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Peter Fuchs: Liebe, Sex und solche Sachen

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1949 in Dinkelsbühl geboren
    • 1989 Buch "Reden und Schweigen"
      (zusammen mit
      Niklas Luhmann)
    • 1999 Buch "Liebe, Sex und solche Sachen"
    • 2003 Buch "Der Eigen-Sinn des Bewußtseins"
    • Professor für allgemeine Soziologie und Soziologie der Behinderung an der FH Neubrandenburg
 
       
     
       
   

Peter Fuchs in seiner eigenen Schreibe

 
   

FUCHS, Peter & Jörg Mussmann (2001): Das Skandalon der gestohlenen Zeit.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (1): Die Misstände sind schier unvorstellbar, aber sie sind das übliche Normale, der Alltag,
in: TAZ v. 31.10.

FUCHS, Peter & Jörg Mussmann (2001): Die Realität der Hochglanzbroschüren.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (2),
in: TAZ v. 07.11.

FUCHS, Peter & Jörg Mussmann (2001): Die fortlaufende Produktion der Scham.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (3): Die Beobachtung, die der gealterte Körper erfährt, inflationiert. Es gibt keine Stufen der intimen Zugänglichkeit, die an bestimmte Personen gebunden wären, keinen Intimpass, mit dem sich regulieren ließe, vor wem man sich nun schämen müsste oder auch nicht,
in: TAZ v. 14.11.

FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001): Der alte Mensch als Trivialmaschine.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (4): Der Pflegebedarf muss errechnet werden. Die Einheit sind exakt festgelegte Bedarfsminuten. Es muss nur eine Mindestmenge an examiniertem Personal zur Verfügung stehen. Gerechnet wird mit Kosten- und Nutzenfaktoren. Was darüber hinaus geht, ist Luxus,
in: TAZ v. 21.11.

FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001): Die Erkrankung Einsamkeit.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (5): Im rationellen Zeitmanagement kann eben nicht wahrgenommen werden, dass Kommunikation zwar alles andere als effektiv und linear ist, sondern eher ornamental, aber genau darin - unverzichtbar,
in: TAZ v. 27.11

Einsamkeit - Single-Haushalte und die Fröste der Freiheit

FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001): Lebenswert liebenswert.
Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (6): In einer auf Jugend getrimmten Gesellschaft ist an die Stelle von menschlicher Betreuung ein ökonomisches Altenmanagement getreten, das weder Höflichkeit noch Taktgefühl oder Scham kennt
in: TAZ v. 04.12.

FUCHS, Peter (2003): Kinder der Zukunft.
Ein Beispiel für die Kunst der Gegenwartsvernichtung,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.03.

Die Einleitung des Beitrags sagt bereits alles über unsere Gesellschaft:

"Ich bin, um dies vorweg zu sagen, der Kinderfeindlichkeit nicht unmittelbar verdächtig als Vater von so vielen Kindern, wie man sie gerade noch unter Rettung eines Fingers an beiden Händen abzählen kann".

Was der kinderreiche Vater schreibt, das wird Sozialpopulisten wie Jürgen BORCHERT kaum in den Kram passen. FUCHS kritisiert den Tanz ums goldene Kind. Hat Christopher LASCH den Kinderlosen "Zukunftsvernichtung" vorgeworfen, so wirft FUCHS den Eltern ihre "Gegenwartsvernichtung" vor. Aber in beiden Fällen geht es eher um gesellschaftliche Werte. FUCHS kritisiert deshalb in erster Linie den "Normenkomplex verantworteter Elternschaft", der von Wissenschaftlern wie Elisabeth BECK-GERNSHEIM oder Christine CARL für die Kinderarmut unserer Gesellschaft mitverantwortlich gemacht wird. Postulate wie "Nachhaltigkeit" und "Generationengerechtigkeit" verschärfen durch ihre Zukunftsorientierung den Druck auf die Gegenwart:

"Die Gegenwart (...) ist nicht Da-Sein, kein Hic et Nunc, kein Erfüllungs- und Lebeort, sondern ein Presswerk, in dem alles, was geschieht, die Gestalt des Aufschubs annimmt.
In dieses Presswerk gerät auch die soziale Konstruktion des Kindes. Es wird zu dem, wovon unsere Zukunft abhängt und folglich muss es auf diese Zukunft hin stilisiert, es muss zukunftsträchtig werden".

Das Kind soll die Renten seiner Eltern sichern, es soll die Eltern pflegen usw. Das Kind wird instrumentalisiert:

"Die Eltern leben für die Kinder (nicht für sich selbst), die Kinder leben für die Eltern (nicht für sich selbst).
Ebendiese Zirkularität, die eine Form der Leere, der Nichtigkeit begründet, wird verdeckt durch die soziale Mythologie des Kindes, einer Mythologisierung, die, wie man ja auch sagen könnte, einer grandiosen Instrumentalisierung der Kinder den Weg bereitet, die (wie ihre Eltern) in eine Zeitfalle geraten, in die Falle einer verheerenden Zeitberaubung".

FUCHS, Peter (2003): Knappheit für alle.
Arbeit und nichts anderes soll für jeden Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft gewährleisten. Systemtheoretische Anmerkungen zur aktuellen Sozialdebatte, die in staubigen Gleisen rangiert,
in: TAZ v. 06.05.

FUCHS, Peter (2003): Die Bonzen und die Bockigen.
Die trotzigen Kinder der Agenda 2010: Bundestagsabgeordnete der SPD, die sich dem Fraktionszwang nicht beugen, werden wie Dissidenten behandelt. Was ist bloß los in einer Partei, die Insubordination doch eigentlich schätzen und schützen müsste?
in: TAZ v. 04.10.

FUCHS, Peter (2003): Auf die Parasiten achten.
Wachstum als Metapher: Überlegungen zu einem inflationären Begriff in Zeiten der Wirtschaftsflaute,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.10.

FUCHS, Peter (2003): Der dunkle Gott der Manager.
Die politische Rhetorik dieser Tage behandelt die ganze Gesellschaft wie ein Wirtschaftsunternehmen - als ob alle Probleme durch Unternehmensberatung kuriert werden könnten! Systemtheoretische Anmerkungen zur aktuellen Reformdebatte,
in: TAZ  v. 01.12.

FUCHS, Peter (2003): Was ist los mit dem Sozialstaat?
Komplexität lässt sich nicht vernichten, sondern allenfalls verschieben. Systemtheoretische Überlegungen zur Reform der sozialen Sicherungssysteme,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.12.

Peter FUCHS warnt davor, die Komplexität der sozial differenzierten Gesellschaft zu ignorieren. Aus systemtheoretischer Sicht ist der Versuch die Ökonomisierung der Politik durchzusetzen kurzsichtig und gefährdet die Legitimationsgrundlagen des Systems:

"Die Exklusionen, die durch eine Politik ausgelöst wird, die selbst entscheidet, was Exklusionsschicksal ist, was nicht, könnte etwas zerstören, was zu den Bedingungen der Möglichkeit funktionaler Differenzierung gehört: das Fehlen eines sich in Taten umsetzenden Sozialneides."

Die Funktion des Sozialstaates wirkte zivilisierend, wenn dies auch immer mal wieder bestritten wird. FUCHS lässt keinen Zweifel daran:

"Wenn die Funktion des Sozialstaates ausfällt, wenn man leichtsinnig mit ihr umgeht, werden funktionale Äquivalente auf den Plan treten. Sie könnten ein gorgonisches Antlitz haben."

Die neuen Bürgernationalen von Bernd ULRICH bis Klaus HARTUNG setzen dagegen darauf, dass patriotische Gefühle ein funktionales Äquivalent zur Sicherheit des bisherigen Sozialstaates sind.

FUCHS, Peter (2004): Versprechen und Strafe.
Das System Erziehung hat noch kein eigenes Medium gefunden,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.02.

FUCHS, Peter (2004): Ohne Gegengabe.
Zur allmählichen Verfertigung der Arbeitszeiterhöhung,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.

"Die Arbeitgeber profitieren von der Evidenz der Arbeitslosigkeit und des damit verknüpften (durch neuere Reformmaßnahmen) zunehmenden Elends und zunehmender Demütigung. Sie profitieren zusätzlich von wohlfeilen Zukunftsversprechen: Mehrarbeit statt mehr Arbeit fördere die Wirtschaft und das Wachstum", meint der Soziologe Peter FUCHS und interpretiert die von den Arbeitgebern forcierte Politik der Arbeitszeitverlängerung systemtheoretisch als Inflation und Deflation."

Sein Appell an die Arbeitnehmer:

"Wie immer auch die Evolution zum heutigen Medium Arbeit geführt hat, (...), ein erster und mächtiger Weg, etwas an dieser Lage zu ändern, wäre die Verweigerung gegengabenloser Gaben, flächendeckend, rigoros, angstfrei. Das zumindest ist man den Arbeitslosen schuldig. Man könnte ja auch sagen, dass das Vokabular, mit dem gedroht wird, das des fallenden Wachstums, des sich abbremsenden Fortschritts, der sich verdunkelnden Zukunft, des endenden Wohlstands selbst längst inflationistisch und deflationistisch geworden ist. Man muss sich nicht immerzu dadurch erschrecken lassen."

Im Gegensatz zu Wolfgang SOFSKY reflektiert der Soziologe Peter FUCHS mit seiner Unterscheidung zwischen Gefahr und Risiko die unterschiedliche Betroffenheit der Reformer und Reformierten:

"Die unbekannte Zukunft wird zur Voraussetzung aktuellen Entscheidens. Das ist ein überaus modernes Verfahren, das durch ein Schema dominiert wird, durch die Unterscheidung von Risiko und Gefahr. Wer in der Gegenwart entscheidet, geht Risiken ein, die sich für die Nicht-Entscheider, für die Betroffenen als Gefahren darstellen, die sie selbst nicht ausgelöst haben. Jede Entscheidung, die sich auf Zukunft bezieht, wirft damit diejenigen aus, die als Entscheider Risiken streuen, und diejenigen, für die das Risiko die Zumutung einer Gefahr ist, durch die man betroffen wird.
Besonders virulent (und dann eben auch: moralanfällig) wird das Schema dadurch, dass wir dazu neigen, jeweils selbst leichter Risiken einzugehen als Gefahren zu tolerieren, die wir nicht ausgelöst haben.
"

FUCHS, Peter (2005): Ich liebe dich! - Nein.
Passion ist verdächtig, Leidenschaft unmodern,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.04.

Peter FUCHS befasst sich aus systemtheoretischer Sicht mit dem peinlich gewordenen Pathos. Für FUCHS taugt die Kommunikation der Gefühle immer weniger als Reflexionsblockade. Gefühle können nicht mehr als Letztgewissheiten dienen, "weil sie nur mehr wie gerade noch konzedierte Epiphänomene einer sich durch bewusstseinsfreie Systeme konstituierenden Gesellschaft wirken, ausgelaugt bis in den Kern, alles andere als einzigartig, erkennbar in ihrer Nicht-Individualität."

Christian Schuldt - Der Code des Herzens

Neu:
FUCHS, Peter (2005): Übersättigung.
Eine
Polemik gegen die Banalisierung der Armut zum Stil-Problem,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.05.

Alexander von Schönburg - Die Kunst des Stilvollen Verarmens

 
       
   

Peter Fuchs im Gespräch

 
   
Peter FUCHS räumt aus systemtheoretischer Sicht auf mit dem Mythos popkultureller Selbstbeschreibungen. Pop ist weder revolutionär, noch systemkritisch, sondern ist Teil der systemstabilisierenden, gesellschaftlichen Reproduktion. Pop hat eine Orientierungsfunktion im Hinblick auf die Frage, wie möchte ich leben? Das Buch Verzichten auf von Matthias KALLE ist der beste Beleg für diese These.

FUCHS geht noch weiter und sieht Pop als Mittel, um die Komplexität der postmodernen Gesellschaft zu reduzieren:

"Man kann in der modernen Gesellschaft nicht mehr »präzise« oder »eineindeutig« leben, weil es keine Unbezweifelbarkeiten gibt - es sei denn um den Preis von Ideologie, Fundamentalismus, Ignoranz gegenüber abweichenden Beobachtungen. Und da scheint es mir so zu sein, dass Pop sozial attraktiv wird, weil er den massiven Verlust an Eindeutigkeit kompensiert".

Anschlussfähig ist die Argumentation auch zu Eckhard SCHUMACHERs Gerade Eben Jetzt:

"Pop würde (...) nicht über Themen organisiert; er wäre folglich kein intellektuelles Phänomen. Es ginge um Präsenz, die Erzeugung einer Gegenwart, die über Musik, Körper, Gefühl sich immunisiert gegen das Auch-anders-möglich."

Ganz zum Schluss noch eine Zugabe:

"Leute wie die Stones rücken in die Funktionsstelle ein, die früher der Adel innehatte."

 
       
   

Liebe, Sex und solche Sachen (1999).
Zur Konstruktion moderner Intimsysteme
Konstanz:
UVK

 
   
     
 

Klappentext

"Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass Liebe in modernen Gesellschaften unter erheblichen Druck geraten ist. Liebesbeziehungen auf Dauer zu stellen, scheint nicht mehr sehr einfach zu sein. In diesem Buch werden solche Beziehungen als hoch komplexe, außerordentlich störungsanfällige und deshalb sehr unwahrscheinliche Systeme beschrieben, die aber eine eigentümliche gesellschaftliche, vielleicht unverzichtbare Funktion erfüllen. Der Analysehintergrund ist die Systemtheorie der Bielefelder Schule. An einem Untersuchungsgegenstand, der alle interessiert, demonstriert Peter Fuchs Terminologie und Möglichkeiten der Systemtheorie."

     
 
       
   

Rezensionen

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Schriften von Peter Fuchs im WWW

www.fen.ch/index_system.html
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. Oktober 2003
Update: 16. Juni 2015