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Stephan Leibfried: Die Perspektiven des Wohlfahrtsstaates

 
       
     
       
     
       
   

Stephan Leibfried in seiner eigenen Schreibe

 
       
     
       
   

Stephan Leibfried im Gespräch

 
       
   
Stephan LEIBFRIED sieht - nicht wie üblich - in den Alleinerziehenden, sondern in den gering verdienenden allein stehenden Männern die Problemgruppe unter den Sozialhilfeempfängern:

"Wir haben das Verhalten von Sozialhilfeempfängern immer wieder breit untersucht. Etwa 50 Prozent der Menschen, die neu in die Sozialhilfe hineinkommen, kommen ein Jahr später wieder ohne Hilfe aus. Andererseits jedoch gibt es eine kleine Zahl von Menschen, die sehr lange Sozialhilfe brauchen und sich darum im System sammeln. Aber die Alleinerziehenden gehören in der Regel nicht dazu, sondern eher die allein stehenden gering qualifizierten Männer."

Neu:
GEHLEN, Martin & Armin LEHMANN (2005): "Wir bräuchten eine Art New Deal".
Ist Armut ein neues, ein altes oder gar ein ostdeutsches Phänomen? Sozialforscher Leibfried über "Proletarisierung" und riskante Abenteuer,
in: Tagesspiegel v. 22.08.

Der Sozialforscher Stephan LEIBFRIED weist u.a. darauf hin, dass Kinderreiche nicht unbedingt unter den Geringverdienern zu finden sind, sondern auch unter den Spitzenverdienern.

 
       
       
   

Grundlagen der Globalisierung (2001).
Perspektiven des Wohlfahrtsstaates
(zusammen mit Elmar Rieger)
Frankfurt: Edition
Suhrkamp

 
   
     
 

Pressestimmen

"Die Globalisierung ist für die Autoren lediglich ein »zufälliges Nebenprodukt« der wohlfahrtsdemokratischen Revolution, die zudem eine bereits bekannte »handelspolitische Norm« nur mit einem neuen Namen versehen hat. Anhand des Anteils von Import und Export am Bruttoinlandsprodukt rechnen sie vor, dass westliche Industriestaaten bereits in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in einem Ausmaß in den Weltmarkt integriert waren, das sich durchaus mit dem Umfang der heutigen »Globalisierung« vergleichen lasse.
(...).
Als Grundlage dieser weltwirtschaftlichen Integration oder Globalisierung identifizieren sie den Sozialstaat, der seinen Bürgern ein gewisses Maß an Sicherheit garantiert – unabhängig von den Schwankungen der wirtschaftlichen Entwicklung. Was den Staat im Gegenzug vor der Unzufriedenheit seiner Bürger schützt und so die Öffnung des Binnenmarktes erlaub (...). Aus diesem Grund »war und ist das Schicksal der Globalisierung innenpolitisch bestimmt.«
Eine Aussage, die man als Schlüsselsatz der Untersuchung verstehen muss, ermöglicht sie doch einen Paradigmenwechsel: dass Staaten nicht nur Spielbälle sondern Akteure der globalen Wirtschaft sind. Nach Erkenntnis der Autoren ist es die nationale Handelspolitik, die über Freihandel oder Protektionismus entscheidet – und damit über die Zukunft der Globalisierung."
(Andreas Bock in der SZ vom 31.01.2002)

Elmar Rieger und Stephan Leibfried in Zitaten:

Das Konzept der konservativen Wohlfahrtsfunktion

"Um erklären zu können, warum es zunächst in Form protektionistischer Handelspolitik zu einer schnellen Ausbreitung eines wirtschaftlichen Nationalismus, später dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, zu einer erfolgreichen und dauerhaften Politik der Senkung und weitgehenden Beseitigung von Zöllen, also der Öffnung der nationalen Volkswirtschaften, gekommen ist, kann das Konzept der »konservativen Wohlfahrtsfunktion« herangezogen werden, von der sich die Regierenden leiten lassen (...).
Einfach ausgedrückt, geht die konservative Wohlfahrtsfunktion von der Annahme aus, dass die Regierenden immer versuchen werden, erhebliche und absolute Einbußen der Realeinkommen von Gruppen mit einigem politischen Gewicht zu verhindern. Eine solche Orientierung läuft nicht nur darauf hinaus, dass die politisch Verantwortlichen die jeweils existierende Einkommensverteilung als die beste ansehen, sondern auch dem Risiko negativer Entwicklungen mehr Gewicht beilegen als den Chancen von Wachstum und Verbesserungen. Deshalb bezeichnet W. Max Corden die Wohlfahrtsfunktion als konservativ. Veränderungen von Einkommen in jeweils gleichem Umfang werden stärker empfunden, wenn sie als Verlust, und weniger gravierend, wenn sie als Zuwachs auftreten.
Warum sich Regierungen so verhalten, kann verschiedene Gründe haben: Sie möchten wieder gewählt werden und sind deshalb für jene kritischen Signale empfänglich, die Beschäftigungsverluste und Lohnsenkungen bei Kerngruppen der Wahlbevölkerung für sie bedeuten. Sie wollen verhindern, dass durch Importkonkurrenz Statuspositionen bedroht oder die wirtschaftlichen Bedingungen der sozialen Ordnung erodiert werden. Schließlich sehen die Regierungen sich durch die einheimischen Verlierer der Importkonkurrenz gezwungen, protektionistische Maßnahmen zu ergreifen.
(...)
Die These einer politikleitenden konservativen Wohlfahrtsfunktion bezieht sich auf Motive und Prinzipien, die das Verhalten sozialer Gruppen und von Regierenden prägen und die zu besonderen institutionellen Strukturen auf nationaler und internationaler Ebene führen.
(Elmar Rieger und Stephan Leibfried in "Aus Politik und Zeitgeschichte", B48/2000)

Zusammenhang von Wohlfahrt und Globalisierung

Die Überlegungen, die W. Max Corden unter dem Begriff der konservativen Wohlfahrtsfunktion zusammenfasst, führen für die Handelspolitik zu folgender auf die Innenpolitik einer Wohlfahrtsdemokratie zielende These: In dem Maße, in dem Regierungen über die Einrichtungen einer funktional differenzierten Sozialpolitik Einkommen wirksam (ver)sichern und für Zwecke der Erhaltung des erreichten sozialen Status umverteilen, können sie auch auf protektionistische Intervention in den Handel und eine strikte Regulierung der außenwirtschaftlichen Verhältnisse verzichten. Sofern mehrere Länder eine sozialpolitische und nicht mehr handelspolitische Einkommens- und Statussicherung betreiben, kann sich auch in entsprechendem Umfang ein internationaler Handel frei entwickeln. Da die Regierenden hauptsächlich deshalb Zölle und Quoten eingeführt haben, um mit einheimischen Gütern konkurrierende Importe abzuwehren und um plötzliche oder hohe wie unerwartete Einkommensverluste für außenwirtschaftlich exponierte Gruppen im Gefolge von Entwicklungen, die jenseits der Grenzen - und damit der Reichweite politischer Regulierung und Intervention - ihre Ursachen haben, einzuschränken oder ganz zu verhindern, liefen ihre Anstrengungen in der Handelspolitik immer darauf hinaus, eine Art soziales Sicherungssystem zu errichten. Sozial- und Handelspolitik sind also, wenn es um die Reaktion auf die Wirkungen einer offenen Volkswirtschaft - vor allem um die unter Umständen massiven Folgen von Importen für die Beschäftigung und die Einkommen - geht, funktional   äquivalent. Bei beiden stehen die Erhaltung und die jeweilige Verteilung von Einkommen im Mittelpunkt des politischen Geschehens."
(Elmar Rieger und Stephan Leibfried in "Aus Politik und Zeitgeschichte", B48/2000)

 
     
 
       
   

Rezensionen

BOCK, Andreas (2002): Nebenprodukt.
Verachtet den Sozialstaat nicht, fordern Leibfried und Rieger,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.01.
 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

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Update: 08. März 2017