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Jürgen Faik: Demografischer Wandel und Wohlstandsverteilung

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1963 geboren
      Studium der Volkswirtschaftslehre
 
       
     
       
   

Jürgen Faik in seiner eigenen Schreibe

 
   

FAIK, Jürgen (2008): Sehen die Jungen alt aus?
Generative Aspekte von Wohlstand,
in: Deutsche Rentenversicherung, Heft 5, Oktober, S.419-434

Jürgen FAIKs Anliegen ist die Rechtfertigung der Rente mit 67 als Beitrag zu mehr Generationengerechtigkeit. Dabei werden die real existierenden Generationenbeziehungen jedoch nur sehr eingeschränkt betrachtet, wie der Autor gleich zu Beginn zugeben muss:

"Tiefergehende Untersuchungen zu den Generationenbeziehungen in Deutschland müssten auch noch den Familienkontext, das Pflegethema, geschlechterbezogene Aspekte, den Erwerbs- und Gesundheitsstatus usw. berücksichtigen."

Da dies unterbleibt, sind seine theoretischen Ausführungen über Generationengerechtigkeit als Teil sozialer Gerechtigkeit, zwar erhellend, aber für die empirische Beweisführung irrelevant. Der Begriff "Generationengerechtigkeit" wird stattdessen als reiner Kampfbegriff benutzt.

FAIK behauptet, dass die Generationengerechtigkeit eine Querschnitts- und Längsschnittperspektive aufweist, d.h. er vermischt Altersgruppen- und Kohortengruppenanalyse, obgleich Generationengerechtigkeit nur als Kohortenbegriff Sinn macht, denn ansonsten wäre sie überflüssig und könnte durch den traditionellen Begriff der sozialen Gerechtigkeit ersetzt werden. Erklären lässt sich diese "pragmatische Sicht" lediglich durch die unzureichende Datenlage, denn während das sozioökonomische Panel (SOEP) Längsschnittbetrachtungen ermöglicht (was nicht heißt, dass der Survey auch lediglich als Querschnitt benutzt werden könnte), basieren die Einkommens- und Verbrauchsstichproben lediglich auf Querschnittsbetrachtungen.

Das Konzept der Generationengerechtigkeit erfasst FAIK durch das Renditekonzept, d.h. ein reines Längsschnittsmaß:

"Die Rendite ergibt sich dabei rechnerisch als derjenige Zinssatz, bei dem der Barwert der Beiträge aus der Sicht eines Versicherten z.B. zu Beginn seines Erwerbslebens (oder z.B. zum Verrentungszeitpunkt) dem Barwert der Renten entspricht. Diesen Zinssatz nennt man internen Zinssatz."

Das Sinken der Renditen der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) ist für FAIK identisch mit den Folgen der Auswirkungen des demografischen Wandels, d.h. alle nicht-demografischen Faktoren wie die Funktionsbedingungen des Wirtschaftssystems bzw. des Arbeitsmarkts werden ausgeblendet. Die kritische Sozialwissenschaft bezeichnet solch eine Sichtweise als Demografisierung gesellschaftlicher Probleme.

Stattdessen zeigt sich, dass das Renditekonzept eigentlich kein Kollektivkonzept ist, wie es die Betrachtungsweise "Generationengerechtigkeit" nahe legt, sondern ein individuelles Risikokonzept. So führt der Autor auf, dass die Rendite keineswegs per se sinkt, sondern z.B. geschlechtsspezifische Differenzen aufweist:

"Im geschlechtsbezogenen Vergleich zeigt sich, dass - unabhängig vom Renteneintritt - Frauen im Durchschnitt jeweils höhere Renditen im Sinne höherer interner Zinssätze als ledige Männer aufweisen. Die vergleichsweise höhere Rendite bei Frauen ergibt sich daraus, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der weiblichen (Standard-)Rentenbezieher höher als jene der männlichen (Standard-)Rentenbezieher ist."

Man könnte also gleichfalls Renditen für unterschiedliche sozioökonomische Statusgruppen oder unterschiedliche Lebensformen errechnen. Oder anders ausgedrückt: Das Renditekonzept im Sinne von Generationengerechtigkeit zu interpretieren setzt voraus, dass sich die Bevölkerungsstruktur (Anteil der Frauen/Männer, Anteil der Einkommensgruppen usw.) nicht verändert, denn dann würde sich auch die Rendite verändern. Dies aber wird nicht berücksichtigt, sondern die Bevölkerungsstruktur wird implizit fortgeschrieben. Ganz davon abgesehen, dass eine veränderte Altersstruktur auch eine veränderte sozioökonomische Struktur impliziert.

FAIK beschreibt die Vermögens- und Einkommensungleichheit unterschiedlicher Altersgruppen in der Vergangenheit und schreibt diese Erkenntnisse in die Zukunft fort. Vor dem Hintergrund von Brüchen, wie sie z.B. die Finanzmarktkrise darstellt, zeigen sich die Schwächen einer solchen Sicht: Sie kann veränderte Rahmenbedingungen wie sie durch die Enttäuschung der Renditeversprechungen faktisch eingetreten sind, nicht berücksichtigen, weshalb das Konzept der Generationengerechtigkeit in den letzten Jahren an Plausibilität stark eingebüßt hat.

Am Ende des Beitrags räumt der Autor deshalb ein, dass alles auch ganz anders kommen könnte.

Die Rente vor dem Kollaps wegen dem Geburtenrückgang und der steigenden "Altenlast" in Deutschland. Eine Bibliografie der Debatte um die Finanznot der Rentenversicherung seit Mitte der 1970er Jahre

FAIK, Jürgen (2011): Demografie und Einkommensungleichheit.
Deutschland steht vor einem gewaltigen demografischen Umbruch. Die Alterung (und Schrumpfung) der bundesdeutschen Bevölkerung dürfte auch spürbare Auswirkungen auf die personelle Einkommensverteilung haben. Es werden voraussichtlich nicht nur die Verteilungskämpfe in den bundesdeutschen Sicherungssystemen an Schärfe gewinnen. Vielmehr dürften sich aktuellen Trends zufolge auch die erwarteten wirtschafts- und haushaltsstrukturellen Veränderungen wesentlich auf die gemessene Einkommensungleichheit in Richtung Ungleichheitsanstieg auswirken,
in: WSI-Mitteilung, Heft 1, S.19-26

 
       
   

Demografie und Einkommensungleichheit (2011).
Deutschland steht vor einem gewaltigen demografischen Umbruch. Die Alterung (und Schrumpfung) der bundesdeutschen Bevölkerung dürfte auch spürbare Auswirkungen auf die personelle Einkommensverteilung haben. Es werden voraussichtlich nicht nur die Verteilungskämpfe in den bundesdeutschen Sicherungssystemen an Schärfe gewinnen. Vielmehr dürften sich aktuellen Trends zufolge auch die erwarteten wirtschafts- und haushaltsstrukturellen Veränderungen wesentlich auf die gemessene Einkommensungleichheit in Richtung Ungleichheitsanstieg auswirken
I
n: WSI-Mitteilung, Heft 1, S.19-26

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
2 Demografische Einflussfaktoren auf die Verteilung der personellen Einkommen

2.1 Direkte Demografieeinflüsse
2.2 Indirekte Demografieeinflüsse

3 Shift-share-Analysen der Einkommensungleichheit in Deutschland

3.1 Shift-share-Analysen der Einkommensungleichheit 1995-2007
3.2 Projektionen der Einkommensungleichheit in Deutschland bis 2015

4 Schlussbetrachtung

Zitate:

Begriff: direkte Demografieeinflüsse

"Als direkte Demografieeinflüsse auf die Ungleichheit der Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen sind die Effekte zu nennen, welche von der Fertilität, der Mortalität, der Migration und von der Haushaltsstruktur ausgehen."
(2011, S.20)

Begriff: indirekte Demografieeinflüsse

"(H)insichtlich der indirekten Demografieeinflüsse auf die personelle Einkommensverteilung (sind) primär die Effekte von Bedeutung, welche über die Kanäle Arbeitsmarkt, Kapitalmarkt und Steuer-Transfer-System vermittelt werden.
Hinsichtlich des Einflusskanals Arbeitsmarkt kann (...) auf Alters-Arbeitseinkommens-Profile, Bezug genommen werden (...).
Ein nennenswerter Aspekt, der Demografie und Kapitalmärkte verbindet, besteht darin, dass eine verstärkte Inanspruchnahme der Kapitalmärkte (...) dazu führen kann, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eine vergrößerte Zahl von Wertpapierverkäufern einer verringerten Zahl potenzieller Käufer gegenüberstehen kann (...)(»Asset-meltdown-These«)(...).
Ein weiterer Zusammenhang zwischen Demografie und Kapitalmarktgeschehen ergibt sich aus der Lebenszyklus-Hypothese (...).
Um den Einflusskanal Steuer-Transfer-System zu illustrieren, kann man (...) von zwei Altersgruppen ausgehen: von Erwerbstätigen und Altersrentnern."
(2011, S.20f.)

Bedarfsgewichtung des Haushaltsnettoäquivalenzeinkommens

"Konkret werden in dieser Arbeit die Bedarfsgewichte der sogenannten »neuen OECD-Skala« verwendet, d.h. 1,0 für den Haushaltsvorstand sowie 0,5 für weitere Haushaltsmitglieder ab 25 Lebensjahren und 0,3 für weitere Haushaltsmitglieder bis 15 Lebensjahre."
(2011, S.22)

 
     
 
       
   

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Update: 24. November 2014