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Brennpunkte der Single-Debatte

 
       
   

Dienstleistungsmetropole Frankfurt

 
       
   

Die Family-Gentrifier als neue Gruppe auf dem Wohnungsmarkt und die Konsequenzen für die Single-Debatte

 
       
     
       
   
     
 

Die demografische Ausgangslage

Die geburtenstarken Jahrgänge der westdeutschen Generation Golf (ILLIES) bzw. Generation Ally (KULLMANN) sind in der Familienphase oder gründen in den nächsten Jahren eine Familie.

Von 1961 bis 1967 wurden jedes Jahr über eine Million Kinder in den alten Bundesländern geboren. Bis zum Jahr 1975 verringerten sich die Geburtenzahlen um 1/3 auf ca. 600.000 Kinder pro Jahr und stabilisierte sich seitdem auf diesem niedrigeren Niveau (Tiefststand 1984 mit 584.157 Geburten; Höchststand 1990 mit 727.199 Geburten) .

Von der Suburbanisierung zur Family-Gentrification

Während in den 1980er und 1990er Jahren die Familiengründung üblicherweise mit dem Wegzug aus der Stadt einherging und dadurch die Suburbanisierung mit den typischen Reihenhaussiedlungen im Umland der Städte voranschritt, bahnt sich nun eine Trendwende an, die bereits Anfang der 1990er Jahre von der Stadtsoziologin Monika ALISCH prophezeit worden ist.

Wohnen in der Innenstadt - eine Renaissance?

"Seit einiger Zeit ist ein verstärktes Interesse am Wohnen in der Stadt zu beobachten, so dass – zögerlich noch – die Diskussion über eine »Rückkehr in die Stadt« beginnt. Vor allem innenstadtnahe Quartiere werden als Wohnstandort nicht nur von einer bestimmten Lebensstilgruppe »wiederentdeckt«. Selbst für Familien scheint das innenstadtnahe Quartier sein kinderfeindliches Image zu verlieren, sofern die Umfeldbedingungen stimmen. Die Renaissance der Stadt und insbesondere der Innenstadt als Wohnstandort läutet offenbar eine neue Phase der Stadtentwicklung ein. Suburbanisierungsprozesse dagegen könnten an Bedeutung verlieren."
(aus dem Klappentext)

ALISCH sieht darin die Konsequenz der veränderten Frauenrolle. In der familienpolitischen Debatte wird dies mittlerweile als Vereinbarkeit von Familie und Beruf verhandelt. Anfang der 1990er Jahre war es jedoch üblich, dass Familien ausschließlich als Opfer der Verdrängung beschrieben wurden:

Frauen und Gentrification

"In den Beschreibungen der statushöheren Haushalte, die in innenstadtnahe Wohngebiete zogen, die zuvor vom Niedergang gekennzeichnet waren, war deren Kinderlosigkeit eines der wesentlichen immer wieder erwähnten Merkmale. Den »Young Urban Professional« vor Augen, der bei hohem Einkommen in einem hochqualifizierten Beruf tätig ist, rückten Familienhaushalte in innenstadtnahen Wohngebiete auf die Seite der Verdrängten oder zumindest von Verdrängung Bedrohten, sofern man überhaupt noch davon ausging, daß Familien innenstadtnah wohnten."
(Monika Alisch, 1993, S.126)

ALISCH kritisierte in ihrem Buch diese vereinfachende Sichtweise. Sie verwies dabei auf den Begriff "Family-Gentrification", den Peter MARCUSE Mitte der 1980er Jahre geprägt hat.

Frauen und Gentrification

"Der Begriff »Family-Gentrification« wurde von Peter Marcuse (...) eingeführt und bezeichnet die abschließende Phase der Auf- und Umwertung eines Wohnviertels. Er meint damit den Zuzug von Personen, die älter als 30 Jahre sind und kleine Kinder haben."
(Monika Alisch, 1993, S.126)

ALISCH verwies darauf, dass Kinderlose nicht von vornherein als Verdränger aufgefasst werden dürfen, sondern dass gutverdienende Familien ebenfalls als Verdränger auftreten können. Die damalige Stadtforschung hat diesen Einwand jedoch bis heute weitgehend ignoriert und stattdessen die Kontroverse zwischen Singles und Familien forciert. ALISCH konnte in ihrer Untersuchung der Hamburger Verhältnisse jedoch nachweisen, dass die Yuppisierung der Großstädte sich bereits damals nicht so einfach in das familienpolitisch beliebte Schema einpasste. ALISCH weist den Familienhaushalten eine aktivere Rolle im Aufwertungsprozess zu. Ihr Fazit lautet deshalb:

Frauen und Gentrification

"Es konnte mit dieser Studie erstmalig empirisch belegt werden, daß die gegebene Nachfrage auf dem innerstädtischen Wohnungsmarkt - sei es durch die Alleinlebenden, die kinderlosen Pare oder die Familien - nicht ohne ein relativ hohes Qualifikationsniveau, starke Berufsorientierung und Vollzeitbeschäftigung eines großen Teils der Frauen möglich wäre."
(Monika Alisch, 1993, S.285)

ALISCH folgert daraus, dass es zu "neuen Konfliktpotenzialen" kommt, die "nicht mehr allein über die finanzielle Durchsetzungskraft zu lösen sind". Sie weist darauf hin, dass die Pluralisierung der Familienformen räumliche Konsequenzen hat, die damals nur unzulänglich berücksichtigt wurden:

Frauen und Gentrification

"Gerade der Wunsch von Familien, innenstadtnah wohnen zu bleiben, aber auch das (materielle) Beharrungsvermögen, sind gesellschaftlich und stadtentwicklungspolitisch neue Phänomene, die sich zum einen auf die dauerhafte Bewohnerschaft in den innenstadtnahen Wohnstandorten auswirken werden und zum anderen nachhaltig die Struktur der momentan wenig beachteten Suburbanisierung beeinflussen werden."
(Monika Alisch, 1993, S.286)

Während die vorstädtischen Wohnstandorte auf dem Mobilitäts- und Berufsverzicht der Frauen beruhen, verändert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch den Wohnwunsch der jungen Familien, d.h. innenstadtnahe Wohnlagen werden für diese wohlhabenden Familien attraktiv. In der Generation Golf/Ally sind diese neuen Präferenzen bereits dominant. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll im städtischen Rahmen der Erlebnis- und Spassgesellschaft erfolgen .

Folgen der Family-Gentrification für die Singles

Mit dem Auftreten dieser kaufkräftigen "Family-Gentrifier" ist die Wiederbelebung der Yuppie-Debatte vorprogrammiert. Die Instrumentalisierung des Feindbildes Single für die Durchsetzung der Interessen dieser neuen Gruppe, die auf dem umkämpften Marktsegment der hochwertigen Wohnungen mit Zwei-Karriere-Paaren und hochmobilen Wochenendpapas konkurrieren, ist mehr oder weniger zwangsläufig, denn im Gegensatz zu ihren Konkurrenten sind sie zusätzlich noch auf eine entsprechende kinderfreundliche Infrastruktur angewiesen, die zukünftig bereitgestellt werden muss. Bei diesem Kampf der wohlhabenden Gruppen um sozialstaatliche Gelder werden einkommensschwache Singles (ältere Witwen, junge Studenten und Ausländer) als Sündenböcke herhalten müssen. Der Verweis auf die hohe Zahl der Einpersonenhaushalte und die Gleichsetzung von Singles mit Yuppies sind die üblichen Mittel der Dramatisierung , um die Interessen dieser wohlhabenden Familien in der angeblichen "Single-Gesellschaft" durchzusetzen.

Die Single-Lüge - Das Buch zur Debatte

"Die Rede von der »Single-Gesellschaft« rechtfertigt gegenwärtig eine Demografiepolitik, die zukünftig weite Teile der Bevölkerung wesentlich schlechter stellen wird. In zahlreichen Beiträgen, die zumeist erstmals im Internet veröffentlicht wurden, entlarvt der Soziologe Bernd Kittlaus gängige Vorstellungen über Singles als dreiste Lügen. Das Buch leistet damit wichtige Argumentationshilfen im neuen Verteilungskampf Alt gegen Jung, Kinderreiche gegen Kinderarme und Modernisierungsgewinner gegen Modernisierungsverlierer."

 
     
 
       
       
   

Statistische Daten im WWW

 
       
   
Hessisches Statistisches Landesamt

Stadt Frankfurt - Frankfurter Statistik Aktuell (FSA)

Privathaushalte in Frankfurt von 1997 bis 200 (FSA Nr.11/2001)

"Während sich die Haushalte ohne Kinder im Vergleich 1997 zu 2000 verringert haben, sind die Haushalte mit 2 und mehr Kindern von 9,6 auf 11 % gestiegen."

Deutschherrnviertel (FSA Nr.28/2001)

"Es wird die demografische Zusammensetzung der Bewohner des neuen Viertels anhand statistischer Daten dargestellt. Am 30.06.2001 wohnten 1247 Personen (inklusive Kinder) in dem noch nicht fertiggestellen Viertel. Davon haben 4 % einen Nebenwohnsitz. 389 Personen (32,5 %) sind im Familienlebensalter zwischen 30 und 40 Jahren. Die Mehrzahl ist verheiratet (54,2 %). 236 Kinder (19,7 %) im Alter von 0 - 18 Jahren leben dort. Die Mehrzahl der Kinder (11,8 %) sind unter 6 Jahren."

 
     
       
   

Der Wohnstandort Frankfurt in der Wissenschaft

 
       
   

BRAUERHOCH, Frank-Olaf (1991): Frankfurt am Main. Stadt, Soziologie und Kultur, Frankfurt a/M: Vervuert Verlag

Sammelband mit Beiträgen u.a. von Josef ESSER & Heinz STEINERT ("»Dienstleistungsgesellschaft« - »Scheinbürgertum«"), Volker HEINS & Joachim HIRSCH ("Auf welchem Mist wächst Grün? Sozialstruktur und Politik in einem »tertiarisierten Dienstleistungszentrum«"), Eike HENNIG ("Die Praxis der politisch-sozialen Segregation und die Ideologie des Reichtums für alle. Die Kommunalwahl vom 12.3.1989 und die rot-grüne Koalition"), Roland ROTH ("Frankfurt am Main - Skizzen zu einer Bewegungsmetropole") und Regina DACKWEILER ("Autonome Frauenbewegung")

 
       
   

Der Wohnstandort Frankfurt in den Medien

 
       
   

OFFENBACH-POST (2000): Wohnen im Wolkenkratzer in Mode,
in: Offenbach-Post v. 08.11.

SUNDERMANN, Detlef (2000): Der Traum vom Leben unter einem Dach ohne Zwang.
"Anders leben - anders wohnen": eine neue Form der Wohngemeinschaft in Frankfurt/Keine "Hippie-Kommune",
in: Frankfurter Rundschau v. 07.09.

Bericht über ein neues Wohnmodell: gemeinschaftliches Wohnen von Familien, Paaren und Singles in einer Hausgemeinschaft.

WESTERMANN, Rolf (2000): Preise, so Schwindel erregend wie die Aussicht.
Investoren entdecken Frankfurts neue Hochhäuser als lukrative Wohnlagen. Penthouse für 3,5 Millionen DM,
in: Welt v. 02.12.

MU (2001): Mehr als die Hälfte der Frankfurter lebt alleine,
in:
Taunus-Zeitung v. 23.04.

eMail von single-dasein.de an die Redaktion der Taunus-Zeitung:

"Mehr als die Hälfte der Frankfurter wohnt in Ein-Personen-Haushalten. Das geht aus einem Bericht des Amtes für Statistik hervor. Demnach liegt der Anteil der Singles an der Frankfurter Bevölkerung seit zwei Jahren bei 50,6 Prozent. (...) Frauen leben häufiger alleine als Männer. Die 181000 Ein-Personen-Haushalte werden zu 46 Prozent von einem Mann und zu 54 Prozent von einer Frau gebildet."

Dies schreibt ein Autor mit dem Kürzel mu unter der Schlagzeile Mehr als die Hälfte der Frankfurter lebt alleine. Nach Ihren Angaben müsste Frankfurt demnach ca. 357.707 Einwohner haben. In Ihren 181.000 Ein-Personen-Haushalte leben ganze 181.000 Einwohner und dies sind dann die Hälfte der Frankfurter, ergo wohnen in Frankfurt insgesamt 357.707 Menschen. Sie haben mit Ihrem Artikel das Kunststück geschafft, Frankfurt um fast die Hälfte zu schrumpfen. Kein Wunder wenn die Deutschen aussterben!

Es sollte eigentlich klar sein, dass es zwar über 50 % Ein-Personenhaushalte in Frankfurt gibt. Aber deshalb wohnt noch lange nicht die Hälfte der Frankfurter in diesen Haushalten. Bei ca. 650.000 Frankfurtern wohnen 27,5 % der Frankfurter in Ein-Personenhaushalten. Diese Zahl dürfte aber bereits sehr hoch gegriffen sein. Ich empfehle Ihnen für Ihren nächsten Bericht über Single-Haushalte das Buch BURKART, Günter (1997): Lebensphasen - Liebesphasen. Vom Paar zur Ehe, zum Single und zurück? Opladen: Leske und Budrich. Hier speziell das Kapitel "Die Singles und die Tücken der Haushaltsstatistik" (S.149ff.)

KEMWA, Russel Njiken (2001): Badewanne mit Aussicht.
Bisher gab es das in New York oder Hongkong. Jetzt offeriert auch Frankfurt am Main Luxuswohnungen im Hochhaus - Rundum-Service durch Dienstboten inklusive,
in: Spiegel Online v. 16.07.

KEMWA stellt das Konzept Luxusappartements mit Ausblick in zentraler Lage und Rundum-Versorgung durch Dienstboten und Doorman vor, das auf Yuppies, flexible Menschen und Akademiker-Ehepaare in der "Empty-Nest"-Phase zugeschnitten ist.

MICHELS, Claudia (2001): Mit dem Doorman kehrt das Wohnen in die Innenstadt zurück.
Im neuen Büro- und Wohnhaus "Skylight" lassen die Mieter ihre Koffer stehen und können sich ganz der Arbeit widmen,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.09.

Bericht über eine Wohnanlage für globale Nomaden.

MICHELS, Claudia (2001): Neue Inhaber, neues Konzept, neue Zielgruppe.
Zeil-Galerie will verstärkt junge Familien mit Geld und Singles ins Haus locken - auch mit dem Skyline-Blick,
in:
Frankfurter Rundschau v. 07.11.

Die Zeil-Galerie in Frankfurt soll attraktiver werden für die "Urban Shoppers", d.h. Singles und "junge Familien mit gutem Einkommen". Was Monika ALISCH mit dem Begriff "Family-Gentrification" in die deutsche Soziologie eingeführt hat, das ist inzwischen auch bei den Marketingstrategen angekommen, einzig Sozialpolitiker leugnen die Tatsache, dass auch Familien zu den Modernisierungsgewinnern gehören. Noch immer nicht angekommen, weder bei den Marketingstrategen noch bei den Sozialpolitikern ist die Tatsache, dass viele Singles - in erster Linie männliche Alleinlebende - zu den Modernisierungsverlierern gehören.

HAß, Frauke (2002): Mehr Einwohner, und die Frauen sind in Überzahl.
Statistiker zählen 650 705 Frankfurter / Babyboom,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.01.

"Die Einwohnerzahl Frankfurts ist nach einem kurzen Abrutschen im Jahr 1999 auf 646 083 im Jahr 2000 wieder angestiegen auf 650 705. Damit ist allerdings noch lange nicht der Höchststand in den vergangenen 20 Jahren erreicht. Der betrug 1992 660 492 Einwohner. Im gesamten 20. Jahrhundert wurden 1961 die meisten Bürger in Frankfurt gezählt: 683 081 am Tag der Volkszählung, dem 6. Juni 1961. Von da an nahm die Bevölkerungszahl stetig ab, bis sie 1984 auf einen Tiefststand von 612 061 sank, um von da an wieder zuzunehmen," schreibt HAß.

MÜLLER-BIALON, Martin (2002): "Viele Eltern mit kleinen Kindern stehen hier ganz allein".
Expertinnen fordern den Einsatz der Politik für mehr Familienfreundlichkeit in der Stadt der Singles,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.03.

"Für die Leiterin des Kinderbüros, das zum Jugendamt gehört, ist es zu begrüßen, dass die Familien nun von der Politik neu entdeckt würden. Allerdings liegt die Notwendigkeit auch auf der Hand: In Frankfurt sind inzwischen 75 Prozent der Haushalte Ein-Personen-Haushalte,"

behauptet MÜLLER-BIALON. Dies hatte zwar der Soziologe Ulrich BECK bereits Anfang der 1990er Jahre für deutsche Großstädte prophezeit, aber bis heute ist dies nicht eingetroffen. Frauke HAß schrieb dagegen in der FR vom 07.01.2002, dass nach den neuesten Angaben des Statistischen Jahrbuches in Frankfurt 50,6 % Einpersonenhaushalte existieren. Keine 30 % der Frankfurter führen damit einen Einpersonenhaushalt.
Darunter befinden sich vor allem ältere Witwen und junge Studenten.
Auch Wochenendpapas und -mamas werden statistisch als Single geführt, wenn sie aus beruflichen Gründen einen Zweitwohnsitz gründen. Bei Frauke HAß kann man auch nachlesen, dass es in Frankfurt einen kleinen "Babyboom" gab.

Die Stadtsoziologin Monika ALISCH hat bereits 1993 auf die
kaufkraftstarken "Family-Gentrifier" hingewiesen, die zukünftig die alteingesessenen, einkommensschwachen Bewohner der beliebten Stadtteile verdrängen könnten. Die Städte haben ein Interesse daran, dass diese wohlhabenden Familien in die Innenstädte ziehen, statt wie bislang ihr Steueraufkommen den Umlandsgemeinden zu gute kommen zu lassen.

Die 1980er und 1990er Jahre waren durch eine zunehmende Suburbanisierung geprägt. Familien zogen ins suburbane Reihenhaus, während einkommensschwache Singles (Studenten, ältere Witwen und Ausländer) in den innerstädtischen Quartieren zurückblieben. Die Generation Golf/Generation Ally hat dagegen andere Präferenzen. Sie möchte Beruf und Familie im städtischen Rahmen der Erlebnis- bzw. Spassgesellschaft vereinbaren. MÜLLER-BIALON vertritt die Interessen dieser kaufkraftstarken Klientel und spielt sie gegen einkommensschwache Singles aus (Verweis auf die hohe Zahl der Einpersonenhaushalte in der Gesamtstadt, statt jene umkämpften Stadtteile in den Blick zu rücken, um die es im Grunde geht), die im Gegensatz zu den "vergleichsweise wenigen" Yuppies des Banken- und Dienstleistungszentrums, die nicht-organisationsfähige Mehrheit der allein stehenden Frankfurter darstellen.

HARRIEHAUSEN, Christiane (2002): Wohnen, arbeiten und die Freizeit genießen.
Am "Deutschherrenufer" in Frankfurt am Main entsteht ein neues Quartier mitten in der Stadt,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.03.

Hochwertiger "Wohnraum in der Stadt ist Mangelware. Banker und Börsianer zieht es nicht mehr ausschließlich in den Vordertaunus. Viele schätzen das urbane Leben. Wie in anderen Metropolen sind dabei die Standorte in unmittelbarer Wasserlage besonders beliebt", schreibt HARRIEHAUSEN.

Die Stadtsoziologin Monika ALISCH hat Anfang der 90er Jahre die "Family-Gentrifier" als neue kaufkräftige Gruppe auf dem städtischen Wohnungsmarkt prophezeit. Diese Gruppe konkurriert mit allein stehenden Yuppies und mobilen Wochenendpapas der "Spagatfamilie" um den hochwertigen Wohnraum der Dienstleistungsmetropolen der Welt. Autoren wie MÜLLER-BIALON versuchen diesen Konkurrenzkampf zwischen diesen wohlhabenden Gruppen für die allgemeine Kontroverse Familien contra Singles zu instrumentalisieren (FR vom 09.03.2002). Die Ausweitung dieser Kampfzone als Gleichsetzung von Singles mit Yuppies ist nicht gerechtfertigt, sondern ein singlefeindlicher Beitrag.

OX (2002): Besonders Singles stehen Schlange.
Immer mehr Menschen bewerben sich in Frankfurt für eine Sozialwohnung. Besonders hoch ist dabei der Anteil der allein Stehenden. Am stärksten ist unter den Bewerbern insgesamt die Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen vertreten.
in: Frankfurter Rundschau v. 04.04.

"Bemerkenswert ist der hohe Anteil von Singles unter den 7289 Antragstellern. Sie bilden mit einem Anteil von 45,5 Prozent die mit Abstand größte Gruppe (...). Mit 58,1 Prozent sind unter den Singles die Männer besonders stark vertreten. Erstaunlich ist auch die Altersstruktur der Bewerber für eine Sozialwohnung. Die größte Gruppe macht die der 31- bis 35-Jährigen mit 1108 aus. Es folgen die 36- bis 40-Jährigen (1027) und die 26- bis 30-Jährigen (979). Mit 884 liegen die 21- bis 25-Jährigen auf dem vierten Platz",

schreibt der Autor erstaunt.Erstaunt sind jedoch nur jene, die Singles mit Yuppies verwechseln. In der neuen Future Living-Studie des Zukunftsinstitut von Matthias HORX wird diese Gruppe lapidar als männliche "Frust-Singles" bezeichnet:

"Schlecht ausgebildete 30- bis 45-Jährige, die von anspruchsvollen Frauen nicht «abgeholt» werden."

Der Ungleichheitsforscher Stefan HRADIL hat bereits Mitte der 90er Jahre auf die männlichen Geringverdiener als wachsende Gruppe der Problemsingles aufmerksam gemacht. In den Medien wird dieser Tatbestand tabuisiert. Weder Feministinnen noch Familienrhetoriker - jene Gruppen, die seit den 1980er Jahren in den Massenmedien das Thema Single erfolgreich besetzen - haben ein Interesse diesen Sachverhalt zu thematisieren.

DPA (2003): Kritik an Zweitwohnungssteuer.
Bund der Steuerzahler spricht sich gegen neue Abgabe in Frankfurt aus,
in: Welt v. 14.01.

Auf die Reflexe des Bundes der Steuerzahler kann man sich genauso verlassen wie auf das Amen in der Kirche. Aber ohne diese Reflexe würde der Bürger erst gar nicht erfahren, warum Haushalte und ihre Erfassung nicht nur ein statistisches Problem sind, sondern auch politische Interessen die Haushaltsstatistik beeinflussen.

HARRIEHAUSEN, Christiane (2003): Die Metamorphose des Wohnens.
Flexibles Wohnen muß kein Wunschtraum sein. In Frankfurt wird ein Bauvorhaben realisiert, das für Aufmerksamkeit sorgt,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.11.

HARRIEHAUSEN stellt das Projekt "Little SoHo" in Frankfurt vor:

"Im Zentrum der Überlegung steht die Verbindung aus zwei beliebten Wohnformen: Loft und Altbauwohnung. Dabei sind so viele verschiedene Grundrißvarianten entstanden, daß die Wohnungen sowohl den Ansprüchen eines Singles als auch einer Familie gerecht werden. Die Räume sollen sich im Laufe des Lebens den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Bewohner anpassen. Diese Freiheit wird unter anderem dadurch erreicht, daß die Wohnflüche über zwei bis fünf Versorgungsschächte verfügt, wodurch ein großer Gestaltungsspielraum für die Standorte von Bad und Küche möglich ist."

OCHS, Birgit (2004): Von wegen raus aus der Stadt.
Knapper Grund, teures Bauland. Damit sich Familien ein Häuschen in der Stadt leisten können, nutzt Frankfurt am Riedberg ein städtebauliches Steuerungsinstrument,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.05.

OCHS, Birgit (2004): Trend zum Wegzug aus Frankfurt hält an.
Besserverdienende bevorzugen die Lebensqualität im Grünen. Stadtplaner wollen Familien halten. Beim Einkommen der Hessen liegt der Frankfurter mit dem Offenbacher ganz hinten. Auch viele Bewohner in anderen westdeutschen Großstädten verdienen mehr Geld. Dies belegen neue Zahlen der städtischen Statistiker,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.01.

ROSEBROCK, Imke (2005): Renaissance der Städte.
Das Häuschen im Grünen verliert an Attraktivität. Urbanes Leben wird wieder schick - wenn es den Ansprüchen genügt,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.08.

"Jobs mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten, in denen Flexibilität und Netzwerke wichtig sind, lassen innenstadtnahe Bereiche als Wohnort interessant werden.
Das muss nicht nur für Yuppies gelten. Junge Familien, in denen beide Elternteile arbeiten, profitieren ebenfalls von einer städtischen Struktur, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, meint Imke ROSEBROCK.

STEINKE, Peter (2005): Stadtluft für die ganze Familie.
In Frankfurt wächst das Neubaugebiet Riedberg,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.08.

GÖPFERT, Claus-Jürgen (2006): "Trend zum Wegzug ist gestoppt".
Durch regen Wohnungsbau werden vor allem junge Familien in der Stadt gehalten,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.12.

JOURNAL FRANKFURT-Titelgeschichte:
Die Westend-Story.

Besetzer, Banken, Bauboom: Ein Report aus Frankfurts teuerstem Stadtteil

BOLDT, Esther & Nils BREMER (2008): Das Westend im Aufschwung. Trotz Finanzkrise.
Zwischen Gründerzeitbauten und Bankentürmen leben Menschen, die die Vielfalt des Viertels widerspiegeln,
in: Journal Frankfurt Nr.23 v. 31.10.

ARNING, Matthias (2009): Reich, aber sexy.
Demografie in Frankfurt,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.05.

Matthais ARNING berichtet über eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung zur Entwicklung Frankfurts bis zum Jahr 2025:

"Frankfurts Zuwächse lassen sich vor allem darauf zurückführen, was Große Starmann »Bildungswanderung« nennt: Gemeint sind 18- bis 24-Jährige, die in die Stadt kommen, um eine Ausbildung zu machen oder sich an der Universität einzuschreiben. Auch in der so genannten Elterngeneration, der 22- bis 35-Jährigen, muss die Stadt perspektivisch mit ganz erheblichen Zuwächsen rechnen, aus denen »sich ein ganz großes Potenzial« ergebe. Und Verpflichtung, wenn diese Eltern dafür sorgen, dass die Drei- bis Fünfjährigen um acht Prozent auf 18 700 anwachsen. Eine Entwicklung wider den Landestrend, der eine negative Entwicklung bei Kleinkindern markiert.."

OCHS, Birgit (2010): Im Frankfurter Osten viel Neues.
Das Ostend war lange Zeit das Stiefkind unter den Innenstadtvierteln. Nun entstehen Wohnviertel im Zeichen der Industrieromantik, soziale Milieus verändern sich. Das bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Mieten,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.12.

BUSCH, Sandra (2011): Kinder sind hier unerwünscht.
Ein Café im Nordend fühlt sich mit einem Hort verwechselt – und erntet Empörung dafür. Die Betreiber setzen Grenzen, weil Eltern keine setzen,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.03.

BUSCH, Sandra & Stefan BEHR (2011): Die Mama am Pranger.
Gibt es den selbstversessenen Mittelstand, der Kinder als Statussymbol und Freibrief benutzt? Oder sind die andern alle Kinderfeinde? Im Nordend hat der FR-Bericht über ein Café eine Riesendebatte ausgelöst - eine Bestandsaufnahme.
in: Frankfurter Rundschau v. 09.03.

MICHALZIK, Peter (2012): Wem gehört Frankfurt?
Gentrifizierung: In Frankfurt sind manche Mietpreise so hoch wie in London, viele Stadtteile sind fest in der Hand von Wohlhabenden. Wie steht es um die einzelnen Viertel? Eine Spurensuche,
in:
Berliner Zeitung v. 26.05.

"Lange war das Nordend eines der Zentren bundesrepublikanischer Alternativkultur und ist es auch geblieben. Um den Stand der Nordend-Gentrifizierung zu verstehen, hilft es, sich die heutige Mentalität des Stadtteils vor Augen zu führen. Das Nordend ist das Viertel, wo schon im Getränk, egal ob Bionade, Latte macchiato oder spanischer Landwein, immer etwas Weltanschauliches liegt. Eine der zentralen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre drehte sich um ein Café. Es ging um die Frage, ob Kinder hier erwünscht sind. Daran wurde deutlich, dass hier eine neue Schicht den Ton angibt. Aufeinander prallten mit voller Wucht die freie Entfaltung des tendenziell eher zahlreichen Nachwuchses und das Grundrecht auf den ungestörten Nachmittagskaffee aufeinander, zwei Säulen der Nordend-Befindlichkeit. Zehn Jahre früher wäre das undenkbar gewesen, da gehörten Kinder und Kaffee zweifelsfrei zusammen. Jetzt aber standen auf der einen Seite die neuen Supermütter, für deren perfektioniertes Leben die alte Kinderfreundlichkeit Voraussetzung ist. Auf der anderen waren die neuen Singles mit ihrem High-Level-Existenzen. Beide nutzen die alte Freizügigkeit, werden aber höchst sensibel, wenn sie die Essentials ihrer Existenzmaximierung bedroht sehen",

beschreibt Peter MICHALZIK den Wandel des Frankfurter Nordend vom Alternativkulturbezirk zur Hochburg des Bionade-Bürgertums. Angeblich war früher ja noch die Welt in Ordnung, was der üblichen Gleichsetzung von Geburtenrückgang mit Kinderfeindlichkeit geschuldet ist. Aber vielleicht ist die Sache ganz anders: Die Kinderfeindlichkeit war in den angeblich goldenen Jahren der Nachkriegszeit nicht geringer als heutzutage. Zugenommen hat dagegen die Feindlichkeit gegen Eltern, die nicht dem eigenen Milieu angehören, und Kinderlose! Aus der Sicht des Satirikers Oliver Maria SCHMITT liest sich die Kontroverse im Journal Frankfurt dagegen folgendermaßen:

"Überfahren wird er nicht - jedenfalls nicht von der Autokolonne, die brav hält. Dafür erwischt ihn fast eine Nordend-Mutti auf dem Fahrrad. Im quietschgelben Anhänger döst der Nachwuchs vor sich hin, während Schmitt schnell zur Seit springt. Es gibt aber kein Entkommen: Auf dem Bürgersteig dominieren voluminöse Hightech-Kinderwagen. Sehr zum Leidwesen Schmitts. »Achtun, da kommen wieder zwei Mütter mit Panzern.« Schmitt kann die Besitzer vom Café Sahnesteif nur allzu gut verstehen. Mit einem Zettel im Schaufenster sorgten die Caféinhaber für jede Menge Zündstoff in einem der fruchtbarsten Frankfurter Stadtteile: »Leider wird unser Café allzu oft mit einem Hort verwechselt«, so die Beschwerde von Chefs und Gästen. Schmitt kann das verstehen. »Schauen Sie, gegenüber ist die Kinderbuchhandlung, danach kamen die Muttis mit ihren Kindern dann ins Sahnesteif, um die Gäste zu tyrannisieren.« Alles in allem beinhalte diese Anekdote doch alles, was das Nordend charakterisiere. »Die sich verändernde Sozialstruktur, die Bio-Mütter und ihre Erziehungsvorstellungen und die Kleingeistigkeit der Bewohner. Für mich als Satiriker war diese Diskussion eine Sternstunde«. Und er selbst hat davon profitiert, denn jetzt kann auch er das Leben im Sahnesteif bei Croissants und Wackers Kaffee wieder genießen."

Für Peter MICHALZIK sind sowohl die "Supermütter" als auch die "Singles" (an anderer Stelle schreibt er von "solventen, kinderlosen Doppelverdienern") diejenigen, die den Verdrängungsprozess betreiben. Die Opfer sind dagegen alleinerziehend oder kinderreich:

"Die Mutter, die seit der Studentenzeit in ihrer Wohnung lebte und das bis vor kurzem – alleinerziehend mit zwei Söhnen – auch gern tat, sah auf einmal sehr alt aus. Unrenoviert wurde ihre Wohnung verkauft, den Mieterhöhungsprozess hat sie zwar gewonnen, dann aber zermürbte der Druck doch die Dreierfamilie und sie zog aus.
Oder da ist die vierköpfige Familie, die es geschafft hat, als letzte in dem durchrenovierten und dann wohnungsweise verkauften Haus zu bleiben: Der alte Vermieter hatte ihnen einen wasserfesten Vertrag gegeben, kurz bevor er das Haus verkaufte, und sie ertrugen zwei Jahre Renovierungsdauerlärm. Aber auch hier sind die Tage mit dem Auslaufen des Vertrags gezählt. Am Ende ist kein grünes Kraut gegen Aufwertungs-, Verkaufs- und Teuerungswille und -welle gewachsen."

Dass Singles (z.B. Ältere mit geringeren Renten, arbeitslos gewordene oder schlecht bezahlte Alleinlebende, Zahlväter, unfreiwillig alleinwohnende Partnerlose usw.) ebenfalls zu den Opfern gehören könnten, das ist dagegen politisch unkorrekt.

JOURNAL FRANKFURT-Titelgeschichte: "Mein Nordend".
Der Satiriker Oliver Maria Schmitt zeigt Ihnen die schönsten und lustigsten Ecken des Viertels

TAKIM, Jasmin (2012): Nordend gut. Alles gut.
Oliver Maria Schmitt über das Nordend als satirisches Biotop und die Glauburgstraße als Frankfurts "Penny Lane",
in: Journal Frankfurt, Nr.19 v. 02.09.

MÜHL, Melanie (2013): Macht Platz für Reiche.
Gentrifizierung in Frankfurt: Frankfurts Westend verzeichnet seit einiger Zeit steigende Mieten, nun ist es unbezahlbar. Der Widerstand der Bevölkerung kommt gegen die finanzielle Macht der Großinvestoren nicht an,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.04.

JOURNAL FRANKFURT-Titelgeschichte: Tatort Nordend.
TV-Kommissar Peter Lerchbaumer und die Highlights seines Viertels

SCHRÖDER, Christoph (2013): Tatort Nordend.
"Hier kann man nicht leben", hörte der Schauspieler Peter Lerchbaumer, als er ans Schauspiel Frankfurt kam. Lerchbaumer ist bis heute geblieben. Wir sind mit ihm, der vielen als Chef des Ermittlerduos Sänger/Dellwo in Erinnerung geblieben ist, durch seinen Stadtteil spaziert,
in: Journal Frankfurt, Nr.20 v. 13.09.

WELP, Cornelius u.a. (2014): Parallelwelt, ganz oben.
Frankfurt: Die Europäische Zentralbank verändert die Finanzmetropole, sie wird internationaler, bunter - und reicher. Wie tickt die Stadt, in der über unser aller Geld bestimmt wird?
in: Wirtschaftswoche, Nr.31 v. 28.07.

"1000 Experten aus ganz Europa sollen bei der EZB innerhalb eines knappen Jahres aus dem Nichts die Aufsicht über die wichtigsten europäischen Banken aufbauen",

heißt es in dem Artikel. Aber wie diese Banker nach Frankfurt locken? Das funktioniert inzwischen über gezieltes Stadtmarketing bzw. "symbolische Gentrifizierung". Der Artikel ist selber Teil dieser PR in Sachen Frankfurt.

 
       
   

Frankfurt in der Literatur

 
       
   
 
       
   

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Update: 27. Januar 2017