[ Verzeichnis der Single-Forscher/innen ] [ News ] [ Suche ] [ Homepage ]

 
       
   

Gunnar Otte: Partnersuche in Clubs und Diskotheken

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 2011 Mitherausgeber von "Lebensstilforschung"
    • Professor für Methoden der empirischen Sozialforschung am Institut für Soziologie der Philipps-Universität Marburg
 
       
     
       
   

Gunnar Otte in seiner eigenen Schreibe

 
   

OTTE, Gunnar (2006): Jugendkulturen in Clubs und Diskotheken –Empirische Publikumsanalysen aus Leipzig. In: Susanne Keuchel und Andreas Johannes Wiesand/Zentrum für Kulturforschung (Hrsg.) Das 1. Jugend-KulturBarometer. "Zwischen Eminem und Picasso...", Bonn: ARCult Media, S.222-229

OTTE, Gunnar (2007): Körperkapital und Partnersuche in Clubs und Diskotheken.
Eine ungleichheitstheoretische Perspektive,
in: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, Heft 2, S.169-186

OTTE, Gunnar (2007): Jugendkulturen zwischen Klassenästhetik und freier Geschmackswahl – das Beispiel der Leipziger Clubszene. In: Udo Göttlich, Renate Müller, Stefanie Rhein und Marc Calmbach (Hrsg.): Arbeit, Politik und Religion in Jugendkulturen. Engagement und Vergnügen. Weinheim: Juventa, S.161-177

OTTE, Gunnar & Nina BAUR (2008): Urbanism as a Way of Life?
Räumliche Variationen der Lebensführung in Deutschland,
in: Zeitschrift für Soziologie , Heft 2, S.93-116

OTTE, Gunnar (2008): Lebensstil und Musikgeschmack. In: Gerhard Gensch, Eva Maria Stöckler und Peter Tschmuck (Hg.): Musikrezeption, Musikdistribution und Musikproduktion. Der Wandel des Wertschöpfungsnetzwerks in der Musikwirtschaft, Wiesbaden: Gabler, S.25-56

OTTE, Gunnar (2010): "Klassenkultur" und "Individualisierung" als soziologische Mythen? Ein Zeitvergleich des Musikgeschmacks Jugendlicher in Deutschland, 1955-2004. In: Peter A. Berger und Ronald Hitzler (Hrsg.): Individualisierungen. Ein Vierteljahrhundert "jenseits von Stand und Klasse"? Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S.73-95

Neu:
RÖSSEL, Jörg & Gunnar OTTE (Hrsg.) (2011): Lebensstilforschung.
Sonderheft 51 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften

 
       
   

Gunnar Otte im Gespräch

 
   
fehlt noch
 
       
   

Körperkapital und Partnersuche in Clubs und Diskotheken (2008).
Eine ungleichheitstheoretische Perspektive
in: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, Heft 2

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Körper als Kapital bei der Partnersuche

3. Hypothesenbildung

4. Methodische Untersuchungsanlage

5. Empirische Analysen

6. Schluss

Zitate:

Diskotheken als Kennenlernorte

"Ob Diskotheken »produktive« Kontexte für das Kennenlernen von Intimpartnern sind, wurde kaum untersucht. Immerhin weisen einige Studien auf die Bedeutung öffentlicher Orte für die Partnerfindung hin. So haben sich nach Franzen/Hartmann (2001, S. 192) 35% der Paare (18 bis 60 Jahre, Schweiz) »beim Ausgehen« kennen gelernt, nach eigenen Daten 25% der Paare (ab 18 Jahren, Stadt Mannheim) »in der Öffentlichkeit«. Auf der Basis einer Mannheimer Bevölkerungsumfrage wie auch der hier präsentierten Studie lässt sich schätzen, dass unter regelmäßigen Besuchern von Diskotheken rund jeder zweite ein Single ist – ein signifikant höherer Wert als in der Gesamtbevölkerung gleichen Alters. Viele Besucher können also als grundsätzlich offen für eine Intimbeziehung erachtet werden." (2007, S.172)

Grenzziehungen durch szenetypisches Körper- und Musikkapital

"Körper- und Musikkapital bilden eine szenespezifische Grundlage für symbolische Grenzziehungen und soziale Hierarchiebildungen. So demonstriert Thornton (1996), wie Clubgänger Publika nach Maßgabe »subkulturellen Kapitals« als »Underground« oder »Mainstream« klassifizieren. Insbesondere von älteren, männlichen Jugendlichen, die über viel derartiges Kapital verfügten, werde der »Mainstream« mit Referenzen auf das Alter (»teenybop«) und Geschlecht (»handbag house«) diskursiv abgewertet. Die Reichweite der Kapitalisierung ist begrenzt: Was in einer Szene wertgeschätzt wird, kann in einer anderen wertlos sein." (2007, S.173f.)

Datengrundlage

"Die Datengrundlage bildet eine multimethodische Untersuchung des Club- und Diskothekenmarktes in Leipzig. Nach einer explorativen Phase wurden aus der Gesamtheit von rund vierzig Einrichtungen elf ausgewählt, in denen standardisierte Besucherumfragen stattfanden. Einbezogen wurden nahezu alle bedeutsamen Genres jugendkultureller Musikszenen und unterschiedliche Organisationsmodelle. Für die Umfragen im Frühjahr 2004 wurde ein möglichst typischer Abend festgelegt, an dem mit einem hohen Stammpublikumsanteil zu rechnen war (regelmäßige Party-Reihen, Resident-DJs). Am jeweiligen Abend wurde in systematischer Zufallsauswahl vom Beginn der Öffnungszeit (meist 22 Uhr) bis zum Abebben des Besucherzustroms (2 oder 3 Uhr) jeder n-te Neuankömmling um die Ausfüllung eines vierseitigen Fragebogens im Eingangsbereich gebeten. (...). Pro Lokalität wurden zwischen 45 und 105 Besucher befragt, die annähernd repräsentativ für das Publikum des Abends sind. Die Analysen basieren auf der Gesamtstichprobe von 864 Befragten. Da wir alle Teilnehmer gefragt haben, wie häufig sie alle elf untersuchten und sechs weitere Einrichtungen besuchen, lassen sich Konturen der Stammpublika dieser Lokalitäten bestimmen. Zwar ist die Stichprobe nicht repräsentativ für das Besuchsverhalten am Leipziger Club- und Diskothekenmarkt; dazu hätte es einer Bevölkerungsstichprobe bedurft. In Anbetracht der Triangulation mit den übrigen Datenquellen (Beobachtungen, Betreiberinterviews, Gruppendiskussionen mit Besuchercliquen, Analysen von Szenemedien und Internetauftritten) können wir jedoch recht sicher sein, typische Publikumsprofile erfasst zu haben." (2007, S.174f.)

Club- und Diskothekenszene in Leipzig

"Durch überdurchschnittliches Musik- und unterdurchschnittliches Körperkapital sind die Publika von fünf Clubs gekennzeichnet, die alltagsweltlich der lokalen »Subkultur« zugerechnet werden und genreübergreifend alternierende Musikschwerpunkte vertreten: das in einer besetzten Fabrik untergebrachte Alternativprojekt, das linke Jugendkulturzentrum Conne Island, der Indie-Club Ilses Erika, die periodische Musikreihen anbietende Tangofabrik und die auf elektronische Genres, Drum’n’Bass und Reggae/Dancehall fokussierte Distillery. Die drei erstgenannten Einrichtungen bilden zusammen mit dem Kulturzentrum Moritzbastei und dem Metal-Club Hellraiser das Segment primär gitarrenorientierter Musikangebote. Den anderen Extremfall markiert die Großraumdiskothek Sax, die auf drei Tanzflächen elektronische Musik (Techno, House, Trance), Hip Hop sowie Chart-Hits und Klassiker präsentiert und ein Publikum mit niedrigem Musik- und hohem Körperkapital anzieht. Ebenfalls viel Wert auf eine modische Körperinszenierung legen die Besucher der House-Clubs Soundgarden und Velvet, der Edel-Disco Markt1, der stilvoll eingerichteten Clubs Nachtcafé (House/Hip Hop) und Bounce87 (Hip Hop), des Techno-Clubs 10/40 und des wenig klar profilierten King King. Problematisch ist die körperbezogene Verortung des Gothic-Clubs Dark Flower, da in der schwarzen Szene ein »gruftiger« Stil mit »eigener Währung« gepflegt wird (Schmidt/Neumann-Braun 2004). Für jedes Stammpublikum ist der Anteil derjenigen angegeben, die Flirten für »sehr« oder »ziemlich wichtig« halten. Unmittelbar wird deutlich, dass in Publika mit hohem Körperkapital die Flirtbereitschaft ausgeprägter ist. Im Sax, Nachtcafé, Velvet, Bounce87 und 10/40 ist mehr als jeder zweite Besucher kontaktinteressiert, während es im Alternativprojekt, in Ilses Erika, der Tangofabrik und dem Conne Island nur 34% bis 38% sind. Dass hohes Musikkapital eine Flirtmotivation nicht grundsätzlich untergräbt, zeigen die elektronischen Clubs Velvet, Soundgarden und 10/40." (2007, S.177f.)

Klassenlage, Marktsegmentierung und Inszenierung

"Die Neigung zur Inszenierung sexueller Attraktivität und statusorientierter Trendteilhabe variiert klassenspezifisch und verweist auf den Anregungsgehalt der Sozialisationsinstanzen Familie, Schule und Studium: Sie ist ausgeprägter unter Jugendlichen bildungsferner Herkunft und statusniedriger Bildungs- und Berufsgruppen. (...). Jugendliche höherer Klassen – maßgeblich die, die zur Pflege ihres Musikkapitals »Subkulturclubs« aufsuchen – tendieren zu einer inszenierten Nachlässigkeit, wie sie schon im Natürlichkeitskult der Hippies anzutreffen war. Die symbolische Devianz der Indie-Szene, in der »inszenierten Natur« der Haartracht (...) ausgedrückt, in einer Linksorientierung verankert und von konsumskeptischer Individualisierungsrhetorik begleitet, entpuppt sich als Distinktionspraxis großteils bildungsprivilegierter Jugendlicher. Der von Bourdieu (1982) identifizierte, klassenspezifische Körper-Geist-Gegensatz zeichnet sich in der Stilisierung deutlich ab.
Angehörige niedriger Klassen artikulieren in Tanzlokalitäten eine höhere Flirtbereitschaft und sind (...) offener dafür, diesen Kontext zur Partnersuche zu nutzen (...). Die Vermutung, dass Höhergebildete stärker zum Flirten neigen, wenn sie ein statusähnliches Publikum vorfinden, bestätigt sich nicht. Immerhin nähert sich unter diesen Bedingungen die Flirtneigung der beiden Gruppen an.
In Verbindung mit der differenziellen, jedoch nur schwach klassenbasierten Kultivierung von Musikkapital tragen die Inszenierungspraktiken zu einer systematischen Marktsegmentierung bei, da sie die Grundlage für symbolische Grenzziehungen der Clubgänger schaffen. Die beschriebene Körperkultivierung der unteren Klassen findet man eher in Einrichtungen mit den modischen Genres House, Techno und Hip Hop. Dagegen werden Clubs mit gitarrenorientierter Musik, aber auch genreübergreifende, subkulturelle Nischenangebote eher von Angehörigen höherer Klassen besucht." (2007, S.183)

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Der Morgen danach - Das Liebesmodell im Übergang: Von der romantischen Liebe zum Erfahrungshunger der Partnerwahl

 
   

Gunnar Otte im WWW

www.uni-marburg.de

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
     
   
 
   
© 2002-2012
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 29. Juli 2012
Update: 29. Juli 2012