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Dirk Konietzka: Lebensstile im sozialstrukturellen Kontext

 
       
   

Dirk Konietzka bei single-generation.de

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Lebensstile im sozialstrukturellen Kontext (1995).
Ein theoretischer und empirischer Beitrag zur Analyse soziokultureller Ungleichheiten
Westdeutscher Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Die Auseinandersetzung mit den Forschungsstrategien der Lebensstilforschung, die unter der Prämisse einer fortschreitenden Entkoppelung soziokultureller von sozialstrukturellen Phänomenen nunmehr Lebensstile als Zentren der sozialen Identitäts- und Milieubildung untersuchen, bildet den Ausgangspunkt dieser Studie. Es werden erhebliche konzeptionelle und methodische Schwächen dieser Modelle aufgezeigt, und es wird in der Folge für einen sozialstrukturell fundierten Lebensstilansatz plädiert, in welchem die kulturelle Alltagspraxis zentral auf die Frage der sozialen Trägergruppen von Lebensstilen bezogen wird. Der empirischen Strukturierung soziokultureller Phänomene in Abhängigkeit von strukturell definierten Untersuchungsgruppen geht der Autor schließlich in einer sekundärstatistischen Analyse nach."

Inhaltsverzeichnis

Teil A: Neuere Ansätze der Lebensstilforschung

Einleitung: Soziologische Lebensstilanalyse und soziologische Ungleichheit

1. Kapitel: Der Entstrukturierungsansatz - Von Klassen und Schichten zur Lebensstilgesellschaft

2. Kapitel: Der Entstrukturierungsanasatz der Lebensstilanalyse und die Individualisierungsthese sozialer Ungleichheit

3. Kapitel: Der Strukturansatz - Sozialstruktur und Lebensstile

Teil B: Eigener Ansatz - Lebensstile und sozialstruktureller Wandel

Einleitung: Zum konzeptionellen Rahmen eines sozialen Raums - Struktur-Kultur-Handeln

4. Kapitel: Die Strukturebene - Die Frage der sozialen Trägergruppen von Lebensstilen zwischen neuen und alten Dimensionen, der Makro- und Mikroebene sozialer Ungleichheit

5. Kapitel: Die Ebenen der Werthaltungen und der Lebensstile

6. Kapitel: Lebensformen als soziale Trägergruppen von Lebensstilen

6.1 Zur Sozialstruktur der Lebensformen
6.2 Freiwillige und erzwungene Formen des Alleinlebens

6.2.1 Vom Anteil der Einpersonenhaushalte zum Anteil der Singles
6.2.2 Jüngere Alleinlebende
6.2.3 Ältere Alleinlebende

6.3 Partnerschaftliche Lebensformen

6.3.1 Sozialstruktur nichtehelicher Lebensgemeinschaften
6.3.2 Ehe, kinderlose Ehe und nichteheliche Lebensgemeinschaft

6.4 Familiale Lebensformen und nachelterliche Lebensphase

6.4.1 Familien
6.4.2 Ältere Paare, nachelterliche Lebensphase und Rentner
6.4.3 Hausfrauen
6.4.4 Alleinerziehende

6.5 Zwischenbilanz - Lebensformen als strukturierte und differentielle Kontexte der Lebensführung

Teil C: Empirische Analyse von Lebensstilen

Einleitung: Lebensformen als Analysekonzept

7. Kapitel: Die Konstruktion der Untersuchungsgruppen

8. Kapitel: Die empirische Analyse von Zusammenhängen zwischen Lebensformen, Wertorientierungen und Lebensstilen

9. Kapitel: Schluß

Zitate:

Lebensformen und Sozialstruktur

"Lebensformen (werden)(...) empirisch in hohem Maße durch Institutionalisierungen des Lebensverlaufs strukturiert (Mayer 1991) und sie dürften vornehmlich bei bestimmten kritischen Übergängen (Gründung eines Haushalts, Veränderung der Personenkonstellation durch Heirat, Geburt von Kindern, Scheidung, Tod) strukturellen Veränderungen unterworfen sein.
Die zentrale These ist demnach, daß sich auf der Akteursebene Ressourcenunterschiede heute weniger in stabilen Statusschichten bündeln, sie vielmehr eine spezifische Ausdifferenzierung von Lebensformen und -phasen bewirken. Auf dieser Ebene sind zugleich Differenzierungen und Verfestigungen sozialer Strukturen jenseits allgemeiner Makrolagerungen und diesseits von »Individualisierung« feststellbar. (...). Begreift man Lebensform und -verlauf in diesem Sinne als Element der Sozialstruktur, verändert sich zugleich die Perspektive von einem Berufs- und Schichtenmodell zu einem Zugang zu sozialer Ungleichheit auf der Mikroebene der Sozialstruktur." (1995, S. 148)

Polarisierungsthese der Lebensstile

"Eine Konfrontation zwischen den unterschiedlichen Lebensformen ergibt sich (...) aus sich gegenseitig ausschließenden Ansprüchen dieser gegensätzlichen Lebensentwürfe an ihre Umwelt. Inwieweit dabei die realistische Aussicht besteht, daß lebensformspezifische Konflikte in Horrorszenarien wie einen »Kulturkrieg zwischen Kinderlosen und Familien mit Kindern«, sowie zwischen Männern und Frauen, Zweierbeziehungen und Alleinlebenden (Schwengel 1988: 69f) münden, soll hier dahingestellt bleiben. Allerdings dürfte für die Akteure des politischen und ökonomischen Systems die Notwendigkeit zunehmen, bei der Verfolgung ihrer Strategien auch eine familienpolitische Dimension zu berücksichtigen. Nach Schwengel (1988) werden Standort-, Industrie-, Arbeitszeitpolitik ohne Familienpolitik nicht mehr erfolgreich durchsetzbar sein. »Und auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene könnte der Kampf zwischen Individualismus und Familialismus zu einer Polarisierung führen« (Burkart 1991:129), in der sich auf der einen Seite die kinderlosen Paare und Singles, die über ein hohes Bildungsniveau und (Doppelverdiener-) Einkommen verfügen und zugleich in den Dienstleistungszentren konzentriert sind, sowie auf der anderen Seite die »Normalfamilien« in den traditionellen Milieus »ohne intellektuellen Einzugsbereich« gegenüberstehen. In diesem Sinne können sich neuartige Strukturen sozialer Ungleichheit und Konfliktlinien verfestigen, in denen räumliche Disparitäten der Region und des Wohnstandortes durch solche der Bildung, des Einkommens und der Lebensform noch verstärkt werden.
Aber auch jenseits derartiger Makroszenarien erscheint die Frage des sozialen und kulturellen Konfliktpotentials zwischen unterschiedlichen Lebensformen von Relevanz. Diese wird insbesondere dann augenscheinlich, wenn man den jeweiligen räumlichen Kontext lebensformspezifischer Auseinandersetzungen um und mittels Lebensstilen in die Analyse einbezieht. So kann die Realität derartiger Konflikte auf der Ebene lokaler Kontexte alltäglicher Lebensführung nicht zuletzt anhand des Auftretens und der Verlaufsmuster sozialräumlicher Verdrängungsprozesse nachvollzogen werden (vgl. Dangschat 1991). (1995, S.149f.)

Alleinlebende als Indikator einer Individualisierung?

"Das Interesse an der Gruppe der »Singles« und allgemeiner der Alleinlebenden ist im Zusammenhang der postulierten »Individualisierungs«-Tendenzen besonders groß. Alleinlebende erscheinen als Inbegriff einer individualisierten Existenzweise sowohl im Sinne von Vereinzelung und Isolierung als auch von Selbstverwirklichung und Subjektzentrierung der Lebensführung. Entsprechend wird die steigende Zahl der Alleinlebenden als Gradmesser der Individualisierung betrachtet. Da Individualisierung als strukturelle Kategorie schlecht zu messen ist (...), werden ersatzweise Größen wie Scheidungsraten und die Zahl an Alleinerziehenden, v. a. aber die Steigerungen des Anteils der Einpersonenhaushalte herangezogen. Daß letztere aber als Indikatoren für die Zunahme von Tendenzen individualisierter Lebensführung vollkommen ungeeignet sind, soll in diesem Abschnitt gezeigt werden." (1995, S.150)

Die steigende Anzahl der Einpersonenhaushalte

"Waren 1950 von insgesamt 16,65 Mio. Privathaushalten 3,23 Mio. zugleich Einpersonenhaushalte, so gab es im April 1989 9,81 Mio. Einpersonenhaushalte bei insgesamt 27,79 Mio. Privathaushalten. Bei einer Verdreifachung der absoluten Zahl der Einpersonenhaushalte im Laufe von 40 Jahren erhöhte sich also deren Anteil von 19,4 % auf 35,3 % aller Haushalte. Die höchste Steigerungsrate liegt dabei mit 78 % im Zeitraum zwischen 1970 und 1989. Und noch zwischen Mai 1987 und April 1989, also innerhalb von knapp 2 Jahren, sind mehr als eine Mio. zusätzliche Einpersonenhaushalte registriert worden (von 8,77 zu 9,81 Mio.)." (1995, S.151)

Singles als freiwillig Alleinlebende

"Jedenfalls im Hinblick auf die Bedeutung der Lebensform der Singles, der freiwillig Alleinlebenden (Droht/Dangschat 1985), sind die dramatisch anmutenden Zahlen über die Zunahme von Einpersonenhaushalten in vielerlei Hinsicht irreführend. Einpersonenhaushalte sind zunächst einmal nicht mit Alleinlebenden zu verwechseln (...). Die Mehrzahl der Einpersonenhaushalte wird auch nicht von jüngeren Personen, sondern von älteren, v. a. verwitweten und geschiedenen Personen gestellt. Ist das Interesse auch noch insbesondere auf bewußt gewählte Single-Lebensentwürfe gerichtet, so sind weitere einschränkende Kriterien aufzustellen, wie etwa, daß diese Personen ohne festen Partner sind und darüber hinaus die Absicht haben, längerfristig allein leben zu wollen. Diese Gruppe ist aber mit der amtlichen Statistik nicht zu erfassen.
Allerdings bietet auch diese einige Hinweise für eine realistischere Einschätzung des empirischen Ausmaßes der Lebensform der Singles. Wenn sich das Potential der freiwillig Alleinlebenden in erster Linie unter den jüngeren Personen bis 45 Jahren befindet (Droht/Dangschat 1985: 151, Meyer/Schulze 1989: 16), dann kann die für 1989 angegebene Anzahl von 3,77 Mio Einpersonenhaushalten mit Personen bis 45 Jahren ein erster Anhaltspunkt dienen (StaBa 1991: 70): Dieser Zahl entspricht ein Anteil von 38,4 % an allen Einpersonenhaushalten. Bei den weiblichen Einpersonenhaushalten liegt der Anteil der unter 45-Jährigen sogar nur bei 25,8 %, bei den Männern allerdings bei 60%. Insgesamt beträgt der Anteil der von den Jüngeren unter 45 Jahren (dem eigentlichen Potential der freiwillig Alleinlebenden) gebildeten Einpersonenhaushalte an allen Haushalten nur 13,6 % aller Haushalte.
Bezieht man diese Zahlen nun nicht auf die Ebene der Haushalte, sondern sinnvollerweise auf die Personenebene, dann ergibt sich ein noch deutlicheres Bild: Insgesamt leben 9,8 Mio. von insgesamt 62,39 Mio. Personen in Privathaushalten in Einpersonenhaushalten (gleich 15,7 %). Die 3,77 Personen unter 45 Jahren, die in Einpersonenhaushalten leben, entsprechen lediglich 6 % der Gesamtbevölkerung. Beziffert man die erwachsene Bevölkerung auf 47,0 Mio. Personen (Mikrozensus 1987, nach StaBa 1990: 373), dann beträgt der Anteil der erwachsenen Personen in Einpersonenhaushalten knapp 21 %, und Personen unter 45 Jahren in Einpersonenhaushalten machen 9,3 % der erwachsenen Bevölkerung aus." (1995, S.151f.)

Paare und Wohngemeinschaften werden teilweise den Einpersonenhaushalten zugerechnet

"Hinzuzufügen ist, daß auch unverheiratet zusammenlebende Paare und ebenso (die allerdings insgesamt nicht sehr stark ins Gewicht fallenden) Wohngemeinschaften statistisch unter Einpersonenhaushalten subsumiert sein können. Zwar gab es 1989 in der Bundesrepublik 842 000 gezählte nichteheliche Lebensgemeinschaften (StaBa 1991: 71), die 3 % aller Haushalte bildeten. Weitere nichteheliche Lebensgemeinschaften können sich jedoch statistisch hinter den Einpersonenhaushalten verbergen (Droht/Dangschat 1985: 151)." (1995, S.152) 

Singles als bewußte, dauerhaft Alleinlebende

"Soll (...) die »Freiwilligkeit« der Wahl des Alleinlebens im Sinne eines bewußten Lebensentwurfs oder das Kriterium »ohne feste Partnerschaft« (vgl. Meyer/Schulze 1989: 30) zur Definition des Singles herangezogen und zusätzlich die Personen herausgerechnet werden, die nur übergangsweise nach Scheidung, Trennung vom Partner oder während der Studien-/Ausbildungszeit alleine leben (vgl. Burkart 1991, 127f), dann verbleiben für die originären, d.h. bewußt und freiwillig und längerfristig alleinlebenden Singles nur recht geringe meßbare Anteile an der Gesamtbevölkerung übrig. Also sind populäre und vordergründig plausible Angaben über 50%-ige »Single«-Anteile in Großstädten erheblich zu relativieren." (1995, S.152)

Lebensentwürfe freiwillig Alleinlebender

"Freiwilliges Alleinleben (...) gewährleistet ein hohes Maß an Freiheit von Ansprüchen dritter, d.h. der Partner, Familie und Kinder, insofern ein relativ hohes Maß von sozialen Verpflichtungen entbundener, individuell disponibler Zeit. Diese Freisetzung bringt erhebliche Dispositionsspielräume in der Lebensführung mit sich und ist Voraussetzung dafür, daß innerhalb der Lebensform der Alleinlebenden auch unterschiedliche »Lebenskonzepte« entworfen und gelebt werden können. So finden sich unter den Alleinlebenden einerseits Personen mit ausgesprochenen Berufs- und Karriereorientierungen, welche auch das Privatleben und die Freizeit dominieren (Meyer/Schulze 1989: 95), andere Teilgruppen dagegen haben eine verstärkte Freizeitorientierung (ebd.: 97f). Beide Gruppen spielen dabei auf je andere Weise die große zeitliche Verfügbarkeit des Alleinlebens aus." (1995, S.153)

Die Bedeutung zentraler, innenstadtnaher Wohnstandorte für jüngere Alleinlebende

"Ein vorwiegend zentraler innenstadtnaher Wohnstandort gewinnt für die Alleinlebenden aus mehreren Gründen eine besondere Bedeutung (Spiegel 1986: 253ff). Dieser ist Voraussetzung sowohl für einen berufs- als auch einen freizeitorientierten Lebensstil. Für berufstätige Alleinlebende ist die Verkehrsanbindung und relative räumliche Nähe zwischen Wohnung und Arbeitsplatz eine zentrale Bedingung für die Umsetzung ihres gewünschten Lebensstils. Die Infrastruktur an ihrem Wohnstandort ist für diese Gruppe aber auch für die Verrichtung der Hausarbeit eine zentrale Ressource, sofern sie versuchen, die Knappheit an frei verfügbarer Zeit aufgrund ihrer Doppelbelastung von Beruf und Haushaltsführung durch Strategien der »Monetarisierung« von Haushaltstätigkeiten mittels spezieller Dienstleistungen aufzufangen (...).
Räumliche Nähe zu öffentlichen und privaten Treffpunkten wird ebenso aus sozialen Gründen eine entscheidende Ressource des Lebensstils der Alleinlebenden. Für sie sind soziale Beziehungsnetze außerhalb des familiären Rahmens von größerer Bedeutung als für familiale Lebensformen. Solche Netzwerke haben für Alleinlebende die zentrale Funktion, ein Umschlagen von struktureller Vereinzelung der Lebensform in soziale Isolierung verhindern (...). Dem »Rückzug« von anderen in der eigenen Wohnung entspricht bei ihnen also der Zwang zu vermehrten Außenkontakten.
Festzuhalten ist, daß die jüngeren Alleinlebenden aus ökonomischen, sozialen, kulturellen Gründen besonders abhängig von einer spezifischen Infrastruktur der Wohnumgebung sind und daher innenstadtnahe Wohnstandorte vorziehen. Dieser Personenkreis stellt aus diesen verschiedenen Gründen auch das eigentliche Potential für öffentlichkeits-, konsum-, freitzeitorientierte Lebensstile dar." (1995, S.153f.)

Gentrifizierung und neue Haushaltstypen

Unter "den innenstadtorientierten neuen Haushaltstypen (werden) zwei hauptsächliche Gruppen unterschieden: »Pioniere« und »Gentrifier« (Dangschat 1988, 1991, Dangschat/Friedrichs 1988), bzw. die qualifiziert berufstätigen »Yuppies« und die »Alternativen« (Häußermann/Siebel 1987: 14). In den Prozessen der Gentrification fokussieren sich (...) die (...) Phänomene der neuen Haushaltsformen, neuen sozialen Ungleichheiten und der Lebensstile" (1995, S.154)

Ältere Alleinlebende über 45 Jahre und Singlefrauen

"Die subjektive Lebenszufriedenheit unter den alleinstehenden Frauen ist bei den geschiedenen und getrennt lebenden Frauen besonders niedrig, wohingegen die relativ kleine Gruppe der ledigen älteren Alleinlebenden die höchste Lebenszufriedenheit äußert: »Hier läßt sich vermuten, dass es sich am ehesten um den Typus der etablierten alleinstehenden Frau ('Single') handelt, die ihre Lebenssituation entsprechend ihren Zielvorstellungen gestalten konnte« (BMFJ 1991: 157). (...).
Nur eine relativ kleine, zumeist ledige und (qualifiziert; Anm. Klammer im Original) berufstätige Untergruppe kann hier als Potential für bewußtes Alleinleben und erhöhte Dispositionsspielräume der Lebensführung gelten. Insofern erscheint es notwendig, die älteren Alleinlebenden zumindest nach berufstätigen und nichtberufstätigen Frauen und Männern zu differenzieren." (1995, S. 155)

kinderlose Paare und Gentrifizierung

"Zwischen den Varianten kinderloser Paare können (...) Unterschiede in der Ressourcenausstattung aufgrund eines Doppelverdienerstatus als von zentraler Bedeutung betrachtet werden. Insbesondere sind hier die Haushalte von Relevanz, in denen beide Partner qualifiziert berufstätig sind und über eine hohes Einkommen verfügen. Diese »Doppelkarrierehaushalte« (Alisch 1993: 139f, 191ff) bringen dann auch die entsprechenden Ressourcen mit, ihre spezifischen Wohnstandortpräferenzen (in der inneren Stadt) durchzusetzen und treiben damit - neben den Alleinwohnenden - wesentlich die innerstädtische Gentrifizierung voran. Die kinderlosen Doppelkarriere-Paare (verheiratet oder nicht) sind damit aufgrund ihrer finanziellen Ressourcen neben den alleinlebenden (»Ultra«)-Gentrifiern als hauptsächliche Trägergruppen von urban orientierten Lebensstilen vorherbestimmt. Die andere Teilgruppe der unverheirateten Paare sind dagegen diejenigen, die im engeren Sinne eine voreheliche Gemeinschaft bilden und Wohnstandorte in der Peripherie bevorzugen. (...). Häußermann (1988: 86) sieht denn auch in der »zunehmenden Kinderlosigkeit den entscheidenden Kern des kulturellen Wandels, der unsere Innenstädte in den letzten Jahren so verändert hat«. Was zunächst sicherlich zutreffend war, wird aber als Trend empirisch zunehmend gebrochen. So ist zu beobachten, daß »Gentrifier«, wenn sie nach einer verlängerten Phase der Postadoleszenz dennoch in den Familienstatus übertreten (sollten; Anm: Klammer im Original), allein der Kinder wegen nicht notwendigerweise ihre eingeübten innerstädtisch orientierten Lebensstile aufgeben. Hier spielt sicherlich die Möglichkeit, sich durch die »Monetarisierung« von Haushaltsaktivitäten freizukaufen, eine entscheidende Rolle. Die Folge ist, daß zumindest ein Teil der ehemaligen Gentrifier nicht ins Suburbane abwandert, vielmehr als »Family-Gentrifier« verharrt (Alisch 1993: 126f, 231ff)." (1995, S.157)

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 14. September 2013
Update: 17. September 2013