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Knut Petzold: Multilokalität als Handlungssituation

 
       
     
       
     
       
   

Knut Petzold in seiner eigenen Schreibe

 
   

WEISKE, Christine/PETZOLD, Knut/ZIEROLD, Diana (2008): Multilokale Haushalte - mobile Gemeinschaften.
Entwurf einer Typologie multilokaler Lebensführung.
In: Sozialer Sinn. Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung, Heft 2, S.281-300

WEISKE, Christine/PETZOLD, Knut/ZIEROLD, Diana (2009): Multilokale Haushaltstypen.
In: Informationen zur Raumentwicklung (IZR), Heft 1-2, S.67-75

Neu:
PETZOLD, Knut (2013): Von einem, der auszog Wurzeln zu schlagen.
Multilokalisierte Akteure und die Mechanismen lokaler Identifikation am Beispiel von Fernpendlern.
In: Soziale Welt Heft 3, S.291-316

 
       
   

Knut Petzold im Gespräch

 
   
fehlt noch
 
       
   

Von einem, der auszog Wurzeln zu schlagen (2013).
Multilokalisierte Akteure und die Mechanismen lokaler Identifikation am Beispiel von Fernpendlern
In: Soziale Welt, Heft 3, S.291-316

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Problem: Mobilität und lokale Zugehörigkeiten

1.1 Mobilität als Multilokalität
1.2 Das Konzept der lokalen Identifikation
1.3 Lokale Identifikation bei Multilokalität

1. Individualisierung: Verlust ortsbezogener Bindungen (Individualisten)
2. Lokale Identifikationen hierarchisch (Lokalisten)
3. Lokale Identifikationen heterarchisch (Translokale)
4. Kosmopolitisierung hierarchisch (Kosmopoliten) und heterarchisch (Glokalisten)

2. Mechanismen lokaler Identifikation
3. Methodisches Vorgehen
4. Ergebnisse

4.1 Deskriptive Analysen zum Ausmaß der lokalen Identifikationen
4.2 Multivariate Analysen zu den Mechanismen der lokalen Identifikationen

5. Diskussion

Zitate:

Kontroverse zum Zusammenhang von räumlicher Mobilität und Zugehörigkeiten

"In einer eher pessimistischen Perspektive wird Mobilität als Hemmfaktor lokaler subjektiver Bindungen verstanden (...). Die Globalisierung des Kapitals führe zu einem erhöhten Mobilitätspotenzial, die den familial gebundenen Arbeitnehmer sozial entbette, sodass die Vorstellung eines Lebens an einem abgeschlossenen Ort erfahrbar fiktiv werde (Beck 1998: 132). Zentral in dieser Argumentation sind die Loslösung aus traditionellen Sicherheiten und die emotionale Freisetzung der mobilen Individuen. Häufige Umzüge und moderne Mobilität führten zu einem ziel- und bindungslosen Dahintreiben (Sennett 1998; Kap. 1).
Dagegen werden in einer optimistischeren Perspektive lokale Bindungen massiv durch Mobilität begünstigt. Nicht obwohl, sondern weil längere und kürzere Abwesenheiten vom Herkunftsort vorlägen, komme es zu kontrastierenden Erfahrungen und neue soziale Interaktionen trügen zur Bewusstwerdung der Bedeutung bereits vorhandener Beziehungen am Herkunftsort bei (...). Mobilität könne demnach auch als Versuch interpretiert werden, gegenüber den Wohnorten Kontinuität zu etablieren, sodass sie zur Bedingung der Aufrechterhaltung lokaler Bindungen wird". (2013, S.291f.)

Gegenstand und Zielsetzung der Studie

"Der Beitrag geht (...) der Frage nach, unter welchen Bedingungen Akteure, die einer mobilen Lebensweise folgen, subjektive Zugehörigkeiten zu Wohnorten entwickeln. Diese Frage wird speziell am Beispiel von Fernpendlern bzw. so genannten Shuttles verfolgt. Das zentrale Ziel der Studie liegt dabei in einer theoretischen Explikation von Mechanismen, die zur Genese subjektiver Zugehörigkeiten bzw. lokaler Identifikation beitragen könnten, sowie einer ersten empirischen Prüfung." (2013, S.292)

Begriff der Multilokalität

"Multilokalität ist (...) kein fest definierter Begriff oder gar ein Forschungsparadigma, sondern umfasst je nach Perspektive sehr unterschiedliche Wohn- und Wanderungsphänomene. Zur Systematisierung schlagen Hesse und Scheiner (2008) entlang der Dimensionen der Pendeldauer bzw. -distanz, des Anlasses und der Periodizität eine Typologisierung nach (Wochen)pendlern (Shuttles), internationalen Transmigranten, Living apart together's (LAT) über große und kleine Distanzen (Fernbeziehungen), Zweitwohnsitzen als Altersruhesitze, Freizeitwohnsitzen, Häufig-Umziehern sowie pendelnden Kindern und Jugendlichen vor. Das verbindende Element dieser Multilokalitätsausprägungen ist der Umstand, dass sich das alltägliche Leben über verschiedene Wohnorte aufspannt. (2013, S.292)

Problem: Erfassung der Verbreitung von Multilokalität

"Die Angaben zum Ausmaß der Multilokalität in Deutschland schwanken (...) je nach Haushalts- bzw. Multilokalitätsdefinition sowie Datengrundlage zwischen 1,4 % aller Haushalte (...) und 4,8 % aller Erwerbstätigen (...) In einer Untersuchung zu 42 deutschen Großstädten werden 3,4 % Nebenwohnsitze ausgemacht, wobei sich bei kleinräumiger Betrachtung die relative Anzahl deutlich zwischen Stadtteilen unterscheidet (Sturm/Meyer 2009). In einer aktuellen vergleichenden Untersuchung zu den Stadtregionen Köln-Bonn, Ruhrgebiet und Halle-Leipzig wird ein durchschnittlicher Anteil der multilokalen Bevölkerung in Höhe von 14,8 % dokumentiert. An den leicht erreichbaren urbanen Standorten dieser Region liegen die Anteile sogar konsequent zwischen 20 % und 25 % (...), sodass Multilokalität als berufsbedingtes Phänomen im urbanen Kontext demnach durchaus als gesamtgesellschaftlich relevant anzusehen ist." (2013, S.292)

Begriff "Shuttle"

"Der Begriff des Shuttles geht auf Schneider et al. (2002) zurück und soll anders als der Begriff des Wochenendpendelns keine zeitliche Implikation enthalten. Nach Reuschke (2010: 23ff) sind Shuttles, in Abgrenzung etwa zu Fernbeziehungen (LAT), durch beruflichen Ein- oder Aufstieg motivierte Mobile, die an einem dezidierten Zweitstandort mit Zweitwohnsitz einer Erwerbsarbeit nachgehen und regelmäßig, meist wöchentlich, zum Primärort zurückkehren, der der gemeinsame Ort der Familie oder der Partnerschaft ist.
Es wird hier also insgesamt zwischen einem familiären Herkunfts- bzw. Primärort und einem Arbeits- bzw. Ausbildungsort unterschieden. Entsprechend werden Multilokalitätsformen mit mehr als zwei Wohnstandorten in dieser Untersuchung aus Gründen der Komplexität nicht berücksichtigt." (2013, S.293)

Definition "lokale Identifikation" als Einstellungsbegriff statt als Identitätsbegriff

"Insgesamt soll in dieser Untersuchung unter einer lokalen Identifikation (...) das Ausmaß der kognitiv-emotionalen Zugehörigkeit zu einem Ort bzw. seinem spezifischen sozialen und physisch-materiellen Setting verstanden werden". (2013, S.294)

Erkenntnisinteresse: Verhaltenswirksamkeit lokaler Identifikationen

"Lokale Identifikation wird (...) insbesondere deshalb Aufmerksamkeit gewidmet, weil ihr eine lokale Verhaltenswirksamkeit und damit eine Bedeutung für die soziale und ökonomische Struktur ganzer Ortschaften unterstellt werden." (2013, S.294)

Auswahlkriterien der Online-Erhebung von Nutzern einer Internetplattform zur Organisation von Mitfahrgelegenheiten (Querschnittsdesign)

"Die Kriterien für die Auswahl als Shuttle waren, dass die Wohndauer am Arbeits- bzw. Ausbildungsort kürzer ist als am Nichtarbeitsort (Primärort) und dass sich die Person aus beruflichen Gründen oder zur Ausbildung mulitlokalisiert." (2013, S.298)

Ergebnisse der Studie

"Die Mobilität von Shuttles stört deren lokale Identifikationen (...) offensichtlich nicht grundsätzlich. Das spricht generell eher für die optimistischere Perspektive, nach der Mobilität auch als Voraussetzung zur Etablierung lokaler Bindungen dienen kann (...) und dass nicht allein Sozialisationsprozesse für die Identifikationen verantwortlich sind. Es ist umgekehrt auch davon auszugehen, dass eine Multilokalisierung gerade deshalb stattfindet, weil bereits eine starke Identifikation mit einem der Orte, meist dem Primärort, vorliegt." (2013, S.309)

"Die stärkste Vorhersagekraft entfaltet (...) die wahrgenommene Handlungsexklusivität eines Ortes (...), die auf die Einzigartigkeit der lokalen Settings zur Umsetzung individueller Zielvorstellungen abzielt". (2013, S.310)

 
     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt

 
       
   

Multilokalität als Handlungssituation (2013).
Lokale Identifikation, Kosmopolitismus und ortsbezogenes Handeln unter Mobilitätsbedingungen
Springer VS

 
   
     
 

Klappentext

"Zunehmende Mobilisierungsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt machen das Pendeln zwischen Wohnorten erforderlich. Dieses auch als Multilokalität bezeichnete Phänomen ermöglicht die Analyse des Verhältnisses von Mobilität und lokalen Bezügen. Knut Petzold verbindet die Konzepte der lokalen Identifikation und des Kosmopolitismus mit handlungs- und einstellungstheoretischen sowie sozialpsychologischen Elementen, wobei Konsum und Engagement als ortsbezogene Handlungen berücksichtigt werden. Anhand der Daten einer Online-Erhebung überprüft der Autor ein Modell zur Entstehung und Wirkung von lokaler Identifikation und Kosmopolitismus bei individueller Mobilität."

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemüberblick: Globalisierung, Mobilität, Kosmopolitismus und lokale Bezüge
1.2 Formulierung der Forschungsfrage und Aufbau der Studie

2 Zum Stand der Forschung

2.1 Multilokalität – mobilisiertes Wohnen

2.1.1 Entstehungsbedingungen von Multilokalität
2.1.2 Ausprägungen von Multilokalität

2.1.2.1 Erwerbsbedingte Multilokalitätsformen
2.1.2.2 Freizeitbedingte Multilokalitätsformen

2.1.3 Perspektiven auf Multilokalität
2.1.4 Das Problem mangelhafter Quantifizierbarkeit
2.1.5 Begriffe jenseits von Multilokalität: Plurilokalität, Polytopizität, Heterotopie, Ortspolygamie, Translokalität
2.1.6 Kritische Reflexion

2.2 Kosmopolitismus: Kleine Forschungsgeschichte und theoretische Strömungen

2.2.1 Klassische Studien zu Kosmopolitismus
2.2.2 Studien zur Messung von Kosmopolitismus
2.2.3 Empirischer, normativer und methodologischer Kosmopolitismus
2.2.4 Kritische Reflexion

2.3 Räumliche Identität, lokale Identifikation und verwandte Begriffe

2.3.1 Dimensionen des Konzepts

2.3.1.1 Personal vs. sozial
2.3.1.2 „Identifikation von“ und „Identifikation mit“
2.3.1.3 Sozial-kulturell vs. physisch-materiell

2.3.2 Lokale Identifikation als Prädiktor ortsbezogener Handlungen
2.3.3 Kritische Reflexion

2.4 Lokale Bezüge und Kosmopolitismus bei Mobilität und Multilokalität

2.4.1 Mobilität und lokale Bezüge

2.4.1.1 Mobilität und lokale Identifikation
2.4.1.2 Multilokalität und lokale Identifikation

2.4.2 Mobilität und Kosmopolitismus
2.4.3 Lokale Bezüge und Kosmopolitismus

2.5 Zwischenfazit und Präzisierung der Forschungsfragen

3 Konzeption eines Analyserahmens

3.1 Eine analytisch-soziologische Perspektive

3.1.1 Das Makro-Mikro-Makro-Modell einer soziologischen Erklärung
3.1.2 Die Mikrotheorie: Logik der Selektion
3.1.3 Die Notwendigkeit der Definition einer Situation

3.1.3.1 Die Einstellung auf eine Situation
3.1.3.2 Die Rahmung einer Situation

3.2 Zusammenfassung des formalen Konzepts

4 Multilokalität als Situation ortsbezogener Handlungen

4.1 Vorbemerkung: Begriffliche Präzisierungen

4.1.1 Multilokalität als LAT und Shutteln
4.1.2 Der Ort als Offerte
4.1.3 Lokale Identifikation und Kosmopolitismus als Einstellungen
4.1.4 Ortsbezogene Handlungen als Konsum und Engagement

4.2 Die Genese raumbezogener Einstellungen bei Multilokalität

4.2.1 Die Sozialisationsthese

4.2.1.1 Primär-, Sekundär- und Tertiärsozialisation
4.2.1.2 Lokale Identifikation durch Sozialisation
4.2.1.3 Kosmopolitismus durch Sozialisation

4.2.2 Die Kalkulationsthese

4.2.2.1 Die Social Identity Theory
4.2.2.2 Lokale Identifikation durch Kalkulation
4.2.2.3 Kosmopolitismus durch Kalkulation

4.2.3 Die Adaptionsthese

4.2.3.1 Theorien kognitiver Konsistenz
4.2.3.2 Lokale Identifikation durch kognitive Adaption
4.2.3.3 Kosmopolitismus durch kognitive Adaption

4.2.4 Strukturelle, motivationale und sozio-ökonomische Kontrollvariablen

4.3 Die Genese ortsbezogener Handlungen bei Multilokalität

4.3.1 Die Wirkung lokaler und überlokaler Einstellungen

4.3.1.1 Generelles Problem: Attitudes and Behavior
4.3.1.2 Direkteffekthypothese von Identifikation und Kosmopolitismus
4.3.1.3 Direkteffekte der lokalen Randbedingungen und deren Wahrnehmung
4.3.1.4 Interaktions- und Mediationseffekthypothesen bei Identifikation
4.3.1.5 Framinghypothese bei Kosmopolitismus

4.3.2 Strukturelle und sozio-ökonomische Merkmale als Kontrollvariablen

4.4 Zwischenfazit: Ortsbezogene Handlungen als Konsequenz der Einstellungen auf die Orte

5 Zur Untersuchung

5.1 Das Problem der unbekannten Grundgesamtheit
5.2 Erhebung und Datenbasis

5.2.1 Die Entwicklung des Erhebungsinstruments
5.2.2 Rekrutierung und Rücklauf
5.2.3 Aufbereitung des Datensatzes
5.2.4 Sozio-ökonomische Eigenschaften der Stichproben

5.3 Beurteilung der Datenqualität und Bemerkungen zur Hypothesenprüfung

6 Operationalisierung der Kernvariablen

6.1 Die Anwendung der konfirmatorischen Faktoranalyse
6.2 Kosmopolitismus als Einstellungssyndrom
6.3 Operationalisierung der lokalen Einzelidentifikationen
6.4 Die Messung der ortsbezogenen Handlungen

6.4.1 Lokaler Konsum
6.4.2 Lokales Engagement

7 Die Ergebnisse

7.1 Das Ausmaß raumbezogener Einstellungen und ortsbezogener Handlungen im Datensatz

7.1.1 Das Ausmaß der lokalen Identifikationen und des Kosmopolitismus
7.1.2 Das Ausmaß des lokalen Konsums und Engagements
7.1.3 Erstes Resümee

7.2 Bedingungszusammenhänge der lokalen Identifikationen und des Kosmopolitismus

7.2.1 Das Sozialisationsmodell

7.2.1.1 Das Lernen der lokalen Identifikationen
7.2.1.2 Kosmopolitismus lernen

7.2.2 Das Kalkulationsmodell

7.2.2.1 Die lokalen Identifikationen als Bewertungsergebnisse
7.2.2.2 Kosmopolitismus als Bewertungsergebnis?

7.2.3 Das Adaptionsmodell

7.2.3.1 Die lokalen Identifikationen und Kosmopolitismus
7.2.3.2 Konkurrenz oder Konsonanz?

7.2.4 Teilmodelle zur Entstehung lokaler und überlokaler Einstellungen

7.2.4.1 Die Kontrollvariablen
7.2.4.2 Teilmodelle zur Genese der lokalen Identifikationen

7.2.5 Teilmodell zur Genese des Kosmopolitismus
7.2.6 Resümee zur Einstellungsgenese

7.3 Bedingungszusammenhänge ortsbezogener Handlungen

7.3.1 Strukturelle Merkmale als Faktoren ortsbezogener Handlungen

7.3.1.1 Sozialisationsbezogene Merkmale
7.3.1.2 Kalkulationsbezogene Merkmale

7.3.2 Raumbezogene Einstellungen als Faktoren der ortsbezogenen Handlungen

7.3.2.1 Direkteffekte auf ortsbezogene Handlungen
7.3.2.2 Interaktionseffekte auf ortsbezogene Handlungen
7.3.2.3 Framingeffekte des Kosmopolitismus auf ortsbezogene Handlungen

7.3.3 Teilmodelle zur Wirkung lokaler und überlokaler Einstellungen
7.3.4 Resümee zur Handlungsgenese

7.4 Zusammenführung und Prüfung in einem Gesamtmodell
7.5 Rekapitulation der empirischen Kernergebnisse

8 Fazit, Diskussion und Ausblick

8.1 Implikationen für die Konzepte der lokalen Identifikation und des Kosmopolitismus
8.2 Geltungsbereich
8.3 Grenzen der Studie und Ausblick

 
     
 
       
   

Multilokale Haushalte - mobile Gemeinschaften (2008).
Entwurf einer Typologie multilokaler Lebensführung.
In: Sozialer Sinn, Heft 2, S.281-300

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1 Multilokalität - Option und Zumutung
2 Haushalte als soziale Gemeinschaften
3 Konzept und Sample der Untersuchung
4 Typen und Typologie multilokaler Haushalte

4.1 Typ "Verschickung"
4.2 Typ "Kolonialisierung"
4.3 Typ "Re-Zentrierung"
4.4 Typ "Doppelleben"
4.5 Typ "Bi-Polarisierung"
4.6 Typ "Expedition"
4.7 Unbearbeitetes Material
4.8 Typologie multilokaler Haushalte

5 Zusammenfassung und Diskussion

Zitate:

Stichprobe: Ausschluss von Alleinwohnenden

"Das Sample besteht aus 20 Fällen von multilokalen Haushalten. Ein Fall wird durch einen Haushalt mit seinen entscheidungsfähigen Mitgliedern, ihre Beziehungen zueinander und zu weiteren abhängigen Personen repräsentiert. Einpersonenhaushalte wurden systematisch ausgeschlossen und alleinerziehende Multilokale fanden wir nicht im Feld vor." (2008, S.289)

Typ Verschickung

"Die Akteure des Typus »Verschickung« sehen sich genötigt, ein multilokales Leben zu führen, und erleben die Mobilisierung als Zumutung. (...). Die Partner trennen die Sphären der Arbeits- und Privatwelt deutlich voneinander (...). Sie verfolgen ein familienzentriertes Lebenskonzept (...).
Die Sesshaften bleiben mental auf nur einen Ort bezogen. (...).
Die multilokal Mobilen verfolgen einen tendenziell geringen Anspruch auf Selbstverwirklichung in der Arbeit". (2008, S.290)

"Das multilokale Arrangement Verschickung wird nicht auf eine Dauer hin konzipiert, selbst wenn es sich praktisch über Jahre erstreckt. Der fortdauernde Interimszustand stellt eine Belastung dar. Das langfristige Ziel der Multilokalen bleibt eine unilokale Lebensweise". (2008, S.291)

Typ Kolonialisierung

"Die Akteure des Typus kommen zu einem vergleichsweise ausgewogenen Arrangement (...). Als Paar befinden sich die Partner in ihrer nachfamilialen Lebensphase bzw. bereiten sich mental darauf vor (...). Die Akteure verfügen über sehr unterschiedliche Berufsqualifikationen (...).
Die sesshaften Haushaltsmitglieder, ob männlich oder weiblich, weisen Ähnlichkeiten mit den Sesshaften des Typus »Verschickung« auf. (...).
Die Mobilen verfügen z.T. bereits über längere Erfahrungen des multilokalen Lebens. (...). Persönliche Erfahrungen und persönliche Ansprüche werden dupliziert, darunter auch die Art und Weise des Wohnens. Daher schien uns die Bezeichnung »Kolonialisierung« angemessen. (...).
Die Befristung der Multilokalität ist auf den Renteneintritt hin konzipiert, selbst wenn der noch Jahre entfernt ist." (2008, S.291f.)

Typ Re-Zentrierung

"Der Typ der »Re-Zentrierung« steht der »Kolonisierung« nahe (...). Der Unterschied liegt in der Positionierung der multilokalen Phase im Lebensverlauf der Akteure - hier geht es um die vorfamiliale Phase des Paares und den Übergang zu einem gemeinsamen Leben an einem gemeinsamen Ort." (2008. S.292)

Typ Doppelleben

"Dieser Typ zeigt sowohl Merkmale des Typs »Verschickung« als auch des Typs »Kolonialisierung«. Während die Sesshaften einen rein unilokalen Lebensentwurf verfolgen, (...) gehen die Mobilen eigenen Interessen ihrer beruflichen Entwicklung nach. (...). Sozialstrukturell ist dieser Typ mit (mobilen) Akteuren eines hohen Bildungsstandes und einer starken Berufsmotivation besetzt. Deren Alter streut breit, so dass der Typ nicht eindeutig einer Phase in der Biografie der Gemeinschaften zuzuordnen ist.
Das »Doppelleben« führen die Mobilen, da sie an den verschiedenen Orten unterschiedliche Lebensentwürfe verfolgen, die ihnen beide wichtig sind. (...). Die erkennbare Inkompatibilität besteht zwischen den unilokal-familienzentrierten Ansprüchen der Sesshaften und den hohen individuellen Ansprüchen der Mobilen bezüglich ihrer Berufsarbeit. (...). Es handelt sich um ein fragiles Arrangement, in dem für die Aktualisierung des Kompromisses viel Energie eingesetzt werden muss. Die Spannungen (...) drängen auf die Beendigung der multilokalen Episode, dies ist der intendierte Verlauf in der Entwicklung dieses Typs." (2008, S.293)

Typ Bi-Polarisierung

"Die Akteure dieses Typus haben als Sesshafte wie Mobilen ein hohes multilokales Potenzial. (...). »Bi-Polarisierung« ist eine ausgeglichene und entwicklungsfähige Form von Multilokalität. Der Arbeitsort wie auch der Ort der Gemeinschaft werden zu gleichrangigen Orten des Haushalts, so dass eine lange Dauer des Arrangements möglich ist." (2008, S.293f.)

Typ Expedition

"Das Arrangement ist auf Dauer angelegt, weil die Berufsarbeit mitunter beider Akteure anhaltend Mobilität verlangt und die Orte der Berufsarbeit absehbar immer wieder andere sein werden. In die Lebensentwürfe der hoch qualifizierten und selbstbestimmten Akteure wird Multilokalität integriert als eine Chance, berufliche Mobilität mit sozialen Bindungen zu vereinbaren.
(...).
In der Biographie der Haushaltsgemeinschaft wechseln sich multilokale und unilokale Episoden ab, wie auch die Positionen zwischen den Sesshaften und den Mobilen wechseln können." (2008, S.294f.)

Kennzeichen der Typologie

"Die Typologie kann als Prozessmodell die Mobilität individueller und kollektiver Akteure darstellen, die intentional aufeinander verwiesen sind. Die empirische Verteilung der erhobenen Fälle ermöglicht die Kennzeichnung eines Mainstreams multilokaler Arrangements, den elf Fälle ausmachen, sowie die Pioniere, die mit vier Fällen auf die Typen Bi-Polarisierung und Expedition entfallen. Die Pioniere definieren wir als Entwerfer neuer Praktiken. Sie gehen offensiv mit den Chancen und Zumutungen der Multilokalität um und integrieren sie in ihren eigenen Lebensentwurf." (2008, S.296f.)

 
     
 
       
   

Knut Petzold im WWW

www.knut-petzold.de

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 21. Dezember 2013
Update: 21. Dezember 2013