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Singlestudien in der Debatte:

 
   

Norbert F. SCHNEIDER

 
   

Berufliche Mobilität und Lebensform

Uni Mainz und Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg

 
       
     
       
   

Norbert F. Schneider im Gespräch

 
   

FREYMEYER, Karin & Manfred OTZELBERGER (2000): Die Fernbeziehung ist nicht so schlecht wie ihr Ruf.
Interview mit dem Soziologie-Professor Norbert F. Schneider,
in: FREYMEYER, Karin & Manfred OTZELBERGER: In der Ferne so nah. Lust und Last der Wochenendbeziehungen, Berlin: Ch. Links, S.32-36

KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2002): "Die negativen Folgen der Mobilität dürfen nicht länger übersehen werden".
Ein Gespräch mit Norbert F. Schneider, Professor für Soziologie an der Universität Mainz und Projektleiter der Studie Berufsmobilität und Lebensform,
in: Psychologie Heute, April

 
       
   
     
 

Die untersuchten Lebensformen

"Im Mittelpunkt der Studie stehen fünf mobile Lebensformen:
· Fernpendler: Lange Anfahrtswege zur Arbeit werden in Kauf genommen, um den gemeinsamen Wohnort des Paares oder der Familie zu erhalten. Das Pendeln erfolgt in aller Regel täglich, die Fahrzeit für die einfache Wegstrecke beträgt mindestens eine Stunde;
· Umzugsmobile: Paare bzw. Familien, die sich aufgrund beruflicher Mobilitätserfordernisse in den letzten fünf Jahren zu einer Verlagerung ihrer gemeinsamen Haushalts entschieden und einen Fernumzug hinter sich haben;
· Wochenendpendler (Shuttles): Die Paare gründen einen Zweithaushalt am Arbeitsort des mobilen Partners, der nur arbeitsbezogen genutzt wird. An den Wochenenden oder in anderen zeitlichen Rhythmen teilen die Partner den gemeinsamen "Haupthaushalt";
· Varimobile: Mindestens einer der beiden Partner ist an wechselnden Orten beruflich tätig und ist in dieser Zeit in Hotels, Gemeinschaftsunterkünften etc. untergebracht ist; das gilt z.B. regelmäßig für Berufsgruppen (z.B. Vertreter, Pilot oder Manager), bei denen bereits mit der Berufswahl Mobilität mitgewählt wird;
· Fernbeziehungen (Living Apart Together - LATs): Bei diesen Paaren verfügt jeder der Partner über einen eigenen Haushalt, einen gemeinsamen "Haupthaushalt" gibt es nicht.
Als Vergleichsgruppe wurden auch nicht mobile Personen befragt:
· Die Ortsfesten: Paare, die bislang nicht mit beruflichen Mobilitätserfordernissen konfrontiert und noch nie mobil waren;
· Die Verweigerer (Rejectors): Paare, die berufliche Mobilitätserfordernisse z.T. unter Verzicht auf berufliche Karriere zugunsten der Familie abgelehnt haben."
(aus: Norbert F. Schneider/Kerstin Hartmann/Ruth Limmer (2001):"Berufsmobilitä und Lebensform - Sind berufliche Mobilitätserfordernisse in Zeiten der Globalisierung noch mit Familie vereinbar? Konzeption der Studie und ausgewählte Hauptergebnisse")

 
     
 
       
   

Ein Beitrag von single-generation.de zum Thema

Fernbeziehungen - Wie der veränderte Arbeitsmarkt unsere Liebesbeziehungen prägt
 
   

Die Studie in der Debatte

HENKEL, Gabi (2001): Paarorientierte Gesellschaft.
Eine Studie der Mainzer Uni zufolge gibt es keine Vereinzelungstendenz,
in: Allgemeine Zeitung Mainz v. 23.06.

"Auf Basis der Amtsstatistik, die ihre Auswertung auf Haushalte bezieht, wird laut Schneider der Anteil von Singles und Alleinerziehenden in der heutigen Gesellschaft überschätzt. Auch wenn heutzutage 38 Prozent aller Haushalte Ein-Personen-Haushalte sind, machen Singles im Sinne überzeugt Alleinlebender lediglich drei bis vier Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus."

Kaum ein Soziologe wagt heute öffentlich solch deutliche Worte. Gemäß SCHNEIDER lebt von den 25- bis 55-Jährigen "jeder Elfte in einer Beziehung ohne gemeinsame Haushaltsführung". Damit sind Partnerschaftsformen wie Living apart together, Liebe auf Distanz oder die Wochenendehe bzw. die Fernliebe gemeint. Nicht erwähnt wird jedoch, dass viele zusammenwohnende Paare ebenfalls zu den Einpersonenhaushalten gezählt werden.

HEBEL, Christina (2001): Geh' aus, mein Herz, und suche Freud' - notfalls bis nach Hamburg.
Pendelnde Herzen: Fernbeziehungen werden immer häufiger / Soziologen nennen das "Dual Career Couple (DCC)" - zwei Karrieren, ein Paar
in: Frankfurter Rundschau v. 17.08.

Berichte über Alleinlebende sind im allgemeinen Berichte über Partnerlose. Dies verkennt die Tatsache, dass viele Alleinlebende feste Partner haben. Die konservative Haushaltsstatistik, die immer noch an der lebenslangen Wohn- und Versorgungsgemeinschaft Ehe orientiert ist, überschätzt deshalb das Phänomen Partnerlosigkeit. In der Reportage von HEBEL kommt eine 32-Jährige Managerin zu Wort, die eine Fernbeziehung führt:

"In der Woche arbeitet sie in Frankfurt und wohnt in ihrem Ein-Zimmer-Apartment in Sachsenhausen. Am Wochenende fährt sie nach Hamburg und lebt mit ihrem Freund in der gemeinsamen Drei-Zimmer-Wohnung im Stadtteil Hamm-Süd. Damit gehört Nissen der immer größer werdenden Gruppe derjenigen Paare an, die für kürzere oder längere Zeit eine Beziehung auf Distanz führen. Dieses Phänomen hat der Mainzer Soziologie-Professor Norbert Schneider im Auftrag des Bundesfamilienministeriums in einer Studie über 'berufliche Mobilität und Lebensform' erarbeitet, deren Ergebnisse am 28. August vorgestellt werden sollen. Danach ist inzwischen jede achte Liebe eine Fernbeziehung. 1985 sollen es nur halb so viele gewesen sein."

Frankfurt, Berlin und Hamburg - Städte mit vielen Arbeitsplätzen bei Banken, an der Uni oder im Medienbereich - sollen Hochburgen der Fernliebenden sein. Bahn, Fluggesellschaften und die Telekombranche verdienen gut an diesen Karrierepaaren. Aber Fernliebende gehören nicht nur zu diesen Spitzenverdienern, sondern auch Jugendliche werden durch Studienplatz oder Bundeswehr zu eher unfreiwilligen getrenntwohnenden Paaren, was im Artikel unerwähnt bleibt. Die Fernbeziehung ist auch nicht nur die Folge einer Aufstiegsorientierung wie dies von HEBEL dargestellt wird, sondern ist eine Möglichkeit dem drohenden beruflichen Abstieg zu entgehen.

SACHSE, Katrin (2001): Der bewegte Mensch.
Reisen, pendeln, umziehen – lautet die Karriereregel. Das rastlose Leben belastet Familie, Liebe und Gesundheit
in: Focus Nr.35 v. 27.08.

Ein einseitiger Bericht über die Studie von Norbert SCHNEIDER Berufsmobilität und Lebensform:

"Schlechte Noten erteilt die Untersuchung Fernpendlern und Wochenendheimfahrern",

schreibt SACHSE. Solche pauschalen Aussagen sind für Betroffene nutzlos, weil sie den unterschiedlichen Lebensumständen solcher Paare nicht annähernd gerecht werden. Das Hauptproblem ist, dass SACHSE Familienpolitik für Tagespendler betreibt. Wer umzieht, d.h. als klassisches Paar bzw. Familie lebt, der muss deshalb zu den Gewinnern im "Kampf gegen den Stress" gehören. In der französischen Tageszeitung Le Monde vom 24.08.2001 wird dagegen über die Folgen der Arbeitszeitverkürzung und den TGV-Effekt, d.h. die enorme Reduzierung der Fahrzeiten zwischen Großstädten, diskutiert. Dadurch hat sich die Bi-Lokalität in Frankreich erhöht.

FOCUS (2001): "Was verkraftet die Seele?".
Familienministerin Bergmann fordert Unternehmer auf, an Familien zu denken und Fahrtkosten zu tragen,
in: Focus Nr.35 v. 27.08.

Die Berichte zur Vorstellung der Studie durch Familienministerin Christine BERGMANN in Berlin beschränken sich auf den familienpolitischen Aspekt des Themas, d.h. wer vor der konkreten Entscheidung steht: Fernbeziehung ja oder nein, der wird hier keine relevanten Informationen finden. Die Lösung für Fernliebende, die seit Ulrich BECKs Das ganz normale Chaos der Liebe immer wieder gefordert wird: Unternehmen sollen Arbeitsplätze auch für den Partner bereitstellen, ist höchstens ein Mittel der Rekrutierung von Eliten. Die Mehrzahl der Paare werden also nicht in den Genuss solcher Angebote kommen. Wer nicht den Aufstieg, sondern den Abstieg vor Augen hat, der wird von der gegenwärtigen Familienpolitik ganz im Stich gelassen...

BALL, Stefanie (2001): Mobilität macht nicht glücklich,
in: Mannheimer Morgen v. 29.08.

BALL, Stefanie (2001): Nicht zu ändern,
in: Mannheimer Morgen v. 29.08.

BERNARDING, Bernard (2001): Die Probleme der "Leitfigur der Moderne".
Die Wirtschaft braucht mobile Berufstätige, doch deren Familienleben leidet - Ministerin Bergmann stellt Studie vor,
in: Saarbrücker Zeitung v. 29.08.

SAARBRÜCKER ZEITUNG (2001): Wir sind ja alle so total global.
Heute hier, morgen nie daheim,
in: Saarbrücker Zeitung v. 29.08.

Walter Kirn - Der globale Nomade

EPD/KNA (2001): Pendler müssen leiden.
Studie: Grund für Mobilität ist meist die Angst um den Job,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.08.

GERMIS, Carsten (2001): Kilometer zur Karriere.
Pendeln - jede sechste Partnerschaft ist davon betroffen. Was im Beruf Vorteile bringt, lässt bei den meisten das Privatleben leiden
in: Tagesspiegel v. 29.08.

HÄNSEL, Heiko (2001): Berufspendler kriegen weniger Kinder.
taz-Tagesthema: Familienministerin Christine Bergmann (SPD) legt Studie zur beruflichen Mobilität vor. Trennung von Lebens- und Arbeitsort ist meist erzwungen,
in: TAZ v. 29.08.

Heiko HÄNSELl schreibt, dass Singles nicht zu den befragten Paaren gehören. Heutzutage werden Personen, die einen Einpersonenhaushalt führen, d.h. Alleinlebende, als Singles bezeichnet. In diesem Sinne gehören Singles sehr wohl zur untersuchten Population. Menschen, die eine Fernbeziehung führen, können beide einen Einpersonenhaushalt führen. "Shuttles", die berufsbedingt einen zweiten Haushalt gründen, sorgen ebenfalls für einen Anstieg der Alleinlebenden.

SIEMS, Dorothea (2001) Ministerin: Familien leiden unter "Berufsnomadentum".
Insbesondere für Frauen und Kinder seien die Nachteile erheblich,
in: Welt v. 29.08.

SPAHN, Susanne (2001): Neue Studie zur Situation von Berufspendlern.
Familien leiden unter dem Zwang zur Mobilität. Viele klagen über Einsamkeit und Entfremdung von dem Partner,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.08.

KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2002): Kaum da, schon wieder weg!
Die einen nehmen täglich lange Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz auf sich, andere leben unter der Woche wie Singles und werden nur am Wochenende wieder zu Familienmenschen. Berufliche Mobile und ihre Partner leben mit vielen Strapazen, nur um sich einen Umzug in eine fremde Stadt zu ersparen. Damit wählen sie den schwersten Weg, wie eine aktuelle Studie belegt,
in: Psychologie Heute, April

KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2002): "Die negativen Folgen der Mobilität dürfen nicht länger übersehen werden".
Ein Gespräch mit Norbert F. Schneider, Professor für Soziologie an der Universität Mainz und Projektleiter der Studie Berufsmobilität und Lebensform,
in: Psychologie Heute, April

Rezension zum Psychologie Heute-Thema:
Berufsmobilität - Eine Studie möchte die Umzugsmobilität fördern
 
   

Literatur zur Studie

SCHNEIDER, Norbert F./HARTMANN, Kerstin/LIMMER, Ruth (2001): Berufsmobilität und Lebensform. Sind berufliche Mobilitätserfordernisse in Zeiten von Globalisierung noch mit Familie vereinbar? Projektbericht

 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 24. Juni 2001
Update: 18. August 2015