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Petra Buhr: Die Stabilität des Kinderwunsches in Deutschland

 
       
     
       
   

Petra Buhr in ihrer eigenen Schreibe

 
   

BUHR, Petra & Franz-Xaver KAUFMANN (1989): Familie und Bevölkerungsentwicklung. In: Rosemarie Nave-Herz & Manfred Markefka (Hrsg.)  Handbuch der Familien- und Jugendforschung, Band 1: Familienforschung, Neuwied/Frankfurt a/M.: Luchterhand, S.513-531.

BERNER, Frank/LEISERING, Lutz/BUHR, Petra (2009): Innenansichten eines Wohlfahrtsmarkts.
Strukturwandel der privaten Altersvorsorge und die Ordnungsvorstellungen der Anbieter,
in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Heft 1, S.1-34

BUHR, Petra & Johannes HUININK (2012): Die Bedeutung familienpolitischer Maßnahmen für die Entscheidung zum Kind,
in: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 3, S.315-341

MAUL, Katharina/BUHR, Petra/BOEHNKE, Mandy (2012): Der Einfluss der Erfahrungen mit dem ersten Kind für die Intention zur Familienerweiterung,
in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Heft 2, S.169-186

BUHR, Petra & Anne-Kristin KUHNT (2013): Die kurzfristige Stabilität des Kinderwunsches von Kinderlosen in Ost- und Westdeutschland: Eine Analyse mit den ersten beiden Wellen des deutschen Beziehungs- und Familienpanels, in: Johannes Huninink/Michaela Kreyenfeld/Heike Trappe (Hrsg.): Familie und Partnerschaft in Ost- und Westdeutschland. Sonderheft 9 der Zeitschrift für Familienforschung, S.275-297

 
       
   

Petra Buhr im Gespräch

 
   
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Die kurzfristige Stabilität des Kinderwunsches von Kinderlosen in Ost- und Westdeutschland: Eine Analyse mit den ersten beiden Wellen des deutschen Beziehungs- und Familienpanels (2013)
In: Johannes Huninink/Michaela Kreyenfeld/Heike Trappe (Hrsg.): Familie und Partnerschaft in Ost- und Westdeutschland. Sonderheft 9 der Zeitschrift für Familienforschung, S.275-297

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Konzeptionelle Überlegung und Hypothesen
3.1 Hypothesenbildung
4. Datensatz, Variablen und Methoden
4.1 Datensatz, Variablen und Beschreibung der Stichprobe
4.2 Methoden
5. Ergebnisse der multivariaten Analysen
6. Fazit

Zitate:

Die Instabilität des Kinderwunsches als Problem der Vorhersage des künftigen Geburtenverhaltens

"Die Analyse des Kinderwunsches gehört zu den primären Forschungsfeldern der Familiendemographie. Dennoch gibt es bislang nur wenige Befunde zur Stabilität bzw. Instabilität des Kinderwunsches von Männern und Frauen über den Zeitverlauf. Dies ist umso erstaunlicher als die Analyse der Veränderung von Kinderwünschen wichtige Aufschlüsse darüber liefern kann, warum Einzelpersonen oder Paare ihre Kinderwünsche umsetzen, aufschieben oder ganz aufgeben. Sollte der Kinderwunsch im Lebensverlauf vielen Schwankungen unterlegen sein, wäre dies ein Indiz dafür, dass der Kinderwunsch nicht zur Vorhersage zukünftig realisierter Geburten geeignet ist." (2013, S.276)

Der Kinderwunsch von Kinderlosen als Gegenstand

"Im Unterschied zu den meisten bisher vorliegenden Studien werden wir sowohl Reduzierungen als auch Erhöhungen des Kinderwunsches berücksichtigen. Außerdem werden wir Personen, die sich zum ersten Erhebungszeitpunkt keine Kinder wünschen oder sich nicht sicher sind, in unsere Analysen einbeziehen. Wir beschränken uns in diesem Beitrag auf Personen, die in der ersten Befragungswelle kinderlos und nicht schwanger waren. (...). Die Kinderlosen erscheinen besonders relevant, wenn man den Einfluss von Lebensereignissen auf den Kinderwunsch untersuchen will, da sie noch nicht über Erfahrungen mit Kindern verfügen und daher die Auswirkungen der Elternschaft noch nicht persönlich kennen. Die Familiengründung ist eine besonders entscheidende Statuspassage im Lebenslauf und mit hohen Opportunitätskosten verbunden (...). Insoweit stellt der Übergang zum ersten Kind ein besonders einschneidendes Ereignis im Lebenslauf dar. Die Folgen von Veränderungen der Lebensbedingungen sollten sich bei den Kinderlosen somit besonders stark auf den Kinderwunsch niederschlagen." (2013, S.277)

Forschungsdefizit: Die Stabilität des Kinderwunsches

"Während umfangreiche Ergebnisse zu den Determinanten des Kinderwunsches auf Querschnittbasis existieren, befindet sich die Forschung zu den Determinanten, welche die Stabilität des Kinderwunsches positiv oder negativ beeinflussen, noch am Anfang. (...). Für Deutschland existiert bisher lediglich eine Studie von Heiland et al. (2008), welche sich auf westdeutsche Frauen beschränkt." (2013, S.277)

Forschungsstand zu Determinanten der Stabilität des Kinderwunsches

"Die vorliegenden Studien zur Stabilität des Kinderwunsches stimmen darin überein, dass individuelle Kinderwünsche im Zeitverlauf eher instabil sind. Dabei sind Veränderungen in Form von Erhöhungen oder Reduzierungen möglich. Welche Determinanten eine Variation im Kinderwunsch über die Zeit begünstigen, scheint noch nicht abschließend geklärt zu sein. Erste Befunde weisen auf einen Zusammenhang zwischen Alter bzw. Kohorte und Stabilität hin. Die Ergebnisse dazu sind allerdings gegenläufig (...).
Als weitere Einfluss nehmende Determinante wird das Bildungsniveau der Befragten diskutiert. Individuen mit einem höheren Bildungsabschluss neigen eher dazu, den Kinderwunsch im Zeitverlauf anzupassen (Heiland et al. 2008:148). (...).
Als weitere Determinante der Stabilität des Kinderwunsches werden Erfahrungen in der Herkunftsfamilie in Betracht gezogen. (...). Neben diesen Determinanten nehmen auch Lebensereignisse wie die Geburt eines ersten Kindes Einfluss auf die Stabilität des Kinderwunsches (...). Zusätzlich kann die zeitliche Planung (Timing) der Fertilitätskarriere die Stabilität von Kinderwünschen beeinflussen. (...).
Ein weiteres Lebensereignis mit Auswirkungen auf den Kinderwunsch kann die Trennung vom Partner sein. (...). Eine neue Partnerschaft reduziert ebenfalls die Stabilität des Kinderwunsches (...). Der Erwerbsstatus nimmt zumindest Einfluss auf die Stabilität des Kinderwunsches von Frauen." (2013, S.278f.)

Kinderlosenstichprobe der Untersuchung

"Die erste Befragung wurde 2008/2009 durchgeführt, die zweite 2009/2010. In unsere Analysen beziehen wir alle Altersgruppen ein, die im Rahmen von pairfam befragt wurden: Die Geburtskohorte 1991-1993 war zum Zeitpunkt des Erstinterviews 15-17 Jahre, die Kohorte 1981-1983 25-27 Jahre und die älteste Kohorte (1971-1973) 35-37 Jahre alt.
Wie bereits (...) ausgeführt (...), beschränken wir uns in diesem Beitrag auf Personen, die in Welle 1 kinderlos und nicht schwanger sind, unabhängig davon, wie deren Status in Welle 2 ist. Außerdem betrachten wir nur heterosexuelle Personen, die nach eigenen Angaben medizinisch gesehen in der Lage sind, Kinder zu bekommen und nicht sterilisiert sind. (...) Personen, die in Welle 1 oder Welle 2 angeben, dass sie sich noch keine Gedanken über den Kinderwunsch gemacht haben, wurde ebenfalls ausgeschlossen. Gleiches gilt für Personen, die im Ausland geboren sind." (2013, S.278f.)

Kinderlose mit unsicherem Kinderwunsch als Subgruppe

"Die Einordnung der »Unsicheren« bringt (...) gewisse Probleme mit sich. Es handelt sich schließlich um eine Gruppe, die auf die Frage nach der realistisch erwarteten Kinderzahl keinen Zahlenwert angegeben, sondern »Ich bin mir nicht sicher« geantwortet hat. Wir können zwar annehmen, dass sich die kinderlosen Personen, die sich unsicher sind, schon einmal mit dem Kinderwunsch auseinandergesetzt haben, da sie ansonsten die alternative Antwortkategorie »Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht« gewählt hätten. Wir wissen aber nicht, ob sie unsicher sind, überhaupt ein Kind wollen (also zwischen null und eins schwanken) oder ob sie unsicher sind, wie viele Kinder sie insgesamt wollen (also zwischen eins, zwei, drei oder mehr Kindern schwanken) Aus unserer Sicht ist es darum nicht sinnvoll, die Kategorie »unsicher« in einen Zahlenwert (...) zu übersetzen. Daher haben wir uns entscheiden »unsicher« als eigenständige Kategorie zu behandeln." (2013, S.284)

"bewusst" Kinderlose als Subgruppe

"Eine weitere Besonderheit stellt die Gruppe der Personen dar, die in Welle 1 eine realistisch erwartete Kinderzahl von null angegeben hat. Bei dieser Gruppe ist keine Reduzierung möglich, sondern nur eine Erhöhung, da es keinen negativen Kinderwunsch gibt. Insofern ist die Einbeziehung in ein Modell, in dem die Einflussfaktoren auf eine Erhöhung und eine Reduzierung gemessen werden sollen, problematisch, sodass wir auch für diese Gruppe ein getrenntes Modell schätzen." (2013, S.284)

"Personen mit einer realistisch erwarteten Kinderzahl von null in Welle 1 (...) können von Welle 1 zu Welle 2 ihre realistisch erwartete Kinderzahl entweder beibehalten oder erhöhen, aber nicht reduzieren. Die Einbeziehung de Personen ohne Kinderwunsch in das Gesamtmodell würde damit in jedem Fall zu verzerrten Ergebnissen führen". (2013, S.288)

"Individuen, die auf »unsicher« sowie auf »ein und mehr Kinder« gewechselt haben, wurden zur Kategorie »Erhöhung« zusammengefasst. Die Chance, die realistisch erwartete Kinderzahl zu erhöhen, ist besonders groß bei jüngeren Menschen und Personen, die in Welle 2 einen Partner gefunden haben. (...). Bei Frauen und Personen in der Altersgruppe über 35 Jahren ist die Chance auf eine Erhöhung dagegen geringer." (2013, S.293)

Unterschiede der Kinderlosengruppen bei der Stabilität des Kinderwunsches

"Die Unterschiede zwischen den Subpopulationen (unsicherer Kinderwunsch in Welle 1, kein Kinderwunsch in Welle 1, Kinderwunsch 1+ in Welle 1) fallen erwartungsgemäß aus: 66,6 Prozent der Personen, die sich in Welle 1 mindestens ein Kind gewünscht haben, behalten diesen Wunsch bei. Personen, die sich kein Kind gewünscht haben, bleiben zu 53,6 Prozent bei dieser Aussage. Befragte, die sich unsicher über ihren Kinderwunsch waren, weisen die größte Instabilität im Kinderwunsch auf, hier verändern 78,3 Prozent der Personen ihren Kinderwunsch im Zeitraum eines Jahres." (2013, S.287)

Der Einfluss des Partnerschaftsstatus auf die Stabilität des Kinderwunsches

"Ein starker Effekt auf die Stabilität der realistisch erwarteten Kinderzahl geht vom Partnerschaftsstatus aus. (...) Personen, die in beiden Wellen partnerlos sind und solche, die sich getrennt haben, (haben) eine höhere Chance, die realistisch erwartete Kinderzahl zu reduzieren oder in die Kategorie »unsicher« zu wechseln, als Personen, die in Welle 1 und Welle 2 mit demselben Partner zusammen sind. Auf der anderen Seite gehen alle Veränderungen es Partnerschaftsstatus, sowohl das Eingehen einer neuen Partnerschaft als auch eine Trennung vom Partner mit einer größeren Chance auf eine Erhöhung der realistisch erwarteten Kinderzahl einher. Dieses (...) Ergebnis ist darauf zurückzuführen, dass die Personen, die in beiden Wellen denselben Partner haben (unsere Referenzkategorie), besonders konstant in Hinblick auf die realistisch erwartete Kinderzahl sind. (...). Eine neue Partnerschaft verringert insgesamt die Stabilität der realistisch erwarteten Kinderzahl, wobei sowohl Erhöhung als auch Reduzierung möglich sind. Ein Grund für eine Anpassung können unterschiedliche Auffassungen zwischen den Partnern in Hinblick auf die realistisch erwartete Kinderzahl sein." (2013, 288f.)

Kinderlose sind keine homogene Gruppe hinsichtlich des Kinderwunsches und müssen deshalb differenzierter betrachtet werden

"Als (...) Ergebnis der Studie lässt sich festhalten, dass sich die Effekte der unabhängigen Variablen bei den von uns betrachteten Personengruppen (unsicher hinsichtlich erwarteter Kinderzahl, kein Kind erwartet, ein oder mehr Kinder erwartet) zum Teil unterscheiden. Dies bedeutet, dass bei den betrachteten Gruppen teilweise unterschiedliche Mechanismen im Hintergrund wirken und diesem Umstand bei zukünftigen Analysen Rechnung zu tragen ist. Eine gemeinsame Betrachtung von Personen ohne Kinderwunsch, mit unsicherem Kinderwunsch und solchen, die sich mindestens ein Kind wünschen, erscheint vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Besonderheiten nicht angebracht." (2013, S.195)

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen - Ist die Talsohle bei den Akademikerinnen erreicht? Eine Kritik der Debatte um die Geburtenentwicklung anhand neuer Erkenntnisse (Oktober 2012)

Ein Leben ohne Kinder - Ein von Michaela Kreyenfeld & Dirk Konietzka herausgegebener Sammelband fasst erstmals den sozialwissenschaftlichen Stand zur Kinderlosigkeit in Deutschland zusammen (Mai 2007)

Die Kultur der Kinderlosigkeit in Deutschland: Gewollte Kinderlosigkeit - ein Tabuthema rückt in den Mittelpunkt der politischen Debatte (März 2007)

Das neue Tabuthema - Gewollte Kinderlosigkeit in Deutschland (Dezember 2002)

 
       
   

Die notwendige Vielfalt von Familie und Partnerschaft (2012).
(herausgegeben zusammen mit Michael Feldhaus)
Ergon Verlag

 

 
       
   

Die Beiträge des Buchs

MAYER, Karl Ulrich - Geleitwort

BUHR, Petra & Michael FELDHAUS - Zur These einer „notwendigen Vielfalt“ von Familie und Partnerschaft – eine Einleitung

DIEWALD, Martin - Bedürfnisse und Präferenzen. Kompensations- und Substitutionsmöglichkeiten dialogischer Beziehungen

WALPER, Sabine & Franziska SCHMAHL - Psychologische Verortung des Gesetzes der notwendigen Vielfalt: Ein Blick auf die Vielfalt von Erwartungen an Partnerschaften

NAUCK, Bernhard - Kulturelle Grenzen des Gesetzes der notwendigen Vielfalt bei Ehen und Familien?

LEISERING, Lutz - Jenseits von Bismarck und Beveridge. Pluralisierung und Hybridisierung der Alterssicherungsarrangements im Europa der Nachkriegszeit

BUCHHOLZ, Sandra & Hans-Peter BLOSSFELD - Mehr Beschäftigungsrisiken beim Übergang in den Arbeitsmarkt. Selektive Deregulierung zu Lasten junger Erwachsener in Deutschland als "Störfaktor" für die Familiengründung

SCHNEIDER, Norbert F. & Detlev LÜCK - Ausdifferenzierung von Mobilitäts- und Migrationsverhalten zur Sicherstellung dialogischer Beziehungen

WAGNER, Michael - Ehescheidungsrisiken im gesellschaftlichen Kontext: Neuere Befunde komparativer Studien

KREYENFELD, Michaela & Dirk KONIETZKA - Stieffamilien und die spätmoderne Vielfalt der Familie

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 11. September 2013
Update: 02. November 2014