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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Sachsen-Anhalt im demografischen Wandel

 
       
   

Ein ganzes Bundesland als gefährdete Region (Teil 5)

 
       
     
   
     
 

Kommentierte Bibliografie (Teil 5: 2019 )

2019

LASCH, Hendrik (2019): Pop-up-Dinner in der Provinz.
Sachsen-Anhalt: Viele Industriebrachen, viel Platz und ein Faible für moderne Kunst: Die Kleinstadt Zeitz bietet sich als Zuflucht für verdrängte Großstädter an - zum Beispiel aus Leipzig,
in:
Neues Deutschland v. 02.01.

Hendrik LASCH berichtet über die kleine Mittelstadt Zeitz in Sachsen-Anhalt, die ihren Niedergang stoppen möchte und an vergangene Blütenzeiten anknöpfen möchte::

"Die Stadt an der Weißen Elster, die im Jahr 968 zum Bischofssitz wurde, hat es auch in späteren Jahrhunderten immer wieder zur Blüte gebracht und vor allem mit Industrialisierung und Gründerzeit einen enormen Aufschwung erlebt. Dafür sorgte zum Teil die Braunkohle, die bis heute in der Gegend gefördert wird. Die Brikettfabrik »Hermannschacht«, heute technisches Denkmal, gilt als älteste erhaltene Anlage ihrer Art weltweit. Großes handwerkliches Können manifestierte sich aber auch auf andere Weise. Es gab allein acht Pianofabriken und über 30 Betriebe, die Kinderwagen herstellten. In der DDR wurden sie unter der bekannten Marke »Zekiwa« zusammengefasst."

Die Wende wird als Einschnitt beschrieben, von der sich die Stadt bislang noch nicht erholt hat:

"Viele der Fabrikgebäude stehen - als Zeugen einstiger Größe und als Mahnmale des Niedergangs - noch immer in der Stadt. In den Augen Außenstehender mögen sie einen morbiden Charme verbreiten; Journalisten, die Zeitz besuchen, nehmen sie aber auch gern als Inbegriff für den Niedergang der ostdeutschen Provinz: Von »Geisterstadt« war in der Hamburger Wochenzeitung »Zeit« die Rede. Verstärkt wird der Eindruck durch blinde Fenster in vielen Wohnhäusern. Die Einwohnerzahl von Zeitz sank seit 1990 von 44 000 auf 29 000; in der Stadt stehen 4800 Wohnungen leer, eine Quote von 23 Prozent."

Es ist schon merkwürdig, wie Journalisten den Sinngehalt von Medienberichten in anderen Zeitungen verdrehen. Der ZEIT-Artikel war ein Online-Artikel von Katharina WECKER vom 26. Juni 2018 und fragte: Zeitz: Wird die Geisterstadt bald Konkurrenz fürs hippe Leipzig? Darin wird heißt es dann wiederum:

"Der Deutschlandfunk nennt Zeitz eine »Geisterstadt«. Die Hälfte der Einwohner*innen ist nach der Wende weggezogen, als die meisten Unternehmen pleite gingen oder in den Westen umsiedelten. Jedes dritte Haus steht heute leer, eine Dreizimmerwohnung kriegt man bereits für 300 Euro kalt. Als ich in Zeitz ankomme, werde ich überrascht. Denn die Stadt hat einiges zu bieten. Allerdings erst auf den zweiten Blick."

Der Deutschlandfunk berichtet am 18. September 2017 im Rahmen der Reihe Abgehängte Regionen über Zeitz. Die Headline lautet: Fast schon eine Geisterstadt. In der Reportage, in der Aussagen eines alten Anonymus mit Fakten vermengt werden, heißt es:

"Ganze Straßenzüge, halbe Innenstadtviertel sind vernagelt, verrammelt, leer. Aus Dachfirsten wachsen Birken, Häuser fallen in sich zusammen, die stuckverzierten Fassaden bröckeln. Wie eine Film-Kulisse. »Wenn Sie da durch gehen, kriegen Sie Angst.« Zeitz, das sei heute die Bronx Sachsen-Anhalts. Und: Er weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll, sagt Dieter noch. Knapp 30 Prozent der Häuser stehen leer. Sieht aus wie nach einem Bombenschlag. Während die Mieten im nur 40 Kilometer entfernten Leipzig rasant steigen, bekommt man in Zeitz eine 100 Quadratmeter große Gründerzeit-Wohnung zu einem Kaufpreis von 8.000 Euro, und das ist jetzt kein Versprecher."

Während der Deutschlandfunk 2017 den Begriff "Geisterstadt" im ursprünglichen Sinne meint, geht es bei der ZEIT und bei der Reportage von LASCH um eine Neubewertung der Situation in Zeitz. Im Mittelpunkt steht ein Neubeginn, der von der Kreativwirtschaft ausgehen soll.

Zeitz möchte von den Verdrängungsprozessen im knapp 50 Kilometer entfernten Leipzig profitieren und muss dabei mit sächsischen Städten konkurrieren:

"Städte wie Wurzen und Grimma, Delitzsch und Torgau rechnen sich ebenfalls Chancen aus. Zeitz liegt jenseits der Landesgrenze in Sachsen-Anhalt und hat bisher auch keine Anbindung an die S-Bahn, die direkt bis unter den Leipziger Markt fährt."

LASCH, Hendrik (2019): Ä wen'g Wosser unnerm Scheit.
Sachsen-Anhalt: Warum sich ein Politiker der Linkspartei im Burgenland für ein Stück Heimat einsetzt,
in:
Neues Deutschland v. 02.01.

ECKERT, Daniel (2019): Bevölkerungszahl im Osten fällt auf den Stand von 1905.
Zwar hat die ostdeutsche Wirtschaft seit dem Ende der DDR stark aufgeholt. Doch das konnte die Abwanderung von Millionen nicht stoppen. Die "Teilungslücke" wird Forschern zufolge immer größer,
in: Welt
v. 13.06.

STALA SACHSEN-ANHALT (2019): Am 31.12.2018 lebten in Sachsen-Anhalt 2.208.321 Einwohner und Einwohnerinnen,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt v. 14.06.

"Ende 2018 zählte Sachsen-Anhalt 2.208.321 Einwohner und Einwohnerinnen, davon waren 1.121.642 weiblichen und 1.086.679 männlichen Geschlechts. Dies entsprach einem Rückgang um 0,7 % im Vergleich zum Vorjahr.
Wie das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt mitteilt, verringerte sich die Einwohnerzahl Sachsen-Anhalts im Jahr 2018 um 14.760 Personen, was etwa der Einwohnerzahl der Stadt Sandersdorf-Brehna im Landkreis Anhalt-Bitterfeld entspricht. In den Vorjahren war die Bevölkerung um 13.171 (2017) bzw. 9.218 (2016) Personen in geringerem Umfang als 2018 geschrumpft. Einen Bevölkerungszuwachs gab es zuletzt im Jahr 2015 um 9.922 Personen.
Die Schrumpfung der weiblichen Bevölkerung in den Jahren 2017 und 2018 fiel mit jeweils -0,5% bzw. -0,6 % geringer aus als die der männlichen Bevölkerung (in beiden Jahren jeweils -0,7 %). Am 31.12.2018 gab es 969 Männer pro 1.000 Frauen. In den Jahren von 1990 bis 2016 hatte sich die Geschlechterverteilung von 911 auf 972 Männer pro 1.000 Frauen verschoben. Der Frauenanteil lag 2018 bei 50,8% (1990: 52,3 %).
Die Bevölkerungsentwicklung verlief regional unterschiedlich. Die Landeshauptstadt Magdeburg und die kreisfreie Stadt Halle (Saale) verzeichneten Bevölkerungsgewinne von 219 bzw. 84 Personen, während die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau sowie alle Landkreise Bevölkerungsrückgänge zwischen 537 und 2.179 Personen verbuchten. Die prozentual größten Bevölkerungsverluste wurden mit 1,3 % im Landkreis Mansfeld-Südharz registriert.
Einwohnerreichste Stadt Sachsen-Anhalts war im Dezember 2018 weiterhin Halle (Saale) mit 239.257 Personen, dicht gefolgt von der Landeshauptstadt Magdeburg (238.697 Personen). Die geringsten Einwohnerzahlen verzeichnete die Gemeinde Bornstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz mit 791 Personen.
Die kleinste der 104 Gemeinden mit Stadtrecht war Sandau (Elbe) im Landkreis Stendal mit 849 Personen. Zu den einwohnerreichsten Gemeinden ohne Stadtrecht des Landes gehörten die Einheitsgemeinden Hohe Börde (Bördekreis) mit 18.397 Personen, gefolgt von Teutschenthal (Saalekreis) sowie Muldestausee (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) mit 12.850 bzw. 11.631 Personen.", meldet das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt.

STALA SACHSEN-ANHALT (2019): Kontinuierliche steigende Schülerzahlen in Sachsen-Anhalt seit dem Schuljahr 2010/11,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt v. 26.06.

STALA SACHSEN-ANHALT (2019): Junge Menschen in Sachsen-Anhalt,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt v. 01.07.

WZB (2019): Zuwanderung vor allem in arme Stadtviertel.
WZB-Studie zeigt große Unterschiede bei sozialräumlicher Verteilung,
in: Pressemitteilung Wissenschaftszentrum Berlin
v. 05.07.

Eine WZB-Studie zählt zu den 12 Städte mit dem höchsten Anstieg sozialer Segregation 2014 - 2017 auch die Großstädte Halle an der Saale und Magdeburg in Sachsen Anhalt.

STALA SACHSEN-ANHALT (2019): Menschen in Sachsen-Anhalt sind im Durchschnitt 47 Jahre und 9 Monate alt,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt v. 09.07.

"Wie das Statistische Landesamt anlässlich des Weltbevölkerungstages am 11. Juli mitteilt, waren die Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2018 im Durchschnitt 47 Jahre und 9 Monate alt. Die Frauen waren mit durchschnittlich 49 Jahren und 7 Monaten rund 3 Jahre und 7 Monate älter als die Männer.
Seit 1990 erhöhte sich das Durchschnittsalter der Sachsen-Anhalter um 9 Jahre und 4 Monate. Ursachen sind unter anderem die nach wie vor steigende Lebenserwartung sowie der Rückgang der Geburten und die Abwanderung vor allem junger Menschen insbesondere zu Anfang der 1990er Jahre.
Nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafel 2015/2017 beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung für neugeborene Mädchen in Sachsen-Anhalt 82 Jahre und 6 Monate, während neugeborene Jungen im Durchschnitt 76 Jahre und 3 Monate alt werden.
Am Jahresende 2018 lebten in Sachsen-Anhalt 235 Personen, die 100 Jahre und älter waren. Nach Geschlecht betrachtet, dominierten in dieser Altersstufe mit einem Anteil von 86% deutlich die 202 Frauen", meldet das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt.

GEIßLER, René (2019): Trotz Milliardenüberschüssen: Finanzkraft der Kommunen driftet immer stärker auseinander.
Die Städte, Gemeinden und Kreise in Deutschland haben in den Jahren 2017 und 2018 historische Überschüsse erwirtschaftet. Dank anhaltend starker Konjunktur steigen Steuern, Investitionen und Rücklagen, während die Kassenkredite schrumpfen. Dennoch nehmen die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen starken und schwachen Kommunen immer größere Ausmaße an,
in:
Pressemitteilung Bertelsmann-Stiftung v. 10.07.

Der Finanzreport 2019 der neoliberalen Bertelsmann-Stiftung zählt zu den 10 kreisfreien Städte mit der höchsten SGB-II-Quote im Jahr 2017 auch die Großstadt Halle an der Saale.

STERNBERG, Jan (2019): Im Osten was Neues.
Sachsen-Anhalt: Der Bund will den abgehängten Regionen helfen. Die Menschen dort wissen, was für sie am besten ist. Ein Besuch im Städtchen Tangerhütte,
in:
Frankfurter Rundschau v. 10.07.

"Seit fünf Jahren ist der 42-Jährige (Andreas Brohm) parteiloser Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte. 32 Ortsteile mit rund 10.000 Einwohnern auf der Fläche von Frankfurt am Main. Im Osten die Elbe, im Westen die Baustelle der Autobahn 14, im Norden Stendal, im Süden Magdeburg.
Der Landkreis Stendal, zu dem Tangerhütte gehört, belegt im aktuellen »Prognos Zukunftsatlas« Platz 401 von 401. Der westliche Nachbarkreis Salzwedel Platz 400. Der südöstliche Nachbarkreis Jerichower Land Platz 399. (...). Die Bevölkerungsprognose für Tangerhütte zeichnet eine unaufhaltsam sinkende Kurve. Hier wird dauerhaft mehr gestorben als zur Welt kommen. (...).
Tangerhütte verliert jedes Jahr 100 Menschen. Nicht mehr durch Wegzug, sondern durch Überalterung. »Mein ziel ist es, diese 100 aufzufangen durch Zuzug«, sagt Brohm. Stolz zeigt er ein Baugebiet am Rande des Dorfes Lüderitz, das in ein paar Jahren eine eigene Autobahnauffahrt bekommt. Alle Bauplätze wurden verkauf, auf einigen stehen neue Eigenheime. Auch eine Ärztin ist hergezogen, zurückgekehrt in die Landschaft ihrer Kindheit. (...).
Hinter Wildwuchs verfällt sein altes Gymnasium, 1981 erbaut, als Tangerhütte eine aufstrebende Kreisstadt mit 8.000 Einwohnern war. Heute sind es 3.000 weniger. (...).
Brohm wünscht sich, dass der Bund Gemeinden wie Tangerhütte eine pauschale Summe zur Verfügung stellt, über deren Verwendung vor Ort entschieden werden kann. (...).
Die Arbeit am Image ist mühselig. Doch langsam dreht es sich. Stendal, direkt nördlich von Tangerhütte, erlebt einen kleinen Immobilienboom, die Lage an der ICE-Strecke macht die Kreisstadt attraktiv für Stadtflüchtige, die ortsungebunden arbeiten können",

berichtet Jan STERNBERG über Tangerhütte und den Landkreis Stendal.

STALA SACHSEN-ANHALT (2019): Sachsen-Anhalt: 5. Jahr in Folge mit Wanderungsgewinn,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt v. 15.07.

STALA SACHSEN-ANHALT (2019): 2018: 51 % mehr Einpersonenhaushalte als 1991,
in:
Pressemitteilung Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt v. 16.07.

"Laut Ergebnissen des Mikrozensus gab es im Jahr 2018 in Sachsen-Anhalt 483 000 Einpersonenhaushalte. Im Vergleich zum Jahr 1991 war die Anzahl der Einpersonenhaushalte von 320.000 um 51 % angewachsen. Mit einem Anteil von 42 % an allen Haushalten bildeten Einpersonenhaushalte 2018 weiterhin die wichtigste Haushaltsgröße in Sachsen-Anhalt.
Die Anzahl aller Haushalte in Sachsen-Anhalt war seit 1991, trotz leichter Schwankungen, vergleichsweise stabil geblieben. Sie lag 1991 bei 1.194.000 Haushalten; 2018 gab es 1.151.000 Haushalte. Zwischenzeitliche Hochpunkte lagen bei 1.223.000 Haushalten im Jahr 2000 bzw. bei 1.211.000 im Jahr 2008. Im Vergleich zum Jahr 1991 war die Anzahl der Haushalte bis 2018 also lediglich um 4 % gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr (1.173.000 Haushalte) sank der Wert um 2 %. Angesichts eines deutlich schneller ablaufenden Bevölkerungsrückgangs deutete dies auf eine starke Strukturverschiebung bei den Haushaltsgrößen hin.
So war der Anteil der Einpersonenhaushalte an allen Haushalten im selben Zeitraum von 27 % auf 42 % angewachsen. Auch die Anzahl der Zweipersonenhaushalte hatte seit 1991 von 386.000 um 14 % auf 439.000 zugenommen. Damit stieg ihr Anteil von 32 % auf 38 %.
Einen klaren Rückgang gab es im Zeitraum 1991 bis 2018 bei den Dreipersonenhaushalten (um 46 % von 249.000 auf 136.000), bei den Vierpersonenhaushalten (um 63 % von 196.000 auf 72.000) sowie bei den Haushalten mit fünf oder mehr Personen (um 49 % von 44.000 auf 22.000). Ebenso sanken die Anteile dieser Haushaltsgrößen an allen Haushalten. Dreipersonenhaushalte hatten 1991 noch einen Anteil von 21 %, 2018 lag der Wert bei 12 %. Der Anteil der Vierpersonenhaushalte reduzierte sich von 16 % auf 6 %. Haushalte mit 5 oder mehr Personen stellten 2018 nur noch 2 % (1991: 4 %).
In der Konsequenz reduzierte sich die durchschnittliche Haushaltsgröße zwischen 1991 und 2018 von 2,39 auf 1,89 Personen pro Haushalt", meldet das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt.

HÜTHER, Michael/SÜDEKUM, Jens/VOIGTLÄNDER, Michael (2019): 19 Mal akuter Handlungsbedarf.
Regionalentwicklung: Deutschlands Metropolregionen boomen, während der ländliche Raum und der Osten darben? Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit Wissenschaftlern vier deutscher Hochschulen wollte es genauer wissen. Das Ergebnis: 19 von insgesamt 96 deutschen Regionen haben Probleme. Längst nicht alle liegen in Ostdeutschland oder auf dem platten Land,
in:
Pressemitteilung IW Köln v. 08.08.

Aus der folgenden Tabelle sind die Raumordnungsregionen mit ihren zugehörigen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten der 19 gefährdeten Regionen in Deutschland ersichtlich. Zudem wird für die Landkreise bzw. kreisfreien Städte die Bewertung der Regionen im Zukunftsatlas 2019 angegeben.

Tabelle: Die gefährdeten Raumordnungsregionen in Sachsen-Anhalt im Vergleich mit dem Zukunftsatlas 2019
Rang Land Raumordnungsregion (Nr.) Landkreis/
kreisfreie Stadt
Gefährdungs-
Punkte
Rang (Klasse)
im Zukunftsatlas
2019
1 Sachsen-Anhalt Altmark (1501) Altmarkkreis Salzwedel 3,25 400 (8)
Stendal 401 (8)
2 Sachsen-Anhalt Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg (1502) Anhalt-Bitterfeld 2,75 381 (7)
Dessau-Roßlau 353 (6)
Wittenberg 385 (7)
14 Sachsen-Anhalt Magdeburg (1504) Börde 1,5 325 (6)
Harz 369 (7)
Jerichower Land 399 (8)
Magdeburg 290 (5)
Salzlandkreis 390 (7)
15 Sachsen-Anhalt Halle/Saale (1503) Burgenlandkreis 1,5 382 (7)
Halle (Saale) 310 (6)
Mansfeld-Südharz 398 (8)
Saalekreis 348 (6)
Quelle: IW-Regionalstudie, Abb. 5.9, S.109; Zukunftsatlas 2019 - Auf einen Blick

KERSTING, Silke (2019): Gefährliche Abwärtsspirale.
Während viele Großstädte wachsen, verlassen gerade junge und gut ausgebildete Menschen ländlich geprägte oder strukturschwache Regionen. Ökonomen warnen die Politik vor abgehängten Regionen,
in:
Handelsblatt v. 09.08.

Einzig die interaktive Karte auf der Website nennt für die einzelnen Indikatoren die zugehörigen Gefährdungspunkte. Für die Raumordnungsregion Altmark werden folgende Werte aufgelistet:

Demografie: 1,75 Punkte
- Durchschnittsalter 2017: 47,3 Jahre, Anstieg um 1,4 Jahre - 0,25 Punkte
- Lebenserwartung 2013/15: 78,8 Jahre, Veränderung + 0,4 Jahre - 0,5 Punkte
- Einwohner 2017: 201.400 - 4.600 - 1,0 Punkte
Wirtschaft: 0,75 Punkte
- Arbeitslose 2017: 9,9 % (-3,3 %) - 0,5 Punkte
- Überschuldung der Privathaushalte 2017: 10-12,5 % (1 - 1,5 %) - 0,25 Punkte
Infrastruktur: 0,75 Punkte
- Breitbandausbau: 50-60 % der Haushalte - 0,25 Punkte
- Immobilienpreise 2017: 1.200 - 1.500 Euro je qm (100-250) - 0,5 Punkte

Wer sich die Mühe macht, kann im Prinzip also die Kriterien aus der interaktiven Karte herausdestillieren. Viel Vergnügen!

DÄHNER, Susanne u.a. (2019): Urbane Dörfer. Wie digitales Arbeiten Städter aufs Land bringen kann, herausgegeben vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und Neuland21 e.V.

Drei der 19 Vorzeigedörfer Marke "urbanes Dorf" liegen in Sachsen-Anhalt.

GREIVE, Martin/HÖPNER, Axel/KERSTING, Silke/SIGMUND, Thomas/WASCHINSKI, Gregor (2019): Hilferuf aus den Problemregionen.
Etliche Teile Deutschlands drohen abgehängt zu werden. Landespolitiker fordern nun endlich Taten statt Worten und hegen neue Hoffnung: Der Niedergang von Gegenden im Westen könnte neuen Schwung in die Debatte bringen,
in:
Handelsblatt v. 12.08.

WINTER, Steffen (2019): Der Ost-Komplex.
Landtagswahlen: Nirgendwo sonst im Land ist die AfD so stark wie im Osten, nirgendwo sonst fühlen sich die Menschen so benachteiligt und abgehängt - dabei geht es den meisten besser denn je. Ein Blick in die ostdeutsche Seele,
in: Spiegel
Nr.35 v. 24.08.

Am Ende des Artikels kommt Steffen WINTER auf  Bitterfeld-Wolfen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zu sprechen:

"Wohnten in der inzwischen fusionierten Kommune Bitterfeld-Wolfen 1989 fast 80.000 Menschen, sind es heute nur noch die Hälfte. Selbst der Kulturpalast soll abgerissen werden. Im DDR-Vorzeigeplattenbau Wolfen-Nord wohnten einst 35.000 Menschen. Zuletzt waren es weniger als 7.000. Ganze Straßenzüge werden dem Erdboden gleichgemacht. Die Versorgung der verbliebenen Menschen bereitet Mühe. Gerade beklagte die Kassenärztliche Vereinigung, dass elf Hausarztstellen nicht besetzt werden könnten.
(...). Bei der Europawahl im Mai wählten im Landkreis Anhalt-Bitterfeld 22,6 Prozent der Stimmberechtigten die AfD. (...).
Nachdem Chemie und Kohle weitgehend aus Bitterfeld verschwunden waren, versuchte die Stadt, neue Industrien anzusiedeln. Mit 40 Millionen Euro Fördermitteln kam die Solarfirma Q-Cells, doch wenige Jahre später war sie pleite und waren die gut bezahlten Industriearbeitsplätze wieder verschwunden. Im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen arbeiten heute noch 11.000 Menschen, die Arbeitsquote liegt bei sieben Prozent."

Das sollen die Ostdeutschen bitte positiv sehen wie der zitierte westdeutsche Direktor des Kreismuseums der Stadt, der z.B. die Marina für Segelboote lobt. Aber welcher Normalo kann sich schon ein Segelboot in einer Marina leisten?

LEHMANN, Timo (2019): Lockende Rosen.
Strukturwandel: Der Umgang mit den Fördermillionen für Kohleregionen zeigt: Es gibt mehr Geld als Ideen, auf die sich alle einigen können,
in: Spiegel
Nr.35 v. 24.08.

Timo LEHMANN kritisiert die Verwendung von Geldern, die für den Kohleausstieg gewidmet sind, aber für Projekte wie dem Dom in Naumburg an der Saale oder ein Rosarium in Sangerhausen verwendet werden.  

MAURIN, Jost (2019): Aldi-Erben greifen nach Agrarland.
Immer mehr Großinvestoren steigen in ostdeutsche Landwirtschaftsbetriebe ein, die Behörden sind machtlos, Agraraktivisten sprechen gar von illegitimer Aneignung von Land,
in:
TAZ v. 09.09.

MAAK, Niklas (2019): Und neues Leben blüht aus den Vitrinen.
Trotz aller Querelen gelungen: Das spanische Büro Addenda Architects hat das neue Bauhaus-Museum in Dessau entworfen. Die abweisende Glasfassade irritiert, das Innere des Baus ist umso besser,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.09.

FISCHER, Sabine von (2019): Mit Luft lässt sich nicht bauen.
Das neue Bauhaus-Museum in Dessau sperrt die bewegte Geschichte in eine Statische Architektur ein,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 12.09.

KEILHOLZ, Christine (2019): Abschied von der Platte.
Halle: Die DDR lebte in uniformen Großsiedlungen und träumte von einer klassenlosen Gesellschaft. Geblieben ist das Gegenteil,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 22.09.

"Armut hat in Halle ein Zuhause. Es heißt Neustadt. (...).
Die DDR wohnte (...) in Plattenbausiedlungen (...). Die Platte ist Sinnbild für die Wohnform Ost. Am Ende der DDR lebte ein Viertel der Ostdeutschen in der »Wohnbauserie 70«, im standardisierten Wohnhochbaus
»WHH GT 18« oder im Zehngeschosser »M10«. Das ganze Land wurde damit zugestellt. Es gab sogar eine Stadt nur aus Platte. Das war Halle-Neustadt, der Traum einer klassenlosen Gesellschaft von neunzigtausend glücklichen Menschen. Geblieben ist das Gegenteil.
Die industriell errichteten Großwohnsiedlungen der DDR sind das geworden, was schon vor dreißig Jahren vorauszusehen war. Problemviertel. Heute wohnen hier die Deklassierten. Die Spaltung von Arm und Reich schreitet im Osten schneller voran als im Westen. Schuld daran ist die Platte - und die Flucht aus ihr.
Die vier Hochhäuser, die das Herz von Halle-Neustadt bilden, haben 19 Geschosse. Wie riesige Dominosteine überragen die Wohnscheiben (...) das Zentrum. Heute sind sie nur noch Gerippe (...) Seit Jahren stehen die Scheiben leer. (...). Die Scheiben sollen abgerissen werden, aber ihr Tod zieht sich in die Länge. (...). Der städtebauliche Niedergang nimmt den sozialen vorweg",

meint Christine KEILHOLZ, die uns vom Aufstieg und Niedergang der Plattenbausiedlung erzählt:

"In den achtziger Jahren, den Glanzzeiten, war Halle-Neustadt noch Heimat einer aktiven und lebensfrohen Jugend. Wer damals im achten Stock wohnte, konnte herabschauen auf die anderen, die in den Dörfern. (...).
Halle-Neustadt war ein demographisches Wunder. Eine Sumpfwiese nahe der Saale, die Karriere gemacht hat. (...) Die Chemiearbeiter aus den Kombinaten von Leuna und Buna (...) bekamen die Kinder, die dem Umland fehlten. (...). Die großflächige Platte war attraktiv, nicht nur wegen der Wohnungen (...), auch wegen der Schulen und Kindergärten.
Doch mit der DDR endete auch der Boom der Chemiearbeiterstadt. Die Hälfte der Bewohner ist weggezogen, mehr als 40.000 Menschen. (...). Viele junge Leute (...) wohnen heute weiter draußen in Vororten, wo es Eigenheime und Gärten gibt. (...). Viele Ostdeutsche blieben in (...) Innenstädten, wo sich anspruchsvolle Stadtbevölkerung um vollsanierte Altbauwohnungen reißt. (...). Solche Quartiere gibt es auch in Halle, der ansonsten ziemlich hässlichen Arbeiterstadt. Das Paulusviertel im Stadtzentrum hat alles, was die SED-Führung für ihre Bürger nicht mehr wollte. (...). Das Viertel, das sich um die Pauluskirche schmiegt, ist heute das beliebteste von ganz Halle. (...).
Wie vor hundert Jahren wohnen im Paulusviertel wieder Professoren, Beamte und sonstige Gutverdiener. Die Uni ist nicht weit, die versorgt die Stadt mit jungem, internationalem Publikum. Das demographische Wunder ereignet sich jetzt dort (...). In dieser Gegend (...) holten die Grünen (bei der Europawahl) über dreißig Prozent - mehr als sonst irgendwo in Sachsen-Anhalt. Im Paulusviertel lebt ein zufriedenes, optimistisches Hall. Nur: Es bleibt unter sich.
So erzählt Halle die Geschichte vom Niedergang der Neustadt und von der Wiedergeburt der Innenstadt."

Bei dieser Geschichte darf weder Marcel HELBIG und seine Studie zur Segregation, noch das Buch von Steffen MAU über Lütten Klein fehlen. Hieß es in den Nuller Jahren noch Hoyerswerda ist überall, so sind heutzutage die Plattenbausiedlungen überall. KEILHOLZ sieht bereits das Scheitern der Integration in diesen Siedlungen, die sich dann zu deutschen Banlieues entwickeln könnten.

Ironie dieser Geschichte: Ausgerechnet im gepriesenen Paulusviertel wird keine drei Wochen später ein Anschlag verübt, der die kosmopolitische Welt in Halle erschüttert. Aber der Attentäter kam nicht aus der großstädtischen Plattenbausiedlung, sondern aus einer Landgemeinde im abgehängten Landkreis Mansfeld-Südharz.

LASCH, Hendrik (2019): Dampf für die Maschine statt das Signalhorn.
OB-Wahl in Halle: Mit Hendrik Lange gibt es für die OB-Wahl in Halle erstmals einen gemeinsamen Kandidaten von Rot-Rot.-Grün,
in: Neues Deutschland
v. 30.09.

Hendrik LASCH  berichtet über die Oberbürgermeisterwahl in Halle, die am 13. Oktober stattfindet. Dann geht es gemäß LASCH zuerst einmal darum, die Stichwahl zu erreichen:

"Gute Chancen kann sich vermutlich der derzeitige OB Bernd Wiegand ausrechnen, der auf den Bonus von sieben Amtsjahren bauen kann. Wiegand war einst (...) Mitglied der SPD, ist aber inzwischen parteilos. Daneben treten (...) zwei Bewerber (an), denen am ehesten Chancen auf die Stichwahl zugebilligt werden: Andreas Silbersack, Anwalt, Winzer und langjähriger Chef des Landessportbundes, der als FDP-Mann auch von der örtlichen CDU unterstützt wird - und schließlich Hendrik Lange.
Rechnerisch hat Lange von beiden die besseren Aussichten; schließlich ist der 42-jährige studierte Biologe, der seit 200ß6 für die Linke im Magdeburger Landtag sitzt, gemeinsamer Kandidat seiner Partei sowie von SPD und Grünen. Die drei Parteien büßten bei der Kommunalwahl im Mai zwar die Mehrheit im Stadtrat ein, stellen aber zusammen noch immer 25 der 56 Ratsmitglieder; CDU und FDP bringen es auf 13."

Wie üblich rechnet sich die Parteizeitung ihren Kandidaten schön. Am Ende scheint jedoch durch, dass die Bevölkerung - also das entscheidende Element - das anders sehen könnte. LASCH kritisiert das Macher-Image des OB ("Signalhorn"). Halle soll ein neuer Politikstil verordnet werden, doch mit dem ist es nicht weit her, den Rot-Rot-Grün leidet unter den Querelen in den eigenen Reihen!

LASCH, Hendrik (2019): Haseloffs Kabinett muss nachsitzen.
Fraktionen der Kenia-Koalition in Sachsen-Anhalt verweigern Etatentwurf der eigenen Regierung Zustimmung,
in: Neues Deutschland
v. 27.09.

"Im Jahr 2021 wird in Sachsen-Anhalt der Landtag neu gewählt; der jetzt zu beschließende Etat ist die letzte Gelegenheit, politisch wichtige Vorhaben der drei Koalitionspartner finanziell abzusichern",

begründet Hendrik LASCH die Querellen um den Etatentwurf.

ND/DPA (2019): Linker in der Stichwahl.
OB-Wahl in Halle: Halles Oberbürgermeister Wiegand verpasst die direkte Wiederwahl,
in: Neues Deutschland
v. 30.09.

"Amtsinhaber Bernd Wiegand lag zwar mit 44 Prozent der Stimmen deutlich vorn (...). Der parteilose Politiker verpasste jedoch die absolute Mehrheit und muss am 27. Oktober in der Stichwahl gegen den rot-rot-grünen Kandidaten Hendrik Lange (Linke) antreten. Lange kam (..) auf gut 25 Prozent der Stimmen. Der gemeinsame Kandidat von CDU und Liberalen (...) landete mit fast 23 Prozent nur knapp dahinter",

heißt es in der geschönten Agenturmeldung, in der Linkspartei-Kandidat LANGE zum möglichen Überraschungssieger stilisiert wird.

RAMMELSBERGER, Annette (2019): Örtlich betäubt.
Dass es in Halle eine rechte Szene gibt - lange bekannt. Weggeschaut haben trotzdem fast alle. Bis zum Attentat. Unterwegs in einem aufgeschreckten Land,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 28.10.

KRAUS, Uwe (2019): 4.000 Einzelteile in der "Gläsernen Werkstatt".
Die Harzer Schmalspurbahnen wollen sparen, deswegen sollen die Dampflokomotiven vor Ort gewartet werden,
in: Neues Deutschland
v. 08.11.

Uwe KRAUSE berichtet über den Bau einer neuen Dampflokwerkstatt der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) in Wernigerode und die Bedenken der Thüringer Lokwerkstätten in Nordhausen und Meinungen.

Lok der Harzer Schmalspurbahn in Wernigerode, Foto: Bernd Kittlaus 2012

BAGANZ, Dorian (2019): Nase zu in Teutschenthal.
Gift: Ein altes Bergwerk aus DDR-Zeiten ist jetzt eine Mülldeponie. Die Anwohner leiden unter Gestank und Gesundheitsproblemen,
in: Freitag
Nr.46 v. 14.11.

LASCH, Hendrik (2019): Abwind, Aufwind, Flaute.
Die Stellenkürzungen beim Windanlagenbauer Enercon wecken in Magdeburg die Erinnerung an triste Zeiten,
in: Neues Deutschland
v. 08.11.

BÖLL, Sven (2019): Warum Halle das bessere München ist.
Die Start-up-Gründerin Jenny Müller erzählt, wieso sie mit ihrer jungen Firma von Bayern nach Sachsen-Anhalt umgezogen ist - und warum sie sich wünscht, dass die Ostdeutschen endlich mehr Selbstwertgefühl entwickeln,
in: WirtschaftsWoche
Nr.53 v. 20.12.

BARTZ, Tim u.a. (2019): 2020. Dekade des Umbruchs.
Zukunft: Im kommenden Jahrzehnt werden sich Deutschland und die Welt wohl stärker verändern als je zuvor. Einige Trends lassen sich vorhersehen, die Rentnerwell zum Beispiel; andere nur erahnen, etwa die Gefahr von Cyberattacken. Elf Prognosen für die Zeit bis 2030,
in:
Spiegel Nr.1 v. 28.12.

Dem Spiegel gilt die Kleinstadt Harzgerode im Landkreis Harz als deutsche Normalität des Jahres 2030. Mehr hier.

VÖLKLEIN, Marco (2019): Deutschlands Städte ersticken im Verkehr.
SZ-Spezial Zukunft Deutschland: Potsdam und Magdeburg haben sich ausrechnen lassen, wie sie Busse und Bahnen stärken können. Das dafür nötige Geld steht grundsätzlich bereit - doch es gibt andere Hindernisse,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 31.12.

Marco VÖLKLEIN beschreibt die ÖPNV-Lage in Magdeburg folgendermaßen:

"Anders als in Potsdam sehen die Berliner Verkehrsplaner in Magdeburg (...) keine Notwendigkeit, das bestehende Netz zu erweitern. Denn dort verfolgen die Stadt und der städtische Nahverkehrsbetreiber (MVB), schon seit gut 20 Jahren ein stetes Ausbauprogramm. Stück für Stück wurden Stadtviertel beispielsweise in der Peripherie an das Straßenbahnnetz angebunden; aktuell wird eine zweite Nord-Süd-Querung der Innenstadt gebaut. In zwei, drei Jahren, sagt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD), soll der Netzausbau weitgehend abgeschlossen sein. »Dann ist das Netz so, dass man auch daran denken kann, die Taktfrequenzen zu verbessern« (...). Doch zusätzliche Bahnen zu beschaffen und zusätzliches Fahrpersonal einzustellen, kostet Geld. Und zwar richtig viel Geld."

Weil in Deutschland weder die Verkehrspolitik noch der neoliberale Politikstil den ÖPNV gefördert hat, fehlt es nun für eine Verkehrswende an allen Ecken. Weder die Infrastruktur noch der Personalbestand ist auf eine grundlegende Verkehrswende eingerichtet. Magdeburg mag in dieser Hinsicht nicht ganz so weit hinten liegen, aber Vorbilder sehen anders aus.

2020

ZÁBOJI, Niklas (2020): Solange es dampft, ist alles in Ordnung.
Schkopau in Sachsen-Anhalt hängt an der Kohle. Und an der Kohle hängt die Chemie. Nun wächst die Angst vor einem Kahlschlag wie nach der Wende. Ein Ortsbesuch,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 28.01.

Der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Reiner HASELOFF (CDU) steht unter Druck, weil die Anti-AfD-Kenia-Koalition wenig stabil ist. Gerüchte über einen früheren Kohleausstieg sind deshalb bedrohlich. Niklas ZÁBOJI berichtet über ein Gerücht, wonach der Kohleausstieg bereits 2026 statt wie geplant erst Ende 2034 stattfinden sollte. Der Umstieg von Kohle zu Gas hätte in Schkopau einen Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen zur Folge:

"20 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen spült das Kraftwerk in die Kassen, erklärt Torsten Ringling (...,) Bürgermeister von Schkopau (...): Sollte am hiesigen Standort Gas an die Stelle der Braunkohle treten, ginge das Kraftwerk zu 100 Prozent in die Hände von Uniper und wanderten die Gewerbesteuereinnahmen von Sachsen-Anhalt an den Konzernsitz in Nordrhein-Westfalen."

Neben dem Kraftwerk sorgt der Chemiepark für Wohlstand in der rund 11.000 Einwohner zählenden Stadt:

"Fünf Schulen gibt es in Schkopau, einen Supermarkt, mehrere Autohändler und Installateure - und vor allem viele junge Familien. Die Leipziger Stadtgrenze ist eine halbe Autostunde entfernt. Es gibt einen Bahnhof, der erst vor wenigen Jahren saniert wurde, und es gibt die Straßenbahnlinie zwischen Merseburg im Süden und Halle im Norden; wer dort ausgehen will oder pendelt, braucht nur wenige Minuten Fahrzeit und nicht unbedingt ein Auto. Leerstand, heißt es von Seiten der Verwaltung, gebe es in Schkopau selten für längere Zeit. Auch wenn mit Ausnahme der Universitätsstädte Halle und Magdeburg die Bevölkerung in allen Landkreisen von Sachsen-Anhalt altert und schrumpft - im Saalekreis verläuft der Trend zumindest etwas langsamer. Und in Schopkau noch ein bisschen langsamer."

Ende 2017 lebten in Schkopau gemäß Statistischem Landesamt 10.840 Menschen. Ende 2018 waren es 30 Einwohner mehr. Im Vergleich zum Jahr 2013 (11.025) ist die Stadt jedoch geschrumpft. 

 
     
 
       
   

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Update: 01. Februar 2020