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Rezension

 
       
   

Thomas Klein

 
   

Pluralisierung versus Umstrukturierung am Beispiel partnerschaftlicher Lebensformen
erschienen in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 51. Jg., H.3/1999, S. 469 - 490

 
       
     
       
     
       
   
     
 

Eine empirische Widerlegung der Individualisierungsthese von Ulrich Beck

Anhand einer Sekundäranalyse des repräsentativen Familiensurveys vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) versucht KLEIN eine empirische Widerlegung der BECKschen Individualisierungsthese.

Das ganz normale Chaos der Liebe

Klicken Sie auf das Bild, um mehr Infos zu bekommen"Wenn »Gleichheit« im Sinne der Durchsetzung der Arbeitsmarktgesellschaft für alle gedeutet und betrieben wird, dann wird - implizit - mit der Gleichstellung letztlich die vollmobile Single-Gesellschaft geschaffen.
      
  Die Grundfigur der durchgesetzten Moderne ist - zu Ende gedacht - der oder die Alleinstehende (Lerke Gravenhorst).
(...). Daß dies nicht nur ein Gedankenexperiment ist, zeigen die sprunghaft ansteigenden Zahlen für Einpersonenhaushalte".
(1990, S. 190)

Partnerlose statt Alleinlebende als Untersuchungseinheit

BECK hatte seine These von der Single-Gesellschaft mit Daten der amtlichen Statistik belegt. Die amtliche Statistik kennt aber nur Alleinlebende und keine Singles im Sinne von Partnerlosen. KLEIN greift dagegen auf Daten zurück, die nicht den Haushaltsaspekt, sondern den Beziehungsaspekt von Lebensformen in den Mittelpunkt der Analyse rücken. Dies ist insofern richtig, weil BECK aus der gestiegenen Zahl von Einpersonenhaushalten auf eine zunehmende Beziehungs- bzw. Bindungslosigkeit in der Gesamtgesellschaft schließt. KLEIN unterscheidet vier Partnerschaftsformen: die traditionelle Ehe, zusammenwohnende Paare, Paare ohne gemeinsamen Haushalt und Partnerlose. Die Wohnverhältnisse der Partnerlosen bleiben hierbei jedoch unberücksichtigt.

Der Zeitraum der Untersuchung

Der Zeitraum der Untersuchung umfasst die Jahre 1968 - 1988, in denen sich nach BECK ein Individualisierungsschub vollzogen haben soll. Ein Nachteil der Sekundäranalyse ist jedoch, dass der Autor sich auf die 18 - 35jährigen beschränken muss, da die Datenlage anderes nicht zulässt. Der Autor behauptet zwar, dass dies die Altersgruppe sei, auf die letztlich die Individualisierungsthese abstellt, dies ist jedoch unzutreffend. In der Debatte um die Single-Gesellschaft geht es vor allem um die Altersgruppe der 25 - 45jährigen. Auch BECK (1986) hat sich nirgends auf die von KLEIN genannte Altersgruppe beschränkt.

Der Anteil der Partnerlosen ist  - trotz des Anstiegs der Einpersonenhaushalte - konstant geblieben

Wenn man berücksichtigt, dass KLEIN von 18 - 35jährigen Partnerlosen spricht, egal ob sie bei den Eltern wohnen oder allein, dann sind die Ergebnisse der Sekundäranalyse aufschlussreich:

Pluralisierung versus Umstrukturierung am Beispiel partnerschaftlicher Lebensformen

"Während der Anteil der Alleinlebenden in dem hier betrachteten 20-Jahreszeitraum in der Tat angestiegen ist, ist der Anteil der Personen, die ohne feste Partnerschaft leben, schlichtweg konstant geblieben." (1999)

Es lässt sich daraus ableiten, dass die statistische Kategorie "Alleinlebender" bei Aussagen über Partnerschaftsverhältnisse wenig weiterführend ist .

Forschungsdefizit: Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt

Die Aussagen von KLEIN zu den Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt sind dagegen dürftig. Dies liegt vor allem an der mangelhaften Datenlage, die dazu führt, dass diese Partnerschaften nur als Vorstufe zur (nicht-) ehelichen Partnerschaft mit gemeinsamem Haushalt gesehen werden können. Als neuartiges Phänomen, das erst in den 1990er Jahren - aufgrund zunehmender Mobilitätszwänge auf dem Arbeitsmarkt - größere Verbreitung gefunden hat, kommt es erst gar nicht in den Blick  .
 

Die Single-Lüge - Das Buch zur Debatte

Die Single-Debatte ist längst in eine Sackgasse geraten. Dies wird in diesem Buch u.a. der Individualisierungsthese des Münchner Soziologen Ulrich Beck angelastet.
        
Das Buch sollte als Beitrag zur Versachlichung der Debatte verstanden werden und liefert deshalb Argumente für eine neue Sichtweise auf das Single-Dasein im Zeitalter der Demografiepolitik.

 
     
 
       
   

weiterführende Literatur

 
       
   
  • Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt

Norbert F. Schneider - Berufliche Mobilität und Lebensform

Problemsituation Wochenendbeziehung

FLIEGEL, Steffen (1999): Wochenendbeziehungen - Chance oder Krise?,
in:
WDR 2, Sendung vom 22.09.

JUNG, Rainer (1997): Königskinder auf Achse.
Mobil und flexibel - auch in der Liebe? Die Wochenendbeziehung ist voller Tücken und Chancen,
in: Das Sonntagsblatt Nr.6 v. 07.02.

Ferne Liebe - Wochenendbeziehungen,
in:
WDR Fernsehen, Sendung v. 05.11.1997
 
       
   
  • Einpersonenhaushalte

Statistische Daten
Der Dschungelführer durch die Haushaltsstatistik - oder warum Durchblick in der Statistik nicht nur für Nerds wichtig ist

Die Anzahl der Einpersonenhaushalte - Mythen und Fakten

Problemfall Single-Dasein
FLIEGEL, Steffen (1999): Probleme mit dem Leben als Single,
in:
WDR 2, Sendung v. 03.05.
Diagnose: Beziehungs- und Bindungslosigkeit
FLIEGEL, Steffen (1999): Die Flucht vor der Nähe - Bindungsangst und Beziehungsunfähigkeit,
in:
WDR 2, Sendung v. 15.03.99

Vorsicht Nähe! - Liebessehnsucht und Bindungsangst. Eine Zeiterscheinung,
in:
WDR Fernsehen, Sendung v. 19.01.1997

 
       
   

weiterführende Links

 
       
     
       
   
 
   

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