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Thema des Monats

 
       
   

Das kleine Wörterbuch des Sozialpopulismus

 
       
   

Die Reformrechtfertigungen einmal anders betrachtet - Teil 1

 
       
     
       
   
     
 

Einführung

Im Gegensatz zu den üblichen Agenda-2010-Wörterbüchern von Ivan NAGEL ("Das Falschwörterbuch") über das Glossar der Gegenwart  bis zu Paul NOLTE ("Kleines Wörterbuch der Reform-Sprachstörungen", 2004), wird hier nicht die Sicht der Eliten dupliziert, sondern die elitären Sprachregelungen in ihrem Bürger verachtenden und singlefeindlichen Kern herausgearbeitet.

 
     
 
   

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weiterführende Links

Ulrich Bröcklin/Susanne KRASSMANN/Thomas LEMKE (Hg.) Glossar der Gegenwart

Paul Nolte (2004) Die große Sprachlosigkeit der Reformen. Mit Glossar: Kleines Wörterbuch der Reform-Sprachstörungen. In: Kursbuch 157. Die große Entsolidarisierung, September, S.33-47

 
       
   
     
 

Agenda 2010

Wiedergutmachungspolitik an den deutschen Eliten. Was den Frauen ihre Gleichstellungspolitik ist, das ist unseren Eliten als Opfern der Demokratie, die Agenda-Politk. Leiden die radikalen Feministinnen unter der allgegenwärtigen Männergewalt, so leiden unsere Reform-Hardliner unter der Volksgewalt. Leistungsträger sollen deshalb aus ihrer Unterdrückung durch die Gleichheit befreit werden. Die Agenda 2010 fördert also die Emanzipation unserer Eliten vom Volke.

 
     
 
   

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weiterführende Links

MÜLLER, Hans-Peter - Das goldene Zeitalter der Ungleichheit für Besserverdienende
 
       
   
     
 

Antifeminismus

Erstarkende Bewegung gekränkter Männlichkeit, die sich im Schatten des Postfeminismus ausbreitet. Ihr schlagkräftigstes Zentralorgan ist die Zeitschrift Merkur, die sich als Zeitschrift für europäisches Denken ausgibt.

 
     
 
   

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weiterführende Links

BOLZ, Norbert - In Verteidigung der Managerehe

FRANZEN, Günter - Vor den Müttern sterben die Söhne

LAU, Jörg - Mein Kampf gegen die Männerphantasien

MATUSSEK, Matthias - Die vaterlose Gesellschaft

PARIS, Rainer - Doing Gender
 
       
   
     
 

Berlin, Generation

Selbstetikettierung einer elitären Gruppe, die sich der Entsorgung der Bonner Republik (BRD) verschrieben hat.  Vordenker und Erfinder des Labels Generation Berlin ist der Soziologe Heinz BUDE. Ideal dieser Reformer ist der unternehmerische Einzelne. Schöpferische Zerstörung ist seine historische Mission. Als Selbstunternehmer steht er über der Arbeitnehmergesellschaft, die alleiniger Gegenstand der derzeitigen Reformen ist.

 
     
 
   

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weiterführende Links

Die Autoren der Generation Berlin

Heinz Bude - Generation Berlin

 
       
   
     
 

Betroffenheit

Betroffenheit galt in den 70er Jahren als Ausgangspunkt einer emanzipativ gedachten Politik der ersten Person. Sie wird dann Anfang der 90er Jahre bei Cora STEPHAN als Betroffenheitskult diffamiert. Kehrte bei Michel FOUCAULT nochmals als Selbstsorge wieder und verkommt nun im Zuge der Agenda-Reformen zur Eigenverantwortung. Damit sind aus freiwilligen Selbstzuschreibungen nun zwanghafte Fremdzuschreibungen geworden, was zu denken geben sollte.

 
     
 
   

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weiterführende Links

HEITZMANN, Barbara - Die neue Eigenverantwortung

HENSCHEID, Eckhard - Dummdeutsch

LÖW, Martina - Auf dem Weg zu einer neuen Ethik (in: "Raum ergreifen")

STEPHAN, Cora - Der Betroffenheitskult

 
       
   
     
 

Bevölkerungsvorausberechnung, koordinierte

Wissenschaftliche Modellrechnung, die zum sozialpopulistischen Rechtfertigungsinstrument verkommen ist. Langfristvorausberechnungen über Zeiträume von 50 oder gar 100 Jahren sollen die Alternativlosigkeit der Agenda 2010-Reformen beweisen. Berechnungen über längere Zeiträume als 10 - 15 Jahren gelten jedoch zu Recht als moderne Kaffeesatzleserei. Die Geschichte der Bevölkerungsschätzung erweist sich deshalb im Rückblick als Geschichte von Irrtümern. In der nur 50jährigen Nachkriegsgeschichte musste die koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung bereits 9 Mal korrigiert werden. Sozialpopulisten hindert dies jedoch nicht daran, zu behaupten, dass einzig die Rentner sicher seien. Sicher sind aber nur die geringen Trefferquoten

 
     
 
   

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weiterführende Links

Gerd Bosbach - Die Bevölkerungsvorausberechnung als moderne Kaffeesatzleserei

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland - Teil 1: Mythen und Fakten über den Geburtenrückgang in Vergangenheit und Zukunft

 
       
   
     
 

Bobos

Etikett des US-amerikanischen Journalisten David BROOKS. Er bezeichnet damit die sozialen Aufsteiger der Nach-68er-Jahre, die sich mittlerweile als neue Werteelite verstehen. Bei ihnen ist der Hippie-Postmaterialismus mit dem Yuppie-Materialismus versöhnt. Herausgekommen ist das Schlechteste beider Welten: ein Neokonservativer, der sich über seinen Lifestyle definiert. In Deutschland wählt der typische Bobo grün, wohnt in trendigen Stadtteilen und ist stolzer Besitzer einer Manufactum-Bibel.

 
     
 
   

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weiterführende Links

BROOKS, David - Bobos

MARQUARDT, Volker - Das Wissen der 35-Jährigen

Werteelite

Werte, postmarterialistische

 
       
   
     
 

Bürger, mündiger

Bevorzugtes Gegenüber der politischen Klasse. Der mündige Bürger ist in der Lage zu erkennen, dass seine Interessen identisch sind mit jenen der politischen Klasse, weshalb er weder widerspricht noch abwandert (wie Wechsel- oder Nichtwähler), sondern immer wieder rechtzeitig zum Wahltermin sein Parteiabonnement verlängert.

 
     
 
   

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Franz Walter - Demografie, Milieu und Politik

Wechselwähler

 
       
   
     
 

Bürgerbewegungen, neue

Lobbyistengruppen der Wirtschaft, die sich in heißen Phasen von Gesetzesänderungen als überparteiliche,  außerparlamentarische Opposition inszenieren. Ihre Hauptaufgabe besteht einerseits darin, den Kanzler auf Agenda-Kurs zu halten und andererseits die öffentliche Meinung positiv in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die demografische Entwicklung gilt den neuen Bürgerbewegungen z.B. als Sachzwang, der die angestrebten Reformen der Sozialversicherungen notwendig macht. 

 
     
 
   

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Die neuen Bürgerbewegungen

Demografie, demografische Entwicklung

 
       
   
     
 

Bürgerversagen

Spezifische Form der Zuschreibung von Versagen. Es handelt sich hierbei um die Lieblingskategorie von sozialpopulistischen Politikern, ihren Politikberatern und zuarbeitenden Journalisten. Hierher gehören die gängigen Vokabeln von der fehlenden Eigenverantwortung, der Anspruchsinflation, des zunehmenden Egoismus, des fehlenden Gemeinsinns, des um sich greifenden Narzissmus, der Bindungsunfähigkeit und der mangelnden Solidarität. Bürgerversagen dient Politikern zur Entlastung ihres Verantwortungsbereichs.

 
     
 
   

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Versagen
 
       
   
     
 

Demografie, demografische Entwicklung

Die demografische Entwicklung erzwingt angeblich die Agenda-2010-Reformen. Eine vielköpfige Enquete-Kommission mit hochkarätigen Experten hat jahrelang an der Stringenz des weitläufigen Verweissystems gearbeitet. Die journalistische Klasse hat das Herzstück der Reformrechtfertigung so veranschaulicht, dass auch der letzte Deutsche (den der Spiegel bereits auf seinem Titel hatte) den bevölkerungspolitischen Katechismus gedankenlos herunterbeten kann. Die einzige Unbekannte ist die demografische Entwicklung selber. Diese könnte einen Strich durch die Rechnung der Reformer machen und sich nicht an das Untergangsszenario halten.

 
     
 
   

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Der Familiensektor: Vom unerfüllbaren Kinderwunsch zur Dramatisierung des Geburtenrückgangs

John Bongaarts - Das Ende des Geburtenrückgangs in den Industrieländern

Sterben die Deutschen aus? Die Rhetorik des Aussterbens und ein Alternativszenario
 
       
   
     
 

Demografischer Faktor

Mythische Formel, mit deren Hilfe angeblich der Schaden errechnet werden kann, den Singles im Rentenversicherungssystem durch ihre Gebär- und Zeugungsverweigerung anrichten.

 
     
 
   

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Bestandsschutz für die 68er-Generation und hohe Sonderbeiträge für Kinderlose und die nachfolgenden Generationen? Nein!
 
       
   
     
 

Elternlosigkeit

Blinder Fleck der sozialpopulistischen Debatte.

 
     
 
   

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Die ausgeblendete Gegenfigur zur Familie

Heimkinder und das Versagen der Zivilgesellschaft

 
       
   
     
 

Familialismus

In der Wissenschaft wird damit häufig ein Denkstil bezeichnet, der sich sowohl gegen den Etatismus (Wohlfahrtsstaat) als auch gegen den Individualismus wendet (z.B. Beat FUX). Genuiner Ausdruck ist das Subsidiaritätsprinzip (Katholischer Sozialstaat). Hier wird dagegen Familialismus als Emotion verstanden, die in der Bevölkerung weit verbreitet ist. Selbst in den individualisierten Milieus ist unter der individualistischen Fassade ein latenter Familialismus vorhanden (siehe hierzu weiter Günter BURKART). Sozialpopulistische Strategien zielen mit ihrer Singlerhetorik auf diesen Emotionskern des Familialismus.

 
     
 
   

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Der subsidiäre Sozialstaat - Das Feindbild "Single-Gesellschaft" als Folge der Katholisierung der Berliner Republik

Familialismus und Familienfundamentalismus

BURKART, Günter (1991): Individualisierung und Familialismus. In: Wolfgang Glatzer (Hg.) 25. Deutscher Soziologentag 1990. Die Modernisierung moderner Gesellschaften. Sektionen, Arbeits- und Ad hoc-Gruppen, Ausschuß für Lehre, Westdeutscher Verlag, S.126-129

FUX, Beat - Familialismus

 
       
   
     
 

Familie

In sozialpopulistischen Beiträgen wird die Familie auf die Schrumpfform des Familienhaushalts reduziert. In der Singlerhetorik endet die Familiensolidarität an der eigenen Haustür. Haushaltsübergreifende, familiäre Transferzahlungen von Alt zu Jung bleiben genauso unberücksichtigt wie unbezahlte Dienstleistungen innerhalb der multilokalen Mehrgenerationen-Familie. Die Tatsache, dass die Familie im hohen Maße auch die erreichbare berufliche Position des Individuums bestimmt, kommt erst langsam wieder in den Blick.

 
     
 
   

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Mark Szydlik - familiale, ökonomische und politische Generationenbeziehungen

Walter Bien - Singles als Teil der Familie

Hans Bertram - Die multilokale Mehrgenerationenfamilie

Michael Hartmann - Der Mythos der Leistungselite 

 
       
   
     
 

Familienfundamentalismus

Spielart des Sozialpopulismus. Politische Verfechter dieses extremistischen Familialismus, zielen auf eine hierarchisch gegliederte Familienstandsgesellschaft ab. Singles sind in dieser Sicht Menschen zweiter Klasse, deren Lebensstandard denjenigen von Familien niemals erreichen dürfen. Sie werden deshalb auch als Sozialschmarotzer gebrandmarkt. Dahinter steht das Leitbild der horizontalen Gerechtigkeit. Um die gesellschaftlichen Machtverhältnisse zugunsten der - zur Minderheit stilisierten - Familienmenschen zu verschieben, plädieren ihre Vertreter für das Familienwahlrecht  und ein soziales Sicherungssystem, das den jeweils erreichbaren Lebensstandard unmittelbar an die Zahl der biologischen Kinder (Zeugen und Gebären statt Erziehen) knüpft.

 
     
 
   

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Der Familienfundamentalismus als Folge des Terrors der Individualisierungsthese

Rente nach Kinderzahl - Der nicht erklärte Krieg gegen Singles

 
       
   
     
 

Familienhaushalt

Meßlatte des Sozialpopulisten und der amtlichen Statistik. Familien, die Intimität auf Distanz leben (multilokale Mehrgenerationen-Familie), passen weder in das Raster der amtlichen Sozialstatistik noch in das Denken des Sozialpopulisten.
      
 
Familienbeziehungen werden nur in der Lebensphase zwischen Familiengründung und Auszug des letzten Kindes aus dem elterlichen Haushalts sichtbar, davor und danach leben Familien im statistischen Underground.

 
     
 
   

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Der Begriff "Familienhaushalt" und die damit verbundene Vorstellung über den einzig legitimen Weg von Erwachsenwerden, Erwachsensein und das Altern
 
       
   
     
 

Familienpartei

Partei, die den Familienfundamentalismus zum Programm erhebt. Wahlerfolge sind ein Indikator dafür, dass die politische Institutionalisierung des Konfliktes Familien contra Singles voran schreitet.  Ein Gegengewicht zum Familienfundamentalismus fehlt im deutschen Parteiensystem. Die Bezeichnung der FDP oder der Grünen als Yuppiepartei soll über dieses Defizit hinweg täuschen. Yuppieinteressen sind jedoch nicht deckungsgleich mit Singleinteressen, sondern repräsentieren nur das quantitativ vernachlässigbare Teilsegment der besser verdienenden Alleinlebenden im mittleren Lebensalter (vorwiegend Karrierefrauen). Im Sprachgebrauch des Sozialpopulismus wird zudem nicht entschieden differenziert zwischen zusammenwohnenden Yuppie-Paaren und allein lebenden Yuppies. Erstere gehören nicht zu den Singles. Die amtliche Statistik unterstützt diese Fehlzuordnung zusätzlich dadurch, dass nicht das Zusammenwohnen, sondern nur das Zusammenwirtschaften das Paarsein definiert. 

 
     
 
   

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Familienfundamentalismus

Statistik, amtliche

Yuppie
 
       
   
     
 

Grünen, die

Als Partei der Postmaterialisten gegründet, in den 80er Jahren durch Frankfurter Spontis für moderne Urbaniten erobert. Angetreten die traditionelle Familienpolitik durch eine moderne Kinderpolitik zu überwinden, sind die Grünen inzwischen mit der Generation Golf wieder in den Schoß der Tradition zurückgekehrt.

 
     
 
   

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Die Zukunft der Grünen: Von der Single- zur Familienpartei oder die neueste Revolte aus deutschen Pfarrhäusern
 
       
   
     
 

Hartz

Kurzform für diverse Agenda-2010-Gesetzesvorhaben, zudem einfallslos durchnummeriert von I bis IV. Kennzeichnend sind - meist nach Lebensform abgestufte - Zumutbarkeiten. Das zweistufige Konzept des "Forderns & Förderns" hat seinen Schwerpunkt auf dem Fordern. Folgt man dem Zeitgeistfeuilleton, dann schafft Hartz das, was der Kommunismus nicht geschafft hat: den neuen Menschen.

 
     
 
   

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Susanne Danke & Julia Schoon - Sind wir Singles die Deppen der Nation?
 
       
   
     
 

Individualisierungsprosa

Textsorte, die durch Ulrich BECK popularisiert wurde. Die Individualisierungsprosa führte Anfang der 80er Jahre die Neue Linke aus der selbstverschuldeten Sinnkrise. BECK rüttelte zwar nicht an den Gitterstäben des Kanzleramtes, aber an den Gitterstäben der Einsamkeit. Mit dieser BENNlastigen Weinerlichkeit traf BECK den Nerv des Lebensgefühls nach dem Fall der Mauer. Als Meister der Singlerhetorik bediente er in den 90er Jahren die gegensätzlichsten Bedürfnisse einer orientierungsgierigen Gesellschaft, der die Grundkoordinaten verloren gegangen waren. Mit dem Dahinsiechen der neuen sozialen Bewegungen, dem Ende der Vereinigungseuphorie und des New Economy-Hypes, die beide das Auseinanderdriften der Lebenslagen lange verdeckt hatten, steht nun die grundlegende Revision der Individualisierungsprosa unwiderruflich auf der Tagesordnung.

 
     
 
   

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BECK, Ulrich - Black Box Einpersonenhaushalt

Der Terror der Individualisierungsthese - Oder der neue Familienfundamentalismus als Folge der Individualisierungsdebatte

Die Rückkehr der Klassengesellschaft - Oder der lange Abschied von den Individualisierungsverheißungen
 
       
   
     
 

Kinderberücksichtigungsgesetz

Wortungetüm aus dem Hause Ulla SCHMIDT. Rot-Grün reagiert damit auf die Vorgaben des Bundesverfassungsgericht, das in seinem Pflegeurteil aus dem Jahr 2001 die angemessene Berücksichtigung des generativen Beitrags von Familien verlangt. Die Debatte um höhere Beiträge für Kinderlose hat jedoch nur eines klar gemacht: Kinderlosigkeit ist kein unumstrittener Begriff, sondern eine Frage moderner Scholastik. Kinderlos ist demnach, wer seine Elternschaft nicht politisch korrekt inszenieren kann, d.h. keine mediengerechte Lobby besitzt.

 
     
 
   

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Die Debatte um das Karlsruher Urteil zur Pflegeversicherung auf einen Blick: Akteure, Themen und Konsequenzen für "Singles"
 
       
   
     
 

Kinderlose

Sozialmoralisch als defizitär angesehene soziale Gruppe. Ihr zahlenmäßiger Umfang ist die Folge aufwendiger Definitions- und Berechnungsmethoden. Sozialpopulisten scheren sich nicht darum, sondern betrachten sie mit der Haushaltsbrille, die ihnen die amtliche Statistik liefert. Kinderlose sind demnach Personen, die in Haushalten ohne Kindern leben. Eine solche Sichtweise kennt weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern lebt ganz im Hier und Jetzt, was im übrigen der Perspektivlosigkeit der Politik entgegen kommt. Die Gegenwart wird je nach Bedarf gerne auch auf die Zukunft hochgerechnet, sodass momentan Kinderlose umstandslos den dauerhaft Kinderlosen zugeschlagen werden. Den Offenbarungseid leistet eine solche Sichtweise dann, wenn es um die Umsetzung konkreter Gesetze geht und angeblich Kinderlose um ihre Anerkennung als Eltern kämpfen. Dann stellt sich der vermeintliche Konflikt Familien contra Singles als das heraus, was er ist: ein Krieg der Familien. 

 
     
 
   

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Geburtenkrise - Die politische Konstruktion eines Themas

Die Kultur der Kinderlosigkeit in Deutschland: Gewollte Kinderlosigkeit - ein Tabuthema rückt in den Mittelpunkt der politischen Debatte

Ein Leben ohne Kinder - Ein von Michaela Kreyenfeld & Dirk Konietzka herausgegebener Sammelband fasst erstmals den sozialwissenschaftlichen Stand zur Kinderlosigkeit in Deutschland zusammen
 
       
   
     
 

Krieg der Familien

Folge des katholischen Sozialstaats, der den Verteilungskonflikt in die Arbeitnehmergesellschaft verlagert. Solidargemeinschaft ist nun nicht mehr die Sozialpartnerschaft von Kapital und Arbeit, sondern allein die Arbeitnehmerschaft. Verschärft wird diese Situation durch familienfundamentalistische Strömungen, die eine Spaltung der Arbeitnehmerschaft durch die Neueröffnung der Konfliktlinie zwischen so genannten  Kinderlosen und so genannten Eltern forcieren. Der Kampf um die Frage, wer als Familienmensch gelten kann, entscheidet darüber, wer zukünftig Verlierer oder Gewinner im neuen Verteilungskampf sein wird.  

 
     
 
   

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Die Singles zwischen den Fronten des Kulturkampfes

Der subsidiäre Sozialstaat - Das Feindbild "Single-Gesellschaft" als Folge der Katholisierung der Berliner Republik

Die Neuerfindung des Sozialen. Oder: Der Sozialstaat im flexiblen Kapitalismus
 
       
   
     
 

Krieg der Generationen

Angeblich die Konsequenz des demografischen Wandels, falls die geplanten Agenda-2010-Reformen scheitern. Fällt der Generationenkrieg aus, dann haben wir es dem Krieg der Familien zu verdanken.

 
     
 
   

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weiterführende Links

Eine Einführung in die Generationendebatte

Generationenforschung - Ein Überblick

Die Theoretiker des politischen Generationenkonflikts
 
       
   
     
 

Nachwort

Das kleine Wörterbuch des Sozialpopulismus ist keineswegs vollständig, sondern wird zu gegebener Zeit fortgeschrieben. Anregungen und konstruktive Kritik ist erwünscht. Einfach eine Mail an webmaster@single-generation.de schicken.

 
     
 
   

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Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Erstellt: 27. September 2004
Update: 26. Januar 2017