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Jürgen Friedrichs: Soziologische Stadtforschung

 
       
   
  • Kurzbiographie

    • 1938 in Berlin geboren
      Studium der Soziologie, Philosophie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre
      1995 Buch "Stadtsoziologie"
      1996 Mitherausgeber "Gentrification"
      2009 Buch "Gespaltene Städte"
 
       
     
       
   

Jürgen Friedrichs in seiner eigenen Schreibe

 
   

Kommentierte Bibliografie: Das Single-Dasein aus der Sicht der Gentrificationsforschung

 
       
   

Jürgen Friedrichs im Gespräch

 
     
       
   

Gespaltene Städte? (2009).
Soziale und ethnische Segregation in deutschen Großstädten
(zusammen mit Sascha Triemer), 2. Auflage

Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Wo wohnt die ärmere Bevölkerung, wo die Ausländer? Wie haben sich die räumlichen Verteilungen beider Gruppen verändert? Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Verteilungen der beiden Gruppen? Auf diese Fragen richten sich die Analysen in diesem Buch. Untersucht werden die soziale und ethnische Segregation in den 15 größten Städten Deutschlands im Zeitraum 1990 bis 2005. Für beide Gruppen werden die Veränderungen sowohl der Segregation als auch der Anteil der beiden Gruppen in den einzelnen Stadtteilen dargestellt, in farbigen Karten dokumentiert und erklärt."

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Problem: Einkommenspolarisierung und Armut

1.1 Armut
1.2 Städtische Armut
1.3 Segregation und soziale Mischung

2. Methoden und Daten

2.1 Variablen und räumliche Einheiten
2.2 Klassifikation der Städte
2.3 Das Problem der Einbürgerungen

3. Soziale Segregation

3.1 Mietbelastung
3.2 Folgen der Sozialhilfe
3.3 Die Entwicklungen in den Städten
3.4 Karten zur sozialen Segregation

4. Ethnische Segregation

4.1 Ethnische Mischung, Kontakte und Vorurteile
4.2 Erklärungen der Segregation
4.3 Die Entwicklung der Stadtteile
4.4 Karten zur ethnischen Segregation

5. Stabilität sozialer und ethnischer Segregation?

5.1 Stabilität: Vergleich 1990 und 2005
5.2 Erklärungen
5.3 Zusammenfassung

6. Dokumentation

6.1 Berlin
6.2 Bremen
6.3 Dortmund
6.4 Dresden
6.5 Düsseldorf
6.6 Duisburg
6.7 Essen
6.8 Frankfurt a/M
6.9 Hamburg
6.10 Hannover
6.11 Köln
6.12 Leipzig
6.13 München
6.14 Nürnberg
6.15 Stuttgart

Zitate:

Die Polarisierungsthese

"In Deutschland ist diese These unter anderem von Dangschat (1999), in Beiträgen in Alisch und Dangschat (1998) und von Häußermann und Siebel (1991) aufgegriffen worden. Häußermann und Siebel (1991: 27) unterscheiden (...) drei Teile der Stadt: 1. international wettbewerbsfähige Stadt, gekennzeichnet durch ein »relativ kleines Segment hoch bezahlter Spitzenkräfte, ... deren Gehälter, Karrieremuster und Lebensstile sich an internationalen Märkten orientieren«, 2. die »normale« Stadt der Arbeit und Versorgung, überwiegend (deutsche) Mittelschicht und 3. die marginalisierte Stadt, Randgruppen, unqualifiziert Beschäftigte »in der Grauzone des Arbeitsmarktes bzw. dauerhaft Arbeitslosen«."
(2009, S.19)

Auswahlkriterium, Transparenzprobleme und die Datengrundlage der Untersuchung

"Die Studie richtet sich auf die 15 größten deutschen Großstädte (...). Dieses Kriterium erschien uns hinreichend, um die Auswahl zu begründen. Wir vermuten, dass die soziale und räumliche Differenzierung umso stärker ist, je größer eine Stadt ist, hier: je mehr Einwohner sie hat.
Die Datensammlung begann im Jahre 1996. Sie erwies sich in mehrfacher Hinsicht als sehr schwierig. (...) Im Gegensatz zu der wesentlich freizügigeren Datenweitergabe in den USA oder den skandinavischen Ländern scheint in Deutschland eine Frucht zu bestehen, amtliche Daten würden von Wissenschaftlern nur gesammelt, um sie gegen die Stadt zu verwenden. (...).
Die Daten beziehen sich auf die Jahre 1990, 1995 und 2000, zum Teil auch 2005. Ursprünglich sollten auch noch die Daten für 1980 einbezogen werden, doch scheiterte dies daran, nicht für alle Städte die erwünschten Daten für 1980 erhalten zu können. (...).
Während internationale Studien auf Berufe, Einkommen oder Bildung zurückgreifen können, liegen solche Daten kleinräumig für Deutschland nicht vor. Daher wird sich die Studie auf die Indikatoren Armut und ethnischen Status, oft sogar nur: Deutsche - Migranten, beschränken müssen."
(2009, S.21)

Die Vergleichbarkeit hinsichtlich der Segregation ist aufgrund der unterschiedlichen politischen Stadtstrukturen eingeschränkt

"Die räumlichen Einheiten sind stets administrativ abgegrenzte städtische Teilgebiete, z.B. Ortsteile, Stadtteile, selten Stadtviertel. Wir verwenden einheitlich den Ausdruck »Stadtteile«. Die Zahl der Stadtteile schwankt von Stadt zu Stadt, weshalb ein genauer Vergleich aufgrund einheitlich großer Gebiete nicht möglich ist. Selbst innerhalb einer Stadt weisen die Einheiten eine unterschiedliche Einwohnerzahl (und Fläche) auf (...). Diese Unterschiede in der Zahl der räumlichen Einheiten sind deshalb bedeutsam, weil die Forschungen zeigen, dass mit der Zahl der räumlichen Einheiten auch das Ausmaß der Segregation zunimmt. Das ist nahe liegend, denn je kleiner die räumlichen Einheiten sind, desto homogener sind sie auch, weshalb das Ausmaß der Segregation in der Stadt höhere Werte aufweist."
(2009, S.21f.)

Probleme bei der Ermittlung der Arbeitslosigkeit in den Städten

"Da die Berechnung der »Arbeitslosenquote« nicht einheitlich formell definiert ist oder auf einem Konsens über die anzuwendende Methodik basiert, sondern vielmehr von Stadt zu Stadt unterschiedlich ermittelt wird, haben wir zu Beginn der Datensammlung die mathematische Funktion der Berechnung der Arbeitslosendichte festgelegt. Die hier abgebildeten Dichteangaben bezeichnen jeweils den Anteil der Arbeitslosen einer administrativen Einheit an der Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 65 Jahren, also der gemeinhin als »arbeitsfähige Bevölkerung« bezeichneten Bevölkerungsgruppe. In diese qua Alter abgegrenzte Bevölkerungsgruppe fallen also auch alle Schüler im angegebenen Alter, Studenten, Hausfrauen, Frührentner, aber auch Personen, welche nicht den Status eines sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ausüben, wie z.B. Selbständige.
Andere Berechnungswege setzen andere Angaben in Beziehung zueinander. (...). Die Stadt Essen beispielsweise weist in der vorliegenden Studie eine Arbeitslosendichte von 11,4 % im Jahr 2005 auf. (...). Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht für die Stadt Essen eine Arbeitslosenquote von 16,3 % (Arbeitslosenquote bezogen auf alle Erwerbspersonen) bzw. von 17,9 % (Arbeitslosenquote bezogen auf abhängige Erwerbspersonen)."
(2009, S.23f.)

Städte-Klassifikation nach Pohlan und Wixforth (2005)

"Um die Städte nach ihrer Wirtschaftskraft zu klassifizieren, greifen wir auf eine Cluster-Analyse von Pohlan und Wixforth (2005) zurück, die sich auf insgesamt 111 kreisfreie Städte richtet. (...).
In ihrer Studie wurden Hamburg, Berlin, Bremen und Hannover nicht berücksichtigt. Wir haben diese Städte (...) den Clustern hinzugefügt (...). In diesem Ansatz werden den Städten in den einzelnen Clustern unterschiedliche Entwicklungschancen zugeordnet, gemessen an ökonomischen und demographischen Indikatoren. Ordnet man die Cluster auf einem Kontinuum von ungünstiger zu günstiger Entwicklung, so ergibt sich folgende Anordnung: C5 - C6/C1 - C2 - C3 - C4."
(2009, S.24f.)

"C1: Wirtschaftsschwache Nord-West-Städte - schrumpfend (N = 11)
Hierzu gehören: Flensburg, Gelsenkirchen, Kassel, Kiel, Leipzig, Lübeck, Mönchengladbach, Neumünster, Offenbach/Main, Delmenhorst

C2: Demographisch begünstigt - Beschäftigtenabbau (N = 42)
Hierzu gehören: Amberg, Ansbach, Baden-Baden, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bottrop, Braunschweig, Coburg, Dortmund, Dresden, Erfurt, Erlangen, Frankenthal, Freiburg, Fürth, Hamm, Heidelberg, Hof, Jena, Kaiserslautern, Kaufbeuren, Kempten, Landau, Leverkusen, Mainz, Memmingen, Mühlheim/Ruhr, Neustand, Passau, Pforzheim, Plauen, Remscheid, Rosenheim, Schwabach, Solingen, Speyer, Straubing, Trier, Weimar, Worms, Würzburg

C3: Schrumpfend - günstige Beschäftigtenentwicklung (N = 20)
Hierzu gehören: Aachen, Dessau, Duisburg, Emden, Essen, Hagen, Herne, Ingolstadt, Köln, Krefeld, Münster, Oberhausen, Osnabrück, Pirmasens, Salzgitter, Wilhelmshaven, Wismar, Wuppertal, Zweibrücken, Zwickau

C4: Wirtschaftsstarke Städte - prosperierend (N = 22)
Hierzu gehören: Aschaffenburg, Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Heilbronn, Karlsruhe, Koblenz, Landshut, Ludwigshafen, Mannheim, München, Nürnberg, Regensburg, Schweinfurt, Stuttgart, Ulm, Wiesbaden, Weiden, Wolfsburg

C5: Ostdeutsche Städte - extrem kumulierte Problemlagen (N = 10)
Hierzu gehören: Brandenburg, Chemnitz, Cottbus, Frankfurt/Oder, Gera, Görlitz, Halle/Saale, Hoyerswerda, Magdeburg, Suhl

C6: Ostdeutsche Städte - überalternd und Arbeitsmarktprobleme (N = 6)
Hierzu gehören: Greifswald, Neubrandenburg, Potsdam, Rostock, Schwerin, Stralsund"
(2009, S.177)  

     
 
       
   

Beitrag von single-generation.de zum Thema

Demografie und Demokratie: Wie ein Buch dem Zeitgeist der Demographisierung gesellschaftlicher Probleme erliegt und dadurch die Konflikte um den Wohlfahrtsstaat noch zusätzlich verschärft

 
       
   

Soziologische Stadtforschung (1988).
Sonderheft 29 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie

 
   
     
 

Zitat:

Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft als Hauptursache des Wandels der Städte

"Der Wandel der hochindustrialisierten Gesellschaften von der Güter- zur Informationsproduktion und zu Dienstleistungen ist die wesentliche Randbedingung für den Wandel von Städten, ihrer Wirtschaftskraft, der Art der Arbeitsplätze, damit der Struktur der Erwerbstätigen und Zahl der Arbeitslosen. Hierzu zählen Probleme auf sehr unterschiedlichen Aggregatebenen, so z.B.
- der Niedergang und Aufschwung von Städten, damit verbunden
- regionale Disparitäten (oft als »Süd-Nord-Gefälle« bezeichnet),
- zunehmend schrumpfende Steuereinnahmen und finanzielle Probleme der Städte,
- Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe in ihren finanziellen und sozialen Auswirkungen für die Städte,
- das Entstehen einer »urban underclass«, z.B. Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, allein-erziehende Mütter, Asylanten, sowie
- einer zunehmenden »neuen« Obdachlosigkeit in zahlreichen Ländern (...).
Eine grundsätzliche Analyse zu diesem Prozeß des Wandels der Städte geben Hartmut Häußermann und Walter Siebel in ihrem Beitrag (...).
Auf die demographische Entwicklung von Städten und ihrem Umland gehen Hans Peter Gatzweiler und Wendelin Strubelt am Beispiel von drei Typen von Agglomerationen ein. Zu diesem demographischen Wandel gehört auch das Ansteigen des Anteils der Bevölkerung über 60 Jahre, eine Entwicklung, die beträchtliche Auswirkungen auf den städtischen Wohnungsmarkt und auf die erforderliche Infrastruktur, z.B. Alten- und Pflegeheime und soziale Dienste, haben wird."
(Jürgen Friedrichs 1988, S.14)

     
 
       
       
   

Die Beiträge des Sonderheftes

FRIEDRICHS, Jürgen - Stadtsoziologie: wohin?
MUSIL, Jiri - Der Status der Stadtökologie. S. 18-34.
ESSER, Hartmut - Sozialökologische Stadtforschung und Mehr-Ebenen-Analyse
FRIEDRICHS, Jürgen - Makro- und mikrosoziologische Theorien der Segregation
HÄUßERMANN, Hartmut & Walter SIEBEL - Die schrumpfende Stadt und die Stadtsoziologie
SCHÄFERS, Bernhard - Stadt und Kultur
HERLYN, Ulfert - Individualisierungsprozesse im Lebenslauf und städtische Lebenswelt
APPOLD, Stephen J. & John D. KASARDA - Agglomerationen unter den Bedingungen fortgeschrittener Technologien
GRABOW, Busso & Dietrich HENCKEL - Technik und neue Zeitordnungen: Folgen für die Städte
JUNKERNHEINRICH, Martin - Kommunale Inzidenz neuer Techniken. Eine explorative Theorie sozial-räumlicher Folgen neuer Informations- und Kommunikationstechniken
GATZWEILER, Hans-Peter & Wendelin STRUBELT - Demographische Veränderungen und Wandel der Städte
PAPPI, Franz Urban & Christian MELBECK - Die sozialen Beziehungen städtischer Bevölkerungen
NAROSKA, Hans-Jürgen - Urban Underclass und "neue" soziale Randgruppen im städtischen Raum
DANGSCHAT, Jens S. - Gentrification: Der Wandel innenstadtnaher Wohnviertel
KECSKES, Robert & Stephan KNÄBLE - Der Bevölkerungsaustausch in ethnisch gemischten Wohngebieten. Ein Test der Tipping-Theorie von Schelling
NAUCK, Bernhard - Sozial-ökologischer Kontext und außerfamiliäre Beziehungen. Ein interkultureller und interkontextueller Vergleich am Beispiel von deutschen und türkischen Familien
ALPHEIS, Hannes - Das Wohnquartier und die Zufriedenheit seiner Bewohner. Kontextanalysen - Anwendung und Kritik
KIRCHBERG, Volker & Olav BEHN - Zur Bedeutung der Attraktivität der City. Ein nutzen- und wahrnehmungstheoretischer Ansatz
SIMON, Karl-Heinz - Probleme vergleichender Stadtforschung
BLASIUS, Jörg - Indizes der Segregation

 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 06. September 2005
Update: 22. Februar 2015