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Buchrezension

 
       
   

Schatz, wir müssen gar nicht reden!

 
       
   

Patricia Love und Steven Stosny zeigen auf, wie Scham und Furcht unsere Partnerschaften zerstören können und was man dagegen tun kann

 
       
     
       
     
       
   
     
 

Einführung

Seit der Jahrtausendwende erscheinen vermehrt Bücher, die sich gegen die seit 1968 gültige Liebesordnung wenden und neue Wege einschlagen. Der Glaube, dass mit Reden alle Probleme in Beziehungen zu lösen seien, hatte in diversen 68er-Bewegungen, darunter auch der Feminismus, viele Anhänger. Mit dem Zerfall der politischen Bewegungen und  dem Aufstieg des Feminismus, erreichte das Ausdiskutieren und das Psychologisieren als problematische Formen der Kommunikation die neuen Wohnformen wie Wohn- und Hausgemeinschaften und die - wie es damals hieß: Beziehungen. Bereits Anfang der 1980er Jahre entwickelte sich dazu eine Gegenbewegung, die sich - teilweise noch heute - an solchen problematischen Kommunikationsformen abarbeitet.

Klasse, Körper, Kopfarbeit

"an- und ausdiskutieren.
Früher: »Diskussion« und »diskutieren«. In der Phase des Andiskutierens ist die Begeisterung noch groß, und alle machen mit. Bei der anschließenden Ausdiskussion wird entweder so lange geredet, bis alle Zuhörer k. o. zu Boden gehen oder sauer werden und abhauen. Durch das Weglassen der dazwischenliegenden Diskussion kann die Zahl der An- und Ausdiskussionen beträchtlich erhöht werden."
(Peter Milger, 1983, S.13f.)

"psychologisieren.
Im Lichte objektiver Gesetzmäßigkeiten, denen wir alle unterstehen, ist Psychologisieren so ziemlich das Schlimmste, was ein Linker einem anderen vorwerfen kann; eine Form des Denkens und Kommunizierens, die keiner selbst zugeben wird, sondern bei der man glücklicherweise überführt oder ertappt wird. Kurzum, eine durch und durch negative Kennzeichnung - deshalb auch als Waffe vielseitig verwendbar."
(Thomas Ziehe, 1983, 107)

Das Ende der Alternativen

"Nicht nur aus meiner letzten Wohngemeinschaft habe ich die Erinnerung an eine ständige, unheilvolle Vermischung der »realen« Dinge des Lebens (der praktischen Probleme des Haushalts etc.) mit der »Psychoebene«. Die Diskussionen liefen ständig im Kreis, wobei ein Moment das andere verstärkte: Beschwerte sich jemand beim Frühstück über den Dreck in der Küche, konterte sein Gegenüber stets auf einer anderen Ebene: Das könne man doch so nicht einklagen, das Problem liege ja gar nicht beim Abwasch selbst, sondern in der Tatsache, »daß zwischen uns so wenig läuft«. Und prompt wurde derjenige kritisiert und für den Zerfall der Küchenmoral verantwortlich gemacht, der »nur noch durch den Flur schleicht«". (Matthias Horx, 1985)

Eine Generation später sind problematische Kommunikationsformen kein Problem mehr einer linken Subkultur, sondern der gesellschaftlichen Mitte. Zwei Reaktionen sind darauf denkbar: einerseits mehr bzw. bessere verbale Kommunikation und andererseits nichtverbale Strategien. Patricia LOVE & Steven STOSNY wählen in ihrem Buch Schatz, wir müssen gar nicht reden! den zweiten Weg. Diesen Weg kann man auch als Kritik an der "Feminisierung der Gesellschaft" bzw. an der Nichtberücksichtung männlicher Verhaltens- und Reaktionsweisen in modernen Beziehungen bezeichnen.

Emotionen und traditionelles Rollenverhalten als Problem

Die 68er-Bewegungen kritisierten die alte Gefühlskultur symbiotischer Beziehungen. Diese Aufklärung setzte auf rationales Denken. Die Scham ist vorbei hieß 1978 ein Bestseller der Feministin Anja MEULENBELT. Seit einigen Jahren erlebt dagegen die Emotionspsychologie eine Renaissance. In diesem Zusammenhang wurde auch die soziale Emotion Scham wieder entdeckt.

Im öffentlichen Diskurs haben Titel über die "schamlose Gesellschaft" Konjunktur. Das Fehlen von Scham gilt als Gegenwartsproblem unserer Gesellschaft, nicht ihr Vorhandensein. Scham als psychologisches Phänomen wurde erstmals zur Zeit des Puritanismus im 19. Jahrhundert problematisiert. Bekannt wurde das Buch Der scharlachrote Buchstabe von Nathaniel HAWTHORNE. Ein scharlachroter Buchstabe brandmarkte damals Ehebrecherinnen. Aus soziologischer Sicht hat sich Sighard NECKEL, aus psychoanalytischer Sicht Leon WURMSER, Anfang der 1990er Jahre mit der Scham beschäftigt.

Mittlerweile gibt es eine Flut von Büchern zum Thema. In der Ratgeberliteratur zu Paarbeziehungen spielte die Scham dagegen bislang keine prominente Rolle. Nur bei der Partnersuche galt Scham, z.B. im Zusammenhang mit Erröten als Problem . Angst gilt dagegen als typisch nicht nur für unsere Gesellschaft . Im Gegensatz zur konkreten Furcht hat das diffuse Angstgefühl ein schlechtes Image. German Angst kennzeichnet gar die besondere Hasenfüßigkeit der Deutschen.

Patricia LOVE und Steven STOSNY stellen in ihrem Buch Schatz, wir müssen gar nicht reden! Furcht und Scham in den Mittelpunkt ihres paartherapeutischen Ansatzes. Diese Sichtweise hat Vorteile gegenüber anderen Ratgebern, die auf verbesserte  Kommunikation als Lösung für Partnerschaftsprobleme setzen.

Die Furcht der Frau und die Scham des Mannes 

Die Autoren sehen Furcht und Scham geschlechtsspezifisch ungleich verteilt. Dies hat für sie einerseits evolutionäre, d.h. biologische, Ursachen (Kämpfen oder Flüchten) aber andererseits auch kulturelle Gründe, die mit der traditionellen Rollenverteilung (männliche Ernährerrolle/weibliche Hausfrauenrolle) zusammenhängen. Sozialisation und Kultur verstärken deshalb unser biologisches Erbe. Das Vermeidungsverhalten der Geschlechter setzt nach Auffassung der Autoren eine schädliche Dynamik in Gang, die auf Kurz oder Lang zur Zerstörung einer Partnerschaft führt.

Aus dieser geschlechtsspezifischen Differenz ergibt sich zwangsläufig, dass die Autoren weiblichen und männlichen Lesern andere Empfehlungen geben. Für Männer gibt es sogar ein eigenes Kapitel mit der Überschrift Von Mann zu Mann: Wie Sie Ihre Beziehung stärken, ohne sich wie eine Frau zu verhalten. Androgynität ist also nicht Sache der Autoren. Daraus aber zu schließen, dass in dem Buch die alte Rollenverteilung verherrlicht werden würde, ist jedoch falsch. Vielmehr geht es darum eingeschliffene Routinen auf Seiten von Frauen und Männern sichtbar zu machen und  Auswege aus den typisch männlichen und weiblichen Teufelskreisen aufzuzeigen. Der weibliche Teufelskreis wird als Furcht vor Isolation und Entbehrung, der männliche als Scham vor Unzulänglichkeit und Versagen beschrieben. Das Buch ist also vor allem für jene nützlich, die ein solches Vermeidungsverhalten an den Tag legen. Die Dynamik von Furcht- und Schamvermeidung führt nach Auffassung der Autoren unweigerlich zur emotionalen Trennung. Danach ist die  tatsächliche Trennung nur noch eine Frage der Zeit. Dies zu erkennen ist ein wichtiger Schritt dazu, der Partnerschaft noch eine zweite Chance geben zu können und wieder emotionale Verbundenheit zu erreichen.

Wie können Frauen ihre Männer beschämen?

Die Möglichkeiten von Frauen ihre Männer zu beschämen sind vielfältig. Auf mehreren Seiten werden Aussagen von Frauen aufgelistet, die bei Männern Scham auslösen können.

Schatz, wir müssen gar nicht reden!

"♥ Ihn von wichtigen Entscheidungen ausschließen: »Ich habe meiner Schwester gesagt, dass wir mit ihnen dieses Jahr in Urlaub fahren.«
♥ Ihm die Gelegenheit nehmen zu helfen: »Nicht nötig, ich mache das schon.«
♥ Korrigieren, was er sagt: »Das war letzten Mittwoch, nicht am Donnerstag.«
♥ Sein Urteil infrage stellen: »Ich kann einfach nicht glauben, dass du ihn gewählt hast.«
♥ Unaufgeforderte Ratschläge geben: »Bring den Anruf hinter dich, dann fühlst du dich gleich besser.«
♥ Seinen Rat ignorieren: »Das ist Frauenkram, davon hast du keine Ahnung.«
♥ Unfähigkeit andeuten: »Ich wünschte, du hättest dieses Seminar ebenfalls besucht.«
♥ Seine Zeit und Energie auf unrealistische Weise beanspruchen: »Wenn du die Reifen gewechselt und das Gartenhaus gestrichen hast, würde ich dir gerne erzählen, wie mein Tag war.«
♥ Seine Bedürfnisse ignorieren: »So müde bist du doch gar nicht; komm schon, ein bisschen Gesellschaft wird dir guttun.«"
(2009, S.89)

Die Liste geht in dieser Art noch eine Seite weiter. Vergleicht man die Aussagen mit Forderungen feministischer Kampfschriften der 1970er und 1980er Jahre, dann könnte man diese Liste als Backlash bzw. als Angriff auf berechtigte feministische Forderungen missverstehen. Es geht aber hier nicht darum berechtigte Kritik zu verhindern, sondern sensibel für das zu werden, was heutzutage allzu leicht über die Lippen geht, um die eigene Perspektive gegen diejenige des Partners durchzusetzen.

Wie können Männer ihren Frauen Angst machen?      

Im Kapitel 5 wird deutlich, dass auch Männer umdenken müssen. Frauen reichen zwar heutzutage meistens eine Scheidung ein, aber nur weil sie glauben, dass ihr Mann sie bereits lange vorher verlassen hat, denn das Schlimmste, was ein Mann einer Frau antun kann, ist: Sie in der Beziehung allein zu lassen. Das kann vielerlei bedeuten: z.B. als Mann  bei der Hausarbeit nicht genug mitzuhelfen, sich in die Arbeit zu stürzen und dadurch Frau und Familie zu vernachlässigen oder die sexuellen Wünsche der Partnerin zu ignorieren. Und nicht zuletzt: Die Partnerin mit ihren Träumen allein zu lassen.

Schatz, wir müssen gar nicht reden!

"Er lässt sie...
♥ allein mit ihrem Traum vom eigenen Haus.
♥ allein mit ihrem Traum von einem treuen Ehemann.
♥ allein mit ihrem Traum von einer großen, liebevollen Familie.
♥ allein mit ihrem Traum, ein aktives gemeinsames Leben zu führen.
♥ allein mit ihrem Traum, als gleichberechtigte Partnerin betrachtet zu werden.
♥ allein mit ihrem Traum, einen eigenen Platz in seinem Leben zu finden, ohne dass seine Mutter sich einmischt.
♥ allein mit ihrem Traum von einem Familienleben ohne Wutausbrüche.
♥ allein mit ihrem Traum, einen romantischen Partner zu haben.
♥ allein mit ihrem Traum, dass man ihre Arbeit respektiert."
(2009, S.98)

Spätestens seit dem Buch Das erschöpfte Selbst von Alain EHRENBERG und dem Roman Mängelexemplar von Sarah KUTTNER ist auch in Deutschland die Depression als Volkskrankheit ins Gespräch gekommen.

Im Gegensatz zu Frauen suchen Männer seltener Hilfen. Typisch für Männer ist die Reaktion von Martin REICHERT.

Wenn ich mal groß bin

"Wenn Sie tatsächlich unter einer handfesten Depression litten, kämen Sie gar nicht mehr aus Ihrem Bett heraus. Sie hätten nicht mal mehr Gefühle - Sie wären eine Topfpflanze. Ist das bei Ihnen so? Dann müssen Sie tatsächlich zum Arzt. Falls dem jedoch nicht so ist, helfen bewährte Hausmittelchen: Arbeiten, Handeln, den Abwasch erledigen, Sport machen."
(2008, S.178)

Depressionen, so eine weit verbreitete Meinung, lassen sich durch Willenstärke überwinden, seien unheilbar oder Folge eines falschen Lebensstils. LOVE & STOSNY weisen darauf hin, dass Depressionen nicht nur im Beruf, sondern auch in der Partnerschaft zerstörerisch wirken.

Schatz, wir müssen gar nicht reden!

"Viele Menschen glauben irrtümlich, dass Depressionen aus schlechten Beziehungen entstehen. Doch eigentlich ist es umgekehrt: Schlechte Beziehungen sind die Folge unbehandelter Depressionen. (...). Viele Männer halten es für ein sicheres Zeichen ihrer Unzulänglichkeit, wenn sie jemanden um Hilfe bitten müssen. Wegen psychischer Gesundheitsprobleme einen Fachmann aufzusuchen, ist ihnen besonders peinlich, denn es gehört zu ihrer Rolle als Mann, stark zu sein - und zwar sowohl körperlich als auch mental."
(2009, S.103)

Ein Mann am Rande einer Depression, die weder von der Partnerin angesprochen werden kann noch ärztlich bzw. therapeutisch behandelt wird, ist ein häufiger Grund, warum Frauen ihre Männer verlassen.

Warum Reden nicht immer der Königsweg ist

Der Wunsch nach besseren Paarbeziehungen verbindet sich in den Nach-68er-Generationen nicht mehr mit einer Streit- und Konfliktkultur wie bei den 68ern. Das postmoderne Paar sucht nach anderen Wegen der Paarkultur. Haushaltshilfen, Rituale und Anerkennung durch den Partner sind Aspekte einer neuen Liebesordnung, die auf dieser Website in mehreren Buchbesprechungen zum Thema Partnerschaft beschrieben wurden.

LOVE & STOSNY sehen in der Rückgewinnung emotionaler Verbundenheit durch die Verwandlung von Furcht und Scham in Mitgefühl einen wichtigen Schritt zu einer erfolgreichen und glücklichen Partnerschaft.

Voraussetzung dazu ist, seine eigenen "Grundwerte" zu kennen und ihnen treu zu sein. Dann, so die dahinter stehende Auffassung, ist weder eine Abwertung noch eine sonstige Verletzung der Bedürfnisse des Partners notwendig, um sich besser zu fühlen. Der Begriff "Grundwert" ist im Zusammenhang mit Beziehungen bei uns eher unüblich. In der gängigen Selbstverwirklichungsliteratur spricht man von Selbstliebe oder Selbstachtung. In dem Begriff "Grundwert" deutet sich eine Bedeutungsverschiebung an. Heutzutage verwirklicht man sich nicht mehr selbst, sondern durch seine Partnerschaft oder Familie.

Der Ansatz von LOVE & STOSNY baut auf dem Wunsch nach Erhalt von Partnerschaften auf. Wer also mit seiner Beziehung bereits abgeschlossen hat, der ist mit dem Buch schlecht beraten, der hat eher einen Trennungsratgeber nötig. Auch wenn der andere Partner die Beziehung bereits aufgegeben hat, sind die Grenzen erreicht. Beide Partner müssen an der Partnerschaft interessiert sein, dann ist das Buch hilfreich, weil es deutlich macht, worauf es bei einer funktionierenden Partnerschaft ankommt. Die Masken der Scham heißt ein bekanntes Buch zum Thema. Damit ist dieses Gefühl treffend charakterisiert, denn Scham wirkt im Hintergrund, kommt aber oftmals als Unmut, Ärger und Kritik daherkommt. Aus diesem Grunde legen die Autoren viel Wert darauf die Mechanismen der Furcht-Scham-Dynamik offen zu legen.

Schatz, wir müssen gar nicht reden!

"Das Problem ist (...), dass Scham und Furcht häufig als Ärger, Unmut, Kritik oder Tadel geäußert werden. Sie müssen gerade dann besonders mitfühlend, verständnis- und liebevoll sein, wenn Ihnen am wenigsten danach zumute ist. Doch es klingt eigentlich schwieriger als es ist. Der Erfolg ist jedenfalls mit Gold nicht aufzuwiegen, und zwar nicht nur in Bezug auf die Partnerschaft, sondern auch für Ihr eigenes Selbstwertgefühl. Wenn Sie diese wertvolle Fähigkeit entwickeln wollen, müssen Sie an Folgendes denken:
- Wenn Sie als Frau gereizt, wütend, besorgt oder ängstlich sind und Ihr Partner sich nicht darum kümmert, versucht er, Scham zu vermeiden. Ihre Angst entspricht seinem Gefühl der Unzulänglichkeit oder des Versagens. Deshalb ist Ihre Angst das zuverlässigste Signal für seine Scham.
- Wenn Sie als Mann gereizt, wütend, mürrisch oder zurückgezogen sind und Ihre Partnerin sich nicht darum kümmert, so hat sie Angst. Ihr Zorn entspricht ihrer Angst. Er ist das verlässlichste Signal für ihre Furcht vor Isolation oder Entbehrungen."
(2009, S.133f.)

Die Veränderung der Wahrnehmung von Reaktionen des Partners soll die zerstörerische Dynamik der Furcht- und Schamvermeidung durchbrechen. Statt auf Reden setzen die Autoren in solchen Situationen auf Gesten, die emotionale Verbundenheit herstellen. Das können eine liebevolle Umarmung, kleine Geschenke sein oder man bringt dem Partner ein Getränk. Wichtig dabei ist: Solche Gesten sollen nicht dazu dienen, ein Thema zu meiden, sondern eine kritische Situation zu bewältigen, in der Reden die Situation nicht verbessern würde. Anhand vieler leicht nachvollziehbarer Beispiele zeigen die Autoren in welchen Situationen Reden nicht der Königsweg ist.

Die eigene Wahrnehmung verbessern als wichtige Voraussetzung gelungener Paarkommunikation 

Den Autoren geht es im Buch nicht darum die Prinzipien einer gelungenen  Kommunikation  zu erläutern, sondern sie schärfen den Blick für die Selbst- und Fremdwahrnehmung. Als Zweifachperspektive bezeichnen LOVE & STOSNY die Perspektive einer reifen Persönlichkeit. Es gilt in der Partnerschaft sowohl den eigenen Standpunkt ("Grundwert") als auch die Sichtweise des Partners bei den eigenen Überlegungen zu berücksichtigen.

Probleme können sich in Partnerschaften auch daraus ergeben, dass wir dem Partner von vorneherein etwas Schlechtes unterstellen. Aber wie vor Gericht sollte auch in einer guten  Partnerschaft zuallererst die Unschuldsvermutung gelten.

Schatz, wir müssen gar nicht reden!

"Verbinden Sie ein positives Bild Ihres Partners und Ihrer Beziehung mit Ihrem Kummer und Ihrem Schmerz. Um diese Technik anwenden zu können, müssen Sie sich zunächst darüber klar werden, welche Art von Bild Sie von Ihrem Partner haben und erhalten wollen. Wollen Sie ihn lieber als Lügner betrachten, als Schürzenjäger oder unsensiblen Rüpel oder als wohlmeinenden Mann, der immer nur Ihr Bestes will, aber gelegentlich Fehler macht? Wenn Sie zuerst einmal von der Unschuld des Partners ausgehen, so zwingt Sie dies, die Perspektive Ihres Partners Ihrer eigenen hinzuzufügen - und genau darum geht es in der Zweifachperspektive."
(2009, S.169)

Sex sagt mehr als tausend Worte

LOVE & STOSNY betrachten Sex als die natürliche Sprache der Zweifachperspektive. Ausführlich gehen sie auf Partnerschaften ein, in denen die eine Person mehr Lust auf Sex hat als die andere. Die Autoren erläutern wie sich das Erleben von Sex bei lustbetonten von weniger lustbetonten Personen unterscheidet und wie Sex trotz dieser Unterschiede für beide Personen ein Gewinn sein kann.

Schatz, wir müssen gar nicht reden!

"Wenn die Beziehung auf Eis liegt, liegt das Eis gewöhnlich im Bett. Kein anderes Thema ruft so viel Furcht und Scham hervor wie Sex. Und kein Thema profitiert mehr von der Zweifachperspektive. Es stimmt nicht ganz, wenn behauptet wird, dass Probleme im Bett die Wurzel aller unglücklichen Beziehungen sind, aber häufig genug entstehen aus unglücklichen Beziehungen Probleme im Bett." (2009, S.172)

Fazit: Das Buch zeigt eindrucksvoll, dass man auf nicht-verbalem Weg oftmals weiter kommt als mit Reden

Im Gegensatz zu anderen Ratgeberbüchern legen LOVE & STOSNY das Schwergewicht nicht auf die Erläuterung der Prinzipien gelungener Kommunikation, geben keine Anleitungen zum richtigen Umgang mit Partnern, Freunden, Eltern oder Kindern, sondern stellen das emotionale Erleben und die Folgen für unsere Selbst- und Partnerwahrnehmung in den Mittelpunkt. Ausführlich wird erläutert wie Scham und Furcht Partnerschaftsdynamiken in Gang setzen und was wir tun können, damit nicht zunehmende emotionale Trennung, sondern emotionale Verbundenheit entsteht. Reden, das dürfte nach dieser Lektüre klar sein, ist nicht in jeder Situation der Königsweg zu einer guten Beziehung. Die Autoren zeigen einen Weg wie wir unsere Emotionen in den Dienst einer gelungenen Partnerschaft stellen können.

 
     
 
       
   

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© 2002 - 2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 26. Oktober 2009
Update: 27. Januar 2017