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Thema des Monats

 
       
   

Die Single-Generation

 
       
   

Ein Manifest

 
       
     
       
   
     
 

Zitat: Die Single-Generation

"Königin der Generationen. Die Single-Generation". [mehr]
(Harald Martenstein in der ZEIT vom 06.10.2005)

Wer wir sind

Wir sind nach 1947 und vor 1965 geboren. Wir waren also zu jung für die Rebellion der 68er und zu alt für die Rebellion der Generation Golf. In unsere Jugend bzw. Postadoleszenz fiel der stärkste Anstieg der Einpersonenhaushalte in den alten Bundesländern. Zwischen 1973 und 1986 - also innerhalb von nur 13 Jahren - stieg der Anteil der Bevölkerung in den Einpersonenhaushalten um 5 % (9,8 % - 15 %). Von 1986 bis 2002, also innerhalb von 16 Jahren, beträgt der Anstieg dagegen nur noch 2,2 % .

Diagramm: Darstellung der Haushaltsentwicklung
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Reihe 3 Haushalte und Familien 2002; in den Jahren 1983 und 1984 fand keine Erhebung der Haushaltszahlen statt

Einpersonenhaushalte heißen seit den 1990er Jahren auch Single-Haushalte. Das haben wir der Single-Rhetorik der 68er-Generation zu verdanken. An erster Stelle ist hier der Soziologe Ulrich BECK zu nennen, der mit seinem Bestseller Das ganz normale Chaos der Liebe den Begriff der Single-Gesellschaft populär gemacht hat . Spätestens seit der Jahrtausendwende gelten wir als demografischer Schrecken. Unsere Jahrgangsstärken liegen zwischen 806 000 (1948 Geborene) und 1 065 000 (1964 Geborene). Seit 1971 erreichte kein westdeutscher Jahrgang mehr unsere Stärke.

Der Begriff Single-Generation ist in den Medien bisher noch nicht etabliert. Vereinzelt werden Schriftsteller wie Michel HOUELLEBECQ oder Nick Hornby als Sprachrohre einer Single-Generation bezeichnet und der Piper-Verlag bewirbt Sasha CAGENs Buch Quirkyalone als "Bibel einer neuen Single-Generation" .

Single-Generation als Kampfbegriff und als deskriptiver Begriff

Die Website www.single-generation.de versteht sich als Plattform all derjenigen, die Phänomenbezeichnungen wie Single, Single-Haushalt oder Single-Gesellschaft für die Beschreibung ihrer Lebensweise als unbrauchbar ablehnen. Single-Generation wird dadurch zum subversiven Begriff. Damit wird einerseits eine Fremdbeschreibung aufgegriffen, nämlich jene, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden uns verordnet hat. Andererseits werden die Implikationen, die damit verbunden sein sollen, als Propaganda entlarvt.

Diese subversive Perspektive muss unterschieden werden vom Beschreibungsbegriff Single-Generation, der im Abschnitt Wer wir sind, verwendet wurde. Wenn auf dieser Website von Autoren der Single-Generation die Rede ist, dann ist dies eine beschreibende Aussage, die diese Autoren als 1948 -1964 Geborene ausweist. Ansonsten bleibt offen, wie sie zu dieser Einordnung stehen .

In der gegenwärtigen Generationendebatte (siehe hierzu ausführlich den Einführungsbeitrag ) hat der Generationenbegriff unterschiedliche Bedeutungen angenommen. Wir verwenden ihn im Sinne des Kohortenbegriffs und nicht im Sinne von Karl MANNHEIM oder gar von Heinz BUDE, der mit Generation Berlin eine Geisteshaltung jenseits einer Altersgruppe bezeichnet. Wir sind uns bei unserer Herangehensweise der damit verbundenen Abgrenzungsproblematik durchaus bewusst. Da diese Website sich im Kern mit der Kontroverse Familien contra Singles beschäftigt, ist sowohl die Bezeichnung als auch die Abgrenzung zu rechtfertigen.

Der Soziologe Heinz BUDE hat in dem Buch Das Altern einer Generation, die 68er als 1938 - 1948 Geborene definiert . Jutta STICH hat in ihrer Studie Alleinleben - Chancen und Defizite dagegen die 68er auf die Jahrgänge 1943  - 1947 eingegrenzt . STICH beschreibt die 68er als Pioniere des Alleinlebens. Sie waren damit die Wegbereiter der Single-Generation. Wir haben die Wohnformen der 68er für unsere Zwecke neu erfunden. Aus den Kommunen wie sie das Magazin Stern mit Rainer LANGHANS und Uschi OBERMAIER in den Hauptrollen inszenierte, sind bei uns Wohngemeinschaften geworden, in den wir tatsächlich gelebt haben. Das möblierte Unterzimmer wurde dagegen in den 1970er Jahren durch Appartements ersetzt, weil es Einliegerwohnungen erst in den Reihenhaussiedlungen der 1980er Jahre gab . Auf dieser Website werden die 68er als 1937 - 1947 Geborene definiert.

Als weder die Zaungäste der 78er-Generation (Reinhard MOHR ) noch die Individualisierungsthese von Ulrich BECK erfunden war, da hatte bereits Jochen SCHIMMANG, Jahrgang 1948, den Bruch zwischen 68er-Generation und Single-Generation in dem Buch Der schöne Vogel Phönix literarisch verarbeitet.

Der schöne Vogel Phönix

"Das Buch erzählt von Murnau, der im Jahre 1968 zwanzig Jahre alt war. Es erzählt von den Hoffnungen, die damit verbunden waren, im Jahre 1968 zwanzig Jahre alt zu sein, und vom Altern dieser Hoffnungen. Es erzählt von einer Jugend in Ostfriesland und von Berlin in den frühen 70er Jahren, erzählt drei »Liebesgeschichten«, erzählt von vielen Umzügen und einigen Reisen, von Geschichten, die nur im Kopf passiert sind, und von Geschichten, die wirklich passiert sind. Über ein Jahrzehnt hinweg erzählt es eine individuelle Geschichte, die zugleich eine kollektive ist. Die geschriebene Geschichte ist auf der letzten Seite zu Ende, die wirkliche nicht. Murnau, der nie geboren werden wollte, macht immer noch weiter, aber: »Überleben ist schwieriger geworden«.
Der autobiographische Bericht eines Dreißigjährigen, der die Spätphase der antiautoritären Bewegung, Studium, Kaderarbeit für eine K-Gruppe und den Bruch mit dieser Gruppe, Schwierigkeiten beim Übergang ins Berufsleben, Hoffnungen, Desillusionierung und Depressivität dieser Jahre durchaus repräsentativ, also nachvollziehbar: zum Wiedererkennen und Sichunterscheiden, verfolgt, mitgemacht, erlebt hat. Der schöne Vogel Phönix ist das nützlich schöne Buch eines sensiblen, subjektiven, kritischen und - in dieser Verbindung nicht selbstverständlich - selbstkritischen Berichterstatters." (Klappentext 1979)

In dem Buch beschreibt SCHIMMANG die Single-Generation als Überbleibsel nach dem Zerfall der 68er-Bewegung. Als Zu-Spät-Gekommener geriet der Protagonist Murnau in die Berliner K-Gruppen-Szene. Nachdem die politische Religion ihren Glanz verloren hatte, blieb nur noch das Unglück der Elementarteilchen übrig . In den späteren Romanen schildert SCHIMMANG immer wieder die Lebensverhältnisse männlicher Singles .  SCHIMMANG steht sozusagen für einen Paradigmenwechsel. Was Christian KRACHT mit Faserland für die Generation Golf ist , das ist Jochen SCHIMMANG mit Der schöne Vogel Phönix für die Single-Generation. Ein erstes Zeugnis einer neuen Generation.

Mit Generation Golf werden von Florian ILLIES im gleichnamigen Buch aus dem Jahr 2000 die 1965 bis 1975 Geborenen bezeichnet . ILLIES hat in seinen Büchern die Generation Golf zur Familien-Generation stilisiert . 1999 hatte der 1975 geborene Benjamin von STUCKRAD-BARRE im Manifest des popkulturellen Quintetts Tristesse Royale das Heiraten bereits als Rebellion gegen die Rebellion bezeichnet . Und Joachim BESSING, Jahrgang 1971 und Herausgeber des Manifests hat im Jahr 2004 mit dem Buch Rettet die Familie! den entschiedensten Beitrag zu dieser Thematik geliefert .

Für die Sozialwissenschaften hat Markus KLEIN die These vom Wandel des Wertewandels mit der Generation Golf als Träger des Wandels vertreten . Der Politikwissenschaftler Franz WALTER hat diese These in die Parteienforschung übernommen .

Als die Website www.single-generation.de im Juni 2002 in Betrieb ging, da zeichneten sich diese Veränderungen erst in Umrissen ab. Bereits die ältere Website www.single-dasein.de, die bereits seit Juni 2000 in Betrieb ist und von der die älteren Beiträge übernommen worden sind, hatte diese Veränderungen lange vor ihrer medialen Durchsetzung, antizipiert. Der Wertewandel hat in Wirklichkeit auch nicht erst nach der Jahrtausendwende stattgefunden, sondern vollzieht sich bereits seit Anfang der 1990er Jahre . Der erste Familienwahlkampf fand bereits 1994 statt. Ein Jahr später erschien dann die Bestandsaufnahme Die "Single-Gesellschaft" von Stefan HRADIL .

Die "Single-Gesellschaft"

"Singles stellen Leitfiguren dar. Sie können daher eine erhebliche indirekte Außenwirkung entfalten, indem sie »atmosphärische« Verschiebungen der kulturellen und politischen Wertvorstellungen bewirken. So vertreten dann auch andere Gruppierungen die Belange von Singles als die eigenen". (1995, S.158)

Single-Gesellschaft als Kampfbegriff der 68er-Generation

Der Begriff Single-Gesellschaft ist von Ulrich BECK 1986 im Buch Die Risiko-Gesellschaft in die deutsche Debatte eingeführt worden , aber erst nach der Wiedervereinigung populär geworden.

Der soziologische bzw. sozialstatistische Single-Begriff prägt seit den 1990er Jahren die sozial- bzw. familienpolitische Debatte. In diesem Kontext hat er seine positiven Elemente in zunehmendem Maße verloren . Singles gelten als narzisstisch, egoistisch, unsozial, autistisch, kinderfeindlich oder gar als Sozialschmarotzer. Der Begriff Single-Gesellschaft suggeriert, dass diese Widerlinge die Gesellschaft bestimmen .

Focus vom 6. Dezember 1993 Focus vom 14. August 1995

Mittels Single-Rhetorik wird eine Minderheit als Mehrheit dargestellt . Solche mediale Propaganda vermittelt Menschen, die als Singles bezeichnet werden, ein völlig falsches Bild ihrer Situation. Und zugleich erzeugt es Ressentiments bei denjenigen, die entweder gar nicht wissen, dass sie gemeint sind oder sich als selbstgefällige Eltern bestätigt fühlen . Ganz zu schweigen von denjenigen, die sich als Opfer fühlen ("unfreiwillige Singles") und mit ihrem mangelnden Selbstwertgefühl sowieso schon genug zu kämpfen haben . Wenn wir uns subversiv als Mitglieder der Single-Generation bezeichnen, dann wenden wir uns gegen diese Klischees, die über uns in den Medien kursieren. Es handelt sich hier auch um einen Generationenkonflikt. Die 68er-Generation verweigert uns, der Single-Generation, die Selbstbestimmung unserer Lebensform . Wendeten sich die 68er einst mit dem Begriff Single ihrerseits gegen unpolitische Erklärungen ihrer Lebensweise , so hat sich im Laufe ihrer Machtergreifung die Kritik auf die Nachgeborenen verschoben. Wir, die Single-Generation, sagen hiermit der 68er-Generation und ihrer Deutung unserer Lebensweise den Kampf an.

Wir wenden uns aber auch gegen Angehörige der Generation Golf, die weiterhin dem Geiste der 68er-Generation verhaftet bleiben. Viele, die sich heutzutage als Anti-68er generieren denken weiterhin in den Schablonen der 68er-Generation. Zu nennen wäre hier z.B. Susanne GASCHKE, Jahrgang 1967. Sie bezeichnet sich zwar als Angehörige der Generation Berlin, gehört jedoch zur Golf-Kohorte .

Leben im statistischen Untergrund

Unsere Single-Generation ist gezwungen im statistischen Untergrund zu leben. Die 68er-Generation vermisst uns weiterhin nach den Koordinaten der 1950er Jahre. Unsere Lebensweise wird in Begriffen von Familienstand und Haushalt eingeordnet, aber damit fallen wir durch alle Raster. Diese verkalkte Republik verweigert uns eine faire Behandlung! Sie will uns nicht zur Kenntnis nehmen, weil wir ihren Normen nicht entsprechen. Wir leben in haushaltsübergreifenen Beziehungen und sind mobil wie keine Generation zuvor.

Was würde man von einem Briefmarkensammler halten, der eine Lupe besitzt, um den Wert seiner Briefmarken einschätzen zu können. Würden wir ihn nicht für verrückt erklären, wenn er sich mit dieser Lupe nun auf die Suche nach Elektronen begeben würde? So verhält es sich jedoch mit der traditionellen Sozialforschung! Sie sieht nichts. Für Elementarteilchen bräuchte man ein Elektronenmikroskop und keine Lupe. Unser Briefmarkensammler findet nichts, also phantasiert er sich etwas zusammen. Genauso verhält sich die Sozialforschung. Weil sie über den Single nichts weiß, außer dass er jenseits der Normalfamilie lebt , können Journalisten und Politiker alles Mögliche in die Single-Lebensweise hineininterpretieren. Wer will sie daran hindern, wenn nicht wir?

Schluss mit lustig!

Auf dieser Website werden die traditionellen Kategorien der Sozialforschung einer kritischen Prüfung unterzogen. Es werden Ansätze vorgestellt, die ein neues Bild der Single-Generation und ihrer Nachfolger entwerfen. Des Weiteren wird die Kontroverse Familien contra Singles dokumentiert. Viele aus unserer eigenen Generation sind inzwischen im Establishment der Alten oder Neuen Mitte angekommen. Wir wenden uns gegen diese Besitzstandswahrer, die uns und den nachfolgenden Generationen die Anerkennung ihrer Lebensweise verweigern wollen. Der Schweizer Historiker Albert TANNER hat in der Neuen Zürcher Zeitung vom 08.10.2005 das Problem der neuen Verteilungskämpfe auf den Punkt gebracht:

Die Schweiz nach der "Entbürgerlichung". Eine Bürgerlichkeit als Lebensmodell für die Zukunft?

"Generell dürften im 21. Jahrhundert angesichts des angespannten Arbeitsmarkts die Individualisierungstendenzen im Sinne individueller Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung oder die Subjektivierung der Werte und Normen mit ihrer Überhöhung der Individualität wieder stärker von den ökonomischen Ressourcen und vom Bildungsstand abhängig werden: Selbstverwirklichung nur mehr für die akademischen Mittelschichten und die individualisierte Kulturszene, Autonomie und Eigeninitiative nur für liberale Newcomer. So dürften auch die Entwürfe für eine neue Bürgerlichkeit, die in den letzten Jahren in einer Art diskursiver Bastelarbeit entwickelt wurden, weitgehend ein Phänomen der Lebensführung und des Lebensstils von privilegierten Segmenten der mittleren und oberen Schichten darstellen und letztlich wohl in erster Linie der Abgrenzung nach unten dienen. Vieles deutet darauf hin, dass die entscheidenden Bruchlinien zwischen jenen verlaufen werden, die ihr Leben in Selbstbestimmung und Selbstverantwortung organisieren können, und jenen, die auf sozialstaatlichen Schutz und staatliche Förderung angewiesen sind. Es ist zu hoffen, dass sich daraus nicht eine neue Form der Klassengesellschaft entwickelt."
(NZZ v. 08.10.2005)

Es geht bei den Verteilungskämpfen der Zukunft primär nicht um demografisch erzeugte Konflikte, sondern um die Ausgrenzung größer werdender Bevölkerungsteile. Wir werden von der Teilhabe an den Errungenschaften der modernen Gesellschaft ausgeschlossen. Dagegen wehren wir uns.

Die Single-Lüge - Das Buch zur Debatte

"Dies ist die erste grundlegende Auseinandersetzung mit dem nationalkonservativen Argumentationsmuster, das zunehmend die Debatte um den demografischen Wandel bestimmt. Hauptvertreter dieser Strömung sind Herwig Birg, Meinhard Miegel, Jürgen Borchert und Hans-Werner Sinn. Die Spannbreite der Sympathisanten reicht von Frank Schirrmacher bis zu Susanne Gaschke. Als wichtigster Wegbereiter dieses neuen Familienfundamentalismus muss der Soziologe Ulrich Beck angesehen werden.
          
 Es wird aufgezeigt, dass sich die nationalkonservative Kritik keineswegs nur gegen Singles im engeren Sinne richtet, sondern auch gegen Eltern, die nicht dem klassischen Familienverständnis entsprechen."

 
     
 
       
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 08. Oktober 2005
Update: 26. Januar 2017