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Peter A. Berger: Individualisierung sozialer Ungleichheiten

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1955 in Velden (Bayern) geboren
    • Studium der Soziologie, Psychologie und Philosophie in München
    • 1981 - 1985 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Ulrich Beck
    • 1986 Buch "Entstrukturierte Klassengesellschaft?"
    • 1996 Buch "Individualisierung: Statusunsicherheit und Erfahrungsvielfalt"
    • 2001 Herausgeber von "Die Erwerbsgesellschaft"
    • 2006 Mitherausgeber von "Der demographische Wandel"
    • 2010 Mitherausgeber von "Dynamiken (in) der gesellschaftlichen Mitte"
    • Professor für Soziologie an der Universität Rostock
    • ausführlicher Lebenslauf (Universität Rostock)
 
       
     
       
   

Peter A. Berger in seiner eigenen Schreibe

 
   

BERGER, Peter A. (1995): ‘Life politics’.
Zur Politisierung der Lebensführung in nachtraditionalen Gesellschaften,
in: Leviathan, Jg. 23, Heft 3, S. 445-458

BERGER, Peter A. (2002): Soziale Unterschiede auf hohem Niveau.
Jenseits von Schichten und Klassen? Alte und neue Ungleichheiten in einer wohlhabenden Gesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.11.

Die Frankfurter Rundschau eröffnet im Forum Humanwissenschaften einen neuen Themenschwerpunkt zum komplexen Verhältnis von "alten" und "neuen" sozialen Ungleichheiten. Der Ungleichheitsforscher Peter A. BERGER führt auf Erstsemesterniveau in die Geschichte der soziologischen Ungleichheitsforschung im Nachkriegsdeutschland ein. 

Man lernt hier alle wichtigen Namen der Neuen-Mitte-Soziologie, die sich rund um die Individualisierungsthese des Münchner Pop-Soziologen Ulrich BECK gebildet hat. Es verwundert deshalb auch kaum, dass die beiden Soziale Welt-Sonderhefte zur Ungleichheitsforschung 1983 und 1990 als Wendepunkte derselben propagiert werden. Dass es hier auch um eine Positionierung in der Kontroverse Familien contra Singles geht, wird an folgenden Ausführungen deutlich:

"Gerade im Bereich von Familie und Haushalt zeichnen sich möglicherweise wirklich »neue« Ungleichheiten ab: nämlich die zwischen Familien mit Kindern, wobei Kinder in den unteren Einkommensbereichen mittlerweile als »Armutsrisiko« gelten, und den so genannten »dinks« (double income - no kids); einige sozialwissenschaftliche Beobachter sprechen schon von einer drohenden »Polarisierung« zwischen familienorientierten (Ehen bzw. Partnerschaften mit Kindern bzw. Alleinerziehende) und erwerbsorientierten Lebensformen (Paare ohne Kinder bzw. Alleinlebende). Dass der Geburtenrückgang in Deutschland Folgen für die Systeme der sozialen Sicherung haben wird, ist mittlerweile allgemein bekannt. Unklar ist aber, ob sich hier zugleich »neue« Ungleichheiten zwischen den Generationen ausbilden, die möglicherweise verstärkt werden durch jene Ungleichheiten, die aus unterschiedlichen Chancen zur privaten Vermögensbildung und -vererbung resultieren."

Man kann davon ausgehen, dass zur Zeit an diversen Universitäten am Abschied von der "Wohlfühl"-Soziologie der 1990er-Neue-Mitte-Jahre gearbeitet wird...

 
       
   

Dynamiken (in) der gesellschaftlichen Mitte (2010)
(herausgegeben zusammen mit Nicole Burzan)
Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Mittlere soziale Lagen stellen seit jeher ein analytisches Problem für die Ungleichheitsforschung dar, weil es sich um heterogene Gruppen handelt, die sich nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. In jüngerer Zeit nun hat die »Mitte« neue Aufmerksamkeit in der Diskussion erfahren, unter anderem durch die Thesen ihrer Schrumpfung sowie zunehmender Abstiegsängste.

Der Band richtet sich auf Dynamiken sozialer Ungleichheit, die sowohl auf die individuelle Ebene abzielen, beispielsweise in Form sozialer Mobilität, aber auch auf Dynamiken der gesellschaftlichen Mitte als Kollektiv und ihre sozialen Funktionen. Zu diesem Zweck vereint der Band sowohl Beiträge, die empirisch aktuelle Entwicklungen auf verschiedenen Ebenen thematisieren und dabei die obigen Thesen hinterfragen, als auch solche, deren Schwerpunkt auf konzeptionellen Argumenten und der Diagnose des gesellschaftlichen Rahmens für Veränderungen dieser »Mitte« liegt."

 
     
 
       
   

Die Beiträge des Buchs

BURZAN, Nicole - Dynamiken (in) der gesellschaftlichen Mitte. Zur Einleitung

I. Konzeptionelle Rahmungen

VOGEL, Berthold - Wohlstandspanik und Statusbeflissenheit. Perspektiven auf die nervöse Mitte der Gesellschaft

DEUTSCHMANN, Christoph - Sozialstrukturelle Bedingungen wirtschaftlicher Dynamik

VESTER, Michael - "Orange", "Pyramide" oder "Eieruhr"? Der Gestaltwandel der Berufsgliederung seit 1990

LENZ, Ilse - Von der Mittelschichtgesellschaft zur Differenzgesellschaft? Zur Dynamik der neuen Mitte in Japan

WEISCHER, Christoph - Die Modellierung des Sozialen Raums
II. Perspektiven auf mittlere soziale Lagen und Haltungen
GROH-SAMBERG, Olaf & Florian R. HERTEL - Abstieg der Mitte? Zur langfristigen Mobilität von Armut und  Wohlstand

VERWIEBE, Roland - Wachsende Armut in Deutschland und die These der Auflösung der Mittelschicht. Eine Analyse der deutschen und migrantischen Bevölkerung mit dem Sozio-ökonomischen Panel

LENGFELD, Holger & Jochen HIRSCHLE - Die Angst der Mittelschicht vor dem sozialen Abstieg. Eine Längsschnittanalyse 1984 - 2007

KRAEMER, Klaus - Abstiegsängste in Wohlstandslagen

BÖHNKE, Petra - Hoher Flug, tiefer Fall? Abstiege aus der gesellschaftlichen Mitte und ihre Folgen für das subjektive Wohlbefinden

KRAMER, Melanie - Aufstieg aus der Mitte?

III. Die "Mitte" auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem
SACKMANN, Reinhold - Schrumpfende untere Mittelschicht. Der Beitrag der beruflichen Bildung

AMBRASAT, Jens & Martin GROß - Strukturierte Individualisierung: Die diversifizierenden Reproduktionsmechanismen der Mittelklassen

MANSKE, Alexandra - Metamorphosen von Männlichkeit. Die Prekarisierung der Arbeitsgesellschaft als Genderproblem am Beispiel männlicher Kreativarbeiter

KNÖTIG, Nora - Bildung im Spannungsfeld von Individualisierung und sozialer Distinktion

 
       
   

Die Erwerbsgesellschaft (2001).
Neue Ungleichheiten und Unsicherheiten. Band 16 der Reihe Sozialstrukturanalyse
(herausgegeben zusammen mit Dirk Konietzka)
Opladen:
Leske + Budrich

 
   
     
 

Klappentext

"Das Buch behandelt die veränderte Bedeutung von Bildung für Erwerbschancen, die Deregulierung von Beschäftigungsverhältnissen und die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Analysen zur Zukunft der Erwerbsarbeit.
Der Band vereint Originalbeiträge von SoziologInnen, die sich in den letzten Jahren mit Fragen des Wandels von Arbeitsmarkt und Erwerbsverläufen sowie der Zukunft der Arbeit - im Sinne von Erwerbsarbeit und darüber hinaus - beschäftigt haben. Neben empirischen Analysen zur jüngeren Entwicklung des Arbeitsmarktes in Deutschland und anderen europäischen Ländern werden theoretische Arbeiten über die zukünftigen Entwicklungspfade der Erwerbsgesellschaft präsentiert. Das Buch gibt auf diese Weise einen Überblick über die aktuelle Forschung zum Wandel von Arbeitsmarkt, Erwerbschancen und sozialer Ungleichheit und zeigt zugleich Möglichkeiten einer soziologischen Analyse aktueller Entwicklungstendenzen im Bereich der Erwerbsgesellschaft auf."

 
     
 
       
   

FR-Serie "alte und neue soziale Ungleichheiten"

BERGER, Peter A. (2002): Soziale Unterschiede auf hohem Niveau.
Jenseits von Schichten und Klassen? Alte und neue Ungleichheiten in einer wohlhabenden Gesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.11.

SZYDLIK, Marc (2002): Von wegen alte Hüte.
Klassische Unterschiede und neue Herausforderungen: Generationen statt Schicht?,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.12.

HUININK, Johannes (2003): Zwischen Solidargemeinschaft und Luxusgut.
Alte und neue Ungleichheiten - die Familie in Deutschland,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.01.

HARTMANN, Michael (2003): Und immer wieder der "Stallgeruch".
Von einer sozialen Öffnung der gesellschaftlichen Eliten kann keine Rede sein,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.01.

ALLMENDINGER, Jutta & Christine WIMBAUER (2003): Von der Magd zum Markt.
Zwiespalt Beruf und Familie: Trotz unbestreitbarer Fortschritte bleibt Geschlechtergleichheit oft eine bloß diskursive Idee,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.02.

HAUSER, Richard (2003): Neue Armut - neuer Reichtum?
"Lebenslagen in Deutschland": Ein wesentlicher Ungleichheitsfaktor ist das Vermögen, nicht das Einkommen,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.03.

Nach einer nüchternen Darlegung der Reichtumsverteilung und des Armutsrisikos in Deutschland, wagt Richard HAUSER am Ende eine Zusammenfassung mit Ausblick:

"Seit den siebziger Jahren hat die Ungleichheit der Verteilung beim Nettoeinkommen und beim Nettovermögen zwar nur mäßig zugenommen. Das System der sozialen Sicherung wirkte ausgleichend; es hat auch die Auswirkungen der hohen Arbeitslosigkeit weitgehend aufgefangen. Angesichts des Meinungswandels in der Öffentlichkeit besteht heute aber die Gefahr, dass mit dem Abbau des Sozialstaates auch dessen ausgleichende Wirkung stark reduziert wird. Dann würde die Ungleichheit der Vermögensverteilung noch gravierender werden; denn nur die Reichen können wegfallende staatliche Leistungen leicht durch Kauf am Markt ersetzen".

MÜLLER, Walter & Reinhard POLLAK (2003): Bei der Bildung fängt es an.
Die Leistungskraft unserer Gesellschaft lässt sich nach wie vor nur durch mehr Chancengleichheit vergrößern,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.05.

Ein Beitrag zu den alten und neuen Ungleichheiten. Diesmal geht es um Bildungsungleichheiten:

"Von der Wiege bis zur Bahre bestimmt die soziale Herkunft in hohem Maß die soziale Position; die soziale Ungleichheit wird von der Generation der Eltern zur Generation der Kinder weitergetragen. In den modernen Gesellschaften verläuft diese Übertragung hauptsächlich über das Bildungswesen: Kinder unterschiedlicher sozialer Herkunft sind unterschiedlich erfolgreich in der Schule und erreichen unterschiedliche Bildungsabschlüsse. Diese prägen dann entscheidend die spätere berufliche Laufbahn, die ihrerseits maßgeblich das Einkommen bestimmt.
Die Bildungsforschung hat vor allem zwei Ursachenbündel aufgedeckt, die für den unterschiedlichen Bildungserfolg verantwortlich sind. Als erstes besitzen Kinder unterschiedlicher Herkunft Fähigkeiten, mit denen man es in der Schule zu guten Leistungen bringt, in unterschiedlichem Maß. (...).
Das zweite, wahrscheinlich wichtigere Ursachenbündel für unterschiedliche Bildungsabschlüsse stellen die Bildungsentscheidungen dar, die Eltern (zusammen mit ihren Kindern) treffen",

schreiben Walter MÜLLER & Reinhard POLLAK. Der Soziologe Michael HARTMANN sieht in formalen Bildungsabschlüssen dagegen nur eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Der Habitus entscheidet über den sozialen Aufstieg.

LEGGEWIE, Claus (2003): Der verblassende Mythos der Meritokratie.
Dynastische Schließungen: Superreichtum als Gefahr für die Demokratie,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.06.

Wenn ein Thema bei Claus LEGGEWIE ankommt, dann kann man davon ausgehen, dass es die ehemalige gesellschaftliche Randlage verlassen hat. So ist es auch beim "Klassenkampf von oben". Der Soziologe Michael HARTMANN hat in seinem Buch Der Mythos der Leistungselite die Illusion zerstört, dass in unserer Gesellschaft allein die Leistung zählt. Wichtiger als Bildung ist der Habitus und damit die soziale Herkunft. Während der Journalist David BROOKS noch die Bobokratie als Sieg der US-amerikanischen-Leistungsgesellschaft feierte, war längst das Ende der Meritokratie angebrochen.

Nachdem der angesehene Ökonom Paul KRUGMAN in der ZEIT vom 07.11.2002 die große Ungleichheit in den USA als kontraproduktiv anprangerte, trauen sich auch weniger mutige Zeitgenossen wie LEGGEWIE das Thema in Angriff zu nehmen.

Während neue Reaktionäre wie Michel HOUELLEBECQ den sexuellen Neoliberalismus anprangern und behaupten, dass zwischen Bildung, Einkommenshöhe und Chancengleichheit beim Sex ein Zusammenhang besteht, gibt es einen anderen Zusammenhang, der empirisch bewiesen ist: Einkommenshöhe und Chancen auf dem Heiratsmarkt sind weit weniger entkoppelt als dies die Kritiker der sexuellen Revolution behaupten. Bei LEGGEWIE heißt es:

"Armut, darunter ganz wesentlich Bildungsarmut, ist auch in den reichen Gesellschaften nicht verschwunden und zeitigt enorme negative Konsequenzen für alle Lebensbereiche: Den Betroffenen verdirbt sie die Chancen auf dem Arbeits- und Heiratsmarkt (und verkürzt sogar ihre durchschnittliche Lebenserwartung), und diese Benachteiligung vererbt sich auf Kinder und Kindeskinder."

KOWALZYCK, Markus (2003): Opfer um der Gemeinschaft willen.
Verbrechen und Strafen oder: Wer ist "kriminell"? Die deutsche Rechtspraxis verfährt sozial höchst selektiv,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.07.

Neu:
NECKEL, Sighard (2003): Kampf um Zugehörigkeit.
Die Macht der Klassifikation in den inoffiziellen Sphären der Lebenswelt - ein oft übersehender Ungleichheitsfaktor,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.07.

 
   

Peter A. Berger im WWW

http://www.wiwi.uni-rostock.de/soziologie/makrosoziologie/berger

 
   

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© 2002 - 2015
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 19. November 2002
Update: 20. Juli 2015