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Kommentierte Bibliografie

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

 
       
   

Eine Bibliografie der Debatte um die Geburtenentwicklung (Teil 6)

 
       
     
       
   
     
 

Vorbemerkung

Die mediale Berichterstattung zur Geburtenentwicklung richtet sich nicht nach der Faktenlage, sondern nach politischen Interessen. Um diese deutlich zu machen werden in dieser Bibliografie ab heute (02.07.2012) nach und nach ausgewählte Medienberichte und Literatur zum Thema chronologisch dokumentiert. Die Kommentare entsprechen jeweils dem Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, falls nichts anderes vermerkt ist.

Kommentierte Bibliografie (Teil 6: 2009)

2009

DESTATIS (2009): Weitere Bevölkerungsabnahme für 2008 erwartet,
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 07.01.

"Nach vorläufigen Berechnungen hat sich die Zahl der Geburten im Vergleich zu 2007 kaum verändert und die der Sterbefälle leicht erhöht: Es wird mit wiederum etwa 680 000 bis 690 000 Geburten und mit etwa 835 000 bis 845 000 Sterbefällen gerechnet. Das sich aus der Differenz aus Geburten und Sterbefällen ergebende Geburtendefizit wird dadurch von gut 142 000 im Jahr 2007 voraussichtlich auf etwa 150 000 bis 160 000 ansteigen", meldet das Statistische Bundesamt.

OESTREICH, Heide (2009): Später Kindersegen? Nicht in Deutschland.
Studie: In ganz Europa wird das Projekt Nachwuchs oft hinausgezögert. Aber hierzulande bleibt er dann ganz aus,
in:
TAZ v. 13.01.

"Erfreuliche Geburtenentwicklung auch 2008

Im Jahr 2007 wurden zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder mehr Kinder geboren als im Vorjahr. Bis dahin war sogar der Rückgang jährlich gewachsen. Diese positive Entwicklung bestätigte sich laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2008. So wurden im Jahr 2008 beispielsweise in der Bundeshauptstadt Berlin laut einer Befragung der Berliner Standesämter von Dezember 2008 so viele Kinder geboren wie seit 1990 nicht mehr. Das Max-Planck-Institut für Demografische Forschung hat Ende 2008 resümiert: „Die vergleichende Forschung zeigt, dass Maßnahmen der Familienpolitik eine positive Wirkung auf Geburtenraten haben können: Bedeutsam sind dabei materielle Anreize, Maßnahmen, die die Spannung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa durch Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten reduzieren, die Förderung der Gleichstellung von Geschlechtern sowie ein anhaltendes Engagement auf Seiten der Politik.", heißt es im Familienreport 2009 (S.10f.)

DDP (2009): Geburtenzahl in Deutschland steigt,
in:
faz.net v. 15.02.

ENGELS, Silvia (2009): "Das ist keine Revolution".
NRW-Familienpolitiker analysiert Familienreport 2008. Wolfgang Jörg im Gespräch,
in:
DeutschlandRadio v. 16.02.

SIEMS, Dorothea (2009): Von der Leyen will künstliche Befruchtung erleichtern.
Hohe Kosten schrecken Paare von der Behandlung ab - Sachsen zahlt Zuschüsse, andere Länder prüfen Kostenübernahme,
in:
Welt v. 16.02.

SIEMS, Dorothea (2009): Mehr Kinder, und günstiger,
in:
Welt v. 16.02.

KAMMHOLZ, Karsten & Miriam OPRESNIK (2009): Deutsche Paare denken um: Kinder, Ja bitte!
"Folge des Elterngelds". Baby-Plus auch in Hamburg,
in: Hamburger Abendblatt v. 16.02.

KAMMHOLZ, Karsten (2009): Zahl der Geburten steigt.
Diese Reform verdient den Namen,
in: Hamburger Abendblatt v. 16.02.

SCHLEGEL, Matthias (2009): Zuschuss zur Zeugung.
Der Druck auf den Bund wächst, die Kosten für künstliche Befruchtungen wieder komplett zu übernehmen,
in: Tagesspiegel v. 16.02.

BOLDEBUCK, Catrin (2009): Elterngeld allein reicht nicht,
in: Stern Online v. 16.02.

SZ-Thema des Tages: Die Deutschen sterben doch nicht aus

BERTH, Felix (2009): Rezepte mit erfreulichen Nebenwirkungen.
Die Familienpolitik hat es offenbar geschafft, dass sich immer mehr deutsche Paare für Nachwuchs entscheiden,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.02.

WEIßMÜLLER, Laura (2009): Zu spät gibt es nicht.
Wann Frauen Kinder bekommen. Gespräch mit Michaela Kreyenfeld,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 17.02.

WEIßMÜLLGER befragt die Michaela KREYENFELD zum Anstieg der Spätgebärenden in Deutschland. Dass dieser Anstieg von den Demografen nicht ausreichend berücksichtigt wurde, ist von single-generation.de frühzeitig kritisiert worden

taz-Brennpunkt: Deutsche kriegen mehr Kinder

JANZ, Nicole (2009): Wieder ein paar Babys mehr.
Die Zahl der Geburten ist in Deutschland im vergangenen Jahr wieder leicht gestiegen. Vor allem mehr Frauen zwischen 30 und 40 Jahren haben Kinder bekommen. Das zeigt der aktuelle "Familienreport", den Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Montag vorstellte,
in:
TAZ v. 17.02.

DRIBBUSCH, Barbara & Nicole JANZ (2009): Mit Kind durch die Krise.
Arbeitslose Männer schrecken in Krisenzeiten vor Familiengründung zurück, schlechter qualifizierte Frauen wechseln in Mutterrolle,
in:
TAZ v. 17.02.

GASCHKE, Susanne (2009): Bilderbuch-Väter.
Deutschland feiert mehr Geburten. Das liegt an einer effektiven Politik und an Männern, die sich endlich ändern dürfen,
in:
Die ZEIT Nr.9 v. 19.02.

Hatte Susanne GASCHKE nicht vor 6 Jahren die Rente nach Kinderzahl gefordert, weil die junge Generation zu gebärfaul sei. Und jetzt ist plötzlich alles in Ordnung?

Bis zur Bundestagswahl 2005 hatte GASCHKE überhöhte Zahlen zur Kinderlosigkeit von Akademikerinnen verbreitet, von denen die SZ heute nichts mehr wissen will. War GASCHKE nicht eine zentrale Akteurin des Krisengeredes, das sie bei ihren Ausführungen zum Krisengerede der Jahre 1995 - 2005 vergessen hat?

AP (2009): Geburteneinbruch im zweiten Monat in Folge.
Im November 2008 wurden im zweiten Monat in Folge deutlich weniger Babys geboren als im entsprechenden Vorjahresmonat,
in:
faz.net v. 09.03.

BERTH, Felix (2009): Weniger Geburten trotz Elterngeld.
Statistiker melden Rückgang der Baby-Zahlen im Jahr 2008,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.03.

BERTH, Felix (2009): Zahlentricks der Ministerin,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 10.03.

STATISTISCHES LANDESAMT BADEN-WÜRTTEMBERG (2009): "Späte Elternschaft" liegt in Baden-Württemberg im Trend.
Bereits bei jeder vierten Geburt ist die Mutter 35 Jahre oder älter, bei jeder sechsten Geburt der Vater mindestens 40 Jahre alt,
in:
Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg v. 10.03.

DESTATIS (2009): 2008: Mehr Sterbefälle und Eheschließungen, etwas weniger Geburten,
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 07.04.

"Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ist nach vorläufigen Ergebnissen die Zahl der lebend geborenen Kinder in Deutschland im Jahr 2008 mit 675 000 Kindern gegenüber der vergleichbaren Zahl des Vorjahres (683 000) leicht zurückgegangen (– 1,1%). Das vorläufige Jahresergebnis liegt unterhalb der Schätzung von etwa 680 000 bis 690 000 Geburten, die Destatis Anfang des Jahres auf Grundlage der bis dahin verfügbaren Angaben vorgenommen hatte (Pressemitteilung vom 7. Januar 2009). Grund dafür ist die jetzt erkennbare schwächere Geburtenentwicklung in den letzten Monaten des Jahres 2008", heißt es in der Pressemitteilung.

Im aktuellen Jahresrückblick von single-generation.de wurde bereits darauf hingewiesen, dass es fragwürdig sei, von einem Erfolg der Familienpolitik zu sprechen. Noch Mitte Februar wurde die Familienpolitik insbesondere von den Befürwortern des Elterngeldes - anlässlich einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Familienreports 2009 bejubelt.
Die SZ ruderte erst am 10. März zurück. Neuerdings entdecken postfeministische Journalistinnen die biologische Uhr des Mannes. Die torschlußpanischen Männer sind derzeit der letzte Schrei. Ob das die Geburtenentwicklung beeindrucken wird, bleibt fraglich. Absolute Geburtenzahlen sind zudem wenig aussagekräftig in Zeiten, in denen die Anzahl der potenziellen Mütter rückläufig ist.

BEATTY, Sharon & Maike BRAUN (2009): Wo bleiben die Babys?
in: WAZ Online v. 07.04.

LAUFER, Benjamin (2009): "Politik wirkt erst in 15 Jahren.
Ob sich Elterngeld und Kita-Ausbau auf die Geburtenzahlen auswirken, zeigt sich erst nach langer Zeit, sagt Familienforscher Hans Bertram. Denn Menschen reagieren nicht mechanisch auf Regeln,
in: taz.de v. 08.04.

JANZ, Nicole (2009): Trotz Elterngeld bleibt Babyboom aus.
Im Jahr 2008 ist die Zahl der Geburten überraschend auf 675.000 gesunken - das liegt unter den bisherigen Schätzungen. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) übt sich nun in Demut. Sie hatte voreilig einen Aufwärtstrend verkündet,
in: TAZ v. 08.04.

BRUNS, Tissy (2009): Ursulas heile Familie.
Die sinkenden Geburtenzahlen widerlegen das Elterngeld nicht. Trotzdem bleibt dessen Wirkung auf die Familientauglichkeit der Gesellschaft beschränkt,
in: Tagesspiegel v. 08.04.

MONATH, Hans (2009): Wieder weniger dicke Bäuche.
Die Geburtenzahlen gehen zurück – das bringt Familienministerin Leyen in Erklärungsnot,
in: Tagesspiegel v. 08.04.

TICHOMIROWA, Katja (2009): Von zarten Pflänzchen.
In Deutschland werden weniger Kinder geboren,
in: Berliner Zeitung v. 08.04.

SIEMS, Dorothea (2009): Doch kein Babyboom.
Kinderwunsch ist mit Politik nicht zu manipulieren,
in: Welt Online v. 08.04.

SIEMS, Dorothea (2009): Geburten als Maßstab,
in: Welt Online v. 08.04.

MÖLLER, Barbara (2009): Der Flop der Familienministerin.
Der Abwärtstrend ist unumkehrbar, sagt der renommierte Demograf Herwig Birg,
in: Hamburger Abendblatt v. 08.04.

FAHRUN, Joachim (2009): Deutsche werden weniger, nur Berliner werden mehr,
in: Berliner Morgenpost v. 08.04.

PANY, Thomas (2009): Weniger Geburten in Deutschland.
Neueste Zahlen des statistischen Bundesamtes entzaubern den "magischen Fruchtbarkeitsfaktor" Elterngeld,
in: Telepolis v. 08.04.

GERMIS, Carsten & Inge KLOEPFER (2009): Wo kommen die Kinder her.
Das Elterngeld sollte einen Babyboom bei qualifizierten Frauen auslösen. Das klappt nicht. Kinder kriegt vor allem die Unterschicht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.04.

PETROPULOS, Kostas (2009): Familienpolitik in der Wirtschaftskrise.
Geburtenknick dank Elterngeld?
in: DeutschlandRadio v. 15.05.

DRÖSSER, Christoph (2009): Republik in Schieflage.
Deutschlands Bevölkerung schrumpft - doch nicht überall in gleichem Maße. In manchen Regionen ist die Zahl der Geburten größer als die der Todesfälle, manche ziehen Zuwanderer an, andere verlieren Einwohner. Blick auf ein Land im Wandel,
in: Die ZEIT Nr.29 v. 09.07.

DESTATIS (2009): 2008: Kinderlosigkeit nimmt zu,
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 29.07.

"In Deutschland bleiben immer mehr Frauen ohne Kinder. 2008 hatten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 21% der 40- bis 44-jährigen Frauen keine Kinder zur Welt gebracht. Dagegen waren unter den zehn Jahre älteren Frauen (Jahrgänge 1954 bis 1958) 16% und unter den zwanzig Jahre älteren (Jahrgänge 1944 bis 1948) nur 12% kinderlos. Von den Frauen zwischen 35 und 39 Jahren hatten 2008 26% noch keine Kinder, allerdings wird sich in dieser Altersgruppe der Anteil der kinderlosen Frauen noch vermindern", heißt es in der Pressemeldung, in der Ergebnisse des Mikrozensus 2008 veröffentlicht werden. Außerdem fand eine Pressekonferenz zum Thema Mikrozensus 2008 - Neue Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland statt.

Das Statistische Bundesamt hat heute die aktuellen Zahlen zur Kinderlosigkeit in Deutschland für das Jahr 2008 veröffentlicht. Danach blieben die Geburtsjahrgänge 1964 - 1968 nur zu 21 % kinderlos.
Wer die Debatte der vergangenen 10 Jahre verfolgt hat, der weiß, dass dem Geburtsjahrgang 1965 von Nationalkonservativen eine Kinderlosigkeit von über 32 % nachgesagt wurde.
Der Demograf Herwig BIRG war maßgeblich für die Verbreitung der überhöhten Zahlen verantwortlich. Soziologen wie Franz-Xaver KAUFMANN schrieben im Anschluss daran Bücher über die Schrumpfende Gesellschaft. Noch im Jahr 2005 wies KAUFMANN den Anteil der Kinderlosen des Jahrgangs 1965 mit 32,1 % aus, um seinen Horrorszenarien Nachdruck zu verleihen. Auf dieser Website wurde diese Debatte umfangreich dokumentiert. Keiner kann behaupten, dass man es nicht besser hätte wissen können.

Wenn das Statistische Bundesamt nun seine Pressemitteilung mit Kinderlosigkeit nimmt zu veröffentlicht, dann wird unterschlagen, dass die heute veröffentlichten Daten eine wesentlich geringere Kinderlosigkeit ausweisen wie jene, die bis 2007 Jahr um Jahr ausgewiesen wurde.
Auf dieser Website wurde die Praxis des Statistischen Bundesamtes seit dem Jahr 2001 regelmäßig kritisiert. Es wurde die politische Konstruktion der Geburtenkrise angeprangert. Vehement wurden Journalisten wie Susanne GASCHKE angegriffen, die allein Kinderlose für die Misere der Sozialsysteme verantwortlich machen wollten.

Im Rückblick auf das Jahr 2007 wurde auf single-generation.de geschrieben, dass die wissenschaftliche Erforschung der Kinderlosigkeit endlich beginnen kann. Mit dem Mikrozensus 2008 werden erstmals die Kinder einer Frau korrekt erfasst. Das lange verheimlichte Desaster der deutschen Bevölkerungswissenschaft zeigt sich nun in vollem Umfang.
Bereits im Sommer 2007 hat single-generation.de das lesenswerte Buch Leben ohne Kinder rezensiert und damit auch eine Bestandsaufnahme zum Thema Kinderlosigkeit in Deutschland vorgelegt. Als Fazit zur Anzahl der Kinderlosen hieß es dort:

"Aufgrund der unerwarteten Zunahme der Spätgebärenden in Westdeutschland und einer wesentlich niedrigeren Kinderlosigkeit in den neuen Bundesländern, die wegen der hohen Zahl unehelicher Geburten lange Zeit unerkannt blieb, wird in Deutschland das Ausmaß der Kinderlosigkeit deutlich unter dem von Herwig BIRG geschätzten ein Drittel lebenslang Kinderloser bleiben".

Es zeigt sich angesichts der heutigen Veröffentlichung, dass diese Einschätzung richtig war. Noch die optimistischsten Schätzungen der Wissenschaftler waren zu pessimistisch. Die Dokumentation der Debatte auf single-dasein.de und single-generation.de macht sichtbar, wie Nationalkonservative und ihre Trittbrettfahrer von Franz-Xaver KAUFMANN bis Frank SCHIRRMACHER in der Vergangenheit von einer völlig veralteten Bevölkerungsstatistik profitierten. Der Mißstand wurde lange Zeit nur auf dieser Website öffentlich angeprangert.

Erst im Herbst 2006 wurden erste Ergebnisse einer modernen Bevölkerungsstatistik veröffentlicht. Die Printmedien hatten ebenso wenig ein Interesse an einer Offenlegung des Skandals wie die Wissenschaft - von der Politik ganz zu schweigen. Dies lässt sich auf den Websites single-dasein.de und single-generation.de detailliert überprüfen. Die Aufarbeitung dieses Skandals dürfte nun endlich beginnen.
Mit dem Buch Die Single-Lüge aus dem Jahr 2006 liegt eine erste Bestandsaufnahme dieses Skandals vor.

ÖCHSNER, Thomas (2009): Ein Leben ohne Kind.
Vor allem westdeutsche Akademikerinnen haben keinen Nachwuchs - Migranten hingegen gründen große Familien,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.

BERTH, Felix (2009): Späte Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.

GASEROW, Vera (2009): Bildung statt Nachwuchs.
Statistiker untersuchen Kinderlosigkeit,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.07.

MIES, Petra (2009): Immer weniger Nachwuchs.
Ein eigenes Kind? Nie. Oder doch?
in: Frankfurter Rundschau v. 30.07.

SEIBEL, Andrea (2009): Ohne Kinder,
in: Welt v. 30.07.

SIEMS, Dorothea (2009): Bei den Geburten liegen die ostdeutschen Frauen vorn.
Nach wie vor ist der Anteil der Kinderlosen in den alten Bundesländern höher - Einwanderinnen sind häufiger kinderreich,
in: Welt v. 30.07.

Die Welt betonte bereits in der Vergangenheit den Trend zur Kinderlosigkeit besonders stark. Man schreckte auch vor unseriöser Berichterstattung nicht zurück. Das ändert sich auch bei Dorothea SIEMS nicht:

"Die Studie verweist darauf, dass fast jede zweite Frau zwischen 30 und 35 Jahren noch keine Kinder hat. Zwar könnten diese Frauen noch Mutter werden. Doch seien mit 34 Jahren immer noch 35 Prozent der Frauen kinderlos. Unter denjenigen, die heute Mitte fünfzig sind, seien dagegen lediglich 20 Prozent in ihrem 35. Lebensjahr noch kinderlos gewesen",

wird berichtet. Unerwähnt bleibt, dass in der Altersgruppe der 35-39Jährigen nicht mehr 43 %, sondern nur noch 26 % kinderlos sind. Der Trend zur Kinderlosigkeit ist also zuallererst ein Trend zum späteren Kinderkriegen.

Dass die unseriöse Berichterstattung in den Medien zur Kinderlosigkeit beiträgt, kann daran ermessen werden, dass in Jahren mit Bundestagswahlen in der Regel weniger Kinder geboren werden als in anderen Jahren, in denen Kampagnen gegen Kinderlose seltener sind. Schließlich sind Kinderlose potenzielle Eltern.

VÖLPEL, Eva (2009): Mehr Frauen ohne Kinder.
Die Kinderlosigkeit, nicht der Trend zu weniger Kindern, drückt laut Statistischem Bundesamt die Geburtenrate. 21 Prozent der 40- bis 44-jährigen Frauen aktuell ohne Nachwuchs,
in: TAZ v. 30.07.

VÖLPEL geht - im Gegensatz zu allen anderen Medienberichten - zumindest auf die Fehlschätzung hinsichtlich der Kinderlosenzahlen von Akademikerinnen in der Vergangenheit ein:

"Die Zahlen zeigen, dass auch die Wiesbadener Behörde nichts mehr von einer Akademikerinnen-Kinderlosenquote von 40 Prozent wissen mag, die sie noch vor ein paar Jahren in die Welt gesetzt hatte und die damals sehr deutlich als Begründung für die Einführung des Elterngeldes herhalten musste."

GILLMANN, Barbara (2009): Akademikerinnen bleiben oft kinderlos.
Mikrozensus bestätigt gefährlichen Trend in Deutschland,
in: Handelsblatt v. 30.07.

"Der Anteil der Frauen in Deutschland, die kinderlos bleiben, hat in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen. Besonders verbreitet ist das Phänomen bei sehr gut ausgebildeten Frauen: In dieser Gruppe ist jede vierte Frau jenseits der 40 kinderlos. Diese Tendenz ist der Hauptgrund für die niedrige Geburtenrate - und nicht etwa eine sinkende Kinderzahl je Familie",

behauptet GILLMANN. Aber stimmt das überhaupt? Fakt ist, dass die Geburtenrate in den letzten Jahrzehnten, in denen die Kinderlosigkeit zugenommen hat, auf etwa dem gleichen Niveau verharrt hat. Die Geburtenrate ist also in jenen Jahren stark gefallen, in denen die kinderreichen Familien zurückgegangen sind. Diese Sicht wird auch von Familiensoziologen wie Hans BERTRAM vertreten.
Auch anhand der veröffentlichten Zahlen lässt sich dies nachweisen. Vergleicht man z.B. nur die westdeutschen Akademikerinnen (Sie gelten ja als Hort der Kinderlosen!) der Vor-68er Generation (hier die Altersklassen der 1933-1938 Geborenen), der 68er-Generation (hier die Altersklassen der 1944-1948 Geborenen) und der Generation Golf (hier die Altersklassen der 1964-1968 Geborenen), dann zeigt sich für westdeutsche Frauen mit Fachhochschul-/Hochschulreife folgendes Bild:

Tabelle: Frauen-Generationen mit Fachhochschul-/Hochschulabschluss
  Kinderlose Mütter (Angaben in %)
Kinderzahl   1 2 3 + ?
Vor-68er 22,8 22,8 31,7 22 0,7
68er 22 24,1 36,9 14,4 2,5
Golf 29,5 20,7 33,3 11,9 4,7
Differenz1* - 0,8 +1,3 +5,2 -7,6 +1,8
Differenz2* + 7,5 - 3,4 - 3,6 - 2,5 +2,2
Quelle: Tabelle 5 in: Mikrozensus 2008 - Neue Daten zur Kinderlosigkeit. Ergänzende Tabellen zur Pressekonferenz am 29. Juli 2009 in Berlin; eigene Berechnungen
* Differenz1: Veränderungen von den Vor-68ern zu den 68ern; Differenz 2: Veränderungen der 68er zur Generation Golf

In der Spalte Differenz1 ist der Unterschied zwischen Vor-68er und 68er-Frauen sichtbar. Die Anzahl der Kinderlosen ist in etwa gleich geblieben, aber die kinderreichen Familien haben in dieser Periode genauso stark abgenommen wie die Kinderlosigkeit von der 68er-Generation zur Generation Golf zugenommen hat. Liegen aber zwischen der Abnahme der Kinderreichen nur 6 Jahre, so nahm die Kinderlosigkeit über 16 Jahre hinweg zu. Wer also nur die Änderungen der letzten Jahrzehnte betrachtet, der greift hinsichtlich der Steigerung der Geburtenrate zu kurz. Eine Geburtenrate auf Bestandserhaltungsniveau war über das gesamte 20. Jahrhundert die Ausnahme und nicht die Regel.

Was die höhere Kinderlosigkeit von hoch qualifizierten Akademikerinnen betrifft, haben Sigrid METZ-GÖCKEL in ihrer Studie Wissenschaft als Lebensform - Eltern unerwünscht? eindrucksvoll gezeigt, wie prekäre Arbeitsverhältnisse an nordrheinwestfälischen Hochschulen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinträchtigen.

GILLMANN, Barbara (2009): Kinder? Nein danke!
Die Abkehr der Akademikerinnen von der Mutterschaft verschärft die Probleme in Deutschlands Schulen,
in: Handelsblatt v. 30.07.

Die soziale Ungleichheit in Deutschland wird nicht erst - wie GILLMANN behauptet - durch die unterschiedlichen Tendenzen der Familiengründung verschärft, sondern bereits die Partnerwahl trägt - wie das Forscherteam um Hans-Peter BLOSSFELD gezeigt hat - zur Verschärfung bei. Die Dominanz der Individualisierungsthese hat dazu geführt, dass diese Phänomene lange Zeit völlig aus dem Blick geraten sind.

LEHN, Brigitta vom (2009): Bildung ist das beste Verhütungsmittel.
Das Kinderkriegen hat seine Natürlichkeit verloren. Je gebildeter Eltern sind, desto weniger zählen Intuition und Instinkt. Selbst das Elterngeld hat die Natürlichkeit, mit der man sich des Kinderkriegens annehmen sollte, eher gelähmt als befördert. Wir brauchen eine neue Unbefangenheit,
in: Welt v. 06.08.

Die Adlige vom LEHN polemisiert gegen Akademikerinnen, die zu wenig Kinder bekommen. Mit der Bildung verliere die Frau ihre Natürlichkeit, ist ihre These. Der Schweizer Soziologe Peter GROSS kann in der NZZ der "Natürlichkeit" nur wenig abgewinnen, sondern begrüßt den kulturellen Fortschritt:

"Während der Kindersegen in früheren, gar nicht so fernen Zeiten schicksalshaft über die Familien hereinbrach, sind die Kinder von heute – im Prinzip – Wunschkinder. Die sogenannte Unterjüngung ist deshalb ein begrüssenswerter Ausdruck millionenfacher Entscheidungen von Paaren, Kinder zu haben – oder auf solche zu verzichten."

Dummerweise ist der Geburtenrückgang in Deutschland noch nicht einmal ein Produkt höherer Bildung, denn bereits ab 1900 wird das Problem in Deutschland diskutiert, also zu einer Zeit als studierende Frauen in Deutschland eine Seltenheit waren. Tatsächlich gibt es auch keinen einfachen Zusammenhang "Je höher die Bildung, desto weniger Kinder". Studien zeigen, dass z.B. die Studienfachwahl oder das elternfeindliche Bildungssystem die Geburtenzahl beeinflussen.

BRAUER, Markus & Jan SELLNER (2009): Die Deutschen bekommen EU-weit die wenigsten Babys.
Nur 8,2 Geburten auf 1000 Einwohner - Die Familienpolitik muss modernisiert werden, fordert Ministerin Ursula von der Leyen.
in: Stuttgarter Nachrichten
v. 04.08.

Die meisten Zeitungen haben heute eine Agenturmeldung übernommen, die sich auf die Geburten pro Einwohner eines Landes beziehen. In Fachkreisen ist seit langem bekannt, dass diese rohe Geburtenziffer für einen internationalen Vergleich untauglich ist. BRAUER & SELLNER liefern zwei Einwände gegen diese Berechnungsart mit (mehr hier).

KAFSACK, Hendrik (2009): Die Deutschen bekommen die wenigsten Babys.
Trotz Elterngeld sinkt die Geburtenziffer weiter. Schlusslicht in Europa,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 04.08.

KAFSACK gibt u.a. die Interpretation der Zahlen durch die Europäische Kommission wieder:

"Nach Einschätzung der Kommission stößt die traditionelle Familienpolitik zusehends an ihre Grenzen, da immer mehr Menschen – unabhängig von den finanziellen Folgen – schlicht gar keine Kinder mehr wollten. Das hätten Studien in Deutschland, aber auch in den Niederlanden ergeben."

KULLMANN, Kerstin & Merlind THEILE (2009): Krieg um Zahlen.
Ursula von der Leyen hat ihren politischen Erfolg eng mit der Entwicklung der Geburten verknüpft. 2008 wurden in Deutschland weniger Babys geboren, in der Statistik liegt es europaweit ganz hinten. Ist die Ministerin mit ihrer Politik gescheitert?
in: Spiegel Nr.33 v. 10.08.

DESTATIS (2009): 2008: Durchschnittliche Kinderzahl 2008 bei 1,38 Kindern je Frau,
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 04.09.

"Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, betrug die durchschnittliche Kinderzahl je Frau im Jahr 2008 in Deutschland 1,38. Gegenüber 2007, als sie bei 1,37 gelegen hatte, nahm sie damit geringfügig zu. Die durchschnittliche Kinderzahl fiel damit 2008 etwa so hoch aus wie zuletzt 2000. Einen höheren Wert hatte sie zuletzt 1990 erreicht (1,45). 2008 waren nach endgültigen Ergebnissen rund 683 000 Kinder geboren worden, etwa 2 000 weniger als 2007. Wie in den vergangenen Jahren ging die durchschnittliche Zahl der Geburten bei jüngeren Frauen auch 2008 zurück, während sie bei den Frauen ab etwa 30 Jahren zunahm. Im Westen Deutschlands blieb die durchschnittliche Kinderzahl im Jahr 2008 unverändert bei 1,37. Im Osten Deutschlands hat sie dagegen zugenommen und beträgt jetzt 1,40 (jeweils ohne Berlin). Die durchschnitt­liche Kinderzahl je Frau war zuletzt 1990 in den neuen Bundesländern höher als im früheren Bundesgebiet gewesen", heißt es in der Pressemitteilung.

BERTH, Felix (2009): Kinder, Kinder.
Über das Kinderkriegen wird seit langem heftig gestritten. Bekommen Akademikerinnen wirklich keinen Nachwuchs? Und kann Politik das beeinflussen? Sechs demographische Irrtümer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.09.

JANZ, Nicole (2009): Geburtenzahlen bleiben relativ stabil.
Familie: 2008 gibt es 2.000 Geburten weniger als im Vorjahr. Da die Statistik aber weniger "gebärfähige" Frauen ausweist, steigt die Zahl der Kinder pro Frau leicht an,
in: TAZ v. 05.09.

WINKELMANN, Ulrike (2009): Kein Honig für von der Leyen.
Über die leicht gestiegene Geburtenrate 2008,
in: TAZ v. 05.09.

RÖTZER, Florian (2009): Die Deutschen kriegen immer weniger Kinder.
Daran soll trotz Elterngeld nicht nur die Wirtschaftskrise schuld sein, erklärt die Familienministerin von der Leyen,
in: Telepolis v. 16.09.

VITZTHUM, Thomas (2009): Die Konjunkturkrise der Kinder.
Geburtenrückgang um 6,6 % trübt Bilanz der Familienministerin - Experten: Grund auch langsamer Kita-Ausbau,
in: Welt v. 16.09.

DESTATIS (2009): Im Jahr 2060 wird jeder Siebente 80 Jahre oder älter sein,
in:
Pressemitteilung Statistisches Bundesamt Wiesbaden v. 18.11.

"Heute leben in Deutschland etwa 82 Millionen Menschen, 2060 werden es voraussichtlich nur noch 65 bis 70 Millionen sein. Daneben kommt es zu erheblichen Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Heute sind 20% der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Bereits in den kommenden beiden Jahrzehnten wird der Anteil älterer Menschen deutlich steigen. »Im Jahr 2060 wird dann jeder Dritte mindestens 65 Lebensjahre durchlebt haben – jeder Siebente wird sogar 80 Jahre oder älter sein« sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis), Roderich Egeler, im Rahmen einer Pressekonferenz zur 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung.
Den hier genannten Ergebnissen liegen zwei Varianten der Bevölkerungsvorausberechnung zugrunde, die von der Fortsetzung der heute nachweisbaren demografischen Trends mit unterschiedlichen Annahmen zur Höhe der Zuwanderung ausgehen.
Die Bevölkerung geht zurück, weil die Zahl der Geburten bis 2060 stetig sinken und die Zahl der Sterbefälle bis Anfang der 2050er Jahre ansteigen wird. Das jährliche Geburtendefizit, also der Überschuss der Sterbefälle über die Geburten, wird bis 2060 auf mehr als das Dreifache zunehmen (2008: 162 000, 2060: je nach Variante 527 000 oder 553 000). An dieser Entwicklung hat die aktuelle Altersstruktur der Bevölkerung einen erheblichen Anteil. Der Bevölkerungsrückgang kann weder durch Zuwanderungsüberschüsse aus dem Ausland noch durch eine etwas höhere Kinderzahl je Frau aufgehalten werden.
Zur Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren gehören heute etwa 50 Millionen Menschen. Im Jahr 2060 werden es, je nach Ausmaß der angenommenen Zuwanderung, 27% oder 34% weniger sein. Dagegen wird die Zahl der 65-Jährigen und Älteren nach 2020 sehr stark ansteigen, weil dann die geburtenstarken Jahrgänge in dieses Alter kommen. Damit wird auch der Altenquotient – die Anzahl der Menschen im Rentenalter je 100 Personen im Erwerbsalter – erheblich zunehmen. Heute kommen 34 Senioren im Alter von 65 Jahren und mehr auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren. 2030 werden es bereits über 50 sein und 2060 dann, je nach Vorausberechnungsvariante, 63 oder 67. Für die Altersgrenze 67 Jahre wird der Altenquotient 2030 je nach Variante 43 oder 44 betragen und 2060 56 oder 59; heute liegt er bei 29.
Die genannten Ergebnisse beziehen sich auf die beiden Varianten der Bevölkerungsvorausberechung, die die Grenzen eines Korridors markieren, in dem sich die Bevölkerungsgröße und der Altersaufbau bei Fortsetzung der heute nachweisbaren demografischen Trends entwickeln werden. Diesen beiden Varianten liegen folgende Annahmen zugrunde: Die zusammengefasste Geburtenziffer bleibt annähernd konstant bei 1,4 Kindern je Frau. Die Lebenserwartung Neugeborener wird bis zum Jahr 2060 für Jungen um etwa 8 Jahre auf 85,0 Jahre und für Mädchen um etwa 7 Jahre auf 89,2 Jahre zunehmen. Zum jährlichen Wanderungssaldo (Unterschied zwischen den Zuzügen aus dem Ausland und den Fortzügen in das Ausland) wird in der einen Variante angenommen, dass er auf 100 000 Personen im Jahr 2014 steigt und dann konstant bleibt. In der zweiten Variante steigt er bis 2020 auf 200 000 und bleibt dann bei diesem Wert.
Die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung umfasst insgesamt 12 Varianten. Langfristige Bevölkerungsvorausberechnungen sind keine Prognosen. Sie haben vielmehr Modellcharakter und zeigen auf, wie sich die Bevölkerung und deren Struktur bei bestimmten Annahmen verändern würden", meldet das Statistische Bundesamt zur Bevölkerungsentwicklung.

 
     
 
       
   

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Update: 29. Januar 2017