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Sonja Deml: Singles

 
       
     
       
     
       
   

Sonja Deml im Gespräch

 
   

Neu:
MEYRUHN, Meike (2010): Familie ist das höchste Lebensziel.
Neue Studie über Singles: Die Diplom-Pädagogin und promovierte Soziologin Sonja Deml im Gespräch,
in: Bild Online v. 20.03.

 
       
   

Singles: Einsame Herzen oder egoistische Hedonisten? (2010).
Eine kritische und empirische Analyse

Freiburg: Centaurus Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Singles bewegen sich auf dem Kontinuum zwischen bemitleidenswerten, einsamen Herzen und egoistischen Hedonisten. Dabei suchen Singles eine neue Annäherung der Geschlechter. Die Entwicklung »neuer Frauen« und »neuer Männer« und die damit verbundenen Unsicherheiten im Umgang miteinander tragen zu Missverständnissen in der Liebe bei. Die Langzeitstudie analysiert die wissenschaftliche Diskussion über die »Single-Gesellschaft«, gibt Einblick in das Leben der Singles und begleitet die Entwicklung unterschiedlicher Single-Typen."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Kritische theoretische Vorüberlegungen zum Phänomen der Singles

1.1 Single ist nicht gleich Single: eine sozialwissenschaftliche Begriffsbestimmung
1.2 Zur historischen Entwicklung des Single-Phänomens
1.3 Quantitative Entwicklung der Singles
1.4 Genese und Persistenz des Single-Phänomens
1.5 Zum Stand der Singleforschung

2 Die Rede von der "Single-Gesellschaft": Kritische Diskussion der aktuellen Debatte

2.1 Zum Begriff der "Single-Gesellschaft"
2.2 Die Eröffnung der internationalen Debatte um das Single-Dasein in den USA
2.3 Die deutsche Debatte

2.3.1 Singlefeindliche Vorurteile und Missverständnisse in der Diskussion
2.3.2 Verlauf der öffentlichen Debatte
2.3.3 Genauere Betrachtung einzelner Themenschwerpunkte der wissenschaftlichen Debatte

2.3.3.1 Die Individualisierungsdebatte: Singles in der singularisierten Gesellschaft
2.3.3.2 Singles contra Familien
2.3.3.3 Singles contra Gesellschaft
2.3.3.4 Singles contra Umwelt

2.4 Veränderung des Single-Bildes in der öffentlichen Wahrnehmung
2.5 Die Frage nach der Existenz einer "Generation Single"

3 Ausgangsüberlegungen der empirischen Untersuchung
4 Methodische Vorgehensweise: Begründung und Forschungsverlauf

4.1 Der quantitative Forschungsansatz mit qualitativen Elementen als Ausgangsbasis
4.2 Der Gang der Untersuchung

4.2.1 Einstieg in die Thematik
4.2.2 Entwicklung der Fragestellung, Fragebogenkonstruktion und Pre-Test
4.2.3 Gewinnung der Stichprobe
4.2.4 Erstbefragung
4.2.5 Follow-up I
4.2.6 Follow-up II

4.3 Das Befragungsinstrumentarium und die angewandten Techniken

4.3.1 Befragung

4.3.1.1 Quantitative Fragebogenerhebung
4.3.1.2 Der narrative Gesprächskontext

4.3.2 Teilnehmende Beobachtung

4.4 Triangulation
4.5 Verallgemeinerung und Idealtypenbildung
4.6 Zur Subjektivität des Forschers

5 Singles in und um Regensburg: Ergebnisse der empirischen Untersuchung

5.1 Vorstellung des Feldes
5.2 Verteilung und Beschreibung der Stichprobe

5.2.1 Sozialstrukturell-demographische Merkmale
5.2.2 Psychosoziale Charakteristika

5.2.2.1 Wohnsituation
5.2.2.2 Herkunftsfamilie
5.2.2.3 Freundeskreis
5.2.2.4 Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung
5.2.2.5 Freizeitgestaltung
5.2.2.6 Sexualleben
5.2.2.7 Bewertung des Single-Seins
5.2.2.8 Singlekarrieren
5.2.2.9 Wünsche und Ansprüche an den Idealpartner

5.3 Übergreifende Argumentationsformen

5.3.1 Die Bedeutung von Bezugspersonen: "Ich brauche Menschen, die mir Halt geben."
5.3.2 Das Fehlen von Zärtlichkeiten: "So Liebkosungen is des, was mir eigentlich abgeht."
5.3.3 Singles zwischen Autonomiegenuss und Aufgabebereitschaft: "Ich will so bleib en wie ich noch nie war."
5.3.4 Abends allein vorm Fernseher: "An so gewissen Abenden wär's mir dann doch lieber, wenn jemand da wär."
5.3.5 Zukunftsprognose positiv! "Ich bin kein Single aus Überzeugung. Die Richtige wird für mich schon noch kommen."

5.4 Detailentwürfe und idealtypische Single-Kategorien

5.4.1 Typ A: Die Leidenden
5.4.2 Typ B: Die nach selbstbestimmter Partnerschaft Strebenden
5.4.3 Typ C: Die Freiheitsfanatiker
5.4.4 Typ D: Die Pragmatiker
5.4.5 Typ E: Die Identitätspaniker
5.4.6 Typ F: Die vorsichtig Suchenden

5.5 Die Situation der Singles im Zeitverlauf: Ergebnisse des Follow-up I

5.5.1 Singles

5.5.1.1 Singles ohne Zwischenpartnerschaft: "Die Zeit läuft."
5.5.1.2 Singles mit Zwischenpartnerschaft: "Die man haben will bekommt man nicht und die anderen wollen wir nicht."

5.5.2 Nicht-Singles

5.5.2.1 Nicht-Singles ohne Zwischenpartnerschaft: "Ich war lange genug allein."
5.5.2.2 Nicht-Singles mit Zwischenpartnerschaft: "Es ist das schönste Gefühl, wenn man weiß, von jemanden geliebt zu werden."

5.5.3 Unterschiede im Erleben emotional beladener Zeiten

5.5.3.1 Weihnachten 2004
5.5.3.2 Silvester 2004/2005

5.5.4 Entwicklung der einzelnen Handlungstypen

5.6 Ergebnisse des Follow-up II

5.6.1 Singles

5.6.1.1 Singles ohne Zwischenpartnerschaft: "Eine Beziehung wäre schon mal wieder nicht schlecht!"
5.6.1.2 Singles mit Zwischenpartnerschaft: "Ich bin nicht glücklich, da die Beziehung mir gezeigt hat, dass ich nicht alleine bleiben möchte."

5.6.2 Nicht-Singles

5.6.2.1 Nicht-Singles ohne Zwischenpartnerschaft: "Ich fühl mich gut aufgehoben und kann ihn mir liebevoll mit grauen Haaren vorstellen."
5.6.2.2 Nicht-Singles mit Zwischenpartnerschaft: "Eventuell kann man die Frau fürs Leben finden, aber es ist Glück erforderlich, damit's klappt."
5.6.2.3 Nicht-Singles in derselben Partnerschaft des Fllow-up I lebend: "Immer noch genauso glücklich mit dem gleichen Partner."

5.6.3 Entwicklung der einzelnen Handlungstypen

5.7 Exkurs: Die eigentlichen "Highlights"
5.8 Zusammenfassende Betrachtung der unterschiedlichen Single-Typen und deren Biographien
5.9 Belege für diese idealtypischen Single-Kategorien im überlokalen Kontext

6 Schlussbetrachtung: Singles auf dem Kontinuum zwischen selbstsüchtigen Hedonisten und "einsamen Herzen"

 

Zitate:

Single-Begriff

"Im Laufe dieser Arbeit habe ich eine eigene Definition über Singles entworfen. Demgemäß ist ein Single nicht emotional an einen festen Partner gebunden, das heißt, er unterhält keine Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen. Eine exakte Altersabgrenzung von Singles kann nicht gezogen werden, denn es gibt weder ein Mindest- noch ein Höchstalter. (...). Unerheblich bei der Entscheidung darüber, wer Single ist, ist die Wohnform. Kein Kriterium für das Single-Sein ist die Freiwilligkeit dieser Lebensform (...). Alleinerziehende gelten als Singles und Familie. Sie sind nur dann Single, sofern sie keine neue Partnerschaft führen. (...).
Diese Definition beinhaltet alle Aspekte, welche die befragten Singles aufzuweisen hatten. Diese Kriterien weichen in einigen wesentlichen Punkten von den bisherigen Definitionen ab, doch alle interessierten Teilnehmer an der Studie passten in das Profil - obwohl nur nach »Singles« gesucht wurde. Das bedeutet: Das Selbstverständnis der Singles ist ein anderes, als das Bild, welches viele Soziologen und andere Wissenschaftler, die sich mit dem Thema beschäftigen, von den Singles haben." (2010, S.20f.)

Die Singleforschung und Debatte um die Single-Gesellschaft

"Die Singleforschung erlebte ihre Blütezeit im deutschsprachigen Raum in den 1970er bis 90er Jahren. 1978 wurde der Terminus »Single« sogar zum Wort des Jahres in Deutschland gewählt, was ein Beweis für die damals steigende Verbreitung der neuen Bedeutungsvariante war. Damals wurde vor allem über die steigenden »Single-Haushalte« diskutiert und es wurde das »Verkommen« der traditionellen Gesellschaft hin zu einer »Single-Gesellschaft« prophezeit. Das ist so nicht eingetreten und die Debatte über Singles ebbte dann nach und nach ab. Ganz tot ist sie aber noch nicht, wenn auch die Zeit der großen Skandal-Meldungen, welche teilweise apokalyptische Züge annahmen, vorüber scheint." (2010, S.45)

"Mit der Nennung des Begriffs »Single-Gesellschaft« fällt der Familienforscher Stefan Hradil ein (...). Die »Single-Gesellschaft« wird auch mit der »Spaßgesellschaft« in Verbindung gebracht, was auf einen locker-leichten Lebensstil der Singles hindeuten soll.
(...).
Glatzer (1994, S.240) verwendet nicht den Begriff »Single-Gesellschaft«, sondern prognostiziert eine nahende »Gesellschaft der Einpersonenhaushalte«. (...).
Dass die Gesellschaft als »Single-Gesellschaft« gesehen wird, ist auch auf die Popularität der Individualisierungsthese zurückzuführen. Bereits Anfang der 1980er Jahre prognostizierte Hoffmann-Nowotny (...) einen Trend zur »Gesellschaft der Einzelgänger«. Diesen Begriff setzt er gleich mit dem der »autistischen Gesellschaft« und provoziert damit die Zuschreibung pathologischer Züge an das Single-Sein (...).
Mitte der 1980er Jahre verabschiedete Beck den altmodischen Begriff »Einzelgänger« und sprach vom Trend hin zur »vollmobilen Single-Gesellschaft« (Beck 1986, S.199) Herrmann (vgl. 2001, S.158) spricht immer noch davon. Diese öffentliche und innersoziologische Kontroverse entstand auf der Grundlage der These von der (drohenden) Auflösung der Kleinfamilie, welche Beck an den Veränderungen der Haushaltszusammensetzungen festmachte. Im Jahr 1990 sagte Beck auf dem 25. Soziologentag bei seinem provokanten Auftritt einen rapiden Anstieg der sog. »Single-Haushalte« in Großstädten auf 70 % voraus und provozierte dadurch eine noch immer anhaltende Debatte (vgl. Beck 1991, S.43; 1987). Zweifelsohne ist es richtig, dass die Anzahl der Einpersonenhaushalte zugenommen hat, wofür es mehrere Gründe gibt, so die

- Alterung der Bevölkerung, insbesondere eine höhere Lebenserwartung von Frauen;
- Zeitliche Differenz zwischen Auszug aus dem Elternhaus und Zusammenwohnen mit einem festen Partner;
- Instabilität von Partnerschaften;
- Anstieg der Partnerlosen, hier vor allem die der Männer;
- Zuwanderung von Personen ohne Partner;
-Zunahme von »Living-apart-together-Beziehungen« (vgl. Engstler/Menning 2003, S.49))

Obwohl Beck zunächst also gute Argumente für seine Thesen hatte, lief die Entwicklung aber dann doch anders ab: Bereits zehn Jahre nach Becks Prophezeiungen stagnierte die Zahl der Einpersonenhaushalte aber dann und pendelt sich auf dem gleichen Level wie Anfang der 1990er Jahre ein." (2010, S.46ff.)

Der Hedonismus der Singles

"Schmidt/Matthiesen/Dekker/Starke (vgl. 2006, S.75) bezeichnen lediglich 4 % der Singles als hedonistisch. Dabei wurde als hedonistisch bezeichnet, wer innerhalb eines Jahres mindestens fünf Sexualpartner vorweisen konnte und mindestens einen Geschlechtsverkehr in vier Wochen hatte. Hedonismus bedeutet fernab der Sexualität freie Selbstverwirklichung, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen." (2010, S.58)

Das Bild vom Single als kinderloser Karrierefrau

"Das Single-Sein wird vielfach immer noch als freiwillig und bewusst geführte Lebensform als Alternative zu Ehe und Familie betrachtet. Als Beleg für diese Behauptung dient immer wieder das Bild der kinderlosen Karrierefrau, die zu hedonistisch ist, um eine Familie zu gründen. Tatsächlich sollen mittlerweile 40 % der Akademikerinnen kinderlos bleiben (vgl. Hondrich 2004, S.10). Scharein/Unger (2005) hingegen kommen zu dem Ergebnis, dass diese Zahl nicht korrekt ist, denn die ausgewiesene Kinderlosigkeit unter Hochschulabsolventinnen sei zu hoch. Sie sprechen von 30 % kinderlosen Akademikerinnen. Diese Verfälschung hat mehrere Ursachen: Zum einen nimmt die Anzahl der Spätgebärenden zu - bei besagter Personengruppe ist das Geburtenverhalten mit 40 Jahren noch nicht abgeschlossen. Nach Schmitt/Winkelmann (2005) liegt der Kinderlosenanteil bei Akademikerinnen sogar unter 25 %. Diese Zahl impliziert jedoch liierte genauso wie nicht-liierte Frauen. Die Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen wird also überbewertet. Daneben bleibt die Frage nach dem Kinderwunsch offen. Anders formuliert: »Die Yuppiefrauen als Pioniere der Moderne sind quantitativ gesehen nur eine kleine Gruppe« (Kittlaus 2006, S.65).
Eine Kernthese des Feminismus lautet, dass Frauen vom Single-Sein profitieren. Karrierefrauen sind tendenziell Single und Karrieremänner sind dagegen eher verheiratet. Dass dies nicht »aus der Luft gegriffen« ist, belegt die Tatsache, dass nur ein Viertel der weiblichen Führungskräfte Kinder hat, hingegen bei den Männern sind es mehr als die Hälfte (vgl. Thadden 2001)." (2010, S.59)

Das Bild vom Single als Nerd

"Vielfach werden Singles mit Stereotypen verbunden, wie beispielsweise den »Nerds«, also typischerweise Computer-Freaks. »Nerds« gelten als unsoziale, neureiche Außenseiter mit defizitärem Selbstwertgefühl. Außerdem werden sie als egoistisch, kommunikations- und bindungsunfähig beschrieben. Lottmann (2004, S.78) beschreibt Nerds als »Leute, die [...] die höhere Mathematik der Computertechnik studierten und entsprechend aussahen. Sie trugen Brillen und hatten noch niemals eine Frau umarmt. Tagsüber saßen sie zehn Stunden vor dem Screen und abends ebenfalls, diesmal vor den Pornosites aus dem Internet.« Es ist nicht richtig, Singles grundsätzlich zu attributieren, denn innere Zustände können bei dieser heterogenen Personengruppe nicht generalisiert werden." (2010, S.59)

Individualisierung und Singles als Pioniere der Moderne

"Kurz nach Beginn der Debatte über Singles führte Ulrich Beck den Individualisierungsbegriff in die Diskussion über gesellschaftliche Modernisierungsprozesse ein. Vor allem durch die Publikation des Werkes »Risikogesellschaft« (Beck 1986) stieß die Individualisierungsthese auf ein breites Publikum. In den öffentlichen Diskurs fand der Individualisierungs-Begriff Ende der 1980er Jahre Eingang. Popularität erreichte er im Zuge der Sozial- und bevölkerungspolitischen Diskussion über die Krise und den drohenden Zerfall der Familie, die Mitte der 1990er Jahre ihren bisherigen Höhepunkt erreichte. Beck/Beck-Gernsheim (vgl. 2005, S.13) zufolge verwandelt sich die Normalbiographie in eine Wahlbiographie (...). Nach Beck heißt Individualisierung Selbstverantwortlichkeit, aber auch Abhängigkeit von gesellschaftlichen Bedingungen, die durch das Individuum nicht beeinflusst werden können. (...).
Beck (vgl. 1986, S.206) sagt, Individualisierung findet auf drei Dimensionen statt: Freisetzung, Entzauberung und Kontrolle bzw. Reintegration. (...). Den Single bezeichnet Beck als »Pionier der Moderne«." (2010, S.63)

Die Vereinbarkeit von Partnerschaft und Beruf als Hemmnis der Familiengründung

"Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Familie nicht dem Untergang geweiht ist und Singles keine Bedrohung für die Familie als solche darstellen, sondern die Familie nach wie vor das Lebensziel ist, aber deren Realisierung mit mehr Schwierigkeiten verbunden ist. Hettlage bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: »'Das Gerede von der Absage an die Familie ist Quatsch' (...) Wer in Sachen Karriere zwischen Hamburg sowie München pendelt, wird Probleme haben, eine feste Partnerschaft aufzubauen. Dazu kommt, dass man inzwischen ja fast nur noch zwei Verdiener in einer Beziehung findet. Es ist schwer, das unter einen Hut zu bringen. (...) Und auch die Scheidungsquote verunsichert. Da gibt es zum Teil schon vor der Partnerschaft Angst vor dem Scheitern.« (...) Nichtsdestoweniger werden Partnerschaften nach wie vor eingegangen." (2010, S. 74)

 
     
 
       
   

Rezensionen

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Die Single-Hauptstadt Regensburg in der Debatte

MITTELBAYERISCHE ZEITUNG (2010): Regensburg ist die deutsche Single-Hauptstadt,
in: mittelbayerische.de v. 12.01.

EVERT, Hans (2011): Deutschland hat eine neue Single-Hauptstadt.
Überraschende Erkenntnisse einer neuen GfK-Studie: Deutschland hat eine stabile Mittelschicht, viele Seniorenhaushalte – und eine neue Hauptstadt der Singles,
in: Welt Online v. 27.01.

Die Meldung, dass Regensburg die neue Single-Hauptstadt Deutschlands ist, ist über ein Jahr alt!

Bereits am 12. Januar letzten Jahres meldete die Mittelbayerische Zeitung: Regensburg ist deutsche Single-Hauptstadt. Die Soziologin Sonja DEML hat anhand einer empirischen Studie über Regensburger Singles die gängigen Mythen über unsere angebliche Single-Gesellschaft widerlegt. 1990 hat der großmäulige Soziologe Ulrich BECK noch prophezeit:

"Ich bin sicher, daß auch dann, wenn 70 % der Haushalte in Großstädten Einpersonenhaushalte sind (und das ist nicht mehr lange hin), unsere tapfere Familiensoziologie mit Millionen Daten beweisen wird, daß diese 70 % nur deshalb allein leben, weil sie vorher und nachher in Kleinfamilien leben."

20 Jahre nach dieser Rede auf dem Deutschen Soziologentag liegen die deutschen Großstädte mit unter 55 % Anteilen an Einpersonenhaushalten abgeschlagen hinter einer deutschen Mittelstadt. Und obwohl unermüdlich die Falschmeldung, dass heute jeder zweite Großstädter in einem Single-Haushalt lebt, verbreitet wird, ist wenig übrig geblieben von dem, was Anfang der 1990er Jahre über Singles geschrieben wurde.

Wie lügen uns Journalisten wie EVERT an? Indem sie lückenhaftes Datenmaterial präsentieren:

"Senioren dominieren bereits. In 34,5 Prozent der Haushalte leben Menschen, die 60 Jahre oder älter sind. Danach kommt die Altersklasse der 40- bis 49-Jährigen (21,4 Prozent) gefolgt von den potenziellen Frühruheständlern im Alter zwischen 50 und 59 (17,1 Prozent). Junge Haushalte, bewohnt von Menschen unter 30, kommen auf einen Anteil von 11,6 Prozent."

Senioren dominieren bereits, behauptet EVERT. Auf solche Zahlen kann er nur kommen, weil er die 15,3 % der 30-40Jährigen unterschlägt. Würde man sie zu den 40-49Jährigen dazu zählen, dann wären die größte Gruppe mit 36,8 % die 30-49Jährigen. Zudem werden die 50-59Jährigen als Frühruheständler abgestempelt, obwohl das durchschnittliche Renteneintrittsalter gestiegen ist. Das Statistische Bundesamt schreibt:

"2008 (lag) das Durchschnittalter für diejenigen, die in den Altersruhestand gingen, bei 63,5 Jahren. Wer hingegen aus gesundheitlichen Gründen seine Erwerbstätigkeit aufgeben musste, tat dies im Schnitt bereits mit 55,1 Jahren." (DESTATIS 21.09.2010; als PDF-Datei hier downloadbar)

Zählt man also die 50-55Jährigen noch zu den Erwerbstätigen, dann vergrößert sich die Gruppe der Nicht-Senioren nochmals. Von der Dominanz der Senioren bleibt dann nichts mehr übrig.

HAMMERMANN, Katharina (2012): Immer mehr Single-Haushalte. Druck auf Wohnungsmarkt steigt.
Statistiker beobachten einen folgenschweren Trend: Die Zahl alleinlebender Menschen steigt. Trotz sinkender Geburtenraten wird der Wohnraumbedarf daher steigen. Und wer kümmert sich um die alleinstehenden Alten?
in:
Trierer Volksfreund v. 23.06.

"Dem Rathaus zufolge zählte die 105 000-Einwohner-Stadt 2011 satte 49 265 Ein-Personen-Haushalte. Bei insgesamt 72 369 Haushalten entspricht das einem Anteil von 68 Prozent. Damit lässt Trier selbst Berlin, das als Hauptstadt der einsamen Herzen gilt, weit hinter sich: Dort liegt der Anteil »nur« bei 54 Prozent",

behauptet Katharina HAMMERMANN. Die Zahlen widersprechen jedoch einer Erhebung der GfK, bei der Trier im Jahr 2007 noch auf einen Anteil von 45,9 % Einpersonenhaushalte kam. 2011 lag Regensburg mit 57 % an der Spitze. Weder die Stadt Trier, noch das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz weisen die Anzahl der Einpersonenhaushalte in ihren im Web verfügbaren Statistiken aus. Auch eine Erhebung aus dem Jahr 2011, über die Anita LOZINA berichtete, kommt lediglich auf 36 % Einpersonenhaushalte in Trier, wobei jedoch nicht die Haushalts- sondern die Einwohnerzahlen den Bezugspunkt abgeben.

Dass auch die Politik einen Einfluss auf die Entwicklung Haushaltszahlen hat, lässt sich daran ablesen, dass nach der Einführung einer Zweitwohnungssteuer die Zweitwohnsitze zwischen 2005 und 2007 um ca. 10.000 zurückgegangen sind, während die Hauptwohnsitze um ca. 4.300 gestiegen sind (danach von 2007 auf 2009 lediglich um ca. 500). Da dies in einer Universitätsstadt wie Trier insbesondere Studenten betrifft, die einen großen Anteil am Zuwachs der Einpersonenhaushalte haben, führt das zu Verzerrungen, denn beim Anteil der Einpersonenhaushalte werden lediglich die Haupt- und nicht die Nebenwohnsitze gezählt.

Auch bei den älteren Menschen führen z.B. technischer Fortschritt oder verbesserte Infrastruktureinrichtungen wie mobile Pflegedienste dazu, dass der Anteil der Alleinlebenden steigt, während der Anteil der Heimbewohner relativ gesehen sinkt. Auch hierdurch - wird unabhängig von Verhaltens- bzw. Einstellungsänderungen (was die Rede von Lebensstilen betont) - die Entwicklung der Haushaltszahlen beeinflusst.

Selbst Sozialstrukturforscher wie Stefan HRADIL, die es eigentlich besser wissen müssten, blenden solche strukturellen Veränderungen - zugunsten von Verhaltens- oder Einstellungsänderungen - aus.

REICHERT, Martin (2012): Endlich allein.
Familienstand: Immer mehr Menschen in Deutschland leben laut Statistik als Singles. Na und? Immer mehr Menschen nehmen sich eben die Freiheit zu leben, wie es ihnen passt,
in:
TAZ v. 13.07.

Martin REICHERT widmet sich insbesondere der "Single-Hauptstadt" Hannover. Der NDR meldete gestern:

"In keiner anderen Großstadt in Deutschland leben so viele Menschen allein wie in Hannover. Der Anteil der Alleinlebenden beträgt 33 Prozent und ist damit der höchste unter den 15 größten deutschen Städten."

Tatsächlich findet man öfters die Behauptung, je größer eine Stadt, desto höher der Anteil an Einpersonenhaushalten. Dies mag als Tendenz stimmen, aber der Vergleich verschiedener Rankings zeigt auf den ersten Blick: Single-Hauptstadt ist nicht gleich Single-Hauptstadt.

Gemäß Wikipedia gab es 2010 in Deutschland 80 Großstädte, d.h. Städte über 100.000 Einwohner. Das Ranking des Statistischen Bundesamtes beinhaltet jedoch nur die 15 größten Städte, d.h. der NDR definiert Großstadt als Stadt mit mehr als 500.000 Einwohner. Ein Ranking das die GfK am 17. Januar 2012 veröffentlichte, kam dagegen zum Ergebnis, dass Regensburg (2010 Platz 56 bei Wikipedia) die "Single-Hauptstadt" ist:

"Im Jahr 2011 lag der Anteil der Ein-Personen-Haushalte in Deutschland bei 39,6 Prozent und blieb damit nahezu unverändert zum Vorjahr. Auf Kreisebene liegt wie schon im Jahr 2010 der Stadtkreis Regensburg mit einem Anteil von 57 Prozent ganz vorn – deutlich vor dem zweitplatzierten Stadtkreis Berlin mit 53,7 Prozent."

Beim Städtereport 2012 mit einem Ranking der 50 größten Städte 2011 wurde dagegen Berlin als "Single-Hauptstadt" (50,1 %) ermittelt. Singles wurden jedoch als Ledige und Geschiedene definiert, die nicht in einem Paarhaushalt lebten. Hannover kam mit 40,2 % nur auf Platz 16 und Regensburg blieben aufgrund seiner niedrigeren Einwohnerzahl ganz außen vor.

Wer "Single-Hauptstadt" ist, das hängt also zum einen davon ab, welche Städte am Ranking teilnehmen und wie Singles definiert werden (Alleinlebende am Hauptwohnsitz wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch, Alleinlebende an Haupt- und Nebenwohnsitz wie die Statistischen Jahrbücher bzw. die GfK, als Unverheiratete, als Partnerlose usw.).

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 30. April 2010
Update: 21. Januar 2015