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Buchrezension

 
       
   

Das kleine Schwarze

 
       
   

Ein Handbuch für die Frau von Cordula Bachmann, Birgitta Kauffmann und Christiane Tewinkel

 
       
     
       
     
       
   
     
 

Einführung

Ein Ratgeber für alle Lebenslagen und passend für jeder Frau, verspricht der Klappentext des Buches Das kleine Schwarze, das im Untertitel als Handbuch für die Frau ausgewiesen wird. Das Buch liegt damit im Trend von Büchern, die kein Ratgeber für nur eine Lebenslage sein wollen.

1988 2007

Die Herangehensweise kann bei solchen Büchern sehr unterschiedlich sein. Das 1988 erschienene Handbuch für Frauenfrage wurde von dem evangelischen Bischof Hermann KUNST und der Germanistikprofessorin Roswitha WISNIEWSKI herausgegeben und versammelte Beiträge von Frauen und Männern aus Wissenschaft, Politik, Kirche und Kultur. Es ging um Informationen und Analysen zur Stellung der Frau in der Gegenwart und um Anregungen zur Bewältigung der unterschiedlichen Lebensprobleme, wobei in erster Linie der familiäre und nicht der berufliche Bereich im Vordergrund stand. Diese Schwergewichte haben sich bei den neueren Büchern insofern verändert, dass die Familie mehr in den Hintergrund getreten ist und Selbstverwirklichung, Freundinnen, Partner/-in eine größere Rolle spielen.

Handbuch für Frauenfragen

1988Das "Handbuch (soll) Orientierungsmöglichkeiten zum Selbstverständnis der Frau anbieten. Da das gesellschaftliche Bild und die Selbstauffassung von Frauen in den letzten Jahrzehnten bedeutsamen Wandlungsprozessen ausgesetzt gewesen sind, hat dies zur Folge, daß Frauen heute oft mit widersprüchlichen Erwartungen und Forderungen (etwa: erfolgreiche Berufstätigkeit und ausgiebige Versorgung der Familie) konfrontiert werden, was einerseits persönliche Überforderung und andererseits ein konflikthaftes Selbstbild bedingen kann."
(1988, S.12)

frauen - Das Universalkompendium

2007"Dieses Buch ist keine systematische Geschichte der Frauen und auch kein Lexikon, in dem alle Frauenfragen und Frauenstichworte versammelt sind. Es ist eine Montage aus Fundstücken, ein abruptes Nebeneinander, das Ergebnis von lustvollen Streifzügen durch die Kulturgeschichten von Frauen, gefunden in alten Schriften, Lexika und aktuellen Veröffentlichungen, in Bibliotheken und im World Wide Web. (...) Durch das Herauslösen der Fundstücke aus den hierarchischen Ordnungen, in denen wir die Welt normalerweise organisiert sehen, bietet sich uns die Möglichkeit eines neuen Blickes auf die Dinge. Das Suchen und Finden führt zu überraschenden Assoziationen, zu Erinnerungen an verschüttetes Wissen, zu eigenen Ideen und Phantasien."
(2007, S.7)

Gabriele GILLEN setzte in ihrem Universalkompendium auf ein buntes Nebeneinander von Fakten, die eher für Quizsendungen hilfreich sind. Eine Frau. Ein Buch von BLÜMNER & THOMAE ist in seiner Herangehensweise am ehesten vergleichbar mit dem Buch von  BACHMANN/KAUFFMANN/TEWINKEL. Auf Kanonisierungen in Listenform wie z.B. Zehn Songs, die die Trennung erleichtern, haben letztere jedoch zum Glück verzichtet. Es gibt auch kein Vorwort, sondern die Autorinnen gehen gleich zur Sache, denn was BLÜMNER & THOMAE schreiben, das kann sich jede vernünftige Frau selber denken.

Eine Frau. Ein Buch

"Den Anspruch, der Frau jetzt einmal alles in nur einem Buch zu erzählen, haben wir natürlich zu keiner Zeit gehabt. Erstens, weil wir Realistinnen sind, und zweitens, weil sich sehr viele sehr unterschiedliche Frauen für die verschiedensten Dinge interessieren. Wir haben uns den Themen zugewandt, an denen man unserer Meinung nach als Frau nur schwer vorbeikommt"
(2008, S.12)

Die moderne Frau und der Haushalt

Die Frau startet bei Adam, Eva und der Apfel. Um den Unterschied zur Nachkriegszeit sichtbar zu machen, lohnt sich ein Blick in einen älteren Ratgeber.

frauen - Das Universalkompendium

2007"Stundenplan für Frauen

Eine gut angelernte junge Frau hält ihren Haushalt tadellos in Ordnung und teilt sich ihre Arbeit genau ein. Ohne Stundenplan geht das nicht. Man darf nicht erst mittags die Betten auslegen und abends zulegen. Man darf nicht fünf vor eins mit dem Kochen beginnen und womöglich noch schnell zum Metzger laufen, weil man das Kotelett vergessen hat. Man darf nicht mit dem Reinigen der Wohnung beginnen, wenn der Mann müde von der Arbeit ins Haus kommt und sich erholen möchte.
Daniela Krein, »Ratgeber für die junge Frau und Mutter«, 1962" (2007, S.41)

Das kleine Schwarze

"Apfelgelee ist schon deswegen toll, weil es Ihrer schludrigen Seite ebenso entspricht wie Ihrer damenhaften. Einerseits fallen jene lästigen Verarbeitungsschritte wie Schälen und Entkernen weg, denen sich die aufopfernde Hausfrau unterwirft, andererseits wirkt ein Apfelgelee viel feiner und weiblicher als eingekochte Marmelade, die doch immer einen großmütterlichen Touch behält. Apfelgelee ist klar und durchsichtig - wie der weibliche Erkenntnisdrang."
(2009, S. 9)

Die moderne Frau ist alles andere als das Heimchen am Herd. Um den Haushalt in Griff zu bekommen, wird schon einmal zu unkonventionellen Methoden gegriffen. Welche ordentliche Nachkriegshausfrau wäre schon auf die Idee gekommen, ihre Gurken in einer Waschmaschine zu waschen? Damals waren Waschmaschinen natürlich noch nicht so verbreitet und auch weniger komfortabel.

Auffällig ist: das Wäsche waschen ist den Frauen kein Kapitel wert. Schuld ist offenbar der französische Soziologe Jean-Claude KAUFMANN, auf den die Autorinnen in anderen Zusammenhängen durchaus zurückkommen. Schmutzige Wäsche, so eines seiner zahlreichen Bücher, beschreibt den nervenden Geschlechterkampf anhand des Wäschewaschens und Geschlechterkampf ist für diese Postfeministinnen definitiv out .

Dies führt jedoch zu neuen Problemen, die noch einer Lösung harren. Ein Schwein schlachten erfordert einen gewissen organisatorischen Aufwand und wirklich damenhaft ist die Sache auch nicht gerade. Man sollte meinen, dass das Heimwerken dagegen eine einfache Sache wäre, aber ausgerechnet dort stellt sich den Autorinnen die Männerfrage. Ausführlich wird das Thema Haushaltshilfe beschäftigen behandelt. Was oftmals als Königsweg für moderne Doppelkarrierepaare & -familien gepriesen wird: die Auslagerung von Dienstleistungen, erfordert in der Alltagspraxis einiges an Überlegungen. Likör ansetzen und Gäste haben ist dagegen mit mehr Spaßfaktor verbunden und sich die Arbeit erleichtern ist sowieso selbstverständlich.

Handarbeit, d.h. Nähen, St(r)icken, Häkeln und Puppen machen wird in einem eigenen Kapitel behandelt. Nähen mit der Hand oder mit der Maschine? Im Zeitalter des Prosumenten muss das gut durchdacht werden. Und manche Handarbeiten wie einen Bikini häkeln sollte man nur in bestimmten Lebensphasen in Angriff nehmen.

Das kleine Schwarze

"Entweder machen Sie gerade Karriere und versuchen, die Chefin durch besonderen Arbeitseinsatz von Ihrer Qualifikation zu überzeugen. Oder Sie sind berufstätige Hausfrau, Mutter und Selbstverwirklicherin, sitzen in der Fleißfalle und versuchen die Drei- bis Vierfach-Belastung durch Multitasking und effizientes Zeitmanagement in den Griff zu kriegen. Sollte dies auf Sie zutreffen, können Sie sofort mit dem Lesen aufhören, denn ein Häkel-Bikini kommt für Sie nicht in Frage. Sie hätten ja nicht einmal die Zeit, sich ein Garn dafür auszusuchen.
          
 Sollten Sie sich aber zufälligerweise genau zwischen diesen beiden Phasen befinden und erstmalig schwanger sein? Hatten Sie etwa vorzeitige Wehen und müssen nun bis zur - möglichst späten - Niederkunft das Bett hüten? Und haben Anna Karenina längst gelesen? Dann wären Sie eine Kandidatin."
(2009, S.68)

Vielleicht reißt Sie auch ein 3 tägiger Stromausfall aus Ihrem wohlgeordneten Alltag, ebenfalls ein idealer Zeitpunkt, einen Bikini zu häkeln. Die Autorinnen haben also auch an Notfälle gedacht. Ihren Humor verlieren sie aber auch in solchen kritischen Situationen nicht.

Frauen und Karriere

Die moderne Frau ist gut gebildet und berufstätig. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Bei BLÜMNER & THOMAE arbeiten die Frauen insbesondere in den Medien, eröffnen Boutiquen, werden Spitzenköchin, Soldatin oder legen Platten auf. Eher Glamour als Karriere also.

Das kleine Schwarze richtet sich dagegen an Frauen, die mehr erreichen wollen. Streberinnen haben vielleicht keinen Soundtrack, dafür erreichen sie Positionen von denen andere nur träumen können und sie kommen überall hin, selbst ins Kloster. Was bedeutet es Prüfungen ablegen zu müssen, eine Doktorarbeit zu schreiben (was immer noch zu wenig Frauen tun ). Vielleicht entscheiden Sie sich aber auch für eine Existenzgründung. Frauen gründen andere Unternehmen als Männer: meist Ein-Frau-Betriebe in einem Ein-Raum-Laden. Die Fördermöglichkeiten sind aber anders ausgerichtet, wie die Autorinnen erläutern.

Und wie führt man Gehaltsverhandlungen? Dazu gibt es im Buch einen Test, dessen Sarkasmus sofort klarstellt, wo man das Antwortkreuzchen keinesfalls setzen darf. Nichtsdestotrotz wird damit der Kern der Problematik durchaus getroffen. Anhand der erreichten Punktzahl wird man in 3 Kategorien eingeordnet: Karrierefrau, normalbenachteiligt und Schnuffelhäschen. Auch zu Themen wie eine Sitzung leiten oder richtig Netzwerken (übersichtlich in 10 Geboten zusammengefasst) haben die Autorinnen Nützliches zu sagen.

Zurück in den Beruf finden, war BACHMANN/KAUFFMANN/TEWINKEL sogar 6 Porträts wert, die die Problematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie am Beispiel Studentin mit Kind, Angestelltendasein und freiberuflicher Tätigkeit aufzeigt.

Das kleine Schwarze

"Die zweite längere Babypause erfolgte zwischen erstem Examen und Beginn des Referendariats. Passte also auch insofern gut, weil ich eh ein knappes Jahr auf den Platz warten musste. Allerdings fielen meine mündlichen Prüfungen, das Examen meines Mannes und die Drei-Monats-Koliken unseres Zweitgeborenen zeitlich zusammen - was fürchterlich war. Das dritte Kind war ungeplant, festgestellt eine Woche vor dem schriftlichen Examen. Schon wieder kein »unschwangeres« Examen ... Aber alles lief gut, wenn man davon absieht, dass ich die schriftlichen Prüfungen mehrmals unterbrechen musste, um mich zu übergeben. Das Babyjahr mit unserem Dritten war wundervoll. (...). Nach einem Jahr hatte ich diese Ausschließlichkeit - für mich selbst überraschend - wieder über und war sehr froh, dass sich mir die Möglichkeit bot, an ein bis zwei Vormittagen in einer Rechtsanwaltskanzlei zu arbeiten. Einziger Haken ist, dass ich bislang keine Kinderbetreuung gefunden habe, die mir ein wirklich entspanntes Arbeiten ermöglicht".
(2009, 183f.)

Karriere kann man aber auch nebenberuflich machen, z.B. als Bloggerin. Eine zuweilen spitzzüngige Typologisierung beschreibt 5 Frauentypen, die ein Weblog benötigen. Die Präferenzen der Autorinnen kommen darin deutlich zum Ausdruck. Den größten Nutzwert bietet ein Blog alleinerziehenden Müttern.

Das kleine Schwarze

"Kinderbetreuung und Ausgehen vertragen sich schlecht. Als alleinerziehende Mutter sitzen Sie viel zu Hause. Das ist langweilig. Das Bloggen bietet die Möglichkeit, zu allen erdenklichen Themen und mit allen möglichen Personen zu kommunizieren und vielleicht jemanden kennenzulernen, den man auch im wahren Leben gern einmal treffen würde." (2009, S.113)

In Gattungen schreiben beschäftigt sich u.a. mit dem Thema Biografien verfassen, was ja seit einigen Jahren im Trend liegt und mit dem Groschenroman schreiben.  

Frauen und die Liebe

Die Einteilungen des Buches sind nicht immer ganz einsichtig. Einem Mann einen Korb geben findet man unter Sprache und Kommunikation zwischen Konversation betreiben und Fremdsprache  lernen. Liebe fällt unter Frauensachen, während Sex im Rahmen von Schönheit und Gesundheit behandelt wird. Aber okay. Eine sinnvolle Gliederung dürfte bei den verhandelten Themen auch etwas schwierig sein. Bei BLÜMNER & THOMAE findet sich Sex unter Die Frau und das Alter, während Orgasmus unter Frau und Technik fällt. Sinnigerweise zwischen erfolgreich aussteigen und einen Lkw einparken. Die Frau mit Mann tanzt mit Nichttänzern, die Frau ohne Mann tanzt gar nicht, sondern sucht dringend einen Partner. Offensichtlich war der Erwählte ein Nichttänzer.

Im kleinen Schwarzen wird die Liebe chronologisch abgehandelt. Nicht nach dem traditionellen Muster verliebt, verlobt, verheiratet, sondern an die Stelle der Verlobung tritt der Morgen danach. Wie wichtig dieser ist, das weiß man spätestens seit den Untersuchungen des französischen Soziologen Jean-Claude KAUFMANN. Beim Heiraten ist es nicht allein mit der Frage ja oder nein getan, sondern nach oben oder unten heiraten ist - trotz Romantikboom - zu einer nicht ganz unwichtigen Frage geworden . "Gleich und gleich gesellt sich gern, damit die Kinder Karriere machen" fassen die Autorinnen das knapp zusammen. Sich verlieben oder gar Heiraten hat Auswirkungen auf den Freundinnenkreis. Verrat liegt in der Luft. In vier Fallbeispielen nehmen sich die Autorinnen dieses Themas an. Die Scheidungsrate ist derzeit zwar im Fallen, aber Trennungen sind dennoch weit verbreitet. Zum Single-Dasein greifen die Autorinnen auch wieder auf Jean-Claude KAUFMANN zurück.

Sich anbaggern lassen, steht zwar am Schluss, könnte aber auch der Anfang sein. Die Autorinnen begegnen dem Flirten jedenfalls mit Humor.

Frauen und Kinder

Dem Thema Kinder begegnet man in dem Buch des Öfteren. Ob als (Single-)Frau, die Puppen für ihr Patenkind anfertigt; als Frau, die vor der Entscheidung steht: Kind oder kein Kind; als Mutter, die in den Beruf zurückkehren möchte; als Alleinerziehende oder sogar als beste Freundin, die der Niederkommenden beisteht.

Die Aufgaben einer Freundin wechseln je nach Geburtsphase. Welche Rolle spielt z. B. die Freundin, wenn der Vater dabei ist? In den üblichen Ratgeberbüchern zur Geburt hat die Freundin keinen Platz, sondern allenfalls der Vater wird neuerdings berücksichtigt.    

50 einfache Dinge, die Sie über das Kinderkriegen wissen sollten

"Viele Partner bereiten sich heute ebenfalls auf die Geburt vor, und nahezu alle Geburten werden heute vom Vater miterlebt. Es ist für ihn emotional ein ebenso großartiges Ereignis wie für seine Partnerin. Und dennoch verhält sich der werdende Vater während der Geburt oft völlig anders, als er es sich vorgenommen hatte. Seine Aufmerksamkeit ist deutlich gesteigert, und Unruhe und Besorgnis sind gepaart mit einem Gefühl der Machtlosigkeit.
          
 Darüber hinaus sind Männer sehr bemüht, ihre Frauen während der Geburt zu stützen und zu unterstützen. Doch oftmals bleiben sie in einer gewissen Hilflosigkeit befangen, während die Partnerin sehr deutlich spürt, was ihr während der Geburt guttut oder welche Position für sie gerade die bequemste ist."
(2008, S.90)

Das kleine Schwarze

"Die Diskussion, ob der Vater bei der Geburt dabei sein sollte, ist müßig und ideologisch aufgeladen. Das muss jedes Paar ganz für sich entscheiden. Tatsache aber ist, dass sich die Männer bei der Geburt oft hilflos fühlen, weil sie nichts tun können. Nichts zu tun angesichts solch dramatischer Ereignisse ist auch ganz schwer auszuhalten. Für Frauen - aber für Männer ganz besonders. Früher wurden Männer geschickt, Wasser zu kochen und Zeitungen in Schnipsel zu reißen. Nützlichere Beschäftigungen sind: Trinken anbieten nach jeder Wehe, für warme Füße sorgen, Traubenzucker, Knabbersachen und Obst bereithalten, alle halbe Stunde einen Positionswechsel anregen, kalte Waschlappen auf die Stirn legen. Und bei langen Geburten: Lippenpflege besorgen. Natürlich besteht die Gefahr für Sie als Freundin, in Konkurrenz mit dem Vater zu geraten. Überlassen Sie ihm die Beschützerrolle. Wenn Sie aber das Gefühl haben, dass er einmal eine Pause braucht, schicken Sie ihn ruhig vor die Tür."
(2009, S.325)
 

Bei diesen Themen herrscht ein wohltuend sachlicher Tonfall vor. Die Autorinnen wissen genau, wo Humor und Sarkasmus fehl am Platze ist.

Die Rolle der Freundinnen im Leben einer Frau

Die Berücksichtigung von Singlefreundinnen sollte in modernen Frauenratgebern selbstverständlich sein. Der höhere Stellenwert von Freundschaften im Leben einer Frau ist sicherlich auch der Tatsache zu verdanken, dass Singlephasen inzwischen zum modernen "Normallebenslauf" gehören.

Das kleine Singlewohlfühlbuch

"Natürlich hatte auch ich früher Freundschaften, die ich einfach so hinnahm und über die ich nicht weiter nachdachte. Sie kamen und gingen eben. Rückblickend fürchte ich, dass ich keine besonders gute Freundin abgab. Irgendwie war mein Freund und später die Freundin immer der wichtigere Teil in meinem Leben. Erst als Single habe ich begriffen, was Freundschaften bedeuten können, dass sie gehegt und gepflegt werden müssen, und nicht zuletzt, dass Menschen, die einen schätzen und fördern, einem in gewisser Weise ein Stück Heimat bieten, etwas sehr Kostbares sind, das einer sorgfältigen Behandlung bedarf. Denn das Vorhandensein solcher Wahlverwandtschaften kann ausschlaggebend dafür sein, wie Sie Ihr Dasein als Single (er)leben. Es ist zum Beispiel wahrscheinlich, dass Sie die allseits so gefürchtete Einsamkeit der Singles entweder als nicht vorhanden oder zumindest als weniger bedrückend erleben, wenn Sie Menschen um sich haben, die an Ihrem Leben Anteil nehmen, mit denen Sie sich offen austauschen können - was weit mehr ist, als hin und wieder mal gemeinsam auszugehen."
(2005, S.38f.)

Im kleinen Schwarzen wird auf die Rolle von (Single-)Freundinnen in verschiedenen Lebenslagen eingegangen. Die Singlefreundin ist immer dann betroffen, sobald bei einer Freundin die Lebenslage wechselt: wenn sie sich verliebt, wenn sie ein Kind bekommt, aber auch bei Partnerverlusten, ernsten Krankheiten und ähnlichem. Im Kapitel Kommunikation in schwierigen Fällen sprechen die Autorinnen in solchen Fällen die Freundin an und vermitteln Wissen über den richtigen Umgang.

In einem Eheratgeber aus dem Jahr 1959 wird die Rolle der besten Freundin in erster Linie als Problem angesehen, während sie im kleinen Schwarzen eher die Rolle der Verständnisvollen innehat.

Die gute Ehe

"Echte Freundschaft ist etwas sehr kostbares. Gute Freunde können in schwierigen Lebenslagen ein Quell der Kraft und wertvolle Helfer sein. Freundschaft lebt aber, wie auch die Liebe, von der Distanz. Deshalb ist es nicht gut, wenn man seine Freunde zu Zeugen ehelicher Zerwürfnisse macht und immer wieder alle die kleinen Mißhelligkeiten, Ärgerlichkeiten und Zwistigkeiten vor ihnen auspackt, die in fast allen Ehen einmal vorkommen. Wie oft wird aber gerade das getan, und wie oft entstehen dadurch neue Konflikte zwischen Mann und Frau? Männer sind in diesen Dingen meistens wesentlich zurückhaltender als Frauen, die vor der besten Freundin gern ihr gesamtes Seelenleben ausbreiten. An solchen »besten Freundinnen« sind schon Ehen gescheitert. Denn diese Freundinnen pflegen ihren Einfluß nicht immer zur Milderung und Beseitigung der Konflikte zu verwenden."
(1959, S.202)

Das kleine Schwarze

"Der Alptraum ist wahr geworden. Vielleicht ist es doch besser, die beste Freundin anzurufen oder gleich zu ihr zu fahren und sich an ihrer Schulter auszuweinen. Ganz bestimmt: Das ist besser.
Untreue ist nichts Ungewöhnliches."
(2009, S.240)
 

Partnerschaften, Ehen und Familien können heutzutage offen für so genannte Wahlverwandte sein, z.B. auch für die Singlefreundin.

Das kleine Schwarze

"Warum nicht die Singlefreundin am Wochenende zum Marmeladekochen einladen? Vielleicht freut sie sich, mit den Kindern zu spielen - das macht nämlich umso mehr Spaß, je weniger oft man dazu gezwungen ist. Beim Marmeladerühren können Sie sich gegenseitig erzählen, was in Ihren so ganz verschiedenen Leben alles schiefläuft, und gemeinsam ein paar Tränen vergießen. Die werden dann gleich mit untergerührt.
Und wo steht geschrieben, dass Weihnachten ausschließlich im Kreise der Familie verbracht werden muss? Warum nicht zusammen mit anderen Familien feiern und den alleinstehenden Opa und die Singlefreundin einladen. Die Anwesenheit eines außerfamiliären Gastes wirkt sich positiv auf die weihnachtliche Familiendynamik aus: Alle benehmen sich besser und verkneifen sich die schlechten Manieren, die in rein familiären Runden so leicht um sich greifen. Dank Singlefreundin wird Ihr Weihnachten malerischer, und Ihre Freundin muss sich nicht alleine grämen an diesen für Singles wirklich grauenhaften Tagen."
(2009, S.238f.)

Kann es Freundschaften zwischen Männer und Frauen geben? Für die Autorinnen des kleinen Schwarzen ist diese Harry und Sally-Frage tabu. Männer kommen allenfalls als Problem, als Objekt der Begierde (siehe Kapitel Liebe)  oder als Randthema vor. Selbst der seit Sex and the City obligatorische Schwule fehlt. Auf solch cooles Wissen für coole Frauen hat man zugunsten der wichtigen Themen verzichtet.

Frauen und Lebensstil

Das kleine Schwarze orientiert sich hinsichtlich der Problemlagen von Frauen eher an Bridget Jones, während Sex and the City Modetrends setzte, wie z.B. das Kapitel Intimrasur zeigt. Der Begriff Problemzone bezeichnet ein Phänomen, das Wachstumspotenzial besitzt.

Das kleine Schwarze

"1994 wurde der Begriff »Problemzone« in den Duden aufgenommen (...).
Die selbstkritische Beäugung und Betastung der Regionen um Bauch, Gesäß und Oberschenkel ist vielen Frauen vertraut und gilt als Ursache von schlechter Laune und Minderwertigkeitsgefühlen. Standen bis vor Kurzem nur Bauch-Beine-Po im Fokus, so bescheren uns Mode, Kosmetik und die rasant fortschreitenden Möglichkeiten der plastischen Chirurgie regelmäßig neue Problemzonen"
(2009, S.274)

Der Feminismus ist für die postfeministischen Autorinnen ein Problem, das noch immer nachwirkt, besonders wenn es um Fragen des Lifestyles geht. Dabei rennen sie jedoch offene Türen ein, denn egal wohin man derzeit blickt, ist die Rede vom neuen Feminismus, der Emanzipation und Weiblichkeit nicht als Widerspruch, sondern als Ideal zelebriert. Dieser Popfeminismus hat mit Missy Magazine und  Neue deutsche Mädchen inzwischen den Buch- und Zeitschriftenmarkt erreicht.

Das kleine Schwarze nimmt davon keine Notiz, sondern tut so, als wäre man Vorreiter, statt Teil eines Trends. Oder man grenzt sich von Hypes ab. Hier wird also cooles Wissen für coole Frauen versprochen - aber das ist nicht unbedingt Schuld der Autorinnen, sondern das Grundgesetz des Lifestyles.

Die Businessfrau im Unternehmen hat im Gegensatz zu Frauen  im  Kulturbetrieb, immer noch ein größeres  Kleidungsproblem. Einen Ausweg sehen die Autorinnen in einem situationsorientierten Kleidungsstil.

Das kleine Schwarze

"Sie können es eigentlich nur falsch machen. Kleiden sie sich betont businessmäßig, negieren sie ihre Weiblichkeit. Präsentieren sie sich umgekehrt weiblich-attraktiv, werden ihnen die professionellen Fähigkeiten aberkannt. Das Resultat dieses Dauerkonflikts spiegelt sich in dem schon zum Klischee gewordenen Bild der Frau, die vor ihrem proppenvollen Kleidungsschrank steht und meint, dass sie nichts zum Anziehen habe." (2009, S.281)

Die Frau und das Alter

Ältere Frauen haben im kleinen Schwarzen kein eigenes Kapitel, obwohl das Thema Frau und das Alter aufgrund des demografischen Wandels Zukunft hat . Selbst unter Schönheit und Gesundheit, also im Sinne des Defizitansatzes wird das Alter ausgespart. Eher als auf das Alter, kommt man auf Altbewährtes zu sprechen (z.B. die gute alte Nähmaschine oder auf einem alten Herd kochen). Im Kapitel Geld anlegen fehlt der Aspekt Altersvorsorge, obgleich Frauen länger leben als Männer. Dafür gibt es Kapitel wie Vom Umgang mit Weihnachtsbriefen, die verzichtbar sind. Es wäre wünschenswert, dass auch junge Frauen oder Frauen, die mitten im Leben stehen, ans Alter denken.        

Fazit: Das kleine Schwarze trägt den wichtigsten Veränderungen der Lebenswelt von modernen Frauen Rechnung   

Das Buch will wie die beste Freundin sein, steht auf dem Klappentext. Vielmehr noch, wird aber der besten Freundin selber ein wichtiger Platz im Buch eingeräumt. Dies macht neben dem breiten Themenspektrum auch den Mehrwert gegenüber anderen Frauenratgebern aus. Den typischen Frauenratgeber haben die Autorinnen selber pointiert charakterisiert.  

Das kleine Schwarze

"Frauenratgeber gibt es zu drei verschiedenen Themen: 1. Wie finde ich endlich den Richtigen? 2. Wie behalte ich den Richtigen? 3. Wie trenne ich mich von dem Falschen? In den Ratgebern steht überall das Gleiche und außerdem nichts, was Sie schon wüssten. Einzig der Ton variiert von flapsig-ironisch über esoterisch-beschwörend bis onkelhaft-therapeutisch. Sie brauchten für alle Lebens- und Stimmungslagen also dreimal drei, insgesamt neun Ratgeber - das deckt alle Seinsweisen der Frau von heute ab."
(2009, S.210)

Das kleine Schwarze stellt dagegen den neuen "Normallebenslauf" der Nach-68er Frauen in den Mittelpunkt, wobei das Alter ausgespart wird. Muttersein ist nicht mehr so bestimmend wie früher, dagegen ist der Beruf und die Karriere wichtiger geworden. Aber auch die Freizeitinteressen nehmen mehr Raum ein und das Spektrum der möglichen Aktivitäten ist breiter geworden. Diesen veränderten Bedingungen der weiblichen Lebenswelt trägt das Buch Rechnung.

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 17. Mai 2009
Update: 27. Januar 2017