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Berthold Vogel : Prekärer Wohlstand

 
       
     
       
     
       
   

Berthold Vogel in seiner eigenen Schreibe

 
   

VOGEL, Berthold (1999) Entbehrlich für die Arbeitsgesellschaft?
Arbeitslosigkeit und Ausgrenzungsrisiko in den neunziger Jahren,
in: Widersprüche, H.72, Juni

VOGEL, Berthold (2003): Soziale Kampfeinheiten.
Luc Boltanski und Ève Chiapello haben eine neue Soziologie der Kapitalismuskritik formuliert. Ihre Studie setzt die Reihe der großen Gesellschaftsanalysen fort, die Pierre Bourdieu und Robert Castel begründeten
in: TAZ v. 20.12.

Rezension des Buchs "Der neue Geist des Kapitalismus" von Luc BOLTANSKI & Eve CHIAPELLO.

VOGEL, Berthold (2004): "Überzählige" und "Überflüssige".
Empirische Annäherungen an die gesellschaftlichen Folgen der Arbeitslosigkeit,
in: Berliner Debatte INITIAL 15 (2), S.11-21 v. 21.07.

VOGEL, Berthold (2004): Der Nachmittag des Wohlfahrtsstaats.
Zur politischen Ordnung gesellschaftlicher Ungleichheit,
in:
Mittelweg 36, August/September, 13.Jg, H.4

VOGEL, Berthold (2004): Der Nachmittag des Wohlfahrtsstaats.
Reich gegen Arm, Markt gegen Staat heißen die Gegensätze in der gegenwärtigen Debatte um den Wohlfahrtsstaat. Dieser geht seinem Ende zu. An seine Stelle tritt der "gewährleistende Staat". Dieser Modellwechsel ist aber keine Einbahnstraße zu immer weniger Staat,
in: TAZ v. 08.09.

Die TAZ druckt einen gekürzten Artikel aus der Zeitschrift Mittelweg 36 nach, den Jens BISKY bereits in der Süddeutschen Zeitung positiv besprochen hat.
         Die Soziologie der Neuen Mitte vollzieht damit einen Paradigmenwandel, denn nicht mehr der "unternehmerische Einzelne" oder der Überflüssige, sondern die Statusängste der neuen Mittelschichten stehen im Mittelpunkt des Ansatzes von Berthold VOGEL.
         In seinem Essay beschreibt VOGEL zuerst die Prinzipien des "sorgenden" Wohlfahrtsstaates, der als "soziale Aufstiegsmaschine und Statussicherungsinstanz" wirkte und jetzt durch die Hartz-Gesetze zum "gewährleistenden" Staat wird. Dieser neue Gewährleistungsstaat greift in erster Linie repressiv in den Randlagen ein und schafft neue Ungleichheiten.
         Um die neuen Bedingungen für die Mittelschichten in den Blick zu bekommen, bedient sich VOGEL eines neuen Begriffsinventars:

"Wenn der wirtschaftliche Strukturwandel die Kernbereiche der Arbeitswelt erreicht, wenn die Neujustierung der wohlfahrtsstaatlichen Politik mehr und mehr auf die Mitte der Gesellschaft zielt und infolgedessen stabile Status- und Wohlstandspositionen fragil werden, dann ist es unabdingbar, den soziologischen Blick aus dichotomen Schemata zu befreien und ihn zu erweitern - von der Exklusion zur Vulnerabilität, von der Armut zum prekären Wohlstand."

Mit dem Begriff der Vulnerabilität bzw. der sozialen Verletzbarkeit greift VOGEL einen Begriff des französischen Sozialhistorikers Robert CASTEL auf. Es geht dabei um die "gefühlte soziale Ungleichheit und Unsicherheit" der Mittelschichten.
         Der Begriff des prekären Wohlstandes verweist dagegen auf die Gefährdung des Lebensstandards.
         Beide Begriffe zusammen sollen die Mentalitäten der Mittelschichten im Rahmen der neuen Gesellschaftsordnung auf den Punkt bringen:

"Beide Begriffe nehmen eine fragile Zone in den Blick, in der es zwar noch nicht um Armut und Arbeitslosigkeit, um Marginalisierung und soziale Ausgrenzung geht, in der der erreichte Lebensstandard und die errungenen beruflichen und sozialen Positionen dennoch nicht sicher sind.
Die Frage von Auf- und Abstieg, von Stabilisierung und Destabilisierung, von Sicherheit und Unsicherheit steht in dieser Zone zur Diskussion. (...). Als Prozess- und Wahrscheinlichkeitsbegriffe verändern Vulnerabilität und prekärer Wohlstand die Sichtweise auf die Grundlagen der sozialen Ungleichheitsordnung, sie erweitern das sozialanalytische Vokabular und sie erlauben einen problemgerechten Blick auf die sich herausbildenden Ungleichheitsstrukturen in Zeiten neuer politischer Ordnungsmuster des Wohlfahrtsstaats.
Prekarität des Wohlstands setzt freilich Wohlstand voraus, und nur Menschen, die Statussicherheit kennen, fürchten deren Vulnerabilität. Es geht um das Arbeiten und das Leben in der Mitte der Gesellschaft, um Aufstiegshoffnungen und Abstiegsängste, um die Bewahrung von Wohlstand und Sicherheit. Die Bezugspunkte dieser sozialen Mentalitäten und Orientierungen sind - neben dem »wohlfahrtsstaatlichen Arrangement« als Statusgarant - die Familie und die mit ihr verknüpften Strategien der Statusreproduktion; die Bildung und das Versprechen auf Statusverbesserung; der Konsum und die Haushaltsführung als Eckpunkte symbolischer Positionsgewinne und die Erwerbstätigkeit als Grundlage beruflicher und sozialer Karrieren, als sozialer Platzanweiser und Türöffner zum wohlfahrtsstaatlichen Leistungssystem.
An den Orten der Statussuche und der Statusängste sind soziale Vulnerabilität und prekärer Wohlstand lokalisiert. Die Metamorphosen der Erwerbsarbeit spielen für den Gestaltwandel der gesellschaftlichen Mitte die zentrale Rolle."

VOGEL charakterisiert abschließend die gegenwärtige Situation folgendermaßen:

"Der hohe Mittag des sorgenden und auf unmittelbare gesellschaftliche Intervention orientierten Wohlfahrtsstaats ist überschritten, aber der Abend noch nicht erreicht. Wir bewegen uns in einer Zwischenzeit ohne Euphorie und Tragödie, ohne unverhofften Neubeginn und endgültigen Verlust. Staat, Klasse und Gemeinwohl erleben als Strukturbegriffe und Denkkategorien des Sozialen ihre Renaissance. Die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft tritt in den Nachmittagsstunden des Wohlfahrtsstaats aus den Kulissen hervor - zu ihrem letzten Auftritt oder in Erwartung ihrer politischen und sozialtheoretischen Neugestaltung?"

VOGEL, Berthold (2006): Stabilität des Uneindeutigen.
Rückkehr der Klassengesellschaft (5): Die soziale Frage nach Wohlstand und Sicherheit wird aus der Mitte der Gesellschaft gestellt, die Antwort muss von den Rändern kommen,
in: TAZ v. 30.11.

VOGEL, Berthold (2009): Die zerrissene Mitte.
Der Ort gesellschaftlichen Konfliktausgleichs ist zu einem neuen Konfliktzentrum geworden,
in: Vorgänge, Heft 2, Juni

VOGEL, Berthold (2009): Wohlfahrtsstaat in der Falle.
Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag? (7): Die Stärkung des Kommunalen,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.11.

Neu:
GRIMM, Natalie/HIRSELAND, Andreas/VOGEL, Berthold (2013): Die Ausweitung der Zwischenzone.
Erwerbsarbeit im Zeichen der neuen Arbeitsmarktpolitik,
in: Soziale Welt, Heft 3,
S.249-268

"Es kommt aus politischer und gesetzgeberischer Sicht immer weniger darauf an, auf die Sicherung und Gewährleistung stabiler und auskömmlicher Arbeitsverhältnisse hinzuwirken. Stattdessen zählen die Quoten der Erwerbstätigkeiten und die Beteiligung am Erwerbsleben als Messgröße erfolgreicher Arbeitsmarktpolitik",

erläutern die Autoren den Paradigmenwechsel der Arbeitsmarktpolitik infolge der Hartz-Reformen. Daraus resultiert eine Ausweitung der Zwischenzone, die sie folgendermaßen definieren:

"Beschäftigungsraum immer wiederkehrender Minijobs und Beschäftigungen im Niedriglohnbereich, regelmäßig sich wiederholender Arbeitsgelegenheiten, befristeter Tätigkeiten und Leiharbeitsverhältnisse".

Für die Autoren reicht dieser Institutionenwandel bis ins Jahr 1985 zurück, in dem das Beschäftigungsförderungsgesetz verabschiedet wurde und die Deregulierungspolitik ihren Anfang nahm.

Die Ausweitung der Zwischenzone beruht dabei nicht auf Bildungsdefiziten wie es die Unterschichtendebatte à la Thilo SARRAZIN vermuten ließe, sondern auf gescheiterter Verwertung der Bildungsabschlüsse.

Mit der Ausweitung der Zwischenzone ist das Entstehen eines "Zwischenzonenbewusstsein" verbunden:

"Vieles spricht dafür, dass die Erwerbsarbeit als normatives System sozialer Integration aus dieser Zwischenzone ihre besondere Kraft bezieht. Auch die von uns Befragten (...) bekräftigen sie durch ihre Aktivitäten und Orientierungen sowie durch ihren andauernden Kampf gegen Verdrängung und Abstieg."

Für die Ausbildung dieses Zwischenzonenbewusstseins sind das Alter, die Dauer des Aufenthaltes in der Zwischenzone sowie spezifische Einschränkungen (z.B. chronische Krankheiten) entscheidend. Mit einem solchen Zwischenzonenbewusstsein ist oftmals die Abwertung anderer Personen und die Verschleierung der eigenen Situation verbunden:

"Der arbeitsmarktpolitische Aktivierungsdiskurs wirkt insofern indirekt, als die Befragten der Zwischenzone alles versuchen, um den Anschein zu vermeiden, sie gehörten zu jenem Personenkreis, der aktiviert werden »muss« und dauerhaft auf staatliche Hilfen angewiesen ist, - nicht zuletzt auch, um sich eine gewisse Autonomie gegenüber den Behörden zu erhalten. (...).
Selbstbehauptung und Ressentiment prägen auf diese Weise eine starke individualistische Haltung, die die Entwicklung eines solidarischen Gesellschaftsbewusstseins des Miteinanders und der wechselseitigen Bezugnahme nicht begünstigt."

 
       
   

Berthold Vogel im Gespräch

 
   

VALGOLIO, Damiano (2002): Soziale Ungleichheiten verfestigt: Mit Leiharbeit aus Arbeitslosigkeit?
jW sprach mit Berthold Vogel, Soziologe an der Universität Göttingen,
in: junge Welt v. 20.11.

GESSLER, Philipp (2006): "Leistung wird mit Gemeinwohl verknüpft".
Der Sozialwissenschaftler Berthold Vogel findet Becks Initiative gut, denn sie richte die Blicke auf die Richtigen: "Ich finde, dass eine Krankenschwester und eine Kindergärtnerin mehr für die Gemeinschaft tun als ein Fondsmanager",
in: TAZ v. 01.09.

FISCHERMANN, Thomas (2009): "Die Wohlhabenden grenzen sich ab".
Der Sozialforscher Berthold Vogel glaubt, dass 2009 ein Jahr der Verteilungskämpfe in Deutschland wird: Besitzstandswahrer gegen Krisenverlierer,
in:
Die ZEIT Nr.12 v. 12.03.

WIESE, Sönke (2009): Armut in Deutschland: "Die Mittelschicht ist bedroht".
Der Armutsatlas verzeichnet ein krasses Wohlstandsgefälle in Deutschland. Drohen soziale Zerwürfnisse? Wer muss sich vor Armut fürchten? Was für Folgen hat die Angst vor dem Absturz? Der Soziologe Berthold Vogel gibt Antworten,
in:
Stern Online v. 19.05.

LEMKE, Kirsten (2009): "Ich bin da wenig optimistisch".
Der Hamburger Sozialforscher Berthold Vogel warnt angesichts der Wirtschaftskrise vor zunehmenden Spaltungsprozessen in der Gesellschaft,
in: DeutschlandRadio v. 14.08.

 
       
   

Wohlstandskonflikte (2009).
Soziale Fragen, die aus der Mitte kommen
Hamburg: Hamburger Edition

 
   
     
 

Klappentext

"Die Mitte. Nicht erst, seit Angela Merkel vor dem Motto des CDU-Parteitags abgelichtet wurde, ist der Kampf um diesen politischen und sozialen Standort ein zentrales Thema in der deutschen Gesellschaft. Doch gerade diese vielbeschworene und schwer zu verortende Mitte ist Berthold Vogels Analyse zufolge von Wohlstandskonflikten und Abstiegssorgen geprägt. Der Autor nutzt vier Perspektiven, um den Zustand einer Gesellschaft zu erkunden, in der soziale Konflikte zunehmend als Statusgefechte um Anrechte auf Wohlstand und um die Pflicht zu dessen Sicherung ausgetragen werden. Soziologisch werden soziale und politische Kategorien zur Charakterisierung der Mitte kritisch reflektiert. Zeitdiagnostisch werden das sich wandelnde Verhältnis von Staat und Gesellschaft und der Übergang vom sorgenden zum gewährleistenden Wohlfahrtsstaat beleuchtet. Konzeptionell wird das Zusammenspiel von politischer Ordnung und sozialökonomischen Prozessen im Hinblick auf die Entstehung von Ungleichheit und Klassen untersucht. Und empirische Forschungsbefunde, zum Beispiel zur Leiharbeit, verdeutlichen, wie weit berufliche und soziale Prekarität bereits in Kernbereiche des Wirtschaftlebens hineinreicht. Sichtbar wird eine "nervöse Mittelklasse", deren Status durch wohlfahrtsstaatliche Reformen entsichert wurde und deren Arbeitsleben an Verbindlichkeit verliert. Facharbeiter bangen um die Früchte früherer Aufstiege, qualifizierte Angestellte fürchten den Verlust erworbener Privilegien. Doch nicht nur Abstieg und Deklassierung bestimmen das Klima, denn für bestimmte Professionen eröffnen sich auch neue Gelegenheiten, wenn Positionskämpfe in den mittleren Lagen der Gesellschaft markant an Kraft gewinnen. Die Mitte der Gesellschaft zerfällt nicht, sie spaltet sich auf. Eingehend befasst sich Berthold Vogel mit dem öffentlichen Dienst und dessen Wandel von einem Ort stabiler Karriereerwartung und materieller Sicherheit zu einem unruhigen Experimentierfeld für "neue Beschäftigungsformen". Dieses Zentrum von Gemeinwohl und Daseinsvorsorge ist zunehmend gefährdet, wenn in den kommunalen Verwaltungen, in der Jugendhilfe oder im Gesundheitswesen Mini-Jobber und Zeitarbeiter die Folgen von Unsicherheit und Armut bewältigen sollen. Die Prekarisierung des öffentlichen Dienstes droht die normativen Maßstäbe der gesellschaftlichen Verantwortung zu demontieren. Nicht die Dramatisierung sozialer Unterschiede steht im Vordergrund dieses Buches, sondern die Herausforderungen einer in Wohlstandskonflikten verstrickten Gesellschaft. Berthold Vogel zeigt, dass produktive Antworten auf diese Herausforderungen nur dann zu finden sein werden, wenn der Staat weiterhin bereit ist, die gesellschaftlichen Beziehungen aktiv mitzugestalten."

     
 
       
   
  • Rezensionen

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Die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft (2007)
Hamburg: Hamburger Edition

 
   
     
 

Klappentext

"Gesellschaftliche Ungleichheit, die Frage nach dem Oben und dem Unten, nach dem Zentrum und der Peripherie des Sozialen ist auf die Tagesordnung der öffentlichen Rede über den Zustand und die Zukunft unseres Gemeinwesens zurückgekehrt. Politik und Publizistik werfen einen Blick auf die bedrängten und besorgten Mittelschichten, auf das »abgehängte Prekariat« und die deklassierten Randlagen, aber auch die Verantwortung und Solidarbereitschaft der Oberklasse wird unter dem Stichwort »Reichensteuer« zum Thema. Diese Auseinandersetzung mit der Verschärfung sozialer Ungleichheiten wird von der Debatte um die Zukunft des Wohlfahrtsstaates, seiner Institutionen und Sicherungssysteme, seiner Infrastrukturen und Vorsorgeeinrichtungen umrahmt.

Mag einem Gutteil der Gesellschaftswissenschaften der Staat im Laufe der Jahre aus dem Blick geraten sein, der Gesellschaft ist der Staat jedenfalls nicht abhanden gekommen. Staatliches Handeln berührt auf politischem und ordnet auf rechtlichem Weg die vielfältige Lebenswirklichkeit weiter Kreise der Bevölkerung. Die institutionelle Architektur, die finanzielle Ausstattung und die normative Kraft des Staates haben sich fraglos in grundlegender Weise verändert. Doch der Wohlfahrtsstaat als ein formativer sozialer Prozess, der Ungleichheiten schafft, ordnet und dämpft, hat an mentaler und struktureller Präsenz nicht verloren. Vieles spricht daher dafür, die sozialen Veränderungen stärker vom Staat her zu denken. "

     
 
       
   
  • Rezensionen

RULFF, Dieter (2007): Aufstieg als Lebensprinzip.
Der Soziologe Berthold Vogel erkennt einen gesellschaftlichen Bedarf an einem Staat mit Möglichkeitssinn,
in: Frankfurter Rundschau v. 11.04.

 
       
   

Leiharbeit (2004).
Neue sozialwissenschaftliche Befunde zu einer prekären Beschäftigungsform
Hamburg: VSA

 
   
     
 

Klappentext

"In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer verdreifacht. Während zunächst industrielle Einsatzbereiche dominierten, schiebt sich seit geraumer Zeit der Dienstleistungssektor in den Vordergrund. Dennoch ist die absolute Zahl der Leiharbeitskräfte in Deutschland im Vergleich mit dem europäischen Ausland gering. Vor allem bei unerwarteten und kurzfristigen Aufträgen steigt die Nachfrage nach dieser Beschäftigtengruppe, meist nur für wenige Wochen.

Das soll sich ändern. Leiharbeit ist für den VW-Manager Peter Hartz das »Kernstück«, um den Arbeitsmarkt zu »entriegeln«. Die »Zukunft« hat vielerorts bereits begonnen. Zum Beispiel bei BMW in Ingolstadt, wo Leiharbeiter ein ganzes Containerdorf bevölkern. Oder bei der Hypovereinsbank, die 80% aller Neueinstellungen über ihre Leiharbeitstochter HVB Group zu deutlich billigeren Konditionen vornimmt. Oder die Deutsche Telekom, die 10.000 Mitarbeiter in der Beschäftigungsgesellschaft Vivento untergebracht hat und mit bis zu 40% Lohnabschlag vermittelt."

     
 
       
   
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  • Berthold Vogel in der Debatte

BISKY, Jens (2004): Abstieg wahrscheinlich.
Soziologie am Nachmittag des Wohlfahrtsstaates,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.

Jens BISKY bespricht einen Artikel von Berthold VOGEL in der Zeitschrift Mittelweg 36 vom August/September 2004.
         Die Soziologie der Neuen Mitte à la Heinz BUDE, die lange Zeit nur um den "unternehmerischen Einzelnen" kreiste und dann mit dem Niedergang der New Economy die Kategorie der Überflüssigen und damit das Begriffspaar der Inklusion/Exklusion entdeckte, ist nun mit Hartz IV bei den Statusängsten der neuen Mittelschichten angekommen.
         Berthold VOGEL hat zu diesem Zweck die Begriffe der "sozialen Verwundbarkeit" und des "prekären Wohlstands" fruchtbar gemacht. Damit kann nun der Abschied von der staatlichen Statussicherung, die mit den Hartz-Gesetzen eingeleitet wird, wissenschaftlich begleitet werden.
         BISKY sieht in dem Beitrag von VOGEL keine Hysterie, sondern ein "überzeugendes Plädoyer für engagierte Gelassenheit".
         BISKY macht außerdem deutlich, dass sich ein politischer Wandel vollzogen hat. Nicht mehr der ökonomische Neoliberalismus bestimmt unsere Gesellschaft, sondern ein neuer "sozialpolitischer Autoritarismus".
      
  Diese Entwicklung hat der Liberale Ralf DAHRENDORF bereits vor längerer Zeit aufgrund der Erfahrungen mit der britischen Politik prognostiziert.

SÜSELBECK, Jan (2004): Down & Out.
Hartz IV ist auch in der Soziologie angekommen. Die Zeitschrift Mittelweg 36 widmet den Arbeitslosen ihre neue Ausgabe
in: Jungle World Nr.38 v. 08.09.

BISKY, Jens (2008): Sozialer Abstieg heißt jetzt Exklusion.
In der Diskussion um Ungleichheit und Armut geht es nicht mehr um oben und unten, sondern um drinnen und draußen - zu Recht?
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.05.

Jens BISKY berichtet über die Kritik von Berthold VOGEL an der Umdeutung der sozialen Frage à la Heinz BUDE:

"Für den Soziologen Heinz Bude ist die Frage nicht, »wer oben und wer unten, sondern wer drinnen und wer draußen ist«. In seinem neuen Buch »Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft« (...) zieht er die Summe aus mehr als einem Jahrzehnt theoretischer Diskussion und will die Öffentlichkeit für das Konzept der »sozialen Exklusion« gewinnen.
            Statt der »feinen Unterschiede« steht darin die grobe Differenz im Mittelpunkt. Auf diese Weise, so Bude, werde man dem Ungleichheitsempfinden der Menschen ebenso gerecht wie dem »neuen Gesicht der Ungleichheit in unserer Gesellschaft«.
            Das ist nicht unbedingt so. Berthold Vogel, ein Kollege Budes am Hamburger Institut für Sozialforschung behauptet, dass wir »mit den Fragen nach der Exklusion zugleich die Aufmerksamkeit für sozialstrukturelle Zwischentöne, für die Widersprüche und Uneindeutigkeiten« verlieren.
            In einem bemerkenswerten Aufsatz kehrt Vogel zum Kernproblem, der kollektiven Erfahrung von Arbeitslosigkeit zurück, entwirft ein anspruchsvolles Programm vernünftiger Arbeitslosigkeitsforschung und bestreitet den Anspruch der Exklusionstheoretiker, auf der Höhe der Zeit zu sein (Biographische Brüche, soziale Ungleichheiten und politische Gestaltung. Bestände und Perspektiven soziologischer Arbeitslosigkeitsforschung. In: Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Jg. 17, April/Mai 2008)."

 
     
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 16. September 2004
Update: 11. Februar 2015