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Die singlefreundliche Berichterstattung

 
       
   

Susanne Danke & Julia Schoon (2002): Sind wir Singles die Deppen der Nation?

 
   

Arbeitslos + ledig = mobil. So sieht es die Hartz-Kommission. Und will daher junge Leute, die unverheiratet sind, auf Jobsuche quer durch die Republik verschicken.
erschienen in: SUPER illu Nr.31 v. 25.07. S. 16f.

 
       
   
     
 

Reportage aus den neuen Bundesländern

Susanne DANKE & Julia SCHOON berichten aus den neuen Bundesländern. Junge Singles zwischen 18 und 30 Jahren - jenseits des Yuppie-Klischees - äussern sich zum Mobilitätszwang, den Peter HARTZ ins Gespräch gebracht hat.

Sind Singles immobil?

Hält man sich vor Augen, dass es keine zwei Jahre her ist, dass Singles ihre größere Flexibilität und Mobilität vorgeworfen wurde, muss es erstaunen, dass jetzt plötzlich Singles immobil sein sollen und man sie zum Umzug zwingen muss. Gerade in den neuen Bundesländern wird allseits die starke Abwanderung beklagt. Die Autorinnen zeigen die erhöhte Flexibilität der jungen Singles am Beispiel von Berlin-Brandenburg auf.

Taugt der Familienstand als Unterscheidungskriterium?

Bei den Vorschlägen der Hartz-Kommission wird der Familienstand zum zentralen Unterscheidungsmerkmal zwischen ungebundenen und gebundenen Individuen. In Zeiten, in denen die "lebenslange Ehe" das Erwachsensein bestimmt, ist eine solche Unterscheidung  sinnvoll. Heutzutage dagegen lässt sich der Unterschied in den Lebensverhältnissen nicht mehr am Familienstand festmachen.

Der Mythos vom bindungslosen Single

Alleinstehende  können genauso wie Verheiratete in vielfältigen Beziehungen gebunden sein. Das gemeinsame Sorgerecht und damit verbundene Besuchsregelungen verwischen den Gegensatz zwischen Alleinerziehenden und Alleinlebenden . Alleinstehende Frauen sind zudem oftmals mit der Pflege von Familienangehörigen betraut. Die Zunahme der Einpersonen-Haushalte täuscht darüber hinweg, dass Singles Teil eines Familiennetzwerks sind. Nicht der Familienhaushalt, sondern die Generationenbeziehungen der multilokalen Familie kennzeichnen heutige Familienverhältnisse

Die fehlende gesellschaftliche Anerkennung der Bindung

Obwohl Sozialpolitiker in Sonntagsreden die zunehmende Bindungslosigkeit beklagen, wird keine Rücksicht auf jene genommen, die sich ihrer Beziehung noch nicht sicher sind und deshalb entweder noch unverheiratet zusammenwohnen oder noch gar keinen gemeinsamen Haushalt gegründet haben. Neuere Untersuchungen von Professor Norbert F. SCHNEIDER (Universität Mainz) haben gezeigt, dass Paare ohne gemeinsame Wohnung weit verbreiteter sind als unverheiratet zusammenwohnende Paare.

Nichtkonventionelle Lebensformen

"Immer mehr Menschen leben phasenweise oder dauerhaft in nichtkonventionellen Lebensformen jenseits der Kernfamilie. Diese Lebensformen werden in der Öffentlichkeit häufig als Prototypen einer heraufziehenden neuen Moderne dargestellt. Tatsächlich basieren solche Aussagen nicht selten auf falschen Vorstellungen und unzureichenden Informationen."

Beiden Paarformen, die bei jungen Alleinstehenden dominieren, wird die gesellschaftliche Anerkennung als "Bindungen" versagt. Alleinstehende Paare werden stattdessen auf dem Arbeitsmarkt mit alleinstehenden Partnerlosen gleichgestellt.

Die Störung des Familienbildungsprozesses durch Zwangsmobilität

Wenn der Paarbildungsprozess aufgrund beruflicher Zwangsmobilität gestört wird, dann darf es niemanden verwundern, dass auch der Familienbildungsprozess verzögert wird, wie das die Ergebnisse der Mobilitätsstudie von Professor SCHNEIDER belegen.

Mobil, flexibel, gebunden

"Immer mehr Menschen sind heutzutage mit dem Erfordernis beruflicher Mobilität konfrontiert. Leitfigur der Moderne ist der mobile Mensch - flexibel, ungebunden, leistungsstark. Wie lässt sich dieses Bild mit dem Wunsch nach Partnerschaft und Familie vereinbaren? Der Band zeigt, welche Lebensformen die Betroffenen entwickeln und wie Politik und Unternehmen die Folgen der neuen Mobilität beeinflussen können."

Bereits Anfang der 1990er Jahre hat der Soziologe Ulrich Beck in dem Bestseller Das ganz normale Chaos der Liebe gefordert, dass nicht individuelle, sondern Paar- bzw. Familienmobilität ermöglicht werden solle.

Eine Chance für die Jugend ist gefordert

Wer mehr Kinder in Deutschland fordert, der muss auch dafür sorgen, dass Bindungen aufgebaut werden können.

Die Single-Lüge - Das Buch zur Debatte

"Die Rede von der »Single-Gesellschaft« rechtfertigt gegenwärtig eine Demografiepolitik, die zukünftig weite Teile der Bevölkerung wesentlich schlechter stellen wird. In zahlreichen Beiträgen, die zumeist erstmals im Internet veröffentlicht wurden, entlarvt der Soziologe Bernd Kittlaus gängige Vorstellungen über Singles als dreiste Lügen. Das Buch leistet damit wichtige Argumentationshilfen im neuen Verteilungskampf Alt gegen Jung, Kinderreiche gegen Kinderarme und Modernisierungsgewinner gegen Modernisierungsverlierer."

Die Hartz-Vorschläge bedienen dagegen gesellschaftliche Vorurteile gegen Kinderlose, ein Weg in die kinderfreundliche Gesellschaft sind sie nicht. Sie schützen jene, die bereits die Chance hatten eine Familie zu gründen und belasten einseitig jene, die eine Familie gründen möchten. Die Fallbeispiele, die von den Journalistinnen präsentiert werden, zeigen eindringlich, dass vielen Singles die persönlichen Bindungen wichtiger sind als eine Karriere:

"Lieber weniger Geld, als ohne meinen Freund leben" (Daniela, 25 )

"Familie und Freund verlasse ich auf gar keinen Fall für einen Job" (Juliane, 18)

"Wenn ich am Wochenende heimfahren könnte, würde ich weggehen. Sonst nur mit ihr gemeinsam" (Benjamin, 19)

 
     
 
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt am: 08. August 2002
Stand: 27. Januar 2017