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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Brandenburg im demografischen Wandel

 
       
   

Die Gleichwertigkeit der Regionen als politisches Ziel? (Teil 6)

 
       
     
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 6: 2019)

2019

RINGLE, Anna (2019): Der Riss geht mitten durch Welzow.
Brandenburg: In der Kleinstadt im Lausitzer Kohlerevier fürchten die einen um ihre Arbeitsplätze und die anderen um ihre Häuser,
in:
Neues Deutschland v. 04.01.

RADA, Uwe (2019): Ein Dorf gehört sich selbst.
Brandenburg: Nichts ungewöhnliches: Hobrechtsfelde ist eine Siedlung vor den Toren Berlins. Höchst ungewöhnlich: Das Dorf gehört komplett seinen Bewohnern. Die Mieten sind mehr als erträglich. Wie geht so was?
in:
TAZ v. 17.01.

Uwe RADA stellt uns ein Lösungskonzept für die Belange von Besserverdienenden vor: Hobrechtsfelde, ein Wohnplatz, der zur Gemeinde Panketal gehört und als Idylle zwischen Prenzlauer Berg und Naturpark Barnim beschrieben wird.

MORGENSTERN, Tomas (2019): Mehr Altstadtleben mit weniger Autos.
Brandenburgs Städte buhlen um Gäste, doch mehr Kraftverkehr wollen sie nicht,
in:
Neues Deutschland v. 19.01.

Im Mittelpunkt steht die Kleinstadt Beeskow im Oder-Spree-Kreis, deren Bürgermeister Frank STEFFEN derzeit Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg ist, in der sich 31 Kommunen zur Vertretung ihrer Interessen zusammengeschlossen haben .

BURGHARDT, Peter (2019): Herzlich willkommen.
"Wir sind 'ne blühende Landschaft geworden. Anderswo verfallen Häuser." Aus dem Osten Deutschlands wandern seit Jahren die Menschen ab, und die Alten sterben. Aber Rettung naht. Denn immer mehr Polen leben jetzt hier,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 29.01.

Peter BURGHARDT schreibt in der SZ aus der Sicht von Menkin, einem 167 Einwohner zählenden Dorf, das rund 30 Kilometer von Stettin entfernt ist:

"Polen (...) beleben deutsche Städte und Orte, aus denen das Leben in den vergangenen Jahren immer mehr verschwunden ist. Der Vorteil ist, es gibt hier spottbillige Immobilien, deutsches Kindergeld, deutschen Rentenanspruch, deutsche Schulen - und die polnische Metropole (...).
Nirgendwo an der 460 Kilometer langen Grenze sind sich deutsche Dörfer und eine polnische Großstadt so nahe wie hier. (...). 1.800 polnische Zuwanderer haben sich im Bezirk Löckwitz niedergelassen, in ganz Mecklenburg-Vorpommern sind es 12.070. Menkin liegt nur sechs Kilometer von Löcknitz entfernt. Die Polen ersetzen die abgewanderten oder verstorbenen Deutschen."

BURGHARDT erweitert mit Menkin, einem Ortsteil der brandenburgischen Landstadt Brüssow, den Blick auf Löcknitz. Brüssow, das an den Landkreis Vorpommern-Greifswald grenzt, kommt auf nicht einmal 2.000 Einwohner und mit rund 18 Einwohner pro Quadratkilometer kommt es einem Dorf näher als einer Stadt.

Das Wunder von Löcknitz ist auch seiner Funktion als Verwaltungssitz von Löcknitz-Penkun und der speziellen geografischen Lage der "Konkurrenzstadt" geschuldet, was DREISBACH unerwähnt lässt, wenn sie schreibt:

"Während in Penkun, 22 Kilometer weiter, eine Schule um ihr Fortbestehen kämpft, gibt es in Löcknitz vier Schulen mit insgesamt 1.000 Schülern: eine Grundschule, eine Förderschule, eine Regionalschule und das deutsch-polnische Gymnasium."

Mit rund 1.800 Einwohnern und 23 Einwohner pro Quadratkilometer ist die Gemeinde Penkun geradezu ein Dorf im Vergleich zu Löcknitz.

Fazit: Besonders die FAZ-Reportage malt ein zu positives Bild von der Entwicklung in Löcknitz, wenn man die dortige privilegierte Situation der Gemeinde mit der Situation anderer Gemeinden in der Region vergleicht, deren Voraussetzungen ungleich schlechter sind. Das relativiert die vermeintlichen Erfolge, die dem CDU-Bürgermeister zugeschrieben werden. Nimmt man den Internetauftritt der Gemeinde und des Amts, dann existiert in Löcknitz kein Leben mehr!

NEIßE, Wilfried (2019): Cottbus soll ministerial werden.
Brandenburg: Wissenschaftsministerium soll in Potsdam Platz für die Bundespolizei machen,
in:
Neues Deutschland v. 17.04.

FRITSCHE, Andreas (2019): Was aus Cottbus wurde und warum.
Brandenburg: Ein Opferberater und ein Wissenschaftler haben den Rechtsruck in der Stadt analysiert,
in:
Neues Deutschland v. 24.05.

"Noch bei der Landtagswahl 2014 erzielte die AfD (in Cottbus) mit 7,2 Prozent ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Landesweit hatte sie damals 12,2 Prozent bekommen. Doch schon bei der Bundestagswahl 2017 ereichte die AfD in der Stadt 24,3 Prozent und damit ihr bestes Ergebnis im Land Brandenburg. Im Oktober 2018 ergab eine Umfrage, dass 30 Prozent der Cottbuser die AfD wählen wollen. Damit würde die Partei bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag höchstwahrscheinlich die stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung werden",

befürchtet Andreas FRITSCHE.  Bei der Kommunalwahl 2019 wurde die AfD mit 22,3 Prozent und 11 Sitzen im Stadtrat von Cottbus zur stärksten Fraktion vor der CDU (17,2 %, 9 Sitze). Die Linke wurde dagegen nur viertstärkste Kraft.

FRITSCHE, Andreas (2019): Jung und alt und links.
Brandenburg: Kommunalwahlkampf auf dem Markt von Neuruppin,
in:
Neues Deutschland v. 25.05.

"Bei der Kommunalwahl 2014 landete die Linkspartei in Ostprignitz-Ruppin mit 19,9 Prozent knapp hinter SPD und CDU. Die AfD spielte damals noch keine Rolle. Sie ist bis heute im Landkreis strukturell und inhaltlich schwach. (...). Das Wahlziel der Sozialisten, ihr Ergebnis zu halten und vor der AfD zu bleibe, sollte »machbar« sein, schätzt der Kreisvorsitzende Schmudlach",

erzählt uns Andreas FRITSCHE zur Linkspartei, die mit 16,2 % Verluste von 3,7 % hinnehmen musste, aber vor der AfD mit 12,7 % blieb..

FRITSCHE, Andreas & Wilfried NEIßE (2019): SPD, CDU und Linke stürzen ab.
Brandenburg: Ergebnisse der Kommunalwahl zeigen: Nach der Landtagswahl dürfte es kompliziert werden,
in:
Neues Deutschland v. 28.05.

FRITSCHE, Andreas (2019): "Links bin ich nie gewesen".
Brandenburgs AfD-Landesgeschäftsführer Lars Hünich gehörte bis 2014 acht Jahre lang der Linkspartei an,
in:
Neues Deutschland v. 27.06.

WZB (2019): Zuwanderung vor allem in arme Stadtviertel.
WZB-Studie zeigt große Unterschiede bei sozialräumlicher Verteilung,
in: Pressemitteilung Wissenschaftszentrum Berlin
v. 05.07.

STERNBERG, Jan (2019): Im Osten was Neues.
Sachsen-Anhalt: Der Bund will den abgehängten Regionen helfen. Die Menschen dort wissen, was für sie am besten ist. Ein Besuch im Städtchen Tangerhütte,
in:
Frankfurter Rundschau v. 10.07.

Jan STERNBERG berichtet nicht nur über Tangerhütte, sondern auch über Wittenberge in Brandenburg:

"Wittenberge (...) 90 Kilometer elbabwärts, Landkreis Prignitz in Brandenburg, Rang 395 im »Prognos Zukunftsatlas«. Wittenberge war Textil- und Nähmaschinenstadt und ist immer noch Eisenbahnknotenpunkt zwischen Hamburg und Berlin. Seit den 1980er Jahren hat die Stadt die Hälfte ihrer Bewohner verloren, 17.000 sind es noch."

Dort arbeitet sich der Bürgermeister Oliver HERMANN am schlechten Image der Stadt ab. Mit dem mit 80.000 Euro aus Landesmitteln geförderten Projekt "Summer of Pioneers" sollen "digitale Nomaden" angelockt werden:

"20 Kreativarbeiter aus den Großstädten sollten ein halbes Jahr nach Wittenberge ziehen, zum Probewohnen und Arbeiten. Für 150 Euro monatlich bekommen sie eine Wohnung und einen Platz im Coworking-Space mit Elbblick (...). 60 Bewerbungen gab es (...). 20 von ihnen wurden ausgewählt, die ersten sind am 1. Juli eingezogen."       

DECKER, Markus (2019): "Wow, hier geht was!"
Brandenburg: Stephanie Auras-Lehmann verließ als Jugendliche ihren Geburtsort in Brandenburg, kam zurück und hilft nun anderen bei der Heimkehr,
in:
Frankfurter Rundschau v. 10.07.

Markus DECKER interviewt Stephanie AURAS-LEHMANN, die in Finsterwalde die Willkommensagentur Comeback Elbe-Elster gegründet hat.

NEFF, Benedict (2019): Eine Hymne auf Ostdeutschland.
Brandenburg: Aus dem AfD-Irrenhaus: Ganz Deutschland ist verrückt, nur wir sind es nicht,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 18.07.

Benedict NEFF berichtet über den AfD-Wahlkampfauftakt in Cottbus. Mehr als Emotionen schüren gegen alte weiße Männer ist da nicht drin.

FRITSCHE, Andreas (2019): Leerstand und Wohnungsnot.
Brandenburg: Der Berliner Speckgürtel und die ländlichen Regionen Brandenburgs driften auseinander,
in:
Neues Deutschland v. 18.07.

 Andreas FRITSCHE berichtet über die Kritik der Linken-Landtagsabgeordneten Anita TACK an der Sicht des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU):

"BBU-Mitgliedsunternehmen (bewirtschaften) mit zusammen knapp 340.000 Quartieren etwa die Hälfte des brandenburgischen Mietwohnungsbestandes (...). In erster Linie geprägt wird der BBU allerdings durch die Wohnungsgenossenschaften und die kommunalen Wohnungsgesellschaften (...). Nur in einem geringeren Maße sind private Firmen mit an Bord."

Wohnungsnot beginnt bei TACK bei Gemeinden mit einer Leerstandsquote von unter 3 Prozent. Ein Leerstand von 20 und mehr Prozent sei dagegen ebenfalls problematisch:

"In Lauchhammer sind es beispielsweise 30,2 Prozent, in Forst 27,8 Prozent und in Wittenberge 21,5 Prozent. (...). Dazu muss man wissen, dass seit 1990 in Brandenburg bereits 60.000 Wohnungen abgerissen worden sind und noch immer beziehungsweise jetzt wieder 27.000 Wohnungen leer stehen.
Nicht immer gibt es zum Abriss keine Alternative. Zuweilen wäre es eine Lösung, bessere Zugverbindungen nach Berlin zu schaffen."

STEINHARTER, Hannah (2019): Dynamik in der Provinz.
HB-Serie Zukunftsatlas - Berliner Umland (5): Teltow-Fläming im Süden von Berlin ist der Top-Aufsteiger. Keine andere Region in Deutschland konnte ihre wirtschaftlichen Zukunftschancen schneller verbessern,
in: Handelsblatt
v. 19.07.

"Klapproth (zog) Ende vergangenen Jahres aus dem Start-up und Bio-Milieu der Hauptstadt fort und verlegte seine Firma nach Dahlewitz in Blankenfelde Mahlow - einer Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming. (...). Die Wahl fiel (...) auf eine Industriehalle im Envo-Park (...). Der Standort ist nah genug, damit Jouis Nour seine frischen Produkte nach Berlin liefern kann, aber weit genug entfernt, um von günstigeren Mieten zu profitieren. (...).
Teltow-Fläming (...) kletterte im Zukunftsatlas 115 Plätze nach oben, belegt nun Platz 170. Auf jeweils 10.000 Einwohner kommen dort 119 Unternehmensgründungen. Die Arbeitslosenquote sank um ein Drittel auf 4,2 Prozent und gehört damit zu den Bundesweit niedrigsten Quoten",

erzählt uns Hannah STEINHARTER zum Landkreis Teltow-Fläming. Daneben wird die Landrätin Kornelia WEHLAN (Linkspartei) des Landkreises und der Amtssitz Luckenwalde angeführt:

"Wehlans Amtssitz in Luckenwalde befindet sich nicht mehr in Berlins Speckgürtel, sondern in einer »Stadt in der zweiten Reihe« - im 60 Kilometer vom Berliner Stadtzentrum entfernten Luckenwalde. Das direkte Berliner Umfeld ist längst kein Geheimtipp mehr. Nun weichen Firmen, Arbeitnehmer und Familien nach Luckenwalde und in andere Städte der zweiten Reihe aus."

Dazu wird uns die Geschichte der Biotechnologie-Firma GeneQuine erzählt, die sich in Luckenwalde niedergelassen hat, weil es sonst nirgends ausreichend S2-Labore gab:

"In Hamburg, dem Hauptsitz der Firma, gab es kein einziges. In München, dem Zentrum der Biotechnologiebranche, sind alle geeigneten Labore belegt. Nur in Luckenwalde wurde Guse im Herbst 2018 fündig. Im Biotechnologiepark von Teltow-Fläming gibt es ausreichend S2-Labore: 16 Firmen haben sich inzwischen eingemietet, damit sind alle Räume mittlerweile ausgebucht."

In den Zukunftsatlas 2019 fließen jedoch nur Zahlen bis 2017 ein. Das Beispiel taugt also nicht, um den "Aufstieg" zu erklären, sondern ist eher PR für den Landkreis. Als letztes Fallbeispiel wird uns die Süßmost- und Weinkelterei Hohenseefeld präsentiert.

Das Berliner Umland spielt in dem Artikel, anders als die Überschrift suggeriert, keine große Rolle nur ganz am Ende des Artikels heißt es:

"Neben Teltow-Fläming zeichnet sich die Entwicklung auch in anderen Landkreisen des Berliner Umlands ab. »Etwa in Potsdam-Mittelmark, in Dahme-Spreewald oder in Oberhavel«", erklärt Steffen Kammradt, Chef der Wirtschaftsförderung Brandenburg. Dass die vier Landkreise so erfolgreich sind, hat vor allem etwas mit den Autobahnen und Bundesstraßen zu tun. (...). Die Ansiedlungen entwickelten sich zu den heutigen Wirtschaftszentren des jeweiligen Landkreises und strahlen seither aus. (...).
Teltow-Fläming unterscheidet sich dabei lediglich in einem Punkt von den anderen. »Es ist der einzige Landkreis mit zwei Wachstumskernen«, sagt Kammradt.
In Ludwigsfelde hat sich mit MTU und Daimler ein Standort für innovative Verkehrstechnik herausgebildet, in Luckenwalde sammeln sich Biotechnologieunternehmen."

NEIßE, Wilfried (2019): Die Grundstückspreise steigen weiter.
Brandenburg: In Kleinmachnow kostete der Quadratmeter Bauland im vergangenen Jahr 680 Euro - mehr als in Potsdam,
in:
Neues Deutschland v. 19.07.

Wilfried NEIßE berichtet über den am Donnerstag veröffentlichten Grundstücksmarktbericht 2018 für Brandenburg.

FRITSCHE, Andreas (2019): Auf Stimmenfang beim Fischerfest.
Landtagswahl in Brandenburg: Die junge Sozialistin Claudia Sprengel kandidiert für den Landtag,
in:
Neues Deutschland v. 22.07.

Andreas FRITSCHE stellt die Linkspartei-Kandidatin Claudia SPRENGEL vor, die zum einen als Direktkandidatin im Wahlkreis 18 Potsdam/Mittelmark II antritt und zum anderen auf der Landesliste auf Platz 17 rangiert. Die Chancen stehen für die 30-Jährige eher schlecht:

"Bei der Landtagswahl 2014 landete Astrit Rabinowitz (Linke) mit 14,1 Prozent weit abgeschlagen hinter dem damaligen Bildungsminister Günter Baaske (SPD), der den Wahlkreis mit 44,9 Prozent souverän gewann. Inzwischen wechselte Baaske (...) in eine weniger stressige Rolle als Hinterbänkler im Landtag. Trotzdem ist er der Favorit im Wahlkreis. (...).
Mit Platz 17 auf der Landesliste wäre Sprengel nur dann sicher im Parlament, wenn die Linke in Brandenburg noch so stark wäre wie in früheren Jahren. (...) Doch  bei der Kommunalwahl (...) schaffte die Linke nur 14,1 Prozent und die Umfragen versprachen der Partei zuletzt für die Landtagswahl selten nennenswert mehr als das.
Allerdings liegen SPD, CDU, AfD, Linke und Grüne etwa gleichauf. Es könnte in den Wahlkreisen einige Überraschungen geben",

meint FRITSCHE, denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Gemäß wahlkreisprognose.de (Stand 21.07.2019) ist der Wahlkreis ein sicherer für die SPD, der 14 der 44 Wahlkreise zugetraut werden. Die AfD könnte bis zu 17 Wahlkreise gewinnen. Sie liegt jedoch nur im Wahlkreis 29 Oder-Spree II und 42 Spree-Neiße II 12 % und mehr vorne. Die Linke wird dagegen nur mit maximal 4 Wahlkreisen vorne gesehen, wobei nur 22 Potsdam II als sicher gilt.

Betrachtet man die Umfragen, dann zeigt sich für die Linkspartei und die CDU ein Abwärtstrend sowohl bei Infratest/dimap als auch bei INSA. Das Gegenteil trifft auf die Grünen zu. Bei SPD und AfD gibt es dagegen keinen einheitlichen Trend. Die rot-rote Landesregierung könnte bei der Landtagswahl abgestraft werden.

FRITSCHE, Andreas (2019): Die Grünen schnuppern Landluft.
Landtagswahl in Brandenburg: Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher absolviert ein Heimspiel bei einem Biobauern, sonst hat es ihre Partei abseits von Berlin noch schwer,
in:
Neues Deutschland v. 22.07.

Andreas FRITSCHEs Artikel zu den Grünen ist wesentlich dürftiger als jener zur Linksparteikandidatin. Fakten gibt es erst kurz vor Ende:

"In Potsdam könnten die Grünen einen Wahlkreis gewinnen, vielleicht auch noch ein oder zwei weitere Wahlkreise im Berliner Speckgürtel. Weit weg von dort, im Westhavelland, hat Grünen-Direktkandidat Stefan Behrens (...) keine Chance. (...) Als Favorit gilt Finanzminister Christian Görke (Linke), der den Wahlkreis schon drei Mal in Folge gewann."

GÖRKE tritt im Wahlkreis 4 Ostprignitz-Ruppin III/Havelland III an, ist aber durch die Landesliste mit Platz 4 sehr gut abgesichert. Spricht das nicht gegen einen sicheren Sieg? Auch für wahlkreisprognose.de (Stand 21.07.2019) ist der Wahlkreis keineswegs sicher für die Linken. Dort sieht man für die Grünen auch keinen sicheren Wahlkreis. Potsdam I ist derzeit am wahrscheinlichsten von den maximal vier Wahlkreisen, die den Grünen zugetraut werden.

GÖTZE, Susanne (2019): Krabats rauchende Erde.
Brandenburg: Lausitz. Die Entdeckung der Kohle setzte 1.500 Jahren sorbischer Kultur fast ein Ende. Der Strukturwandel könnte sie wiederbeleben,
in:
Freitag Nr.30 v. 25.07.

Susanne GÖTZE präsentiert uns die Sicht von David STATNIK, Vorsitzender des Bundes Lausitzer Sorben und von Hauke BARTELS, Leiter des Sorbischen Instituts, das in Cottbus und Bautzen seinen Sitz hat.

"Sprache (...) gehöre zum Gemeinwissen der Region und würde auch die regionale Identität stärken",

zitiert GÖTZE den Leiter des Sorbischen Instituts. Es geht um viel Geld aus dem Strukturstärkungsgesetz, das den Kohleausstieg abfedern soll, und nicht nur der Infrastrukturförderung zufließen soll. Im neoliberalen Sachsen heißt Infrastruktur zu allererst Autobahnbau statt z.B. Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Ob Sprachförderung jedoch die Abwanderung stoppt, darf bezweifelt werden. Während die Rechten das Völkische stärken wollen, geht es den Linken um die Ethnisierung der Konflikte durch Identitätspolitik für Minderheiten, was kaum besser ist. Von Kosmopoliten würde man erwarten, dass sie sich für die Verbesserung der grenzüberschreitenden Kommunikation einsetzen. Doch offensichtlich ist Europa nur ein Elitenprojekt!     

MORGENSTERN, Tomas (2019): Neuanlauf für älteste Bahnstrecke der Region.
Brandenburg: Zukunftsprojekt "Deutschlandtakt" des Bundesverkehrsministerium sieht die Reaktivierung der Stammbahn vor,
in:
Neues Deutschland v. 25.07.

Es ist Wahlkampf und die rot-rote Landesregierung steht mächtig unter Druck. Aber reichen ein paar Zukunftsprojekte, die zudem nur der Hauptstadtregion zu gute kommen, um die Wähler zu überzeugen? Wohl kaum! Es sieht eher nach Verzweifelung aus, wenn die "Parteizeitung der Linkspartei" ausführlich über Projekte berichtet, für die es keinerlei verbindliche Planungen gibt. Solange die "linken" Parteien lediglich als Getriebene der AfD erscheinen, ist an einen wirklichen Befreiungsschlag nicht zu denken.

MAIER, Anja (2019): Monika Mayer-Westhäuser will eine neue Politik-Richtung.
Unter Leuten: 8,7 Millionen Menschen leben in Brandenburg, Thüringen und Sachsen. Hier ist eine von ihnen,
in:
TAZ v. 26.07.

"Die 49 Jahre alte Managementtrainerin lebt mit ihrer zehnjährigen Tochter in Bad Saarow. (...) 6.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Oder-Spree (...). Der alte Kaiserbahnhof, die schmucke Uferpromenade am Scharmützelsee - viele BerlinerInnen machen hier Ferien. (...).
Vor zehn Jahren ist sie von Worms in Rheinland-Pfalz nach Bad Saarow gezogen. Dort wurde sie Mitglied der Industrie- und Handelskammer, in Vereinen und im Landesverband der CDU.
(...). Für die Landtagswahl am 1. September wünscht sie sich, dass die SPD nach 30 Jahren als Regierungspartei abgelöst wird. (...). Sie will, dass ihre CDU regiert, wenn es sein müsste, auch mit Grünen oder der AfD",

schreibt Anja MAIER in ihrem mageren Porträt, denn Monika MAYER-WESTHÄUSER ist nicht nur Mitglied im CDU-Landesverband, sondern bewarb sich auch bei der Kommunalwahl 2019 erfolglos als Kandidatin der CDU im Wahlkreis 3 des Landkreises Oder-Spree. Warum also wird eine erfolglose CDU-Politikerin porträtiert? Nur weil sie einer Koalition mit der AfD nicht abgeneigt ist?

GAMMELIN, Cerstin (2019): Ende Gelände.
Wirtschaftsreport: Im Osten der Lausitz stand einst das größte Energiekombinat der DDR. Den Fall der Mauer hat es nicht überlebt. Heute gibt es immerhin noch einen echten Exportschlager - zumindest bis 2038. Und dann?
in:
Süddeutsche Zeitung v. 27.07.

REEH, Martin (2019): Mit Taktstock und Ossi-Karte.
Lunapharm geht in die Offensive: Was bleibt ein Jahr danach vom Brandenburger Skandal um angeblich unwirksame Krebsmedikamente?
in:
TAZ v. 29.07.

Martin REEH beschreibt die ehemalige Sozialministerin Diana GOLZE als charismatische, aber mit der Führung eines Ministeriums, überforderte Linken-Politikerin, die aufgrund eines Pharmaskandals zurücktreten musste:

"Die, die in der Öffentlichkeit am besten ankommen, sind nicht unbedingt die, die Behörden (...) gut leiten können. Das Ministerium war schlecht gemanagt. (...).
Golze hatte noch vor ihrem Rücktritt eine Task-Force beauftragt (...). Der Befund: Das Landesgesundheitsamt war nach langer Sparpolitik unterbesetzt, die Vergütung auch im Vergleich zur Pharmaindustrie nicht attraktiv, der Standort abgelegen in Wünsdorf. Die Kommunikationsstrukturen stimmten nicht."

Das Hauptproblem der Neuorientierung im Gesundheitsamt sieht REEH im Standort:

"Wer pendelt schon ins 6.000-Seelen-Nest Wünsdorf, wenn er auch eine besser bezahlte Stelle in Berlin oder Potsdam haben kann? In Wünsdorf war mal die größte russische Garnison in der DDR stationiert. Als die Soldaten abzogen, siedelte das Land einige seiner Behörden dort an. Büttner will nun zumindest Teile des Gesundheitsamts nach Potsdam verlegen (...).
Ob Büttner mit dem Umzug nach Potsdam durchkommt? Der Trend geht in die andere Richtung, hin zur Behördenlandverschickung. (...). Das Ziel: den ländlichen Raum zu stärken. Nun zieht Brandenburg nach. Nachdem Rot-Rot in dieser Legislaturperiode mit einer Kreisreform, die vieles zentralisiert hätte, am Widerstand der Bürger scheiterte, ist das Gegenteil angesagt. (...). (G)ute Bewerber zu finden, spielt in den Überlegungen keine Rolle."

Wünsdorf ist seit 2003 ein Stadtteil der fast 20.000 Einwohner zählenden und stark wachsenden Kleinstadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming, die noch nicht zum Berliner Speckgürtel zählt. Warum gute Bewerber jedoch nur in Berlin oder Potsdam wohnen bzw. arbeiten möchten, ist eine arrogante kosmopolitische Sicht, die auf den umstrittenen Annahmen von Richard FLORIDA beruht.   

MORGENSTERN, Tomas (2019): Das zweite Gleis Richtung Zukunft.
Bahn nimmt abschnittsweiten Ausbau der Regionalbahnstrecke in der Lausitz in Angriff,
in:
Neues Deutschland v. 30.07.

Tomas MORGENSTERN berichtet über Zukunftspläne zum Ausbau der 29 Kilometer langen Regionalbahnstrecke zwischen Lübbenau und Cottbus. Es ist Wahlkampf und Rot-Rot steht mit dem Rücken zur Wand, weshalb sich nun die Politiker der etablierten Parteien notgedrungen dem Stiefkind ÖPNV widmen. Ob solche Verheißungen die Versäumnisse der Vergangenheit übertünchen können, darf bezweifelt werden. Dass der Bau einer nur 29 Kilometer langen Bahnstrecke 8 Jahre dauern soll, dürfte kaum als Erfolgsprojekt verstanden werden!

FRITSCHE, Andreas (2019): Richtung Osten zur Revolution.
Auf Wahlkampftour in Brandenburg mit den Linke-Spitzenkandidaten Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter,
in:
Neues Deutschland v. 30.07.

Der Bericht von Andreas FRITSCHE zeigt das ganze Ausmaß der desolaten Lage der Linkspartei:

"Kathrin Dannenbergs erwachsene Tochter (...) versorgt die Spitzenkandidaten (...), verwickelt Passanten in Gespräche und macht diese dann mit ihrer Mutter und mit Sebastian Walter bekannt. Denn deren Namen und Gesichter sind in Brandenburg vielen Bürgern noch kein Begriff. Ursprünglich wollte die Linke Sozialministerin Diana Golze zur Spitzenkandidatin machen. Die musste aber wegen eines Pharmaskandals vor einem Jahr zurücktreten. Das Duo Dannenberg und Walter ist die Ersatzvariante."

Das zu lange Festhalten an Diana GOLZE und die Posse um deren Weiterverwendung ist ein Beispiel für die Unfähigkeit der Linkspartei angemessen zu reagieren. Das hat sie mit der SPD gemein. Die neoliberalisierte Linkspartei versucht sich nun AfD-getrieben in Schadensbegrenzung, was von den Wählern kaum goutiert werden dürfte.

KAMANN, Matthias & Annelie NEUMANN (2019): Hitler, die Wehrmacht - und die Radikalität des Andreas Kalbitz.
Landtagswahl in Brandenburg: Der AfD-Spitzenkandidat in Brandenburg steht vor einem Triumph. Er hat eine neue Form für seine Gesinnung gefunden, die sich seit Jahrzehnten in Bezügen zur äußersten Rechten niederschlägt. Dazu gehören auch zwei Filme über die NS-Zeit,
in:
Welt v. 01.08.

"Vielmehr, so Schröder, profitiere die AfD davon, »dass die anderen Parteien politisch zu schwach agieren und stattdessen permanent versuchen, die AfD zu diskreditieren, was dann zu Trotz- und Gegenreaktionen in der Wählerschaft führt«,

zitieren KAMANN & NEUMANN ein ehemaliges AfD-Parteimitglied. Ansonsten wird im Artikel die Biografie des AfD-Spitzenkandidaten durchleuchtet und KALBITZ als Stütze von Alexander GAULAND in der Potsdamer Landtagsfraktion beschrieben. Ist also GAULAND nichts als eine Marionette des völkischen Flügels, den die Mainstreamzeitungen zur eigentlichen Machtbasis der AfD stilisieren. Wer aber wie die Mainstreammedien die Neoliberalen und Nationalkonservativen in der AfD - aufgrund der geistigen Nähe nicht als eigentliche Gefahr begreift, könnte bald in einem Albtraum erwachen! 

FRIEDRICH, Sebastian (2019): Das fehlende Puzzleteil.
Andreas Kalbitz ist AfD-Landeschef in Brandenburg. Der "Flügel"-Strippenzieher gilt als Kronprinz von Gauland,
in:
Freitag Nr.31 v. 01.08.

MACHOWECZ, Martin (2019): Das Lausitz-Paradox,
Wenn Deutschland aus der Kohle aussteigt, fließen allein in das ostdeutsche Revier 17 Milliarden Euro. Was tun mit all dem Geld?
in:
Die ZEIT Nr.32 v. 01.08.

Martin MACHOWECZ schreibt an der Heldensaga des Brandenburger SPD-Bürgermeisters Thomas ZENKER, der seit 1994 in der Kleinstadt Großräschen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz das Amt ausübt:

"Zenker hat (...) Erfolg. In Großräschen bekam die SPD bei der jüngsten Kommunalwahl 30 Prozent, die »Grüne Liga« 21, die AfD für Lausitzer Verhältnisse bescheidene 15."

Großräschen ist jedoch alles andere als typisch für die Lausitz:

"In gewisser Weise hat Großräschen bereits durchgemacht, was dem Großteil der Lausitz noch bevorsteht - weil der Ort seinen Kohle-Ausstieg früher erlebt hat als andere. Der Tagebau Meuro wurde 1999 stillgelegt. Da befand sich Großräschen längst im Niedergang. Die Arbeitslosigkeit stieg, zeitweise hatte jeder Zweite keinen Job, die Menschen zogen weg."

Zeigt also Großräschen, was in der Lausitz möglich ist oder hatte die Stadt lediglich das Glück des frühen Ausstiegs? Diese Frage lässt sich nicht beantworten, denn die 17 Milliarden Euro für die Lausitz sind derzeit nur Absichtserklärung einer Koalition, deren Ende durch den Ausgang der Wahlen in Ostdeutschland schneller kommen könnte als es derzeit aussieht.

Die Empfehlungen der Kohlekommission und die Absichtserklärungen der Politiker sind nichts wert, sondern reine Wahlkampfpropaganda:

"Die wesentlichen Entscheidungen werden nach den ostdeutschen Landtagswahlen fallen. Was, wenn dann die Angst vor der AfD gar nicht mehr so groß ist - könnte dann, womöglich, das eine oder andere Projekt doch noch unter den Tisch fallen. Jemand in einflussreicher Position in Dresden sagt dazu: »Man stelle sich mal vor, es gibt Neuwahlen im Bund, und Robert Habeck wird Kanzler. Vielleicht wird aus dem, was hier verhandelt wurde, dann niemals konkrete Politik«".

Dass Robert HABECK demnächst Kanzler wird, ist unwahrscheinlich, genauso, dass die Angst vor der AfD schnell schwinden könnte. Wahrscheinlicher ist, dass die Leute in Ostdeutschland sehr genau wissen, dass sie nur durch die Stärkung der AfD sicher sein können, dass die abgehängte Region weiter im Fokus der Politik bleibt. Schließlich tun die etablierten Parteien alles dafür, dass das Misstrauen wächst!       

MORGENSTERN, Tomas (2019): Mehr neue Lehrer für mehr Schüler.
Zum Schuljahresbeginn stellt das Land 1474 Pädagogen ein, ein Drittel sind Seiteneinsteiger,
in:
Neues Deutschland v. 02.08.

Tomas MORGENSTERN lobt die Bildungspolitik in Brandenburg. Tatsächlich hat Brandenburg NOCH weniger Probleme als Sachsen. Ein Drittel Seiteneinsteiger, obwohl Brandenburg noch gut dasteht, ist jedoch keine beruhigende Nachricht, weil das eigentliche Problem erst in den nächsten Jahren überhaupt im Schulbereich spürbar wird.

MAIER, Anja (2019): Wer wandert da und lacht so froh? Ingo! Ingo!
Nahaufnahme: Der Spitzenkandidat der CDU in Brandenburg mag die Linke lieber als die AfD. Sein Song für den Wahlkampf klingt ... einzigartig. Wer ist er? Eine Wanderung mit Ingo Senftleben,
in:
TAZ v. 02.08.

Anja MAIER streicht die grünenaffinen Aspekte des CDU-Spitzenkandidaten Ingo SENFTLEBEN heraus, in erster Linie also eine Politik für Frauen, die jedoch am Widerstand der CDU gescheitert ist, weil sich die frauenfreundliche CDU-Liste nicht durchsetzen ließ:

"Platz 2,4 und 6 hatte Senftleben für moderne Politikerinnen reserviert, selbst die Rechtsauslegerin Saskia Ludwig hatte Senftleben mit Platz 8 einzubinden versucht.
(...). Von den Frauen überlebten nur die liberalkonservative Kristy Augustin auf Platz 2 und Saskia Ludwig. Alle anderen wurden nach hinten durchgestimmt".

Platz 18, den Anja SCHMOLLACK belegen sollte, stuft MAIER noch als aussichtsreich aus, während der Platz 26, der SCHMOLLACK dann zugestanden wurde, als "eher chancenlos" eingestuft wird.

"(D)ie Oberhaveler Landtagskandidatin Nicole Walter-Mundt (...) kandidiert auf Platz 16 der Landesliste. Die 41 Jahre alte Hausfrau und Mutter von zwei Kindern hat gute Chancen, im nächsten Landtag zu sitzen. (...).
Vor elf Jahren ist sie in die CDU eingetreten, sie ist Kreisvorsitzende der Frauen-Union, kümmert sich im Sozialausschuss um die Anliegen von Familien, Bedürftigen, Alten",

nennt MAIER noch eine weitere weibliche Kandidatin im letzten Drittel des Berichts. SENFTLEBEN wird innerhalb seiner Partei auch wegen seiner fehlenden Absage an eine Koalition mit den Linken angefeindet. MAIER sieht in Brandenburg eine rot-rot-grüne Koalition als machbar. Zitiert werden Zahlen, die keiner Umfrage auf wahlrecht.de entsprechen. Weder das Meinungsforschungsinstitut noch das Datum der Umfrage wird in der taz genannt, was unseriös ist!     

HAGEN, Kevin & Valerie HÖHNE (2019): Ups, wir könnten gewinnen.
Parteien: Die einen schrumpfen in Brandenburg seit Jahren, die anderen spielten lange keine Rolle. Nun könnten ausgerechnet Linkspartei und Grüne im Nordosten bald den Regierungschef stellen,
in:
Spiegel Nr.32 v. 03.08.

Der Spiegel ist in der Krise, denn sonst hätte er nicht solch einen sensationsgeilen Artikel nötig. HAGEN & HÖHNE stellen uns den unbekannten Linkspartei-Spitzenkandidat Sebastian WALTER als möglichen nächsten Ministerpräsidenten von Brandenburg vor, weil bei der jüngsten Onlineumfrage beide Parteien fast gleichauf lagen! Online-Umfragen haben den Nachteil, dass sie vor allem jüngere Wähler repräsentieren, die bekanntlich für den Wahlausgang weniger entscheidend sind. Man muss das Porträt also eher als Vorstellung eines unbekannten Kandidaten werten.

Der Spiegel hätte auch viel lieber die grüne Annalena BAERBOCK als erste grüne Ministerpräsidentin in Ostdeutschland. Ob sich jedoch ihre guten Umfragewerte auch an der Urne einlösen lassen, das ist die andere Frage. 

RIETZSCHEL, Antonie & Jens SCHNEIDER (2019): Mittelfinger des Ostens.
Brandenburg, Sachsen und Thüringen: In den ostdeutschen Wahlkämpfen inszeniert sich die AfD als Erbin der Wende. Obwohl ihre Protagonisten gar nicht dabei waren, gelingt ihr so, worum sich andere Parteien vergeblich mühen: die Stimmung zu treffen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.08.

"In Brandenburg liegt die SPD Umfragen zufolge bei 19 Prozent, das wäre ein dramatischer Einbruch in ihrem ostdeutschen Stammland, wo sie seit 1990 durchgehend den Regierungschef stellt. 2014 erreichte sie noch 31 Prozent. Ministerpräsident Dietmar Woidke will sich mit dem Slogan »Ein Brandenburg« gegen den Machtverlust stemmen und den Wählern erklären, dass es keine abgehängten Regionen geben solle (...). Seine Partei regiert freilich seit Jahren im Land und im Bund",

entgegnen zu Recht RIETZSCHEL & SCHNEIDER.

HEIDTMANN, Jan (2019): Schaut auf diese Stadt.
Die Linke regiert in Brandenburg mit, doch Umfragen verheißen ihr für die Landtagswahl nichts Gutes. Wie den Niedergang stoppen? Ein junger Oberbürgermeister zeigt seinen Parteifreunden, wie das gehen könnte,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 06.08.

Jan HEIDTMANN präsentiert uns den Oberbürgermeister von Frankfurt an der Oder, den 35-jährigen René WILKE, als Hoffnungsträger der Linkspartei. Im Wahlkreis 35 kandidiert jedoch mit Wolfgang NEUMANN das genaue Gegenteil: ein 69-Jähriger. Wahlkreisprognose.de sieht im Wahlkreis 35 leichte Vorteile für die AfD. Election.de sieht dagegen die Linke mit 63 %-Wahrscheinlichkeit vor der AfD vorne. Es läuft also in diesem Wahlkreis auf ein Duell zwischen den Direktkandidaten von Linken und der AfD hinaus.

FRITSCHE, Andreas & Wilfried NEIßE (2019): Wer mit wem und gegen wen?
Landtagswahl in Brandenburg: Die brandenburgische SPD erklärt die AfD zu ihrem Hauptfeind im Landtagswahlkampf,
in:
Neues Deutschland v. 07.08.

nerven uns mit einer Wahlkampfrede des SPD-Fraktionschef Mike BISCHOFF. Das hätte man in drei Sätzen abhaken können und nicht einen halben Artikel damit pflastern. Typisch Parteizeitung!

"Bischoff distanzierte sich von dieser Tage bekannt gewordenen Forderungen des Hallenser Wirtschaftswissenschaftlers Reint Gropp, die Politik sollte Mittel künftig auf die Großstädte und auf die Anbindung des Umlands an die urbanen Zentren konzentrieren",

heißt es. Haben also  FRITSCHE & NEIßE das ganze Jahr im Tiefschlaf verbracht? Sonst wüssten sie, dass diese Forderung seit März kursiert:

"Ich möchte jetzt wegkommen von dem Wort Stadt. Es gibt in Ostdeutschland sowieso relativ wenig Ballungsräume, wie Sie ja wissen. Es gibt am Ende ja nur Berlin, Halle, Leipzig, Dresden und noch einige andere, aber es ist relativ dünner besiedelt als der Westen. Da sollte man schon versuchen zu investieren, um dort attraktiver zu werden für die neue Wirtschaft, und die neue Wirtschaft wird nicht getrieben sein von staatlichen Entscheidungen, sondern die wird getrieben sein von den Entscheidungen einzelner Unternehmer, von Startups, von solchen Menschen, die etwas bewegen wollen, und diese Menschen muss man überhaupt erst mal in den Osten bekommen. Berlin ist da erfolgreich gewesen. Wir müssen aber sehen, dass wir auch in anderen Regionen erfolgreicher sind. Da geht es nicht nur um Leipzig, sondern da geht es um Leipzig, Halle, Delitzsch und andere umliegende Gemeinden. Das wäre tatsächlich eine sinnvolle Infrastruktur-Investition",

meint GROPP  z.B. in einem Deutschlandfunkinterview vom Mai 2019. Die ganze Medien-Debatte lässt sich auf der IWH-Homepage hier nachlesen. Die zweite Hälfte des Artikels wird Koalitionsmöglichkeiten gewidmet und der Frage, wer den künftigen Ministerpräsidenten stellen könnte. Dazu ist im Spiegel bereits alles gesagt worden.

FRITSCHE, Andreas (2019): Im Zentrum der Revolution.
Landtagswahl in Brandenburg: In Brandenburgs Wahlkreisen ist am 1. September alles möglich - in Potsdam dominieren Linke und Grüne,
in:
Neues Deutschland v. 07.08.

Andreas FRITSCHE stellt uns zwei Direktwahlkandidaten der Linkspartei vor. Zum einen Hans-Jürgen SCHARFENBERG, der als im Lokalen verankerter Kümmerer beschrieben wird:

"Scharfenberg (...) versucht (...). seinen Landtagswahlkreis im südlichen Teil von Potsdam zum dritten Mal zu gewinnen. Dort wohnt er in einem 1999 gebauten Eigenheim in einer Siedlung mitten im Plattenbauviertel am Stern. (...). Am Stern wohnen 16.000 Menschen. Außerdem gibt es im Wahlkreis noch den Schlaatz und die Waldstadt I und II - alles in der DDR errichtete Neubausiedlungen, in denen Scharfenberg schon lange als der heimliche Ortsteilbürgermeister gilt. (...).
Zum Keplerplatz kann Scharfenberg zu Fuß gehen. Er nennt ihn »das revolutionäre Zentrum von Potsdam«. (...) Er hat persönlich Einfluss genommen, dass die Gegend nach der Wende nicht vernachlässigt wurde und lebenswert geblieben ist. Hier gibt es keinen Leerstand."

SCHARFENBERGs Wahlkreis 22 - Potsdam ist sowohl bei election.de als auch bei wahlkreisprognose.de ein sicherer Wahlkreis für die Linkspartei.

"Lediglich ein einziger Wahlkreis in der Uckermark gilt als sicher für eine Partei - die SPD. Dort tritt SPD-Fraktionschef Mike BISCHOFF an. Sonst ist gar nichts sicher",

meint FRITSCHE. Das stimmt mit der Sicht von election.de überein, während wahlkreisprognose.de neben dem Wahlkreis 12 Uckermark II noch den Wahlkreis 41 Spree-Neiße I und 18 Potsdamm-Mittelmark II als sicher einstuft.

Im letzten Drittel des einseitigen Berichts geht FRITSCHE auf den Wahlkampf der Grünen-Politikerin Marie SCHÄFFER ein, die durch den Listenplatz 7 abgesichert ist, falls sie ihren Wahlkreis 22 Potsdam I nicht gewinnt. Sowohl election.de als auch wahlkreisprognose.de sehen SCHÄFFER im Vorteil. FRITSCHE beschreibt den Haustürwahlkampf:

"Da ist zum Beispiel der 16 Stockwerke hohe Wohnblock an der Breiten Straße 22. Die Bewohner sind untypisch für den nördlichen Potsdamer Wahlkreis. In anderen Ortsteilen wie Babelsberg und Berliner Vorstadt hat sich durch zugezogene Westdeutsche eine alternative Szene etabliert oder zumindest ein linksliberales Milieu, das den Grünen zuneigt. Dort hat es Schäffer einfach. Doch hier im Plattenbau ist es wie in Scharfenbergs Revier am Kepplerplatz. Die zumeist älteren Mieter sind Stammwähler der Linkspartei oder aber von der Politik insgesamt enttäuscht."

In der Parteizeitung der Linkspartei darf natürlich die Konkurrentin nicht fehlen:

"Auch Schäffers direkte Konkurrentin, die junge Landtagsabgeordnete Isabelle Vandre (Linke), macht Haustürwahlkampf. Die stellt es allerdings ein wenig geschickter an",

meint FRITSCHE. Wer erfolgreicher ist, das wird sich in drei Wochen zeigen! Isabelle VANDRE ist wie die grüne Konkurrentin ebenfalls mit Listenplatz 7 abgesichert, was FRITSCHE unterschlägt.

FRITSCHE, Andreas (2019): Den Armen helfen wie die Kommunisten.
Landtagswahl in Brandenburg: Kandidatin Franziska Schneider (Linke) will als Landtagsabgeordnete nur 2.000 Euro für sich behalten,
in:
Neues Deutschland v. 08.08.

"Franziska Schneider (...) möchte ihren Lebensstil nicht ändern. Muss sie aber eventuell. Denn bei der Brandenburger Landtagswahl am 1. September kandidiert sie für den Landtag. Sie steht auf Platz 13 der Landesliste der Linkspartei, und sie tritt direkt an im Wahlkreis 31, zu dem ihre Heimatstadt Erkner gehört. Außerdem umfasst der Wahlkreis die Gemeinden Hoppegarten, Neuenhagen, Schöneiche und Woltersdorf.
Renate Adolph hat diesen Wahlkreis 2004 und 2009 für die Linke gewonnen. Aber das waren andere Zeiten (...).
Michael Voges, Vorsitzender der Basisorganisation in Erkner, sieht nüchtern nur eine ganz kleine Chance (...) den Platzhirsch von der SPD, Agrarminister Jörg Vogelsänger zu besiegen. Allerdings ist es für die Linke gegen den Landestrend in Erkner für die Linke sehr gut bei der Kommunalwahl am 26. Mai (gelaufen). (...). Auch in Hoppegarten sieht es gut aus. Dort stellt sich Bürgermeister Karsten Knobbe (Linke) am 1. September den Bürgern zu Wiederwahl. (...).
Es gibt tatsächlich eine Prognose von election.de, dass Schneider vor ihren Mitbewerbern Erdmute Scheufele (Grüne) und Jörg Vogelsänger (SPD) landen könnte. (...).
Listenplatz 13 ist nicht schlecht, aber keineswegs sicher. (...). In Brandenburg entspricht ein Prozent ungefähr einem Sitz im Landtag. Doch die Direktmandate gehen vor",

informiert uns Andreas FRITSCHE. Der Wahlkreis 31 Märkisch-Oderland I/Oder-Spree IV liegt noch im Berliner Speckgürtel. SCHNEIDER führt eher einen unkonventionellen Wahlkampf:

"Das Modell »Helfen statt Reden« hat sie sich von Ernest Kaltenegger abgeschaut. Der war für die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) von 1998 bis 2005 Wohnungsbaustadtrat in Graz und danach bis 2010 Landtagsabgeordneter in der Steiermark. Wegen seines Engagements für bedrängte Mieter erfuhr er Zustimmung aus breiten Bevölkerungsschichten und erreichte Wahlergebnisse, die für seine Splitterpartei KPÖ sonst außerhalb jeder Vorstellung lagen."

SCHNEIDER versucht an die frühere ostdeutsche Kümmererpartei PDS anzuknüpfen. In drei Wochen wissen wir mehr.

FRITSCHE, Andreas (2019): Gregor Gysi würde Wolfgang Neumann wählen.
Landtagswahl in Brandenburg: Der Bundestagsabgeordnete betätigt sich als Sprecher in einem Werbespot des Landtagskandidaten,
in:
Neues Deutschland v. 09.08.

Andreas FRITSCHE berichtet über den traditionellen Wahlkampf von Wolfgang NEUMANN im Wahlkreis 35 Frankfurt/Oder. Der Promi-Faktor soll den Linken das Mandat sichern. Ob diese Rechnung aufgeht?

LEHMANN, Timo/MÜLLER, Ann-Katrin/PIEPER, Milena (2019): Sie sind schon da.
Demokratie: In den drei ostdeutschen Bundesländern, in denen bald gewählt wird, ist die AfD längst Volkspartei, sie könnte auf dem ersten Platz landen. Woher schöpft die Partei ihre Kraft? Eine Spurensuche in fünf Gemeinden,
in:
Spiegel Nr.33 v. 10.08.

LEHMANN/MÜLLER/PIEPER stellen zwei AfD-Politiker aus Brandenburg vor, die typisch für die kommunale Verankerung der AfD sein sollen. Zum einen:

"Daniel von Lützow, 45, lehnt am Türrahmen der Geschäftsstelle des AfD-Kreisverbands Teltow-Fläming im brandenburgischen Zossen (...). Lützow sitzt für die AfD im Gemeinderat seines Heimatorts Blankenfelde-Mahlow, ist Kreistagsabgeordneter und stellvertretender Landesparteichef. (...). Nun tritt er auch als Direktkandidat für die Landtagswahl an.
Seine Chancen stehen gut, bei der Europawahl gewann die AfD im Landkreis.
Lützow ist verheiratet, Vater von fünf Kindern, Maurer und ehemaliger Zeitsoldat. (...).
Das Geschäft mit der Angst funktioniert: Bei den Kommunalwahlen im Mai konnte die AfD ihr Ergebnis in der Gemeinde mehr als verdoppeln. Sie erhielt fünf Mandate in Blankenfelde-Mahlow, Lützow bekam dort die meisten Stimmen aller Kandidaten - 340 mehr als der amtierende SPD-Bürgermeister. (...). Früher spielte er Fußball und Handball, heute ist er Elternvertreter einer Grundschule, bei dem Traditionsverband der Lützower Jäger von 1813 und bei der freiwilligen Feuerwehr."

Daniel Freiherr von Lützow tritt im Wahlkreis 25 - Teltow-Fläming III an. Während election.de (Stand 11.08.2019) die CDU vorne sieht, hat bei wahlkreisprognose.de (Stand 12.08.2019) die AfD leichte Vorteile.

Zum anderen:

"Dominik Kaufner, ein Lehrer aus Brandenburg. Der 36-Jährige (...) steht am Rande eines Fußballplatzes in Dallgow-Döberitz, sein Sohn hat gerade Training. Früher war Kaufner selbst Co-Trainer.
Der AfD-Politiker hat in Geschichte promoviert und war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bayrische Landesgeschichte der Universität Regensburg. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit einem Kloster. (...).
Noch unterrichtet Kaufner an einem Gymnasium in Berlin-Spandau, 20 Minuten von seinem Brandenburger Wohnort entfernt. Aber vielleicht nicht mehr lange: Er kandidiert für ein Direktmandat im Landtag. (...). Wie die meisten führenden Funktionäre im Osten ist auch der Lehrer Kaufner Teil der AfD-Bewegung »Flügel«."

Dominik KAUFNER tritt im Wahlkreis 5 - Havelland 1 an. Sowohl election.de (Stand 11.08.2019) als auch wahlkreisprognose.de (Stand 12.08.2019) sehen den SPD-Kandidaten Johannes FUNKE mit leichten Vorteilen vorne.

ORDE, Sabine am (2019): "Sie haben erlebt, dass ein System kollabiert".
Vor den Landtagswahlen inszeniert sich die AfD als neue Bürgerrechtsbewegung und vergleicht die Bundesrepublik mit der DDR. Woher kommt das. David Begrich erklärt, was ostdeutsche Comics mit dem Erfolg der AfD zu tun haben,
in:
TAZ v. 10.08.

LÖHR, Julia (2019): Mojito für alle: Die Gentrifizierung erreicht das Dorf.
Immer mehr Städter richten sich auf dem Land alte Höfe und Fabriken zum Leben und Arbeiten her. Eigentlich müssten sie willkommen sein. Aber dem ist nicht überall so,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.08.

Julia LÖHR stellt die Broschüre Urbane Dörfer vor, wobei Gerswalde in Brandenburg im Vordergrund steht:

"Längst gilt Gerswalde als »Hipsterdorf in der Uckermark«, eine Art zweites Berlin-Mitte, nur viel grüner und ohne Partytouristen, die nachts in den Hauseingang urinieren. (...).
Jan Lindenberg zum Beispiel wäre ohne das japanische Café kaum in Gerswalde gelandet."

Vergreisung und hohe Bevölkerungsverluste werden uns als Probleme beschrieben, obwohl die Projekte keineswegs in den besonders bedrohten Gebieten angesiedelt sind. Auch der Hof Prädikow darf nicht fehlen. Im Gegensatz zu anderen Medienberichten wird auch auf die Probleme hingewiesen, die Hipster verursachen:

"Manchmal formiert sich auch handfester Widerstand, etwa in Röblingen, wo eine Gruppe Städter in ein verlassenes Bahnhofsgebäude zog, was zuvor der inoffizielle Treffpunkt der Dorfjugend war. (...). In Gerswalde wiederum schauen sich am Wochenende mittlerweile so viele Berliner Immobilien an, dass manchen Alteingesessenen eine eher städtische Angst umtreibt: die Gentrifizierung."

Gentrifizierung ist im kosmopolitischen Milieu das ultimative Problemlösungsmittel, weshalb es kaum verwundert, dass Reiner KLINGHOLZ die Gentrifizierung von Dörfern propagiert. Das Problem ist für ihn eher, dass die Städter das Landleben schnell satt haben könnten. Aus Familienwanderern werden in dieser Sicht landflüchtige Empty-Nest-Wanderer und die AfD-Erfolge könnten Hipster schnell verjagen.

WEHNER, Markus (2019): Grüne stellen sich auf Spitzenamt in Brandenburg ein.
Landtagswahl in Brandenburg: Nonnemacher: Stehe bereit. AfD in Umfragen stärkste Partei. Bartsch gegen Bündnis von Linkspartei und CDU,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.08.

Der Spiegel hat gerufen, aber statt BAERBOCK prescht bei den Grünen nur Ursula NONNEMACHER vor. WEHNER begründet die Ministerpräsidentinnenfrage damit, dass eine Forsa-Umfrage vom 09.08.2019, die Grünen nur 1 % hinter der SPD sieht. Das aber hatte bereits eine Infratest-dimap-Umfrage fast zwei Monate zuvor ebenfalls erbracht. Damals standen die Grünen sogar bei 17 % statt nur bei 16 %. Die Brandenburger Linkspartei wäre - im Gegensatz zur Bundespartei - einer Koalition mit CDU und Grünen gegenüber aufgeschlossen, behauptet WEHNER.

Alle Planspiele sind jedoch Makulatur, wenn die FDP an der 5 %-Hürde scheitert und die Splitterparteien weniger Prozente erreichen.

FRITSCHE, Andreas (2019): Ingo fast ganz oben angekommen.
Landtagswahl in Brandenburg: CDU-Spitzenkandidat beendete seine Wahlkampftour durch Brandenburg auf der Heidehöhe,
in:
Neues Deutschland v. 12.08.

Andreas FRITSCHE stellt den Maurer Ingo SENFTLEBEN vor, der sich auf dem zweiten Bildungsweg zum Hochbautechniker fortbildete. Hatte noch bis vor nicht allzu langer Zeit jeder Politiker Akademiker (am besten mit Doktortitel) sein wollen, so betrachten nun Politiker ihre Proletenherkunft als Auszeichnung. Ohne die Erfolge der AfD ist das nicht erklärbar.

"Während die alte Arbeiterpartei SPD mit dem Agraringenieur Dietmar Woidke an der Spitze in den Landtagskampf zieht und die ebenfalls in der Arbeiterbewegung wurzelnde Linke mit der Lehrerin Kathrin Dannenberg, hat die bürgerliche CDU also einen Arbeiter nominiert",

rückt FRITSCHE die Herkunft der Kandidaten in den Mittelpunkt. Es geht jedoch u.a. um den Manager Robert TREBUS, der im Wahlkreis 25 Teltow-Fläming III für die CDU antritt. Election.de sieht die CDU vorne, während wahlkreisprognose.de der AfD mehr Chancen einräumt.

Im Seebad Rangsdorf wird uns Jürgen MUSCHINSKY, Vorsitzender der Senioren-Union, und entschiedener Gegner einer Koalition mit der Linkspartei, präsentiert.  

NEUES DEUTSCHLAND-Titelgeschichte: Dorfidyll mit Flatrate.
Eine Studie sieht in der Digitalisierung eine Chance, die Landflucht zu stoppen

FRIELINGHAUS, Jana (2019): Stadtflucht als Gruppenprojekt.
Eine Studie empfiehlt dörflichen Kommunen, die Landlust urbaner Kreativer zu fördern,
in:
Neues Deutschland v. 13.08.

Jana FRIELINGHAUS stellt die Broschüre Urbane Dörfer vor, wobei es nur um den Hof Prädikow in der rund 1.000 Einwohner zählenden Brandenburger Gemeinde Prötzel im Landkreis Märkisch-Oderland geht. Begründet wird die Förderung "urbaner Dörfer" mit einem weiteren deutlichen Bevölkerungsrückgang "vor allem im ländlichen Raum". Nur liegt das vorgestellte Projekt nicht im ländlichen Raum, sondern im Berliner Speckgürtel.

DRIBBUSCH, Barbara (2019): Homeoffice in der Landkommune.
Die Digitalisierung der Arbeitswelt ermöglicht neue kollektive Wohn- und Arbeitsprojekte auf dem Land. Aber so ganz weit draußen soll es dann doch nicht sein. Neue Studie,
in:
TAZ v. 13.08.

Barbara DRIBBUSCH stellt die Broschüre Urbane Dörfer vor, wobei es - wie bei Jana FRIELINGHAUS - nur um den Hof Prädikow in der rund 1.000 Einwohner zählenden Brandenburger Gemeinde Prötzel im Landkreis Märkisch-Oderland geht. Im Bericht ist nichts darüber zu lesen, dass es sich bei dem Projekt nur um eine Planung handelt. Bislang existieren nur 45 Genossenschaftsmitglieder mit ihren Ideen.

BEITZER, Hannah (2019): Homeoffice in Prädikow.
Die Digitalisierung kann den ländlichen Raum neu beleben,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 13.08.

Bei Hannah BEITZER verbindet sich der Bericht über Urbane Dörfer mit einer Grafik zum Leerstand in Ostdeutschland im Jahr 2017. Würde man diese jedoch mit einer Grafik vergleichen können, in der die betrachteten Projektstandorte eingezeichnet sind, dann wäre ersichtlich, dass ausgerechnet die Gebiete mit dem geringsten Leerstand jene Gebiete sind, in denen sich in erster Linie die Projekte angesiedelt haben.

MENKENS, Sabine (2019): Vom glücklichen Arbeiten in der Provinz.
Hohe Mieten und der Wunsch nach Natur treiben eine neue Klientel in die Dörfer. Junge Städter wollen das Landleben neu erfinden. Kann das funktionieren?
in:
Welt v. 13.08.

Sabine MENKENS beschränkt sich nicht auf die Projekte in der Broschüre Urbane Dörfer, bleibt jedoch auch auf Brandenburg fixiert: Im Ortsteil Raddusch der Spreewald-Kleinstadt Vetschau wird das Projekt "Kaiserliche Postagentur" besucht. Daneben werden lediglich der Hof Prädikow und das Projekt Coconat in Bad Belzig, beide in Brandenburg, genannt.

FRITSCHE, Andreas (2019): Kein Abschied von der Politik.
Landtagswahl in Brandenburg: Linksfraktionschef Ralf Christoffers will und kann seinen Landtagswahlkreis gewinnen,
in:
Neues Deutschland v. 13.08.

"Ralf Christoffers (Linke) (...) bemühte sich nicht um einen Platz auf der Landesliste seiner Partei. Im bleibt also nur eine Möglichkeit: Er muss seinen Wahlkreis im nördlichen Berliner Umland gewinnen, der aus der Stadt Bernau und der Gemeinde Panketal besteht. (...). (D)ie Linke (gab) bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 nach langer Zeit ihre Führungsposition in Bernau ab. Sie wurde bei der Wahl des Stadtparlaments erstmals knapp überflügelt von den Freien Wählern, deren Landesvorsitzender Péter Vida nun auch den hiesigen Landtagswahlkreis gewinnen möchte. Wenn ihm das gelingt, schaltet dies die Fünf-Prozent-Hürde aus, an der die Freien Wähler sonst mit vier Prozent zu scheitern drohen",

erklärt uns Andreas FRITSCHE die Situation im Wahlkreis 14 - Barnim II. Ralf CHRISTOFFERS war 2009-2014 Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg und Befürworter des Braunkohletagebaus Welzow-Süd II. Davon will er nun nichts mehr wissen. Ob dieser Opportunismus jedoch von den Wählern goutiert wird, das ist die entscheidende Frage. Während election.de die Linkspartei im Wahlkreis 14 vor der AfD sieht, liegen bei wahlkreisprognose.de die Freien Wähler vorne. Das Rennen ist hier also noch offen.

NEIßE, Wilfried (2019): Die ersten Maßnahmen der CDU-Macht.
Landtagswahl in Brandenburg: Wenn Ingo Senftleben (CDU) nach der Brandenburger Landtagswahl am 1. September Ministerpräsident wird, dann hat er ein Sofortprogramm für die ersten 100 Tage im Schreibtisch,
in:
Neues Deutschland v. 16.08.

 
     
 
       
   

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webmaster@single-generation.de Erstellt: 20. Juli 2019
Update: 16. August 2019