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Thomas Klein: Der Heiratsmarktengpass in Deutschland

 
       
     
       
     
       
   

Thomas Klein in seiner eigenen Schreibe

 
   

KLEIN, Thomas (1989): Divergierende Familiengrößen und "neue Kinderlosigkeit",
in: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 3, S.5-26

Thomas KLEIN stellt für die deutschen Frauen eine Polarisierung der Familiengrößen fest und hohe Kinderlosenzahlen für die nach 1950 geborenen Frauen:

"Zugenommen hat lediglich die Null-Kind-Familie. Bei Zugrundelegung von Modellschätzungen kann man für die 1951-60 geborenen Frauen, die bis 1987 durchschnittlich 34 Jahre alt waren, von einem Kinderlosenanteil von immerhin ca. 25-30 % ausgehen, während die 1941-50 Geborenen noch kaum über 10 % lagen. Diese Zahlen werden auch durch die amtliche Statistik untermauert (Schwarz 1989), die für die 1948-50 geborenen Frauen bereits eine Kinderlosigkeit von etwa 20 % ausweist. Eine erneute Divergenz der Familiengrößen beruht also zusammenfassend darauf, daß immerhin Familien mit drei Kindern nicht seltener geworden sind, die Kinderlosigkeit aber (wieder) stark zugenommen hat." (S.11)

KLEIN ermittelt außerdem eine Umverteilung von 1- auf 2 Kind-Familien bei den nach 1950 Geborenen:

"Bei den nach 1950 geborenen Frauen übersteigt (...) erstmals der Antei lder Frauen mit einem Kind, die noch ein zweites bekommen, den Anteil derer, die überhaupt ein erstes Kind bekommen. (...). Man kann somit festhalten, daß sich trotz hoher Kinderlosigkeit bei den 1951-60 geborenen Frauen mit Kindern ein Trend zum zweiten und sogar zum dritten Kind durchgesetzt hat. Nach einer Phase der Angleichung divergieren die Kinderzahlen in der jüngsten Kohorte wieder beträchtlich.

KLEIN geht von einem Bedeutungswandel der Ehe aus, der insbesondere von Akademikerinnen getragen wird:

"Während eine Heirat wohl bei den älteren Kohorten noch als Vorbedingung für die Realisierung von Kinderwünschen anzusehen war, ist bei den jüngeren Generationen ein Bedeutungswandel der Heirat zu verzeichnen, in dessen Folge (in umgekehrter Kausalität) häufig ein Kinderwunsch für Heiratsentscheidungen ausschlaggebend ist. Diese Loslösung von der traditionellen Selbstverständlichkeit der Heirat ist besonders bei Akademikerinnen zu beobachten, die nach Ergebnissen es Mikrozensus im Ehestand sogar mehr Kinder haben, als weniger gebildete Frauen." (S.21)

KLEIN sieht in der Bildungsexpansion eine Ursache des Anstiegs der Kinderlosigkeit:

"Hohes Bildungsniveau verringert lediglich die Neigung, ein erstes Kind zu bekommen, hat aber bei Müttern mit einem Kind überhaupt keine Bedeutung, was ein zweites Kind anbetrifft. Ein (Fach-)Hochschulabschluß hat überdies vor allem eine stark aufschiebende Wirkung auf die Familiengründung von Frauen (...). Führt man sich vor Augen, daß erst die nach 1950 geborenen Frauen von der Bildungsexpansion erfaßt wurden, so läßt sich die neue Kinderlosigkeit vermutlich nicht unwesentlich auf die Verbesserung des Bildungsniveaus zurückführen". (S.21)

Gemäß KLEIN hat die Bildungsexpansion auf Frauen und Männer unterschiedliche Effekte:

"Während das gestiegene Bildungsniveau der Frauen zum Anstieg der Kinderlosigkeit beigetragen hat, bewirkt das ebenfalls verbesserte Bildungsniveau der Männer, daß Frauen mit einem Kind noch zumindest ein zweites bekommen. Die Bildungsexpansion hat somit die Neue Kinderlosigkeit, wie gleichzeitig auch die beobachtete Polarisierung der Familiengrößen gefördert." (S.24)

KLEIN spricht von "Neuer Kinderlosigkeit", weil die hohe Kinderlosigkeit früherer Frauen von anderen Faktoren bedingt war:

"Anders als die frühere, fast ähnlich hohe Kinderlosigkeit der zum Beginn des Jahrhunderts geborenen Frauen ist die Neue Kinderlosigkeit weniger durch ungesicherte materielle Existenz und mangelnde Familiengründungsmöglichkeiten zu erklären als insbesondere durch die im Rahmen der Bildungsexpansion für Frauen geschaffenen Lebensmöglichkeiten außerhalb der Familien." (S.25)

KLEIN, Thomas (1993): "Marriage squeeze" und Heiratsverhalten. Eine empirische Untersuchung zum Einfluß struktureller Faktoren auf den individuellen Lebensverlauf, in: Diekmann, A. & Weick S. (Hg.) Der Familienzyklus als sozialer Prozeß. Bevölkerungssoziologische Untersuchungen mit den Methoden der Ereignisanalyse. Berlin: Duncker & Humblodt, S.234-258

KLEIN, Thomas (1994): Marriage Squeeze und Ehestabilität.
Eine empirische Untersuchung mit den Daten des sozioökonomischen Panels
in: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 3, S.177-196

KLEIN, Thomas (1995): Heiratsmarkt und "Marriage Squeeze". Analysen zur Veränderung von Heiratsgelegenheiten in der Bundesrepublik, in: B. Nauck & C. Onnen-Isemann (Hg.) Familie im Brennpunkt von Wissenschaft und Forschung. Rosemarie Nave-Herz zum 60. Geburtstag gewidmet. Neuwied: Luchterhand, S.357-367

KLEIN, Thomas (1996): Der Altersunterschied zwischen Ehepartnern.
Eine kritische Diskussion familiensoziologischer Theorieansätze,
in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Heft 3, S.281-302

KLEIN, Thomas (1999): Pluralisierung versus Umstrukturierung am Beispiel Partnerschaftlicher Lebensformen (KÖLNER ZEITSCHRIFT FÜR SOZIOLOGIE UND SOZIALPSYCHOLOGIE H.3/99, S.469-490)

KLEIN, Thomas (2000): Der Trugschluss von der Liebe.
Die Wahl des Partners ist nur vermeintlich eine höchst private Entscheidung, bei der Zuneigung und Zufall die wichtigsten Rollen spielen. Thomas Klein vom Institut für Soziologie entmystifiziert die Partnerwahl. Er schildert die Entscheidung für einen Lebenspartner als komplexes Geflecht unterschiedlichster Faktoren, das entscheidend von der Arithmetik des Heiratsmarkts regiert wird,
in: Ruperto Carola Nr.1

KLEIN, Thomas (2000): Partnerwahl und Partnerschaftsformen im regionalen Kontext. In: Hans Bertram/Bernhard Nauck/Thomas Klein (Hg.) Solidarität, Lebensformen und regionale Entwicklung, Opladen: Leske + Budrich, S.59-82

Thomas KLEIN weist darauf hin, dass die empirische Forschung sich bislang auf Heirat und Scheidung konzentriert hat und erst seit wenigen Jahren die Partnerwahl und nicht-eheliche Lebensgemeinschaften in den Blick geraten sind:

"Die Partnerwahl gewinnt in der Bundesrepublik erste seit wenigen Jahren ein gewisses Interesse (Blossfeld & Timm 1997; Frenzel 1995; Handl 1988; Klein 1996a, b, 1997, 1998, 1999a, b, c; Klein & Wunder 1996; Teckenberg 1991; Wirth 1996; Ziegler 1985), und die Zunahme Nichtehelicher Lebensgemeinschaften ist primär aus amtlichen Daten bekannt (z.B. Engstler 1997, Gruber 1999, Niemeyer 1994), aber soziologisch erst in Ansätzen untersucht (vgl. insbesondere Glatzer et al. 1997; Klein & Lauterbach 1999)." (2000, S.59)

KLEIN, Thomas (2000): Regionale Unterschiede von Krankheit und Tod in Deutschland. Analysen zur Lebenserwartung in Krankheit und Gesundheit. In: Hans Bertram/Bernhard Nauck/Thomas Klein (Hg.) Solidarität, Lebensformen und regionale Entwicklung, Opladen: Leske + Budrich, S.287-312

Neu:
LENGERER, Andrea & Thomas KLEIN (2007): Der langfristige Wandel partnerschaftlicher Lebensformen im Spiegel des Mikrozensus,
in: Wirtschaft und Statistik, Heft 4, April

KLEIN, Thomas/STAUDER, Johannes/HÄRING, Armando (2010): Gelegenheiten des Kennenlernens. Der Partnermarkt in Ost- und Westdeutschland. In: Peter Krause & Ilona Ostner (Hg.) Leben in Ost- und Westdeutschland. Eine sozialwissenschaftliche Bilanz der deutschen Einheit 1990 - 2010, Campus Verlag, S.187-209

 
   

Thomas Klein im Gespräch

 
   
FOCUS-Titelgeschichte: Wer nimmt wen - und warum?
Partnerwahl: Wissenschaftler entschlüsseln das spannendste Quiz des Lebens.  Wie Sie Ihr Glück steuern können

BÖCK, Ingrid (2000): "Gelegenheit macht Liebe".
Der Soziologe Thomas Klein erläutert, welchen Regeln die Partnerwahl folgt und warum Männer künftig das Nachsehen haben,
in: Focus Nr.45 v. 06.11.

Der Heidelberger Soziologe geht auf die Bedingungen des Partner- bzw. Heiratsmarkts ein und rückt den Single-Mythos zurecht, indem er darauf hinweist, dass "die Hälfte aller Menschen in so genannten Single-Haushalten über 65 Jahre alt sind". Natürlich darf seine These nicht fehlen, dass künftig Männer das Nachsehen haben, weil es einen Heiratsengpass gibt, der diesmal nicht die Frauen, sondern die Männer treffen soll (mehr)

 
       
   

Gelegenheiten des Kennenlernens (2010).
Der Partnermarkt in Ost- und Westdeutschland
In:
Peter Krause & Ilona Ostner (Hg.) Leben in Ost- und Westdeutschland. Eine sozialwissenschaftliche Bilanz der deutschen Einheit 1990 - 2010, Campus Verlag, S.187-209

 
   
     
 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung des Partnermarkts für familiäre und gesellschaftliche Entwicklungen

3. Geschlechterrelationen in Stadt- und Landkreisen

4. Partnermarktindikatoren in der Lebenssituation der Individuen

5. Präferenzen der Partnerwahl

6. Zusammenfassung und Ausblick

Anhang: Der Partnermarktsurvey 2009

Zitate:

Ursachen des Männerüberschusses in Ostdeutschland: Frauenüberschuss bei der Abwanderung, Geburtenrückgang und Altersunterschied bei Partnerschaften

"Seit der Wende von 1990 zeichnet sich in Ostdeutschland ein neues Partnermarktungleichgewicht in Form eines Männerüberschusses ab. Diese Verwerfungen des Partnermarkts spiegeln sich sogar in der amtlichen Statistik wider: Es gibt vor allem in Ostdeutschland Regionen, in denen (bezogen auf 18- bis 29-Jährige) weniger als 80 Frauen bezogen auf 100 Männer leben (Kröhnert u.a. 2005).
Der Männerüberschuss in den östlichen Bundesländern hat zwei Ursachen: Ein Grund ist zum einen die geschlechtsspezifisch unterschiedliche Abwanderung: Insbesondere in den 1990ern sind deutlich mehr Frauen als Männer in die alten Bundesländer abgewandert (vgl. Kröhnert/Klingholz 2007). Zum anderen ist ein Männerüberschuss bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch die Langzeitfolge des Geburtenausfalls nach der Wende (vgl. Kopp 2000, 2002; Mau/Zapf 1998; Sackmann 1999). Während beispielsweise 1988 noch 215.734 Kinder geboren wurden (110.913 Jungen und 104.821 Mädchen) waren es 1994 nur noch 78.698 (40.466 Jungen und 38.232 Mädchen (...)). Da Männer im Durchschnitt etwa drei Jahre älter sind als ihre Partnerin und der durchschnittliche Alterabstand kurz- und mittelfristig sehr invariant ist (Klein 1996), sind die einander zugehörigen Jahrgangsstärken sehr unterschiedlich. So stehen beispielsweise den 91.652 im Jahr 1990 geborenen Männern nur 39.024 Frauen des Jahrgangs 1993 gegenüber. Die von dem Geburteneinbruch tangierten Jahrgänge rücken nunmehr auf den Partnermarkt vor." (2010, S.187f.)

Bildungsniveau und Partnermarktungleichgewichte in Deutschland

"Unterstellt man eine vollständige Segmentation des Partnermarkts mit Abitur und eines ohne, ist er sichtlich, dass 30-jährige Männer mit Abitur gerade in vielen ostdeutschen Gebieten die günstigste Geschlechterrelation vorfinden; es finden sich sogar Kreise, in denen ein Frauenüberschuss von bis zu 127 verfügbaren, alters- und bildungsrelevanten Frauen auf 100 Männer existiert. Die Diagnose der besonders ungünstigen Geschlechterrelation für ostdeutsche Männer beruht somit in erster Linie auf einem Frauenmangel im weniger gebildeten Partnermarktsegment. Demgegenüber gibt es in Westdeutschland Gegenden, in denen Männer mit Abitur Probleme haben Partnerinnen auf demselben Bildungsniveau zu finden. Hierzu gehören insbesondere Württemberg und die angrenzenden Gebiete von Bayern und Hessen." (2010, S.192f.)

Individuelle Handlungskontexte relativieren die Geschlechterrelationen der amtlichen Statistik

"Die sozialen Unterschiede der Partnermarktsituation weisen darauf hin, dass die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen in unterschiedlichem Maße auf die Begegnungsgelegenheiten in der sozialen Umgebung von Individuen einwirken. Je nach Ausmaß und Art der sozialen Integration des Individuums in die Gesellschaft können die Handlungskontexte, über die die Individuen in die Gesellschaft eingebunden sind, eine gesamtgesellschaftlich ungünstige Geschlechterrelation verstärken oder stark abmindern." (2010, S.202)

 
     
 
       
   

Beiträge von single-generation.de zum Thema

Partnersuchende und ihre Ängste

Partnersuche - Die neuen Trends auf dem Partnermarkt und ein kleiner Streifzug durch die aktuelle Ratgeber- und Sachbuchliteratur

Menschen ohne Beziehungserfahrung

 
       
   

Männer, Kinderwunsch und generatives Verhalten (2006).
Eine Auswertung des Familiensurvey zu Geschlechterunterschieden in der Motivation zur Elternschaft
(zusammen mit Jan Eckhard)

Wiesbaden:
Verlag für Sozialwissenschaften

 
   
     
 

Klappentext

"Unterscheiden sich Männer und Frauen im Hinblick auf den Kinderwunsch? Werden mögliche Beweg- und Hinderungsgründe der Entscheidung zur Geburt eines Kindes von Männern und Frauen unterschiedlich wahrgenommen und sind diese geschlechtsspezifischen Wahrnehmungen von unterschiedlichen Vorraussetzungen abhängig? Und sind für die Realisierung von Kinderwünschen bei Männern und Frauen unterschiedliche oder ähnliche Beweg- oder Hinderungsgründen ausschlaggebend? Der Band präsentiert Untersuchungen und Ergebnisse zu diesen Fragen auf der Grundlage des Familiensurvey. "

     
 
       
   

Rezensionen

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Sozialstrukturanalyse (2005).
Eine Einführung
Reinbek:
Rowohlt Verlag

 
   
     
 

Klappentext

"Die Beschreibung und Analyse sozialer Strukturen betrifft letztlich alle Teilbereiche der Gesellschaft. Erfasst werden insbesondere die demographische Entwicklung, Haushalts- und Familienstrukturen und die soziale Ungleichheit, speziell in Bezug auf Bildung, auf Erwerbstätigkeit und Beruf sowie auf die Einkommensverteilung und die Wohlstandsentwicklung."

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Allgemeine Vorbemerkungen

2 Bevölkerung

2.1 Bevölkerungsgröße
2.2 Altersstruktur
2.3 Geburten
2.4 Lebenserwartung
2.5 Migration

3 Haushalt und Familie

3.1 Haushaltskomposition und private Lebensformen
3.2 Partnerwahl und Heirat
3.3 Scheidung und Wiederheirat
3.4 Der Auszug von Kindern aus dem Elternhaus

4 Soziale Ungleichheit und Soziale Mobilität

4.1 Bildung
4.2 Berufsstruktur und Beschäftigung
4.3 Wohlstand und Armut
4.4 Weitere Dimensionen sozialer Ungleichheit und sozialer Mobilität

5 Informationelle Grundlagen der Sozialstrukturanalyse (von Johannes Stauder)

5.1 Institutionelle Infrastruktur
5.2 Allgemeine Charakteristika von Sozialstatistiken
5.3 Die wichtigsten Datenquellen
5.4 Regelmäßige Publikationen

 
     
 
       
   
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Partnerwahl und Heiratsmuster (2001)
sozialstrukturelle Voraussetzungen der Liebe
Opladen:
Leske + Budrich

 
   
     
 

Klappentext

"Die Wahl des Lebenspartners: Eine vermeintlich ganz private Angelegenheit, die allenfalls psychologisch zugänglich erscheint? Analysen zeigen, dass die Partnerwahl nur auf den ersten Blick höchst privat und individuell ist. Tatsächlich folgt sie nämlich sozialen Regelmäßigkeiten:
Weit überzufällig finden Partner zusammen, die beide gebildet sind, beide ungebildet, ein ähnliches Alter haben, ähnlich attraktiv sind, beide rauchen, am selben Ort wohnen, dieselbe ethnische Herkunft haben usw.
Warum ist das so? Viele Beiträge des vorliegenden Buches kommen zu dem Ergebnis, dass der Heiratsmarkt eine ganz wesentliche Rolle spielt: Der Ausgleich von günstigen und ungünstigen Partnereigenschaften auf dem Heiratsmarkt und nicht zuletzt die Größe und die Sozialstruktur des Heiratsmarktes."

     
 
       
   
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DOUDNA, Christine/McBRIDE, Fern (1981): Where are the men for the women at the top? In: Stein, P. J. (Hg.) Single life: Unmarried adults in social context, New York: St. Martin's Press, S. 21-34

JÜRGENS, Hans W./POHL, Katharina (1985): Sexualproportionen und Heiratsmarkt,
in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, 11, 2, S. 165-178

WESTHOFF, Charles F./GOLDMAN, Noreen (1988): Figuring the Odds in the Marriage Market. In: Wells, G. J. (Hg.) Current Issues in Marriage and the Family, 4. Aufl., New York: Macmillan, S. 39-45

NOACK, Frank (2000): The Kid.
Junges Ego. Disney-Remake über zwei Ecken: John Turtletaubs Film mit Bruce Willis,
in: Tagesspiegel v. 05.10.

NOACK hat sich an den Newsweek-Artikel "Too late for Prince Charming" von Eloise Salholz aus dem Jahr 1986 erinnert. Dies ist wohl der am meisten zitierte Artikel der 80er Jahre zum Thema Single-Frauen gewesen.
            Er ist quasi unsterblich und geistert immer wieder einmal durch die Weltpresse, z.B. im Februar 1999 durch den Nouvel Observateur. Dort wird er behandelt, als ob er gerade erst geschrieben worden wäre:

"Sans parler de cette autre étude publiée dans «Newsweek» affirmant qu'à Manhattan une femme à la fois active et diplômée avait «autant de chances de trouver un compagnon que de se faire abattre par un terroriste»".

Der Artikel hat eine ganze Ära von Frauen-Literatur begründet. Angefangen hat das mit Elisabeth DUNKELs 1988er Bestseller "Every Woman Loves a Russian Poet" (deutsch: "Der Fisch ohne Fahrrad").
            Er hat außerdem die Ratgeberliteratur beflügelt. Susan Page hat ein ganzes Kapitel nur dem Thema gewidmet, ihren verzweifelten Klientinnen die Statistik zu erklären, bevor sie zum Kern ihres Themas kommen konnte. Andere haben den Slogan gleich als Titel für ihren Ratgeber verwendet.
            Ein beliebtes Spiel ist auch die Abwandlung. So heißt es bei Claudia KELLER:

"Lena ist vierunddreißig und somit hart an jener Schallgrenze, an der eine Frau, wie wir alle schaudernd vernommen haben, eher von einem Tiger gefressen wird, als daß sie noch die Chance hätte, einen Mann zu finden".

Nun also hat NOACK diesen Slogan wieder ausgekramt, um ihn auf Single-Männer anzuwenden. Er meint, dass die Unterhaltungsindustrie nun auch Männer unter Druck setzen will. Hoffentlich gehen da auch wirklich Junggesellen rein und nicht wieder nur Verheiratete.
            Soziologinnen wie Dorothea KRÜGER warten schon seit 10 Jahren darauf, dass die Männer endlich begreifen, dass sie mit einem Heiratsengpass zu kämpfen haben. Außer Thomas KLEIN , der seit Mitte der 90er Jahre vergeblich mit seinen Statistiken hausieren geht, hat das noch keiner eingesehen.
            Vielleicht glauben Männer weniger an Statistiken als an Horoskope. Man müsste dann die Geschichtsschreibung ändern. Vielleicht lesen sie auch nur die falschen Bücher oder gar keine. Vielleicht müsste man aber auch einen Werbetexter wie Viktor PELEWIN oder Frédéric BEIGBEDER (kennt man bei uns zwar noch nicht, aber das ändert sich) darauf ansetzen ein männliches Pendant zu erfinden.
            NOACK macht es sich jedenfalls zu einfach.

KÖSTER, Klaus (2001): Plön hat ein Männerproblem.
Statistische Schieflage zu Lasten der Frauen,
in: Kieler Nachrichten v. 02.06.

VOLLWEITER, Rainer (2001): Im Vordertaunus ist das schwache Geschlecht stark vertreten.
Frauenüberschuss in Kronberg und Bad Homburg bietet Anlass zu Spekulationen. Neuerdings mehr männliche Babys
in: Frankfurter Rundschau v. 14.08.

Was machen Journalisten, wenn sie über die Veröffentlichung neuer statistischer Daten berichten sollen? Sie versuchen unbrauchbare Daten mit einem allgemein interessierenden Thema zu verbinden und heraus kommt dann solch ein Artikel.

Was soll man von Angaben halten, die sich nur auf die regionale Verteilung von Männern und Frauen beziehen, aber sinnvolle Altersgruppen vermissen lassen?

Reiner VOLLWEITER jedenfalls spekuliert angesichts des Datendefizits über die Chancen von Frauen auf dem Partnermarkt in zwei hessischen Gemeinden. Man erfährt, dass Frauen der Altersgruppe 0-26 derzeit gute Chancen haben einen Partner zu finden! "Früh gefreit, nie gereut" heißt deshalb sein Motto. Am besten schon für Säuglinge auf Partnersuche gehen.

Offensichtlich gibt es vor allem bei über 60jährigen einen Frauenüberschuss. Über die Chancen im mittleren Alter erfährt man nichts.

Angesichts "globaler Nomaden" scheinen solche regionalen Ungleichgewichte der Geschlechter für Partnersuchende im mittleren Alter an Bedeutung zu verlieren und Fernbeziehungen halten sich sowieso nicht an die Grenzen von Statistikbezirken...

MARTIN, Frank O. (2001):  Marriage Squeeze in Deutschland - aktuelle Befunde auf der Grundlage der amtlichen Statistik. In: Thomas Klein (Hg.) Partnerwahl und Heiratsmuster. Sozialstrukturelle Voraussetzungen der Liebe, Opladen: Leske + Budrich, S.287-313

GERBERT, Frank (2006): Karriere eines Gerüchts.
Wird eine 40-Jährige eher von Terroristen ermordet, als dass sie noch einen Ehemann findet? Urheber "Newsweek" widerruft,
in: Focus Nr.24 v. 12.06.

Frank GERBERT berichtet über die Newsweek-Titelgeschichte "Rethinking »The Marriage Crunch«", die sich von der 1986er Titelgeschichte über den "alten Jungfern-Boom" distanziert. GERBERT behauptet jedoch, dass es in Deutschland für die Frauen schlechter aussehe als in den USA:

"Nur etwa fünf Prozent von ihnen (Anm.: den Ledigen) laufen jenseits der 40 noch in den Hafen der Ehe ein - was nicht so ewig weit entfernt ist vom alten »Terroristen«-Wert der »Newsweek« (2,6 Prozent)".

Der letzte Satz offenbart jedoch die Schwäche der amtlichen Heiratsstatistik:

"Wie viele deutsche Damen allerdings in nicht ehelichen Partnerschaften (mehr oder weniger) glücklich sind, ist der Statistik nicht zu entnehmen."

Die US-amerikanische Psychologin Bella DePAULO, die ein Buch über die Diskriminierung von US-Singles geschrieben hat, kritisiert aus diesem Grund die neue Titelgeschichte. 

STAUDER, JOHANNES, (2011): Regionale Ungleichheit auf dem Partnermarkt?
Die makrostrukturellen Rahmenbedingungen der Partnerwahl in regionaler Perspektive,
in: Soziale Welt H.62, S. 41-69

 
     
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 15. Oktober 2002
Update: 30. August 2015