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Kritik

 
       
   

Partnersuche: MAX verspricht "Nie wieder allein"

 
       
   

SIEGERT, Almut (2002): Nie wieder allein.
13,5 Millionen Menschen leben in Deutschland allein. Viele suchen einen Partner. MAX hat Internet-Börsen, Reise-Angebote, Bars, Cafés und Clubs unter die Lupe genommen: Wie kommt man am schnellsten zum Glück zu zweit?,
in: Max
Nr.12 v. 23.05.

FALZ, H. & A. SCHIPPRACK (2002): "Manchmal will ich nur ein Abenteuer".
Sexy, selbstbewusst und wieder Single - Katarina Witt geht es auch ohne einen festen Freund hervorragend. Im Interview spricht die Eiskunstläuferin über Liebe, One-Night-Stands und langweilige Männer,
in: Max Nr.12 v. 23.05.

 
       
   
  • Die Themen der Kritik

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    Der Single im Verständnis von Max

    Der Single ist bei Max weitgehend identisch mit dem Yuppie der Generation Golf (zu Wort kommen ein 32jähriger Marketingberater, ein 32jähriger Personalberater, ein 31jähriger Banker und ein 34jähriger promovierter Chemiker) und der Generation Ally (29jährige Pressereferentin, 26jährige Webdesignerin).

    Eine Umfrage macht noch keine gute Story

    Um der Story einen wissenschaftlichen Touch zu verleihen, hat Max bei Forsa eine Umfrage in Auftrag gegeben. Grafiken gaukeln Seriosität vor, aber fehlende Hinweise auf die Art der Stichprobe lassen an der Aussagekraft der Umfrage zweifeln. Ansonsten gibt es altbekannte Statements der üblichen Trendgurus (H. W. OPASCHOWSKI und Matthias HORX) und die Studie Wie leben die Deutschen von Norbert F. SCHNEIDER sowie das gerade erschienene Buch Singlefrau und Märchenprinz des französischen Soziologen Jean-Claude KAUFMANN werden kurz erwähnt.

    Haushaltsform und Partnerlosigkeit - ein vernachlässigter Zusammenhang

    Positiv zu vermerken ist die Tatsache, dass man bei Max inzwischen auch weiß, dass der statistische Begriff Einpersonenhaushalt nichts über die Beziehungsform der Alleinlebenden aussagt. Leider hat diese Erkenntnis ansonsten keinerlei Einfluss auf die Reportage. Man hätte z.B. bei der Umfrage eine Frage nach der Wohnform aufnehmen können und die "Vermittelbarkeit" von Partnerlosen in Abhängigkeit von der Wohnform hinterfragen können. Stattdessen steht der übliche alleinlebende Yuppie im Vordergrund.

    Mythos Single und Familiengründung

    Nie wieder allein

    "Ein Grund für die Single-Welle der letzten Jahrzehnte ist die bessere Ausbildung der Frauen. Erst die Karriere - Ehemann und Babys können warten, lautet der Plan. Und so verschiebt sich die Familiengründung Jahr für Jahr oder findet gar nicht mehr statt."
    (Max Nr.12 vom 23.05.2002)

    Dies mag vielleicht jener Grund sein, der am besten zum gegenwärtigen familienpolitischen Zeitgeist passt, aber die "Single-Welle" erklärt er nicht. Das Alleinwohnen im mittleren Erwachsenenalter ist hauptsächlich Männersache! Die Verschiebung der Familiengründung hat dagegen in erster Linie zur Zunahme der unverheirateten Paare geführt. DINKs (double income, no kids) - speziell unverheiratet zusammenwohnende Paare und Ehepaare - gehören zu den Modernisierungsgewinnern, während männliche Partnerlose im mittleren Erwachsenenalter überwiegend zu den Modernisierungsverlierern gehören.

    Die Funktion von sozialen Netzwerken

    Partnerlose schaffen sich oftmals Ersatzfamilien, die der kalifornische Journalist Ethan WATTERS als Urban Tribes bezeichnet. Diese sozialen Netzwerke sind sowohl bei der Alltagsbewältigung als auch bei der Partnersuche hilfreich.

    News you can use?

    Obwohl der Titel verspricht Nie wieder allein, sind die praktischen Tipps eher belanglos. Es werden Single-Börsen getestet. Einen solchen Test hat der Focus erst vor kurzem (22.04.2002) wesentlich ausführlicher vorgestellt. Max zitiert den britischen Psychologen Jeff GAVIN, der den schlechten Ruf der Online-Chats mit seiner Aussage "im Chat begonnene Beziehungen (...) haben gute Chancen, länger zu halten als Bar-Bekanntschaften" auch nicht retten kann.

    Ein Single verrät wie er per Chats seinen Bedarf an One-Night-Stands befriedigt und eine Liste mit Anbietern von Single-Reisen verspricht "Solo hin, verliebt zurück". Ausführlicher hat darüber der Tagesspiegel vom 28.04.2002 berichtet. Einziger Surplus von Max: Die Nennung von beliebten Single-Reisezielen, die vom spanischen Sitges über Agia Napa auf Zypern bis zur Kykladen Insel Ios reichen. Wer keine Lust auf Party hat, der wird bei Max nicht berücksichtigt.

    Eine Ikone der Generation Golf erzählt vom Yuppie-Dasein

    Wegen der dürftigen Tipps lohnt sich der Kauf nicht. Da Max jedoch zu allererst ein People-Magazin ist, nimmt das Interview mit der Eiskunstläuferin Katarina WITT, die gerade solo ist, breiten Raum ein.

    Ein City-Guide und was davon zu halten ist

    Als Zugabe gibt es einen City-Guide, der auf dem Cover als Deutschlands erster großer Single-Guide angepriesen wird. Die Beilage fällt eher mager aus. Ein paar Adressen aus 10 Städten. Die Kategorie "Frauen-/Männeranteil" und "Beste Zeit" sind die einzigen partnerwahlrelevanten Kategorien. Wie zuverlässig solche Angaben sind, kann jeder selbst ausprobieren. Wer in einer der 10 Städte wohnt, der ist mit dem jeweiligen Stadtmagazin besser bedient, denn diese bieten immer wieder auch singlespezifische Infos zu Balzplätzen.

    Parteizeitungen und ihr Herz für Partnerlose

    Selbst eine Parteizeitung wie die Berliner Republik hat ein Herz für Partnerlose. Der Politologe Jürgen NEUMEYER hat für die Generation Golf/Berlin die Single-Szene in Berlin untersucht (Heft 2/2002) und ist durch Clubs, Kneipen und Diskos gezogen, denn als:

    Eine Frau ohne Fisch ist wie ein Mann ohne Fahrrad

    "frisch gebackener Single soll ich hier goldrichtig sein: Berlin ist die Stadt der Singles. Jeder vierte lebt allein: 830.000 Einpersonenhaushalte, davon 452.000 alleinlebende Frauen"
    (Berliner Republik, Heft 2, 2002)

    zeigt sich der Politologe euphorisch.

    Wer nicht nach dem Alter differenziert, der darf sich über Fehlschlüsse nicht wundern

    Dumm gelaufen! Leider ist die SPD noch nicht so weit, dass sie den Unterschied zwischen Alleinlebenden und Partnerlosen kennt. Das Zahlenverhältnis suggeriert einen Frauenüberschuss, den es zumindest im mittleren Lebensalter für Männer wie NEUMEYER nicht gibt. Ältere, alleinstehende Witwen gehören weder zur Zielgruppe von Max, noch zu jener von NEUMEYER.

     
         
     
           
       

    zitierte Literatur

     
           
       

    NEUMEYER, Jürgen (2002): Eine Frau ohne Fisch ist wie ein Mann ohne Fahrrad.
    Was Singles in the City so alles versuchen. Ein Sozialschocker,
    in: Berliner Republik, Heft 2

    SCHNEIDER, Norbert F. - Wie leben die Deutschen
     
           
       

    weiterführende Links

     
           
         
           
       
     
       

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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. Mai 2002
    Stand: 27. Januar 2017