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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Brandenburg im demografischen Wandel

 
       
   

Die Gleichwertigkeit der Regionen als politisches Ziel? (Teil 1)

 
       
     
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 1: 2000 - 2010 )

Einführung

In Brandenburg stellte nach der Wende die SPD bislang immer den Ministerpräsidenten. Zuletzt gab es rot-rote Landesregierungen. Bei der Landtagswahl 2019 könnte die AfD in Brandenburg die erstmals stärkste Partei werden. Die geplante Kreisreform brachte die Landesregierung von SPD und Linkspartei in große Schwierigkeiten und wurde deshalb abgesagt. Diese Dokumentation soll Aufschluss geben über die sozioökonomischen und demografischen Entwicklungen im Land und der Frage nachgehen, inwiefern die Demografisierung der gesellschaftlichen Probleme der SPD und der Linkspartei geschadet haben und mit welchen Strategien der AfD entgegen getreten wird.

Tabelle: Liste der Rankings zur Zukunftsfähigkeit der Landkreise, kreisfreien Städte und Gemeinden in Sachsen
Organisation Publikation Jahr Anzahl
Untersuchungseinheiten
(Brandenburg)
Untersuchungsebene 
Berlin-Institut Deutschland 2020 - Die demografische Zukunft der Nation 2004 440 Landkreise und kreisfreie Städte
Die demografische Lage der Nation 2006 439 Landkreise und kreisfreie Städte
Bertelsmann-Stiftung Wegweiser Kommune
(Bevölkerungsprognose 2020)
2006 2.959 Gemeinden über 5.000 Einwohner
Wegweiser Kommune
(Bevölkerungsprognose 2006-2025)
2008 2.959
Wegweiser Kommune
(Bevölkerungsprognose 2012-2030)
2015 2.944
Prognos AG Zukunftsatlas 2004 439 Landkreise und kreisfreie Städte
2007 439
2010 412
2013 412
2016 402

 

Eine detaillierte Analyse der Aussagekraft der Rankings wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Dies ist in erster Linie eine Bestandsaufnahme.

Städterankings zur Zukunftsfähigkeit, zur Entwicklung des Immobilienmarkts und anderen Themen

Rankings sind Ausdruck der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme im neoliberalen Standortwettbewerb. Durch die mediale Verbreitung entsteht eine Städtehierarchie, die sich im Bewusstsein festsetzt. Die Indikatorenbildung ist nicht wertfrei, sondern ist interessengeleitet. Dadurch, dass bestimmte Indikatoren immer wieder in unterschiedlichen Kontexten maßgeblich die Bewertungen von Städten bestimmen, erhalten sie im Laufe der Zeit den Rang einer unhinterfragbaren Selbstverständlichkeit.

Bewertungen von städtischen Immobilienmärkten führen nicht nur zu einer Hierarchie der Städte, sondern führen auch zu einer innerstädtischen Hierarchie, die zwischen sozialen Brennpunkten, Szenevierteln, Trendvierteln oder Toplagen unterscheiden. In der folgenden Liste sind einige der Städterankings aufgeführt, die in Zeitschriften in regelmäßigen Abständen wiederholt werden:

Tabelle: Liste diverser Städterankings bzw. Stadtviertelrankings in Zeitschriften
Zeitschrift Typus Erstes Ranking
(Jahr)
Weitere
Rankings
(Jahr)
Abstand zwischen
den Rankings
Rankingebene Zielgruppe
Capital Immobilien-Kompass     jährlich Stadtviertel in ausgewählten Großstädten Investoren
Euro Immobilienatlas     jährlich Stadtviertel in Großstädten und Städte ab 20.000 Einwohner Investoren
Focus Großstadtranking von HWWI / Berenberg Bank 2008   zwei- bis dreijährlich Zukunftsfähigkeit bzw. Wirtschaftsstärke der 30 einwohnerstärksten Großstädte  
Focus Regionenranking   2015
2016
2018
  Wirtschaftsstärke und Lebensqualität in den Kreisen und kreisfreien Städten  
Handelsblatt Trendviertel 2011   jährlich Stadtviertel, in denen die Preise im Dreijahreszeitraum überdurchschnittlich gestiegen sind Investoren
WirtschaftsWoche Großstadtranking 2004   jährlich Zukunftsfähigkeit bzw. Wirtschaftsstärke der 50 einwohnerstärksten Großstädte oder der kreisfreien Großstädte  
WirtschaftsWoche Immobilienatlas     jährlich 50 einwohnerstärkste Großstädte Investoren

Übersicht: Gliederung von Brandenburg in Landkreise und kreisfreie Städte

Tabelle: Die vierzehn Landkreise und vier kreisfreien Städte sowie 14 Kreisstädte im Brandenburg des Jahres 2018
Landkreise/
kreisfreie Städte
Kreisstadt Stadttyp
Barnim (Sektoralkreis) Eberswalde Mittelstadt
Brandenburg an der Havel (kreisfreie Stadt) - Mittelstadt
Cottbus (kreisfreie Stadt) - Großstadt
Dahme-Spreewald (Sektoralkreis) Lübben (Spreewald) Kleinstadt
Elbe-Elster Herzberg (Elster) Kleinstadt
Frankfurt (Oder); kreisfreie Stadt - Mittelstadt
Havelland (Sektoralkreis) Rathenow Mittelstadt
Märkisch-Oderland (Sektoralkreis) Seelow Kleinstadt
Oberhavel (Sektoralkreis) Oranienburg Mittelstadt
Oberspreewald-Lausitz Senftenberg Mittelstadt
Oder-Spree (Sektoralkreis) Beeskow Kleinstadt
Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Mittelstadt
Potsdam (kreisfreie Stadt; Landeshauptstadt) - Großstadt
Potsdam-Mittelmark (Sektoralkreis) Bad Belzig Kleinstadt
Prignitz Perleberg Kleinstadt
Spree-Neiße Forst (Lausitz) Kleinstadt
Teltow-Fläming (Sektoralkreis) Luckenwalde Mittelstadt
Uckermark Prenzlau Kleinstadt
Quelle: Wikipedia

Übersicht: Die Sektoralkreise mit den Gemeinden im Berliner Umland

Tabelle: Gemeinden der acht Sektoralkreise im Berliner Umland in Brandenburg
Landkreis/
kreisfreie Stadt
Gemeinden Stadttyp
Potsdam Potsdam (Landeshauptstadt) Großstadt
Barnim Ahrensfelde  
Bernau bei Berlin Mittelstadt
Panketal  
Wandlitz  
Werneuchen Kleinstadt
Dahme-Spreewald Eichwalde  
Königs Wusterhausen Mittelstadt
Mittenwalde  
Schönefeld  
Schulzendorf  
Wildau  
Zeuthen  
Havelland Brieselang  
Dallgow-Döberitz  
Falkensee Mittelstadt
Schönwalde-Glien  
Wustermark  
Märkisch-Oderland Altlandsberg  
Fredersdorf-Vogelsdorf  
Hoppegarten  
Neuenhagen bei Berlin  
Petershagen/Eggersdorf  
Rüdersdorf bei Berlin  
Strausberg Mittelstadt
Oberhavel Birkenwerder  
Glienicke/Nordbahn  
Hennigsdorf Mittelstadt
Hohen Neuendorf Mittelstadt
Leegebruch  
Mühlenbecker Land  
Oberkrämer  
Oranienburg Mittelstadt
Velten Kleinstadt
Oder-Spree Erkner Kleinstadt
Gosen-Neu Zittau  
Grünheide (Mark)  
Schöneiche bei Berlin  
Woltersdorf  
Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow  
Michendorf  
Nuthetal  
Schwielowsee  
Stahnsdorf  
Teltow Mittelstadt
Werder (Havel) Mittelstadt
Teltow-Fläming Blankenfelde-Mahlow  
Großbeeren  
Ludwigsfelde Mittelstadt
Rangsdorf  
Quelle: Grundstücksmarktbericht 2018, S.11

2002

KRANICH, Michael (2002): Schönbohm hält Baby-Begrüßungsgeld für fragwürdig.
Kommunen mit üppig gefüllter Gemeindekasse können Bargeldzuwendungen an Neugeborene als "Patenschaftsgeld" deklarieren,
in: Märkische Allgemeine v. 09.01.

Bericht über den Streit um die Geburtenprämie, die von der Gemeinde Basdorf in Brandenburg eingeführt wurde:

"Um dem Kinderwunsch Nachdruck zu verleihen, hatte Basdorf auf eigene Faust beschlossen, neue Erdenbürger mit 1000 Mark Begrüßungsgeld zu empfangen. Das war Bestandteil eines ganzen Systems von kinder- und familienfreundlichen Maßnahmen und hat Familienminister Alwin Ziel (SPD) so gut gefallen, dass er Basdorf im Mai 2001 sogar zur familienfreundlichsten Gemeinde des Landes Brandenburg gekürt hat."

2004

GEO (2004): Der demographische Wandel: Daten, Trends und Analysen.
Kreise und Städte im Test,
in: GEO. Beilage zu den demographischen Perspektiven Deutschlands, Mai

PROGNOS (2004): Zukunftsatlas 2004.
Das Ranking zur Zukunftsfähigkeit der 439 Regionen in Deutschland,
in: Pressemitteilung der Prognos AG v. 21.07.

2005

PLATZECK, Matthias (2005): Hier Entvölkerung, dort Verdichtung.
Brandenburg erlebt beispielhaft für andere Bundesländer eine gegenläufige demografische Entwicklung. Der Osten hat die Chance, den Bevölkerungsrückgang selbst zu bewältigen. Der Aufbau Ost ist längst nicht am Ziel. Dabei macht die Abnahme der Bevölkerung schwierige Anpassungsprozesse nötig. Das Land Brandenburg will die Entwicklung aus eigener Kraft steuern,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.04.

Warum ist jetzt plötzlich das Thema "Demografische Entwicklung" bei Politikern so überaus populär? Offenbar eignet es sich dazu, aktuelles Politikversagen zu verschleiern. Falsche Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik kann elegant zum demografischen Problem umdefiniert werden. Tatsache aber ist: das so genannte demografische Problem ist weder für die Abwanderung aus den neuen Bundesländern verantwortlich noch ist der Geburtenrückgang Ursache für ökonomische Probleme schlechthin. Würde in den neuen Bundesländern die Wirtschaft florieren, dann gäbe es dort auch ausreichend Arbeitnehmer. Der Versuch, die Kausalitäten umzukehren mag populär sein, ist aber ein billiger Taschenspielertrick von Politikern, die ihre Verantwortung gerne anderen zuschieben...

2006

BÖLSCHE, Jochen (2006): Keine Zukunft für die Kuhzunft.
Sterbendes Land: Bauerndörfer ohne Bauern, Landgemeinden ohne Gemeinderat, ohne Kneipe, ohne Arzt - das Dorfsterben hat begonnen. Nicht einmal die Kirche ist heilig. Kritiker befürchten eine "soziale und politische Erosion größten Ausmaßes". Doch das Land ohne Volk hat keine Lobby in Berlin,
in: Spiegel online  v. 15.03.

Brandenburg, das bislang durchgängig von einem SPD-Ministerpräsidenten regiert wird, dient als Beispiel verfehlter Gemeindereformen:

"In dem Bundesland ist die Zahl der selbständigen Gemeinden seit der Wende von fast 2000 auf 727 zusammengeschnurrt. Wer nicht freiwillig mit dem Nachbardorf fusionieren wollte, wurde vom Land zwangsvereinigt. Ein Volksbegehren gegen den weiträumigen Demokratieabbau scheiterte, wie der Berliner »Tagesspiegel« kommentierte, an der »inzwischen großen Lethargie« in der entkräfteten, erschöpften Provinz. Wenn solche Sparmaßnahmen Schule machen, werden bundesweit Zigtausende von idealistischen Feierabendpolitikern überflüssig - was allerdings manch ein Parteifunktionär insgeheim mit Erleichterung quittieren würde. Denn in den ausgedünnten Regionen ist nicht nur die Bereitschaft gesunken, Posten in der Feuerwehr oder im Sportverein zu übernehmen, auch den Parteien fällt es immer schwerer, geeignete Bewerber für Ratsmandate zu finden."

BÖLSCHE, Jochen (2006): Polinnen als letzte Hoffnung.
Verlassenes Land, verlorenes Land: Auf der Suche nach einem guten Job oder einer guten Partie fliehen junge Frauen massenhaft vom Land in die Städte. Zurück bleiben Männer, die sich in Fernsehsucht, Suff und Fremdenhass flüchten. Politiker erwägen bereits, Ausländerinnen für die Frustrierten anzuwerben - ein fragwürdiges Konzept,
in: Spiegel online  v. 16.03.

Das brandenburgische Forst gilt BÖLSCHE als exemplarisch für die Abwanderung im Osten:

"Mittlerweile, beobachtet Markus Goldschmidt, Baudezernent der früheren Textilstadt Forst, »gehen sogar die Alten weg, sie ziehen ihren Kindern hinterher, in den Westen«. Seit der Wende hat der Ort in der Lausitz jeden fünften Einwohner verloren. Goldschmidt: »Wenn die Entwicklung so weitergeht wie jetzt, dann werden ganze Städte von den Landkarten verschwinden.« Mehr als alles andere aber schreckt die Fachleute ein Trend, der im Osten bereits spektakuläre Ausmaße angenommen hat und auch in den alten Ländern bereits wahrnehmbar ist: die Massenflucht junger Frauen aus dem ländlichen Raum in die prosperierenden Stadtregionen. Dieser Aderlass trifft die Abwanderungsregionen doppelt hart: Die Frauen sind zumeist besser gebildet als die Männer, zugleich verlieren die Regionen potenzielle Mütter - weiterer Schwund ist damit programmiert."

KRÖHNERT, Steffen/MEDICUS, Franziska/KLINGHOLZ, Reiner (2006): Die demographische Zukunft der Nation. Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen? München: Dtv, April

METZNER, Thorsten (2006): In der Altmark.
Brandenburg organisiert den Generationenwandel,
in: Tagesspiegel v. 28.05.

TUTT, Cordula (2006): "Man wird Jeep und Handy brauchen".
Brandenburg,
in: Financial Times Deutschland v. 18.07.

2007

PROGNOS (2007): Zukunftsatlas 2007.
Studie: Alle 439 Städte und Kreise im Test. Ostdeutschland holt auf Bayern und Baden-Württemberg deutschlandweit vorne,
in: Pressemitteilung der Prognos AG v. 26.03.

2008

BÜCHNER, Gerold (2008): Gesund schrumpfen.
BERLINER ZEITUNG-Tagesthema Demographischer Wandel: Die Bundesregierung fördert Initiativen gegen den Bevölkerungsschwund. Zwei Gebiete wurden für Vorzeigeprojekte ausgewählt. Brandenburg entwickelt eigene Ansätze,
in: Berliner Zeitung v. 09.01.

2009

KREITLING, Holger (2009): Die Pleite-Gemeinde.
So eine Finanzkrise ist beispiellos: In Niemegk wurde das städtische Konto gepfändet. Nichts geht mehr. Weiter geht es trotzdem,
in: Berliner Illustrierte Zeitung, Beilage der Berliner Morgenpost v. 05.04.

2010

SCHMIDT-TYCHSEN, Ingo (2010): Angst vor sozialer Ansteckung.
Die ostdeutsche Gesellschaft zerfällt immer mehr. Dies ist das Ergebnis einer in der brandenburgischen Kleinstadt Wittenberge realisierten Langzeitstudie, die von der Bundesregierung mit 1,7 Millionen Euro unterstützt wurde,
in: Tagesspiegel v. 03.03.

NUTT, Harry (2010): Als die Forscher in der Stadt blieben.
Niedergang einer Kommune,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.03.

USLAR, Moritz von (2010): Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung Köln: Kiepenheuer & Witsch

SCHOLL, Joachim (2010): Schreibtischtäter im Kuhstall.
Zwei Neuerscheinungen porträtieren die deutsche Provinz. Gespräch mit Barbara Bollwahn und Moritz von Uslar,
in: DeutschlandRadio v. 08.12.

PROGNOS (2010): Zukunftsatlas 2010.
Alle 412 Städte und Kreise im Test,
in: Pressemitteilung der Prognos AG v. 15.11.

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 20. Juli 2019
Update: 11. August 2019