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Ewa Sojka: Haushaltsnahe Dienstleistungen

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • Studium der Soziologie, Psychologie und der Pädagogik
      Mitarbeiterin am Internationalen Institut für empirische Sozialökonomie (INIFES)
      2012 Beitrag "Haushaltsnahe Dienstleistungen"
 
       
   

Ewa Sojka in ihrer eigenen Schreibe

 
   

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Ewa Sojka im Gespräch

 
   
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Haushaltsnahe Dienstleistungen (2012)
In: Forschungsverbund SOFI, ISF, INFES u.a. (Hrsg) Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland. Teilhabe im Umbruch. Zweiter Bericht, S.633 - 658

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Überblick
2. Konzepte und Daten

2.1 Was sind haushaltsnahe Dienstleistungen?
2.2 Formalisierung und Regulierung

3. Potenzieller Bedarf an haushaltsnahen Dienstleistungen
4. Empirische Befunde

4.1 Was tun die Haushalte selber? Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflegearbeit in privaten Haushalten
4.2 Kinderbetreuung und -erziehung
4.3 Altenpflege und -betreuung
4.4 Putz- und Haushaltshilfen und wer sie beschäftigt

5. Modellierungsszenario: Ausbau der frühkindlichen Kindererziehung

5.1 Annahmen, Vorgehensweise, Ziele
5.2 Berechnungsfaktoren
5.3 Volkswirtschaftliche Effekte in der Modellierungsrechnung

6. Schlussfolgerungen

Zitate:

Die Rolle älterer Menschen bei der Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen

"Vor dem Hintergrund der steigenden Zahl Alleinlebender und der gleichzeitig abnehmenden Zahl jüngerer Pflegepersonen ergibt sich ein wachsender Unterstützungsbedarf in dieser Lebensphase. Zudem ist aufgrund des demografischen Wandels von einer steigenden Zahl älterer Personen auszugehen, was die Nachfrage ebenfalls verstärkt. In den vergangenen Jahren wurden viele Modellrechnungen entwickelt, die die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Zahl der Pflegebedürftigen und der Pflegepersonen untersuchen (...)."
(2012, S.637)

Zwei Sichtweisen auf die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit und ihr Einfluss auf die Entwicklung des Pflegebedarfs

"Ob und in welchem Maß der zukünftig höhere Anteil älterer Menschen auch tatsächlich pflegebedürftig wird, hängt von den Annahmen zur Entwicklung der alterspezifischen Morbidität ab (...). In der Forschung gibt es zwei unterschiedliche Positionen dazu: Vertreter der Medikalisierungsthese (...) gehen davon aus, dass die gestiegene Lebenserwartung in den zusätzlichen Lebensjahren auch mehr Krankheiten mit sich bringt, so dass mehr gepflegt werden muss. Im Kontrast dazu geht die Kompressionsthese davon aus, dass die Menschen aufgrund des medizinischen Fortschritts länger gesund leben und schwere Krankheiten erst in den letzten Lebensjahren auftreten (...).
Je nachdem, welche Entwicklung für die Berechnungen angenommen wird, variieren die Ergebnisse:
Unter Zugrundelegung der Medikalisierungsthese erwarten die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder einen Zuwachs der Pflegebedürftigen um 37 % zwischen 2005 (2,13 Millionen) und 2020 (2,91 Millionen) und um 58 % zwischen 2005 und 2030 (3,36 Millionen). Des Weiteren soll der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung bis 2020 auf 3,6 und bis zum Jahr 2030 auf 4,4 % ansteigen (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008: 24). Unter den Annahmen der Kompressionsthese ergibt sich den Statistischen Ämtern zufolge ein Dämpfungseffekt: Demnach werden für das Jahr 2020 etwa 2,68 Millionen Pflegebedürftige und für 2030 ca. 2,95 Millionen erwartet. Der Anstieg beträgt somit 26 % bis 2020 und 39 % bis 2030 (ebd.: 26) Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt einen Anstieg der Pflegebedürftigen auf 2,9 Millionen bis 2020, ausgehend von 1,9 Millionen im Jahr 1999 (Schulz/Leidl/König 2001). Die Kommission zur »Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme« nimmt ausgehend von 1,9 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2002 einen Anstieg auf 3,1 Millionen für 2030 an (Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung [BMGS] 2002:139)." (2012, S.637f.)

Zusammensetzung der Haushalte mit mindestens einer hilfs- bzw. pflegebedürftigen Person

"Im Jahr 2007 betreuten 3,9 % der deutschen Haushalte pflege bzw. hilfsbedürftige Personen, in Westdeutschland waren es 3,7 % und in Ostdeutschland 4,8 %.
Dabei gibt es große Unterschiede bezüglich der Zusammensetzung dieser Haushalte. 2007 waren etwa 70 % aller Haushalte mit mindestens einer pflegebedürftigen Person entweder Einpersonenhaushalte (31 %) oder Paarhaushalte ohne Kinder (39,2 %)". (2012, S.646)  

Tabelle: Struktur der Haushalte mit Pflegebedürftigen in Prozentanteilen
  2003 2005 2007
  Anteil im jeweiligen HH-Typ Anteil an allen HH mit Pflege-bedürftigen Anteil im jeweiligen HH-Typ Anteil an allen HH mit Pflege-bedürftigen Anteil im jeweiligen HH-Typ Anteil an allen HH mit Pflege-bedürftigen
Alleinlebende unter 65 J. 0,4 2,4 0,5 2,9 0,6 3,6
Alleinlebende über 65 J. 8,8 30,1 7,9 29,7 7,2 27,4
Paare ohne Kinder unter 65 J. 2,0 10,1 1,8 10,0 2,1 10,8
Paare ohne Kinder über 65 J. 11,1 22,9 11,4 27,6 12,2 28,4
Sonstige* - 34,5 - 29,6 - 29,9
Insgesamt 4,1 100 3,8 100 3,9 100
Quelle: Ewa Sojka 2012, S.674

Erläuterungen des Verfassers:  HH: Haushalt; * Die sonstigen Haushalte wurden von Sojka in 6 Kategorien untergliedert: Alleinerziehenden mit Kind(ern) unter/über 18 Jahren, Paare mit Kind(ern) unter/über 18 Jahren, Mehrgenerationenhaushalte und sonstige Mehrpersonenhaushalte.
Paare ohne Kinder beinhalten sowohl Kinderlose als auch Eltern, deren Kinder nicht im Haushalt leben bzw. bereits verstorben sind
Alleinlebende beinhalten sowohl Partnerlose als auch Alleinwohnende mit einem Partner außerhalb des Haushalts

Pflegearbeit durch Angehörige

"In den letzten 25 Jahren hat sich die Zusammensetzung der Pflegepersonen kontinuierlich verändert (...). Pflegearbeit durch Angehörige im Haushalt nahm, ausgehend von einem hohen Verbreitungsniveau im Jahr 1985, bis 1998 zunächst kontinuierlich bis auf ein Niveau von 50 % ab und steigt seitdem wieder an, bis auf 65 % im Jahr 2007.
Die Hilfe durch Angehörige außerhalb des Haushalts hat seit 1985 leicht zugenommen und schwankt in den letzten fünf Jahren zwischen 25 % und 30 %.
Ebenfalls angestiegen ist die Nutzung privater Pflegedienste. Die Verbreitung von Gemeindeschwestern/-helfern hat bis 2003 abgenommen und ist seitdem wieder leicht gestiegen. Insgesamt erhält im Jahr 2007 ein Drittel der Haushalte mit pflege- oder hilfsbedürftigen Personen Pflegedienstleistungen von Pflegediensten oder Gemeindeschwestern, 1984 war es dagegen weniger als ein Zehntel."
(2012, S.647f.)

Zusammensetzung der Haushalte, die Putz- und Haushaltshilfen beschäftigen

"Am häufigsten beschäftigen alleinlebende - in der Regel ältere - Nichterwerbspersonen Haushaltshilfen; etwa ein Viertel von ihnen greift darauf zurück, wobei dieser Anteil über die Jahre relativ gleich geblieben ist.
Auch Paarhaushalte ohne Kinder, die in der Regel ebenfalls älter sind, beschäftigen häufig eine Haushaltshilfe. Paarhaushalte mit Kindern (ob unter 18 Jahren oder älter) greifen häufiger auf eine Haushaltshilfe zurück, wenn beide Partner Vollzeit (mehr als 35 Stunden wöchentlich) erwerbstätig sind. Erwerbstätige Alleinerziehendenhaushalte mit minderjährigen Kindern lagen hingegen nur sehr selten Teile der Hausarbeit auf eine Putzhilfe aus, auch wenn sie auf diese Form der Unterstützung sicherlich noch mehr angewiesen wären als Paarhaushalte.
Die Beschäftigung von Putz- und Haushaltshilfen wird jedoch nicht durch den Bedarf, sondern vielmehr durch die finanzielle Situation der Haushalte bestimmt". (2012, S.651f.)

 
     
 
       
   

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Die Zivilgesellschaft und der Umbau des Sozialstaats in der "Single-Gesellschaft"

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Die haushaltsnahen Dienstleistungen in der Debatte

Für REUSCHENBACH ist der demographische Alarmismus eine Lizenz für Forderungen derjenigen, die im Bereich der medizinischen Versorgung tätig sind, während das Problem der Pflegenden nicht im gleichen Maße wahrgenommen werde. REUSCHENBACH plädiert deshalb für eine Pflegekammer eine Aufwertung der Pflegeberufe. Den Anstieg der Pflegenden sieht REUSCHENBACH weniger dramatisch:

"Das statistische Bundesamt rechnet mit 2,91 Millionen Pflegebedürftigen im Jahre 2020 und 3,36 Millionen im Jahr 2030. Dies bedeutet: pro Jahr 45 000 Pflegebedürftige mehr. Man könnte aber auch von einem anderen Szenario ausgehen - etwa, dass die älteren Menschen künftig gesünder bleiben als bislang. Dann kommen wir zwischen 2020 und 2030 nur noch auf 27 000 Pflegebedürftige mehr pro Jahr.
Was macht Sie so optimistisch?
Reuschenbach: Dafür spricht die Auswertung der Statistiken. Die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, ist in den Jahren 2000 bis 2008 signifikant rückläufig gewesen. Bei den Männern ist sie um acht Prozent gesunken, bei den Frauen gar um 25 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, heute als 75-Jähriger pflegebedürftig zu werden, ist heute viel geringer als noch vor Jahren."  

HENRICH, Anke/KIANI-KRESS, Rüdiger/KROKER, Michael/KUTTER, Susanne/SEIWERT, Martin/SCHUMACHER, Harald (2012): Die Methusalem-Dividende.
Demografie: Die Deutschen altern schneller als manch andere Gesellschaften. Unter dem Deckmantel des Komforts für jedermann entwickeln Unternehmen Produkte und Dienstleistungen für Senioren, die Exportschlager werden könnten. Aber viele Branchen verschlafen ihre Chance,
in:
Wirtschaftswoche Nr.24 v. 11.06.

"Weil Deutschland besonders schnell altert, sind die Unternehmen hier Teil eines Zukunftslabors, in dem sie schon heute Angebote von morgen an der eigenen Bevölkerung testen können. Was sich im größten Markt Europas bewährt, wird früher oder später überall gefragt sein",

meinen die Autoren. Von Ausgaben für Gesundheit, Reisen und Altersvorsorge erhofft man sich zukünftig Wirtschaftswachstum. Als Beispiele für Produkte und Dienstleistungen werden genannt: Assistenzsysteme fürs Auto, Netzwerke für Ältere wie seniorentreff.de, Qualifizierungsberatung für Ältere, seniorenadäquate Wohnformen, Wohnanlagen für Demenzkranke (bei denen eine Steigerung "bis 2030 auf drei Millionen" erwartet wird), Haushaltshilfen ("Caregivers") und Pflegedienstleistungen, innovative Notrufdienste und neue Finanzdienstleistungen.

Druck auf eine Reform des Krankenversicherungssystems geht von der Pharmabranche aus, die stärker von altengerechten Medikamenten profitieren möchte:

"Pharmaunternehmen (...) müssen sich wegen der Sparzwänge der Krankenkassen auf harte juristische Auseinandersetzungen einstellen, wenn sie von den typischen Malaisen des Alterns profitieren wollen."

Einsparpotenziale im Kranken- und Pflegeversicherungswesen sehen dagegen Wissenschaftler wie Andreas KRUSE:

"Seit Jahren weisen Altersforscher nach, dass geistiges Training schon in jüngeren Jahren nicht nur Gesundheit und Arbeitsfähigkeit fördert. Auch Demenzerkrankungen lassen sich so auf viele Jahre hinauszögern."

 
   

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© 2002-2016
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. Mai 2012
Update: 31. Dezember 2015