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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Die Lebensversicherer als Akteur der Altersvorsorge (Teil 3)

 
       
   

Deutschland: Von vollmundigen Versprechungen über die Teilprivatisierung der Alterssicherung zur Entledigung der Altlasten und Risikoabwälzung auf die Versicherten.

 
       
   

Die Chronologie der Debatte

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Kommentierte Bibliografie (2017)

2017

KROHN, Philipp (2017): Niedrigere Verrentung für Allianz- und Zurich-Kunden.
Der Niedrigzins zwingt Versicherer, ihren Rentenfaktor zu senken. Das hat keine Folgen für die Ersparnisse, aber für die monatliche Rente, die sich daraus ergibt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 03.01.

FROMME, Herbert (2017): Plötzlich verkauft.
Kunden der Basler Lebensversicherung landen beim chinesischen Konzern Fosun,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 07.01.

FROMME, Herbert (2017): Doppelt abkassiert.
Kunden des notleidenden Lebensversicherers Prisma Life bezahlten Honorar und zusätzlich Provisionen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 09.01.

KROHN, Philipp (2017): Sichere Altersvorsorge?
Die Riester-Rente war im Prinzip richtig. Die Beitragsgarantien müssen aber hinterfragt werden,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.01.

FROMME, Herbert (2017): Verdi plant eigenes Versorgungswerk,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.01.

KROHN, Philipp (2017): Bundesregierung hört auf Versicherungsmakler.
Befürchtete Schlechterstellung wird nicht kommen. Branchenvertreter wünschen sich weitere Nachbesserungen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 25.01.

PFEIFFER, Hermannus (2017): Versicherer rechnen sich den Tod schön.
In den Sterbetafeln gehen die Unternehmen von längerer Lebenserwartung aus- und lassen sich dies bezahlen,
in:
Neues Deutschland v. 25.01.

Hermannus PFEIFFER berichtet im Vorfeld einer Pressekonferenz des Lobbyverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) über die Problematik der Restlaufzeit von Verträgen, die bei Rentenversicherungen eine zentrale Rolle spielen. Je nach Sterbetafeln von Lebensversicherungen berechnen die Unternehmen unterschiedliche Sicherheitsmargen. Versicherte werden zwar am Risikoüberschuss der Versicherer beteiligt, dennoch geht das gemäß Verbraucherschützer zu Lasten der Kunden.

"Der Unterschied der Lebenserwartung zwischen der bei einer realistischen Tafel und einer besonders extremen Ausprägung kann (...) durchaus 15 Jahre betragen. Die angenommen Verrentungsdauer erhöht sich dadurch um etwa 50 %. Je nachdem welche Tafel angesetzt wird, ergibt sich dann eine deutlich geringere Rente",
(Ausschussdrucksache 18[11]903 vom 20.01.2016, S.18)

heißt es dazu in einer Stellungnahme des Bundes der Versicherten in einer Anhörung zur Alterssicherung am Montag.

FROMME, Herbert (2017): Im Klub der Großen.
Die Bank Intesa und die Allianz haben offenbar Interesse am Versicherer Generali,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 25.01.

PILLER, Tobias (2017): Generali versucht Befreiungsschlag.
Der Versicherer kauft Aktien von Intesa Sanpaolo und will so seine Übernahme durch die Bank verhindern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 25.01.

SCHNELL, C. & R. KRIEGER (2017): Unerwünschte Avance.
Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo würde gerne den größten Versicherer des Landes Generali kaufen. Wettbewerber wie Allianz oder Axa halten sich zurück. Zu groß ist die Gefahr, in ein innenpolitisches Ränkespiel zu geraten,
in: Handelsblatt
v. 26.01.

KRIEGER, Regina (2017): Italienische Verhältnisse.
Finanzbranche in der Krise,
in: Handelsblatt
v. 26.01.

KRIEGER, Friederike & Patrick HAGEN (2017): "Wir haben keine Ideen, aber Größe".
Axa-Chef Thomas Buberl möchte lieber mit Start-ups kooperieren, anstatt große Übernahmen zu stemmen. So kann der Versicherer von der Kreativität der jungen Gründer profitieren. Interesse an der Generali hat er nicht,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 26.01.

KROHN, Philipp (2017): Baustellen in allen Versicherungssparten.
Die Geschäftszahlen der Branche stagnieren. Noch ist nicht ausgemacht, dass sie den digitalen Wandel und den Niedrigzins gut bewältigt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 27.01.

Die GDV präsentiert uns folgende Entwicklung der Verträge bei den Lebensversicherern:

Tabelle: Entwicklung der Verträge in der Lebensversicherungssparte
2014-2016
Jahr Anzahl der Lebensversicherungsverträge inklusive Pensionskassen
und Pensionsfonds (in Millionen)
Insgesamt Betriebliche
Altersvorsorge
Private
Altersvorsorge
2014 92,4 15,0 77,4
2015 91,0
(- 1,4)
15,3
(+ 0,3)
75,7
(- 1,7)
2016 89,4
(- 1,6)
15,5
(+ 0,2)
73,9
(- 1,8)
Quelle: gdv.de, Entwicklung der Geschäftszahlen Tabelle Deutsche Versicherungs-
wirtschaft (Stand: 27.01.2017); Eigene Darstellung und Berechnungen

Betrachtet man die Entwicklung der Verträge in der Lebensversicherungssparte, dann sieht die Lage ganz anders aus als jene Schönfärberei, die uns Philipp KROHN aus Lobbyistensicht mitteilt.

KUNZ, Anne (2017): Die Leiden der Assekuranz.
Lebensversicherungen verkaufen sich nicht. Branche setzt auf Policen ohne Zinsgarantie,
in:
Welt v. 27.01.

Anne KUNZ vermittelt uns ebenfalls die Sicht des GDV zur Lage der Branche. Im Gegensatz zu KROHN bringt sie auch die Kundenperspektive mit ein:

"Fast die Hälfte der Neukunden unterzeichnet im vergangenen Jahr Verträge mit agbespeckten Garantien oder fondsgebundenen Produkten - nach 37 Prozent im Vorjahr. »Die Kunden sind in der Niedrigzinsphase offenbar bereit, etwas mehr Risiko für ihre Altersvorsorge einzugehen«, deutet Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber diese Entwicklung. Eine andere Interpretation ist hingegen, dass die Kunden kaum eine andere Wahl haben. Schließlich wollen die großen Anbieter so wenige klassische Policen wie möglich verkaufen. Für die Verbraucher könnte das tückisch sein, schließlich sinkt die Planbarkeit ihrer Altersvorsorge und auch der Grundcharakter der Lebensversicherung (...) nähert sich immer mehr klassischen Bankprodukten an."

KUNZ hebt auf den Garantiezins als Alleinstellungsmerkmal von Lebensversicherungen ab. Dabei muss jedoch unterschieden werden, ob es sich dabei lediglich um ein Marketinginstrument der Versicherung handelt oder ob Kunden dadurch tatsächlich einen Vorteil haben. 

LANDGRAF/SCHNELL/HERZ (2017): Eine Nummer größer.
Bisher kümmerte sich der Allianz-Chef vornehmlich um den internen Umbau des Konzerns. Dabei soll es nicht bleiben: Oliver Bäte prüft intensiv den Kauf des größten australischen Versicherers QBE,
in: Handelsblatt
v. 30.01.

LANDGRAF/SCHNELL/HERZ/WÄLTERLIN (2017): QBE reagiert spröde auf Avancen.
Allianz plant Übernahme: Der australische Versicherer sucht nach einer guten Ausgangsposition für mögliche Verhandlungen,
in: Handelsblatt
v. 31.01.

LANGENBERG, Britta (2017): Wohin mit 60.000.000.000 Euro?
Am Jahresende wurden die ersten Lebensversicherungen aus dem furiosen Schlussverkauf 2004 fällt. Die Deutschen kassierten 2016 mehr Geld denn je - und wissen jetzt nicht, was sie damit machen sollen. Zehn Ideen,
in:
Capital, Februar

Britta LANGENBERG präsentiert uns 5 Anlagetipps für jene, die sich das leisten können:
1) Freiwillige Einzahlungen in die Rentenversicherung, um die monatliche Rente zu erhöhen. Denn Totgesagte leben bekanntlich länger und die Rendite übertrifft jene der Kapitalmärkte. Das genaue Gegenteil dessen ist also eingetroffen als das, was uns die Verfechter der kapitalgedeckten Altersvorsorge prophezeit haben!
2) Die eigene Immobilie
3) Professioneller Finanzplan
4) Einmalzahlung in deine private Pflegerente
5) Indexfonds

KROHN, Philipp (2017): Nachhilfe in Sachen Lebensversicherung.
Eine Untersuchung zeigt, dass Kunden für den Kauf einer Altersvorsorge immer mehr wissen müssen. Produkte sind komplex und kaum vergleichbar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 01.02.

KROHN, Philipp (2017): Fragwürdiger Weg.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 01.02.

FROMME, Herbert & Friederike KRIEGER (2017): Ohne Garantie.
Die Lebensversicherer geben immer weniger Zinsgarantien für ihre Kunden. Stattdessen bieten sie Wetten auf den Verlauf der Kapitalmärkte,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 01.02.

ENZ, Werner (2017): Umfeld für Lebensversicherer ist hart.
Gesättigte Schweizer Märkte und Standortnachteile wegen strikter Kapitalvorschriften,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.02.

ENZ, Werner (2017): Zur BVG-Versicherung Sorge tragen.
Kommentar: Kapitalvorschriften und Legal Quote,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.02.

KROHN, Philipp (2017): Den Versicherern wird auf die Finger geschaut.
Mit dem Marktwächter Finanzen haben Verbraucherzentralen ein starkes Schwert in der Hand. Sie prangern Fehlentwicklungen an. Das kann den Versicherern richtig weh tun,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 04.02.

FROMME, Herbert (2017): Planspiele der Allianz.
Der Versicherer will Konkurrenten übernehmen. Ein Grund: Er muss Anleger überzeugen,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 07.02.

TAUBER, Jonas (2017): "Erfolgsaussichten gering".
Warum Kunden Ablaufleistungen von Lebensversicherern kaum überprüfen können,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 09.02.

"Von den 20.827 (Vorjahr: 19.897) im Berichtsjahr eingegangenen Beschwerden betrafen 18.943 (17.965) die Kategorie Unternehmensbeschwerden, was einem Zuwachs von 5,4 Prozent entspricht. Damit setzte sich im langjährigen Vergleich der Anstieg dieser Beschwerden fort (nach einem Plus von 8,9 Prozent im Jahr 2013 und 0,2 Prozent im Vorjahr). (...).
19.100 (17.588) Beschwerden gegen Versicherungsunternehmen wurden im Berichtsjahr beendet. In 635 (654) Fällen haben die Beschwerdeführer ihr Anliegen nicht weiterverfolgt. (...).
13.922 Verfahren (12.429) wurden als zulässig beendet. Davon konnten 384 (278) nicht in der Sache entschieden werden, da die endgültige Bewertung von Fragen abhing, für deren Klärung sich das vereinfachte Ombudsmannverfahren nicht eignet (§ 8 VomVO). (...).
Von den übrigen 13.538 (12.151) Verfahren beendete der Ombudsmann 8.637 (7.940) Fälle mit einer Entscheidung oder Empfehlung. In 3.256 (2.704) Verfahren half das Versicherungsunternehmen ab. Das bedeutet, der Versicherer rückte von der vom Beschwerdeführer beanstandeten Entscheidung ganz oder teilweise ab. Bezogen auf den Anteil der Abhilfen an allen zulässigen beendeten Beschwerden stellt das eine Steigerung von 1,6 Prozent dar. Ein beiderseitiges Entgegenkommen, also ein Vergleich, kam in 748 (702) Fällen zustande. In 897 (805) Verfahren zog der Beschwerdeführer seine Beschwerde zurück.
In 4.543 (4.505) Fällen musste der Ombudsmann die Befassung mit der Beschwerde ablehnen. Die Zulässigkeitsfrage ist nach der hierfür geltenden Verfahrensordnung (VomVO) zu entscheiden. (...).
Im Berichtsjahr hatten 44,3 (42,1) Prozent der Beschwerden Erfolg, sofern sie nicht die Lebensversicherung betrafen"

heißt es in dem Jahresbericht 2015, der bereits im Mai letzten Jahres veröffentlicht wurde. In Sachen Lebensversicherungen haben Kunden wesentlich schlechtere Karten als in anderen Versicherungssparten:

"Beschwerden aus der Lebensversicherung haben zwangsläufig vergleichsweise geringere Erfolgsaussichten. Sie richten sich oft gegen Standmitteilungen, die Höhe der Überschüsse oder gegen die Ablaufleistungen. Der Ombudsmann kann diesbezügliche Anliegen der Beschwerdeführer durchaus nachvollziehen, denn die Darstellungen sind für Verbraucher oft unklar oder missverständlich. Auch können die mitgeteilten Werte enttäuschen, wenn sie unter den Erwartungen liegen. Sie sind jedoch in der Regel weder hinsichtlich der Berechnung noch unter rechtlichen Gesichtspunkten zu beanstanden. Die Erfolgsquote in der Lebensversicherung bewegte sich bis einschließlich 2011 unter 20 Prozent. 2012 lag sie mit 23,3 Prozent erstmals darüber und erreichte 2013 den Höchststand von 34,0 Prozent. Dieser Anstieg beruht maßgeblich auf der Entwicklung der Rechtsprechung sowie deren Umsetzung durch die Unternehmen und wurde im Bericht 2013 an gleicher Stelle kommentiert. Nachdem sie im Vorjahr bereits wieder auf 28,3 Prozent gesunken war, ist im Berichtsjahr mit 24,1 Prozent eine weitere Reduzierung zu verzeichnen" (S.103f.),

heißt es dazu. Der Bericht geht von einem weiten Begriff der Lebensversicherungen aus, der folgendermaßen beschrieben wird:

"Im Jahr 2015 erhielt der Ombudsmann 3.640 (Vorjahr: 3.738) zulässige Beschwerden zur Lebensversicherung, das entspricht 26,3 (29,2) Prozent am Gesamteingang aller zulässigen Eingaben. Unter dem Begriff »Lebensversicherung« wird eine Vielzahl von Vertragsarten zusammengefasst. Die aus Beschwerdesicht häufigsten sind konventionelle kapitalbildende Lebens- bzw. Rentenversicherungen, danach kommen fondsgebundene Versicherungen sowie Riesterrentenversicherungen und Verträge zur betrieblichen Altersversorgung (bAV), gefolgt von Sterbegeld-, Basisrenten- und Restschuldversicherungen." (S.26)

Aus der folgenden Tabelle lässt sich die Entwicklung der zulässigen Beschwerden für die Gesamtsparte und die Teilsparte Lebensversicherung ersehen:

Jahr Versicherungswirtschaft Lebensversicherung
  Anzahl zulässiger Beschwerden Anzahl zulässiger Beschwerden Prozentanteil an Beschwerden
2014 12.815 3.738 29,2 %
2015 13.805 3.640 26,4 %

Eine Bewertung dieser Entwicklung wäre nur in Verbindung mit der Situation bei der Lebensversicherung im Vergleich mit der Versicherungswirtschaft möglich, was in dem Bericht unterlassen wird.

Ob der Rückgang der zulässigen Beschwerden bzw. der Erfolgsquote eine positive Entwicklung darstellt, ist aus diesen Zahlen nicht zu erschließen. Eine niedrige Erfolgsquote könnte genauso auf eine Verschlechterung der Lage für Versicherte gegenüber der Lebensversicherung hindeuten. Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, dass die Darstellungen der Versicherungswirtschaft für Kunden "oft unklar oder missverständlich" sind wie es im Bericht heißt.

Hinzu kommt, dass eine Vielzahl von Beschwerden einfach mit Hinweis auf Absichtsbekundungen eines Versicherers durch den Ombudsmann unterschlagen werden konnten, sodass ein Vergleich der Anzahl zulässiger Beschwerden durch solche Sondereffekte ein verzerrtes Bild hinterlässt. So führt der Bericht den Fall eines Computerfehlers bei einem großen Versicherer an, der abseits der Beschwerdenstatistik behandelt wurde:

"Im Juli 2015 berichteten die Medien, dass ein großer Versicherer aufgrund fehlerhafter Computerprogramme über Jahre hinweg in hunderttausenden von Fällen sowohl zum Nachteil als auch zum Vorteil der Kunden die Erträge und Gutschriften von Lebensversicherungen falsch berechnet hat. Der Versicherer hatte dies selbst eingeräumt und eine Nachzahlung bei zu geringen Leistungen angekündigt; zu viel ausgezahlte Beträge wurden nicht zurückgefordert. Teilweise wurde die Vermutung geäußert, dass es auch bei anderen Versicherern derartige systemische Fehler gebe.
Die Veröffentlichung löste Beschwerden gegen diesen, aber auch gegen andere Versicherer aus. Die Beschwerdeführer wollten Gewissheit, ob ihre Verträge Berechnungsfehler enthielten. Der Ombudsmann erwartete zunächst von dem betreffenden Versicherer, dass er sich zur Richtigkeit der jeweiligen Berechnungen äußert. Es waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht alle Prüfungen abgeschlossen, so dass nicht immer feststand, ob der Vertrag vom Computerfehler betroffen gewesen sein konnte oder nicht. Da das Unternehmen jedoch zusagte, auf die Einrede der Verjährung zu verzichten und eine etwaige Nachzahlung ab Fälligkeit zu verzinsen, konnte der Ombudsmann diese Beschwerden abschließen. Schließlich war der Versicherer auch damit einverstanden, die Beschwerdeführer zu informieren, sobald die Überprüfung des Vertrages abgeschlossen war." (S.21f.)

Unter Punkt 2.7 wird ab Seite 21 ausführlich auf die Probleme im Bereich der Lebensversicherungen eingegangen. Sowohl Gerichtsurteile als auch Gesetzesänderungen führen immer wieder zur Konkretisierung oder gar Verschlechterungen zu Lasten der Kunden. Ein Beispiel für Gesetzesänderungen, die im Berichtszeitraum zu Beschwerden führte, wird folgendermaßen erörtert:

"Nicht wenige Beschwerden zu den Bewertungsreserven waren auf das zum 7. August 2014 in Kraft getretene Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) zurückzuführen. Durch die Neuregelung wurden festverzinsliche Wertpapiere des Versicherers von der Beteiligung an den Bewertungsreserven teilweise ausgenommen. Der Gesetzgeber hat mit dieser Regelung entschieden, dass im Grundsatz die Erfüllung der garantierten Leistungen aller Versicherten Vorrang hat." (S.30f.)

Fehlinformationen von Medien zu Gesetzesänderungen führen nicht selten zu unberechtigten Beschwerden. Der Bericht gibt zumindest einen Überblick über die erfolgten Beschwerden und zeigt die Defizite im Bereich der Lebensversicherungen auf..

Der Bericht von Jonas TAUBER weckt außerdem Zweifel an der Stärke des Verbraucherschutzes im System der Unternehmensinteressen:

"Ob die ausgezahlten Summen - die sogenannten Ablaufleistungen - wirklich korrekt sind, können die Marktwächter ebenso wenig überprüfen wie die  Verbraucherzentralen oder der Bund der Versicherten. Der Grund: Sie haben keinen Zugriff auf die dafür nötigen Informationen, die Versicherer müssen sie nicht an die Kunden und deren Berater herausrücken."

Lediglich der Ombudsmann für Versicherungen besitzt die nötigen Informationen, aber nicht den dafür erforderlichen Sachverstand. Der Ombudsmann prüft nur die Rechtmäßigkeit, d.h. die juristische Einwandfreiheit, nicht aber ob die Berechnungen der Versicherungsunternehmen ökonomisch bzw. sozial gerechtfertigt sind.

"Das Problem sind die nicht-garantierten Überschüsse, die vom Geschäftserfolg des Unternehmens abhängig sind und zum Teil jährlich gutgeschrieben werden, zum Teil zum Ablauf des Vertrags. Wie die Versicherer diese Beiträge kalkulieren, bleibt ihr Geheimnis",

erklärt uns TAUBER. Oder anders formuliert: Die Versicherungsunternehmen besitzen einen großen Spielraum, um sich Profite auf Kosten der Versicherten zu generieren.

HERZ, Carsten & Christian SCHNELL (2017): Gute Police, schlechte Police.
Versicherer prüfen die Auslagerung von zu teuer gewordenen Verträgen. Der Kauf des Basler-Bestandes durch die Frankfurter Leben könnte nur der Anfang sein. Spezialplattformen hoffen auf das große Geschäft,
in:
Handelsblatt v. 13.02.

Anlässlich der Genehmigung der Bestandsabwicklung durch die Bafin hofft nun die Versicherungswirtschaft auf profitable weitere Geschäfte. HERZ & SCHNELL berichten über Pläne der Frankfurter Leben zur Übernahme von Beständen der Düsseldorfer Arag. Auch die Viridium Gruppe plant weitere Übernahmen. Ausländische Investoren sehen in Deutschland einen großen, profitablen Markt. Das einzige Argument der Abwicklungsgesellschaften ist deren Behauptung, dass sie effizienter seien als die traditionellen Lebensversicherer. Den Kunden, die von der Übernahme betroffen sind, wird eingeredet, dass sie dadurch nicht schlechter gestellt würden. Aber wer soll das prüfen? Und wer bestimmt die Kriterien? Kein Artikel geht auf diese Problematik bisher ein, sondern die Artikel dienen primär der Generierung eines positiven Images.

HERZ, Carsten (2017): "Die Plattformen arbeiten effizienter".
Michael Klüttgens: Der Branchenexperte über die Abwicklung von Lebensversicherungen und Kundeninteressen,
in:
Handelsblatt v. 13.02.

Carsten HERZ gibt dem Versicherungswirtschaftslobbyisten Michael KLÜTTGENS von Willis Towers Watson Deutschland Raum für PR. Zum Konzern gehört u.a. der britische Versicherungsmakler Willis Re, sodass von objektivem Expertentum in Sachen Run-Off-Plattformen keine Rede sein kann.

VOTSMEIER, Volker (2017): Versprochen - gebrochen.
Der Versicherer Generali kappte bei Tausenden Ruheständlern die Betriebsrente. Das Resultat: eine Klagewelle,
in: Handelsblatt
v. 14.02.

Vollmundig erklären uns die Befürworter der Kapitaldeckung, dass bei diesem Verfahren Generationengerechtigkeit kein Problem sei. Der Fall Generali zeigt, dass die Altersvorsorge (ob betrieblich oder privat) der Willkür der Unternehmen ausgeliefert ist. Obwohl der italienische Versicherungskonzern Milliardengewinne macht, will er bei den Betriebsrentnern Kosten einsparen. Dagegen helfen zwar Klagen, aber die können sich in die Länge ziehen.

Volker VOTSMEIER berichtet über Rentenkürzungen bei ehemaligen Mitarbeitern der Volksfürsorge, die bereits 1988 von der Aachener und Münchener Versicherung übernommen wurde und 2009 im italienischen Generali-Konzern aufgegangen ist. Versuche Altlasten zu entsorgen und dadurch die Profite zu steigern gehören zum Alltag jedes Lebensversicherers, ob es sich nun um Betriebsrentner oder Kunden handelt.

GENTRUP, Anna (2017): Die große Abwicklung.
Der Verkauf von Versicherungsbeständen wird immer beliebter,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 15.02.

Anna GENTRUP macht Werbung für Abwicklungsplattformen, mit denen sollen sich Lebensversicherer zu Lasten der Kunden sanieren:

"Bei der Digitalisierung, die Versicherern hohe Millionensummen kostet, setzt die Abspaltung von unrentablem Altgeschäft dringend benötigtes Kapital frei",

heißt es dazu verschleiern bei GENTRUP. Anders formuliert: Um die Riesterreform Anfang der Nuller Jahre durchzusetzen, haben uns die Lebensversicherer mit hohen Renditen geködert. Nun wollen sie davon nichts mehr wissen. Vielmehr wollen sie die damaligen Versprechen mittels Verkauf an spezielle Run-off-Plattformen entsorgen. Warum aber sollen die Kunden die Kosten der Digitalisierung tragen und nicht z.B. die Investoren? Diese naheliegende Frage wird von GENTRUP als Lobbyistin der Versicherungswirtschaft ausgeblendet. Sie geht stattdessen noch weiter, um die Risiken der Kunden zu verharmlosen:

"Geht ein Versicherer an seinen Altlasten zugrunde, sind es in erster Linie die Kunden, die darunter leiden. Die europäische Aufsicht Eiopa hat nichts gegen den Bestandsverkauf einzuwenden - sofern die Kunden dadurch nicht schlechter gestellt werden."

Wer bitte entscheidet, wann Kunden nicht schlechter gestellt werden? Die Versicherer und auch nicht die Aufsicht sind Interessenorganisationen der Kunden. Wer also sorgt dann dafür, dass Kunden nicht schlechter gestellt werden? Offensichtlich fehlt hier eine starke Instanz der Verbraucher. Die Lobbyisten der Versicherungswirtschaft, die über die EU den Verbraucherschutz auszuhebeln versuchen, wollen die Kunden den Abwicklungsgesellschaften in die Arme treiben:

"Beispielsweise soll geklärt werden, ob die Aufsicht das Recht bekommen soll, bei schwächelnden Versicherern einzugreifen und sie zur Bestandsabgabe zu verpflichten."

Der Begriff "schwächelnd" ist ein sehr dehnbarer Begriff, der zu Lasten der Kunden ausgelegt werden kann und sicher auch wird. Geht es um die Profite der Lebensversicherer, dann stehen die Kundeninteressen ganz am Ende!

FROMME, Herbert (2017): Versicherer Ergo kürzt in Nürnberg.
Eigene Angebote einer Tochter werden eingestellt. Der Standort soll ein digitales Betreuungszentrum werden,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 16.02.

FROMME, Herbert (2017): Zu viel versprochen.
Lebensversicherer: Jedes Jahr werden immer noch sieben Milliarden Kundengelder für Provisionen ausgegeben,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 23.02.

KUCHENBECKER, T. & Carsten HERZ (2017): Axa Jagt die Allianz.
Der Branchenzweite in Europa steigert den Gewinn leicht und winkt bei Generali ab,
in: Handelsblatt
v. 24.02.

KROHN, Philipp (2017): Versicherungsmakler sind keine Spitzenverdiener.
Eine Umfrage räumt mit einigen vorherrschenden Klischees in der Versicherungsbranche auf,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 24.02.

FRÜHAUF, Markus & Philipp KROHN (2017): Versicherer sind keine Bausparkassen.
Manch ein Manager aus der Assekuranz dürfte neidisch auf das Urteil zu Bausparverträgen blicken. Dass Versicherer Lebens- und Rentenpolicen kündigen, ist ausgeschlossen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 28.02.

FROMME, Herbert (2017): Streit bei der Generali.
Der Finanzchef verlässt die Versicherung,
in:
Süddeutsch Zeitung v. 04.03.

ENZ, Werner (2017): Swiss Life geht diszipliniert ans Werk.
Gewichtsverlagerungen und Zurückhaltung mit Garantien wegen Zinslage,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.

ENZ, Werner (2017): Heute das Geld, morgen die Verluste.
Kommentar: Lebensversicherer im Zinstief,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.

WOLFF, Volker (2017): Irreführende Bezeichnungen.
Die Vermögensfrage: Immer weniger Garantien, immer größere Risiken und kaum bessere Zinsen bieten die Lebensversicherer mit ihren neuen Tarifen. Andere Sparformen sind klarer und rentabler,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.03.

KROHN, Philipp (2017): Versicherungsrisiko Zinswende.
Kommentar: Es ist erschreckend, wie sehr die bevorzugte Form der Altersvorsorge in Deutschland leidet,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.03.

KROHN, Philipp (2017): Mehr Übersicht über die Rente.
Versicherer befürworten einheitliche Darstellung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.03.

PFEIFFER, Hermannus (2017): Das Geschäft mit der Rente.
Fintechs versuchen, Kapital aus der Vorsorgedebatte zu schlagen. Doch die Anlageformen sind riskant,
in:
Neues Deutschland v. 15.03.

Hermannus PFEIFFER berichtet über die Finanzdienstleistungsfirma My Pension des ehemaligen Goldman-Sachs-Bankers Rogier MINDERHOUT, der mit Internetkostenvorteilen bei Vertriebspersonal und Verwaltung gegenüber den traditionellen Lebensversichern und Fondsanbietern punkten will.

HERZ, Carsten (2017): "Versicherer müssen über neue Ideen nachdenken".
Marcus Severin: Der Blackrock-Manager über das Ende der klassischen Lebensversicherung und den Anfang einer Fusionswelle,
in:
Handelsblatt v. 16.03.

CREUTZBURG, Dietrich & Philipp KROHN (2017): Später Widerstand gegen Nahles' Zielrente.
Ein Garantieverbot für Betriebsrenten würde den Markt fundamental verändern - Opposition und Versicherer wollen den Plan kippen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.03.

CREUTZBURG & KROHN wollen die Linkspartei als Verbündete der Versicherungswirtschaft darstellen. Dazu reißen sie eine Passage aus der Rede von Martin W. BIRKWALD vor dem Bundestag am 10. März aus ihrem Kontext heraus und unterschlagen, dass es ihm in erster Linie um die Stärkung der gesetzlichen Rente geht, während die Konditionen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes für ihn zu Lasten der Arbeitnehmer gehen:

"Union und SPD sagen den Menschen mit diesem Gesetz: Gib den Versicherungskonzernen und den Versorgungswerken noch mehr von deinem Lohn, und lass uns dann mal sehen, was die Aktienmärkte in Zukunft hergeben. Wenn es gut läuft: okay. Wenn es schiefläuft: Pech gehabt. (...).
»Zielrente« nennen Sie das. Sagen Sie »Pokerrente«. Das wäre ehrlicher.
Wozu verpflichten Sie die Arbeitgeber? Frau Nahles hat es gesagt: zu 15 Prozent. 15 Prozent des Gehalts muss die Chefin oder der Chef zukünftig für die betriebliche Altersvorsorge der Beschäftigten dazubezahlen. Frau Nahles, auf meine Frage, wie viel der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin an Sozialversicherungsbeiträgen wirklich spart, wenn die Beschäftigten eine Entgeltumwandlung vornehmen, also ihre Betriebsrente überwiegend selbst finanzieren, haben Sie geantwortet: insgesamt 20,7 Prozent. Wir Linken sagen: Die Arbeitgeber dürfen keinen einzigen Cent an der betrieblichen Altersvorsorge ihrer Beschäftigten verdienen."

Die Risiken für Arbeitnehmer leugnen CREUTZBURG & KROHN im Interesse der Profite von Arbeitgebern und Finanzdienstleistern. Wichtiger ist ihnen der Wegfall von Haftungsrisiken für Arbeitgeber. Bekanntlich ist die FAZ kein Freund von Lebensversicherungen, denen an einer Beibehaltung von Garantien gelegen ist:

"Die R+V ist der zweitgrößte deutsche Anbieter für Betriebsrenten und betreibt als alleiniger Versicherungspartner das Chemie-Versorgungswerk",

umreißen sie ihr Feindbild. Frank-Henning FLORIAN von der R+V wird mit seinem Befürchtungen zitiert:

"Im Markt könnten sich Fondsgesellschaften überbieten, um mit einer riskanteren Anlage Versicherungen herauszudrängen."

Als Negativbeispiel bringt er die Pensionäre des US-Energiekonzerns Enron und das Beispiel der Karstadt-Kaufhauskette vor:

"Ansprüche der Betriebsrentner von Karstadt werden heute vom Pensionssicherungsverein bedient, weil die im Wert verfallenden Gebäude der Kaufhauskette als Sicherheit in ein »Contracual Trust Arrangement« eingebracht wurden."

Solche Probleme wischen CREUTZBURG & KROHN jedoch mit der Unternehmensberatung EY und einem Fondsgesellschaftslobbyisten von Fidelity International schnell beiseite.

ENZ, Werner (2017): Eine weitere Fessel in der BVG-Vorsorge.
Rentenreform und Lebensversicherer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 25.03.

KROHN, Philipp (2017): Beerdigt.
Uwe Laue war nie ein Mann für Experimente. Deshalb wurde er Versicherungsmanager. Lebensversicherungen verkaufte er besonders gern. Jetzt muss er sie zu Grabe tragen. Es ist das Ende der liebsten deutschen Altersvorsorge,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31.03.

KROHN, Philipp (2017): Alte Leipziger setzt Wettbewerb unter Druck,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.

KROHN, Philipp (2017): Aufsicht Eiopa verärgert Europas Versicherer,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.04.

KROHN, Philipp (2017): Die Tücken der alternativen Garantieformen.
Versicherer preisen die neuen Garantiemodelle in der Altersvorsorge. Sie sind aufwendiger gebaut als traditionelle Varianten. Doch auch sie kosten Rendite,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.

DPA (2017): Kryptische Briefe der Assekuranz.
Lebensversicherer lassen Kunden im Unklarheit,
in:
Frankfurter Rundschau v. 10.04.

Die Agenturmeldung befasst sich mit den so genannten Standmitteilungen von Lebensversicherern, die Aufschluss über den Stand der privaten Altersvorsorge geben soll. Dass die Kritik an den Standmitteilungen vor allem von Konkurrenten im Geschäft mit den Lebensversicherern kommt, ist ein Armutszeugnis für den deutschen Verbraucherschutz. So kritisiert der Versicherungsmathematiker Henning KÜHL von Policen Direkt-Gruppe:

"Das Unternehmen, das Policen ankauft, hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr bisher 2.500 Mitteilungen von Renten- und Kapitallebensversicherungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Um zu ermitteln, wie viel eine Lebensversicherung wert ist, fehlten häufig wichtige Informationen. Dazu gehörten etwa der Rückkaufwert, die Leistung im Todesfall oder die Summe der bisher eingezahlten Beträge."

Die genannten Angaben würden vor allem das Geschäft dieser Zweitverwerter profitabler machen. Es ist deshalb schon eine Ironie, wenn Konkurrenten zu Verbündeten der Versicherer werden müssen, um den Verbraucherschutz vor sich her zu treiben.

Die Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen haben dagegen gerade einmal 68 Standmitteilungen unter die Lupe genommen und auch nur klassische Kapitallebensversicherung. Dieses Segment wird jedoch von immer weniger Lebensversicherungen bedient, weil diese ihre Garantien loswerden wollen und stattdessen das Risiko auf die Versicherten abwälzen.

Fazit: Kündigung oder Beitragsfreistellung werden uns als die beiden Optionen von Versicherten beschrieben, bei denen Standmitteilungen eine Hilfe sein sollten, aber dank ineffizientem Verbraucherschutz nicht sind!  

DPA (2017): Nichts wie weg - Lebensversicherungen suchen nach Auswegen.
Anbieter leiden unter niedrigen Zinsen und wollen schnell teuere Altverträge loswerden. Kritiker sehen aber Risiken für die Kunden,
in:
Welt v. 19.04.

Agenturmeldung, die mehr oder weniger reine PR der Versicherungswirtschaft ist: Es werden uns  6 Vertreter der Versicherungswirtschaft vorgestellt: Ein Zweitvermarkter, ein Betreiber einer Abwicklungsplattform, ein freier Versicherungsmathematiker, zwei Vertreter der Beratungsbranche und ein Vertreter der Lebensversicherungsbranche. Die einzige Kritik richtet sich gegen zu geringe Überschussbeteiligungen abgewickelter Versicherungskunden, was durch den Aufbau des Artikels verharmlos wird. Kritik an dem System der Altersvorsorge bleibt dagegen ganz außen vor. 

HAGEN, Patrick (2017): Milliarden für Abwickler.
Firma will in großem Stil Lebensversicherungen aufkaufen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.04.

Patrick HAGEN berichtet darüber wie ausländische Investoren sich den Lebensversicherungskuchen in Deutschland unter den Nagel reißen wollen.

"Das Unternehmen Athene mit Sitz auf Bermuda hat sich jetzt 2,2 Milliarden Euro an frischem Kapital gesichert, um über seine Wiesbadener Tochter in Deutschland und Europa Lebensversicherungsbestände zu kaufen. (...). Das Unternehmen hat 2015 bereits die deutsche Tochter des niederländischen Lebensversicherers Delta Lloyd übernommen."

Athene ist nur eines von vielen Run-off-Plattformen, die in den Besitzern klassischer Rentenversicherungen mit Garantien, ein lukratives Geschäft wittern. HAGEN nennt Viridium (britischer Investor Cinven), die Frankfurter Leben (chinesischer Investor Fosun) und My Life (Luxemburger Augur Capital) als weitere Abwickler.

Die Abwickler warten darauf, dass das Geschäft jetzt in Deutschland richtig los geht. Die Politik spielt ihnen gewissermaßen mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz und seinem geplanten Garantieverbot in die Hände.

Der schlechte Ruf der Abwicklungsplattformen sei Vergangenheit, erklärt uns HAGEN. Das seien lediglich Anlaufprobleme in Großbritannien gewesen. So ganz kann das jedoch nicht stimmen, denn:

"Die Abwickler hoffen jetzt darauf, dass die Nöte der Lebensversicherer bald so groß sind, dass der Verkauf von Policenbeständen zu einem normalen Vorgang wird."

Bei diesem Geschäft verlieren in erster Linien die Versicherten. Auf diese werden immer mehr Risiken abgewälzt. Ob die versprochenen Effizienzvorteile der Abwickler überhaupt entstehen und ob diese dann auch den Kunden zugute kommen, das steht auf einem ganz anderen Blatt.   

SIEDENBIEDEL, Christian (2017): Neuer Chef setzt R+V-Versicherung ehrgeizige Ziele,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.04.

Christian SIEDENBIEDEL berichtet, dass die R+V im Bereich der klassischen Lebensversicherungen mit Garantien - durch den Rückzug anderer Anbieter -  ihren Marktanteil steigern konnte.

"Die Brutto-Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung im Inland seien daher 2016 in einem schrumpfenden Markt um 1,8 Prozent gestiegen. Der Marktanteil im Neugeschäft mit Lebensversicherungen und Pensionen sei von 12,2 auf 13,1 Prozent ausgebaut worden. Jeder achte Euro auf diesem Gebiet in Deutschland fließe mittlerweile zur R+V."  

REZMER, Anke & Peter THELEN (2017): In der Rentenfalle.
Die Deutschen verlieren das Vertrauen in die private Altersvorsorge. Obwohl eine Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung eine schlechtere Lebensqualität im Alter fürchtet, sparen sie weniger. Die Politik scheint machtlos,
in:
Handelsblatt v. 27.04.

REZMER & THELEN bereichten über eine Meinungsumfrage im Auftrag des Lebensversicherers Axa und lassen die Ergebnisse auch gleich von deren Vorstand interpretieren. Wer den Bock zum Gärtner macht, sollte sich über den Vertrauensverlust nicht wundern! Natürlich sparen die Deutschen aus Sicht der Lebensversicherer zu wenig - alles andere wäre ja gegen ihre eigenen Geschäftsinteressen.

REZMER, Anke (2017): "Die Verunsicherung der Verbraucher ist angebracht".
Dorothea Mohn: Die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Bundesverband über politische Fehlentscheidungen, überflüssige Vorsorgeprodukte und den Segen des frühen Sparens,
in:
Handelsblatt v. 27.04.

Die Verbraucherschutzzentrale vertritt ihre bekannte Position.

HERZ, Carsten (2017): "Kein Anlass für Entwarnung".
Frank Grund: Der oberste deutsche Versicherungsaufseher spricht über die Schwierigkeiten der Branche, das Interesse ausländischer Konkurrenten und die Frage, was Manager vom Reitsport lernen können,
in:
Handelsblatt v. 05.05.

Frank GRUND von der Finanzaufsicht Bafin wiegelt hinsichtlich der Bedeutung der Solvenzquote ab, die bis 20. Mai von den 84 Lebensversicherungen veröffentlicht werden muss. GRUND geht davon aus, dass sich die Zinszusatzreserve 2017 bis ca. 64 Milliarden Euro erhöhen wird.

"Ich glaube, dass es sinnvoll ist, ab 2018 über eine Veränderung im Sinne eines moderateren Aufbaus nachzudenken. Es ist aber eine Entscheidung des Gesetzgebers",

äußert GRUND zur weiteren Entwicklung der Zinszusatzreserve.

COUWENDBERGH, P. & Herbert FROMME (2017): Versicherer gesucht.
Chinesische Investoren kaufen gerne Gesellschaften in Europa,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.05.

THELEN, Peter (2017): Versicherer warnen vor dem Garantieverbot.
Betriebliche Altersversorgung: Hohe Renditen trotz Niedrigzins soll der Verzicht auf Garantien bei tariflich vereinbarten Betriebsrenten bringen. Ein Spiel mit dem Feuer, warnt R+V-Vorstand Frank-Henning Florian,
in:
Handelsblatt v. 09.05.

Dass die R+V-Versicherung Sturm gegen das Garantieverbot läuft, ist kaum verwunderlich, da die klassische Lebensversicherung ihnen 2016 steigende Marktanteile gesichert hat. FLORIAN weist nun darauf hin, dass mit "Fantasierenditen" seriöse Anbieter aus dem Markt gedrängt werden könnten. Fantasierenditen in der Altersvorsorge werden jedoch seit eh und je - selbst in den Mainstreamzeitungen wie der FAZ/FAS versprochen. Karstadt/Arcandor und Enron müssen nun dafür herhalten. Für was? Für das Marketingversprechen von Garantien? Pleiten auf Kosten der Versicherten sind ein Problem jeglicher Altersvorsorge, die sich auf den Kapitalmarkt stützt und sprechen deshalb gegen jegliche Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge.

FROMME, Herbert (2017): Aufsicht will Hilfe für Versicherer.
Die Niedrigzinsen stellen die Branche vor große Probleme,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.05.

SCHICK, Gerhard (2017): Die unfaire Rettung der Versicherer.
Standpunkt: Die Versicherungskonzerne haben zu wenig Eigenkapital. In der Krise droht die Pleite. Doch die Politik hilft den Konzernen zuverlässig aus der Patsche,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.05.

Der finanzpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Gerhard SCHICK, erklärt uns, mit welchen Gesetzesmaßnahmen der Versicherungswirtschaft - meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit - geholfen wurde. Das reicht vom Jahressteuergesetz 2010, mit dem zeitlich limitierte Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen erlaubt wurden (Die Limitationen wurden seither zweimal erweitert: durch das Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz 2013 und das Steueränderungsgesetz 2015), über die Einführung der Zinszusatzreserve (ZZR) mittels Verordnung aus dem Jahr 2011 bis zum Begleitgesetz zum europäischen  Zahlungsverkehr (SEPA) aus dem Jahr 2012. Die Versicherungswirtschaft konnte sich dadurch auf Kosten der Kunden sanieren. Lediglich mit dem Lebensversicheungsreformgesetz aus dem Jahr 2013 wurden der Versicherungswirtschaft und ihren Eigentümern Lasten zugemutet.

SCHICK kritisiert, dass es keine Regeln zur Eigentümerhaftung gibt, die Kunden vor Vermögensverlusten schützen. Er fordert deshalb mehr Transparenz im Lebensversicherungssektor. Dass Lebensversicherer hohe Dividenden ausschütten, statt ihr Kapital aufzustocken und Kosten bei Vertrieb und Verwaltung zu sparen, findet SCHICK unfair. Und nicht zuletzt fordert er eine angemessene Regulierung, damit mehr

"echtes Eigenkapital, transparente Produkte und eine unabhängige Beratung für die Kunden".   

SCHARRENBROCH, Christine (2017): Weg von der Lebensversicherung, hin zu Cyber-Versicherungen.
Vorstandschef Markus Rieß muss den Ergo-Konzern für die Zukunft fit machen. Dazu zählt ein schmerzhafter Stellenabbau,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.05.

Christine SCHARRENBROCH berichtet über den drittgrößten Erstversicherer Ergo auf dem deutschen Markt. Mit Stellenabbau, Verkauf des Tafelssilbers und der Abwicklung klassischer Lebensversicherungen will das Konzerngebilde, das zum Rückversicherer Munich Re gehört, wieder Gewinne einfahren.

SIEDENBIEDEL, Christian (2017): So krisenfest sind Deutschlands Versicherer.
Bis Montag müssen die 350 Versicherer in Deutschland zum ersten Mal ihre Quoten nach "Solvency II" offenlegen. Was heißt das - und was lernen Kunden daraus?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.05.

Was die Solvenzquote ("Verhältnis der Eigenmittel eines Versicherers zu den Kapitalanforderung") für die Kunden bedeutet, das erfährt man in diesem Artikel von Christian SIEDENBIEDEL nicht, nur dass die Regulierung es mit der Transparenz nicht so genau nimmt, d.h. die Regeln zur Berechnung der Solvenzquote liegt im Gutdünken der Versicherer. Im Kommentar heißt es deshalb, dass die Verbraucher anhand der Kennzahl nicht ermessen können, wie es um ihren Versicherer steht.

SIEDENBIEDEL, Christian (2017): Mehr Licht.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.05.

SCHNELL, Christian (2017): Deutsche Versicherer zeigen sich standfest.
Solvency II: Branche meldet solide Finanzpuffer - mit begrenzter Aussagekraft,
in:
Handelsblatt v. 22.05.

SCHÄFER, Daniel (2017): "Es gibt viel Gerede im Markt".
Dieter Wemmer: Der Finanzvorstand der Allianz erläutert, warum die deutschen Versicherer unter besonderer Beobachtung stehen,
in:
Handelsblatt v. 22.05.

FROMME, Herbert (2017): Bedingt krisenfest.
Versicherer: Jetzt ist die Gelegenheit, das Geschäftsmodell endlich transparenter zu machen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 22.05.

FROMME, Herbert (2017): Sicher ist sicher.
Europäische Versicherer müssen ab sofort eine neue Kennziffer für die finanzielle Stabilität veröffentlichen. Die Anbieter nutzen das Instrument sehr unterschiedlich. Kunden müssen den Gebrauch noch lernen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

KRIEGER, Friederike (2017): Der Marktführer lobt sich selbst.
Die Allianz sieht ihre Strategie bestätigt,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.05.

JAHBERG, Heike (2017): Versicherer im Krisencheck.
Unternehmen müssen sagen, wie dick ihre Kapitalpuffer sind. Die Zahlen sehen gut aus, doch viele haben sie schöngerechnet,
in:
Tagesspiegel v. 23.05.

Heike JAHBERG nennt mit der Ergo Leben (100 Prozent) und HUK Leben (109 Prozent) nur zwei Lebensversicherer die - ohne Übergangsregelungen - im kritischen Bereich lägen. Am Ende macht sicht JAHBERG für mildere Regeln für Lebensversicherer bei der Zinszusatzreserve stark, indem sie sich auf die Bafin und den Bund der Versicherten beruft.

OLS. & Christian SIEDENBIEDEL (2017): Lebensversicherer mit hinlänglichen Solvenzquoten,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.05.

"Ohne die Nutzung von Übergangsregeln wären 29 von 84 Lebensversicherern in den kritischen Bereich geraten berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. So seien alle über die Schwelle von 100 Prozent gekommen", heißt es in der FAZ zu den Solvenzquoten.

LOOMAN, Volker (2017): Nepper, Schlepper, Bauernfänger,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.05.

Volker LOOMAN kritisiert, dass in den Produktinformationen von Lebensversicherern bei fondsgebundenen Rentenversicherungen die Kosten, die bei den Fondsgesellschaften anfallen, nicht aufgeführt werden müssen. LOOMAN kommt auf 28 Prozent des Anlagebetrages, den die Anteile von Bank, Versicherung und Fondsgesellschaft bei fondsgebundenen Rentenversicherungen ausmachen würden, weshalb er zu ETF-Indexfonds und Anleihen als die bessere Geldanlage zur Altersvorsorge rät, wobei er bei Indexfonds von einer Rendite von 5 Prozent ausgeht, wobei einmalige und jährliche Kosten hinzukämen, die jedoch weit geringer seien als bei fondsgebundenen Rentenversicherungen.

ENZ, Werner (2017): Sorge tragen zur privaten Altersvorsorge.
Kommentar zu Schweizer Lebensversicherer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 27.05.

PFEIFFER, Hermannus (2017): Die ganz Großen machen das Geschäft.
ND-Tagesthema Reform der Betriebsrenten: Die Betriebliche Altersvorsorge gilt in der angeschlagenen Branche der Lebensversicherer als Hoffnungsträger,
in:
Neues Deutschland v. 30.05.

Hermannus PFEIFFER referiert die bekannten Klagen der Lobbyisten der Versicherungswirtschaft.

GERTH, Martin (2017): Reform mit Fehlern.
Betriebsrente: Ein neues Gesetz soll Betriebsrenten bei Arbeitgebern und Beschäftigten beliebter machen. Die Anreize dafür sind jedoch zu schwach,
in:
Wirtschaftswoche Nr.23 v. 02.06.

Martin GERTH klagt, dass das Betriebsrentenstärkungsgesetz nicht die Unternehmen, sondern vor allem die Lebensversicherer entlaste,

"die Betriebsrentenbeiträge in betrieblichen Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Pensionskassen anlegen. Bei allen drei Varianten, die 42 Prozent des gesamten Marktes abdecken, liegt das Anlagerisiko beim Versicherer. Im Mittelstand sind sogar zwei Drittel der Betriebsrenten über Lebensversicherungen abgedeckt."

Bei den Direktzusagen und den Unterstützungskassen seien dagegen heute schon 85 Prozent aller neuen Betriebsrenten nur noch in Höhe der eingezahlten Beiträge garantiert. Er beruft sich dabei auf Willis Towers Watson, die ihr Geschäftsfeld durch die Reform nicht gestärkt sieht.

Wenn nun von Geringverdienern die Rede ist, werden gerne jene gemeint, die bis zu 2.200 Euro Brutto im Monat verdienen, obwohl Beschäftigten mit 2.000 Euro Brutto schon der unteren Mittelschicht zugerechnet werden können.

GERTH jedoch geht es um die Besser- und Spitzenverdiener:

"Schließlich wollen Arbeitgeber mit der Betriebsrente vor allem hoch qualifizierte Fachkräfte und nicht ausgerechnet Geringverdiener ans Unternehmen binden".

Die Betriebsrente soll also in erster Linie als Instrument der Personalrekrutierung und nicht als Altersvorsorge dienen. Diese Sicht entspricht der CDU, während die SPD die Betriebsrente als Bekämpfung der Altersarmut verkauft. 

THELEN, Peter (2017): Versicherer gründen Rentenwerk.
Sozialpartnermodell: Fünf Traditionsversicherer treten an, die gerade verabschiedete und umstrittene Reform der Betriebsrenten in die Tat umzusetzen,
in:
Handelsblatt v. 02.06.

Peter THELEN teilt die Lebensversicherer in zwei Gruppen ein: jene Marktführer der betrieblichen Altersvorsorge wie die Allianz und die R+V Versicherung, die das Sozialpartnermodell bekämpft haben und jene Lebensversicherer, die nun die Chancen nutzen wollen wie die Barmenia, Debeka, Gothaer, Huk-Coburg und die Stuttgarter Lebensversicherung, die sich zu einem "Rentenwerk" zusammenschließen wollen. Die Allianz, Ergo, Swiss Liefe und R+V haben sich bislang die lukrativen Pfründe bei der Metall-Rente und dem Chemie-Pensionsfonds gesichert. THELEN liefert dazu auch Stimmen von Uwe LAUE (Debeka) und Henriette MEISSNER (Stuttgarter Leben). 

FROMME, Herbert (2017): Gemeinsam gegen die Allianz.
Fünf Versicherer tun sich bei der Betriebsrente zusammen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 02.06. 

SIEDENBIEDEL, Christian (2017): Bafin: Deutsche Versicherer haben genug Krisenpuffer,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.06.

Christian SIEDENBIEDEL berichtet über eine Pressemitteilung der Bafin, in der mitgeteilt wurde, dass von den 84 Lebensversicherern alle die Insolvenzquoten erfüllt hätten - wenngleich manche die laxeren Übergangsregeln in Anspruch genommen haben, um besser dazustehen. Zu den Lebensversicherern schreibt die Bafin:

"Zum Stichtag 31.12.2016 standen 84 Lebensversicherungsunternehmen unter Aufsicht der Bafin. Für die Berechnung der Solvabilitätskapitalanforderungen (SCR) haben 73 Lebensversicherer die Standardformel und elf Unternehmen ein (partielles) Internes Modell verwendet. Unternehmensspezifische Parameter wurden von keinem Unternehmen genutzt. Von den 84 Lebensversicherern wenden 47 die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen gemäß § 352 VAG und die Volatilitätsanpassung nach § 82 VAG an. 13 Lebensversicherer nutzen ausschließlich die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen, während acht Unternehmen als einzige Maßnahme die Volatilitätsanpassung anwenden. Die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze gemäß § 351 VAG wird von einem Unternehmen in Kombination mit der Volatilitätsanpassung angewendet. In Summe wenden somit 56 Lebensversicherer die Volatilitätsanpassung, 60 Lebensversicherer die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen und ein Lebensversicherer die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze an." (Bafin, Websiteabruf vom 10.06.2017)

TAUBER, Jonas (2017): Erst zum Schlichter.
Wer sich über seine Versicherung ärgert, sollte zum Ombudsmann gehen, statt vor Gericht zu ziehen. Der hilft oft weiter, und kostet nichts,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 12.06.

Gegen Lebensversicherer kommen Versicherte besonders schlecht an, denn deren Interessen sind gut abgesichert:

"2016 lag die Erfolgsquote in der Lebensversicherung demnach bei 23 Prozent der beendeten zulässigen Beschwerden gegenüber 47 Prozent der Eingaben in anderen Bereichen",

berichtet Jonas TAUBER. Die niedrige Erfolgsquote ist durch die mangelnde Transparenz auf dem Gebiet der Altersvorsorge begründet, "weil die Verträge oft unklar und missverständlich seien". Zudem kann der Versicherungsombudsmann nur Entscheidungen im Streitwert bis zu 10.000 Euro treffen. Ganz ärgerlich wird es, dass der Ombudsmann bei Beschwerden gegen Vermittler, die mit 25 Prozent nur wenig erfolgreicher sind, nur unverbindliche Empfehlungen aussprechen kann.

Fazit: Dem Ombudsmann sind in vielen Fällen bei den Lebensversicherern die Hände gebunden, was ein Beleg dafür ist, dass die Interessen der Lebensversicherer besonders durch den Staat geschützt werden. Auch Institutionen wie die Finanzaufsicht oder die Verbraucherzentralen ändern daran nichts.

LANDGRAF, Anton (2017): Zum Wohle der Aktie.
Versicherer wie Allianz und Munich Re wollen mit Aktienrückkäufen den Kurs treiben. Anleger schätzen dies als Dividendenersatz,
in:
Freitag Nr.24 v. 14.06.

SIEDENBIEDEL, Christian (2017): Weniger Provision für Vertreter.
Abschlussvergütungen für Lebensversicherer sinken,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.06.

Das Lebensversicherungsreformgesetz wirkt, soll eine Befragung von Matthias BEENKEN & Michael RATKE belegen. Tatsächlich sind die einmaligen Abschlussprovisionen zurückgegangen, was jedoch nicht heißt, dass die Kunden die Profiteure sind. Ganz im Gegenteil: Die Kosten wurden nur an andere Stellen verschoben:

"Häufiger als vor zwei Jahren finden sich in der aktuellen Erhebung (...) auf die Laufzeit verteilte Abschlussprovisionen."

RTR (2017): Arag Leben wird abgewickelt.
Frankfurter Leben übernimmt zweiten Bestand. Schon fünf deutsche Lebensversicherung in Abwicklung,
in:
Frankfurter Rundschau v. 23.06.

BERSCHENS, Ruth (2017): EU will private Altersvorsorge harmonisieren.
Kapitalmarkt: Die Europäische Kommission schlägt einen Eu-Rechtsrahmen für Sparpläne vor. Die deutsche Versicherungswirtschaft lehnt das Vorhaben strikt ab,
in:
Handelsblatt v. 29.06.

"Lebensversicherungen in Deutschland, Pensionsfonds in Frankreich, Betriebsrenten in den Niederlanden: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist in jedem EU-Staat anders organisiert. (...).
Die EU-Kommission will das jetzt ändern und einen EU-Rechtsrahmen für private Alterssparpläne einführen",

berichtet Ruth BERSCHENS. Der Lobbyverband der Versicherungswirtschaft sieht darin eine Gefahr für die eigene Branche, die in Deutschland zwar lauthals jammert, nichtsdestotrotz wie die Made im Speck auf Kosten der Kunden lebt.

SAUER, Stefan (2017): Hauptsache, gut versichert?
Analyse: Das Vertriebsgesetz, das Versicherungskunden vor Falschberatung schützen soll, fällt schwach aus. Die Makler haben ganze Lobbyarbeit geleistet,
in:
Frankfurter Rundschau v. 01.07.

Stefan SAUER berichtet nur über Einwände der Grünen gegen das am Donnerstag vom Bundestag verabschiedete Versicherungsvertriebsgesetz, das wie alle anderen schon von den Versicherungslobbyisten verwässerten Gesetze, den Kunden keine wirkliche Verbesserungen bringen werden. Die deutschen Lebensversicherer leben immer noch wie die Made im Speck, denn lautes Jammern hilft immer!

Noch am 31. Mai gab es eine Anhörung im Bundestagsausschuss. Den Stellungnahmen der 9 Verbände und Lobbyisten der Versicherungswirtschaft stand lediglich die Verbraucherzentrale als vom Staat gesponserte Versichertenanwältin gegenüber (alle Stellungnahmen und der Gesetzesentwurf vom März 2017 sind hier dokumentiert). Allein diese Übermacht zeigt die Absurdität, mit der das Kapital den Kunden gegenübertreten kann. Die Änderungen zugunsten der Versicherungswirtschaft wurden von CDU/CSU/SPD durchgesetzt.

FROMME, Herbert (2017): Generali kürzt Privatrenten.
Tausende Kunden des Versicherers bekommen weniger Geld,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 03.07.

GDV (2017): Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2017. Eine Information der deutschen Lebensversicherer

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft listet in der Broschüre Ergebnisse für das Jahr 2016 auf, wobei neben den Lebensversicherungen auch Pensionskassen und Pensionsfonds mitgezählt werden. Zum Engagement der Lebensversicherer schreibt der GDV:

"Die Lebensversicherer (...) engagieren sich in allen fünf Durchführungswegen – sei es direkt als Anbieter eines Durchführungswegs oder indirekt über die Rückdeckung von Versorgungszusagen. Insgesamt waren 2016 über 15,5 Millionen Verträge der betrieblichen Altersversorgung zuzuordnen (plus 1,4 Prozent); sie hielt damit einen Anteil von 17,4 Prozent an allen Verträgen der Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds. Gemessen an den Bestandsbeiträgen lag der Anteil sogar bei 22,7 Prozent." (2017, S,32)

20 überbetriebliche Pensionskassen und 16 Pensionsfonds werden den Lebensversicherern zugeschrieben. Die BaFin listet in ihrer Statistik für Erstversicherungsunternehmen und Pensionsfonds für 2016 138 Pensionskassen auf. Ein Jahr zuvor waren es noch 150. 29 Pensionsfonds führt die BaFin außerdem auf.

SCHÄFERS, Manfred (2017): 63.163 Euro schrumpfen zu 35.881 Euro,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.07.

Manfred SCHÄFERS stellt zwei Berechnungen des Bundes der Versicherten vor: die eine für das Jahr 1997 und die andere für das Jahr 2007. Damit will SCHÄFERS die Probleme der Lebensversicherer belegen, eher aber zeigen die Beispiele auf, wie Lebensversicherer ihre Probleme auf die Versicherten abwälzen dürfen. Der Artikel muss im Zusammenhang mit den Bestrebungen der Versicherungen gesehen werden, sich weitere Entlastungen zu verschaffen.

MAJEWSKI, Ina (2017): Generali wegen Sofortrente vor Gericht,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.07.

MAJEWSKI, Ina (2017): Keine höhere Auszahlung an Versicherte,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.07.

Die deutschen Lebensversicherer leben wie die Made im Speck, denn besitzen eine starke Lobby:

"Seit der Reform des Lebensversicherungsgesetzes ist eine Kappung der Ausschüttungen zulasten der Kunden möglich",

erklärt Ina MAJEWSKI. Seit der Krise des Finanzkapitalismus wälzt die Versicherungswirtschaft ihre Lasten auf die Versicherten ab. Die Mainstreammedien applaudieren dazu kräftig. der Verbraucherschutz ist hierzulande ein Hohn: Die Verbraucherzentralen hängen am Staatstropf und bescheiden sich deshalb. Wie stark die Lobby ist, zeigt sich daran, dass nur sehr selten und sehr spärlich über die Kämpfe hinter den verschlossenen Türen berichtet wird.

Die Verhinderung von Transparenz bei gleichzeitiger Beschwörung derselben ist ein Merkmal für die Macht der Lebensversicherer zu Lasten der Verbraucher.

"Ohne Kürzung bestünde die konkrete Gefahr, dass einige Lebensversicherer ihre zugesagten Garantiezinsen nicht mehr hätten erwirtschaften können",

heißt es in der Begründung, als ob Gerichte dies beurteilen könnten. Fakt ist, dass die Bafin erst vor kurzem allen Lebensversicherungen ein gutes Zeugnis ausgestellt hatten. Vor diesem Hintergrund ist das Urteil also völlig unverständlich.

FROMME, Herbert (2017): Die Renten sind nicht sicher.
SZ-Wirtschaftsthema Altersvorsorge: Anbieter von privaten Rentenversicherungen kürzen immer öfter ihre Zusagen oder sogar laufende Renten. An die hohen Vertriebskosten gehen die Versicherer dagegen nur zögernd heran. Das wird sich bald ändern,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.07.

TAUBER, Jonas (2017): Mehr Honorar statt Provision.
SZ-Wirtschaftsthema Altersvorsorge: In Deutschland werden fast alle Versicherungsverträge gegen Provision verkauft. Das ist intransparent, monieren Kritiker. Ein Gesetz könnte die Wende bringen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 20.07.

Der Artikel von Jonas TAUBER ist auch nicht hilfreich, denn das Gesetz zum Versicherungsvertrieb, das im Februar 2018 in Kraft tritt, wurde von den Versicherungslobbyisten bis zur Unkenntlichkeit verwässert und bedient nun vor allem die Interessen der Vermittlerbranche. Ob sie sich nun Makler, Vertreter oder Berater nennen, ist für den Kunden egal, denn er zahlt auf alle Fälle, denn die Lebensversicherer sind nicht dazu gezwungen Netto-Tarife anzubieten, sondern sie haben sich erfolgreich dagegen wehren können.

"Damit Berater (...) mit Vermittlern konkurrieren können, erlaubt das Gesetz ihnen die Vermittlung von Verträgen mit Provision. Dann fließt das Geld aber nicht an den Berater, sondern zu 80 Prozent an den Kunden, 20 Prozent bleiben beim Versicherer."

Oder anders formuliert: Der Kunde sorgt weiterhin für die Profite der Lebensversicherer, die in Deutschland immer noch wie die Made im Speck leben. Jammern hilft!

HERZ, Carsten (2017): Amerikanischer Schnäppchenjäger.
Lebensversicherungen: Das US-Unternehmen Athene will Lebensversicherern unliebsame Altverträge abkaufen und damit zur Nummer eins im Markt werden. Verbraucherschützer sind skeptisch,
in:
Handelsblatt v. 25.07.

Carsten HERZ berichtet über den Einstieg des deutschen Ablegers Athene Lebensversicherung des siebtgrößten US-Lebensversicherers in das Geschäft der Run-off-Plattformen, d.h. der Abwicklungsplattformen, die sich durch den Aufkauf von Versicherungsbeständen ein lukratives Geschäft erwarten. Deutschland gilt als Eldorado, weil es hier um besonders große Versichertenbestände geht.

"Wir brauchen keinen Vertrieb, wir brauchen keine Produktentwicklung und wir schleppen keine alte IT mit uns herum",

wird die Vorstandschefin der Athene Lebensversicherung zu den Vorteilen des Geschäftszweigs zitiert. Ob die Versicherten davon profitieren ist jedoch eine ganz andere Frage. HERZ stellt die Generali Leben als lukrativen Bestand für eine Übernahme durch die konkurrierenden Abwicklungsplattformen dar:

"Das Portfolio wäre mit mehr als 44 Milliarden Euro Kapitalanlagen der bisher größte Bestand an Lebensversicherungen, der in Deutschland auf den Markt käme."

Die Marktmacht der Verbraucher wird von den Abwicklungsgesellschaften darin gesehen, dass sie ihre Policen kündigen könnten. Bekanntlich wird jedoch Versicherten selbst von Verbraucherschutzorganisationen die Kündigung nur als allerletzte Option gepredigt, weil sie mit hohen Verlusten verbunden ist. Mit der Marktmacht der Verbraucher ist es also nicht weit her! 

FINANZTEST (2017): Widerspruch kann lohnen.
Lebensversicherung: Auch lange nach dem Vertragsende sind oft noch Tausende Euro Nachschlag dring. Zwei Beispiele zeigen, wie das geht,
in:
Finanztest, August

RITZER, Uwe (2017): Brisante Klage.
Eine der erfolgreichsten Vertreterin der Allianz verklagt den Versicherungskonzern. Ihr Vorwurf: Die Firma bringt sie und viele Kollegen um Teile ihrer Altersvorsorge. Der Fall könnte Vorstandschef Bäte in Erklärungsnot bringen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 11.08.

"Die Klageschrift und Allianz-interne Unterlagen, die der SZ vorliegen, zeigen Vorgänge, die nicht zum Bild eines Versicherers passen, der bei der Kundschaft mit Seriosität und Korrektheit wirbt",

schreibt Uwe RITZER zum Fall einer Leiterin einer Allianz-Generalvertretung in einer süddeutschen Großstadt, sie bereits seit 9 Jahren Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung ihrer Rente beim konzerneigenen Versorgungswerk festgestellt hat.

Ist einem großen Lebensversicherer wie der Allianz zu trauen, der nicht einmal bei den eigenen Mitarbeitern korrekt die Altersvorsorge berechnet? Sollte es stimmen, dass es sich nicht nur um einen Einzelfall handelt, dann würde die Allianz einen Imageschaden davontragen. Die Glaubwürdigkeit der Branche ist nicht erst durch die Finanzkrise erschüttert, die höchstens die Probleme der privaten Altersvorsorge für allzu naive Gemüter sichtbar werden ließ. Die Probleme liegen tiefer: Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist nicht in der Lage die Lücke zu schließen, die die Teilprivatisierung und Schwächung der gesetzlichen Rente durch die neoliberalen Koalitionen seit Anfang der Jahrtausendwende gerissen hat.

SCHNELL, Christian (2017): Komplexe Altersvorsorge.
Allianz: Der Versicherer hat die Ansprüche einer Vertreterin falsch berechnet. Ein Präzedenzfall für alle ist unwahrscheinlich,
in:
Handelsblatt v. 14.08.

Christian SCHNELL positioniert sich gegen die SZ, in der Uwe RITZER den Fall von Falschberechnungen vor drei Tagen als allgemeines Problem darstellte. Dagegen stellt sich SCHNELL auf die Seite des Lebensversicherers, der von einem Einzelfall spricht. Zudem wird ein Fachanwalt zitiert, der keine Gefahr für die Allianz sieht, weil nur ein Urteil des Bundesgerichtshofs einen Präzedenzfall schaffen könnte, das aber würde Jahre dauern. Dies passt zum Bild der Lebensversicherungsbranche in Deutschland, in der Kunden nur selten Ansprüche gegen die Versicherer durchsetzen können. Insbesondere bei der Altersvorsorge sind die Belange der Versicherer gut geschützt. 

REZMER, Anke (2017): Gefragte Policen.
Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen bilden die Fonds den Kern des Vertrags. Die Versicherungs-Ratingagentur Assekurata stellt in einer Auswertung für das Handelsblatt deutliche Unterschiede fest,
in:
Handelsblatt v. 17.08.

SCHNELL, Christian (2017): "Nicht mehr erste Wahl".
Der Vorstand der Allianz Leben über sinkendes Interesse an klassischen Lebensversicherungen, Vorteile der Riester-Rente und alternative Anlagen,
in:
Handelsblatt v. 22.08.

Christian SCHNELL hofiert einen Allianz-Vorstand, dem er brav die Stichworte für seine PR liefert.

GENTRUP, Anna (2017): Knapp bei Kasse.
Können Versicherte ihre Beiträge nicht bezahlen, sollten sie nicht überstürzt handeln,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.08.

Was passiert, wenn jemand sich eine private Altersvorsorge nicht mehr leisten kann, weil ein finanzieller Engpass besteht? Die neoliberale Strategie ist klar: Zuerst alle anderen Optionen ausschöpfen, bevor auf die Altersvorsorge zugegriffen werden soll. Die Lebensversicherer seien kulant und helfen aus der Patsche verspricht Anna GENTRUP. Die Hilfe ist jedoch teuer, denn Lebensversicherer sind keine Samariter, sondern ziehen auch aus den Notlagen ihre Profite.

Wer kündigt steht im deutschen Recht auf verlorenen Posten, denn das schützt nicht die Verbraucher, sondern die Lebensversicherer. Die Alternative sind Zweitverwerter, die Policen zurückkaufen. Diese kalkulieren so, dass minimale Anreize gegenüber der Kündigung bestehen, sie dennoch noch gute Profite machen.

Fazit: Wer sich die private Altersvorsorge wegen finanzieller Probleme nicht leisten kann, wird doppelt abgezockt. Die Finanzdienstleister stehen immer auf der Gewinnerseite!

FROMME, Herbert (2017): Generali? Aachen Münchener? Oder beides?.
Der italienische Versicherer Generali ringt um seinen künftigen Auftritt im wichtigen deutschen Markt. Die Marke Aachen Münchener steht auf dem Prüfstand. Der verschachtelte Konzern will seine Struktur bereinigen. Offen ist, unter welcher Flagge er dann segeln wird,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.08.

LANGENBERG, Britta (2017): Innere Werte.
Die Lebensversicherer müssen neuerdings ihre Krisenfestigkeit beweisen - und detailliert Zahlen offenlegen. Eine Studie benennt solvente Anbieter und solche, die nachsitzen müssen,
in: Capital,
September

HERZ, Carsten (2017): Die neue Unübersichtlichkeit.
Versicherer: Die klassische Lebensversicherung läuft aus. Neue, variable Produkte sollen sie beerben. Nicht jeder Kunde behält dabei den Überblick,
in:
Handelsblatt v. 01.09.

Die klassischen Lebensversicherungen bescheren den Versicherern zu wenig Profit, weswegen viele nur noch teuere Produkte ohne Garantiezins anbieten. Dem Kunden soll die für die Lebensversicherungswirtschaft lukrativeren Produkte als "renditeträchtiger" vermittelt werden. Verbraucherschützer raten dagegen gleich zu günstigeren Indexfonds. 

ENZ, Werner (2017): Entlastung und neue Schikanen.
Was die Rentenreform 2020 den Lebensversicherern und ihren Kunden bringt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 04.09.

HERZ, Carsten (2017): Verraten und verkauft?
Immer mehr Lebensversicherer haben es auf ein ganz spezielles Geschäftsfeld abgesehen - die Abwicklung von Altbeständen an Versicherungspolicen. Viele Kunden sind beunruhigt,
in:
Handelsblatt v. 06.09.

Carsten HERZ betätigt sich als Imageaufpolierer für Run-off-Plattformen. Das Prinzip dieser Imagekampagnen ist simpel: Ständig die gleichen Argumente in immer wieder ähnlichen Berichten wiederholen. Damit wird aus dem Außergewöhnlichen mit der Zeit eine Selbstverständlichkeit! 

ENZ, Werner (2017): Umverteilungen im BVG-System.
Die schwierigen Anlage- und Rahmenbedingungen setzen den Lebensversicherern zu,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.09.

ENZ, Werner (2017): Mehr riskieren und weniger verdienen.
Kommentar: BVG-Bilanz der Lebensversicherer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.09.

FROMME, Herbert (2017): Die Lebensverunsicherer.
Die Munich Re will ihre stillgelegten Lebensversicherer verkaufen. Der einstige Liebling wird immer mehr zur Belastung,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 27.09.

KROHN, Philipp (2017): Versicherer streiten sich mit Vermittlern.
Bald wird der Gesetzgeber das Gesetz zur Reform der Lebensversicherung überprüfen. In der Branche wächst die Nervosität,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.09.

SIEVERS, Markus (2017): Schlag für die Altersvorsorge.
Verbraucherschützer warnen: Die Flucht der Unternehmen aus der Lebensversicherung gefährdet die Ansprüche der Sparer,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.10.

Markus SIEVERS berichtet über die Kritik von Axel KLEINLEIN vom Bund der Versicherten, der Einbußen der Versicherten bei der Übertragung von Versicherungsbeständen an so genannte Abwicklungsgesellschaften sieht. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen, der vom Staat gesponsert wird und deshalb nicht unbedingt Verbraucherinteressen vertritt, wiegelt dagegen ab - genauso wie SIEVERS im Kommentar.

SIEVERS, Markus (2017): Kein Grund zur Panik.
Kommentar,
in:
Frankfurter Rundschau v. 04.10.

HERZ, Carsten & Peter KÖHLER (2017): Die Versicherer verlässt der Mut.
Anlagen: In den vergangenen Jahren gingen die Anbieter mehr Risiken ein, um überhaupt noch Renditen zu erzielen. Jetzt steht die nächste Trendwende bevor,
in:
Handelsblatt v. 04.10.

FROMME, Herbert (2017): Versichert und verkauft.
Altersvorsorge: Die Konzerne haben ihren Kunden die Treue versprochen, nun drücken sie sich,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 09.10.

SCHNELL, Christian (2017): Aufruhr bei den Versicherten.
Auf die Ankündigung großer Unternehmen wie Ergo, Axa oder Generali, ihre alten Lebensversicherungen verkaufen zu wollen, reagieren Kunden besorgt. Grund zur Panik gibt es aber nicht,
in:
Handelsblatt v. 11.10.

Christian SCHNELL folgt dem Tenor der Verbraucherzentrale, die angesichts des Abstoßens von unlukrativen Altbeständen großer Lebensversicherer, abwiegelt (siehe auch FR vom 04.10.).

"Wer mit der Entwicklung seiner Lebensversicherung (...) unzufrieden ist, könne überlegen, ob er fortfährt wie bisher. Oder ob er seinen Vertrag stilllegt, kündigt oder verkauft. Diese Varianten stehen dem Kunden offen",

lautet das Motto bei der Verbraucherzentrale. Für SCHNELL steht die Debatte erst am Anfang.

SCHNELL, Christian (2017): "Auf Punkt und Komma".
Heinz-Peter Roß: Der Chef der Viridium-Gruppe verspricht Vertragstreue bis zum Ende der Laufzeit,
in:
Handelsblatt v. 11.10.

Christian SCHNELL lässt noch einen Manager der Abwicklungsplattform Viridium zu Wort kommen, der nichts anderes macht als die Unternehmensinteressen zu vertreten. Das müsste eigentlich als Werbung deklariert werden, aber nicht als Aufklärung!

SCHNELL, Christian (2017): Branche am Wendepunkt.
Kommentar: Der Verkauf von Lebensversicherungen muss so sorgsam erfolgen wie bisher,
in:
Handelsblatt v. 11.10.

"Die Branche steht (...) an einem ganz entscheidenden Punkt. Ab sofort blicken Politik, Verbraucherverbände und letztlich die breite Öffentlichkeit ganz genau hin. Läuft eine Übernahme schief, (...) dann ist das Geschäftsmodell Run-off ganz schnell eine Gefahr für das Massenprodukt Lebensversicherung", meint Christian SCHNELL.

SCHNELL, Christian (2017): Was tun mit der Police?
Kündigen, stillegen, verkaufen oder beleihen? Wer mit seiner Lebensversicherung nicht mehr zufrieden ist, hat unterschiedliche Möglichkeiten,
in:
Handelsblatt v. 13.10.

Christian SCHNELL knüpft an seinen Artikel von vorgestern an, in dem er die Verbraucherzentrale angesichts des drohenden Verkaufs von Altbeständen an Abwicklungsplattformen, folgendermaßen zitierte:

"Wer mit der Entwicklung seiner Lebensversicherung (...) unzufrieden ist, könne überlegen, ob er fortfährt wie bisher. Oder ob er seinen Vertrag stilllegt, kündigt oder verkauft. Diese Varianten stehen dem Kunden offen".

SCHNELL fügt dem nur eine weitere Variante hinzu: Die Beleihung, was zu dem Thema nicht unbedingt passend ist.

KROHN, Philipp (2017): Die neue Lebensversicherungswelt ist intransparent.
Mit neuen Garantiekonzepten fordert die Branche Kunden heraus. Oft wird aber weiterhin im Kollektiv gespart,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.10.

HOCK, Martin (2017): Preisbrecher bei Rentenversicherung mit Fonds.
Fondsgebundene Rentenversicherungen gelten als zu teuer für die Altersvorsorge. Doch mittlerweile gibt es konkurrenzfähige Angebote,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.10.

FROMME, Herbert (2017): Jetzt kommt die superflexible Lebensversicherung.
Die Berliner Ideal will den Vorsorgeklassiker neu erfinden: Kunden können Geld entnehmen, Zusatzverträge draufsatteln und ständig ins Konto sehen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.10.

HERZ, Carsten (2017): Geld oder Liebe.
Versicherer: Ergo will noch im November erste Offerten für ihre Tochterfirmen Victoria und Ergo Leben prüfen,
in:
Handelsblatt v. 30.10.

LANGENBERG, Britta (2017): Das Leben ist eine Baustelle.
Mit 70 Millionen Verträgen ist die Lebensversicherung immer noch die wichtigste Säule der privaten Altersvorsorge. Doch immer mehr Anbieter wollen ihr Geschäft loswerden. Die Kunden sind beunruhigt - Capital erklärt, was sie tun können,
in:
Capital, November

KROHN, Philipp (2017): Versagen in der Altersvorsorge.
Das Vorgehen der großen Lebensversicherer, ihre Portfolios zu veräußern, ist äußerst fragwürdig,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.11.

PFEIFFER, Hermannus (2017): Policen vor dem Ausverkauf.
Versicherer wollen 20 Millionen Lebensversicherungen entsorgen,
in:
Neues Deutschland v. 02.11.

HOYER, Niklas (2017): Halbe-halbe mit der Heuschrecke.
Lebensversicherung: Ergo und Generali wollen zehn Millionen Verträge verkaufen. Investoren werden prächtig verdienen - und die Kunden trotzdem nicht leiden,
in:
Wirtschaftswoche Nr.46 v. 03.11.

Niklas HOYER bügelt die Bedenken der Verbraucherschützer gegenüber Abwickler mithilfe des Unternehmensberaters und Versicherungsmathematikers Bernd HEISTERMANN ab. Da dieser für Lebensversicherer tätig ist, vertritt er deren Interessen, schließlich will er auch in Zukunft für sie tätig sein. Eine Abhandlung von HEISTERMANN zu Abwicklungsplattformen findet sich hier.

HAERDER, Max (2017): Operation Giraffe.
Harald Christ: Der Topmanager verlässt seinen Konzernposten, um sich der Politik und seiner SPD zu widmen. Er müsste das nicht. Was treibt ihn an?
in:
Wirtschaftswoche Nr.46 v. 03.11.

Max HAERDER zeichnet ein wohlwollendes Porträt des rechten SPDlers Harald CHRIST. Sein Abgang soll nicht wie ein Abstieg aussehen. Doch sieht es ganz so aus, dass CHRIST das sinkende Schiff verlässt, und die SPD als Auffangbecken sieht. CHRIST ist bei der Ergo für den Vertrieb zuständig, dessen Zukunft mehr als ungewiss ist, da Ergo seine Lebensversicherungsaltbestände an eine Abwicklungsgesellschaft verkaufen will. Schon seit Wochen ist das ein Dauerthema.

Der 1972 geborene Multimillionär CHRIST, also Angehöriger der angeblich verlorenen Generation Golf, der sich erfolgreich in der Finanzwirtschaft durchsetzte, kommt gemäß HAERDER aus

"bescheidenen Verhältnissen. Die Mutter Hausfrau, sein Vater bei Opel im Presswerk in Rüsselsheim. Kein Abitur, kein Studium, dafür Ehrgeiz."

Dass der SPDler CHRIST 1999 - 2002 Leiter des Geschäftsbereichs Versichern und Vorsorgen bei der Deutschen Bank war - also genau in dem Zeitraum, in den die Teilprivatisierung der Alterssicherung und die Durchsetzung der Riester-Rente fällt, bleibt bei HAERDER unerwähnt.

HERZ, Carsten (2017): Mangelnde Transparenz.
Jedes Jahr erhalten Millionen von Deutschen eine Mitteilung über den Stand ihrer Lebensversicherung. Eine neue Analyse belegt, dass es mit der Übersichtlichkeit immer noch nicht weit her ist - doch 2018 wird sich dies ändern müssen,
in:
Handelsblatt v. 08.11.

Carsten HERZ berichtet über eine Transparenz-Analyse von 64 deutschen Lebensversicherern eines Zweitverwerters von Lebensversicherungen. Dessen Interessen an Standmitteilungen sind nicht unbedingt deckungsgleich mit denen der Kunden. Während es Versicherten vor allem auf Gewissheit in Bezug auf die Auszahlungshöhe am Ende und hohe Flexibilität angesichts unsicherer Lebenssituationen ankommt, geht es den Zweitverwertern um den genauen Mindestwert einer Versicherung zum aktuellen Zeitpunkt. Transparenz kann Ungewissheit nicht schmälern, sondern hilft vor allem Finanzdienstleistern zu Kalkulationszwecken.

Wie unwichtig den Anbietern die Versicherten sind, das lässt sich bereits daran ablesen, dass sie mit ihren jährlichen Standmitteilungen nicht einmal die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen. Vor allem der Marktführer Allianz macht sich keine Sorgen um sein Renommee. Schiere Größe ersetzt für ihn Kundenfreundlichkeit. Selbst der "transparenteste Versicherer" erfüllt noch nicht einmal 75 % der erforderlichen Angaben, wobei HERZ nicht darüber informiert, nach welchen Kriterien der Zweitverwerter die Angaben beurteilt.

"Vor allem die bereits garantierte Ablaufleistung werde verschwiegen und stattdessen die Versicherungssumme genannt",

zitiert HERZ die Kritik des Zweitverwerters und zeigt damit sogleich auf, wo das Eigeninteresse des Zweitverwerters liegt.

Im Februar 2018 soll mit der in Kraft tretenden Vermittlerrichtlinie IDD die Transparenz steigen:

"Das neue Gesetz (...) verlangt auch Informationen zu eingezahlten Beiträgen, Rückkaufwerten und Ablaufleistungen bei Beitragsfreistellung zuzüglich Überschussbeteiligung auszuweisen, die bisher nicht genannt werden müssen".

Dem Branchenverband geht es um möglichst wenige Informationen, die angeblich mehr Klarheit schaffen sollen.

Den Versicherten wäre mehr damit gedient, wenn die Versicherer den Unsicherheitsgrad ihrer Berechnungen mitteilen müssten, denn dann wäre offensichtlich, dass Transparenz kaum mehr Klarheit über den Stand der privaten Altersvorsorge bringt, weil sie von den Entwicklungen auf dem Kapitalmarkt abhängt. Diese Entwicklungen könnten schmerzhafter sein als bei der gesetzlichen Rentenversicherung.

HERZ, Carsten (2017): Bitte mehr Licht.
Kommentar: Versicherer sollten aus Eigeninteresse transparenter in der Information werden,
in:
Handelsblatt v. 08.11.

HERZ, Carsten (2017): Viele Angebote für Ergo-Policen.
Der geplante Verkauf von rund sechs Millionen Lebensversicherungs-Policen des Versicherers wird konkreter. Mehrere Interessenten haben unverbindliche Angebote abgegeben,
in:
Handelsblatt v. 09.11.

"Laut Insidern haben sowohl die Swiss Re als auch die Resolution Group, die in Großbritannien seit 15 Jahren Lebensversicherungen ohne Neugeschäft abwickelt, vorgefühlt",

berichtet Carsten HERZ. Wichtig sind dem Lebensversicherer einzig die möglichen Einwände der "Stakeholder" (wobei man sicherlich von einer engen Bedeutungsverwendung dieses vagen Begriffs ausgehen darf).

BAG/DRI/SIG/SOM/FSP (2017): Weitsicht statt Kurspflege.
Politiker, Gewerkschafter und Ökonomen kritisieren Aktienrückkäufe, wie sie etwa die Allianz finanziert,
in:
Handelsblatt v. 13.11.

HERZ, Carsten (2017): "Eine herausfordernde Zeit".
Achim Kassow: Der Vorstandschef der Ergo-Deutschland spricht über einen möglichen Verkauf von Ergo Leben und Victoria, die Sorgen der Kunden und wie viele Lebensversicherungs-Policen er selbst besitzt,
in:
Handelsblatt v. 17.11.

"Natürlich werden wir den Interessen von Kunden, Eigentümern, Mitarbeitern und Vertriebspartnern bestmögliche bei unserer Entscheidung Rechnung tragen",

verspricht der Ergo-Manager. Nicht jedes Interesse der Betroffenen steht jedoch auf der Prioritätenliste ganz oben. Ganz oben steht das Renditeinteresse. Das Kapital der Lebensversicherer könnte rentabler eingesetzt werden, d.h. die früheren Versprechungen an die Kunden sind eine Last geworden. Der Kunde steht bei den Überlegungen des Konzerns am Ende. Bei ihm geht es lediglich um zweierlei: erstens ist er ein Störfaktor, denn ihm muss die Entscheidung plausibel vermittelt werden. Für KASSOW ist das lediglich ein Kommunikationsproblem. Zum zweiten darf die Reputation nicht leiden. Auch das ist lediglich ein Imageproblem. Das Interview dient letztlich dazu, das Image von Run-off-Plattformen in Deutschland zu verbessern. Die Mitarbeiter sind das übliche Problem, mit dem es Manager zu tun haben, wenn Jobabbau droht. Wichtig ist hier nur, die Arbeitnehmervertreter auf die eigene Seite zu bringen.

Der Vorteil von Run-off-Plattformen wird wie üblich in der Größe und damit verbundenen Synergieeffekten gesehen. Dieses Argument soll beruhigen, denn es handelt sich um eingeführte Argumentationsmuster, die durch ständige Wiederholung zur Selbstverständlichkeit werden. Ob die Argumentation stichhaltig ist, ist dann nur sekundär.   

KROHN, Philipp  (2017): Ertragspuffer der Lebensversicherer werden dünner.
Anbieter sind zunehmend auf andere Gewinnquellen als die Kapitalerträge angewiesen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.11.

GRÖGER, Anne-Christin (2017): Ruhe bewahren.
SZ-Wirtschaftsthema Altersvorsorge: Zwei große Lebensversicherer wollen sich von ihren Altverträgen trennen. Das sorgt für Unsicherheit bei vielen Verbrauchern: Kündigen oder behalten? Experten raten zur Besonnenheit,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.11.

Das Geschäft mit der Unsicherheit in Sachen Altersvorsorge ist äußerst lukrativ. So verweist z.B. die vom Staat gesponserte Verbraucherzentrale darauf, dass zur Entscheidung darüber, welche Option die Beste sei, unabhängige Versicherungsmakler oder -berater konsultiert werden sollen. Aber wie unabhängig können diese sein, vor dem Hintergrund, dass das Gesetz von den Lobbyisten auf den letzten Metern noch aufgeweicht wurde? Die Kosten für die Beratung trägt auf alle Fälle der Kunde. Die Finanzdienstleisterbranche gewinnt immer. Die Dummen sind die Geringverdiener, denn Beratung - ob sinnvoll oder nicht - kostet und schmälert dadurch auf alle Fälle die Altersvorsorgerendite.

FROMME, Herbert (2017): Kampf an vielen Fronten.
SZ-Wirtschaftsthema Altersvorsorge: Für die Lebensversicherer sind die goldenen Zeiten vorbei,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 23.11.

KROHN, Philipp (2017): Alte Leipziger beichtet als erster.
Lebensversicherte erhalten sinkende Überschussbeteiligung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.11.

HERZ, Carsten & Christian SCHNELL (2017): Lästige Policen.
Der Verkauf der klassischen Lebensversicherungen der Ergo ist gescheitert. Jetzt muss die Munich-Re-Tochter ihre Bestände selbst verwalten - und dafür einen Technologie-Partner finden,
in:
Handelsblatt v. 30.11.

HERZ & SCHNELL sehen die Verlierer des geplatzten Deals auf beiden Seiten. Die Kluft der jeweiligen Preisvorstellungen sollen die Ursache gewesen sein. Ergo wollte doppelt so viel für seine Altbestände als die Run-off-Betreiber zu bieten hatten. Nun will Ergo die Alt-Bestände in eigener Regie verwalten und selber ins Run-off-Geschäft einsteigen - so jedenfalls die Selbstdarstellung. Dazu muss jedoch die IT-Software erneuert werden - ein Unterfangen das sicherlich nicht einfach werden dürfte. Und am Ende könnte dann eine erneute Kehrtwende stehen, falls der Mutter die Gewinne nicht hoch genug sind. Im Kommentar spricht HERZ von einem Imageschaden. Kunden sind sicherlich gut beraten, wenn sie in Ergo einen unsicheren Kantonisten sehen.

HERZ, Carsten (2017): Zurück auf Anfang.
Kommentar: Mit dem Abbruch der Verkaufssondierung für die Altbestände der Lebensversicherung sorgt Ergo intern für Ruhe. Dennoch werfen Details Fragen auf,
in:
Handelsblatt v. 30.11.

SCHARRENBROCH, Christine & Henning PEITSMEIER (2017): Ergo macht Rückzieher beim Verkauf der Lebensversicherer.
Die Angebote waren zu niedrig, der öffentliche Widerstand zu groß,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.11.

SCHARRENBROCH, Christine (2017): Neues Geschäftsmodell.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.11.

Christine SCHARRENBROCH hebt vor allem darauf ab, dass Ergo nun selber Abwicklungsdienste anbieten möchte. Dabei lässt sie mögliche Bedenken außen vor.  Was aber wenn die erhofften Synergieeffekte ausbleiben und andere Lebensversicherer das Ergo-Angebot ignorieren? Und vor allem, was, wenn der Mutterkonzern die Geduld verliert? Axel KLEINLEIN jedenfalls hegt Zweifel, dass Ergo seinen jetzigen Kurs durchhält.

ENZ, Werner (2017): Lebensversicherer erfinden sich neu.
Strategien zum Überleben in einer langen Niedrigzinsphase,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.12.

Werner ENZ berichtet über keine einzige neue Strategie der Lebensversicherer, sondern fasst die üblichen Praktiken zusammen. Dazu gehört insbesondere die Umverteilung der Risiken auf die Kunden, die mit Renditeversprechen geködert werden.

HERZ, Carsten & Christian SCHNELL (2017): Eine zweifelhafte alte Liebe.
Besitzer der einst so beliebten Lebensversicherungen müssen sich auch 2018 auf weniger Rendite einstellen. Doch Marktführer Allianz setzt mit stabilen Prognosen seine Rivalen unter Druck,
in:
Handelsblatt v. 05.12.

HERZ & SCHNELL hofieren den Lebensversicherer Allianz, dessen Neugeschäft die Risiken der Altersvorsorge fast vollständig auf die Kunden verlagert hat. Von daher ist die Stabilität bei der laufenden Verzinsung eher Augenwischerei. Denn entscheidend ist nicht die laufende Verzinsung in einem einzigen Jahr, sondern was am Ende der Laufzeit für den Kunden herauskommt.

MAGENHEIM, Thomas (2017): Allianz hält Rendite von Lebenspolicen stabil.
Die Zinsflaute macht den Versicherern zu schaffen. Doch nun setzt der Marktführer ein Zeichen,
in:
Frankfurter Rundschau v. 05.12.

Der Artikel von Thomas MAGENHEIM ist noch weniger informativ als der heutige Handelsblatt-Artikel. Vor allem macht er sich zum Kumpanen der Markteting-Abteilung der Allianz, wenn er schriebt:

"Die Allianz (...) garantiert (...), dass (...) Altverträge nicht an professionelle Abwickler verkauft (werden), wie das Konkurrenten immer häufiger planen.'"

Was eine solche Garantie tatsächlich Wert ist, außer der Tatsache, dass es ein simpler Marketinggag ist, das wir die Zukunft zeigen. Auch die Aussage, dass die Allianz

"bei einem Zinsniveau von dauerhaft null Prozent in der Lage (ist), die Verpflichtungen auch aus Hochzinszeiten sicherzustellen",

ist in erster Linie Marketing. Wer wie die Allianz die Risiken der Altersvorsorge drastisch auf die Kunden umlegt, der hat gut prahlen. Ob der Kunde damit jedoch besser fährt, das ist eine ganz andere Sache.

KROHN, Philipp (2017): Allianz hält die Verzinsung in schwieriger Zeit stabil.
Der Marktführer in der Lebensversicherung will ein Signal an Kunden und Wettbewerber aussenden. Größe kann im Niedrigzinsumfeld ein Vorteil sein,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.12.

KRIEGER, Friederike (2017): Gutschrift bleibt stabil.
Allianz nennt Überschussbeteiligung für Lebensversicherungen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 05.12.

Friederike KRIEGER verschweigt, dass die Allianz die Verzinsung nicht nur letztes Jahr, sondern bereits die letzten drei Jahre gesenkt hat, bevor sie nun die weitere Absenkung gestoppt hat. KRIEGER weist jedoch darauf hin, dass die Allianz mit besseren Konditionen für die risikoreichen Produkte Kunden ködert.

ENZ, Werner (2017): Allianz demonstriert erstaunliche Stärke.
Kommentar: Deutsche Lebensversicherer,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.12.

Werner ENZ sieht die Lage der Allianz nicht so rosig wie die deutschen Journalisten und weist auf die Unwägbarkeiten des Kapitalmarktes und der Politik hin.

KROHN, Philipp (2017): Ergo bringt mehr Flexibilität in die Lebensversicherung.
Kunden können über Anlageformen entscheiden. Mit neuen Modellen strebt der Konzern höhere Marktanteile an,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.12.

SPIEGEL (2017): Eine Frage des Vertrauens.
Altersvorsorge: Lebensversicherer leiden unter hoch verzinsten Verträgen - und verkaufen sie deshalb an Investoren. Was bedeutet das für die Kunden?
in:
Spiegel Nr.51 v. 16.12.

MÜNCH, Peter (2017): Projekt sorgenfrei.
Steuererleichterungen, Bürokratieabbau, Bekenntnis zu Europa - unter dem Motto "Österreich kann's besser" verspricht Sebastian Kurz dem Land eine "neue Zeit". Gegenüber Flüchtlingen zeigt die ÖVP/FPÖ-Koalition Härte,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 18.12. 

Österreich wird in den nächsten Jahren von einer Mitte-Rechts-Regierung regiert. Finanzminister wird Hartwig LÖGER (ÖVP) war bislang Chef des Versicherungskonzern Uniqa, dessen Anteil am Lebensversicherungsmarkt gemäß Jahresbericht 2016 des österreichischen Verbandes der Versicherungswirtschaft durch Fusion vom Rang 7 (Marktanteil 5,17 %) auf Rang 1 (Marktanteil 18,07 %) im Jahr 2016 aufgestiegen ist. Mit LÖGER sitzt ein Lobbyist ersten Ranges der privaten Altersvorsorge nun an den Schalthebeln der Macht.

Das Regierungsprogramm in Sachen Alterssicherung (S.108-111) ist in erster Linie Schönfärberei. Zwischen den Zeilen ist jedoch zu erkennen, dass in Österreich ein Paradigmenwechsel geplant ist, denn die private bzw. betriebliche Altersvorsorge soll gestärkt werden. Bislang ist in Österreich noch die gesetzliche Rente für die Lebensstandardsicherung zuständig, weshalb Österreich den Gegnern der privaten Altersvorsorge ein Vorbild ist. Dies könnte sich unter der neuen Regierung ändern, bei der nun die Lobbyisten der Finanzdienstleister das Finanzministerium beherrschen. In Deutschland fand der Paradigmenwechsel 2001 statt. Zuvor waren wichtige Lobbyisten der Finanzindustrie in der Politik installiert worden. In dieser Phase befindet sich nun auch Österreich. Man darf also gespannt sein, ob die neue Mitte-Rechts-Regierung ebenfalls erfolgreich das System Richtung Neoliberalismus und Kapitaldeckung verändern kann oder ob sich in Österreich der Widerstand durchsetzen kann.

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 14. Mai 2018
Update: 26. Juli 2018