversicherung

4.3.1 Weiterentwicklung der bestehenden Wettbewerbsordnung

4.3.1.1 Staatliche und verbandliche Steuerung im  Rahmen des Wettbewerbskonzepts der Pflegeversicherung
4.3.1.2 Die Einführung von Kassenwettbewerb
4.3.2 Alternatives Wettbewerbskonzept

4.4 Fazit

5. BEDARFSPLANUNG UND INVESTITIONSFÖRDERUNG

5.1 Pflegebedarfsplanung und Investitionsförderung nach Einführung der Pflegeversicherung

5.1.1 Rechtsgrundlagen
5.1.2 Ziele der Bedarfsplanung und Investitionsförderung
5.1.3 Bedarfsplanungsinstrumente
5.1.4 Investitionsförderbereiche, -gegenstände und -instrumente

5.1.4.1 Objektförderung in NRW (bis 2003)
5.1.4.2 Pflegewohngeld in NRW (bis 2003)
5.1.4.3 Hilfe zur Pflege in NRW (bis 2003)

5.1.5 Zwischenfazit

5.2 Grenzen der Bedarfsplanung

5.2.1 Wettbewerbstheoretische Grenzen
5.2.2 Rechtliche Grenzen
5.2.3 Institutionelle Grenzen der Effektivität einer Angebotssteuerung
5.2.4 Technische Grenzen der Bedarfsplanung

5.3 Skizzierung eines Alternativmodells

5.3.1 Zielkriterien
5.3.2 Eckpunkte eines Alternativmodells
5.3.3 Ausgestaltungsoptionen

5.3.3.1 Rolle der Bedarfsplanung
5.3.3.2 Rolle der Objektförderung
5.3.3.3 Subjektförderung vs subjektbezogene Objektförderung
5.3.3.4 Einkommens- und Vermögensprüfung
5.3.3.5 Ausgestaltung der Förderung in Bezug auf Steuerungspotentiale

5.4 Chancen und Risiken der neuen Konzeption

5.4.1 Chancen
5.4.2 Risiken

5.4.2.1 Standardabsenkung und Zweiklassengesellschaft
5.4.2.2 'Ruinöse Konkurrenz'
5.4.2.3 Steigerung der Gesamtausgaben für Investitionskosten
5.4.2.4 Steigerung der Zahl der Sozialhilfe- und Pflegwohngeldempfänger
5.4.2.5 Regionale Konzentration von Einrichtungen

5.5 Die Novellierung des Landespflegegesetzes in Nordrhein-Westfalen
5.6 Modellrechnungen zu den fiskalischen Effekten der Novellierung des PfG NW

5.6.1 Daten und Methoden
5.6.2 Fiskalische Effekte von Modernisierung/Ersatzneubauten und Neubauten

5.7 Fazit

6. Vergütungsverfahren im stationären Sektor

6.1 Darstellung der derzeitigen Vergütungsfindung

6.1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
6.1.2 Rechtspraxis
6.1.3 Entwicklung der Entgelte

6.2 Probleme der derzeitigen Regelungen

6.2.1 Geteilte Finanzierungszuständigkeit
6.2.2 Repräsentationsprobleme
6.2.3 Anreizprobleme

6.2.3.1 Ausgangslage vor Einführung der Pflegeversicherung
6.2.3.2 Veränderungen der Anreizstrukturen durch Einführung der Pflegeversicherung
6.2.3.3 Verbleibende Fehlanreize

6.3 Alternative Methoden der Vergütungsfindung

6.3.1 Wahl der Leistungseinheit
6.3.2 Administrierte Preise
6.3.3 Verhandlungspreise
6.3.3.1 Beteiligte
6.3.3.2 Die Rolle von Personalbemessungskonzepten
6.3.3.3 Einrichtungsindividuelle vs. einrichtungsübergreifende Vergütungsfestsetzung
6.3.3.4 Zwischenfazit

6.3.4 Marktpreisbildung

6.3.4.1 Voraussetzungen für eine funktionierende Marktpreisbildung auf der Anbieterseite
6.3.4.2 Voraussetzungen für eine funktionierende Marktpreisbildung auf der Nachfrageseite
6.3.4.3 Schutz der Bewohner vor Preiserhöhungen
6.3.4.4 Zwischenfazit

6.4 Modellierung von Vergütungssystemen im stationären Sektor
6.5 Fazit

III. DIE FINANZIERUNG DER PFLEGESICHERUNG IN DEUTSCHLAND

7. Modellrechnungen zur Finanzentwicklung der gesetzlichen Pflegeversicherung

7.1 Zahl und Struktur der Leistungsfälle

7.1.1 Projektionsmodell
7.1.2 Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung
7.1.3 Annahmen zu den Pflegehäufigkeiten
7.1.4 Ergebnisse

7.1.4.1 Ergebnisse im Grundmodell
7.1.4.2 Effekte unterschiedlicher Migrations- und Mortalitätsannahmen
7.1.4.3 Effekte unterschiedlicher Morbiditätsannahmen

7.2 Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung bei konstanten Leistungshöhen in Abhängigkeit vom Inanspruchnahmeverhalten

7.2.1 Projektionsmodell
7.2.2 Annahmen zu den Ausgaben pro Leistungsfall
7.2.3 Annahmen zur Inanspruchnahme

7.2.3.1 Gründe für eine Veränderung des Inanspruchnahmeverhaltens
7.2.3.2 Empirie der Inanspruchnahme
7.2.3.3 Berücksichtigung im Projektionsmodell

7.2.4 Ergebnisse in Abhängigkeit von der Inanspruchnahme

7.2.4.1 Ausgabenentwicklung bei konstanter Inanspruchnahme
7.2.4.2 Verschiebungen innerhalb der häuslichen Pflege
7.2.4.3 Verschiebungen zwischen häuslicher und stationärer Pflege
7.2.4.4 Verschiebungen zwischen häuslicher und stationärer Pflege sowie innerhalb der häuslichen Pflege

7.3 Beitragsbemessungsgrundlage der Pflegeversicherung

7.3.1 Projektionsmodell
7.3.2 Rein demographische Projektion: Bemessungsgrundlage bei Konstanz der übrigen Faktoren

7.3.2.1 Annahmen
7.3.2.2 Ergebnisse

7.3.3 Bedingt demographische Projektion: Bemessungsgrundlage bei Veränderung der Erwerbsquoten

7.3.3.1 Annahmen
7.3.3.2 Ergebnisse

7.3.4 Realitätsbezogene Projektion: Entwicklung der Bemessungsgrundlage bei Berücksichtigung von Wirtschaftswachstum

7.3.4.1 Annahmen
7.3.4.2 Ergebnisse

7.4 Beitragssatz und Kaufkraft der Pflegeversicherung im reinen Umlageverfahren

7.4.1 Projektionsmodell

7.4.1.1 Ausgaben
7.4.1.2 Einnahmen
7.4.1.3 Beitragssatz
7.4.1.4 Reale Kaufkraft

7.4.2 Rein demographische Projektion

7.4.2.1 Annahmen
7.4.2.2 Ergebnisse

7.4.3 Bedingt demographische Projektion

7.4.3.1 Annahmen
7.4.3.2 Ergebnisse

7.4.4 Realitätsbezogene Projektion: Entwicklung des Beitragssatzes bei steigenden Löhnen und Gehältern

7.4.4.1 Annahmen zur Preisentwicklung für Pflegeleistungen
7.4.4.2 Annahmen zur Leistungsdynamisierung
7.4.4.3 Ergebnisse

7.5 Beitragssatz und Rücklagen der Pflegeversicherung bei Berücksichtigung der Finanzreserven

7.5.1 Projektionsmodell

7.5.2 Beitragssatzentwicklung bei Leistungsdynamisierung unter Berücksichtigung der Rücklagen

7.5.2.1 Annahmen
7.5.2.2 Ergebnisse

7.6 Fazit

7.6.1 Zahl der Pflegebedürftigen
7.6.2 Ausgaben der gesetzlichen Pflegeversicherung
7.6.3 Gesamtsumme der beitragspflichtigen Einnahmen
7.6.4 Beitragssatz im Umlageverfahren (ohne Berücksichtigung der Rücklagen)
7.6.5 Beitragssatz und Rücklagen bei Berücksichtigung der Finanzreserven

8. Finanzierungsalternativen

8.1 Die Finanzentwicklung der Pflegeversicherung als Ausgangspunkt der aktuellen Reformdebatte
8.2 Kriterien für eine Bewertung von Finanzierungsalternativen
8.3 Finanzierungsalternativen der Pflegesicherung

8.3.1 Pflege-Leistungsgesetz für finanziell Bedürftige
8.3.2 Umstieg auf eine die ganze Bevölkerung umfassende kapitalfundierte private Pflegepflichtversicherung
8.3.3 Leistungsdynamisierung im System und zugehörige Finanzierungsoptionen

8.4 Fazit

ZUSAMMENFASSUNG

 

     
 
       
   

Rezensionen

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    Demographischer Wandel und Pflege(ver)sicherung (2005).
    In: Judith Kerschbaumer & Wolfgang Schroeder (Hrsg.) Sozialstaat und demographischer Wandel. Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Sozialversicherung, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S. 119-146

     
       
         
     

    Inhaltsverzeichnis

    1. Einleitung
    2. Effekte des demographischen Wandels

    2.1 Zahl der Pflegebedürftigen
    2.2 Pflegearrangements und Leistungsausgaben
    2.3 Einnahmen der Pflegeversicherung

    3. Die fiskalische Entwicklung der Pflegeversicherung bis heute und ihre zukünftige Entwicklung
    4. Optionen zur Reform der Pflegeversicherung
    5. Fazit

    Zitate:

    Die Folgen des demografischen Wandels für die Pflegeversicherung

    "Der demographische Wandel beeinflusst die Pflegeversicherung in mindestens dreifacher Weise. Zunächst führt die steigende Zahl der Alten und Hochaltrigen zu einer gleichfalls steigenden Zahl von Pflegebedürftigen (...). Darüber hinaus beeinflusst er aber auch die Pflegearrangements, d.h. die Frage, wie Pflegebedürftige versorgt werden. Dabei führt das - auch demographisch bedingte - Vorhandensein familialer Pflegepersonen allgemein zu einer geringeren Nutzung formaler Pflegedienste und Einrichtungen und damit zu geringeren Ausgaben für formale Pflege (...). Da die deutsche Pflegeversicherung für unterschiedliche Leistungen unterschiedliche Leistungshöhen vorsieht, beeinflussen soziodemographisch und soziostrukturell bedingte Verschiebungen in Pflegearrangements indirekt auch den Finanzbedarf dieses Sicherungssystems (...). Schließlich ist auch die Einnahmeseite der Pflegeversicherung nicht unabhängig von der demographischen Entwicklung, die die Zahl der Beitragszahler beeinflusst."
    (2005, S.120)

    Annahme, dass die Zahl der "Alten" zunimmt, aber der Gesundheitszustand gleich schlecht bleibt ("konstante Prävalenz")

    "Bekanntlich steigt das Risiko, pflegebedürftig zu sein, mit dem Alter an. (...). Eine Zunahme der Zahl der Alten und Hochaltrigen führt daher - unter Annahme im Zeitverlauf konstanter Prävalenzen - zu einer steigenden Zahl von Pflegebedürftigen. Eigene Modellrechnungen auf Basis der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes und der Prävalenzen des Jahres 1999 ergaben, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in der sozialen Pflegeversicherung von 2000 bis 2040 um 60-75 % steigen wird. Aktuellere Modellrechnungen auf Basis der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (vgl. hierzu auch Micheel in diesem Band) bestätigen diesen Befund. So errechnete die Nachhaltigkeitskommission für den Zeitraum von 2000 bis 2040 eine Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen um knapp 80 % (BMGS 2003: 189)."
    (2005, S.120)

    Voraussetzungen einer Annahme konstanter Prävalenzen

    "Die zunehmende Zahl der »Alten« beruht auf zwei Effekten:
    • Der Zunahme, die sich daraus ergibt, dass stark besetzte Kohorten in das entsprechende Alter hineinwachsen und
    • der Zunahme, die daraus folgt, dass die Lebenserwartung steigt.
    Wenn nun eine Kohorte Hochaltriger eine andere ersetzt, so kommen andere Biographien zum Tragen, die womöglich zu anderen Pflegewahrscheinlichkeiten, aber auch zu einer Veränderung der Lebenserwartung führen können. Solange nur eine weniger stark besetzte Kohorte durch eine nachwachsende (stärkere) mit gleicher Lebenserwartung ersetzt wird, ist es dabei plausibel, von konstanten Prävalenzen auszugehen. Kritisch ist diese Konstanzannahme hingegen, wenn zugleich von einer steigenden Lebenserwartung ausgegangen wird. Für diesen Fall erscheint es vielmehr naheliegend, eine ebenfalls sinkende altersspezifische Morbidität und Pflegewahrscheinlichkeit zu unterstellen."
    (2005, S.121f.)

    Die Annahmen zur Entwicklung der altersspezifischen Pflegebedürftigkeit und der Lebenserwartung prägen entscheidend die Prognosen zur Entwicklung der Anzahl von Pflegebedürftigen

    "Insgesamt ist (...) festzuhalten, dass der demographische Wandel zu einer Zunahme der Zahl Pflegebedürftiger führt. Das Ausmaß dieser Zunahme ist hingegen von den Annahmen zur demographischen Entwicklung (insbesondere der Entwicklung der Lebenserwartung) und der altersspezifischen Pflegehäufigkeiten abhängig. Werden im Zeitablauf stabile Prävalenzen unterstellt, ist mit einer Steigerung der Zahl der Pflegebedürftigen im Bereich von 60-80 % für den Zeitraum von 2000 bis 2040 zu rechnen. Verschieben sich die Prävalenzprofile dagegen mit steigender Lebenserwartung entsprechend, zeigen Modellrechnungen eine um etwa ein Drittel niedrigere Fallzahlsteigerung."
    (2005, S.126)

    Der demographische Wandel ist für die Einnahmesituation der Pflegeversicherung weniger relevant als die Arbeitsmarktpolitik

    Der "demographisch bedingte Rückgang der inländischen Bevölkerung im Alter von 20-60 Jahren (muss) keineswegs zu einem proportionalen Rückgang der Beschäftigten führen (...) - wie dies Ernst Kistler in diesem Buch deutlich herausarbeitet. Vielmehr sind zwischen demographischen Ursachen und einnahmenrelevanten Wirkungen eine Vielzahl anderer Faktoren gestellt, die nicht oder nur zum Teil demographisch bedingt und durchweg politisch beeinflussbar sind (...). Sollte der demographische Wandel also tatsächlich über eine Verknappung des Arbeitsangebots die Zahl der Beschäftigten und damit letztlich auch die Beitragseinnahmen der sozialen Sicherungssysteme reduzieren, so ist dies keine demographisch bedingte Naturgesetzlichkeit, sondern immer auch einer gescheiterten Arbeitsmarktpolitik geschuldet, der es dann nicht gelungen ist, die enormen derzeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt vorhandenen Arbeitskräftereserven zu mobilisieren."
    (2005, S.132)

    Die Rechtfertigung eines Umstiegs zu einer kapitalfundierten Pflegeversicherung mittels Generationengerechtigkeit

    "Allen Varianten des Vorschlags ist gemeinsam, dass der aktuellen Beitragszahlergeneration eine Zusatzbelastung auferlegt wird, da sie sowohl die Leistungen für die aktuell Leistungsberechtigten finanzieren als auch für eigene Ansprüche einen Kapitalbestand aufbauen muss. Damit werden zukünftige Lasten in die Gegenwart gezogen. Es kommt zu einer intertemporalen Lastenverschiebung, die auch zu einer Veränderung der intergenerativen Verteilung führt. (...).
    Normativ wird die Forderung nach einer stärkeren Kapitalfundierung (...) insbesondere mit dem Begriff der »Generationengerechtigkeit« begründet (...). Allerdings kann dieser Begriff in mindestens drei Bedeutungen verwandt werden, die sich zum Teil widersprechen:
    • Erstens kann gefordert werden, dass alle Generationen in gleichem Maße herangezogen werden sollen, wenn externe ökonomische Schocks zu tragen sind, um so eine »Abkopplung« der Rentnergeneration von der Einkommensentwicklung der Beschäftigen zu verhindern (Gleichbehandlung im Querschnitt):
    • Zweitens kann gefordert werden, dass der Saldo aus empfangenen öffentlichen Leistungen und Finanzierungsbeiträgen (im gesamten Lebenslauf) bzw. dass die »Rendite« der eigenen Einzahlungen in öffentliche Systeme für alle Geburtskohorten in etwa gleich sein soll (Gleichbehandlung im Längsschnitt). Diese Vorstellung kann dann z.B. mittels Generationenbilanzen (...) überprüft werden.
    • Drittens könnte gemäß dem Verursacherprinzip auch gefordert werden, dass die Geburtenkohorten verstärkt zur Finanzierung von Pflegeleistungen herangezogen werden, die wegen ihres Fertilitätsverhaltens überdurchschnittlich zum demographischen Wandel beitragen, d.h. die Geburtskohorten etwa ab Ende des 2. Weltkriegs."
    (2005, S.138f.)

    Vorstellungen zur Zukunft der Pflegeversicherung

    "In diesem Beitrag wurde für ein Festhalten an der Grundstruktur der Pflegeversicherung und ein »piecemeal engineering« plädiert, der Systemwechsel hingegen verworfen. Zentral für eine Reform auf der Finanzierungsseite ist dann die regelgebundene Leistungsdynamisierung auf der einen Seite und die Erschließung zusätzlicher Finanzquellen durch steuerfinanzierte Zuschüsse, einen Alterssolidarbeitrag für Rentner, moderate Beitragssteigerungen und Bürgerversicherungselemente auf der anderen Seite."
    (2005, S.143) 

         
     
           
       

    Die Pflege in Deutschland in der Debatte

    BLINKERT, Baldo (2000): Maßstab ist die individuelle Kosten-Nutzen-Bilanz.
    Über die Bereitschaft von Angehörigen, kranke Menschen zu Hause selbst zu pflegen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.12.

    Der Freiburger Soziologe BLINKERT hat die Einstellungen der 40 - 60jährigen zur häuslichen Pflege untersucht. Als Ergebnis der Studie fand der Soziologe milieuabhängige Einstellungen zur Selbst- bzw. Fremdpflege von Angehörigen. Entlang von Bildung, Einkommen (strukturelles Kapital) und Lebensentwürfen (symbolisches Kapital) ergeben sich unterschiedliche Einstellungen. Modernisierungsverlierer (niedriges strukturelles Kapital und traditionale Lebensentwürfe) präferieren die Selbstpflege, während die Modernisierungsgewinner (hohes strukturelles Kapital und moderne Lebensentwürfe) die Fremdpflege bevorzugen. Daraus zieht BLINKERT den Schluss, dass aufgrund der Zunahme von Milieus mit modernen Lebensentwürfen die Prämissen der Pflegeversicherung, die von einer Zunahme der Pflegegeldbezieher statt einer Inanspruchnahme von professionellen Pflegekräften ausgeht, infrage gestellt werden.

    SCHWÄGERL, Christian (2006): Das verschwendete Alter.
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.11.

    RAFFELHÜSCHEN, Bernd (2006): Generationengerechtigkeit. Das Beispiel Pflegesicherung. In: Klaus F. Zimmermann (Hg.) Deutschland - was nun? Reformen für Wirtschaft und Gesellschaft, München: DtV, S.119-130

    Wenn Bernd RAFFELHÜSCHEN von Generationengerechtigkeit schwadroniert, dann mit einer behaupteten Mehrheit im Rücken, der er dann seine "Definition" unterschiebt:

    "Die meisten von uns halten ein gewisses Maß an Gleichheit für gerecht. Wenn dem so ist, dann würde sich der Begriff Generationengerechtigkeit weitgehend mit dem Begriff der Nachhaltigkeit wirtschaftlichen Handelns decken. Nachhaltig wirtschaften heißt, dass Leistungen und Gegenleistungen über Generationen hinweg ausgeglichen sind. (...). Von diesem Zustand der Nachhaltigkeit sind wir allerdings in fast allen Sozialversicherungszweigen weit entfernt". (121f.)

    Beispielhaft beschreibt dann RAFFELHÜSCHEN die behauptete Kluft zwischen Realität und Soll-Zustand "Generationengerechtigkeit" anhand der 1995 eingeführten Pflegeversicherung.

    SCHOLZ, Rembrandt & Dimitri JDANOV (2008): Weniger Hochbetagte als gedacht.
    Korrekturen in der amtlichen Statistik für Westdeutschland notwendig,
    in: Demographische Forschung aus erster Hand, April

    ZEIT-Thema: Wenn die Alten zur Last werden

    NIEJAHR, Elisabeth (2008): Modell Hoffnung.
    Der Staat ist mit der Pflege der Alten genauso überfordert wie die Familie. Deshalb brauchen wir neue Wohn- und Lebensentwürfe
    in: Die ZEIT Nr.22 v. 21.05.

    KEIL, Lars-Broder (2009): Prognose: Jeder Zweite wird pflegebedürftig.
    In 50 Jahren steigt Anteil der Rentner an der Bevölkerung auf ein Drittel - Regierung plant Demografie-Strategie,
    in: Welt v. 19.11.

    WORATSCHKA, Rainer (2009): Deutsche altern gesünder.
    Obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen weiter steigt, ist das Risiko, im Alter bettlägerig oder hilfsbedürftig zu werden, gesunken. "Die Deutschen altern gesünder", lautet das Fazit des aktuellen Pflegereports der Gmünder Ersatzkasse (GEK),
    in: Tagesspiegel v. 19.11.

    HENRICH, Anke (2010): Elternabend.
    Keiner anderen Branche wachsen die Kunden so sicher zu wie der Pflege. Doch beim vermeintlich guten Geschäft mit dem Lebensabend hakt es oft. Wo die Probleme der Unternehmen liegen, welche Angebote für Senioren gute Chancen haben,
    in: Wirtschaftswoche Nr.22 v. 31.05.

    "Die Ausgangslage ist zwar für die Gesellschaft hoch problematisch, aber für die Pflegebranche günstig: Schon in 15 Jahren sollen laut Prognosen doppelt so viel Ältere ab 65 Jahren in Deutschland leben als heute. Schon jetzt sind 2,25 Millionen Bundesbürger dem Leben alleine nicht mehr gewachsen. 1,5 Millionen werden daheim betreut - eine Million ausschließlich von den Angehörigen -, mehr als 700000 Menschen stationär in rund 11000 Heimen. Und es werden noch viel, viel mehr: Die Deutsche Bank rechnet in einer Studie mit mehr als 5,5 Millionen über 85-Jährigen im Jahr 2050. In diesem Alter beginnt laut Statistik der Aufenthalt im Pflegeheim.
    Zudem steigt die Zahl der hilfsbedürftigen Demenzkranken. Sie füllen zunehmend die Häuser, die für sie oft gar nicht passen, ebenso wie jüngere Schlaganfallerkrankte oder Unfallopfer.
    Zugleich sinkt die Zahl der hilfreichen Kinder, und die sind oft selbst schon um die 60 Jahre, wenn die Eltern hinfällig werden",

    berichtet Anke HENRICH über den Pflegemarkt als lukratives Geschäft. Unter der Überschrift Oma als Big Business beschreibt HENRICH die gegenwärtige Situation auf dem deutschen Pflegemarkt. Die beiden Alternativen für die künftige Ausrichtung des Pflegesektors beschreibt die Autorin folgendermaßen:

    "Entweder die Deutschen hüten ihre Eltern selbst, werden zu mehr privatem Sparen für die Pflege im Alter gezwungen, oder die Beiträge zur Pflegeversicherung - derzeit 1,95 Prozent des Bruttogehalts, Kinderlose zahlen 2,2 Prozent - müssen erhöht werden."

    Als weitere Aspekte beschreibt HENRICH die Personalsituation und den steigenden Bedarf, die Defizite bei der Bewertung von Pflegeheimen sowie die Chancen durch betreutes Wohnen als Alternative zum Heim. Lukrative Zielgruppe der Pflegebranche sind insbesondere kaufkraftstarke Akademiker:

    "Für den Run werden schon die Akademiker-Eltern und -Kinder sorgen. Denn mit dem Generationenvertrag wird es vor allem bei ihnen nichts. Die von den Soziologen als »liberal-bürgerlich« oder »konservativ-bürgerlich« klassifizierte Schicht seilt sich bei der Pflege ab - weil sie beruflich verhindert ist oder weil sie es sich leisten kann".  

    taz-Tagesthema: Die Pflege-Schweinerei

    HAARHOFF, Heike (2010): Pflege sich, wer kann!
    Systemwechsel: Jeder Versicherte soll künftig dazu gezwungen werden, eine zweite, kapitalgedeckte Finanzierungssäule aufzubauen,
    in: TAZ v. 23.11.

    DRIBBUSCH, Barbara (2010): Am Ende geht's ins Heim.
    Demenz: Die Kriterien zur Einstufung in die Pflegeversicherung sind zu grob. Alzheimerkranke können nicht richtig erfasst werden,
    in: TAZ v. 23.11.

    EBBINGHAUS, Uwe (2012): 2030 - Odyssee in eine gealterte Gesellschaft.
    Mit der Gestaltung von Europas Zukunft hat die Politik gerade alle Hände voll zu tun. Dabei vergisst sie die alternde Gesellschaft. Anhand seriöser Voraussagen wollen wir in einer erfundenen Familiengeschichte ein Demenz- und Gesellschaftsszenario für das Jahr 2030 entwerfen. Wie können wir altern?
    in:
    Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.03.

    HECKMANN, Dirk-Oliver (2013): "Es fehlt Geld für die Pflege".
    SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach fordert Erhöhung des Pflegebeitrags,
    in:
    DeutschlandRadio v. 12.11.

    HAARHOFF, Heike (2013): Der Sachverständige.
    Fürsorge: Ohne Jürgen Gohde geht in der Pflegepolitik kaum etwas. Seit 40 Jahren kämpft der Theologe dafür, dass man in Deutschland in Würde altern kann. Jetzt wartet er auf einen Anruf aus der Großen Koalition - mal wieder,
    in:
    TAZ v. 23.11.

    Anlässlich der laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU/CSU, porträtiert Heike HAARHOFF den Theologen Jürgen GOHDE, der maßgeblich die politische Durchsetzungsfähigkeit diverser Pflegepolitiken garantiert hat.

    Während die taz zu den sozialpolitischen Themen der Koalitionsverhandlungen Arbeitnehmer tragen steigende Kosten titelt, sieht die FAZ die Sozialversicherungsbeiträge auf 42 Prozent steigen, "sofern die Spitzen von Union und SPD in ihren für Anfang kommender Woche geplanten Schlussrunden nicht noch starke Abstriche machen".

    Neu:
    NEUFFER, Stefanie (2014): Pflegebedürftigkeit - Migration - Kultursensible Pflege.
    Wissenschaftliche Aspekte zu den Herausforderungen des sozialen und demografischen Wandels,

    in:
    Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Heft 2, S.13-20

    "In Baden-Württemberg wird der Anteil der unter 20-Jährigen an der Bevölkerung aus heutiger Sicht bis zum Jahr 2030 um 19 % abnehmen, während der Anteil der 60- bis 85-Jährigen um knapp 31 % und der Anteil der Hochbetagten (ab 85 Jahren) um etwa 85 % zunehmen wird. Die Altersstruktur der Bevölkerung wird sich also zunehmend zugunsten der älteren Jahrgänge verschieben",

    erläutert Stefanie NEUFFER eine regionale Bevölkerungsvorausberechnung für Baden-Württemberg mit dem Basisjahr 2008. Die derzeitige Pflegebedürftigkeit in Baden-Württemberg beschreibt NEUFFER folgendermaßen:

    "Nach der Definition des Pflegeversicherungsgesetzes waren im Dezember 2011 fast 278 300 Personen in Baden-Württemberg pflegebedürftig.Die Pflegequote, also der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung, lag 2011 in Baden-Württemberg bei 2,6 % und hat damit gegenüber 2009 (2,3 %) sichtbar zugenommen. Im bundesweiten Ländervergleich wies Baden-Württemberg die niedrigste Pflegequote auf. Während insgesamt 3,1 % der Bevölkerung in Deutschland pflegebedürftig waren, lag der Anteil in Mecklenburg-Vorpommern mit 4,1 % am höchsten.
    Mit 68 % wurde der Großteil der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg 2011 zu Hause versorgt, und hier insbesondere durch Angehörige (rund 70 %) und zu knapp einem Drittel durch ambulante Pflegedienste (30 %). Die übrigen 32 % der Pflegebedürftigen wurden vollstationär in Pflegeheimen betreut. In den städtischen Gebieten Baden-Württembergs fällt der Anteil der vollstationär versorgten Pflegebedürftigen (36 %) höher aus als in ländlichen Regionen (31 %), wo die häusliche Versorgung ohne professionelle Dienste (49 %) weiter verbreitet ist als in den Städten (44 %).
    Mit zwei Dritteln war die Mehrheit der Pflegebedürftigen 2011 in Baden-Württemberg weiblich und gut jede/r dritte Pflegebedürftige war 75 Jahre oder älter. Die Pflegequote steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. Unter den Personen zwischen 75 und 79 Jahren waren bereits knapp 8 % pflegebedürftig, in der Altersgruppe der 85- bis 89-Jährigen lag die Pflegequote bei 33 % und in der Bevölkerung ab 90 Jahren war jede/r Zweite von Pflegebedürftigkeit betroffen.
    "

    Angesichts dieser Zahlen muss der Anstieg der Hochbetagten um 85 % differenziert betrachtet werden, da es erhebliche Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt. Es ist also zu fragen, warum Hochbetagte als 85-Jährige definiert wurden. Liegt es daran, dass damit eine maximale Dramatisierung möglich wurde?

    PAYK/SCHMIDT/SCHWARCK haben in ihrem Beitrag Regionale Bevölkerungsvorausrechnung bis 2030 für Baden-Württemberg aus dem Jahr 2010 die regionale Entwicklung der Hochbetagten folgendermaßen beschrieben:

    "Am stärksten nehmen die Hochbetagten zu, im Landesdurchschnitt um 85 %. In 11 Landkreisen wird sich die Zahl der Hochbetagten voraussichtlich mehr als verdoppeln. Spitzenreiter ist der Landkreis Emmendingen mit einer Zunahme um 131 %. Der Landkreis Heilbronn folgt mit 124 %. In Baden-Baden wird der Anteil der Hochbetagten dagegen aus heutiger Sicht nur um 15 % wachsen, denn diese Altersgruppe hat in Baden-Baden auch heute schon erhebliches Gewicht. Mit 39 % hat Stuttgart die zweitniedrigste Zuwachsrate in dieser Altersgruppe.
    (...). Ein wichtiger Aspekt, und zwar noch deutlicher als bei der Entwicklung der Gesamtbevölkerung, ist die Unterscheidung zwischen Stadt- und Landkreisen. Nimmt man den Stadtkreis Baden-Baden mit seiner besonderen Situation aus der Betrachtung heraus, lässt sich eindeutig feststellen, dass in den Stadtkreisen gegenüber den Landkreisen die Erwerbsbevölkerung überdurchschnittlich, die Jüngeren und Älteren hingegen unterdurchschnittlich vertreten sind. (...). Die demografische Situation in den Stadtkreisen wird sich daher nicht so intensiv verändern wie die der Landkreise.
    "

    Die ländlichen Gebiete sind also stärker vom Problem der Pflegebedürftigkeit betroffen als die Städte in Baden-Württemberg. Gleichzeitig ist gemäß NEUFFER dort das Pflegepotenzial am höchsten.

    Die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 beschreibt NEUFFER unter Verweis auf den Beitrag Alt und pflegebedürftig? von GÖLZ & WEBER folgendermaßen:

    "Während im Jahr 2009 der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung Baden-Württembergs noch 2,3 % betrug und bis 2011 bereits auf 2,6 % gestiegen ist, wird prognostiziert, dass dieser Anteil bis zum Jahr 2030 weiter auf 3,4 % ansteigen wird. Den Vorausberechnungen zufolge werden 2030 rund 352 000 Pflegebedürftige in Baden-Württemberg leben – dies entspricht gegenüber 2009 einer Zunahme von 106 300 Pflegebedürftigen (+43 %). Es ist außerdem davon auszugehen, dass sich die bereits abzeichnende Tendenz zur professionellen Pflege weiter fortsetzen wird und im Jahr 2030 knapp 37 % der Pflegebedürftigen vollstationär (gegenüber 2009 rund 34 %) versorgt werden. Hingegen ist nur eine marginale Zunahme des Anteils der durch professionelle ambulante Pflegedienste zu Hause versorgten Pflegebedürftigen auf 21 % (gegenüber 2009 etwa 20 %) zu erwarten. Entsprechend wird der Anteil der ausschließlich durch Angehörige zu Hause versorgten Pflegebedürftigen von fast 46 % (2009) auf voraussichtlich knapp 42 % im Jahr 2030 deutlich zurückgehen."

    Angesichts der Tatsache, dass die Pflegebedürftigkeit von 1999 bis 2009 um 17 % gestiegen ist, während sie in 21 Jahren nur um 43 % steigt, obwohl eine Steigerung der Hochbetagten um 85 % vorausberechnet wurde, erscheint die Entwicklung weniger dramatisch als es der erste Blick vermuten lässt. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2008 stammt und mittlerweile eine neue Vorausberechnung vorliegt, wonach die Alterung weiter zugenommen hat.

    ASTHEIMER, Sven (2014): Gekommen, um zu pflegen.
    Deutschland altert und hat viel zu wenig Pflegekräfte. Zuwanderer aus Serbien oder von den Philippinen sollen die Lücken füllen. Doch der Weg zur Anerkennung ist lang und steinig,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.02.

    "Laut Bundesgesundheitsministerium wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um eine Million auf 3,5 Millionen Menschen steigen. Deshalb mobilisiert die Arbeitsverwaltung alle Reserven", erklärt Sven ASTHEIMER. 

     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 14. November 2014
    Update: 27. September 2015