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Michael Meuser: Geschlecht und Männlichkeit

 
       
     
       
     
       
   

Michael Meuser in seiner eigenen Schreibe

 
   

BEHNKE, Cornelia & Michael MEUSER (2003): Karriere zu zweit - Projekt oder Problem? Zum Verhältnis von beruflichem Erfolg und Lebensform. In: Ronald Hitzler & Michaela Pfadenhauer (Hrsg) Karrierepolitik. Beiträge zur Rekonstruktion erfolgsorientierten Handels, Verlag für Sozialwissenschaften

MEUSER, Michael (2004): Der Alltag, die Familie und das Individuum: Jean-Claude Kaufmann. In: Stephan Moebius & Lothar Peter (Hrsg) Französische Soziologie der Gegenwart, Konstanz: UVK/UTB, S.269-295

Anhand des Buches Frauenkörper - Männerblicke erläutert Michael MEUSER die spezielle Soziologie des Körpers von Jean-Claude KAUFMANN:

"Soziale Ordnungen sind in einem fundamentalen Sinne Körperordnungen. Sie basieren weitaus mehr auf einem Austausch der Gesten, als dass sie Ergebnis expliziter Aushandlungen sind.

MEUSER sieht KAUFMANN dabei in der Tradition der Zivilisationstheorie von Norbert ELIAS. Ausführlich werden die Unterschiede der Konstruktion de Wirklichkeit von KAUFMANN im Gegensatz zu Peter L. BERGER & Hansfried KELLNER beschrieben:

"Kaufmanns Analysen der Paarbeziehung, der Familie und der Haushaltstätigkeit (...) lassen sich lesen als eine empirische Ausarbeitung des von Peter L. Berger und Hansfried Kellner (1965) in ihrem wegweisenden Aufsatz über »Die Ehe und die Konstruktion der Wirklichkeit« formulierten Programms - mit dem einen, aber entscheidenden Unterschied, dass Kaufmann nicht das Gespräch zwischen den Partnern, sondern die Sedimentierung häuslicher Gewohnheiten als Basis der Paarintegration begreift. (...). Kaufmann übernimmt den sozialkonstruktivistischen Ansatz, entledigt sich aber der kognitivistisch-diskursiven Hypothek. An die Stelle des Gesprächs treten die alltäglichen Routinen des Haushaltens. (...). In dem Maße, in dem die Paarintegration voranschreitet, werden die Gewohnheiten anstelle der Gefühle zum zentralen »Bindemittel« der Paargemeinschaft".

MEUSER sieht hier KAUFMANN auch im Gegensatz zur Individualisierungsthese:

"Die Stabilität einer Partnerschaft beruht geradezu darauf, zentrale Probleme nicht bewusst zu machen. Auch moderne Partnerschaften sind den Analysen Kaufmanns zufolge weitaus weniger von einem »Beziehungsdauerdiskurs« getragen als dies zum Beispiel Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim (1990) oder Anthony Giddens (1993) annahmen. (...). Gespräche über Beziehungsfragen finden weitgehend außerhalb der Paarbeziehung statt, zum Beispiel unter Freundinnen".

Die Differenzen zwischen BERGER/KELLNER und KAUFMANN werden modernisierungstheoretisch damit begründet, dass die Heirat heutzutage nicht mehr den Bruch darstellt, wie das noch in den 1960er Jahren der Fall war, als die Eheschließung den Beginn des Zusammenlebens markierte. In dieser Sicht ist das nicht-eheliche Zusammenleben keine Alternative zur Ehe, sondern eine voreheliche Lebensphase.

Für KAUFMANN ist die traditionelle Familie immer noch die Folie, vor der sich andere Lebensformen rechtfertigen müssen. Insbesondere das Alleinleben von Frauen verstößt gegen dieses Modell und wird deshalb als gesellschaftliche Bedrohung empfunden. Mit der wachsenden Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt wird das gesellschaftliche Familienverständnis jedoch in Frage gestellt.

Für MEUSER ist die Standpunkt von KAUFMANN zur Frage, ob die Veränderungen des Familienlebens als Gestaltwandel oder als Bedeutungsverlust zu werten sind, nicht eindeutig.

Hinsichtlich der Geschlechterverhältnisse steht der Widerspruch zwischen einer Rhetorik der Gleichheit und einer Praxis der Ungleichheit im Mittelpunkt von KAUFMANNs Interesse. MEUSER sieht hier Parallelen zu Alois HAHN, der von "Konsensfiktionen" spricht bzw. zu Cornelia KOPPETSCH & Günter BURKART.

Im Gegensatz zum Gleichheitsfeminismus steht KAUFMANN auf dem Standpunkt, dass die Praxis der Ungleichheit kein Problem darstellt, sondern als eine "vernünftige Ungleichheit" einzuordnen ist.

Weibliche Singles sind für KAUFMANN keine Avantgarde der Individualisierung - zumindest keine freiwillige, sondern "Opfer" der gesellschaftlichen Folgen ihres Lebensstils. Ambivalenz ist der Preis, den Singles in der modernen Gesellschaft zahlen müssen. Auf dieser Website wird das ähnlich gesehen, jedoch mit dem Unterschied, dass die moderne Gesellschaft kein Sachzwang an sich ist, sondern Produkt politischer Kämpfe, die Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung nehmen. In welcher Gesellschaft wir leben, das ist eine Frage der politischen Machtverhältnisse.

MEUSER, Michael (2008): Vaterschaft im Wandel.
Perspektiven aus der Männlichkeitsforschung,
in: beziehungsweise Nr.6 v. 15.09.

 
       
   

Michael Meuser im Gespräch

 
   
  • Neu:
    HÖRNLEIN, Katrin (2014): "Es entstehen neue Konflikte".
    Warum fallen Männer und Frauen in alte Rollen zurück, wenn das erste Kind geboren ist? Ein Gespräch mit dem Soziologen Michael Meuser,
    in: Die ZEIT Nr.23 v. 28.05.

    • Michael MEUSER leitet den Rückfall in alte Rollenmodelle aus der langen Tradition der bürgerlichen Familie und ihren geschlechtsspezifischen Zuweisungen her. Das Elterngeld hat für ihn Symbolcharakter, das den anvisierten Geschlechtsrollenwandel signalisiert. Vor allem wirke das Gesetz nur langfristig:

      "In Skandinavien richtet sich seit den 1970er Jahren Familienpolitik auch an Väter. Jetzt, 40 Jahre später, kann man sehen, dass sich neue Selbstverständlichkeiten ausgebildet haben. Das dauert wohl ein bis zwei Generationen."

 
       
   

Geschlecht und Männlichkeit (1998).
Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster
(2. überarbeitete Auflage 2006)

Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Das Buch diskutiert zunächst soziologische Konzepte für eine Theorie der Männlichkeit. Das Konzept des männlichen Geschlechtshabitus wird entwickelt. Anschließend werden in einem empirischen Teil kulturelle Deutungsmuster von Männlichkeit und kollektive Orientierungen von Männern auf der Grundlage einer Literaturanalyse und von Gruppendiskussionen rekonstruiert."

     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Der Mann in der Krise?

Verwirrte Väter - Robert Habeck sieht sowohl die Vaterschaft als auch die Erwerbs- und Arbeitsgesellschaft in der Krise und plädiert deshalb für eine neue Familien-, Frauen- und Väterpolitik

Väter im Blickpunkt - Ein Sammelband widmet sich den unterschiedlichen Facetten der Vaterschaft heute

 
   

Michael Meuser im WWW

www.fk12.tu-dortmund.de

 
   

weiterführende Links

 
     
   
 
   

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Update: 19. September 2015