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Regina Bohne: Die alleinstehende Frau in den 50er Jahren

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1960 Buch "Das Geschick der zwei Millionen"
 
       
   

Das Geschick der zwei Millionen(1960)
Die alleinlebende Frau in unserer Gesellschaft
Düsseldorf: Econ (vergriffen)

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Von wem wir sprechen

Opfer des Krieges
Von 1928 an...
Zahlen und Fakten
Ein Klischee wird zerstört
Die verschiedenen Daseinsformen
Vor dreißig Jahren...
...und heute

II. Die Frau in der industriellen Gesellschaft

...daß sie funktioniert
Erst Arbeit, dann »Emanzipierung«
Der renitente Gehorsam
Zahlen und Daten
Der anspruchsvolle Mann
Die Frau ist unentbehrlich, aber...
In der Fabrik
Die Sackgasse
Jenseits unseres Gartenzauns
Die falsche »Gleichberechtigung«
»Wenn Sie kein Mädchen wären...«
»Für die Ehre...«
»...was nicht selbstverständlich ist«
Beruf und Mann
Als »zweite Kraft«
Das überbewertete »Papier«
Der Reiz des Menschlichen
Die Mangelberufe
Die Hoffnung auf das »Wunder«
Die »gemeinsame Sache«
Ein uraltes Problem in neuer Sicht
Der »weibliche Beitrag«
Freiheit ist teuer

III. Die Mitte des Lebens

Die Ehe als Lebenswunsch
Der verdrängte Lebenswunsch
Die taktlose Frage
Der amerikanische »Zufall«
Die ignorante Frage
Die Antwort der Ledigen
Die Antwort der Witwen und Geschiedenen
Die moderne Ungeselligkeit
Frauenfreundschaften
Der Heiratsmarkt

IV. Die Intimsphäre

In demoskopischer Sicht
»Was sollen wir denn sonst machen?« (Monographische Darstellungen)
Kompensation und Ausweg
Die Normen und der Sinn der Geschlechtlichkeit
Die »Onkelehe«
Das nachgeholte Glück
Welt ohne Vaterschaft
Das »ferngelenkte« Kind
Telefon-Seelsorge
Der kriminologische Aspekt

V. Die Frauen von heute

Zunächst der Mann
Die Frau - »Korrektur« des Mannes?
Noch einmal sehen, was ist (Einzeldarstellungen)
Die vordergründige Leiblichkeit
Provozierende Thesen?
»Zugriff« auf Welt und Zukunft
»Außen-Lenkung« und Rollenspiel
Der Dialog als Lebenshilfe
Die Freiheit und die Angst

Zitate:

Der Frauenüberschuss

"Der entscheidende Jahrgang, von dem an die Bevölkerungsstatistik nachweisbar sehr viel mehr Frauen als Männer aufweist, ist der Jahrgang 1928. Die im Jahre 1928 geborenen Frauen sind heute 31 Jahre alt. Mit ihnen beginnen wir; und wir enden mit dem Jahrgang 1914/13, mit jenen Frauen also, die heute 45 bis 47 Jahre zählen."(S.10)

Kriegerwitwen im mittleren Lebensalter

"Zu dieser Sondergruppe (...) zählen Hunderttausende, die die überlebenden Opfer des zweiten Weltkrieges und seiner Folgen sind. Wir meinen vor allem die allein in der Gruppe der 31-46jährigen Frauen anzutreffenden rund 600 000 Kriegerwitwen. Jede achte Frau ist Witwe!" (S.11)

Das Klischee der 50er-Jahre-Karrierefrau

"Die unverheiratete berufstätige Frau ist ein Wesen im jeweils à la mode gearbeiteten Kostüm oder Tailleur. Ihr kurzes Haar ist modisch getönt und frisiert, und ihr Make-up mehr unauffällig ansprechend als auffällig aufreizend.
Fest hält sie die Kollegtasche unter dem Arm, und sie hat es immer eilig. Mit abschätzendem, kühlem Blick, hinter dem sich verhaltene (und erlaubte) Nervosität knapp verbirgt, erobert sie sich ihre Umwelt, ja, das ganze Leben. Die lässige Sicherheit ihrer Bewegungen trägt ihr manchen bewundernden Blick ein. »Das Leben« hat sie ernüchtert und von Illusionen befreit. In ihrem Beruf ist sie tüchtig und meistens auch erfolgreich. So steht sie, schlank und rank, ein wenig »garçonne«, auf hochhackigen, eleganten Schuhen fest in der harten Gegenwart. Bewußt verschwendet sie keinen unnötigen oder gar trüben Gedanken an die Vergangenheit. Ihr Zukunftsbild, das sich ganz auf den Beruf und ihre im Beruf erwiesene Tüchtigkeit gründet, scheint allenthalben abgerundet. Sie wird offensichtlich niemals älter, verliert kaum an Spannkraft und Lebensfreude.
Natürlich lebt sie in einer Großstadt und besitzt eine mit selbstverdientem Geld eingerichtete moderne Zwei-Zimmer-Wohnung oder ein Appartement in einem Hochhaus, wo sie abends fast immer nette Menschen um sich hat, die sie höchst anmutig bewirtet. Sie ist immer guter Dinge, versteht anregend und gescheit zu plaudern. Ihre Sorgen gelten allenfalls ihrem Geldbeutel, der guten Figur, Garderobenfragen und ihrem Teint, kurz: ihrer äußeren Erscheinung mit allem, was dazugehört.
(...).
So oder so ähnlich sieht das Klischee »der« berufstätigen, »emanzipierten« Frau in der Großstadt aus, ein Klischee, das uns tüchtige Reklamechefs der kosmetischen und der Damenunterbekleidungsindustrie sowie der Produzenten gewisser mondäner Modejournale und Frauenzeitschriften landauf, landab seit Jahr und Tag präsentieren". (S.14f.)

Definition: Die allein stehende Frau

"Das  »gemeinsame Dach« ist das entscheidende Merkmal im Blick auf die Daseinsform und weithin auch auf die Lebensweise und Einordnung in die Gesellschaft. (...). Sehr oberflächlich wird allgemein von »der alleinstehenden Frau« geredet und geschrieben, wenn die unverheiratete Frau gemeint ist. »Alleinstehend« ist aber nur, wer wirklich ganz allein lebt, - ohne Ehemann, ohne Eltern (oder einen Elternteil), ohne Geschwister, ohne Kind." (S.17)

Individualisierung

"Es scheint, als lebten wir alle recht vereinzelt in dem wohlanständigen bundesrepublikanischen Gesellschaftsgefüge, das sich nach dem Kriege etabliert hat. Die moderne Ungeselligkeit trifft nicht nur alleinlebende, familienlose Frauen. Sie trifft uns alle.
(...).
Hin und wieder treffen wir, meist auf der Straße, einen guten Bekannten. (...). Zusammentreffen dieser Art sind nur ein Symptom für die verschiedenen Formen der Ungeselligkeit, die in schroffem Gegensatz steht zu der Geselligkeitspflege unserer Eltern oder Großeltern vor einigen Jahrzehnten.
Die immer deutlichere Einengung unseres Lebens durch den Beruf und die Härten des Existenzkampfes lenken, ohne daß wir uns dessen genau bewußt sind, auch unser Geselligkeitsbedürfnis". (S.114f.)

"Die alten, überkommenen Bindungen sind durch den Krieg und die Nachkriegsjahre zerrissen oder ganz zerstört. Das frühere soziale Gruppengefüge fehlt." (S.119)

Die Unvollständigkeit der unbegleiteten Frau in der Öffentlichkeit

"Ins Theater allein zu gehen, macht wohl keinem Menschen rechte Freude. Indes birgt es nicht die Peinlichkeiten in sich wie der »Alleingang« in ein gutes Restaurant am frühen Abend, wo die unbegleitet auftretende Frau wie ein »unvollständiger« Mensch betrachtet, ja, beargwöhnt wird." (S.122)

Das "Tanzen gehen" in bürgerlicher Sicht

"Beim Besuch von Tanzlokalen, gleich welcher Güte, wird allerdings eine Schichtungsgrenze sichtbar. Frauen aus bürgerlichem Milieu und in gehobenen Berufen suchen solche Vergnügungsstätten selten auf. Anders die Arbeiterin, die Verkäuferin, die Friseuse, die häufig »zum Tanzen« gehen.
(123).

"Swinging Singles" in der Nachkriegszeit

"Von beinahe hintergründiger Deutlichkeit sind die Äußerungen einer vierundvierzig Jahre alten Friseuse, die auch am Tage durch Aussehen und Aufmachung kaum zu verbergen sucht, daß sie nach Feierabend das Leben einer Halbweltdame lebt. Sie beklagt sich nicht über mangelnde Geselligkeit. Männer, »auch Junggesellen gibt es in Massen«. (...). Und sie, die Friseuse, sowie ihre gleichaltrige Freundin, Verkäuferin in einem Modesalon, seien »sehr oft unterwegs, in Bars und Kabaretts«. Außerdem haben sie beide eine hübsche Wohnung, »und übers Wochenende sit bei uns immer was los«. Vermutlich hat man hier eine der vielfältigen Formen verschleierter Prostitution vor sich, die es in allen Schichten gibt, wo Geld keine Rolle spielt." (S.123f.)

Heiratsanzeigen und Ehevermittlungsinstitute als letzter Ausweg

"Wenn alle überkommenen Formen der Geselligkeit versagen und die Unergiebigkeit der modernen Ungeselligkeit durchschaut wird, - was bleibt dann noch übrig, um die Absonderung zu sprengen? Als letzter Ausweg zeigt sich dann oft nur noch der Heiratsmarkt.
Hier wird der Wunsch nach der Ehe oder zumindest nach dem Partner für die gesetzlich nicht ausdrücklich sanktionierte Lebensgemeinschaft eindeutig und unverhohlen ausgesprochen. Es ist heute üblich geworden, diese Form der Partnersuche zu tolerieren. Tatsächlich kann denn auch eine Kritik an dieser öffentlichen Partnersuche nicht eigentlich die Menschen meinen, die auf den Heiratsmarkt angewiesen sind. Die Kritik wird sich vielmehr gegen die Gesellschaft richten müssen, die eine solche Institution notwendig macht.
Sehr viele Frauen leiden unter den Zumutungen, die ihnen dieser letzte Ausweg ansinnt (...).
Der Anlauf, um der Zeitung ein Heiratsinserat zu übergeben oder dem Institut einen ersten »unverbindlichen Besuch« abzustatten, dauert oft viele Monate. Die Menschen haben zuviele Hemmungen zu überwinden, ehe der endgültige Schritt zu diesem Abenteuer fest beschlossen wird." (S.129f.)

Onkelehen

"Bei Kriegerwitwen ist die Haltung des allmählichen und entschiedenen Verzichts auf den Mann häufiger zu beobachten als bei ledigen Frauen. Mancher wird gegen diese Behauptung protestieren wollen. In der Tat war ja die »Onkelehe« bis vor kurzer Zeit ein heftig diskutiertes Problem im Zusammenhang mit der Rentenregelung. In den ersten Nachkriegsjahren stand die »Onkelehe« in hoher Blüte; heute liegt sie weithin im Sterben. Die günstigere Regelung für die Kriegerwitwe, die eine zweite Ehe schließen möchte (sie erhält heute den fünffachen Jahresbetrag ihrer Sozialrente ausbezahlt), dürfte hierfür entscheidend ins Gewicht fallen. Der nächst wichtige Grund ist immaterieller Art: die herangewachsenen Kinder mit ihren Problemen schärfen das Verantwortungsbewußtsein der Mutter.
Das Modell einer »Onkelehe«, wie sie vielfach ausgesehen haben mag, hat der Dichter Heinrich Böll in seinem Roman »Haus ohne Hüter« in einer exemplarisch deutlichen Sprache geschildert." (S.165f.)

Schlüsselkinder

"Entbehrt schon die Vollfamilie zunehmend den Vater, wie sehr entbehrt ihn dann erst die unvollständige Familie! Für das vaterlose Kind, dessen Mutter erwerbstätig ist, wurde nach dem Kriege die Bezeichnung »Schlüsselkind« erfunden.

Das Buch in der Debatte

"M. E. existieren nur zwei empirische Studien, in denen alleinstehende Frauen in der Nachkriegszeit befragt wurden: Regina Bohne (1960) interviewt ledige Frauen der Geburtsjahrgänge 1914 - 1920, und Inge Gahlings (1961) vergleicht die berufliche und private Situation lediger und verheirateter Volksschullehrerinnen in Hessen. In der von Bohne populärwissenschaftlich aufbereiteten Untersuchung wird die These von Simone de Beauvoir vertreten, daß die kollektive Befreiung der Frau nur durch eine Verbesserung der beruflichen Position erreicht werden kann. Realiter sind die interviewten Frauen überwiegend in un- und angelernten Berufen tätig. (...). Die Untersuchung endet mit einem Plädoyer für die Emanzipation der Frau mittels qualifizierter Erwerbsarbeit."
(aus: Dorothea Krüger "Alleinleben in einer paarorientierten Gesellschaft", 1990, S.49) 

     
 
       
   

Die Studie in der Debatte

KRÜGER, Dorothea - Alleinleben in einer paarorientierten Gesellschaft
 
   

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© 2002-2013
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 10. Juni 2003
Update: 26. Dezember 2013