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Buchrezension

 
       
   

Endlich Single!

 
   

Robert Macia und Julien Péluchon schreiben unterhaltsam über die Pärchen-Lüge und wie man Beziehungen entkommen kann

 
       
     
       
     
       
   
     
 

Einführung

Auch wenn unsere Gesellschaft das Etikett "Single-Gesellschaft" verpasst bekommen hat, die Realität ist eine andere: Wir leben in einer paar- und familienorientierten Gesellschaft, in der das Single-Dasein wieder zunehmend als abweichendes Verhalten gilt . Das lässt sich auch daran ablesen, dass der Buchmarkt von Büchern überschwemmt wird, die Singles mit Partner- und Familienwunsch ansprechen. Komplementär dazu zielen Bücher zum Thema Partnerschaft darauf ab, Partnerschaften zu reparieren bzw. es gar nicht so weit kommen zu lassen. Es wird uns erklärt, wie wir an unserer Partnerschaft arbeiten sollen.

Paare aller Länder sprengt eure Ketten!

Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der Trennung und Scheidung zunehmend als persönliches Versagen interpretiert wird, dem man mit der Arbeit an seiner Beziehung entgegen zu wirken hat, werden auch wieder jene Stimmen lauter, die Alternativen zum Paar fordern. Hierzu gehören Schlagwörter wie Polyamory, also Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit (im Gegensatz zur üblichen Doppelmoral in Paarbeziehungen ) oder das Junggesellentum, das bis in die 1960er Jahren nur dem Mann, dann unter dem Begriff Single auch den Frauen zugestanden wurde. Während es in den 1950er Jahre noch Sinn machte, in der Ehe das Gegenteil des Junggesellen zu sehen, so ist heutzutage die Abgrenzung zwischen Single und Paar üblich geworden.

Ich bin ein Junggeselle

"In allen Literaturen gibt es Berge von Büchern, die uns vom vollkommenen Ehemann, von der perfekten Ehefrau und vom glücklichen Familienleben vorschwärmen...ja, und daß uns, die bösen Junggesellen, der Blitz erschlagen möge!
Warum nur in aller Welt schreibt man nicht einmal über die lieben, netten Junggesellen? Warum versucht man nicht, Verständnis für das Junggesellentum zu wecken: wie man es genießen, wie man alles Gute und Schöne, das es umschließt, auskosten, wie man es in seiner ganzen Fülle mit Bedacht erleben soll?
Nun, dies zu tun, entspricht genau meiner Absicht. Mag die Ehe eine gute Sache sein; ich als alter Junggeselle fühle mich ohne Zaudern zu der Behauptung berechtigt, daß ein wohlgeführtes Junggesellenleben die wirklich gute Sache ist. Und standesbewußt füge ich noch hinzu, daß wir uns damit auf stichhaltige Beweise stützen."
(1956, S.9f.)

MACIA & PELUCHON stellen weniger das erfüllte Alleinleben in den Mittelpunkt (das wird eher nur am Rande behandelt) - wie das Junggesellentum heutzutage genannt wird, sondern sie fordern dazu auf, die Ketten der Paarbeziehungen zu sprengen. Das Buch kommt im Stile eines Manifests daher, die derzeit besonders bei Männern angesagt sind, und im grellen Pink, wovon sich Männer nicht abschrecken lassen sollten.

Humorvoll und völlig ohne Psycho-Slang auskommend

Im Gegensatz zur üblichen Ratgeberliteratur, die zur soziologischen Diagnose Therapie-Gesellschaft beigetragen hat, kommt das Buch von MACIA & PELUCHON ganz ohne den typischen Psycho-Slang aus. Stattdessen setzen die Autoren auf Humor, der wichtige Einsichten ganz nebenbei vermittelt. Die flotte Schreibe richtet sich eher an ein jüngeres Publikum. Es fehlen zudem Tipps zum Thema Kinder und Scheidung, was das Buch eher für unverheiratete, kinderlose Frauen und Männer eignet. Trost und wichtige Einsichten bietet es aber auch für alle anderen, die mit Trennungsabsichten liebäugeln.

Die Pärchen-Lüge

Die Pärchen-Lüge

"Das Leben ist schon hart genug
Alleinstehende haben's doppelt schwer
Pärchen sind wie Parasiten
Pärchen werden immer mehr
Sie küssen wo sie gehn' und stehn'
und schauen sich nicht um"
(Lassie Singers "The Best of Lassie Singlers", 1998)

In Deutschland haben die Lassie Singers in ihren Songs das Pärchen-Thema aus der Single-Sicht beschrieben und spenden mit ihren Liedern Trost ("Liebe wird oft überbewertet"), denn die Verliebtheitsphase von Paaren ist meist kurz und danach sieht die Sache schon ganz anders aus. MACIA & PELUCHON widmen sich im ersten Drittel ihres Buches der Frage, warum die Partnerschaft abgeschafft werden muss. Sie beschreiben das aus der Männerperspektive, denn nicht nur in Frankreich (dem Heimatland des Schriftstellers Michel HOUELLBECQ), ist die Akzeptanz des Alleinlebens bei Frauen höher als bei den Männern .

Endlich Single!

"Stellen wir uns vor, ein Mann begegnet eines Abends einer jungen Frau, verliebt sich und schwebt wie auf Wolken. Drei Monate später zieht das frischgebackene Paar zusammen. Das ist der Anfang vom Ende. Von nun an verengt sich der Horizont des Mannes rapide. Er vernachlässigt seine Freunde, wird jähzornig, pedantisch, empfindlich und verändert sich stark. Mit ausdruckslosem Blick schleppt er sich in Filzpantoffeln vom Sessel zum Sofa. Er setzt Hüftspeck an, wird blass und schlaff. Er erträgt kaum noch den eigenen Anblick im Spiegel; er schämt sich. Er ist nicht mehr Herr über sein Leben, seine Sexualität und seine Freizeit. Er verdrängt und grollt. Die Erinnerung an das Leben davor schnürt ihm die Kehle zu. Er fragt sich, ob er eine neue Brille braucht. Die Haare fallen ihm aus. Binnen drei Monaten ist er um ein Jahr gealtert."
(2011, S.13)

Raus aus dieser Hölle! meinen MACIA & PELUCHON. Mit Statistiken und der Widerlegung gängiger Klischee rücken sie dem Irrtum zu Leibe, dass Partnerschaften zu besserer Gesundheit und zur Gleichheit beitragen.

Wie man aus seiner Beziehung herauskommt

Wie beendet man eine Beziehung richtig? Vor der Trennung sollte man sich Gedanken über Vorbereitung, Zeitpunkt und Ort machen, denn so mancher Trennungswillige stürzt sich unüberlegt in das Abenteuer. Dabei haben Schüchterne, Harmoniesüchtige, Spontane oder Unschlüssige ganz unterschiedliche Probleme mit Trennungen. Was z.B. wenn man nach einem unerwarteten Rauswurf kein Ausweichquartier hat?

Endlich Single!

"Vermeiden Sie Wochenenden und besonders den Samstag (tagsüber und abends), denn sonst müssen Sie den ganzen Sonntag durchhalten. Schwer ist das vor allem allein vor dem Bildschirm mit den Porno-Seiten oder mit dem neuesten Frauenroman." (S.62)

"Trennung im Restaurant: Zweifelsohne ein schickes Ambiente, aber wer will seine Mahlzeit allein inmitten feindselig blickender Menschen beschließen, nachdem das Gegenüber weinend zusammengebrochen ist? Oder sich vor interessiertem Publikum lächerlich machen und als »kurzschwänzig« oder »hysterische Kuh« bezeichnen lassen? In jedem Fall müssten Sie auch noch die Rechnung begleichen.
Die jüngeren unter Ihnen sollten bedenken, dass man Sie auch verstehen können muss. Clubs und andere laute Orte (wie Punkkonzerte oder Szene-Kneipen) sind zu vermeiden." (S.66f.)

"Wenn Sie kein Ausweichquartier haben
Falls einen weder die Eltern (die im Wohnwagen durch Südmarokko reisen) noch Freunde (die alle in Beziehungen leben) aufnehmen können, ist das sehr schade. Denn so muss man weiterhin mit dem oder der Ex zusammenleben. Falls er oder sie nichts dagegen hat. Hier müssen Sie Überzeugungsarbeit leisten. Ziehen Sie von sich aus auf das Sofa um. Sonst müssen Sie wahrscheinlich im Auto oder im Hotel schlafen. Genauso sollte man an den Personalausweis denken. Falls Sie aufgegriffen werden, würde Ihr(e) Ex Sie wahrscheinlich nicht bei der Polizei abholen."
(2011, S.80) 

Wie man Rückfälle vermeidet

Mit der Trennung ist es selten getan, sondern insbesondere die moderne Welt mit ihren neuartigen Kommunikationsmöglichkeiten macht Rückfälle leicht. Und was, wenn man nicht in eine andere Stadt umziehen kann? Der Schriftsteller Jochen SCHIMMANG, Deutschlands Spezialist für das männliche Single-Dasein, hat darüber das lesenswerte Buch Vertrautes Gelände, besetzte Stadt geschrieben .

Endlich Single!

"· Wenn Sie innerhalb der gleichen Stadt oder des gleichen Viertels umgezogen sind:
Gehen Sie nicht ständig an Ihrer alten Wohnung vorbei, und meiden Sie Kneipen und Restaurants, die Sie früher gemeinsam besucht haben. Neutralität ist Trumpf. Auch in anderen Lokalen kann man gut essen." (S.97)

"· Besorgen Sie sich ein Programm, das impulsives Versenden von E-Mails begrenzt. Sie müssen dann vor jedem Absenden eine Frage beantworten oder eine Rechnung lösen. So vermeiden Sie übereilte Aktionen, die Sie den Rest des Tages bereuen."
(2011, S.100)

Fazit: Wer bei Trennungen keine unliebsamen Überraschungen erleben möchte oder nur Trost braucht, der kann mit dem Buch unterhaltsame Stunden verbringen

Auch wer nicht gleich dem Paar an sich abschwören möchte, in unserem Zeitalter der seriellen Monogamie sind Trennungen keine Seltenheit mehr. Wer verlassen wird oder gar selbst den aktiven Part spielte, der findet in dem Buch Trost und Trennungswillige werden auf unterhaltsame Weise auf mögliche Probleme hingewiesen. Heiratswilligen könnte es zudem dabei nützlich sein, den Schritt nochmals genauer zu überlegen. Scheidungsfragen im engeren Sinne sowie Schwierigkeiten, die dadurch entstehen, dass Kinder von Trennungen betroffen sind, bleiben aus gutem Grund außen vor.

 
     
 
   

weiterführender Link

 
       
     
       
   
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 26. Oktober 2009
Update: 27. Januar 2017